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fulda, Mittwoch, den 14. Oktober 1903.

M 235

> Zweites ßlatt i

30. Jahrgang.

):( Vie Ziele organisierter Privat - Wohltätigkeit.

Trotz aller heutigen Bestrebungen, die sozialen Mißstände durch das Eingreifen der öffentlichen Organe, durch wirtschaftliche Besserstellung der un­teren Bolksklaffen und durch Erziehung zur Selbsthilfe zu beseitigen, wird ein weites Feld sozialer Betätigung immer noch der privaten Wohltätigkeit überlaffen bleiben. Leider

> Literarisches

auf dem Boden des Christentums steht, wenn sie ihre Kinder nicht im Christentum erzogen haben will, dann hat sie ja Gelegenheit genug dazu, hre Kinder ohne Christentum unterrichten und «zichm zu lassen. Zudem schicken ja die reichen liberalen Herren ihre Kinder nur zum Teil und nur in die untern Klaffen der Volksschule; die liberale Partei wolle sich doch nicht anmaßen, die Schulen, in welche das christliche Volk seine Kinder schicken muß, nach ihrem Geiste zu mo b ein. Waren nicht immer die Volksschulen christlich? Oder hat unsere reifere Jugend viel­leicht zu viel Christentum? Die Statistiken sagen das (Segentexl. Hätten wir Unterrichtsfreiheit, dann wäre die Sache anders, aber wir haben Schulzwang und da hat das christliche Volk wohl auch ein Recht zu verlangen, daß die Volksschulen christlich sind.

Wer sagt, christliche Schulen, der sagt ton. fessionelle Schulen, denn die Religion spricht sich aus in der Konfession; ohne Konfession keine Religion; sollen die Volksschulen christlich sein, dann müssen sie konfessionell sein. Wir können an der traurigen Tatsache, daß Deutschland kon­fessionell gespalten ist, einmal nichts ändern und der Friede unter den Konfessionen wird am sichersten dadurch gewährleistet, daß man je der Konfession gibt, was ihr gehört, den Protestanten protestantische Schulen, den Katho­liken katholische Schulen. Die sog. Simultan­schulen sind die Quelle der religiösen Jndiffe- rentismus und die Vorbereitung zu den Misch­ehen.

Soll die Schule christlich konfessionell sein, dann genügt es nicht, daß den Kindern Unter­richt in ihrer Religion erteilt wird, der ganze Unterricht und die ganze Erziehung muß von christlich Geist durchdrungen sein.

Nichts ist trauriger und mehr zu beklagen, als wenn die Volksschule, die Erziehung und der Unterricht des Kindes überhaupt zur Partei­sache gemacht wird. Die Schule steht überund außer den Parteien, sie soll ein Heiligtnm sein, an dessen Schwelle das Parteigezänk halt machen muß.

Zentrum und Konservative wollen eben da­durch, daß sie den christlichen, konfessionellen Charakter der Volksschule gesetzlich festlegen wollen, die Volksschule dem Parteigetriebe ent­rücken und de jure mache, was bisher de facto bestanden hat; sie wollen also keine Aenderung, sondern nur eine gesetzliche Grundlage für das, was bisher gewesen ist. Von einer Auslieferung der Schule an die Kirche kann dabei durchaus keine Rede fein; die Rechte des Staates, der Gemeinde und der Familie foüeu ebenfo gewahrt werden, wie die Rechte der Kirche.

Wenn man den Katholiken gerecht werden, aber demZentrum entgegentreten will, dann müssen wir immer und immer wieder fragen: Wer wählt denn eigentlich das Zentrum ? Doch die Liberalen nicht, das sind doch die Katholiken und die Forderungen des Zentrums, auch bezüglich der Schule sind eben die Forderungen der Katholiken.

Wir verstehen; was durch den Kulturkampf nicht erreicht wurde, das soll durch die Ent- christlichung der Schule erreicht werden; die Liberalen aller Schattierungen sind hierin mit den Sozialdemokraten einig.

, Windthorst hat es vorausgesagt: Der nächste große Kampf wird der Kampf um die Volksschule sein; es ist der Kampf um die Jugend und damit zum großen Teile wenigstens der Kampf um die Zukunft, um Christentum ober Antichristentum, wie ber Reichskanzler Ca­privi mit männlicher Offenheit gesagt hat.

