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30. Jahrgang.
fUlda, Dienstag, den 20. Oktober 1903.
erste Violine'
nickte der Förster.
bleiben nod der Weisen
Wenn Ich nun auf Meine p ahrungen zurückblicke, so kann Lern, und ihr werdet Dieselbe Erfahrun^ er Angel- und Drehpunkt unseres menschlichen Lebens, - ° v •___» ___ —— nv* itnn AY nP11C-
sönlichen Er- xch euch nur vermachen:
,Jugend muß austoben, und mit seinem Toben war es nicht so schlimm, wie man es damals gemacht hat. Jedenfalls aber wäre er unser rechtmäßiger Gebieter, und der Notar spielte hier nicht mehr die
Kann sein, aber das Ende trägt d e Last! Die Baronin Adelgunde war auch so schlimm nicht, fie ist eben toll gemacht worden. Bon der hört man auch nichts inehr, und was ich immer behauptet habe, das
„Hol' der Teufel den alten Schleicher, er hat viel auf dem Gewißen, was er niemals verantworten kann. Seitdem er hier aus- und eingeht, ist alles Glück aus dem Hause gewichen; unser Baron wäre auch anders,
zimmer; der Notar war bereits die Treppe herunter.
Sein Geficht war gerötet, ein Lächeln innerer Befriedigung lag auf seinen Lippen.
Das Majorat.
Roman von Ewald August König.
gj ------ (Nachdruck verboten.)
„Und wenn der Stuhl Ihnen vor die Türe gestellt wird?"
„So schnüre ich mein Bündel und suche einen anderen D enst "
Der Kutscher schüttelte mißbilligend das struppige Haupt.
„Sie sind zu lt dazu geworden," sagte er. „Wenn Sie einen Bankier zum Sohne hätten, wie unser kluger Verwalter, dann liebe ich mir diese Ehrlichkeit wohl gefallen — "
„Es ist nicht jedem gegeben, ein Schuft zu sein! — Wollen Sie jetzt nicht anspannen?"
„Ich werde wohl wüsten," nickte Joseph, während er langsam und bedächtig d e Asche aus seiner Tabakspfeife klopfte. „Sie haben recht, es ist keine Ruhe und kein Segen mehr in diesem Hause, seitdem der alte Schlaukopf seine Nase in alles hineinsteckt, aber ändern können wir das nicht, und es ist auch nicht zu hoffen, daß es jemals anders wirb."
Damit ging er hinaus; in der Türe begegnete ihm der Förster, der eben ins Gefindezimmer treten wollte.
Martin Großderg war ein breitschult.iger, untersetzter Mann, ein kurzqesckorener, brauner Bollbart umgab bas wetterharte Geficht, bas ben Stempel eines offenen, ehrlichen Charakters trug
Er reichte dem Kai imerbiener die Hand und stellte seine Büchse in eine Ecke. Jakob holte unterdessen aus dem Schrank eine noch halb gefüllte Flasche, die er nebst einem Glase vor den Förster hinsiellte.
„Der gnädige Herr ist nicht zu Hause?" fragte Marlin.
„Auszeritten", antwortete der Kammerdi ner.
„So werde ich warten."
nach tausenden von Jahren, wenn Worte längst vergeffen sein werben.
Tochter bürste nicht mehr Verstand und Bildung haben, als gerade nötig ist, um eines Forstgehilfen Frau zu werden? Na, darüber denke ich denn doch anders. Eine vornehme Dame ist mein Röschen nicht, aber eS hat etwas gelernt, und dafür weiß ich meiner braven Schwester Dank, die es erzogen hat. Wenn mente Frau nicht so früh hätte sterven mästen, wäre es wel- leicht anders geworden, ich allein konnte das Mädchen doch nicht erziehen. Und ich hatte au h nichts mehr dreinzureden, Äs meine Schwester sich des Kindes annahm."
„Das ist ja alles recht schön und gut, Martm aber —" . , ..
