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Druck und Verlag der Zuldaer Actiendruckerei in Zulda (Harmonie) Fernsprecher Rr. 9.
flllda, Freitag, den 9. Oktober 1903.
J\Ts 231.
30. Jahrgang.
General-Versammlung derGörrer- Gesellschast.
cpc. Straßburg, 7. Oktober 1903.
Die heutige Eröffnungs-Sitzung fand im katholischen Vereinshause statt. Bischof Dr. Fritzen von Straßburg, Weihbischof Freiherr Franz v. Bulach, sowie Abt Franz von Ortenberg ehrten die Versammlung durch ihr Erscheinen. Als Vertreter der Stadt war anwesend Beigeordneter Jehl. Zu den gestern als Teilnehmer genannten Herren seien heute noch hinzugefügt: Prof. Krieg aus Freiburg und die Professoren Pohl undBayence aus Breslau. Von Politikern sind anwesend Abg. Pfarrer Delsor, Abg. Marbe, Abg. von der Scheer und der frühere langjährige Abg. Superior Guerber.
Präsident Frhr. v. Hertling eröffnete die General-Versammlung, indem er die Hochw. Herren Bischöfe herzlichst begrüßte und dann der verstorbenen Vorstands-MitgliederFrhr. v.Heereman und Pfarrer Brugier von Konstanz gedachte.
Hierauf nahm der Hochw. Herr Bischof D r. Fritzen das Wort: Die Gründung der Görres- Gesellschaft habe ich gleich bei ihrem-Anfänge um ihres edlen und erhabenen Zweckes willen mit hoher Freude begrüßt und mich beeilt, mich als Mitglied der Görres-Gesellschaft einschreiben zu laffen. Zweck der Gesellschaft ist die Förderung der katholischen Wissenschaft im weitesten Sinne des Wortes. Ich meine: Jeder Katholik, der ein lebendiges Bewußtsein von dem Nutzen und der Macht der Wissenschaft hal und von Liebe zu seiner Kirche erfüllt ist, muß einen fo edlen und einen für die hl. Kirche und das ganze katholische Geistesleben so wichtigen Zweck mit wahrer Begeisterung erfassen und es sich zur Ehre rechnen, eine Gesellschaft, die sich einen so edlen und wichtigen Zweck gesetzt hat, zu kräftigen und zu unterstützen. Großes und Schönes hat die Görres- Gesellschast schon geleistet. Die Schwächen der kathol. Wissenschaft, auf die unser hochverehrter Herr Präsident in seiner herrlichen Kölner Rede hingewiesen hat, wären gewiß noch viel größer, wenn die Görres-Gesellschaft nicht existiert hätte. Die Görres-Gesellschaft hat Gott sei Dank einen großen Teil der katholischen Gelehrten aus seiner Isoliertheit herausgerissen und mit einem einigenden Bande umschlungen. Die Görres-Gesellschaft hat mancye talentvolle, strebsame junge Männer unterstützt, ermutigt und für die Wissenschaft gewonnen. Sie hat ferner durch die Herausgabe verschiedener Werke der katholischen Wissenschaft in der Gelehrtenwelt und bei den Regierungen eine höhere Beachtung errungen. Das sind sehr bemerkenswerte Erfolge, und diese Erfolge würden gewiß noch glänzender werden, wenn die Gesellschaft über größere Mittel verfügte und die gebildeten Katholiken ihr noch in höherem Maße ihre Sympathien zuwendeten. Ganz besonders würde es für mich eine sehr große Freude sein, wenn die edlen Bestrebungen der Görres-Gesellschaft in meiner teuren Diözese, in der noch ein so tiefgläubiges Volk lebt, wo noch fo viel Sinn für das Ideale und so viel Liebe für die Kirche herrscht, einen mächtigen Anklang fänden und recht viele Laien und Priester als eifrige, begeisterte Mitglieder gewönnen. In diesem Sinne wünsche ich der General-Versammlung besten Erfolg und erteile allen Mitgliedern der Gefellschaft von ganzem Herzen den Bischöflichen Segen.