Abgesehen von allem anderen, müssen schon die Rücksichten auf die Rechte und Freiheiten unserer Kirche, auf die christliche Erziehung der Jugend, auf den christlichen konfessionellen Cha­rakter der Schule das Zentrum und alle Katho­liken antreiben, bei der Landtagswahl mit Voll­dampf zu arbeiten und überall, wo nur einige Aussicht auf Erfolg besteht, eigene Wahl- : männer, Wahlmänner der Zentrums­partei, aufzustellen. Lassen wir uns vorerst mit keiner anderen Partei ein, sondern richten wir unsere ganze Tätigkeit dahin, möglichst viele Wahlmänner der Zentrums-

; Partei durchzubringen.

Anzeigen: Die eta spaltige Petitzeile oder deren Bannt 15 psg° Reklamen die PeritzeU, 25 psg.; bei Wieder­holungen wird entspr. Rabatt gewährt.

Druck und Verlag der znldaerAtttendruckerei in 8ulda (Harmonie) Zernsprecher Ur. 9.

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rchriftleiter:Zos.Baum

'sk. wochenbeiiage: „Illustrierte Sonntagszeitung

Von besonderen Unternehmungen der er­wähnten Gesellschaft sind seh« nachahmenswert Die Einrichtung von Wäschereien (Ausbildung bedürftiger Frauen zu geübten Plätterinnen und Wäscherinnen), die Errichtung von Bureaus für Rat und Auskunftserteilung und die Abhattung von Wohlfahrtskursen. — Auch bei uns, auf acholischer Seite, ist trotz mancher bereits be» tehender Vereine, z. B. der Vincenz- und Ekisabeth- leteine, des Charitasverbandes rc., die private Wohltätigkeit noch viel zu wenig organisiert. Die übliche Art des Wohltuns ist ja bequemer, te hat aber dafür auch einen sehr fraglichen Wert und trägt vor allem nichts bei zur Ver­edelung, Vertiefung und Methodiesierung der Armenpflege.

ehlt derselben aber noch in großem Maße die Organisation. Bei der wachsenden Zu- pitzung der gesellschaftlichen Mißstände und der unehmenden Menge der Aufgaben, welche die Privatwohltätigkeit zu bewältigen hat, macht sich ! dieser Uebelstand und die Notwendigkeit seiner 1 Abstellung von Tag zu Tag mehr fühlbar. Wir i geben deshalb einige Vorschläge wieder, die das Septemberheft der Zeitschrift für das Armen- wesen' enthält.

Hauptaufgabe einer organisierten Privat­wohltätigkeit ist die Errichtung einer Aus- :iunft§ftelle und die enge Fühlungnahme zwischen den verschiedenen Faktoren von Armen- iflege und Wohltättgkeü. Nur so wird letztere mit dem größtmöglichen Nutzen und mit Erfolg arbeiten können und ein gut funktionierendes Glied der sozialen Reformbestrebungen sein, — Bei Handhabung obiger Methode gelangen zu­nächst sämtliche Bittgesuche an die Auskunftsstelle und niemand gibt etwas, ohne sich hier über Person und Verhältnis des Bittstellers unter- richtet zu haben. So entgeht man einesteils der Brandschatzung durch gewisse Sorten von Bett­lern: Hausbettlern .und Bittbriefschreibern, die nur zum geringsten Teile einer Unterstützung wert sind, andererseits bekommt man hier die Direktive zu einem vernünftigen, planmäßigen Wohltun. „Der Schwerpunkt liegt immer darin, mit den Hilfesuchenden in persönliche Berührung zu kommen, genau zu erfahren, was er selbst will, in welchen Verhältnissen er lebt und welche Art der Hilfe ihm am zweckmäßigsten erscheint. Man gibt ihm Rot, und wenn ein Rat nicht sofort erteilt werden kann, tritt man in weitere Ermittelungen ein, die auf das Umfassendste geübt werden, um ihm schließlich direkt oder meist indirekt durch Vermittelung anderer Ver­eine oder der öffentlichen Armenpflege oder der Stiftungspflege materiell zur Seite stehen." Man geht also rationell vor und schafft sich nicht aus Bequemlichkeit oder Gutmütigkeit durch Hergabe eines Almosens den Bittsteller kurzer­hand vom Halse. Es tritt jedesmal eine indi­viduelle Behandlung ein, die sich je nach den Verhältnissen anders gestaltet. Man läßt die einzelnen Fälle erfolgreicher, vielleicht auch billiger durch die einschlägigen Vereine oder Stiftungen erledigen, ferner verschafft man dem Bittsteller Speise- und Milchmarken, ordnet zerrüttete Familienverhältnisse, räumt Zerwürfnisse aus dem Wege, setzt sich mit Gläubigern z. B. Wirten oder Metern in Verbindung zwecks Stundung oder Nachlaß rückständiger Beträge, sucht den Bedürftigen Arbeit zu verschaffen, bringt die Kranken möglichst in ordentliche Pflege, verschafft Familienmüttern Arbeit außerhalb des Hauses und bringt währenddessen die Kinder in den Kinderhorten unter, drängt, wo es nötig ist, auf Beschränkung ber Kinderarbeit, auf Für­sorgeerziehung rc. All diese Bestrebungen sind also hauptsächlich vermittelnd; nur wo man nicht anders helfen kann, läßt man direkte materielle Unterstützung eintreten. Diese Art der Privatwohltätigkeit geht mithin in umgekehrter Weise vor, wie es sonst durchgängig vom Pub­likum beliebt wird.

