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j Ki‘<?'«T«'w. wochmb-ll-ge: „Illustrierte Sonntagszeitung"
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Druck und Verlag tat Zuldaer Aetiendruckerei in Zulda t Harmonie) Fernsprecher Nr. 9.
JV3 232.
Drittes Blatt
Wachen-Rundschau.
□ Fulda, 10. Oft. 1903.
Papst Pius X. hat seine erste Enzyllika veröffentlicht. Als Programm seines Pontifikates be< zeichnete er darin: alles auf Christus zurückzuleiten, sodaß Christus alles und in allem sei. Wenn man etwa in seiner Seele geheime Bestrebungen suche, um fie auf weltliche Ziele und Parteiwünsche zurückzuführen, so erkläre er, um jeder nichtigen Erwartung vorzubeugen, daß er vor der menschlichen Gesellschaft imr Diener Gottes sein wolle und sein werde. Der Papst appelliert an die Mitarbeit der Bischöfe und beklagt, daß gegenwärti g überall gegen Sott angekämpft werde. Der Erziehung der Jugend, befonders der sich dem geistlichen Stande widmenden, müsse besondere Sorgfalt zugewendet w.-rden. In Städten und auf dem Lande müßten noch mebr katholische Vereine entstehen. Werke der Nächstenliebe müßten um ihrer selbst totHen geübt werden. Wenn alles auf Christus zurückgeleftet sei, dann würden die Reichen gerecht und liebreich gegen die Armen sein und diese in Geduld ihr schweres Los ertragen, die Bürger würden mit Achtung und Liebe den Gesetzen und Obrigkeiten gehorchen. Dann werde offenkundig werden, daß die von Christus eingesetzte Kirche völlig unabhängig von jeder fremden äußeren Herrschaft sein müffe, und dadurch würden die heiligen Rechte der Religion gewahrt, sowie für das. allgemeine Wohl und die Sicherheit der Völker gesorgt. — Politische Andeutungen enthält die Enzyklika nicht, soweit man solche nicht etwa in dem letzten Satze erblicken will.
Mit der Bekanntmachung des Termins für die preußischen Landtagswahlen ist auch die Wahlbewegung etwas reger geworden. Der Wahlaufruf des Zentrum,, ist von der leitenden konservativen Presse recht freundlich ausgenommen, während die liberale weniger damit zufrieden ist. Bei den Wahlen werden wohl die Konservativen und die Freikonservativen in einer Reche von Wahlkreisen mit den Nationalliberalen zusammengehen, trotzdem fie sich jetzt noch arg befehden. Das Bündnis der Liberalen wird wohl kaum zu stände kommen, aber selbst wenn es geschähe, würden die „Reaktionäre" wohl kaum zu zittern brauchen. Weit mehr hängt davon ab, ob die Sozialdemokratie sich bei den Wahlen, wie fie es angekündigt haben, energisch beteiligen und welche Stellung fie dabei einnehmen werden.
In Oberschlesien hat die polnische Katolik- Partei unter ihrem Führer, Redatteur Napieralski, fich vom Centrum losgesagt und dem Polnischen Bolks- verein angeschloflen. Ihr Ziel war schon seit langem oasselbe wie das der Radikalpolen: Verdrängung des Zentrums aus Oberschlefien und seine Ersetzung durch Polen. Wenn Herr Napieralski sich auch noch nicht offenkundig der radikalpolnischen Partei angeschlosien hat, so wird es gar nicht lange währen. Daß er und sein Anhang im radikalen Fahrwasser schwimmt und die optimistische Auffassung, daß der gemeinsame Glaube noch ein einigendes Band zwischen der Politik der Polen und des Zentrums bilden könne, wird man wohl bald als eine Illusion fahren lasten müssen.
