30. Jahrgang.
fulaa, Mittwoch, den 14. Oktober 1903.
M 235.
leieiiew: Xe ent« jpetogt peiktzeile oder ter« 8a«« 15 Pf-. Heflontra die petttzeNe 25 Pf-.; bet wieder« belangen wird entspr Rabatt gewährt.
»eeastworlticher W
rchWAei1er:Zes.vail«
jSWSL w°ch->a>«llag-: „Illustrierte SoimtagszeitAng"
Druck und Verlag der MdaerActiendruckere^ . ia in zulda (harmonles
Monatrbeüage: „$UlbdCt GeschlchtZblütter . Fernsprecher Ar 9.
«chMttt-ttch.lM
Im
VW e*|tfert»ge. viertel. Nbd.8e$W8iwreis ebne vriu-erletz« «* Mklgeffc in $*!>«"*•
>wb<
Deutsches Reicl)
so verächtlich von de» ,^>aar Mandaten mehr oder weniger", »eil er selbst wenig Aus. sicht hat, eins zx gewinnen.
Das Majorat.
Roman «on Ewald August Köniz.
5 ------- k»ach»rmk eeebiteti.)
„Gedenken Sie, diese Behauptung vor Gericht gellend zu machen?" spottete der Notar. „Sie würden chre Wahrheit beweisen müssen, und daS können Sie nicht. Die Aussagen einer Geistesgestörten haben keinen Wert —*
„Ifrtb ihre Unterschrift ebenso wenig."
„Run wohl, sollte diese Urkunde auch ungiltig erklärt werden, so bleibt immer noch der Jnterdiklions» All, der nur dann aufgehoben werden kann, wenn Sie die vollständige Heilung der Frau Baronin erweisen. Diesen Beweis werden sie aber unmöglich fuhren können, Herr Kollege," fuhr der Notar mit schärferer Betonung fort, und ein stechender Blick ttaf dabei aus seinen listigen Augen den Rechtsanwalt, J*» Aussagen Ihrer Aerzte stehen die unsrigcn Gegenüber, und Sie werden nicht leicht einen Arzt Eibe», der mit seiner ganze« Autorität für die Frau Baronin eintritt, denn eie Autorität könnte in diesem Kalle Schiffbrucb leiden."
„So stehen Sie also vollständig auf Setten der »»deren Partei?" fragt-Kteinfelder entrüstet.
„gdj sehe krta W*eien. Als Nebenvormund, tar ich nach dem FsWvLKttut bin, muß ich die Wechte des gesetzlichen Eeo» taOtetc, und gesetzlicher Erde iß Baron Dagobert v. Lorken. Ich auch dafür sorgen, daß sein Erbteil nicht ggtoikrt wird, und eit allen meinen Kräften werde ich dwft Pflicht «füllen. Der sogenannte» Medereinsetzung der Baronin AdÄgunde in ihre Rechte werde ich mich aütz diesem Grunde energisch widersetzen!"
„Bnb da Baron Dagobert «ach Ihrer Ansicht mchk zurückkehren wird —"
^Keine falsche »oromssetzungen, Herr Kollege, wen«
Der Parteitag -er Zreistnntgen Vereinigung
hctt i» der Preffe nicht gerade Auftegung hervorgerufen. Am Ende hat sie ihm aber doch noch «ehr Aufmerksamkeit geschenkt, als er verdient, vielleicht weil die innere Politik augenblicklich an bemerkenswerten Ereigniffen arm ist. Eine Partei, die bei den Reichstags-Wahlen in der Hauptwahl kein einziges Mandat, in der Stichwahl nur eine bescheidene Anzahl mit fremder Hilfe errang, kann ja auch nicht beanspruchen, daß ihr Parteitag als weltbewegendes Ereig- nis behandelt wird. Das um so weniger, wenn die Berechtigung zur Teilnahme an ihm durch die einfache Zahlung von 2 Mark erworben wird. Die Beschlüsse eines solchen Parteitages, zumal wein er in Berlin abgehalten wird, wollen doch heimlich wenig besagen.
