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Druck und Verlag der Zuldaer Aetiendruckere^ in Zulda (Harmonie)
Fernsprecher Nr 9.
M 238.
flllda, Samstag, den 17. Oktober 1903.
3« Jahrgang.
Zweites Walt
Unpolitische Zeitlönse.
(Nachdruck z>erboten.)
T Berlin, 15. OK. 1903.
Die Rumpelkammer gehört nicht zu den lieblichsten und auch nicht zu den gesundesten Räumen des Hauses. Ost findet man aber eine gewisse Liebe zu der Rumpelkammer, namentlich bei den Hausfrauen. Sie können sich nicht trennen von dem invalide oder überflüssig gewordenen Hausrat. „Aufheben" heißt die Parole, und wenn auch dem Gerümpel auf der Stirn geschrieben steht, daß es ganz und gar unbrauchbar ist und bleiben wird, so wird es doch in das Mausoleum gestellt, nimmt Raum und Luft fort, dient als Staubfänger und Zufluchtsort für Ungeziefer.
Auch die Kleiderschränke find ost Rumpelkammern. Da hängen alte Sachen herum, die nur für die Motten von Wert sind. Die vorsichtige Hausfrau hat das ausgediente Zeug bei Seite gehängt mit der Bemerkung: Man weiß nicht, wie man es noch gebrauchen kann ! In Familien, wo die Kinderstube immer neuen Zuwachs erhält, kann man in der Tat viele alte Sachen noch einmal gebrauchen. Aber wo man keinen absehbaren Verwendungszweck vor sich hat, da ist das Altertums-Museum vom Hebet. Statt den Mottenfraß bis zum St. Nimmermehrstag hängen zu lasten, sollte man lieber sogleich die alten Stücke nach Möglichkeit zu verwerten suchen: entweder alsbald „ ausschlachten" oder verkaufen oder verschenken! Ja, wie mancher armen Familie' könnte eine große Wohltat erwiesen werden aus den alten Kleidungsstücken, die in den Schränken der bemittelten Leute sich zu j Schanden hängen! Besonders unpraktisch ist das i Aufspeichern von altem Schuhzeug. Da gibt es Kästen mit verschimmeltem Schuhzeug, die geradezu gesundheitsschädlich sind und doch gehegt werden, als ob es teuere Andenken und wertvolle Erbstücke wären. Als man diese Fußbekleidungen in den Ruhestand setzte, hätten sie noch manchem | armen Menschen „auf die Beine helfen" können.
In brüchigen Möbeln und ausgedienten Kleidungsstücken wird also oft zu viel Sammeleifer bewiesen. Umgekehrt werden manche Gegenstände, die wohl des Aufhebens wert wären, einfach bei Seite geworfen. Um damit zu räumen, läßt man eine Menge von alltäglichen Abfällen kurzer Hand ins Feuer oder in den Müllkasten oder auf den Schutthaufen spazieren. „Aus dem Wege mit den Abfällen; aufheben und verwerten, ach, das ist zu umständlich und lohnt sich nicht".
Und doch gibt es eine Sammelkunst, die sich lohnt. Man kann sogar mittels Staniol und Zigarren-Abschnitten unsterbliche Seelen retten! Ich möchte die Leser und ganz besonders die verehrten Leserinnen auf den Bonifatius- Sammelverein aufmerksam machen, der eine
Das Majorat.
Roman von Ewald August König.
8 ------- (Nachdruck verdate».)
Die Borwürfe, die Hermann Steinfelder ihm gemacht hatte, wußte er, wenn er gerecht sein wollte, als begründet anerkennen, er war auch in allen schlimmen Dingen der Ratgeber deö Barons gewesen, und konnte er sich auch über den erhaltenen Lohn nicht befragen, so wollte er doch damit allein sich nicht begnügen.
Was Baron Kurt v. Darooren gegenwärtig war, und was er besaß, das verdanke er im Grunde dem Rat und dem Diensteifer seines Justitiars, er durfte nicht vergeffen, daß dieser Mann ihn aus dem beneidenswerten Besitz wieder verdrängen konnte
Wenn nun der Justitiar für seinen Sohn um die Hand der Barvneffe warb, konnte, dmfte der Baron ihm eine ablebnenbe Antwort geben?
Durch diese Verbindung sicherte er sich nur noch scher den Besitz des Majorats, und die Verbindung selbst war keine Mesalliance, wenn der Hauptmann in den Adelstand erhoben wurde.