Im sozialdemokratischen Lager wird der Kampf zwischen „Revolutionären" und „Revisionisten" munter weiter geführt. Harden hat diejenigen Mitarbeiter an der „Zukunft," die in Dresden sich von ihm losgesagt harten, durch Veröffentlichung von Briefen und privaten Aeußeruvgen arg bloßgestellt. Genosse Göhre hat wegen Mißtrauens, das in letzter Zeit in geradezu ehrverletzender Weise gegen ihn hervortrat, sein Mandat niedergelegt. Die „Revolutionären" möchten nun auch Heine und Braun gern zur Niederlegung ihrer Mandate bewegen; Heine hat jedoch zum größten Aerger des herrschsüchttgen Bebel von seinen Wählern ein Vertrauensvotum erh fiten. Die „Revisionisten" wird der Diftator Bebel nicht mehr ausrotten können. Der Parteivorstand nimmt deshalb wieder seine Zuflucht zu dem bewährten Mittel: vertuschen und den Riß verkleistern. Deshalb will er die Angelegenheft der Mitarbeit der bürgerlichen Blättern von Parteiwegen zur Beratung und Entscheidung bringen, augenscheinlich um zu beschwichtigen, damit der Riß nicht unheilbar werde.
In Bayern ist der Abgeordnetenkammer der Wahlgesetzentwurf vorgelegt worden. Er entspricht in der Hauptsache der Resolution, die im vorigen Jahr von sämtlichen Parteien angenommen war, nur daß zur Wählbarkeit das 30. Lebensjahr, statt das 25., erforderlich sein soll. Die Wahl soll direkt und geheim sein; die relattve Mehrheit der abgegebenen Stimmen genügt, vorausgesetzt, daß der Gewählte mindestens ein Drittel der Stimmen hat. Wahlberechtigt ist jeder, der das 25. Lebensjahr zurückgelegt hat, seit mindestens einem Jahr bayerischer Staatsangehöriger ist und direkte Steuern zahlt. Die Wahlkreise werden neir eingeteilt. Für 30 Wahlkreise find je 2, für 103 Wahlkreise ist je 1 Abgeordneter vorgesehen. In ve- «utwortang einer Interpellation erklärte Minister- präfideut von PodewfiS, der Ankauf der pfälzischen Bahnen für den Staat sei au« finanziellen Gründen vorläufig nicht beabsichtigt. Wetter bemerfte er, daß von eine« Anschluß an die preußisch-hessische Eisen- bahngemeinschast oder an die Reichreisenbahnen natür- Ach keine Rede sein könne. Im Laufe der Debatte »tonte k noch, daß Bayern bei der preußische» Re- Bern», in Eisenbahnangelegenheiteu stets ein bnndeS- tzenndttche» Gutaegentommen gefunden habe, es aber . — it « . JMn -1 Ä C
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fUlda, Samstag,
an der erforderlichen Schneidigkeit nicht fehl-n lassen würde.
In Oesterreich ist der Zar, der mit dem Leiter der auswärttgen Politik Grafen Lamsdorff zum Besuche des Kaiser- Franz Joseph nach Wien gekommen war, sehr fteundlich ausgenommen worden. Beide Kaiser jagten mehrere Tage zusammen in Steiermark. Den Zweck des Besuche-bildete die Herstellung eines Einvernehmens bezüglich der mazedonischen Wirren. Hierüber wurde in Mürzsteg eingehend verhandelt. Wie die Trinksprüche, die Bei einem Festmahle in Schönbrunn zwischen den beide» Kaisern gewechselt wurden, bezeugen, und die weiteren Nachrichten bestätiaen, herrscht vollkommenes Einverständnis zwischen Oesterreich und Rußland darüber, daß fie für den Frieden wirken wollen. An die Pforte haben fie gleichlautende Noten gerichtet, worin fie abermals energisch die Durchführung des Reformprogramms verlangen, die Ausschreitungen und Grausamkeiten, die fich die türkischen Truppen bei der Unterdrückung des Aufstandes haben zu schulden kommen laffen, ernstlich rügen und Hilfe für die Opfer fordern. Zugleich teilen fie mit, daß sie fich über eine wirksame Kontrolle und Ueberwachung der Reformarbeit