Beachtung hat allein der Beschluß wegen der Stellung der Partei zur Sozialdemokratie gefunden, und auch der eigentlich nur, »eil er nichts zu bedeuten hat. Er ist ein Kompromiß, eine Konkordien - Formel, wie der Abg. Pa ch nicke im ,Berl. Börsen.Kour/ sagt, und wurde nur gefaßt, um die Partei vor größerem Schaden zu bewahren Wäre D r. Barth mit seiner Empfehlung eines Bündnisses zwischen Sozialdemokratie und fr ei sinniger Vereinigung durchgedrungen, so wäre das Parteichen gespalten und bei Dr. Barth und den neuen national-sozialen Freisinnigen wieder nur der Neinste Teil geblieben. Man zog sich also auf die berühmte „mittlere Linie" zurück, indem man es den Parteifreunden anheimgab, nach den Urwahlen. dort, wo die Liberalen aus eigener Kraft nicht siegen können, sich mit den Sozialdemokraten zu verständigen, wenn die lokalen Verhältnisse es zulassen. Aber auch gegen diesen ganz unverbindlichen Beschluß stimmte noch eine ganze Anzahl Vertreter, namentlich aus den Seestädten.
Die .Freis. Ztg/ erklärt, der Beschluß habe praktisch ganz und gar keine Bedeutung, und darin wird sie wohl recht haben. Es wird kaum einen Wahlkreis geben, wo alte freisinnigen Wahlmänner bereit sein werden, Mr einen Sozialdemokraten zu stimmen. Meistens wird keiner dazu bereit sein. Was ein paar Theoretiker und Führer der Partei in Zeitungsartikeln und Reden über das Zusammengehen mit der Sozial« demokratie sagen, kommt für das wirkliche Leben kaum in Betracht. Die Sozialdemokraten in ihrer Rücksichtslosigkeit und Maßlosigkeit werden dort, wo sie irgend welche Aussicht haben, eine Roße zu spielen, durch die Art ihrer Organisation schon dafür sorgen, daß die Gegensätze sich ausreichend verschärfen, um den wenigen freisinnigen Wahlmännern, die etwa mit ihnen praklieren möchten, die Sache zu verleiden.
Berlin, den 13. Oktober 1903.
V Wie verschiedene Blätter berichten, ist nicht daran zu zweifeln, daß zwischen der deutschen und englischen Regierung eine Vereinbarung über die SBerlängerung des bis zum 31. Dezember d. I. giltrgen Haudels- provisoriums zustande kommt. Ein entsprechender Entwurf werde zu den ersten Vorlagen gehören, die dem Reichstage in der nächsten Tagung werden unterbreitet werden.
::: Die Vorgeschichte des Ansiedelungswerkes i« de« Ostmarke« pflegte Miquel, so erzählt die ,Preuß. Korr/ aus Anlaß der gestrigen Enthüllung des Bismarckdenkmals in Posen, gern in vertrautesten Kreisen wie folgt zu erzählen: Von ihm, Miquel, stamme der Ge- danke; er habe ihn als Abgeordneter 1885 Bismarck vorgetragen, der zuerst die Forderung von 100 Millionen für unerreichbar hielt. Miquel habe dann die Nationalliberalen, Bismarck die Konservativen gewonnen; so sei das Gesetz von 1886 zustande gekommen. Wenige Tage darauf habe Bismarck Miquel rufen lassen und ihm als dem eigentlichen Vater der neuen Polenpolitik das Posener Oberpräsidium angeboten. Miquel bat sich Bedenkzeit aus; dann forderte er für den Fall der Annahme besondere „diktatorische" Vollmachten. Bismarck erklärte lachend, so etwas würde er bei den Geheimräten in Berlin nie durchsetzen, und v. Miquel lehnte ab.
