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3l). Jahrgang.
fUldd, Dienstag, den 13. Oktober 1903.
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Berlin, den 12. Oktober 1903.
§ Der Parteitag der freisinnigen Vereinigung, der am Samstag und Sonntag in Bertm abgehallen wurde, nahm mit großer Mehrheit eine Resolution an, worin zur Bekämpfung der „konservativ-klerikalen Reaktion" ein einheitliches Vorgehen aller Liberalen und eine Verständigung mit den Sozialdemokraten in den Wahlkreisen empfohlen wird, wo die Liberalen aus eigener Kraft den Sieg nicht erringen können. Bekanntlich will ein großer Teil der freisinnigen Bereinigung von einem Zusammengehen mit den Sozialdemokraten nichts wissen. Deren Haltung dürfte auch durch die Resolution nicht geändert werden. Der Parteitag hat, entgegen dem Wunsche Dr. Barths, der ein vollständiges Zusammengehen mit den Sozialdemokraten empfahl, den Resolutionsentwurf des geschäftsführenden Ausschusses angenommen, der die „Verständigung" mit den Sozialdemokraten auf den Notfall beschränkt. Wie Dr. Pachnicke im ,Berl. Börsen-Kur.' dieser Tage ausführte, erscheint manchen Parteigenossen, „insbesondere denen in Kiel, Bremen, Stettin, Danzig und Königsberg, aber auch in anderen Orten, wie die von dort her kommenden Preßstimmen vermute« laffen, möglicherweise auch noch dieser Kompromißoor- schlag noch als zu weitgehend. Die Vertreter von Danzig, Stettin, Bremen usw. — im ganzen etwa 40 — stimmten denn auch gegen diesen Teil der Resolution. Weiter wird in der Resolution des Parteitages das allgemeine, gleiche, geheime Wahlrecht sowie eine Neuverteilung der Wahlkreise gefordert. Mit der erstgenannten Forderung will man wohl vor allem die Sozialdemokraten ködern. Daß die freisinnige Vereinigung von dem allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrecht für sich wenig zu hoffen h ätte, zeigen die Reichstags wählen. Man kann ja aber ohne Gefahr kühn fordern, wenn man weiß, daß man das geforderte doch nicht erhält.
* Nach der lex Heinze ruft jetzt die ,Tägl. Rundschau' in einer Betrachtung über den » Dippold. Sie klagt lebhaft über den
>se« Vertrieb unzüchtiger Bücher und Bilder und ihre Auslegung in den Schaufenstern. Das dürfe im Interesse unseres Volkstums so nicht weiter gehen. Die Gesetzgebung müffe etwas tun, um der Polizei ein Einschreiten zu ermöglichen. „Die lex Heinze ist seinerzeit abgelehnt worden, in der Hauptsache, weil sie reine Kunst und freie Forschung nicht von Pornographie und Geschäftsgier zu trennen wußte; aber das Thema ist damit nicht abgetan. Der Reichstag hat sogar die Pflicht, sich nochmals an diese Aufgabe im Interesse der Volksgesundheit her- anzumachen; vielleicht gelingt ihm diesmal ihre Lösung bester, wenn die Parteien alle Partei- rückfichten vor der Volksnot vergesten und namentlich das Zentrum darauf verzichtet, dem
5>as Majorat.
Roman von Ewald August König.
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2. Kapitel.
Der Justitiarius dar fteiherrtiche« Familiev. Tar- boren, Notar und Rechtsanwalt Ferdinand Tellenbach, stand nicht nur als tüchtiger Jurist, sondern auch als vermögender Bürger in hohem Anseh n.
Auf seinem Namen und seiner Ehre ruhte kein Flecken, er war der Mandatar vteter herrschaftlichen Familien und genoß als solcher fast unbegrenztes Vertrauen.
Man sagte dem kleinen, hageren und sehr lebhaften Herrn nach, daß er ein Feinschmecker sei, und daß eS ‘ ihm trotz seiner sechzig Jahre nicht darauf cmkomme, eine Nacht bis zum lichten Morgen zu durchzechen, wenn er sich in heiterer Gesellschaft befinde, aber daraus konnte niemand ihm einen Borwurf machen, da er sonst einen durchaus moralischen Lebenswandel führte und keine Pflichtverletzung sich zu schulden kommen ließ.
Er war schon f<it langen Jahren Witwer; seine Frau hatte ihm nur einen Sohn hinterlaffen. Mit dem Sohne, einer alten Haushälterin und einigen Mädchen bewohnte er sein großes Haus allein, in dem mehrere Räume unbenutzt blieben, da er nicht mü anderen, ihm fremden Leuten zusammenwohnen wollte.
