30. Jahrgang
flllda, Montag, den 12. Oktober 1903.
im Gefolge gehabt haben, ein Ergebnis, das nur den mit der größten Entschiedenheit durchgeführten Sanierungs-Arbeiten zuzuschreiben ist. Vor allem mußten viele Tausende Quadratmeter durchnäßten Fußbodens in Wohnräumen und Stallungen gänzlich entfernt werden, eine Maßregel, die an manchen Stellen, weil sie mit Unbequemlichkeiten verbunden ist, auf den Widerstand der Bevölker-ung stieß. Die Behörden ließen sich aber in ihrem Vorhaben nicht hindern, und so ist erreicht worden, daß nirgends im Ueber- schwemmungs- Gebiete Krankheiten ausgebrochen sind, die zur Ursache die Ueberschwemmung gehabt hätten. Es wäre empfehlenswert, daß man in solchen Gegenden, die häufig unter Ueber- schwemmungen zu leiden haben, das in Schlefien angewandte Verfahren genau prüfte, um es gegebenenfalls nachzuahmen.
* München, 10. Oktober 1903. In der bayerischen Kammer ist in den nächsten Tagen eine große politische Debatte über dir Lage in Bayern zu erwarten. Am Montag kommt im Finanzausschuß der Etat des Ministeriums des königl. Hauses und des Aeußern, dessen Chef der Ministerpräsident Freiherr v. Podewils ist, zur Beratung. An diesen Etat wird die Erörterung der Lage, des Sturzes des Grafen Crailsheim angeknüpft werden. Der Etat kann schon Mitte nächster Woche ans Plenum kommen nutz dann die mit Spannung erwartete Diskussion über die Entwicklung Bayerns beginnen.
einem Arzte zurückgekehrt, und es würde dadurch ein Eclat hervorgerufen morder sein, der seiner Anstatt nur schaden konnte. Was nun weiter geschehen soll, um Dich in Deine Rechte wieder einzusetzen, das wollen wir während der Reise beratm, ich muß gestehen, daß ich darüber noch nicht ernstlich nachgcdacht habe."
Baronin Aoelgunde hatte während dieser Mitteilungen ihre Garderobe und ihre Habseligkeit zusammengesucht und in ein Bündel gevackt, jetzt stand sie vor d'm Bruder und ihr Bl ck hing voll ungeduldiger Erwartung an seinen Lippen.
„Hab' Dank, tausend Dank!" sagte sie mit zitternder Stimme, während sie mit der schmalen Hand über ihre Stirne strich, „möge ein Leden voll Glück und Liebe Dich für diese Aufopferung belohnen, ich kann es nicht! Nur das wünsche tch noch zu wissen, bevor wir dieses Haus verlassen: fvas ist ms Dagobert, meinem Sohne, geworden?"
„Was weißt Du von ihm?" fragte er, an seiner Brille rückend.
„Nicht viel, aber dennoch genug, um das schlimmste befürchten zu müssen. Mein Schwager ließ mir vor einigen Jahren die Mitteilung machen, Dagobert habe eines Verbrechens wegen die Heimat heimlich verlassen müssen, er fei nach Amerika geflüchtet. Seitdem soll er verschollen sein, wie Doktor Graumann heute morgen noch behauptete. Nun sage mir die Wahrhnt, Hermann, nimm keine Rücksicht auf die Warnung des Arztes, ich bin nie geisteskrank gewesen und in diesem Augenblick auf die schlimmste Botschaft gefaßt."
„Verschollen ist Dagobert seit seiner Flucht, aber da jede Nachricht von ihm fehlt, darf man auch annehmen, daß er sich noch unter den Lebenden befindet," erwiderte der Bruder in beruhigendem Tone. „Sein Tod würde durch das Konsulat gemeldet worden sein, schon ost ist ein Verschollener zürückgekehrt, also dürfen wir auch in diesem Falle die Hoffnung nicht finken lassen."
„Und das Verbrechen?"
„Hat nie bestanden, Adelgunde! Deinem Sohne
»«zeigen: vie em» fpaltige Petitzeile oder deren Raum 15 psg. Neklamen die Petttzeile 25 pfg.; bet Wiederholungen wird entspr. Rabatt gewährt.
Druck und Verlag der ZuldaerActiendruckere' in Zulda jharmoniej Zernfprecher Nr 9.