„Ach was, mögen die Leute schwätzen, wrr betbe, Röschen und ich. kümmern uns nicht darum. Es sieht jetzt ganz anders in meiner Waldhütte aus, das gute Kind hält Ordnung, ich fühle mich Wiebet wohl in meinen Räumen. Und abends liest sie nur vor, oder sie spi-lt und singt, und ich sitze daber und । träume wieder, wie ich in meinen jungen Zähren geträumt habe, wenn ich einsam im Wald dem Frnken- schlaa horchte. Mich verlangt wahrhaftig nicht darnach, daß mir die verwunschene Prinzessin aus dem Hause geholt wird, aber sollte em braver, rechtschaffener Mrnn kommen, dir sie liebt, dann wird er mir nicht zürnen, daß ich fie so gut erziehen ließ "
„Ja, wenn der Wann selbst gut erzogen ist!
„Das setze ich voraus, denn ich glaube nicht, daß sie einen andern Mann würde lieben können."
Der Kammerdiener zuckte die Ach>e-n, als oh er sagen wollte, das seien Ansichten, die er nicht teilen könnte; er -rai ans Fenster, der Wagen, derben Notar zur Stadt bringen sollte, fuhr eben vor.
„Ich bin kein Schwätzer", erwiderte Martin, „zu-
„Er kümmert sich jetzt auch um Röschen", warf Jakob ein.
Martin hob das Haupt, Zornesglut loderte aus seinen Augen. . .
Was geht ihn meine Tochter an?" fuhr er auf.
"Heute mit'ag an der Takel war die Rede von ihr,'der Notar meinte, sie wolle zu hoch hinaus mit ihrer städtischen Erziehung, ein Pächter würde sie nicht zur Frau nehmen, und ein anderer denke nicht daran, die verwunschene Prinzessin aus dem Walde zu holen."
„Ich möchte ihm auch nicht raten, daran zu denken", erwiderte der Förster, und aus jedem Zuge seines ehrlichen Gesichts sprach der Haß, der ihn gegen den Mann beseelte. „Mag er vor seiner eigenen Ture kehren, was kümmern ihn meine Sachen?"
Na na, ehrlich geipr cchen, alter Freund, mancher nimmt's Ihnen übel, daß fie das Mädchen nicht schlicht und einfach erzogen haben." .
„Schlicht und einfach!" wiederholte Martin bitter, „damit ist gesagt, wer ein Bauer ist, dessen Kinder misten auck Bauern bleiben, nicht wahr? Meine
eines Risikos für die Reichsfinanzen zu befreien. Ob mit oder ohne neue Steuern, wir haben bisher, so oft auch von der Reichsfinanzreform die Rede war, nie von einem anderen Plane gehört, als daß die Einzelstaaten vor den Wirkungen der schwankenden Reichseinnahmen geschützt werden müßten und an das Reich nicht mehr zu zahlen haben sollten, als sie von ihm erhielten, oder wenigstens nicht mehr als einen ganz bestimmten bescheidenen Mehrbetrag über die ihnen zufallenden Ueberweisungen hinaus. Hat jemand nach Berlin einen andern Plan mitgebracht? Aus der Frankfurter Konferenz hat neben Herrn v. Miquel der bayerische Finanzminister Freiherr v. Riedel die Hauptrolle gespielt. Er nimmt auch an der jetzigen Konferenz teil. Ein Blatt glaubt annehmen zu dürfen, daß er einen neuen Plan von München mitgebracht habe. Da er seit längerer Zeit amtsmüde ist, wäre das also gleichsam sein Testament, durch das er die bayerischen Finanzen gegen eine weitere Beunruhigung durch das Reich nach seinem Abgänge sicher stellen will.