Bor diesem Hause hielt an einem Vormittage der Jagdwagen des Freiherrn v. Darboren. Der Kutscher stieg ab und brachte einen Brief, den er einem Schre-ber mft der Bemerkung übergab, daß er aus Antwort warte» solle.
Der Notar saß vor feinem Schreibtisch in dem höchst elegant auSgchatteten und mit Suustschöpftmgen aller Art geschmückten Kabinett, tcks der Schreiber ihm den Brief überreichte.
Gesetze seinen Fraktionsstempel aufzudrücken und mit ihm Nebenzwecke zu verfolgen, die die anderen Parteien zur Abwehr auf die Schanzen rufen müssen." Die ,Tägl. Rundschau' hat s. Z. den Spektakel es Goethebundes gegen die lex Heinze eifrig mttgemacht. Man sieht schon aus Vorstehendem, daß sie ihn zum zweiten Mal mitmachen und „Kunst" und „Wissenschaft" gegen das Zentrum retten Helsen würde. Daß die lex Heinze „teilte Kunst und freie Forschung nicht von Pornographie zu trennen wußte", ist reiner Humbug. Der Goethebund wollte sie nicht getrennt wissen, und wenn jetzt die lex Heinze roiebertönte, würde man sofort wieder schreien, das Zentrum verfolge Nebenzwecke mit ihr, und unter diesem Vorwande würde man die Pornographie in Schutz nehmen. Die.Tägliche Rundschau' als „Organ der Gebildeten" auch.
** Die Enthüllung des Bismarck- Denkmals in Posen gestaltete sich am Sonntag zu einer hakatistischen Festlichkeit, wie das ja mit Sicherheit vorauszusehen war. Natürlich nahmen nur Deutsche daran teil und wurde viel von Deutschtum, deutscher Treue, Schutz des Deutschtums in den Ostmarken usw. usw. ge- redet. Von den Polen konnte man nicht wohl verlangen, daß sie sich beteiligten. Es war wirklich eine allzu gekünstelte Naivetät oder dunkler Hohn, wenn Fürst Herbert Bismarck seine Verwunderung aussprach, warum die Polen stets das Andenken seines Vater verunglimpften, und meinten, es fehle ihnen jede Berechtigung dazu. Die Polen haben doch wahrlich übles genug von Bismarck erfahren, so daß man keine Begeisterung für ihn von ihnen verlangen kann. Welche Bedeutung für das Deutschtum man der Feier beilegt, erhellt schon aus der Anwesenheit der beiden Minister Frhr. v. Hammerstein und Frhr. v. Rheinbaben, die auch beide Reden für die Polenpolitik hielten. Es verdient Anerkennung, daß man, soweit wenigstens die Berichte erkennen laffen, nicht ausfällig gegen die Polen wurde, sondern sich nur an das Deutschtum wandte und an dies seine Mahnungen richtete. Gegen diese Mahnungen ist gewiß an sich nichts einzuwenden. Die Aufforderung, ihr Deutschtum treu zu bewahren, fest und einig zu- sammenzustehen und wie die Wendungen sonst lauten, ist durchaus berechtigt. Ob alle Mahnungen befolgt werden, darf man nach den bisherigen Erfahrungen bezweifeln. „Nicht die Konfession dürfe," sagte Frhr. v. Hammerstein, „für unser Verhalten entscheidend sein, sondern allein der nationale Gedanke, d. h. strenge Gerechtigkeit gegen jedermann, auch gegen Gegner, aber auch strenge Selbstdisziplin, einhelliges Zusammenhalten." Schön gesagt! Nur sind leider unter den Hakatisten zu viele, die die Polen als Katholiken hassen und den deutschen Katholiken nicht minder feindselig und mißtrauisch gegenüberstehen. Strenge Gerechtigkeit auch gegen den Gegner ist eine richtig« und kluge Politik. Möge sie überall, — auch in den Ostmarken — Anwendung finden!
* Militärische Geheimnisse Die.Hamb. Nachr.' haben sich dieser Tage in einem langen
Er erbrach gleichgittig bas Siegel und entfaltete das Schreiben; kaum aber hatte er die ersten Worte gelesen, als seine Brauen sich zusammenzogen und sein Blick starr wurde.
„Herr Notar!" las er. „Soeben erhalte ich die Nachricht, daß Adelgunde v. Darboren aus der Irrenanstalt entlassen ist. Dem Anträge ihres Bruders, des Rechtsanwalts Steinfelder, hat Doktor Graumann Folge geben müssen, da, wie er behauptet, die Kranke völlig gehellt ist. Was nun ? Ich schicke Ihnen meinen Wagen, bitte, kommen Sie sofort hierher, dam t wir beraten können. Mit bestem Gruß Kurt Freiherr v. Darboren."