* Die Wahlbeteiligung war bei der Reichstagswahl von 1903 ungleich stärker als bei der von 1898. Während sich bei ersterer von 11,441,094 Wahlberechtigten 7,786,714 oder 68,1 Proz. an den Hauptwahlen beteiligten, war dies im Jahre 1903 bei 9,533,794 oder 76,1 Pioz. der Wahlberechtigten der Fall. Diese Zunahme erstreckte sich auf sämtliche Staaten und größere Verwaltungsbezirke, und nur in wenigen Wahlkreisen war die Wahlbeteiligung etwas schwächer als im Jahre 1898. Im übrigen sind die Unterschiede hinsichtlich der Wahlbeteiligung in der Hauptwahl zwischen den einzelnen Staaten recht erheblich, wobei es auffällig ist, daß fast alle Staaten, in denen die Beteiligung im Jahre 1898 besonders groß oder gering war, diese Eigentümlichkeit auch im Jahre 1903 zeigen. Die stärkste Wahlbeteiligung hatten von den einzelnen Provinzen die östlichen, in denen der Kampf zwischen Deutschtum und Polentum tobt. In der Provinz Posen betrug die Wahlbeteiligung 81,7, in Westpreußen 79,3 Proz. Im Jahre 1898 hatte Westpreußen mit 77,6 Proz. die erste Stelle inne gehabt, gefolgt von Posen mit 75,5 Proz. Dann folgen Westfalen mit 78,5 (70,0), Sachsen mit 77,9
„Durchaus keine", antwortete der Notar kühl, „eS ist möglich, daß er sich nicht mehr unter den Lebend« befindet, in diesem Falle wäre Baron Kurt schon jetzt rechtmäßiger Eigentümer des Majorates, was ich Ihnen ebenfalls zu bedenken gebe. Baron Dagobert war ein leichtfiimiger Verschwender, der große Summen im Hazardspiel vergeudete, er wird daS drüben fortgesetzt haben, und es ist wahrscheinlich, daß er auf dieser gefahrvollen Bahn untergegangen ist."
„Er hat von hier ans keine Unterstützungen erhalten?"
„Rein, et hat auch nicht darum gebeten."
„Haben Sie keine Ahnung, wo er fich befinden könnte?"
„Wie wäre das möglich?" spottete der Notar, der mit unverkennbarem Behagen eine Prise nahm.
„ES hieß damals, er habe einen Mensche« getötet und deshalb flüchten müssen, die Zettungen brachten diese Nachricht, die fich bald als Irrtum herausstellte, da der Betreffende nur leicht verwundet war. Ist dieser Irrtum damals ebenfalls veröffentlicht worden?"
„Ich erinnere mich nicht mehr."
„Wenn eS geschehen wäre, so würden Sie eS wiffen; eS geschah nicht, weil dieser Irrtum nicht zur Kenntnis Dagoberts kommen sollte. Die Verrffentlichung desselben würde den Flüchtling zur Rückkehr bewogen haben, und diese fürchtete man."
„Sie ergehen fich in Vermutungen, die allerdings begründet scheinen, aber tatsächlich jeder Begründung entbehren", erwiderte der Notar mtt gemeßener Ruhe. „Baron Kurt ist ein Ehrenmann, der niemals zu niedrigen Mitteln greifen wird, um fich einen Bortett zu sichern, überdies stehe ich ihm als Lertteter des Erben zur Sette, und meine Pflicht ist eS, die Ber- waltuug des Majorats streng zu überwachen. Greifen Sie nun ihn an, so gilt dieser Angriff auch mir, beschuldige» Sie ihn einer unehrenhafte» Handlung, so mitff en Sie auch mich einen Schümm nmven; ich gebe Ihnen zu bedenken, mf welche Sette bei diese« Angriff die tffentliche »ehtwtg sich stellen wirte. Sie
Gan» besonders aber kommt in Betracht, daß, wie die,greif. Ztg/ hervorhebt, die Freifinuige Vereiniguns nirgends in der Lage fein wird, Abmachungen mit den Sozialdemokraten zu treffen, ohne Mitwirkung anderer Parteien. Sie »erben dort, »o fie nicht mit dm Sozialdemokraten als Hauptgegnern zu tun habe», wie i» den Seestädten, ihre Kandidaten mit Hilfe anderer Parteien (der Konfervativm in den polnischen Landesteilen, ber übrigen Liberalen in anderen Steifen) durchbringen können. Diese würden fich aber auf eine Verständigung mit den Sozialdemokraten nicht einlaffen und wenn die Freisinnige Vereinigung eine solche eingehen sollte, sich nicht darum kümmern ober gar bie Äanbibaten ber Freisinnigen Vereinigung einfach int Stich lassen.
