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39. Jahrgang.

fulda, Samstag, den 10. Oktober 1903.

20. Jahrhundert verwirklicht, das wissen wir nicht, aber wir wiffen, daß die Sache der Zivilisation nur gewinnen kann, wenn Deutsch­land mit Frankreich, England und Rußland sich friedlich verständigt. Und ebenso würde dres dem Bestände von Oesterreich-Ungarn dienen, desgleichen auch wünschen wir die Aussöhnung Italiens mit dem hl. Stuhle. Indem ich Ihnen in Straßburg die historisch-politischen Betrach, tun gen in die Erinnerung rief, schließe ich mit dem Wort eines alten Straßburger Humoristen: Es blühe und wachse im Elsaß des deutschen Reiches Freiheit und deutsche Tüchtigkeit. (Leb­hafter Beifall.)

Prof. Wittmann sprach dann über das Pflichtproblem. Er verfolgte das Werden des Pflichtgefühls und die Entwickelung des Pflicht­problems durch die verschiedenen Perioden der Geschichte und kündigte ein Werk über dieses Thema an.

Prof. Freiherr v. Hertling knüpfte an den Vortrag die Mahnung: Was wir Großes in's Werk gesetzt haben durch Begeisterung, müsien wir vollenden durch Pflichterfüllung!" In einem kurzen Schlußwort teilt er mit, daß der Gesellschaft 200 neue aktive Mitglieder bei­getreten sind und ein Straßburger Geistlicher zur Deckung des Defizits einen namhaften Be­trag geschenkt habe. Mit Worten des Dankes schließt er dann die Tagung.

gestellt würden und sie vor deren schlechten Aus- all der Besichtigung oder der Parade eine hell­lose Angst hätten, so daß der Aerger über bte krummen" Mannschaften sie überwältige. Gewiß werden die übermäßigen Anforderungen, na­mentlich im Paradedrill, oft den Anlaß zu 3u§= chreitungen geben. Aber es kommen doch auch Fälle vor, wo man von einerscharfen Nach­hilfe" bei der Erziehung nicht mehr reden kann, wo die Leute aus purer Grausamkeit gequält werden, ohne einen anderen Zweck, als des Ver­gnügens des Peinigers halber. Man sieht, daß !s auch im bürgerlichen Leben Menschen gibt, die eine Lust darin finden, andere zu quälen. Der edle Mensch und namentlich der Christ indet die schönste Lust darin, anderen wohlzu­tun; die Freude, die er einem Mitmenschen be­reiten kann, ist auch seine Freude. Dazu bilden )ie passionierten Menschenfeinde das gerade Gegenteil: wenn fie Tränen und Blut zum Fließen bringen können, da finden fie Labsal und Hochgenuß, und wenn sie ein Ebenbild Gottes in Bezweiflung und ins Verderben »ringen können, so find fie froh und flo^ auf ihre Macht. Gerade wie der Teufel, der Vater des Verderbens, der im Unglück der Geschöpfe sein Glück finde:. Es hat zu allen Zelten olche Schwärmer für Menschenquälerei ge­geben. Die Weltgeschichte hat in der Regel nur die großen Tyrannen verzeichnet, die massen­hafte Menschenopfer vor dem Altäre ihrer eigenen Herrlichkeit bringen ließen. Aber fie hat uns doch auch z. B. berichtet, wie die heidnischen Römer und sogar feingebildete Römerinnen sich einen angenehmen Zeitvertreib mit dem Qualen ober Töten ihrer Sklaven machten und rote bas gefamte Volk im Zirkus sich amüsierte bei dem Hinschlachten von Menschen. Die Zellen Iwans des Schrecklichen von Rußland liegen noch viel näher. Die kleinen und größeren Tyrannen von Südamerika, die in den dortigen Bürgerkriegen gelegentlich und eigenhändig ihren Gegnern die Rase und die Ohren oder auch den Hals ab- schnllten, find sogar noch aus dem vorigen Jahr­hundert. Dazwischen liegt die französische Re­volution, bei der die Freude an Menschenqual und Menschenmord geradezu epidemisch war. Bei den wilden Häuptlingen in Afrika war dieses Vergnügen" noch bis in die neueste Zeit landes­üblich. Mer wenn wir das alles auch wiffen, so ist es doch eine schrecklich traurige, demütigende Tatsache, daß dieser teuflische Zug auch bei uns zu Lande noch, im zwanzigsten Jahrhundert der christlichen Zeit und in der angeblichen Blüte derKultur", bald hier, bald dort wieder durch- bricht. Auch die anarchistischen Greueltaten gehören in dieses Kapitel. Diese Zerstörungs- Helden haben sich steilich eineTheorie" zurmft gemacht, nach der sie zum Zwecke der Er­neuerung der Gesellschaft sprengen und morden. Aber diese tolle Lehre würde keine fanatischen Anhänger finden, wenn nicht in der verderbten menschlichen Natur diese schändliche Lust am Zer- stören und Vernichten, an Schrecken, Qual und Tod schlummerte.