Der Notar legte das Schreiben hi» und fuhr mit der Hand einige Mal über das kahle Haupt und das faltenreiche, glattrafierte Gesicht, dann nahm er aus der großen TabakSdofe, die vor ihm stand, eine Prise, und hinter den Gläsern seiner goldenen Brille leuchteten die Keinen Augen, wie die Augen eines Fuchses.
„Wo ist der Bote?" fragte er, fich zu dem Schreiber wendend, der wartend an der Türe stand. „Lassen Sie ihn eintreten.*
Das träumerisch gedankenvolle, von einem brausen Vollbart umrahmte Geficht des Kutschers erschien gleich darauf im Rahmen der offenen Tür.
„Kommen Sie nach zwei Stunden wieder, Joseph," sagte der Notar, indem er seine Uhr zu Rate zog, „ich werde dann miffahren, Sie können ja bis dahin eine Spazierfahrt machen *
Der Kutscher nickte schweigend und entfernte fich, der Notar nahm abermals eine Prise und las das Schreiben noch einmal.
„Aergerlich!" murmelte er. „Dieser Doktor Graumann ist ein Hans Hasenfuß, er hätte jeder Drohung die Stirne bieten müssen. Was auch hätte man, selbst im schlimmsten Falle, tym avhaben können ? Sein Gutachten über den Zustand dieser Patienttu mußte von jeder ärztlichen Autorität respektiert werden, die Ge- sch chte war ftr ihn selbst außerordentlich harmlos, i Bah, was liegt weiter daran! Ein wenig Aufregung
Aufsätze darüber mißbilligend ausgesprochen, daß die Frage der Neubewaffnung unserer Artillerie mir Rohrrücklaufgeschützen in der Presse um- tändlich und in allen Einzelheiten pro und contra erörtert wird. Dadurch werde das Aus- and über die Absichten der deutschen Militär Verwaltung unterrichtet und sei in der Lage, anstatt von uns überrascht zu werden, uns zuvor- zukommen. Die frühere Praxis sei anders gewesen, bei der letzten Neubewaffnung der Artillerie sei Deutschland den Armeen der übrigen Mächte voraus gewesen, damals seien aber auch die Versuche mit den Schnellfeuerkanonen streng geheim gehalten worden. Dieser Behauptung gegenüber stellt die ,Nat.-Ztg.' fest, sie habe viele Monate vor der Vollendung der Neubewaffnung ei fahren, daß man, besonders in Frankreich, über die Vorgänge recht genau unterrichtet war, mit dieser Kenntnis aber naturgemäß nicht öffentlich hervortrat.
* Spiritusmotorwagen in der Armee. Dieser Tage liefert eine Spezialfabrik an die deutsche Heeresverwaltung eine Anzahl Motorwagen ab, von deren Sorte noch keine bei irgend einer europäischen Armee in Gebrauch sind. Man sieht deshalb in militärischen wie industriellen Kreisen der Inbetriebnahme der Wagen mit größtem Interesse entgegen. Es handelt sich um Spiritusvorspannmaschinen, deren jede eine Last von 300 bis 400 Zentner auf der Straße fort« bewegen kann, indem dem Maschinenwagen zwei bis drei Lastwagen angehängt werden. Diese Züge sollen dann zum Transport von Munition und Bagage verwendet werden, wobei dfl höchste Reisegeschwindigkeit 8 Kilometer beträgt. In der nächsten Zeil werden dann von der Versuchsabteilung der Verkehrstruppen mit diesen Zügen Probefahrten veranstaltet, von denen es abhängen wird, ob d-e allgemeine Einführung von Spiritusmotoren bei der Armee erfolgt. Die Mittel für die in Rede stehenden Experimente hat der Reichstag in seiner Session von 1902 der Armeeverwaltung zur Verfügung gestellt.
% Der Parteitag der braunschweigische« Landesrechtspartei beschloß, in einer Eingabe sämtliche Bundesfürsten und Freien Städte zu ersuchen, dahin zu wirken, daß der Herzog von Cumberland den Braunschweigischen Thron besteige und der Bundesratsbeschluß vom Juli 1885 aufgehoben werde.