Ueberdies war eine Mesalliance in der Familie Darboren keine Seltenheit, hatte doch auch der verstorbene Majoratsherr die Tochter eines bürgerlichen Offiziers gehe ratet!
Der Blick des Notars streifte mit einem triumphierenden Ausdruck über die weiten Felder und Wiesen, die' vor ihm lagen und insgesamt zu dem Majoratsgute I gehörten.
In der Ferne zeigte sich schon das stattliche | Herrenhaus, das in seinem Innern so viele wertvolle | Kunstschätzc barg. Hinter dem Hanse lag der Park, an den der gr->ße, wohlgepflegte und wildreiche Wald unmittelbar sich anschloß.
Seitwärts lagen die Stallungen und Oekonomie- \
Art von Goldmacherkunst betreibt. Wenn es auch nicht gerade Häckerling ist, was er zu Gelde macht, so ist es doch der häusliche Abfall, der an sich meistens nicht mehr wert ist, als Häckerling. So kann z. B. der Abfall von unedlem Metall in klingende Münze umgesetzt werden. Alle Reste von Zink, Zinn, Blei, Kupfer und Mefsing sind verwertbar; besonders ist bas Sta- niol zu beachten, in dem jetzt so manche Genuß- mittel eingehüllt sind. Auch die Zigarren - Abschnitte und die Zigarrenbänder lassen sich in Gold oder wenigstens in Silber verwandeln, wenn sie hübsch zu Häuf kommen. Und die Alchymie dieses Vereins ist keine Kleinigkeit: aus den gesammelten Brocken sind im letzten Jahre nicht weniger als 128,000 Mk. erzielt worden; im Ganzen hat der Verein schon über anderthalb Millionen Mark aufgebracht. Diese beträchtliche Summe ist verwendet worden, um katholische Kinder in der Diaspora an Leib und Seele zu retten.
Der Bonifatius Sammel-Verein ist ein Kind und bildet eine Ergänzung unseres großen Boni- fatius-Vereins. Letzterer sorgt für katholische Seelsorge und katholische Schulen in der Diaspora. Kirchen und Schulen lassen sich aber natürlich nur dort errichten, wo eine größere Zahl von Katholiken sich zusammenfindet. Was geschieht nun mit den ganz Zerstreuten, die fern von einer Kirche und einer katholischen Schule vereinzelt unter Andersgläubigen wohnen? Da greift der Sammelverein ein, um wenigstens von der dort aufwachfenden Jugend einen Teil zu retten. Er unterstützt die Waisenhäuser, um den Hinterbliebenen der zersprengten Katholiken eine Pflege und Erziehung in einem katholischen Hause zu ermöglichen, und ferner die Kommuniranten-Anstalten, um den versprengten Kindern vor ihrer ersten hl. Kommunion die nötige religiöse Unterroeifung und Erziehung zu sichern. Da kann man in der Tat sagen, es werden Körper versorgt und Seelen gerettet; denn ohne die Geldmittel des Sammelvereins müßten alljährlich tausende von Dias- porakinder dem katholischen Glauben verloren gehen.
Unser Sammelverein ist ein Seitenstück zu der „Reichsfechtschule", die durch ihren großen Lärm wohl allerorten bekannt geworden ist. Diese Reichsfechterei zielt bekanntlich auf konfessionslose Reichswaisenhäuser ab. Die Waisenpflege aber soll erstens nicht Reichssache sein und zwettens muß sie die elterliche Religion respektieren. Unser Sammelverein will nicht die Kompetenz des Reiches erweitern, sondern dem Notstand an Ort und Stelle abhelfen; er will gerade für eine religiöse Erziehung der Kinder in ihrem angestammten Bekenntnis sorgen, was in der jetzigen Zeit des gottlosen Umsturzes besonders notwendig ist. Warum sollen wir Katholiken, wenn es um unsere heiligsten Interessen gilt, nicht auch das „Fechten" mit aller Kunst und allem Eifer betreiben? Das Sammeln und Verwerten von Brocken wird auch auf protestantischer Seite vielfach betrieben; zeigen nur, daß die katholische Opferwilligkeit auch den
gebäube, hie und da ans den Wiesen weideten z hl- I reiche Viehherden — ach, cs war ein herrliches Besitztum, der alte Herr lachte vor sich hin bei dem Gedanken, daß dies alles einmal seinem Sohne gehören werde.