Der ,Vorwärts' erklärt, bie Resolution enffpreche ben Anforderungen, bie von sozialdemokratischer Seite an die Liberalen gestellt worden seien; es liege nun im eigenem Jnsteresse der Liberalen, ix den einzelnen Wahlkreisen der Aufforderung wirklich nachzukommen. Ob er »och glaubt, daß sie es tun werden? Voraussichtlich werden die Sozial- demokratcn so gut wie überall bei den Wahlen vor der Frage stehen, ob fie den Liberalen gegen die „Reaktion" ohne Gegenleistung beistehen, oder durch Wahlenthattung die „reaktionären" Parteien verstärken wollen. Im freifinnigen Lager hofft man noch immer, daß sie das Erste tun werden. Das müssen wir abwarte».
Durch bie Forderung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts für Preußen hat die Freisinnige Vereinigung übrigens unnötiger Weise die Nationalliberalen vor den Kopf gestoßen. Diese wollen bekanntlich nur „Reformen", die ihnen selbst zugute kommen würden (Neueinteilung der Wahlkreise und Abschaffung der Drittelung in den einzelnen Wahlbezirken) und nennen .das im Gegensatz zu der freifinnigen Forderung „praktisch erreichbare Reformen". Die Freisinnige Vereinigung bentt natürlich auch nicht an bie Verwirklichung ihrer Forderung, sondern will sich damit nur bei den Sozialdemokraten empfehlen. Da bie Forderung tatsächlich bedeutungslos ist, so wird ja am Ende der „Zusammenschluß aller Liberalen gegen die konser- vativ-ultramoxtane Reaktion" dadurch nicht verhindert werben.
Mögen inbes bie Beschlüsse des Parteitages gelautet haben, wie sie wollten, bie „Reaktion" wäre dadurch schwerlich zu erschrecken gewesen. Was will denn bas Häuflein Freisinnige Vereinigung bedeuten? Wenn man Dr. Barth in Berlin hört, konnte man allerdings glauben, die Partei fei die herrschende in Preechep. „Ein paar Mandate mehr oder weniger, vM. kommt es darauf an!", meinte er stolz. Gerade als ob sie einige hundert besäße. Sein Freund Pachnicke entgegnete mit Recht, eine solche Sprache sei bie eines politischen Grandseigneurs, bie hier wenig am Platze sei; benn soviel Manbate habe bie Partei nicht; im Parlamente aber entschieden zuletzt die brutalen Zahlen bet Manbate. Vielleicht sprach Dr. Barth ich bitte» darf!" unterbrach der Notar ihn. ^Jch handle nur wie meine Pflicht es mir gebietet, um das weitere kümmere ich mich nicht. Vergessen Sie nicht, daß Baronin Adelgunde allgemein nur die „tolle Baronin" genannt wnrde, und daß auch dies in einem allmfallfigen Prozesse geltend gemacht würde —"
„Wer hat ihr diesen Namen gegeben?" brauste Steinfelder auf. „Die Kreaturen ihres Schwagers, der dadurch die Ueberführnng ins Irrenhaus vor- b ereilen wollte! Das Gericht wird auch davon Notiz nehmen müssen, und eS bleibt abzuwarten, ob es nicht einen wesentlichen Einfluß auf ben Urteilsspruch auSübt."