geeinigt haben. Die Pforte hat darauf wieder die schönsten Worte und Versprechungen gegeben, den bulgarischen Agitatoren aber die Schuld z"geschoben, daß die Reformen noch nicht ausgeführt seien, und fich wieder über Bulgarien beschwert, das die Bildung von Banden und deren Uebertritt über die Grenze dulde und zum Kriege rüste. Die Mächte müßten deshalb darauf drängen, daß Bulgarien seinen Pflichten nachkomme. Da- haben die Mächte ja auch wiederholt getan und augenblicklich fieht es aus, als ob Bulgarien Vernunft annehmen wolle. Die geplante dirette Verständigung zwischen Bulgarien und der Pforte über die Beruhigung Mazedoniens scheint sich freilich allmählich in nichts aufzulösen, nachdem Rußland und Oesterreich wieder eingegriffen haben. wäre auch wohl nicht viel daraus geworden, da bei Bulgarien der gute Wille bezweifelt werden muß, io lange es nicht von den Mächten gezwungen wird, Ruhe zu halten und von der Unterstützung rer Aufständischen zu laffen. Einstweilen wird übrigens noch von dem Uebertritt zahlreicher bulgarischer Banden unter dem Befehl bulgarischer Offiziere über die Grenze bericktet. Ob die Angaben richtig find, steht freilich dahin. Angeblich hat fich die Lage in Maze- dvnien etwas gebessert. Es ist nur nicht so recht zu erkennen, wie. Kämpfe zwischen den Aufftändischen und den türkischen Truppen, Mordbrennerei usw. kommen noch immer vor. Die Türken behaupten, die Banden würden immer mehr zurückgedrängt. Ob es wahr ist, steht dahin.
Nachdem in Ungarn die Liberalen unter Führung des Abgeordnetenhauspräfidenten Grafen Apponyi den Grafen Khuen-Hedervary zum zweiten Male zur Einreichung seines Entlaffungsgesuches genötigt und vor aller Welt bekundet haben, daß sie im gründe mit der Unabhängigkeit-Partei in bezug auf die „nationalen Forderungen" ein Herz und eine Seele sind, stehen die Dinge dort wieder einmal still. Was werden wird, weiß kein Mensch zu sagen. Mit diesen anmaßenden Magyaren ist überhaupt nicht zu regieren, wenn der Kaiser fich ihnen nicht völlig unterwerfen und ihnen das Wohl Oesterreichs und der Gesamtmonarchie preisgeben will. Wie lange noch wird man in Wien Geduld haben mit diesen Landverderbern? Wie weit die Verhetzung der Bevölkerung durch die magyarischen Heißsporne bereits geht, beweist ein blutiger Tumult, der am Dienstag in Szegadin stattfand. Er wurde dadurch hervorgerufen, daß die Militärbehörde einen am Kossuth-Denkmal niedergelegten Kranz mit der Aufschrist: „Zurückbehaltene Soldaten Deinem heiligen Andenken" hatte wegnehmen lassen. Durch eine Salve des Militärs wurde eine Anzahl Personen verwundet.
In der Schweiz hat in der vorigem Woche zum ersten Male in Luzern ein allgemeiner Katholikentag stattgefunden. Für einen ersten Versuch verlief er überaus glänzend. Daß die Versammlung vorwiegend von Katholften deutscher Nationalität besucht war, verstand fich unter den gegebenen Verhältnissen von selbst. Auch reichsdeutsche Parlamentarier, u. a. der Abg. Gröber, waren erschienen.
In Frankreich ist ein Ausstand der Textil- arbeiter von Lille und zahlreichen anderen Orten des Nordens ausgebrochen, der eine immer bedrohlichere Gestalt annimmt. Die Ausständischen haben fich verschiedentlich der gröbsten Ausschreitungen schuldig gemacht. Eine Kapelle wurde geplündert, Telegrapben- linien zerstört, Läden ausgeraubt, Häuser verwüstet, Barrikaden errichtet usw. An mehreren Orten mußten Dragoner und Gendarmengegen die Mengevorgeven. Die Regierung hält zur Unterdrückung größerer Unruhen das ganze 1. Armeekorps in Bereitschaft.