„Die Ernte ist wohl gut ausgefallen, Joseph?" fragte er den Kutscher.
„Ich denke: ja!" lautete die lakonische Antwort.
„Ist der Verwalter wieder nicht zufrieden?"
„Wenn's vom Himmel Goldstücke regnete, würde er nicht zufrieden fein," lachte der Kutscher. „Unser Herrgott kann es eben nicht allen recht machen, Herr Notar."
„Sehr wahr", nickte der alte Herr. „Was macht der alte Martin?"
„Unser Förster Großberg? Was soll er machen? Er hat ein bequemes Leben und wird immer schweigsamer."
„Es gab einmal eine Zeit, in der er auf den gnädigen Herrn nicht gut zu sprechen war", sagte der Notar, „ist das noch immer so?"
„Ich habe nie etwas davon erfahren", sagte Joseph gleichmütig, und da er dem alten Herrn den Rücken wandte, so sah dieser das boshafte Lächeln nicht, das die Lippen des Sprechenden umzuckte, „rott verkehren nicht viel miteinander."
„Seine Tochter ist wohl jetzt wieder bei ihm?"
„Ja, seit einem halben Jahre, sie ist in der Stadt eine feine Dam- geworden."
„Das läßt sich denken", spottete der Notar, „aber ob ihr die städtische Erziehung zum Heile gereicht, das ist eine andere Frage. Sie muß sehr schön sein, nicht wahr?"
„O ja, em schönes Mädchen, man sieht sie selten; und bann und wann Sonntags in der Kirche, zum Tanz kommt sie nie. Sie hat aus der Stadt ein Klavier und einen gan en Schrank voll Bücher mit- gebracht, an ein solches Fräulein wagen sich unsere Burschen nicht so leicht heran."
Der Wagen bog ht die Allee em, die von der
Sammeleifer in den Küchen und Wohnstuben rege halten kann!
Was kann denn alles gesammelt werden? Die Flugschriften des Bonifatius-Sammelvereins führen an: 1) Metallabfälle, Bleiplomben rc., 2) alte und ausländische Münzen, 3) zerbrochene, veraltete oder verbrauchte Schmucksachen, 4) Abschnitte ober Spitzen von Zigarren und auch beschädigte Zigarren (aber keine angebrannten!), 5) Zigarrenbänder, aber keine unsauberen ober zerschnittenen, 6) Briefmarken, sowohl deutsche, wie ausländische, 7) getragene Kleidungsstücke, die noch nicht ganz abgenutzt sind, sowie Reste von Zeugstoffen, 8) haltbare Nahrungsmittel, 9) Papier, 10) Bücher und Jahrgänge von Zeitschriften, 11) Korke (Faßkorke und beffere Flaschenkorke), 12) Reste und Abfälle von Wachs-, Talg- und Stearinkerzen, 12) Läppchen von Seiden- und Sammetstoffen. Eine lange und inhaltsreich? Liste, so daß jeder, der guten Willens zum Sammeln ist, schon etwas findet, was er beisteuern kann. Und wer nichts von diesem Dutzend Gegenstände sammeln könnte, der kann bei sich ober anderen bares Geld sammeln, das immer den bequemsten und gangbarsten Wertgegenstand bildet.
Nun höre ich schon, wie mancher sagt: „Nun ja, da will ich lieber einen Geldbeitrag zahlen, als baß ich mir die Mühe des Sammelns mache, die sich doch nicht recht lohnt!" Ebe wir darüber in die Debatte treten, möchte ich bitten, den betreffenden Geldbeitrag wirklich zu leisten. Denn die meisten Leute, die so eifrig versichern, daß sie etwas lieber tun würden, tun nachher keins von beiden.
Ist der Geldbeitrag wirklich zur Stelle, so erlaube ich mir die Bemerkung, daß doppelt besser hält. Man kann auch nach dem Geldbeitrag noch durch Sammlung von Abfällen beifteuern. Die Mühe ist fo klein, wenn man sich nur angewöhnt, sofort die betreffenden Abfälle an die bestimmte Stelle zu legen. Es ist nur eine andere, verbesserte Art des Aufräumens, die schließlich der ganzen Hauswirtschaft von Vorteil ist. Und dabei macht sie Vergnügen; man freut sich, wenn man aus den Dingen, die fönst als nutzlos ober gar als lästig gelten, einen Beitrag für einen wohltätigen Zweck, einen Anteil an einem guten, segensreichen Werke erzielen kann.
