30. Jahrgang.
fulda* Donnerstag, den 22. Oktober 1903.
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3. Wochenbeilage: „Illustrierte Zonntagzzettung
«■$et|ew: Me et* Welttee Petitseile ober Uten «an« 15 Ptz. LeNamrn die petitreitt 25 Pfg; del wieder» Holungen wird entspr. Rabatt gewährt.
Druck und Verlag der Zuldaer «etiendrnckerei in Zulda (Harmonie) Zernsprecher Nr. 9.
Berlin, den 21. Oktober 1903.
* Der Kaiser hat mit Zustimmung des Bundesrats den Direktor im Reichsjuflimmt Dr. Gutb rod zum Reichsgerichtspräsideuten ernannt. Dieser wird damit Nachfolger des bisherigen Präsidenten Dr. v. Oeylschläger, der seit 1891 an der Spitze des Reichsgerichts gestanden «nd im Mai v. I. sein SOjähriges Dienstjubiläum gefeiert hat. Der neue Präsident ist aus Stutt- Sart gebürtig, wirkte kurze Zeit in Stuttgart als lmtsrichter und wurde vor 27 Jahren ms Reichsjustizamt berufen, dem er seither ununterbrochen angehört hat. Er steht im sechzigsten Lebensjahre. Seine Lebensarbeit hat sich bisher vornehmlich in der Stille des Büreaus vollzogen.
?!? Der Oberst a. D. Gaedke hatte im ,Berliner Tagebl/ in Anlehnung an den Königs- mord in Serbien einige Aeußerungen getan, die die .Kreuzztg.' scharf zurückwies. Er klagte deshalb wegen Beleidigung, wurde aber anfang August vom Amtsgericht, ohne daß ein Termin nngesttzt wurde, kostenpflichtig abgewiesen. Auf feine eingelegte Beschwerde wurde heute gegen den Chefredakteur der ,Kreuzztg.' Dr. Krop ätsche ck, der sich im Termin als Verfafier des detreffenden Artikels nannte, verhandelt. Dieser wurde nach längerer Verhandlung, in der Kläger und Angeklagter zu Worte kamen, nach kurzer Beratung des Gerichts freigesprochen und dem Kläger, Oberst a. D. Gaedke, die Kosten «uferlegt.
f Zwischen den Fre,konservativen «nd de» Rationalliberale«, die ehedem von gleichen kulturkämpferischen Gefühlen beseelt Hand in Hand Singe», will es seit einiger Zeit immer weniger immen. Die Kanalvorlage und neuerdings die Schulfrage hat die Freundschaft stark getrübt. Die freikonservative ,Post' hat immer neue Häkeleien mit der nationalliberalen Presse und Beschwerden gegen die nationalliberale Partei. Heute redet sie entrüstet von einer förmlichen -nationalliberalen Kriegserklärung". Der natto- »alliberale Abgeordnete Dr. Böttger hat in einem Zeitungsartikel ausgesprochen, auf dem nationalliberalen Delegiertentage sei die einmütige Ansicht gewesen, daß der nationalliberale Angriff »uch den Freikonservativen gelten müffe. Daß dies die Meinung der Parteileitung war, will die .Post' aus zahlreichen Spuren einer gegen dre Freikonservativen von Berlin und der Zentralleitung aus gerichteten Einwirkung erkennen. Mit den Rechtsnationalliberalen will die,Post' trotzdem in Zukunft gute Freundschaft halten, nicht aber mit denen, die diese an die Wand drücken oder aus der nationalliberalen Partei hinausdrängen wollen.
In der Generalsynode erstattete am Dienstag Dr. Witte aus Darmstadt Bericht über den evangelischen Bund, deffen Tätigkeit er nach Kräften herausstrich. Er bat
5>as Majorat.
Roman von Ewald AugustKöuig.
U '------ (Nachdruck verboten.)
„Man behauptet, er sei damals ein leichtsinniger Berschwender gewesen", warf Hermann ein.