General-Versammlung der Görres- Gesellschast.
cpc. Straßburg, 7. Oktober 1903.
Die historische Sektton tagte unter dem Vorfitze des Prälaten H ü l s k a m p - Münster. Prälat Dr. Ehses-Rom gab einen umfassenden Bericht über die Arbeiten des seiner Leitung unterstehende» römischen Instituts sowie über den Stand des Werkes über das Konzilium Tridentt- »um. Der ebe» fertiggestellte 2. Band ist vom Prälaten EhseS dem Frhrn. v. H erkling zu seinem 60. Sümrtstage gewidmet worden. Prälat Kranz-GnMmdM sprnch Herrn Dr. GhfeS Dank
den 10. Oktober 1903.
und Anerkennung aus für die von ihm mit ge- ringen Mitteln geleistete Arbeit. Weiter sprachen Prof. Dr. Wagner-Freiburg (Schweiz) über die Geschichte der Choralmustk und Stadtpfarrer Giny-Schlettstatt über elsäffische Geschichtsforschung im vorigen Jahrhundert.
Am Nachmittag sand eine allgemeine Sitzung statt. Präsident Frhr. v. Hertling nahm hier Anlaß, die katholische Wissenschaft gegen die jüngsten Angriffe zu verteidigen. Einleitend stellte er fest, daß die Görres-Gesellschaft keine Polittk treibe und daß fie auch keine Kampfes-Organisation sei. Ihr Zweck sei, in katholischen Kreisen das Jnte- reffe für wissenschaftliche Betätigung zu wecken und den katholischen Gelehrten die unentbehrliche materielle Förderung zu teil werden zu laffen. Dankbar erkenne man es an, daß jetzt hinsichtlich der Besetzung der Lehrstühle durch Katholiken vieles besser geworden sei. Fast überall in Deutschland hätten sich die Regierungen von dem Geiste der 70er Jahre losgemacht und seien bestrebt, den berechtigten Ansprüchen der katholischen Staatsbürger gerecht zu werden. Es gibt wieder katholische Philosophen und katholische Historiker an den deutschen Universitäten und auch in anderen Fächern bietet dem katholischen Gelehrten sein Glaubensbekenntnis — wenigstens in den Ministerien — keine Erschwerung der akademischen Karrieren. Worauf es ankomme, sei, daß das Angebot gesteigert und die wissenschaftliche Arbeit der Katholiken verstärkt werde. Noch immer bestehe ein peinliches Mißverhältnis zwischen den katholischen und nichtkatholischen Professoren und man müsse weiter danach trachten, auf allen Gebieten der Wissenschaft an Zahl wie an Leistungen den Andersgläubigen ebenbürtig zu sein. In interessanten Darlegungen wendet sich der Redner dann gegen die Polemik, die seinen Ausführungen über katholische Wissenschaft auf dem Kölner Katholikentag zu teil geworden ist. Sodann führt Redner aus:
Die Kirche als Heilsanstalt und das Papsttum haben alle politischen Umwälzungen überstanden; sie leben und betätigen sich, und ein vorurteilsfreier Forscher mußte sich angesichts der Lehren der Jahrhunderte sagen, daß diese Institutionen doch nicht ganz im Unrecht sein können. Statt dessen mußten wir es jüngst erleben, daß ein Chemiker, völlig unberührt von philosophischen Gedanken und vom Geiste der Arbeit der Jahrtausende, sich über die höchsten Probleme der Menschheit mit einer Zuversicht aussprach, die uns alle geradezu erschüttern mußte. Es ist unglaublich, daß Männer der