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wochend-ilag-:Illustrierte Sonntagszeitung

General-Versammlung der SSner- Gesellschast.

cpc. Straßburg, 8. Okt. 1903.

Die Sektionen setzten am Donnerstag ihre Beratungen fort.

In der philosophischen Sektion stand das Thema:Kant und die Gottesbeweise" zur Be- iprechung.

Prof. Alb. Lang-Straßburg gab einen all gemeinen lleberblick über die theoretischen Gottes- beroeife und die Kritik, die Kant daran übt. Er kam zu dem Resultat, daß Kants Subjek­tivismus eine unhaltbare Weltanschauung fei, 1. weil die Begründung weit über das Ziel dinausschießt, welches erreicht werden solle, 2. weil die Konsequenz der Kant'fchen Lehren zum Skeptizismus und absoluten Illusionismus hinführe und 3. weil Kant selbst sehr häufig feinen Prinzipien untreu geworden sei. Nach­dem der Redner eingehend betgetan hatte, daß die Kritik Kants viel offene Stellen zeige, zog er folgenbe Schlußfolgerungen: 1) eine Kritik, bie auf so schwachem Fundament beruht, kann nicht das letzte Wort der Wiffenschaft fein. Ich kann es deshalb nicht billigen und begreifen, wenn bie neuere Philosophie bie alten Gottes­beweise deshalb für abgetan hält, weil Kant, wie man sage, ein für allemal nachgewiesen habe, daß es nichts fei mit diesen Gottes - beweisen, weil fie nicht wissenschaftlich gehalten seien 2) Eine Versöhnung zwischen Glauben und Wiffen, zwischen Religion und Wiffenschaft ist nur möglich auf dem Boden der Metaphysik. Die christliche Philosophie darf nicht in den Ruf einstimmen, der in den 50er Jahren laut wurde: Zurück zu Kant! sondern es muß heißen: Zurück über Kant hinaus! Zurück zu jenen Denkern, ohne welche auch bie Kants-Philosophie nicht möglich wäre: Plato unb Aristoteles, Augustinus unb Thomas von 3quin. Nur bann hat bie Philosophie eine Grundlage, auf der fie sich weiter entwickeln und das schöne Wort fich erfüllen könne: Ganzes Wiffen führt zu Gott, unb halbes Wiffen entfernt von Gott.

Au biefen Vortrag, ber mit großem Beifall aufgenommen würbe, knüpfte fich eine lebhafte Diskussion.

Prof, von Schanz (Tübingen) weist barauf hin, baß bie neuere französische Apologetik bie metaphysischen Gottesbeweise keineswegs in bie Rumpelkammer werfe. Man sage sich nur: Der psychologische, moralische Beweis empfehle sich bei bem heute vielfach herrschen en Geiste viel mehr dazu, bie Menschen zu Gott zurückzuführen als ber logische strenge Beweisgang, benbie Meta­physik geht. Wenn bie Apologetik auf biefent Wege soweit komme, baß man bie Leute roieber zum Glauben bringe, könne man nicht sagen:

Unpolitische Zeitkäufe.

(Nachdruck verboten.)

(C Berlin, 8. Okt. 1903.

Haarsträubenbe Dinge haben wir in ber letzten Zeit von ber Grausamkeit militärischer Erzieher zu hören bekommen. Jetzt steht in Bayreuth ein Hauslehrer vor Gericht, ber es in ber Menschenquälerei mit den schlimmsten von ben bestraften Unteroffizieren aufnehmen kann. Er hat ben ältesten von seinen zwei Zög­lingen zu Tobe geprügelt. Die Verhanb- lungen an bem Schwurgerichte sinb noch nicht zu Ende. (Inzwischen beenbigt. Vgl. Vermischtes. D. Red.) Zur Ehre der Menschheit möchte man hoffen, baß fich schließlich boch noch Verrückt­heit bei bem Angeklagten herausstellte. Aber leiber sieht es bisher so aus, als ob bet junge Mann in zurechnungsfähigem Zustanbe seine raffinierten Quälereien verübt habe. Er selbst verrät nicht die Spur von Reue; vielmehr macht er sich recht breit mit seinemErziehungssystem", ben zwölf- und vierzehnjährigen Kinbern bie Nahrung zu schmälern, die Nachtruhe zu ent­ziehen, sie mit anstrengenden Arbeiten unb Hebungen zu belasten unb babei fortgesetzt auf ihren zarten Körpern fingerbicke Stöcke zu schlagen. Dieser Hauslehrer, Dippolb, gehört an bie Seite des bekannten Unteroffiziers Breibenbach. Erschwerenb fällt ins Gewicht, baß Dippolb ein gebildeter Mann ist unb daß er nicht ausgewachsene Rekruten, fonbern schwache Kinder grauenhaft mißhandelt hat.