»Leichtsinnig, ja, das war er, und er mag auch wohl viel Held auSgegeben haben, aber daran trug die schlechte Gesellschaft die Schuld. Er hat es mir selbst gesagt, der Sohn des Verwalters fei sein Verführer, und er könne sich nicht von ihm losmachen, «eil er chm Geld schulde. Ich hab's an Bitten und Sogar an Tränen nicht fehlen lasten, er faßte dann die besten Vorsätze, aber nach einigen Tagen war's wieder die alte Geschichte."
. „Das vergelte Ihnen Gott, Marie", sagte die Baronin bewegt, indem sie der alten Frau die Hände bot, und Marie Burger neigte sich über diese beiden Hände und küßte fie.
„Ich habe getan, was ich für meine Pflicht hielt", ßr sie fort, „ich habe alles versucht, um ihn von
leichtsinnigen Bahn abzubringen. Ich habe ihn «ach an Sie erinnert und ihm bewiesen, wie schlimm «r sein Onkel mit ihm meinte; aber es war alles ver- ßebens, der Verführer blieb ihm stets zur Seite, da «unten die besten Worte nichts ausrichten."
„ES müssen noch andere in dieser Gesellschaft gewesen sein!" sagte Hermann.
„Ja, junge Herren, die nichts zu verlieren hatten, Spieler von Profession, die sich an ihn hingen und ihm da- Geld aus der Tasche lockten, liederliches Volk mit dem Auftreten eines vornehmen Herrn. Einige von ihnen find später ins Zuchthaus ge- fcmmen, die anderen haben fich aus dem Staube gewacht, nur der Führer der Bande, der Berwalters- fehn, »ahnt noch hier, er muß damals gute Geschäfte gemacht haben, denn er ist sitzt Bankier."
um Sympathie für bie Arbeit des Bundes, erntete aber nur auf der Linken einigen Beifall. Einer Besprechung würdigte die Synode den Bund nicht, auch wurde eine Resolutwn nicht gefaßt. Die .Kreuzztg.' meint, eine amtliche Berichterstattung über den Evangelischen Bund gehöre überhaupt nicht auf die Generoersamm- lunq, zumal da in evangelisch-kirchlichen Kreisen die Meinungen über seine Wirksamkeit geteilt seien. Den Freunden des Bundes sei es aber gelungen, die Generalsynode vor eine vollbrachte Tatsache zu stellen in dem Sinne, daß eine vollständige Absetzung des einmal auf die Tagesordnung gebrachten Gegenstandes ohne schwere Bloßstellung des Bundes und seiner Freunde nicht mehr erreichbar war. Da der Bund auch in positiven Kreisen zahlreiche Freunde zähle, sei man in vertraulichen Verhandlungen überein» gekommen, den Bericht unter der Voraussetzung entgegenzunehmen, daß der Vorttag Wittes die Gegner nicht heraus fordere, und unter der Bedingung, daß an ihn keine Besprechung und Beschlußfassung geknüpft werde. Auf diese Weise habe man der Generalsynode einen Streit über die Wertschätzung des Bundes und damit der evangelischen Kirche eine schwere Bloßstellung ersparen wollen. Auch seien bei diesen Verhandlungen den Vertretern und Freunden des Bundes über die Art des Auftretens feiner Organe ernste Vorwürfe gemacht worden, insbe- fondere wegen der Beschimpfungen, welche die Korrespondenz des Bundes systematisch gegen die konservativen Parteien sowie einzelne ihrer Mitglieder und Zeitungen gehäuft hat. Ebenso war' bemängelt worden, daß der Herausgeber der Korrespondenz sich an der Wahlagitation gegen die Konservativen beteiligt und in deren Reihen Unfrieden zu stiften versucht hat. In seinem Vortrage erkannte Dr. Witte auch an, daß die Korrespondenz sich gegenüber den Gegnern des Bundes oft eines durchaus ungehörigen Tones bedient habe. Dies Anerkenntnis wurde auf der Rechten mit Beifall begrüßt. Ueber ihre grundsätzliche Stellung zum Bunde bemerkt bemerkt die .KreuMtg.' weiter:
„Wir würden unS freuen, wenn es dem Bunde gelänge, durch die fernere Art seiner Tätigkeit die Bedenken zu beseitigen, zu denen seine Arbeit und namentlich die Form seiner Polemik in positiven Kreisen Anlaß gegeben hat. Unsere Stellung zu ihm würden wir erst ändern können, wenn nach dieser Richtung hin erkennbare Zeichen des Umschwunges vorliegen und die Zusagen, die der Berichterstatter in der Generalsynode gemacht hatte, wenigstens in bescheidenem Umfange erfüllt sein werden. Gewiß trennt uns eine unüberbrückbare Kluft von der römischen Kirche. Aber der Bund wird alles vermeiden müssen, was die Meinung aufkommen läßt, als ob mit der Bekämpfung Roms die Aufgaben der evangelischen Christen erschöpft wären. Er wird sich erinnern müssen, daß der Kampf gegen den Halbglauben und Unglauben mindestens ebenso wichtig ist, wie der gegen Rom, und daß unter Umständen die christliche Grundlage der evangelischen und der römischen Kirche beide zu gemeinsamem Kampfe gegen den Unglauben zusammenführen kann. Er wird ferner beherzigen müssen, daß die Stärkung des inneren religiösen Lebens auf dem Grunde der Bekenntnisse unserer Kirche die wirksamste Waffe gegen die römische Kirche ist. Er wird sich endlich stets bewußt sein müssen, daß in dem notwendigen Kampfe gegen die römische Kirche, auch gegen
„Sie werden gewiß auch das Ereignis kennen, daS Baron Dagobert zur Flucht zwang", nahm der Advokat wieder das Wort, „ich darf wohl annehmen, daß Ihr Mann fich damals genau danach erkundigt hat."
„Ja, das dürfen Sie annehmen, denn mein Mann ist sehr neugierig, er muß alles wissen", erwiderte Marie Burger, „es ist der einzige Fehler, den er hat, er teilt ihn wohl mit allen Genossen seiner Zunft. Die Gesellschaft kam jeden Abend in einem Wirtshause zusammen, indem fie ein besonderes Spielzimmer hatte. Es wurde hoch gespielt und Baron Dagobert verlor immer. Das mag ihn wohl stutzig gemacht haben, und sein Verdacht gegen die Rotte war sicherlich auch begründet; aber statt ihr den Rücken zu wenden, warf er an jedem Abend dem Manne, der gerade die Bank hielt, die Karten ins Gesicht und nannte ihn einen falschen Spieler. Und nun drangen alle in ihn ein, weil fie sich alle getroffen fühlten, nur der junge Schreiber, sein Verführer, soll auf seiner Seite und auch derjenige gewesen sein, der ihm den Stockdegen in die Hand gab. Wie es bann weiter gekommen ist, das hat niemand so recht gewußt, einer von der Bande ist plötzlich um- gesunken, und die anderen haben: Mord! gerufen. Eine Waffe hatte nur Baron Dagobert, also muß tr auch den Mord begangen haben; der junge Schreiber hat ihn aus dem Krawall her aus gerissen und zur Bahn gebracht — in derselben Nacht noch ist der Baron geflüchtet"
„Und bann brachten bie Zeitungen bie Nachricht, Baron Dagobert v. Darboren habe einen Menschen getötet unb bie Flucht ergriffen?" fragte Hermann
„Ja, so stanb'S einige Tage später in ben Zei- tunyn, aber es war nicht wahr, alles nur Komödie, es war nichts e lS eine leichte Verwundung."
„Das aber berichteten später die Zeitungen nicht?" „Nein."