* Brüssel, 10. Okt. 1903. Im belgischen Heere herrschen, wie die Regierung selbst feftstellen muß, dank dem militärischen Stellvertretungssystem, wahrhaft heillose Verhältnisse. Der gegenwärtige Effektivbestand des belgischen aktiven Heeres, der gesetzlich 42000 Mann betragen soll, ist am 1. Oktober, dem Tage, va die neuen Rekruten einrücken, auf 35 000 Mann gesunken, da 7000 Stellungs- pflichttge, die sich durch die Hinterlegung von 1600 Francs losgekauft haben, keine Ersatzmänner zu beschaffen vermochten. Da diese Stellungspflichtigen durch die Zahlung der erwähnten Summe vom Heeresdienst befreit sind und nicht selbst dienen müssen, so vermag die Heeresverwaltung dem Uebel nicht zu wehren. Dem ,Etoil? Belge' zufolge weisen einzelne Regimenter einen Effektivbestand von blos 150 (?) Mann auf, also ungefähr so viel, wie eine belgische Kompagnie zu Kriegszeiten.
* Paris, 10. Okt. 1904. 1500 ausständige Weber und Spinner von Armentieres und Umgegend überschritten gestern die belgische Grenze bei Ploegsteert, um hier die Einstellung der Arbeit an dem im Bau befindlichen Affumptionistenkloster zu erzwingen. Ein Unteroffizier trat mit drei Gendarmen den Ausständigen entgegen, wurde aber verhöhnt und mit Steinen beworfen. Die Gendarmen
MeutLcheSZeicft
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MonatrbÄage: „JjlllÖGet Eeschlchttblätter".
Das Majorat.
Roman von Ewald August König.
3 ------- (Nachdruck verboten.)
Nach einer kurzen Pause fuhr die Baronin fort: „Mein Hausarzt -aß an meiner Seite und zwei handfeste Männer mir gegenüb r. Der Arzt sagte mir, daß ich krank sei und desbalb in eine Heilanstalt gebracht werden müsse, er hoffe aber zuversichtlich, mich nach einigen Wochen aus jener Anstalt wieder abholen zu können. Die beiden Männer gaben sich mir als Wärter aus jener Anstalt zu erkennen und rieten mir keinen Lärm zu machen, da derselbe für mich nur unangenehme Folgen haben könne. — Was wollte ich machen? Der Wagen fuhr mit rasender Geschwindigkeit auf offener Landstraße, der rohen Gewalt mußte ich mich fügen und der Genuß jenes Glases Wein hatte mich so krank und elend gemacht, daß mir in jener Stunde alles gleichgiltig war. Einige Stunden später hielt iber Wagen vor der Anstalt, ich wurde hinausgehoben, das Tor schloß sich hinter mir — seitdem war ich dne Gefangene."
„Der Justitiar und der Hausarzt waren willige Werkzeuge Deines Schwagers," fuhr der Bruder fort, während er mit nachdenklicher Miene die Gläser seiner Brille abrieb. „Es ist möglich, daß der Leiter dieser Anstalt getäuscht wurde, wäre er ein Schurke, so hätte er wohl Mittel gefunden, Dich für immer verschwinden zu lassen und der Baron würde ihm dafür sicherlich eine große Belohnung gezahlt haben. Ich erfuhr am anderen Tage, daß man Dich in eine Anstalt gebracht hatte, Dagobert und ich wurden damit vertröstet, daß wir dich bald Wiedersehen würden, der Baron war voller Aufmerksamkeit ge en uns, aber lange konnte er uns nicht täuschen. Als ich die Wahrheit erfuhr, ahnte cch sogleich, daß an Dir ein Schurkenstreich begangen worden war, es kam zu einem
Zukunftsstaate blühen, wenn die sozialdemokratische Denunziationswut sich voll entwickelt hat! Uebrigens ereilt den Genossen Hue dasselbe Schicksal, das den verstorbenen Lieb- knecht betroffen hat. In Berlin war das Lokal, wo die philharmonischen Konzerte ab- aehalten wurden, aus bestimmten Gründen gesperrt worden. Liebknecht, als großer Musikfreund, hatte trotzdem mit seiner Familie die Konzerte besucht. Er wurde vor ein Partei- gericht geladen und da verurteilt, die ferneren Besuche einzustellen.