Wir müssen ab warten, was das für em Plan ist. Wir können uns aber nicht recht vorstellen, wie man eine Neuordnung des Finanzverhältnisses zwischen Reich und Einzelstaaten tn diesen Zeiten des Geldmangels ohne neue Steuern durchführen will, wenn man an eme ernste Beschneidung der Ausgaben nicht denkt. Aber selbst wenn das Unwahrscheinliche wahr sein sollte, so hat doch hoffentlich beim Reichstage kein Finanzreform-Plan Aussicht, der einerseits die Einzelstaaten ihres Einflusses auf die Reichspolitik beraubt, anderseits dem Reichstage sein ohnehin schon recht bescheidenes Budgetrecht, insbesondere Einnahmebewilligungsrecht, verkürzt.
»urnal aber eines verantwortungsvollen uno aroews- reichen Lebens — das ist Mir klarer geworden von Jahr zu Jahr - liegt nur einzig und allem in der Stellung, die man zu seinem Herrn und Heiland em- nimmt. m
Q(6 nannte ihn die persönlichste der Persönlichkeiten, und das mit Recht. Wie es nicht anders fern kann im menschlichen Leben, und wie es uns allen begegnet, so ist es auch mit ihm gewesen. Es ist der Streit der Meinungen um ihn entbrannt: manche waren für ihn, manche haben im Zweifel gestanden, viele waren gegen ihn. Aber darüber kann kein Zweifel sein, und der schärfste Feind und Leugner des Herrn ist nur der Beweis dafür: Der Herr lebt noch heute als ganze Persönlichkeit, die nicht ignoriert werden kann! Noch heute schreitet seine Lichtgefialt, unserem geistigen Auge nur sichtbar und der Seele fühlbar, unter uns einher: tröstend, helfend, stärkend, auch Widerspruch und Verfolgung erweckend. Und weil er nicht ignoriert werden kann, so wird jeder Mensch gezwungen — bewußt oder unbewußt — vas Leben, das er treibt, immer darauf zu baßeren, unter welchem Gesichtswinkel er unserem HeUand gegenübersteht, und ob feine Arbeit im Sinne des Herrn getan, ihm wohlgefällig ist, oder ob es das Gegenteil ist. Sein Gewissen, wenn es noch lebt, wird ihm stets darüber Auskunft geben.
Gewiß! Ich glaube gern, daß viele Menschen heute der Ansicht sind: im heutigen „modernen" Leben mit seinen vielfachen Aufgaben und verantwortungsvollen Stellungen ist es undenkbar, daß man sich mit der Persönlichkeit des Heilandes so eingehend beschäftigen und auf ihn Rücksicht nehmen kann, wie ev früher geschah. Und die Menschheit hat sich neben dem Herrn den Himmel ausgeschmückt mit vielen herrlichen Gestalten, frommen Christen, die Heilige genannt werden, und an die sie sich hilfesuchend wenden. Aber | das ist alles Nebensache und eitel. Der einzige Helfer I und Retter ist und bleibt der Heiland. Ich kann euch nur eines von ganzem Herzen raten für euer zukünftiges Leben: Schafft und arbeitet ohne Unterlaß! Das ist der Kern des Christenlebens, wie Er es uns vorgelebt hat! 'Werfet einen Blick m die Schrift und leset die Gleichniffe unseres Heilandes! Am schwersten wird der bestraft, der nichts tut, der sitzen bleibt, mit dem Strome mitgeht und bis anderen arbeiten läßt, wie im Gleichniffe vom Pfunde. Was auch euere Passionen, was auck eure Gaben sein mögen, es möge jeder danach trachten, auf semem Gebiete das Beste zu leisten und eme Persönlichkeit zu werden, in seine Aufgaben hineinzuwachsen, in ihnen zu schaffen und zu fördern nach dem Beispiele des Hen landes. Trachtet vor allem danach, daß das, was ihr vornehmt, möglichst stets zu einer Freude für euere Mitmenschen werden kann. Denn das ist das schönste, mit anderen sich gemeinsam freuen zu können! und wo das nicht möglich ist. daß euer Werk den Mitmenschen zu Nutz und Frommen sein möge, wie unseres Herrn arbeitsreiches und tatenfrohes Leben stets gewesen ist; dann habt ihr das erfüllt, was von euch erwartet wird. Dann werdet ihr brave deutsche Männer und tüchtige Prinzen Meines Hauses werden und teilnehmen können an der großen Arbeit, die uns allen beschieden ist. Daß ihr solche Arbeit mit Segen zu ihrem Ziele führen möget, daß euch Gottes und des Heilandes Hilfe dabei nicht fehlen möge, darauf leeren wir am heutigen Tage unsere Gläser.