„Natürlich nicht," wandte Hermann fich zu seiner Schwester, bie ihrer wachsenben Erregung kaum noch
vativen Frhr. v. Pappenheim in erster Linie die konfessionelle Erregung schuld gewesen ei, die durch die antiultramontane Wahlvereinigung in den Wahlkreis hineingetragen worden war. Wir können der,Kreuzzeitung' bestätigen, daß hier ein „Erfolg" des Evangelischen Bundes vor liegt; der konser vattve Kandidat Frhr. v. Pappenheim hat einzig und allein nur deshalb in der Sttchwahl nicht gesiegt, weil er durch seine Erklärung gegen die Aufhebung des § 2 des Jesuitengesetzes es den Katholiken unmöglich gemacht hatte, für ihn zu stimmen. Ohne allen Zweifel wären die 1900 Stimmen )er Zentrumspartei bei der Stichwahl ihm zuge- allen, wenn er den Katholiken befriedigende Zu- agen gemacht hätte. Die Zentrumswähler des Wahlkreises Marburg-Kirchhainhaben nur deshalb für Herrn v. Gerlach den Ausschlag gegeben, weil dieser sich für die Aufhebung des tanzen Jesuitengesetzes ausgesprochen hat.
(-.) Auch ein Jubiläum. Der .Vorwärts' chwelgt heute, zum 25;ährigen „Jubiläum" des Sozialistengesetzes, in Erinnerungen und Phrasen. Fast sechs Seiten lang wird da geschildert, wie es unter dem Gesetze hergegangen sei, was die Partei gelitten und wie sie die Polizei an der Nase herumgeführt habe. Auch Genosse Paul Singer ergeht sich mit dem ihm so schön stehenden Pathos über das „Schmachgesetz". Er zählt u. A. auf, wieviel Personen aus Berlin und anderen Orten ausgewiesen, wieviel Zeitungen und sonstige Druckschriften verboten, wieviel Vereine aufgelöst und wieviel Freiheitsstrafen verhängt wurden. Nach der bekannten sozial- demokratifchen Methode, die Gefängnisstrafen zu lummiren, kommt einschließlich der Untersuchungshaft die stattliche Zahl von 731 Jahren und 6 Tagen heraus. Ob Singer bei seiner Statistik auch die Ermordung des Polizeirats Rumpf in Frankfurt a. M., das Niederwaldattentat und ähnliche Verbrechen berücksichtigt hat, ist nicht ersichtlich. Jedenfalls schweigt er über die Hingerichteten Genossen. Seit 13 Jahren ist das Sozialistengesetz erloschen. Wenn jetzt die sozialdemokratische Presse sein „Jubiläum" feiert, so ist natürlich der Hauptzweck, eine Menge agitatorischer Phrasen anzubringen und so die erbitternde Wirkung zu erzielen, die das Gesetz selbst nicht mehr hervorbringt. Daß die Sozialdemokraten aus ihre Taten und ihr Martyrium unter dem Gesetze stolz sind, ist ihnen nicht zu verdenken Sie haben an Zähigkeit und Opfermut wirklich Großes geleistet. Daß ihnen allein die Aushebung des Gesetzes zu verdanken sei, ist aber ein Irrtum. Es hat schließlich in den leitenden Kreisen das gesunde Urteil über den Polizeigeist gesiegt und deshalb ließ man das Gesetz ev- löschen und die Erfahrungen, die man in den 12 Jahren (1878—1890) mit dem Gesetze gemacht hat, schreckten entschieden davor zurück, ein neues Sozialistengesetz zu erlassen. Sicher ist für eine neue Ausnahmegesetzgebung trotz aller Provokation, die die Sozialdemokraten in ihrem Uebermute und ihrer brutalen Vergewaltigungssucht sich zu schulden kommen lassen, keine Mehrheit int Reichstage zu finden.