Der Generalsekretär der Görresgesellschaft Chefredakteur Dr. Cardauns (Köln) erstattet dann den Jahresbericht. Er veranschlagt die Einnahmen der Gesellschaft für das laufende Jahr auf 40 000 Mk., die Ausgaben auf 50 000 Mk. Die Mitgliederzahl ist durch Tod und Austritt um 92 zurückgegangen; dieser Verlust ist aber mehr wie ausgeglichen durch die in der letzten Zeit im Elsaß erfolgten Beitritte. Das Defizit ist entstanden durch Mehraufwendungen, die durch die beschleunigte Fortführung der 2. Ausgabe des Staatslexikons geboten waren, durch die Erhöhung der Privat-Dozenten-Stipendien und durch unvorhergesehene Unterstützung wiffenschaftlicher Unternehmungen. Der Jahresbericht gibt weiter einen lleberblick über die von der Gesellschaft im letzten Jahre herausgegebenen Schriften. Vom Staatslexikon ist der 4. Band abgeschlossen und vom 5. Bande liegt bereits das 1. Heft vor. Bis Mitte nächsten Jahres wird das große Unternehmen abgeschloffen sein; zu seiner Vollendung hat die Gesellschaft nur 5 Jahre gebraucht (Es ist begonnen am 1. Juni 1899).
Die Generalversammlung erteilt dem Generalsekretär Decharge und wählt als Revisoren für
das nächste Jahr die Herrn Bankier Elken und Kaufmann Sinn in Köln wieder. Mit lebhafter Akklamatton stimmt die Versammlung dann dem Vorschlag zu, den zeitigen Dekan der neuen katholischen Fakultät in Sttaßburg Prof. Aloys Schäfer in den Vorstand zu wählen.
Hiernach hielt Prof. Leitschuh (Straßburg) einen fesselnden Vortrag über die Kunstdenkmäler Straßburgs. Redner schilderte im Einzelnen die Entstehung der Straßburger Kirchen insbesondere das Münster und schließt mit der Mahnung, aus dem Studium der alten Kunst die Begeisterung für neue Kunsttaten zu schöpfen.
Damit schließt die Versammlung.
Gleich nach der Eröffnungssitzung begannen die Sektionsberatungen.
In der p h i l o s o v h i s ch e »Sektion präsidierte Prof. Bäumker (Straßburg). Prof. Pohle (Breslau) berichtete über das philosophifche Jahrbuch. Dieses erscheint im 15. Jahrgang und hat 500 Abonnenten. Die Görresgesellschaft dentifiziert sich nicht mit dem Jahrbuch, sondern gibt nur einen Zuschuß an die Redaktion. Die Gesellschaft will nicht eine einzelne philosophische Richtung vertteten, die von einem Teile der Mitglieder mißbilligt werden könnte. Die Verantwortlichkeit für den Standpuntt des Jahrbuchs trägt ausschließlich die Redattion. Grundprinzip für die Arbeit am Jahrbuch ist, daß Glauben und Wisfen, Vernunft und Offenbarung, Religion und Philosophie keine Widerspräche sind, wie dies von der Görresgesellschaft stets hervorgehoben wird. Prof. Bäumker zollt unter dem Beifall derVerfammlung derArbeit desProf.Pohle für das philosophische Jahrbuch große Anerkennung. Hierauf spricht Dr. Bauer (Tübingen) über das Thema „Substanzbegriff und AktualitätsPhilosophie." Der Vortrag fand großen Beifall. Prof. Bäumker knüpfte daran die folgenden Ausführungen:
Der Vortrag führte uns hinein in eine Streitfrage, die mehr wie eine andere die Gegenwart beschäftigt. Sie haben gelesen, wie kürzlich bei einer anderen Versammlung ein Vortrag erscholl, worin die Begriffe Gott, Seele und Unsterblichkeit für Illusionen, für Chimäre, für Träume einer zurückgebliebenen Zeit erklärt wurden. Der Vorttag war oberflächlich im höchsten Maße; er kam einem vor wie die Leistung eines Mannes, der vor 30 oder 40 Jahren an Büchners „Kraft und Stoff" sich vollgesogen hat. (Beifall.) Auch in jener Versammlung ist Beifallsklatschen erschollen, aber ich glaube nicht, das das geschehen ist aus Hinsicht in die Gründe, das war eben eine jener Massenerscheinungen oder Tendenzen, wo innere Neigung oder das Mittun mit einer Klaque, die vorangeht, die Enffcheidung abgibt. Daß dem so war, hat uns bald die Publizistik gezeigt. Ich glaube, es sind nicht viele Blätter der verschiedensten Richtungen gewesen — abgesehen von den sozialdemokratischen — die jenem Vortrag nicht eine energische oder eine verschämte Polemik entgegengebracht haben. Dieser grobe Materialismus, wie er eben in der Zeit von Büchner oder auch von Karl Voigt gepredigt wurde und als Weisheit galt, ist bei der Mehrzahl der Naturforscher in