„Ich will es ruhig abwarten", erwiderte der Notar achselzuckend, während er die Brille dichter vor die Augen rückte, „dem Prozeß, mtt dem Sie mir drohen, sehe ich getrost entgegen, ich sage Ihnen voraus, daß Sie ihn »edieren werden. Sie wirbeln durch ihn ohne Not bid Staub auf, Sie werden die öffentliche Meinung mit der tollm Baronin beschäf- ttgen."
„Und die öffenttiche Meinung wird auf unserer Seite fein!" unterbrach Steinfelder ch«. „ESkönnten dabei Dinge zur Sprache kommen, die Ihnen unan- genehm wärm." . m „
„Mir? Meine Person hat mit diesem Prozeß nichts zn schaffm, Herr Kollege, ich bin nur der Mandatar der Familie, deren Inter« sse ick vertrete. Tun Sie, was Sie nicht lassen tonnen, aber Sie würden Ihrer Frau Schwester besser dienen, wenn Sie ihr raten würden, die Apanage wettet zu beziehen und mit ihrem Schwager Frieden zu halten."
Der Rechtsanwalt hatte sich erhoben; war ersuch auf diese Zurückweisung seiner Forderungen oor bereitet gewesen, so ärgerte ihn doch die Form, in der es geschah, er erkannte barax», daß er sich auf einen lang. ät Prozeß gefaßt machen mxßte.
ben Sie vo« Baron Dagobert sei ferner irgend eine Nachricht erhalten ?' ft^gte n< । er seinen Hut nahm.
(73,0), Schleswig-Holstein mit 76,2 (72,0)' Rheinland mit 75,5 (65,9), Brandenburg mit 75,1 (68,9), Hannover 74,9 (69,1), Pommern mit 74,6 (68,2), Schlesien mit 74,1 (66,1), Berlin mit 73,7 (66,0), Hessen-Nassau mit 70,5 (62,1), Ostpreußen mit 70,2 (64,5) und Hohen- zollern mit 64,5 (57,3) Proz.
* Die eisenbahufachwifsenschaftlicheu Vorlesungen finden irnWinterhalbjahr 1903/04 in folgender Weise statt: In Ber lin werden in den Raumen der Universität Vorlesungen über dieNattonalökonomie derEisenbahnen,insbesondere das Tarifwesen, sowie über bie Verwaltung ber preußischen Staatseisenbahnen, unb im technologischen Institut ber Universität über Technologie gehalten. In Breslau erstrecken sich bie Vorlesungen auf Eisenbahnrechl, Eisenbahnbetrieb unb Elektrotechnik, in Köln auf bie wirtschaftlichen Aufgaben ber Eisenbahnen, insbesondere das Tarifwesen unb Frachtrecht sowie auf Elektrotechnik, in Elberfelb auf Technologie, in Halle a. S. auf Elektrotechnik.
V Berlin, 13. Ott. 1903. Ein Einsegnung der Prinzen August Wilhelm und Oskar von Preußen findet am Samstag den 17. Oktober, vormittags 11 Uhr, in der Friedenskirche zu Potsdam durch den Oberhofprediger und Schloßpfarrer Dr. Dryander statt. — Der .Reichsanz.' meldet, daß dem Erzherzog Frtedrich von Oesterreich die Kette zum Schwarzen Adlerorden, dem Kaiser!. Kgl. Oberhofmeister Fürsten von und zu Liechtenstein die Brillanten zum Schwarzen Adlerorden und dem Erzherzog Leopold Salvator von Oesterreich der Schwarze Adlerorden verliehen worden ist. Außerdem wurde noch eine größere Anzahl von österreichischen Offizieren mit Orden ausgezeichnet. — Der frühere Abg. Rentner Müller (Zentrum) aus Stadttoll, 1873-1882 Vertreter des Wahlkreises Prüm-Dann-Bttburg im Abgeordnetenhaus, ist in Remagen im Mer von nahezu 88 Jahren gestorben. — Ferner ist der frühere nationalliberale Abgeordnete Prediger Richter in Martendorf ber Berlin am Montag im 82. Lebensjahre gestorben. Er war s. Z. ein eifriger Kulturkämpfer.