Wissenschaft ein so oberflächliches, jeder tieferen Sachkenntnis entbehrendes Pronun'ciamento mit ihrem Beifall begleitet haben sollen. (Zustimmung.) In längeren Ausführungen wendet sich der Redner dann gegen das Schlagwort von der voraussetzungslosen Wissenschaft. Wir halten vieles für wahr, wofür die Weltwirklichkeit keinen Anhaltspunkt gibt, weil wir es auf göttliche Offenbarung zurückführen, und wir wiffen, daß wir uns unseres Glaubens nicht zu schämen haben und daß im Lichte des Glaubens Probleme eine befriedigende Lösung finden, für welche die Wissenschaft keine Lösung weiß. Wenn es ein Recht der Nationalität gibt, so gibt es noch viel mehr ein Recht des religiösen Bewußtseins. Wir protestieren gegen die Anmaßung, als ob nur der Ungläubige in wissen- schastlichen Versammlungen das Wort führen darf, und treten ein für das Recht des katholischen Gelehrten. An dem Tage, wo dies Recht überall und allgemein anerkannt sein wird, hat die Görres - Gesellschaft ihre Aufgabe erfüllt. Dann mag sie sich auflösen! Dann mögen die einzelnen Männer nur noch mit ihren Fachgenossen an der großen Sache der Wisfenschaft arbeiten. (Beifall). Und nun noch ein Wort über Theologie und theologische Fakultät. Für die Theologie im engeren Sinne gibt es Voraussetzungen, die nicht in der allgemeinmenschlichen Natur und durch die natürliche Wissenschaft begründet sind. Es handelt sich um eine anders geartete Wissenschaft. Das ist keine Minderung ihres Wertes. Sie hat den Vorzug einer göttlichen Abkunft. Wir müssen hier dagegen protestieren, daß.für die theologische Wissenschaft kein Platz sei an unseren Universitäten. Solange es in Deutschland Millionen von katho- lischen Staatsbürgern gibt, für die der Glaube der höchste Besitz ist, haben wir ein Recht zu verlangen, daß den berufenen Verkündern des Gotteswortes alle diejenigen Bildungsmütel gewährt werden, welche der Staat anderen Berufsklaffen gewährt. (Bestall). Und so glaube ich niemanden zu verletzen und keinerlei Empfindlichkeit wachzurufen, wenn ich meine grundsätzlichen Erörterungen damit schließe. d«H ich der neuen kathol.-cheologischen Fakultät a» der Kaiser- Wllhelm-Univerfität in Straßburg den herzlichen Willkommensaruß der GHrreSg«feLsch«st biete. iLebh. «Mach.
30. Jahrgang.
Es sprach hierauf noch Prof. Beyerl* (Breslau) über ein von ihm neu entdecktes oberrheinisches Stadtrecht „Stadtrechtsweistum der Bürger von Arbon am Bodensee vom 29. Januar 1255“. Der Vortrag fand vielen Beifall.
* Bayreuth, 9. Okt. 1903. Das hiesige Schwur - g e r i ch t verhandelte seit vorgestern gegen den Studenten der Rechte Andreas D i p p o l d, der, wie wir s. Z. mitteilten, durch Mißhandlungen den Tod des Schülers Heinz Koch, des Sohnes des Direttors der deutschen Bank in Berlin, veranlaßt haben soll.
* Breslau, 9. Ott. 1903. Die Stadtverordneten beschlossen, dem Bolksheftstättenverein zur Errichtung einer B olksheilstätte für weibliche Lungenkranke in Niederzieder bei Landeshut fünfzigtausend Mark und einmalig fünftausend Mark laufenden Jahresbeitrag zu bewilligen.