der Gegenwart ziemlich anrüchig geworden. Es gibt ja noch immer solche, die in den Brunnen hineinsteigen und dann behaupten: es gibt keine grünen Wälder und kein blauer Himmel und keine Sterne über uns. Es gibt solche, die meinen, wenn sie mit dem Fernroyr den Schöpfer der Welt nicht sehen, dann gebe es keinen, und andere, die sagen, es gebe keine sittlichen Werte, wenn man sie mit der chemischen Wage nicht werten könne; es gebe keine Seele, wenn man sie mit dem Seziermesser nicht nachweisen oder in der chemischen Retorte in diese oder jene Teile zerlegen könne. Bei der Mehrzahl unserer Naturforscher — vor allem bei den biologischen — ist diese grobe Form zurückgetreten. Dies beweist die allgemeinejAbkehr, die jenem Vorttag in den allerweitesten Kreisen zuteil geworden ist. Freilich sind es andere Formen, die in der Gegenwart uns Schwierigkeiten bereiten und mit denen wir uns fortwährend auseinanderzusetzen haben und auf diese ist der Vorredner stn- gegangen. Man anerkennt jetzt die Seeken- funktionen in ihrer Eigenart. Man gibt zu, daß unser Empfinden, unser Fühlen und Denken nicht als Bewegung eines Räderwerks, nicht als mechanische Bewegung angesehen werden kann, sondern daß es eigene Erscheinungen find; aber man sagt dann: Mit diesen Vorgängen, diesen Atten ist nun das Seelische auch erschöpft. Es gibt nicht eine Seele als eine besondere Substanz, die der Träger, der Urheber dieser Erscheinungen ist, sondern die Seele ist nichts anderes, als ein Bündel von Bewußffeinsvor- stellungen, als eine Summe von Akten ohne eine Substanz, und darum nennt man diese Theorie in der Gegenwart die Aktualitätstheorie — mit
dem alten aristotelischen Begriff der Seele als Aktton hat das gar nichts zu tun; es sind die Atte in dem Sinne der Tättgkeit gemeint.
Man ist von jener Anschauung aus dann dazu gekommen zu sagen: Wohl auf dem Gebiete der äußeren Natur haben wir Veranlassung, eine Materie als Substanz anzunehmen, dagegen nicht auf dem Gebiete des inneren Seelenlebens. Der Vorredner hat gezeigt, welche Motive uns dahin führen, auch auf dem Gebiete dessen, was wir in unserem Bewußtsein erraffen, eine Substanz festzuhalten, die dann nicht sterblich sein kann, die gegenüber dem Leibe ihre bedeutsame Macht ausübt und in uns die Hoffnung auf das Fort- leben nach dem Tode begründet. Die Vertreter der Attualitätscheorie werfen unferm Substanzbegriffe Widersprüche vor, die Seele könne nicht gleichzeitig etwas Beharrliches und doch sich fortwährend Aenderndes, etwas Ruhendes und sich doch stets Betätigendes sein. Der Vorredner hat uns gezeigt, wie die einen aus dieser Erwägung heraus zu einem Seelenbegriffe ohne Kraft und Energie kommen und die andere die Seele ganz selten laffen. Er hat uns in lichtvoller Weise dargetan (der Vortrag erscheint im Druck), roie diese Widersprüche in unferm Seelenbegriffe nur vermeintliche sind und daß die Einwendungen gegen die Seelensubstanz nur auf Mißverständnissen und unrichtiger Fassung des Substanzbegriffs beruhen und wie auf der anderen Seite die zwingendsten Motive für uns vorliegen, wie wir eine körperliche Substanz annehmen, auch an der geistigen festzuhalten. Es ist eine eigentümliche Wandlung in der philosophischen Auffassung zu konstatiren. Als die Seelensubstanz bei den Herren geschwunden war, da stellte man uns den grobklotzigen Materialismus entgegen und in der Gegenwart ist die energetische Theorie in den weitesten Kreisen der Naturforscher herrschend. Davon war in jenem Vorttag, auf den ich hinwies, nicht die Rede, aber ebendort trat jener große englische Chemiker auf, der eine Reihe neuer Elemente entdeckt hat und hob hervor, je weiter die Chemie !voranschreite, um so größer würden die Rätsel. Der Vorttag meines Vorredners ist vielleicht manchen von uns nicht so glatt von der Hand gegangen. Es sind das eben Probleme, die ein Studium erfordern und innerlich durchdrungen werden wollen. Gerade an der Schwierigkeit und an der Notwendigkeit des tiefen Eindringens sehen wir aber, wie oberflächlich jenes Gerede war, das nicht vor einer Versammlung gelehrter Naturforscher hätte gebracht werden sollen. (Lebh. Beifall.).