(§) Zur Einschränkung des Viehhüteus dnrch schulpflichtige Kinder hat die Regierung zu Königsberg i. Pr. an die Kreisschulinspektoren eine bemerkenswerte Verfügung erlassen. In den einzelnen Kreisen der Provinz Ostpreußen hat die Verwendung von Schul- lindern zum Hüten nämlich in den letzten Jahren einen recht ausgedehnten Umfang angenommen. Ein besonders großer Zuwachs an Hütekindern war z. B. im Kreise Labiau zu verzeichnen, wo im letzten Sommer an 303 schulpflichtige Kinder ein Hüteschein erteilt worden war, während in den Jahren zuvor in dem genannten Kreise nur etwa 200 Kinder Erlaubnis zum Hüten erhalten halten. Seitens der Landwirt» wird die Erteilung eines Hütescheines fast immer mit den
kann dem Herrn Baron nicht schade», die Bande zwischen ihm und mir werden dadurch nur befestigt werden. Der Erbe ist verschollen und die Mutter dieses Erben hat keine Rechte mehr."
Der Schreiber trat wieder ein und meldete de» Besuch deS Rechtsanwalts Doktor Steinfelder.
„Schön!" nickte der Notar, und mit dem freundlichsten Lächeln trat er dem Kollegen entgegen.
„Was bringen Sie mir?" fragte er, nachdem er ihm einen Stuhl an geboten hatte. „Apropos, ehe ich'S vergesse, lieber Kollege, ich habe gestern in einer obskuren Weinkneipe einen exquifi ten Rüdesheimer entdeckt, wenn Sie die Adresse haben wollen?"
„Ich lege keinen Wert darauf", unterbrach Steinfelder ihn, „ich bin fein Kenner und trinke nur die leichtesten Weine. Ich komme zu Ihnen als Rechtsanwalt meiner Schwester, 'der Baronin Adelgunde v. Darboren, Sie find der Justitiar dieser Familie und infolge dessen verpflichtet, d'-e Rechte meiner Schwester uud ihres Kindes zu wahren. Wollen Sie dieser Pflicht genügen?*
„Wie feindselig das klingt, lieber Kollege!" spottete der Notar, während er nachlässig mit seiner Dose spielte. „Ich könnte in Ihrer Frage eine Beleidigung finden, denn es ist ja selbstredend, daß ich meine Pflicht gewissenhaft erfüllen muß. Ich soll die Rechte der Fran Baronin und Ihres Sohnes wahren? Beweisen Sie mir, daß ;ch das nicht tue! Die Frau Baronin ist geistesschwach und befindet fich meiner Irrenanstalt, ihr Sohn ist verschollen; unter diesen Umständen muß HauS Eichenhorst von dem nächsten Erbberechtigten verwaltet werden. Ich weiß nicht, ob Sie das Familien- Satut der Daborens kennen, ich werde eS Ihnen in Abschrift vorlegen. HauS Eichenhorst ist Majorat, es geht stets auf den ältesten Sohn über, find Söhne nicht vorhanden, so erbt der Bruder oder dessen Sohn. Ist der rechtmäßige Erbe noch minderjährig, so fallen dem Bruder oder Oheim ober Vetter des Erblassers die Rechte eines Vormunds zu, und dieser berechtigte Vormund ist augenblicklich Baron Kmt v. Darbvr-n."
c egenroättigen mißlichen Wirtschaftsverhältnissen zu begründen gesucht In der erwähnten Ver- ügung war nun eine Einschränkung der Er- aubnis zum Viehhüten den Kreisschulinspektoren i ur Pflicht gemacht. Auch in der Provinz Vosen sind im laufenden Jahre bereits ähnliche Verfücungen erlassen worden.