Diese Worte unseres Kaisers sind ein entschiedenes Bekenntnis des Glaubens an Christus und werben von allen gläubigen Christen freudig begrüßt werden. Der Kaiser ermahnt seine Söhne nach dem Beispiele Christi sich zu Persönlichkeiten auszubilden; er predigt ihnen die Nachfolge Christi. Welcher Christ sollte es nicht
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plane aufs Tapet zu bringen gedenkt, etwa die Bier- und Tabaksteuer? Es wird bezweifelt und bestritten. Wir könnens auch nicht glauben, denn es ist von vornherein so unwahrscheinlich wie möglich, daß die Reichstagsmehrheit sich in diesem Augenblicke auf neuen Steuern einlaffen sollte, wo die finanzielle Wirkung des neuen Zolltarifs absolut noch nicht zu übersehen ist. Es wird die Vermutung ausgesprochen, daß die Konferenz sich auch mit den Handelsverträgen befaffen und gewiffe Grundsätze aufsiellen werde, die für die Vertragsverhandlungen maßgebend sein sollen. Wir können nur wünschen, daß sie sich gegen Handelsverträge erklären, die die Reichskafse um die Wirkungen des neuen Zolltarifes bringen müßten.
Nach fiüheren Aeußerungen des neuen Retchs- sekretärs ist anzunehmen, daß die Konferenz tn erster Linie die Aufgabe hat, das Werk wieder aufzunehmen, das vor zehn Jahren die Frankfurter Finanzminifter-Konferenz unter Führung des Herrn v. Miquel begonnen hat: „Neuregelung des Finanzverhältnisses zwischen Reich und Einzelstaaten, die „Reichsfinanzreform''. Herr v. Miquel ist mit seinem Plane gescheitert. Die Relchstags- mehrheit ließ sich weder auf den Vorschlag em, I den Einzelstaaten mit Hilfe neuer Steuern eine
„Haben Sie ihm wichtiges zu melden?"
„Nein, er soll eine Jagd veranstalten, das Wild nimmt überhand."
„Und die Wilddiebe wohl auch?
„Je nun, ich seh- ihnen scharf auf bte Finger, aber ich kar.n's nicht verhindern, daß mir hie und da ein Reh fori geschossen ober ein Hase in der Schlinge gefangen wird. Der Herr Baron will mir ja keinen Wildhüter stellen, es würde anders sein, wenn er ein passionierter Jäger Wäre.*
„Vielleicht wird er's noch", spottete Jakob.
„Wann?"
„Wenn er hier nicht mehr aus dem Sattel geworfen werden kann!"
„An diese Möglichkeit denke ich schon lange nicht mehr", sagte Martin, der sein Glas gefüllt und bastig ausgetrunken hatte. „Wer wollte ihn aus dem Sattel heben?"
„Baron Dagobert."
„Hat man etwas von ihm gehört?
„So viel ich weiß, nicht. Ab<r der Notar war heute Mittag wieder hier, er hatte eine lange Unterhaltung mit dem Herrn, und der Baron war sehr aufgeregt, ich vermute, paß etwas Besonderes vor gesellen ist."
Der Förster wiegte mit ungläubiger Mene bas Haupt und füllte sein Glas noch e nmal.
„Die Toten kehren nicht zurück", sagte er.
„Die Toten nicht, Wohl al er die Verschollenen", ! erwiderte Jakob.