Ebenso wie das Brockensammeln macht auch das „Fechten" Spaß, wenn man es mit etwas Humor und Geschick betreibt. Der Bonifatius- Sammel-Verein unte: stützt die Fechtkünste durch Sammelkästen, für die man in öffentlichen Lokalen einen geeigneten Platz suchen kann, und durch Abreißkarten, Mitgliedskarten, Ehrenmitgliedskarten, die man in vergnügter Gesellschaft gegen Bar an den Mann ober an die Frau bringen kann.
Beim Sammeln der Abfälle sind die weibliche Hände die berufensten und geeignetsten. Die Zigarren gehören freilich in das männliche Reffort; aber es hängt doch meistens von der Frau ober der Tochter des Hauses ab, ob der Vater ober bie Brüder daran gewöhnt werden.
Landstraße zum Herrenhause führte; der Notar schwieg, sein Blick ruhte gedankenvoll auf der einfachen, aber vornehmen Faffade deS großen, stattlichen Gebäudes.
Wenn dort aus der weiten, mit üppigen Pflanzen geschmückten Freitreppe einmal sein Sohn in der schimmernden, Orden übersäeten Uniform eines Generals stand!
Der alte Herr mußte die Äugen schließen, das Bild blendete ihn. Es war nur ein Luftschloß, aber er vertraute darauf, daß es auf einem soliden Fundamente ruhte.
Der Wagen hielt, ein alter Diener in schwarzer Livree erschien aus der Treppe, um den Gast zu empfangen.
„Sie werden erwartet, Herr Justitiar", sagte er ruhig, als der Notar vor ihm stand, „der gnädige Herr hat bereits mehrmals gefragt, ob Sie noch nicht angcfouimen seien."
„Tut mir leid, Jakob", erwiderte der Notar mit jerablaffender Freundlichkeit, „ich kann nicht immer öfort zur Verfügung stehen. Ist ein Couvert für mich aufgelegt?"
„Es soll sogleich besor.it werden."
„Schön, schön, sagen Sie der Köchin, sie möge die Saucen etwas kräftiger zubereiten. Dann achten Sie auch auf den Burgunder, alter Freund, er war zu kalt, als ich zuletzt hier speiste."
Sie waren in das Haus hineu.gegangen, der Notar warf einen flüchtigen Blick auf die dunklen Ahnenbilder und Marmorbüsten, die den wetten Saal chwückten, dann trat er in das Arbeitszimmer des Barons, deffen Türe der alteKammerdiener geöffnet hatte.
Boron Kurt v. Darboren kam ihm in fichtticher Aufregung entgegen. Die eng anliegende Joppe, die der Baron trug, ließ die hohe, hagere Gestalt noch pcößer erscheinen, hart und scharf waren die Züge des chmalen Gesichts, von dem ein langer, bereits ergrauender Bart, der das Kinn freiließ, aus die Brust niederwallte.
bie Zigarrenspitzen auszuheben. Für e ne gediegene Hausfrau bedarf es kaum der Mahnung, daß die gesammelten Abfälle durchaus sauber und und die verschiedenen Sachen von einander gesondert gehalten werden müffen. Was im Schmutz und Wirrwarr durch einander liegt, kann natürlich nicht verwertet werden.
Besonders wichtig ist das Sammeln der Briefmarken. Aber auch diese Sammelkunst muß verstanden sein. In die Drucksachen des Vereins gibt es eine ausführliche Belehrung, auf die ich hier nur kurz verweisen kann. Die Verwertung der Briefmarken und sonstigen Postsachen besorgt mit großem Eifer und Erfolg Herr Karl Plauer in Halle a. d. Saale, der gewiß gern nähere Auskunft erteilt, aber im Jn- tereffe des Vereins gern das Rückporto beigelegt sieht. (Auch die Redaktion der ,Fuld. Ztg/ gibt darüber Auskunft.)
Ich kann die einzelnen Sammelstellen nicht aufführen, sondern nur Alle, bie sonst keine Auskunft erhalten können, an die Diözesanstelle des Bonifatius-Sammelvereins in Fulda verweisen.
Ich bin zu Ende mit meinem Mahnworte; aber der genügte Leser muß jetzt anfangen mit der Tat.
Das Nachtlager in Granada.