Die MUglieder der Auskunftsstelle gliedern sich in aküve, d. h. arbeitende (Männer und Frauen) und passive, d. h. zahlende. Letztere überweisen alle Bittgesuche zur Prüfung an die Auskunftsstelle und stellen in Fällen, wo Geld notwendig ist, eine gewisse Summe zur Ver­fügung. Was die arbeitenden Mitglieder angeht, so wird man neben der freiwilligen Arbeit mit der Zett auch besoldete Arbeit einführen. Die dadurch entstehenden Verwaltungskosten kommen durch die infolge der Organisation er­zielte Ersparnis um das Mehrfache wieder ejn.

In Amerika ist die Privatwohltätigkeit in großem Maßstabe auf die oben gekennzeichneten Grundsätze gestellt. In dem Bericht der New- Uorker Gesellschaft für Wohltätigkeitsorganisation z. B. heißt es:

Die Grundsätze, auf denen organisterte Wohltätig­keit beruht, sind diese: „Die Armut — die er­niedrigende Abhängigkeit einer Person oder Familie von anderen, um das jum Leben Notwendige zu er­halten — sollte weder ermutigt noch gebilligt, sondern im Gegentell energisch und erfolgreich bekämpft werden. Die Umwandlung jener, die von Natur oder durch Ungllicksfälle von der Wohltätigkett abhängen, in sich selbst erhaltende und selbst achtende Mitglieder der Gemeinschaft erfordert Geduld, Geschick und Hin­gebung. Eine verständige Vereinigung von frei­willigem und berufsmäßigem Dienst ist am meisten geeignet, dieses Ziel zu erreichen; und wenn vorüber­gehende oder selbst dauernde materielle Hilft nötig ist — wie e» oft der Fall ist — sollte diese Hilfe nicht mechanisch oder sorglos gegeben werden — mit anderen Motten als Almosen oder Spende — sondern nur bei voller und genauer Kenntnis nach einem bestimmt festgesetzten Plan und mit persönlicher Teilnahme an : demjenigen, d-m die Hllfe als einem menschlichen : Wesen zu teil wird."