Man sagt oft, die Unteroffiziere würden dadurch zu rohen Mißhandlungen verleitet, daß sehr hohe Anforderungen an ihre Lehrtätigkeit

Ein Freudenruf entfuhr ihren Lippen, fie eilte an seine Brust und hielt ihn fest umschlungen.

Endlich kommst Du," fegte fie mit bebender Stimme.Wie lange hast Du mich vergeblich warten lassen, teurer Bruder! Aber nun nimmst Du mich mit, nicht wahr? Fort aus diesem Gefängnis, hinaus in die Freiheit, damit ich nach meinem Kinde forschen und seine Rechte fichern kann!"

3o, Du sollst mich begleiten, heute noch," er­widerte er, indem er fich in der Zelle «mschaute.

Er mochte fich diese Zelle wohl anders vorgestellt haben, denn Erstaunen spiegelte fich in seinen Züge», als er sah, wie freundlich und komfortabel fie auS- gestattet war.

Fragen Sie die gnädige Frau, ob fie über irgend etwas Beschwerde zu führen habe," sagte der Arzt. Sie kann fich nur darüber beklagen, daß chr die Freiheit entzogen wurde, 'das war aber nicht abzu­wenden, ihre Gemütskrankheit machte er notwendig, und ohne die Pflege in diesemGefängnis" würde fie vielleicht jetzt nicht mehr unter den Lebenden wellen."

Em zürnender Blick traf ihn aus den Augen der Baronin.

Bor einer Stunde »och haben Sie bte erbetene Entlassung mir verweigert," erwiderte fie vorwurfS-

Weil Gott nicht vollständig nach ben richtigen meta, hyfischen Beweisen erkannt wirb, ist es auch mit bem Glauben nichts. Warum wolle man ben Glauben notroenbig auf bie Konstruktion ber Metaphysik bannen?

Prof. Säum ter schloß bte Diskussion mit ber Feststellung, baß bie heutige Beratung bar- tue wie bie katholische Wissenschaft bte großen Probleme scharf unb tief stilisiere. Die Görres- gefellschaft werbe weiter bahin roiiter, baß das ernste Studium einen breiteren Boden gewinne. Sie wünsche nichts sehnlicher als Anregungen hierzu auszustreuen. (Leb. Beifall.)

In ber historischen Sektion berichtete Professor Grauert (München) über bas histo­rische Jahrbuch. Aus ber Rebaktion ist Pros. Kämpers wegen seiner Versetzung nach Bres­lau ausgeschieben. Die Novitätenschau hat jetzt Dr. Freiß unb die Zeitschriftenschau Pnv. Dr. Jansen (München) übernommen. In ber Diskussion wurde ein regelmäßiges Erscheinen unb eine beschleunigtere Besprechung ber Novitäten ge­wünscht. Prälat Dr. Ehses (Rom) berichtete hierauf von neueren Forschungen über ben In­quisitions-Prozeß gegen ben Nuntius Maroni (im 16. Jahrhundert). Schließlich hielt Prof. Dr. Spahn (Straßburg) einen interessanten und sachlich reichen Vortrag über die Schicksale der Sttaßburger Karthause.

Auch die juristische Sektion hielt heute eine Sitzung. Der Vorsitzende Professor Beyl (Breslau) gab einen Heberblick über bie Arbeit am Staatslexikon. Weiler gelangten eine Reihe aktueller juristischer Fragen zur Besprechung. Hm- sichtlich des Rechtes am eigenen Bilde neigte bie Meinung ber Redner dahin, daß ein event. Gesetz sich barfteHen müsse als bie Weiter­entwickelung des Rechtes ber Person im Sinne der Vorschläge von Prof. Kohl. Weiter sprach man übet bas Erbbaurecht. Die Redner stell­ten sich auf ben Stanbpunkt, daß das Erbbau­recht nicht passe zu ber heutigen Tendenz, bie persönliche Freiheit zu schützen. Schließlich trat man ber Frage näher, wie ber Häuserspekulation zu begegnen sei. Unter bem Beifall bet Versamm­lung vertrat Reichstags-Abg. Marbe ben Stanb­punkt, baß burch Reichsgesetz bet Ausbeutung bes Baugewerbes durch die Spekulation Einhalt ge­tan werden müsse.