♦ Posen, 13. Oft. 1903. Der .Wielkopo- lanin' meldet, baß fortan bie Kleriker bes Priesterseminars in Posen bie Vorlesungen über beutsche Geschichte unb Literatur in ber bärtigen neuen Akademie hören müssen. Schon vor einigen Wochen sollen Oberpräfident von Waldow und Ministerialrat Althoff dem Erzbischof das Verlangen ber Regierung angezeigt haben, baß bie Kleriker korporativ bie genannten Vorlesungen bei ber neuen Akabamie belegen müßten. Damals soll aber Erzbischof Dr. von Stablewski biefem Verlangen widerstrebt haben, schließlich habe er aber nachgegeben. Es wäre, sagt bas genannte Blatt, wohl möglich, baß ihm bie Schließung bes Seminars, falls er auf seiner Weigerung bestauben haben würbe, angebroht würbe, benn bie Erlaubnis zur Unterhaltung bes Priesterseminars ist bem Erzbischof s. Zt. mit Vorbehalt gegeben worbe«, unb es kann biefelbe somit jederzeit von ber Regierung zurückgezogen, folglich also baS Priesterseminar von ber Regierung geschlossen werben.
* München, 13. Oft. 1903. In bet gestrigen Sitzung des Finanzausschusses wurde beim Etat des königlichen Hauses an den Ministerpräsidenten die Frage nach dem Be
find noch jung, Herr Kollege, ich begreife es wohl, daß Sie fich verpflichtet fühle«, die vermeintlich« Rechte Ihrer grau Schwester geltend zu machen, aber Ruhm, Ehre und Gewi«« wird dieser Prozeß Ihne« nicht einbringen. Ueberlegen Sie fich daS alles noch einmal, bevor Sie einen Entschluß fassen, vielleicht kommen Sie doch zu der Einficht, daß die 'Baronin nichts bi ssereS tunkann, als die JahreSrente zu acceptteren und in Geduld die Rückkehr ihres Sohnes abzuwarten."
Der Rechtsanwalt erwiderte darauf nichts, er »ahm mit einer Verbeugung Abschied und verließ das Kabinett.
Im Hausflur begegnete ihm der Sohn des Notars, welcher ati Hauptmann 6t i dem in der Stadt garm- sonierenden Jnfanterie-Regimenie stand; fie waren Schnlkameraden gewesen, Steinfelder konnte nicht wob. an ihm Vorbeigehen, ohne einige Worte mit ihm zu wechseln.
Georg Tellenbach war eine hohe, stattliche Gestalt, ein brauner Bollbart umrahmte das ernste, männlich schöne Antlitz, aus dem ein offener, ehrenfester Charakter sprach.
Er bot dem Rechtsanwalt mtt herzlichem Gruße die Hand ; Steinselder, der nicht in der Stimmung war, eine lange Unterredung anzuknüpfen, schützte dringende Geschäfte vor und lehnte die Einladung zX einem Frühschoppen ab.
Zorn und Entrüstung tobten in seinem Innern, als er da» Haus verließ, er sah da» ganze Gewebe Har und deutlich vor fich, das damals geschmied« war, um seine Schwester und deren Soh« um bat Majorat zu betrügen, und die Unterredung mit dem Justitiar der Familie hatte chn erkenne» lassen, dich er diesen Jntriguen gegenüber ohnmächtig war.
Man hatte e» verstanden, die öffentliche Meinung mit der tollen Baronin und dem leichtsinnige« Verschwender zu beschäftigen und ein verdammendes Urteil herauszufordern; Baron Kurt und der »Mac Tellmbach blieben ehrenhafte Leute, und Betvesse für feine Jntriguen ließe« schwerlich fich ftnbe«.
Der «rtokut Mte da» «rtürfnis. em GlaS »e«