Die Besatzung moderner Riesendampfer. Der Schnelldampfer „Kaiserin Maria Theresia", welcher vom Norddeutschen Lloyd Anfang nächsten Jahres für eine Reihe von Sonderfahrten nach dem Mittelmeer in Fahrt gestellt werden wird, gehört nicht nur zu den größten und schönsten, sondern auch zu den schnellsten Schiffen der Flotte des Lloyd. Trotzdem auf den großen modernen Dampfern in gleicher Weise wie in den industriellen Bttrieben am Lande die menschliche Arbeit soweit als möglich durch maschinelle Einrichtungen ersetzt worden ist, wie sich aus der großen Anzahl Hilfsmaschinen ergibt, welche namentlich auf einem Schnelldampfer zu finden find, o ist doch selbst heute noch ein außerordentlich um« ungleicher Stab von Offizieren, Ingenieuren u. s. w., öwie eine oft nach Hunderten zählende Mannschaft erforderlich, um einen dieser Riesendampfer in Be­wegung zu setzen. Die Befatzungsziffer der einzelnen Schiffe ist natürlich wiederum von der Größe unb der Geschwindigkeit, bezw. der Maschinenstärke abhängig. @4 dürste für unsere Leser nicht uninteressant sein, einen Ueberblick über die Besatzungsstärke der modernen Ozeandampfer zu erhalten. So führen die großen Schnelldampfer des Norddeutschen Lloyd fol­gende Besatzungen: „Kaiserin Maria Therefia" 332 Personen, „Kaiser Wilhelm der Große" 500 Personen, „Kronprinz Wilhelm" 530 Personen, „Kaiser Wil­helm II." 660 Personen. Die wesentliche Steigerung der Mannschaftsstärke bei den letzteren Dampfern hängt vornehmlich mit der enormen Maschinenbcaft dieser Schiffe zusammen, da stch allein das Maschinen­personal auf dem „Kaiser Wilhelm II." auf 295 Mann, darunter 112 Heizer und 119 Kohlenzieher, beläuft. Wenn auch die Besatzung der „Kaisettn Maria Theresta" hinter derjenigen der neuesten Schnelldampfer des Norddeutschen uloyd zurücksteht, so ist dieselbe doch immerhm noch sehr respektabel. Nach den einzelnen Chargen verteilt sich die Mannschaft wie folgt: 1 Ka­pitän, 5 Offiziere, 2 Aerzte, 2 Proviant- und Zahl­meister, 2 Bootsleute, 2 Zimmerleute, 4 Steurer, 1 Segelmacher, 17 Matrosen, 8 Leichtmatrosen, 5 Schiffs­jungen, 1 Gepäckmeister, 1 Heilgehilfe, 1 Ingenieur, 12 Maschinisten, 7 Assistenten, 1 Elektriker, 1 Kessel- schmied, 7 Schmierer, 1 Lagermeister, 9 Oberheizer, 66 Heizer, 54 Kohlenzieher, 1 Oberkoch, 6 zweite Köche, 1 Konditor, 1 Konditorgehilfe, 2 Dampfköche, 8 Bäcker, 1 Proviant- und Lagermeister, 2 Schlachter, 1 Lampen­wärter, 1 Barbier, 12 Aufwäscher, 1 Obersteward, 2 zweite Stewards, 3 Pantryleute, 5 Pantrygehilfen, 6 Aufwärterinnen (Sstwardessen), 70 Aufwätter (Stewards), 4 Zwischerdeckswärter.

* Appell. Richter: Wie kamen Sie dazu, den Kläger ein Kameel zu nennen? — Beklagter: Ja, Herr Richter . . . schan'n Se 'n doch 'mal an . .?

* Knotige Angst. „Die ganze Nacht über hat der Kopfschmerz nicht nachgelassen. Ich fürchte, Herr Doktor, es ist vielleicht am Ende eine Hirnent- zündung." — „„Dazu fehlt doch jede Voraussetzung."" * Selbstbewußt. A.: Ich bin zum Train aus- gehoben worden. — Gardekavallerist: Also beinah Soldat geworden.

() Die Landtag8wahlen.

Die Bedeutung ber Landtagswahlen darf nicht unterschätzt werden, lieber alle inneren Angelegenheiten eines Landes haben die Landtage oder Abgeordnetenhäuser der einzelnen Länder zu beschließen.

Die Wahlen zum preußischen Landtag sind ausgeschrieben; die einzelnen Parteien sind mit ihren Wahlaufrufen vor die Oeffentlichkeit ge­treten und haben damit die Agttation eingeleitet.

Eine besondere Bedeutung gewinnen die dies- jährigen Landtags wählen dadurch, daß die Sozialdemokraten sich zum erstenmal an diesen Wahlen beteiligen. Besondere Rührigkeit entfaltet die fog. nationalliberale Partei und ihr Streben geht dahin, eine „klerikal konservative Mehrheit zu verhindern. Allen Grund, den letzten Mann aufzubieten, hat die Zentrums­partei, die auch in verschiedenen Landestellen schon tüchtig an der Arbeit ist.

Das Wahlsystem zu dem Landtag ist zwar das verzwickteste und ungerechteste, das sich denken iäßt, so verzwickt, daß die gewöhnlichen Leute nicht wissen, wie gewählt wird, so unge­recht, daß ein einzelner Mann, wenn er recht reich ist, allein oder mit wenigen Gleich- ober Höhereingeschätzten in der 1. Klaffe ebensoviel Qualität hat, als ein paar tausend Wähler ber dritten Klaffe zusammen. Man nennt dieses Wahlsystem mit Recht das plutokratische, weil der Reichtum entscheidet. Man kann ja wohl sagen, wer die meisten Steuern zahlt, der soll auch den meisten Einfluß haben ober wie ein italienisches Sprichwort sagt: Wer bezahlt, hat das Recht zu befehlen.