Die 2. allgemeine und letzte Sitzung wurde dann um 11 Uhr durch Fthtn. v. Hert- ling eröffnet. Superior Prälat Mayer von Freiburg i. B. überbrachte Grüße vom Weih- bifchof Knecht von Freiburg.

Profeffor Dr. Grauert - München hielt einen langen Vortrag voll spannender Momente über Dantes Stellungnahme gegen die Be ftrebungen des stanzöfische» Königshauses, die Vorherrschaft übet die christliche Welt zu er­halten und zu gunsten des Hauses Habsburg. In unfern Tagen find die Ansprüche auf das alte universelle Kaisertum längst erloschen; in die Erbschaft haben fich große, koordinierte, gleich mächtige Staaten geteilt. Ob sich die Vereinigung dieser Staaten zu einem mittel­europäischen oder gar europäischen Bunde im Ich kann mit denken, wie sehr fie fich nach Freihell sehnt, ich werde nicht ruhen"

Nun, wie Sie wollen," unterbrach iHv der Arzt abermals. Als Bruder find Sie der naMliche Bor- mnnd Ihrer Schwester und ich für meine Person habe keine Lust, mich in Prozesse einznlaffen «nd mir ohne Rot Berget zn schaffen. Andererseits aber warne ich Sie ernstlich vor öffentlichen Aeußernngm und Be­hauptungen, die meine Anstalt in Mißkredet bringen können, ich bin mir bewußt, daß ich nur meine Pflicht getan habe und daß meine Patienten mir Dank schul­den für die aufopfernde Liebe, mit ber ich mich ihrer aanehme. Wie gesagt, ich kann die Frau Baronin enllaflen, weil ich weiß, daß fie unter hrem Schutze stehen wird, aber ich fühle mich auch verpflichtet, Sie auf die schwere Berantwortung aufmerffam zu mache», die Sie damit übernehmen."

Diese Berantwortung macht wir keine Sorge," sagte der Advokat, den kühlen entschlossenen Ton noch immer beibeyaltend.Ich wünsche, daß die Ent­lassung heute noch erfolgt."

Weshalb so eilig?"

Weil ich heute noch meine Rückreise antreten muß, auf der meine Schwester mich begleiten soll."

Der Arzt stand eine Weile in Nachdeicken ver­sunken, der Ausdruck seines Gesichtes ließ nur zu deut­lich erkennen, daß die Ruhe, die er zeigte, erzwungen war.

Kommen Sie mll," sagte er endlich und Stein­felder folgte ihm ohne Zögern.

Sie durchschritten einige Korridore, dann Web der Arzt vor euer Türe stehen.

Sie werden fich überzeugen, daß dieses Haus kein Gefängnis ist," sagte er spöttffch, indem er avklopste, die Tür ist unverschlossen."

Im nächsten Augenblick stand der Rechtsanwalt seiner Schwester gegenüber; fie hatte sich von ihrem Sitz erhoben; Mißtrauen spiegelte fich i» dem Blick, mit dem fie ibn betrachtete.

Kennst Du mich nicht mehr, Gundel?" fragte er, die Arme anSbrellend.

aufgeboten hat, mir den Aufenthalt in seinem Hause angenehm zu machen." ......

Sie hören eS!" sagte der Arzt, der bedächtig eine Prise genommen hatte,ich hoffe, daß Sie es nicht vergessen und fortan besser über mich urteilen werden. Sie aber, gnädige Frau, warne ich vor großen Auf­regungen, Ihre Nerven find sehr empfindsam, ein Rück­fall in das alte Leiden liegt auch heute noch m der Möglichkeit. Sie können gehen, wenn eS Ihnen beliebt.

Er hatte die Zelle kaum verlassen, aläbte ttaromn fich abermals in die Arme ihres BruderS warf,.