Frage, ob er diese Bitte erfüllen kann. Der Herr Baron wohnt nicht dort, als Jäger hat er keinen festen Wobvfitz —"
„Ich weiß das wohl", unterbrach der Rechtsanwalt sie. „Die Pelzjäger haben aber gewisse Stationen, die fie jährlich besuchen, da ist es so leicht möglich, daß der Herr Baron öfter nach Syrakuse kommt und dann auch bei ihrem Freunde einkehrt, um Munition zu kaufen. In jenem Landstrich wird wohl auch eine Zeitung erscheinen, in ihr soll Baron Dagobert auf« gefordert werden, sofort zurückzukommen. Wollen Sw das all-s durch Ihren Freund besorgen lassen?"
„Sehr gern, Herr Dokior. aber ich sage Ihnen noch einmal, bauen Sienicht zu große Hoffnungen darauf.
„Sie fürchten, daß Dagobert nicht mehr lebt? fragte die Baronin besorgt.
„Warum soll ich das fürchten? Er war gesund und kräftig, gnädige Frau. Sie würden Ihre Freude an ihm gehabt haben, wenn Sie ihn gesehen hätten. Nein, ich meine nur, daß es drüben fchivierH fern wird, ihn zu finden, so lange man nicht mit Sicher- beit weife, wo er ist. Vielleicht fieht er ein ganze- Jahr lang k'ine Zeitung, wie kann er da die Aufforderung lesen?" . .
»Nun, ick setze meine Hoffnung auch auf den Zufall", sagte Heimann. „Ich werde heute noch den Bries und die Aufforderung schicken, natürlich ersetzen wir alle Kosten und Auslagen."
„Und auf unseren Dank dürfen Sie rechnen, so lange wir leben", fügte seine Schw-ster hinzu
„Nicht des Tankes wegen, sondern um der Liebe willen zu Ihnen und Ihrem Kinde zu Liebe tue ich alles, was in meinen Kräften steht," erwiderte die alte Frau, „gebe Gott, daß Ihre Hoffnungen und Wünsche fich erfüllen. Wenn Baron Dagobert zurück- käme, müßte sein Onkel HanS Eichenhorst verlassm, und die gerechte Sache behielte den Sieg. Vielleicht ließe fich dann auch ein Weg finden, auf dem allein Güte geschlichtet werden könnte. Baron Kurt hat : ein bildhübsche Tochter —"
ihre Uebetgriffe, niemals Waffen gebraucht werden : dürfen, die nicht den Geboten der christlichen L-ebe entsprechen. Sobald feine Organe in diesem Sinne handeln, wird auch unsere Stellung zum Bunde eine freundlichere fein." _ .
Diese Mahnungen sind natürlich bei dem Evangelischen Bunde verloren. Er kann nur schimpfen und hetzen.
* In der gestrigen Generalversammlung des Berliner Prefseklnbs ist dessen Auflösung beschlossen worden. Die LiquidationskoamMston wurde beauftragt, das Vermögen des Klubs zu 1 liquidieren und insbesondere die Mittel zur Tilgung des bekannten, bei Gründung des Klubs vom Bankdirektor Romeick gewährten Darlehns von 24325 Mk. flüssig zu machen.