* Wieder ist durch Bebel und seine Meute ein Genoffe zur Strecke gebracht worden. Heinrich Braun erklärt, daß seine Wochenschrift die »Reue Gesellschaft,, vorläufig ihr Erscheinen ein stelle, bis wieder normale Verhältnisse herrschten und sie auf eine unbefangene Beurteilung rechnen dürfe. Seft Dresden habe sich in der Partei eine solche Summe von Mißtrauen, Mißver- ständnisien, gehässigen Verfolgungen aufgesammelt und insbesondere auch gegen die .Neue Gesellschaft' und ihren Herausgeber gekehrt, daß die Arbeit der Wochenschrift unfruchtbar bleiben müsse. — Nachdem. die .Neue Geschellschaft' freilich von dem Diktator Bebel und seinen Schildknappen in Acht und Bann getan war, konnte sie natürlich nicht existieren; der Herausgeber hätte nur Geld daran verlieren können. Dies wird der eigentliche Grund der Einstellung ihres Erscheinens sein. Nachdem nun dies Blatt abgetan ist, werden die Freiheitshelden um Bebel wohl auch bald die,Sozialistiichen Monatshefte' durch Boykottierung zu Grunde zu richten suchen. Ist das erreicht, dann ist man glücklich soweit, daß kein wissenschaftlicher Aufsatz mehr gedruckt werden kann, den Genoffe Kauktsy nicht vor geprsift und gebilligt hat. Dann ist das Ideal der Meinungsfreiheit, wie es Bebel ersehnt, in der Sozialdemokratie erreicht. Es wird aber wohl nicht soweit kommen.
§ Genosse Karttsky hatte jüngst geschrieben, d-m Feinde (d. h. hier der bürgerlichen Gesellschaft) gegenüber habe man (die Sozialdemokraten) die Pflicht der Wahrhaftigkeit nie anerkannt. Auf diesen Ausspruch war er von einem liberalen Blatt festgenagelt worden. Er suckt sich in einer langen Erklärung im.Vorwärts' herauszuwinden, kommt aber nicht über den Satz hinaus: „Ehrlichkeit ist auch dem Feinde gegenüber für einen Sozialdemokraten in der Regel die bestePolitik". Und wie oft gestattet der Wahrheitsfreund Kautsky eine Ausnahme von dieser Regel?
* Posen, 11. Okt. 1903. Im Regierungsbezirk Bromberg wurden 80 Lehrer von der Gewährung der Oftm arkenzulage ausgeschlossen. — Die Posener Schützengilde nahm in ihrer gestrigen Sitzung 222 neue deutsche Mitglieder auf. Damit hat die bisher überwiegend polnische Schützengilde deutsche Mehrheit erlangt.
* Breslau, 11. Okt. 1903. Es wird von der .Schles. Ztg.' mit Recht anerkennend darauf hingewiesen, daß die Ueberschwemmungen in Schlesien diesmal gar keine Krankheiten
Mtigen Auftritt zwischen mir und Deinem Schwager, ich sagte mich los von ihm und erklärte ihm, daß ich noch in derselben Stunde sein Haus verlassen und keine Unterstützung mehr von ihm anneymen würde. Ich eilte in die Stadt zu einem Aovokaten, er war ein ehrlicher Mann, er riet mir ab, irgend einen Schritt zu tun, da derselbe sch'mme Folgen für Dich haben könne. Erst dann, 6*un ich ein Mann geworden fei, dürfe ich für Dich in die Schranken treten und auf Erfolg hoffen. Er riet mir, zu studieren, er bewies mir, daß ich nur als tüchtiger Jurist Deine Sache erfolgreich vertreten könne, und ich bin ihm, dem edlen leider verstorbenen Mann, heute noch dankbar für diesen Rat. So lange ich das Eymnafium besuchte, unterstützte er mich, ich stand im Begriff, mein Abiturientenexamen zu machen, als ein Herzschlag plötzlich sein Leben endete. Nun galt es, mit eigener Kraft weiter zu streben! Ich mußte durch Unterricht mir die Mittel zum Studium erwerben, mußte meine Studien unterbrechen, um als Hauslehrer mir Existenz- mittel zu verschaffen, so kämpfte ich auch später noch als Referendar mit Schwierigkeiten aller Art, bis ich endlich mein letztes Examen gemacht hatte. Ich ließ mich als Rechtsanwalt in unserer Stadt nieder, ich war dort dem Haufe Eichenhorst nahe, dadurch wurden meine Beobachtungen mir erleichtert. Gleichwohl verhielt ich mich auch jetzt noch ruhig und scheinbar teilnahmslos, ich wollte vor allen Dingen Praxis und eine gesicherte Existenz haben, um Dir ein Heim bieten zu können. Nun, ich darf sagen, daß das Glück mich begünstigte, gleich zu Anfang wurden mir schwierige Prozesse anvertraut, die ich mit Glanz durchführte, unterdessen zog ich nach allen Seiten Erkundigungen ein, und als ich mich hinlänglich gerüstet glaubte, begann ich mit der Lösung meiner Aufgabe. Sie ist mir leichter geworden, als ich glaubte, Doktor Graumann mochte wohl sofort erkennen, daß er einem Manne gegenüberstand, mit dem er nicht spassen konnte. Hatte er meiner Forderung nicht nachgegeben, so wäre ich mit dem Staatsanwalt und
Berlin, den 10. Oktober 1903
*** Entschädigung unschuldig Verhafteter, Die hessische Regierung hat dem Bwmlesrat einen Gesetzentwurf vorgelegt, betreffend die Entschädigung unschuldig verhafteter Personen. Der Bundesrat wird voraussichtlich schon in allernächster Zeit zu dem Entwurf Stellung nehmen, zumal der Reichstag in wiederholten Entschließungen eine Regelung dieser Frage verlangt und als dringend bezeichnet hat.