Dem Leben, der Freiheit wiedergegebe»! lubtite fie, indes ihre Auge» mll Tränen sich füllten.Me hast Du das fertig gebracht? Lebt mein Schwag« nicht wehr? Kann ich »ach Eichenhorst zuruckkehren

Einstweilen noch nicht," erwiderte er, »ich bringe Dich in meine Wohnung, und ich verhehle ^r nicht, daß wir uns auf schwere Kämpfe mll ^mem Schwager gefaßt machen müssen. We ich eS fertig gebracht Habs, Dich zu befteien? Es war die Aufgabe meines Leb«nS seit dem läge, an dem Du mir so plöfelub entrtffeit wurdest. Du weißt, ich zählte damals »Wölf Jahre, ich wohnte bei Dir in Eichenhorst. Du fuhrst emes TageS zur Stadt und kehrtest nicht zurück."

Ja, ja," nickte die Baronin, mein S4 toager batte mir gesagt, unser Justitiarius wünsche meinen Besuch, da ich im Interesse meines Kindes einen notariellen Skt unterschreibe» müsse. Die Ausfertigung dieses AtteS währte lange, ich tränt ein Glas Wein, daS mir vorgesetzt wurde und füllte mich bald darauf so müde und schlaftrunken, daß ich kaum noch die F»« führen tonnte, um jenen Akt zu unterf(treiben. Was ich unte! zeichnet habe, weiß ich heute nicht mehr, ich glaube, ich habe ti auch damals nicht gewußt. Der Baron brachte mich in den Wagen zurück, ich oerfaui in Schlaf; als ich erwachte, entdeckte ich, daß ich mich nicht in meinem .eigenen, sondern in einem fremden Wagen befand *

^onietzimg folgt )

Das Majorat.

Roman von Ewald August König.

2 ------- (Nachdruck »ertöten.)

Der Doktor Hütte fich von seinem Sitz erhoben, seine Brauen zogen sich drohend zusammen, mit großen Schritte» durchmaß er einigemal das Zimmer, um feiner Etregung Herr zu werden.

Der Untersuchung, mit der Sie mll drohen, kann ich mll aller Ruhe entgegensehen," sagte er nach einer Panse,es wäre besser gewesen, Sie hätten diese Drohung unb auch diese beleidigenden Zweifel nicht ausgesprochen. Solche Beleidigungen erbittern nur, und wollte ich nun mit derselben Gehässigkeit Ihnen entgegentreten unb Ihnen viel Aerger unb Arbeit be­reiten, ohne baß fie ihren Zweck erreichte». Die Frau Baronin ist noch nicht völlig geljdlt, sie ist allerdings ruhiger geworden, aber große Anregungen können einen Rückfall herbeiführen, und diese Aufregungen find anvermeidlich, sobald fie fich wieder draußen be­findet. Als Arzt muß ich mich dieser Entlassung wwersetzen, als Mensch kann ich fie zugeben, wenn ich die Gewißheit habe, baß meine Pat-entin draußen Schutz unb Hilfe finbet"

Diese Gewißheit gebe ich Ihnen."

Ich weiß bas," fuhr der Doktor, ihn unterbrechenb, fort,ich komme Ihnen mit Bei kauen entgegen, trotz­dem Sie mich ohne Grund in beleidigender Weise au­greifen. Wmn die Familienverhältniffe so liegen, wie Sie dieselben geschildert haben, dann täten Sie besser, Ihre Schwester hier zu lassen, fie ist hier keinen Ber- folgungen ausgesetzt und in jeder Weise gut aufgehoben. Sie könnten unterdessen in ihrem Namen den Kampf all in ausfechten, chr blieben dadurch Aufregungen er­spart."

Unb meine unglückliche Schwester bliebe eine Ge fangene ?' erwiderte ber Rechtsanwalt kopfschüttelnd.

voll.

Well Sie niemand hatten, dessen Schutze ich Sie übergeben konnte! Nun, da Ihr Herr Bruder diesen Schutz unb zugleich auch bie Verantwortung über, nehmen will, bin ich, wenn auch unter schweren Be- benfen, bereit, Ihren Wunsch zu erfüllen "

So kann meine Schwester augenblicklich dieses Haus verlassen?" fragte ber Rechtsanwalt. Mein Wagen wartet vor ber .Tür unb viel Gepäck wirb bie Frau Baronin nicht haben*

Nein," unterbrach fie ihn freubig erregt,in einer Viertelstunde kann ich fertig fein. Ich beschwere mich nur über bie Enizllhung meiner Freihell, zu einer enberen Beschwerde habe ich keine Ursache, im Gegen­teil, ich -rke-we rr^rr :r, d^ d-r Herr Tok:or a^rs j