** In einer Eingabe an den Eisenbahnminister war behauptet worden, daß bei Erdarbeiten zu Staatsbauten seitens der Unternehmer häufig z« schwache Gespanne verwendet würden, die durch unaushörliche Peitschenhiebe übermäßig angetrieben würden. In einem Erlaß des Ministers an die Eisenbahndirektionen werden nun die Baubeamten aufgefordert, ihr Augenmerk darauf zu richten, daß Tierquälereien dieser Art unterbleiben, und daß die Gespannführer nicht aus Unver- stand oder Bequemlichkeit die kleinen Hilfen, wie Legen von Bohlen, Forträumen von Schuttmassen oder Steinen vor den Rädern u. bergt, unterlassen, durch die den Tieren ohne nennenswerten Arbeitsaufwand zum Vorteil des Geschirrbesitzers große Erleichterungen geschaffen werden können. _
§ Eine schwere Anklage gegen Dr. Böckel hat auf dem Parteitage der deutschsozialen Reformer Herr Zimmermann erhoben. Er sagte über die Wahl im Kreise Marburg, kontrollierbare und unkontrollierbare Gerüchte seien darüber im Umlauf, weshalb der Abgeordnete Dr. Böckel feine Bewerbung um den Kreis zurückgezogen und wem er alle fein Mandat an- geboten habe. Die letzte Angelegenheit besonders sei merkwürdiger Art, denn auch ihm, Zimmermann, sei der Kreis unter bestimmten Voraussetzungen angeboten, er habe aber abgelehnt, weil er der Ansicht sei, daß ein Wahlkreis nicht zu kaufen fei. Unter welchen Bedingungen Herr v. Gerlach vom Handelsvertragsverein in Marburg Sieger geworden, fei ja genugsam bekannt. Das soll wohl heißen, Dr. Böckel habe sein Mandat verkauft. Man wird abzuwarten haben, was Dr. Böckel auf diese Anklage zu antworten haben wird. (Herr Dr. Böckel hatte nichts zu verkaufen. Die große Zahl der Stimmen, die früher für ihn abgegeben wurden, verdankt er der Sympathie, die die ländliche Bevölkerung für feine Person hegte wegen der angeblichen oder wirklichen Verdienste für den Wahlkreis. So etwas läßt sich nicht auf eine andere Person übertragen und erst recht nicht verkaufen. Uebrigens hat ja auch Herr Zimmer- mannnicht abgelehnt, sondern sich alle Mühe gegeben, die Erbschaft Böckels anzutreten, allerdings ohne allen Erfolg. D. Red.) Mit Recht bemerkt die ,Kreuzztg.', daß an dem Siege des Herrn v. Gerlach unb der Niederlage des konser- gebietcn konnte, „wenn Dagobert das gelesen hätte, wäre er ja zmöckgekehrt, und das eben sollte vermieden werden. Der Plan war nicht schlecht geschmiedet, aus diesem Wege konnte man fich am besten des unbequemen Erben entledigen, ohne Aussehen und Verdacht zu erregen. Sie haben später nichts mehr von dem jungen Herrn gehört?" . ,
„Doch," nickte Marie Burger, „aber für dre Wahrheit kann ich mich nicht verbürgen."
„Was es auch sein mag, reden Sie!" rief die Baronin, ihre Hand auf den Arm der alten Frau legend. „Was haben Sie gehört?"
„Nichts Schlimmes, gnädig- Frau! Vor einigen Jahren kam ein Freund meines ManneS von drüben Surück, um eine Familie abzuholen, die er bei seiner luswanderung hier gelassen htte. Er wohnte in einem Städtchen, fern im Westen von Nordamerika, und er erzählte uns unter anderen^ er habe auch meinen Baron gesehen. Eines Tages sei ein Trapper, ein Pelzjäger, in seinen Laden gekommen, um Netze und Munition zu kaufen, er hätte fich lange mit ihm unterhalten und endlich erfahren, daß es der Baron v. Darboren gewesen sei."
„DaS ist alles?" fragte die Baronin erregt.
„Nein. Der Herr Baron hat ihm gesagt, es gehe ihm gut und er hoffe, in einigen Jahren ein ver- mümnder Mann zu sein, dann erst wollte er in die Heimat zurückkehren. Er hat dabei einen sehr guten Eindruck gemacht, den Eindruck einer ernsten Mannes, der weife, was er will!"
„Dank, taufend Tank!" rief Baronin Adelgunde, in deren Angen es fteudig aufleuchtete. „Das ist ein Trost, der unschätzbaren Wert hat! Weife ich doch nun, dafe mein Sohn jene gefährliche Bahn verlassen hat!"
„Kennen Sie den Namen des Städtchens, in dem der Freund Ihres Mannes wohnt?" fragte Hermann.
„Syrakuse."
„Könnte Ihr Mann an ihn schreiben und ihn bitten, dem Baron einen Brief zu übergeben?"
„Gewife," nickte die alte Frau, „aber eS ist eine