P. Soziale wünsche, ii.
Auf welchem Wege können die Privatangestellten iuDeutschland eine ihren Verhältnissen entsprechende Pensions- und Hinterbliebenen-Ver- sicherung erlangen? Eine Handhabe, um im Anschluß an die bestehende staatliche Arbeiter-Versicherung eine weitergehende Pensionsund Hinterbliebenen - Versorgung der Privatangestellten einzuführen, bietet § 10 des Jn- validenversicherungsgesetzes. In den §§ 8 und 9 des Gesetzes ist die Bestimmung getroffen, daß versicherungspflichttge Personen, die in staatlichen oder Gemeindebetrieben beschäftigt werden, der gesetzlichen Versicherungspfiicht genügen durch Beteiligung an einer für den betreffenden Betrieb bestehenden oder zu errichtenden besonderen Kasseneinrichtung, die ihnen eine den reichsgesetzlich vorgesehenen Leistungen gleichwertige Fürsorge gewähren. Den vom Bundesrat zugelaffenen Kasseneinrichtungen dieser Art wird zu den von ihnen zu leistenden Jnvaliden- und Altersrenten der Reichszuschuß gewährt, sofern ein Anspruch auf solche Renten auch nach den reichsgesetzlichen Bestimmungen bestehen würde. Laut § 10 des Gesetzes kann nun der Bundesrat die Vorschriften der §§ 8 und 9 auch auf KaffEinrichtungen ausdehnen, deren Mit- fllieber nicht in öffentlichen Betrieben beschäftigt sind. Die Knappschaftskaffen der Bergleute haben sich diese Bestimmung zu nutze gemacht, ihre Mitglieder find aus der allgemeinen Versicherung ausgeschieden. Ebenso beabsichtigt die Seeberufsgenoffenschast eine besondere Kaffeneinrichtung für die Seeleute gemäß § 10 des Gesetzes zu errichten und eine fber die reichsgesetzlich vorgeschriebene Alters- und Invalidenrente hinausgehende Fürsorge, namenttich auch für die Hinterbliebenen zu treffen.
Um diesen Weg für die Privatangestellten nutzbar zu machen, wäre allerdings eine Voraus- etzung zu erfüllen: es müßten durch ein be- onderes Gesetz sämtliche Angestellte ohne Unter» chled der Gehaltshöhe der Berficherungspfiicht
bei der zu errichtenden besonderen Kaffeneinrichtung, der Pensionsanstalt für Privat- angestellte, unterworfen und die Arbeitgeber der Angestellten zur Beittagsleistung herangezogen werden.
Für die zu schaffende Versicherung sind seitens des geschästsführenden Ausschuffes unter dem Beirat von Abgeordneten folgende Leitsätze, die aber keineswegs bindend sind, aufgestellt und den einzelnen Verbänden und Vereinigungen zur Beratung überwiesen:
1) ES ist die Sckaffung einer besonderen Kaffeneinrichtung für die Privatangestellten gemäß § 10 des Jnvalidenversicherungsgesetzes erforderlich. Dieselbe hat die von ihr gewährten Altersund Invalidenrenten, soweit sie sich im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen halten, den Reichszuschuß in Anspruch zu nehmen (§ 8 Abs. 2 Jnv.-G.), richtet indessen daneben eigene Gehaltsklaffen mit erhöhten Leistungen und Renten ein. (Andere Entwürfe verzichten auf den Reichszuschuß, sie verlangen blos den moralischen Einfluß des Staates)
2) Diese Gehaltsklassen sollen sich auf alle Privatangestellten ohne Unterschied der Gehaltshöhe erstrecken und Alters-, Invaliden-, Witwen- und Waisenrenten gewähren.