* DeutscheHeriugsfischerei. Die deutsche Heringsfischerei hat leider noch immer nicht den Umfang erreicht, den sie erhalten müßte, um allein den deutschen Heringskonfum decken zu können. Die in Deutschland an der Ems, Weser und Elbe vorhandenen sieben Herings- fischereigesellschasten betreiben in diesem Jahre den Heringsfang mit etwa 149 Loggern und Dampfern mit zusammen etwa 2100 Mann Besatzung. Bei durchschnittlichen Fängen kann die jetzige Flotte etwa */• des Bedarfes Deutschlands an Heringen decken. Etwa 6/s müssen also vom Auslande eingeführt werden, wodurch alljährlich etwa 30 Mill. Mk. ins Ausland wandern. Um diese Summe nach Möglichkeit dem deutschen Nationalvermögen zu erhalten, kann es nur erwünscht sein, wenn die deutsche Heringsflotte mehr und mehr verstärkt wird. In Brake an der Weser ist man zur Zeit am Werke, ein neues Heringsfischerei- unternehmeN ins Leben zu rufen. Das Aktienkapitalreicht zur Beschaffung und Ausrüstung von zwölf Loggern aus, doch wird beabsichtigt, zur rationellen Ausnutzung darauf hi^uarbeiten, daß der Bestand der Logger mit der Zeit auf30 gebracht wird. Bei dem großen Jntereffe, welches die Reichsregierung der Neugründung von Heringsfischereigesellschaften entgegenbringt, ist nicht daran zu zweifeln, daß auch die Broker Gesellschaft mit Hülfe des deutschen Seefischereivereins angemessene Unterstützung vom Reiche erhält. Der deutsche See- stschereiverein tritt, wo die Gewährung von Unterstützungen erwünscht und angebracht erscheint, meistens als Vermittler auf. Die deutsche Heringssischerei, wie die gesamte Seefischerei besitzt in ihm einen ganz hervorragenden Förderer, dessen vielseitigen Bemühungen um die Hebung der Seefischerei nicht genug anerkannt werden können. Auf wie weite und wie verschiedenartige Gebiete sich seine Fähigkeit erstreckt, zeigt in besonderem Maße auch ein Blick in seinen letzten Jahresbericht. Darin gibt uns der Vorstand u. a. auch Kenntnis von den Ergebnissen einer Bersuchsfischerei auf den großen Winterhering an der schwedisch-norwegischen Seite der Nordsee, die im letzten Winter unternommen wurde, aber trotz der nach allen Anzeichen des Herbstes günstigen Bedingungen resultatlos verlief. Bei diesen interessanten Fischereiversuchen nahm der deutsche Seesischereiverein auch die Gelegenheit wahr, in jenen im Winter wenig besuchten Gegenden auch Kenntnis von der Wasserbeschaffenheit der den Heringszügen zu erhalten. Zu diesem Zwecke schiffte sich der Hydrograph Dr. Peulewitz aus Berlin auf dem Poseidon ein. Seine Stationsbeobachtungen, namentlich der Strecke zwischen Norwegen und den Shetlands, ergaben das Vorhandensein einer mächtigen warmen Golfstromschicht gleichmäßig von der Oberfläche bis zum Grunde. Sie mag wohl an den Witterungsverhältniffen des letzten Winters schuld sein.
Sottesdienstor-nung in Zulda.
Sonntag, 11. Oktober. Dom. ’/»6, 6 und 7 Uhr hl. Messen ‘/»7 Uhr hl. Messe und Kommunion der christeruehrpfl. Jungfrauen in der Marienkapelle, 8 Uhr Pfarramt und Predigt, '/,1V Uhr Kathedral- amt, 11 Uhr Christenlehre, 12 Uhr heil. Messe, l‘/i Uhr Andacht und Christenlehre, 4 Uhr Predigt und Andacht, 7 Uhr, Predigt und Herz - Maria - Bruderschaft in der Marienkapelle. — Stadtpfarrkirche. 51/« Uhr heil. Messe und Predigt, 6 Uhr hl. Meffe und Kommunion des Müttervereins, 7 Uhr hl. Meffe, 8 Uhr hl. Messe und Predigt, 9l/> Uhr Amt und Predigt, 11 und 1 Uhr Christenlehre, 2 Uhr Predigt und Andacht für den Mütterverein, 3 Uhr Bruderschaft von der Todesangst des Herrn, 71/, Uhr Rosenkranz. — Pfarrkirche zum heil. Geiste. 8 Uhr Hochamt mit Predigt, 5 Uhr Andacht mit Segen. — Sodalität. ‘/alO Uhr. — Frauenberg. Heil. Meffe um 5 Uhr; ’/i7 Uhr Hochamt; 8 Uhr Rosenkranzmeffe, 9 Uhr Militärgottesdienst, 2 Uhr feierl. Kreuzwegandacht mit Predigt.
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