Romantische Oper
in zwei Men von Konradin Kreutzer.
Wie in der ,Fuldaer Zeitung' bereits mitgeteilt wurde, soll am 25. ds. Mts. zum Besten des Fonds für das Kaiser Friedrich-Denkmal die Oper „Das Nachtlager in Granada" hier aufgeführt werden. Es dürfte daher vielen Lesern der Zeitung willkommen sein, den Inhalt dieser Oper vorher kennen zu lernen.
Die auf verschiedenen Hauptmotiven der Oper aufgebaute Ouvertüre versetzt uns in geschickter Weise in die Stimmung des von frischer Jägerlust und von anmutiger, duftiger Poesie durchwehten schönen Werkes. Die Szene führt uns beim Aufgehen des Vorhanges in ein Tal in Granada in Spanien. Im Vordergründe erblicken wir eine alte Burgruine aus der Maurenzeit, in die eine einfach ländliche Hütte hineingebaut ist. An einem Tisch vor der Hütte sitzt Gabriele und klagt über den Verlust ihres geliebten Täubchens, welches soeben die Beute eines Adlers geworden ist. In ihrer roeltoerlaffenen Einsamkeit war die Taube ihre einzige Trösterin. Wenn die Taube sich kosend an ihre Wange schmiegte, träumte sie sich zurück in die glückliche Zeit im Elternhause, fern von dem verhaßten Vormund Ambrosio. Zu der in trostlosem Schmerze Weinenden tritt Gomez, ein junger Hirt, der in inniger Liebe an dem lieblichen Mädchen hängt. Zwar erwidert Gabriele mit reiner Herzenszuneigung diese zärtlichen Gefühle, doch kummervoll sehen sie in die Zukunst, da ihr Oheim und Vormund von dieser Verbindung nichts wiffen will. Einen letzten Versuch will Gomez noch wagen, um seine Vereinigung mit der Geliebten zu ermöglichen. Als er heute traurig seiner weidenden Herde folgte, kam ihm der Gedanke, den Prinzregenten, der in der Nähe
In den stahlgrauen Augen, die buschige Brauen überschatteten, lag ein stechender Ausdruck, der Zug, der die scharsgeschnittenen Mundwinkel umzuckte, verriet unerschütterliche Entschlofferchett, einen eisernen Willen, der vor keiner Schwierigkeir, keinem Hindernis zurückbebte.
„Endlich!" sagte er mit einer scharfen, unangenehmen Stimme, „Sie haben mich lange warten lassen, Herr Notar! Die aufregende Nachricht, die ich Ihnen danke, hätte Sie zu größerer Eile anspornen müssen!"
Der Notar hatte sich neben dem massiven Schreibtisch in einen Sffsel niedergelassen, er nahm seine Brille ab und reinigte ihre Gläser.
„Wäre ich sofort Ihrer Aufforderung gefolgt, fo würde ich die interessante Unterredung mit dem Rechtsanwalt der Frau Baronin versäumt haben", erwiderte er ironisch, „nun aber wiffen wir bereits, welche Forderungen die Gegenpartei stellt."
Der Baron hatte die Hände auf den Rücken gelegt, er wanderte rastlos aus und nieder.
„Natürlich ist der Advokat Steinfelder dieser Rechtsanwalt?" fragte er mit schneidendem Hohne, der Zorn und Aerger nur zu deutlich durchblicken ließ. „Ich begreife nicht, daß meine Schwägerin aus der Anstalt ohne meine ausdrückliche Genehmigung entlassen werden konnte? Bin ich nicht ihr gesetzlicher Vormund? Bin ich außerdem nicht das Haupt der Familie? Darauf hätte Dr. Graumann sich berufen und die Entlassung ohne meine Genehmigung verweigern müssen!"
Der Notar schob die Brille wieder 'auf die Nase, holte die Dose aus seiner Tasche und wiegte mtt einem bedeutungsvollen Lächeln das kahle Haupt.
„Niemand hat das Recht, eine gesunde Perfon in eine Irrenanstalt einzusperren", erwiderte er, „Doktor Steinselder aber war als Bruder der Patientin be- rechttgt, eine sofortige gerichtliche Untersuchung zu b-- antragen, und ich verdenke es dem Dokwr Graumann nicht, daß er durch die Entlassung der Baronin dieser Gefahr aus dem Wege ging. Ein Vorwurf kann ih