** Der verstorbene Abg. Richard Rösicke hat in seinem Testamente bestimmt, daß an die z.Z. seinesTodes in seinen privaten Dienste nan- gestellten Personen, die 5 Jahre für ihn tätig gewesen sind, und an sämtliche zurzeit seines Todes in dem Betriebe der Schultheißbrauerei beschäftigten Arbeiter, die 10 Jahre lang in dem Unternehmen beschäftigt gewesen sind, die Summe von 100,000 Jt. zu gleichen Teilen zur Verteilung gelangen soll.
% An Stelle des fehlenden Präsidenten des evangelischen Oberkirchenrates ist der ,Kreuzztg.' zufolge der Vizepräsident desselben, Oberkonsisto- rialrat Dr. Frhr. v. d. Goltz, zum Königl. Kommiffar für die am 15. d. M. zusammentretende fünfte ordentliche General-Synode ernannt worden.
** Abänderung der Reichs-Kriegsflagge. Der Kaiser hat bestimmt, daß das schwarze Mtttelkreuz in der Reichs-Kriegsflagge andtzre Abmessungen nach einem vom Kaiser festgesetzten Muster erhält.
* Auf den deutschen Eisenbahnen — mit Ausschluß der bayerischen — sind im Monate August d. Js. im Ganzen 8 Entgleisungen auf freier Bahn (davon 5 bei Perfonenzügen), 14 Ensgleisungen in Stationen (davon 8 bei Personenzügen), 1 Zusammenstoß auf freier Bahn (bei Personenzügen), 14 Zusammenstöße in Stationen (davon 1 bei Per- ivnenzügen) vorgekommen. Dabei wurden 1 Reisender und 2 Bahnbedienstete getötet, 32 Reisende, 3 Bahnbedienstete und 1 Postschaffner verletzt.
* Die sozialdemokratische Freiheit wird trefflich beleuchtet durch einen Angriff, den der neugewählte sozialdemokratische Reichs.ags- abgeordnete Hue-Bochum kürzlich in der Dortmunder Arbeiterzeitung' erleidet. Er soll nämlich boykottiertes Bier getrunken haben. Auf seine Richtigstellung erklärt ein „Genosse", Hüe habe allerdings kein Kronenbier, aber in einem Lokal, das wegen Ausschanks dieses Bieres boykottiert ist, anderes Bier getrunken. Man sieht, wie aufmerksam die revisionistisch gesinnten Genossen überwacht werden. So scharf ist nicht einmal Genosse Bebel unter der Herrschaft des Sozialistengesetzes beobachtet worden. Welch' eine Freiheit wird erst da im
gingen schließlich mit blanker Waffe vor und verwundeten viele Arbeiter. Die Verletzten wurden aber von ihren Genoffen auf französisches Gebiet zurückgeschleppt. Einen Arbeiter aus Armentiers verhafteten die Gendarmen; er wird vor ein belgisches Gericht gestellt werden. Aus dem Aüsstandsgebiete meldet man weitere Ausschreitungen aus Hazebrouck und Halluin. In Hazebrouck versuchten die Feiernden das Stadthaus zu stürmen und die Türen zu erbrechen. Als die Polizei das zu verhindern wußte, überschütteten sie das Stadthaus und die Polizisten mit einem Steinhagel. Schließlich wurde Kavallerie herbeigeholt, welche die Ordnung wiederherstellte. In Halluin kam es zu Plünderungen alleinstehender Häuser und Gehöfte, doch wird behauptet, daß daran keine Ausständigen beteiligt gewesen seien, sondern nur Gesindel, das sich die günstige Gelegenheit zu nutze gemacht habe.