3) Die Einzahlungen sollen im Verhältnis zu den Gehaltsbezügen stehen. Die Prämien sind von Arbeitgebern und Angestellten zu gleichen Teilen zu entrichten. ,
4) Das Recht der Selbstversicherung tu den höchsten Gehaltsklassen, sowie das der Weiterversicherung für sclbständigwerdende Angestellte muß den Versicherten gewahrt bleiben.
5) Das Heilverfahren dcr Landesverficherungsan- stalten hat die Penfionsanstalt für Privatangestellte ebenfalls auszuüben.
6) Angestellte, die bei einer vom Reichsausstchtsamt für die privaten Verficherungen zugelaffenen Kaffe versichert find, find von der Zugehörigkeit zur staatlichen Penfionsanstalt für Privatangestellte befreit, sofern jene Kasse die Mindestleistungen der staatlichen Anstalt erfüllt.
Zunächst sind folgende Fragen zu beraten und festzustellen:
1) Klärung des Begriffs „Privatangestellter".
2) Wie wird die besondere Kassen-Ernrichtung gegründet ?
3) Einbeziehung der gering besoldeten Angestellten.
4) Altersgrenze, Wartezeit, Höhe der Renten und Beiträge, Stellenlosen-Renten.
5) Ausarbeitung eines Fragebogens für eine einheitliche Verbandsstatistik.
6) Festsetzung der Rechtsansprüche auf die Renten der Geschästs-Penfionskassen.
Interessieren dürste nun noch die Stimmung der Prinzipalität der in Betracht kommenden Angestellten und die Meinung überhaupt. Da muß zunächst auffallen, daß sich die Tagespresse, besonders die linksstehenden Blätter, mit dieser Frage kaum befaßt haben oder dieselbe mit wenigen Worten abzutun glaubten; eine erfreuliche Ausnahme machte die Zentrumspresse und einige leitenden Organe der liberalen und konservativen Partei. Die .Kölnische Volksztg.' hat sich wiederholt mit dieser Frage beschäftigt und schon nach verschiedener Richtung hin anregend und aufklärend gewirkt. Von größeren Organen haben sich ferner ausführlich mit dieser Angelegenheit beschäftigt: ,Köln. Ztg.', -Germania', »Soziale Praxis', ,Der Tag', ,Franks. Ztg.', Münchener Allgemeine', »Essener Volkszeitung,' ,Echo der Gegenwart', u. a.: alle Preßstimmen sind sich darin einig, daß Fürsorge getroffen werden muß und daß sich bei gutem Willen auch ein Modus für eine Privatpensions- Versicherung finden laffen wird. ____
Es muß auffallen, daß die Sozialdemokratie und ihre Presse, die doch allen alles sein will, sich bisher gründlich ausschwieg. Wahrscheinlich paßt es den Singer und Genossen nicht in den Kram. Die deutschen Privat-Angestellten können sich das ablehnende Verhalten der sozialdemokratischen Presse hoch anrechnen — sie kennen eben keine Gemeinschaft mit der Sozialdemokratie.
In den Rechen der Prinzipalität finden wir solche, welche die soziale Forderung ihrer Angestellten als durchaus am Platze erachten und sie in richtigem Verständnis der Zeit herbeffehnen; wir finden aber auch leider eine große Zahl solcher, die noch einen Standpunkt einnehmen, der nichts weniger als human und fortschrittlich genannt zu werden verdient. Das sind freilich Gegensätze und Erscheinungen, die man bis jetzt bei allen sozialen Einrichtungen angetroffen hat, die aber alsbald von der Bildflache verschwanden, da man die Vorteile, die au8 diesen sozialen Wohlfahrts-Einrichtungen auch dem Prinzipal [ober Arbeitgeber erwuchsen, erkannt hatte. Hoffen wir, daß das auch hier der Fall sein wird. ___
Wir haben im vorigen Artikel schon darauf hingewiesen, daß sich die meisten Verbände von Privatangestellten bereits zu gunften dieser Bewegung ausgesprochen haben, nicht m