„Und wenn er zurückke''. le, wenn ’bm wer olle? | überlasten werden müßte, würde es tauber so werden, wie es unter seinem Vater war?" fragte Marlin, gedankenvoll vor sich hinblickend. Baron Robert war ein ganzer Mann, von ihm konnte man auch ein hartes Wort htnnehmen, denn er ffrach es nicht aus, wenn man es nicht verdient hatte. Der wußte, waS er wollte; es hatte alles Kopf und Schwanz, wenn er einen Befehl gab. Ob sein I Sohn edeiffo sein würde? Ich glaube es nicht."
):( Eine Kaiferreöe.
Wie schon telegraphisch gemeldet, hat der Kaiser am Sonntag abend bei der Galatafel, die im Neuen Palais zu Potsdam aus Anlaß der Konfirmation der beiden kaiserlichen Prinzen August Wilhelm und Oskar siattsand, eine Ansprache gehalten. Aus dem kurzen Auszuge, den die erste Depesche von der Rede gab, ließ sich der bemerkenswerte Inhalt der Ansprache nicht voll erkennen. Wir tragen deshalb heute den Wortlaut der Rede nach der Angabe des Wölfischen Telegraphenbureaus nach; der Hauptteil lautet danach wie folgt:
Der heutige Tag ist für euch in geistiger Beziehung gleichzustellen dem Tage, an dem der Offizier, der Soldat, seinen Fahneneid ableistet. Ihr habt als Prinzen des köniolichen Hauses schon im zehnten Jahre das Recht, Uniform zu tragen. Damit möchte Ich euere Taufe vergleichen; ihr seid vorgemerkt als Streiter Eh r isti; mit dem heutigen Tage seid ihr sozusagen im Gauben mündig geworben. Die Wehr und Waffen nxb das Rüstzeug, deren ihr euch bedienen sollt, sind «ich von kundiger Hand gelehrt, bereitgelegt worden. Ihre Anwendung in allen Lebenslagen wird nun an euch liegen. Auch darin werdet ibr noch zum Teile unterwiesen werden können: aber schließlich muß ein jeder lernen, die Waffen, auch die geistigen, selbst zu führen, die ihm anvertraut sind. Ich spreche mit Absicht im militärischen Sinne, weil ich annehme, daß auch ihr das schöne Gleichnis kennt, worin der Christ mit dem Krieger verglichen wird, und in welchem die Waffen angeführt werden, die ihm der Herr zur Verfügung Sestellt hat. Ihr werdet gewiß Gelegenheit haben, in räterer Zeit diese oder jene von den Waffen anzuwenden, und ihr gewiß das, was ihr heute so schön in euerem Gelübde versprochen habt, auch betätigen. In sehr richtiger Weise hat in der herrlichen Ansprache, die euer geistlicher Lehrer heute an euch gerichtet hat, derselbe einen Begriff hervorgehoben für das, was von euch verlangt wird, nämlich, daß ihr „Persönlichkeiten" werden sollt. Es ist derjenige Punkt, auf den nach Meiner Ansicht es für den Christen im täglichen Leben am meisten ankommt; denn darüber kann wohl kein Zweifel fein, baß wir von der Person des Herrn fetroft sagen können: er ist die persönlichste Per- önlichkeit gewesen, diese auf der Erde unter den Menschenkindern gewandelt ist.