* Paris, 10. Okt. 1903. Die Kirchen- feinde sind in ihrem Religionshaß bereits so weit gekommen, daß ihnen jetzt schon das Gebet der Schulkinder staatsgefährlich erscheint. Der Präfekt des Departements Meurthe-et-Moselle, Herr Humbert, hat nämlich folgendes Schreiben an den Oberschulinspektor des Departements, Herrn Chaudey, gerichtet: „Es sind mir verschiedene Klagen über die in gewissen öffentlichen Schulen des Departements beibehaltene Gewohnheit zugegangen, die Kinder vor und nach den Schulstunden Gebete verrichten zu lassen und mit ihnen religiöse Gesänge einzuüben. Um derartigen Klagen vorzubeugen und die Weltlichkeit des öffentlichen Unterrichtes zu wahren, bitte ich Sie, die Herren Lehrer und die geschätzten Lehrerinnen ersuchen zu wollen, diese religiösen Hebungen in Zukunft zu unterlassen." Der Oberschulinspektor hat sich natürlich auf dieses Schreiben hin beeilt, sofort das Erforderliche zu veranlassen. — Im fRinisterium des Innern ist heute eine internationale Sanitätskonferenz zusammengetreten. Der, Minister des Aeußeren, Delcaffo, hieß die erschienenen ausländischen Delegierten willkommen, erinnerte an die Konferenz, die in Venedig im Jahre 1902 auf Italiens Veranlassung abgehalten worden fei, und an die erzielten Ergebnisse. Die Erfahrung habe seitdem die Möglichkeit einer Verbesserung der erlassenen Vorschriften erwiesen, und diese Verbesserung sei der Zweck der gegenwärtigen Konferenz.
* Clermont-Ferrand, 11. Oktober 1903. Heute vormittag ist das Vercingetorix- Denkmal in Gegenwart des Ministervräfidenten Co mb es und der Minister Andre und M o u g e o t enthüllt worden. A n d r 6 hielt eine beifällig aufgenommene Ansprache, in der er sagte, Vercingetorix habe den ersten Ruf des Patriotismus in Frankreich erschallen laffm. Frankreich habe seitdem endgültig seine weltliche Unabhängigkeit wiedererlangt. Heute habe es aber um Miedereroberung seiner geistigen Unabhängigkeit zu kämpfen. Auf die Enthüllung des Denkmals folgte ein Festmahl, an dem 4000 Personen teilnahmen.
wird kein Haar gekrümmt werden, wenn er heimkehrt. Was ich infolge meiner Erkundigungen erfahren habe, will ich Dir berichten. Dagobert soll auf Haus Eichenhorst nicht gut behandelt worden sein, Dem Schwager hatte gleich nach Deiner Ueberführung in diese Anstalt geheiratet, seine Ehe wurde mit enter Tochter und zwei Söhnen gesegnet. Für den Baron v. Darboren war dies ein Grund mehr, den rechtmäßigen Erben zu beseitigen, um den eigenen Kindern die Herrschaft zu sichern. An der starken, zähen Natur Dagoberts scheiterten die Pläne, die zur Erschütterung seiner Gesundheit geschmiedet wurden, man mußte e® nun auf anderem Wege versuchen. Ich schicke voraus» daß das, was ich Dir sage, nur Vermutung ist, aber ich glaube auch, daß jdiese Vermutung auch tn jeber Weife ben Nagel auf ben Kopf trifft.
Eduard Schreiber, der Sohn Eures Verwalters, war damals ein leichtsinniger Bursche, er schloü sich eng an Dagobert an, der als fiebzehnlahnger Jüngling nicht die moralische Kraft besaß, den Verlockungen zu widerstehen. Baron Kurt füllte dem Versucher die Taschen und schwieg zu aUen Ber- errungen seines Mündels. Dagobert wurde m. der Stadt in eine Gesellschaft eingeführt, tn der er leiblich und geistig zu Grunde gehen mußte, und niemand stand ihm warnend zur Seite. Die Nächte wurden am grünen Tisch verbracht, ber Champagner floß bo tn Strömen; war das Spiel beendet, so wurden wüste Orgien gefeiert. Der Plan war ziemlich durchsichtig; bis zu einer gewissen Grenze wollte Baron Kurt Deinem Sohne die Zügel schießen lassen, war Dagobert dann ein Sklave feiner wildtobenven Leidenschaften geworden, so konnte man ihn als Verschwender unter Kuratell stellen, ober ihn zu einem Verbrechen verleiten, ober ihn weiter toben lassen, bis unheött bares Siechtum ihn ergriffen hatte. Das war nach meiner Ueberzeugurg der Plan Deines Schwagers; der Verwalter und dessen Sohn waren die Werkzeuge, die ihn ausiühren mußten. In ein’t Nacht nun entstand am Spieltisch Streit, Dagobert beschuldigte einen
»scheint täglich, mit W Mi.
Rusnabme der Sonn= M M g IM A. Jfk MG ää v11 llllriCzT »hur Bringerlohn und || LI «F
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