* £ ürzUch ist in Berlin wieder ein neues nord awerikanrscheS Schnhwareugeschäft eröffnet worden. Wie es heißt, will die nordomerikanische Schuhwaren- aussuhr-Gesellschatt in Verbindung mit deutschen Interessenten in den größeren deutschen Städte» nord- amerikanische Schuhwarengeschäfte einrichten, um der nordamerikanischen Ware rascheren Eingang und größeren Absatz zu verschaffen. Nordamerikanische Industrie-Erzeugnisse findet man auf dem deutschen Markt immer häufiger und immer mannigfaltiger, und zwar nicht nur Maschinen Der verschiedensten Art, andern auch Fahrräder, Registrierkasse», Phonographen, Bureaumöbel, Zigaretten, künstliche Diamanten und andere Erzeugnisse mehr. Für die nordameri- kanische» Ausfuhr-Interessenten ist es, schreibt die Ireuzztg.', nicht schwer, ihre Erzeugnisse in Massen auf den deutschen Markt zu werfen, da die Sätze des deutschen Zolltarifs im großen und ganzen viel zu niedrig sind, um der fremden Einfuhr, namentlich bei Mafienerzeugniffen, eine fühlbare Schranke zu ziehen. Dagegen ist es der deutschen Industrie in vielen Fällen o gut wie unmöglich, ihre Fabrikate auf den nord- amerikanischen Martt zu bringen, weil die dortige» Zollschransen nahezu unübersterglich find. So haben u. a. an Zoll zu zahlen: Schuhe in Deutschland 35 bis 52 Psg, in Nordamerika 1,60 Mk. bis 3,20 Mk. das Paar, Fahrräder in Deutschland 3 Mk., in Nordamerika 112 Mk. das Stück, Waflermesser in Deutschland 0,90 Mk., in Nordamerika 14,85 Mk. d-s Stück, Werkzeugmaschinen in Deutschland 3 Mk. das Stück, n Nordamerika 128 Mk. für 100 Kilo. Kammgarn- ’toffe bei einem Gewichte des Quadratmeters von mehr al« 200 Gramm in Deutschland 671/e Psg., in Nordamerika 4,65 Mk. usw. Derartige ungleiche Zoll- verhältniffe erklären die bedauerliche Tatsache, daß deutsche Erzeugnisse immer mehr vom nordamerikanisch >n Markte verschwinden, nordamerikanische da- jegen immer mehr auf dem deutschen Markte ernpor- ornmen. Gerade gegenüber dieser nordamerikanischen koukmrenz ist, meint das genannte Blatt weiter, im Interesse der deutschen Industrie zu wünschen, daß der neue deuffche Zolltarif sobald wie möglich in Kraft tritt.
* Braunschweig, 12. Oft. 1903. In Hehlen, dem Sitze des Führers der braun« chwei gisch-welfischen Bewegung, sind bei der Haupt- und bei der Stichwahl fast nur sozialdemokratische Stimmen abgegeben worden. Jetzt hat die dortige, etwa 100 Mitglieder zählende „Altbraunschweigische Vereinigung" diejenigen ihrerMitglieder, welche „gegen die Satzungen gewählt haben", aufgefordert, freiwillig aus dem Verein auszuscheiden. Infolge dessen hat ein Drittel der Mitglieder feinen Austritt angezeigt. Eine ähnliche Bewegung ist in allen welfischen Vereinen des Herzogtums Braunschweig im Gange.
Ausland.
* Wie«, 12. Oft. 1903. Der Kaiser empfing heute vormittag 11 Uhr den Grafen Julius Andrassy in längerer besonderer Au-
„Der meine Schwester ins Irrenhaus gebracht und ihren Sohn gezwungen hat, ins Ausland zu Mchten!* warf Steinfelder erbittert ein.
Der Notar rückte die weiße Halsbinde, die sich verschoben hatte, zurecht und schüttette mißbilligend das kahle Haupt.
„Na, na, ich möchte Ihnen doch nicht rate«, diese Behauptung öffentlich auszusprechen,* sagte er warnend, „sie könnte durch Aussagen glaubwürdiger Zeugen widerlegt werden, und Baron v. Tarbore« ist nicht der Mann, der Ihnen das unglstrast hingehen lassen würde!*
„Ich fürchte mich nicht, de» Kampf mit ihm aufzunehmen!*
„Aber wozu?* erwiderte der Notar, de« Hefter scherzenden Ton noch immer beibehaltend. „Es wäre ein Kampf nm des Kaisers Bart.*
„Nicht doch, meine Schwester befindet sich nicht mehr in der Irrenanstalt,* entgegnete Steinfelder, ihn fest anblickend, „ich habe ihre Entlassungbeanttagt, und aus Gründen, die ich Ihnen wohl nicht auseinander zu setzen brauche, ist diesem Anttagesofort Folge gegeben worden. Meine Schwester verlangt nun, ate Witwe des verstorbenen Majoratkhenn wieder eingesetzt zu werde», Baron Kurt v. Darboren soll über seine bisherige Seimaltung Rechnung ablegen und HauS Eichenhorst räumen."
Wieder schütte te bet Notar sein kahler Haupt, der Ausdruck seiner Gesichtes war ernster, strenger geworden.
„Nehmen Sie mir, dem älteren Manne, die Bemerkung nicht übel*, sagte er, „ich fürchte, Sie haben da einen dummen Streich begangen. Sie setzen da Ihre Frau Sck unstet Aufregungen au-, die ihr gefährlich werden könne», es wäre besser gewesen. Sie hätten sie in der Anstalt gelassen. Wenn Dagobert v. Darboren aus der Verschollenheft zurückkehrt, so hat er die Berechtigung, sein Erbe z» fordern, vorausgesetzt, daß einige Bestimmungen der Familien- statutS die Auslieferung an ihn nicht verbieten. Die