Ihr habt in eurem Unterricht erfahren und ihr werbet, es in Zukunft von vielen großen Menschen lesen und hören, von Wersen und Staatsmännern, Königen und Fürsten, und auch von den Dichtern, ihr habt von manchen Worte und Aussprüche gelesen, und sie haben euch erhoben, ja sogar begeistert. Gewiß, welcher deutsche Jüngling sollte sich nicht erhoben fühlen und sortgeriffen werden von den begeisterten Liedern, z. B.vonunserem Körner. Aber trotz allen, es sind Menschenworte; es kommen keine Menschenworte irgendein em einzigen Worte unseres Herrn gleich, und das sei euch gesagt, damit ihr auch in der Lage seid, es zu vertreten, wenn ihr einst in dem Strudel des Lebens steht und einen Meinungsaustausch hört und selber Meinungen austauscht über die Religion und vor allem über die Person unseres Heilandes: Es hat niemals eines Menschen Wort fertig gebracht, Leute aller Rassen und Leute aller Völker gleichmäßig zu denselben Zielen zu begeistern, darnach zu trachten, ihm gleich zu fein, ja sogar ihr Leben für ihn zu lassen, und das Wunder ist nur dadurch zu erklären, baß die Worte, die er gesprochen hat, Worte des lebendigen V o 11 e s sind, welche Leden erwecken und lebendig
freudig begrüßen, daß es noch Herrscher gibt, die offen und frei zum Glauben an Christus sich bekennen in einer Zeit, da so viele Christus, ja Gott selbst als eine abgetane Sache betrachten möchten.
In einem Punkte wird dre Karserrede, wie die ,Köln. Volksztg/ mit Recht bemerkt, Wider- pruch erfahren, und zwar auch von christlicher Seite. Der kaiserliche Redner streifte die Heiltgen- verehrung und nannte dieselbe „eitel". Auch jeder Katholik wird unterschreiben, daß der Heiland der einzige Helfer und Retter ist, und daß die Heiligenverehrung „Nebensache" ist, aber darum ist dieselbe doch nicht „eitel", sondern nach der Lehre der katholischen Kirche „nützlich und heilsam". , u ..
Unter den Protestanten wird das jüngste Glaubensbekenntnis des Kaisers sehr gemischte Gefühle wachrufen. Die Orthodoxen werden jubeln, daß der Summepiskopus in dieser entschiedenen Weise auf ihre Seite tritt, während die „Modernen" es um io bitterer empfinden werden, daß er kräftig von ihnen abrückt, da durch die Delitzschdebatten ihre Hoffnungen weit gingen und auch durch den Brief an Hoümann eher Nahrung erhielten als vernichtet wurden.
§ Manzfragen wollen die heute unter dem Vorfftze des Reichs-1 kanzlers zu einer Konferenz vereinigten Vertreter | der Bundesstaaten der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge „erörtern". Die Auskunft ist etwas durstig. I Man wüßte gern etwas näheres. Daß der Reichs- j tangier den Vorsitz übernommen hat, zeugt für, die Wichtigkeitder Verhandlungen. Zusammen- qeführt hat die Herren die N o t. Schwelgten sie nn Üebe.fluß, so wären sie nicht gekommen. Es herrscht aber Mangel an allen Ecken und Enden! und nun beraten sie, wie dem abzuhelfen sei.
Ein nicht unwirksames Mittel wäre: Sparen an den Ausgaben. Vielleicht wollen die Herren protestieren gegen die schwebenden Heeres- und Marinepläne, Erhöhung der Präsenzstärke, Vermehrung der Kavallerie, Einführung neyer Rücklaufqeschütze, Vermehrung der Auslandkreuzer usw.? Wenn sie damit Erfolg hätten, könnten sie für die nächsten Jahre wohl mit einiger Geschicklichkeit über manche Sorge und Not hinwegkommen. Aber daran wird natürlich nicht gedacht. Alles andere, selbst das Wichtigste und Dringlichste kann unterbleiben, aber der Militär- und Marine-Sport muß unbehindert weiter betrieben werden. Wenn die „Autoritäten" sagen: Das müssen wir haben, so wird es "ihnen mit freundlicher Miene be- willigt. Die Finanzminister denken da ernstlich niemals an das Sparen; sie betrachten es vielmehr als ihre vornehmste Aufgabe, nach immer neuen Einnahmequellen zur Befriedigung der Ansprüche der Heeres- und Marineverwaltung zu suchen. Wenn der Reichstag nicht endlich em Einsehen hat und Halt gebietet, von den Finanzministern haben wir nichts zu erwarten. Sie jammern über ihre Not, bewilligen aber alles.
Ob man jetzt im Ernst neue Steuer-
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