Aber haben diejenigen bie die höchsten Steuern bezahlen, nicht schon dadurch Vorzug genug, daß sie durch ihre reiche Einnghmen in der Lage sind mehr leisten zu können? Welcher arme Teufel würde nicht mit Freuden hohe Steuern bezahlen, wenn er nur den entsprechenden Reichtum besäße!

Wie ungerecht das Klaffenwahlsystem ist, geht daraus hervor, daß die Sozialdemokraten mit ihren über 3 Millionen Reichstagswählern aus eigener Kraft kaum einen einzigen Abgeordneten zum Landtag durchbringen werden. Wir sind gewiß keine Freunde der Sozialdemokraten, aber wir meinen, eine Partei, die im deutschen Reichstag über 81 Mandate verfügt, hätte ein Anrecht darauf, auch im Landtage vertreten zu fein.

Auch das Zentrum leibet unter biefem System, beim bie Anhänger ber Zentrums­partei fetzen sich zusammen zumeist aus mittleren unb kleineren Leuten, wozu noch kommt, baß stellenweise burch eine tendenziös erscheinende Wahlkreisgeometerie geschlossen katholische Gegen­den geradezu tot gemacht werden. Trotzdem muß die Zentrumspartei ihre ganze Kraft auf­bieten, um wenigstens in der bisherigen Stärke in den Landtag wiederzukehren.

Wir sehen ab von jenen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Fragen, die der Beschluß- faffung des Landtags unterstehen. Wir betonen, daß bie Kultur!ampfsgesetze preußische Landtagsgesetze waren und im preußischen Land­tag beschlossen wurden. Die einseitige Behand­lung der kath. krankenpflegenden Orden gegen­über den Protest. Diakonissen, die Verletzung und Hintansetzung der Parität, das ganze Gebiet des Kirchen- und Schulwesens gehört zur Zuständig­keit des Landtags.

Es ist sicher, daß die Liberalen, erhielten sie im Landtag die Majorität, einen neuen Kultur­kampf beginnen würden, wenn auch nicht in der plumpen, massiven Weise, wie den ersten, viel­leicht einen feiner angelegten, aber darum um so gefährlicheren. Der Hauptkampf der Zukunft wird der Kampf um die Schule fein. Ein Schulgesetz steht zwar nicht in nächster Aussicht, wohl aber wird das Schuldotationsgesetz zur Be­ratung gelangen. Das Streben des Zentrums sowohl, wie der Konservattven geht dahin, daß der christliche, konfessionelle Charakter btr Volks­schule gesetzlich festgelegt wirb. Aber selbst bies ist dem Liberalismus schon zu viel; schon in ber Wahrung des christlichen, konfessionellen Charak­ters der Volksschule erblickt er eine Auslieferung der Schule an die Kirche und das ist ja der Schrecken aller Schrecken für ein liberales Ge­müt.

Aber sind wir denn kein christliches Vol1 mehr? Und wenn ja, muß ein christliches Volk nicht auch christliche Volksschulen haben? Wenn ie Partei von Bildung und Besitz nicht mehr

Stadt Gottes. Illustrierte Monatsschttst zur Unter« baltung, Belehrung und religiösen Anregung. Verlag der Missionsdruckerei in Stehl, pvstl. Kaldenkirchen (Rhld.). Jährlich 12 Hefte, zu­sammen 3 Mark.

Ter jetzt vollendet vorliegende 26. Jahrgang dieser vortrefflichen Monatsschrift enthält eine Fülle von an­sprechendem Text und schönen, zum teil farbigen Bildern. In den mit einen rttzend illustrierten Gedicht eingeleiteten Heften folgen sich längere und kürzere spannende Erzählungen, reich illustriette Attikel aus fast allen Gebiet?» des Wissens und Könnens: Länder- und Völkerkunde, Missionen. Statur, Kunst und Technik, Vergangenheit und ®egentoart; namentlich ist die Zeitgeschichte durch LebenSskizzen großer Männer, durch eine sehr sachliche Monatsschav und durch die Sammelrubrik „Ans aller Welt" statt vertreten. Daneben gehen eigene geschichtliche, biographische und erzählende Beiträge her für die christliche Familie, für die Frauenwelt und Jugend, sowie viele kleine interessante und gemeinnützige Mit­tellungen unter „Allerlei, Häuslicher Ratgeber, Haus­arzt". Man bestellt die Zeitschrift bei der Mifsions- druckerei in Stehl; durch den Bezug derselbe« unter­stützt man noch die in 5 Weltteilen segensreich wirkende Stehler Misfionsgesellschaft.