Sulöcer
verontworMcher
,44
Lsscheint täglich, mit Ausnahme der 5onn- nred Feiertag«, viertel- jShrl. Bezugspreis ohne Sringerloha and vesteLgeid in Fulda und auswärts {mt. »0 Pffl
rchristlei1er:ZosU»mim
3.wacheilxilage:„IllustrierteSonntagszeitung
5G J
ettung
moütisbtiiege: „Fuldaer SeschichtsblStter".
Lnzet-e«: Vie et» spaüige Petitzeile oder deren Raum iS Pffl. Reklame« die Petitzeil« 25 Pffl.; bei wieder- hebrugen wird entspr. Rabatt gewShrt.
Truck und Verlag der Fuldaer Aetiendrucke«^ in Fulda (Harmonie!
Fernsprecher Ur. 9.
M 231.'
fulda, Freitag, den 9. Oktober 1903.
30. Jahrgang.
Deutsches Reich.
Berlin, den 8. Oktober 1903.
** Tin Ueberblick über den Verlauf der 19. Legislatur - Periode des preußische» Abgeordueteuhanses (Session 1899—1903) ist soeben vom Bureau-Direktor des Abgeordnetenhauses, Plate, in Broschürenform als Sonderabdruck aus den jährlichen Geschäfts-Ueber- fichten veröffentlicht worden. Die Broschüre enthält in übersichtlicher knapper Form die Geschichte und den Jrchalt der fünf Sessionen der letzten Legislatutj* Periode und ist zur schnellen Orientierung lMr eine in diesen Zeitraum fallende Vorlage um so geeigneter, als auch der weitere Verlauf der Verhandlungen im Herrenhause jedesmal mit angegeben ist. Die eingegangenen Jniüaüv-Anträge sind gleichfalls vermerkt. Sehr dankenswert ist es im Hinblick auf die bevorstehenden Landtagswahlen, daß Herr Plate der Broschüre folgende vier Beilagen angefügt hat: 1) Eine Nachweisung der Fraktionen und ihrer Mitgliederzahl von 1866/67 ab, 2) eine lleber- sicht der Partei-Gruppierung am Schluffe der 11. (1873), 12. (1876), 15. (1885) und 19. (1903) Legislatur-Periode, 3) eine Zusammenstellung der gegenwärtigen Parteiverhältnisse nach Provinzen und Regierungs Bezirke und 4) eine kartographische Darstellung der gegenwärtigen Parteiverhältniffe nach Wahlbezirken.
** Im Hinblick auf die Nebenbeschäftigung der Beamten hat der preußische Minister der öffentlichen Arbeiten an die Gsenbahndirektionen einen Erlaß gerichtet, der nach der »Zeitung des Vereins deutscher Eisenbahnverwaltungen' lautet: „Es ist zu meiner Kenntnis gekommen, daß Staats-Eisenbahnbeamte einem Gewerbetreibenden, der Lieferungen für die Staatsbahn-Verwaltung ausführt, Privatkunden gegen Zahlung einer Provision zugeführt haben. Zur Uebernahme einer derartigen Nebenbeschäftigung würden sich nach § 31 der gemeinsamen Bestimmung für alle Beamten im Staats-Eisenbahndienst die schriftliche Genehmigung der vorgesetzten Eisenbahndirektion erforderlich gewesen sein, die von den Beamten jedoch nicht nachgesucht worden ist. Die Genehmigung hätte aber auch versagt werden müffen, da es nicht angängig ist, daß Beamte eine Nebenbeschäftigung für einen Gewerbetreibenden ausüben, der mit der Staats-Eisenbahnverwaltung in geschäftlichen Beziehungen steht."
* Der katholische Mau« im Weltverkehr. Es macht einen recht betrübenden Eindruck, wenn man das Gebühren angesehener und unangesehener katholischer Männer auf ihren Reisen im Verkehr mit der .gebildeten" Welt beobachten muß! Ein Mitarbeiter des ,Fränk. Volksbl.' schreibt, daß er dieser Tage mit katholischen Männern die Annehmlichkeiten der Erholuugs-
Das Majorat.
Roman von Ewald August König.
------- (Nachdruck derbste».)
1. Kapitel.
Mit rauhen Stürmen und schweren Regengüssen hatte der Herbst begonnen, aber fein strenges Regiment währte nicht lange, die Sonne drang schon bald sieg- reich durch das finstere Gewölk, und wenn auch die Blumen verblüht waren, und die Bäume sich entlaubten, so schien es doch, als ob der Sommer noch einmal zurüÄehren wollte.
In dem großen, sorgsam gepflegten Garten, der hinter der Irrenanstalt des Doktors Graumann lag, ergingen die Kranken sich unter der Obhut ihrer Wärter; der Doktor selbst, der mit scharf beobachtenden Blicken die.Oberaufsicht führte, trat bald zu diesem, bald zu jenem Patienten, um einige fteundliche Worte mit ihm zu wechseln.
Es war eine Privatanstalt, und Doktor Graumann stand in dem Rufe, _ daß er sich hohe Berpflegungs- preffe zahlen lasse, die größere Zahl seiner Patienten gehörte den besseren und vornehmsten Gesellschaftskreisen an; selbst a«S ftemden Ländern wurden ihm Gemütskranke und Nervenleidende zugeschickt.
Beliebt war der alte Doktor gerade nicht, aber in Bezug auf die Leitung seiner Anstalt konrten auch N id und Mißgunst ihm nichts anhaben; an seiner Ehrenhaftigkeit zu zweifeln, dazu hatte er noch keine Veranlassung geboten, noch nie hatten die amüicheu Revisionen, die zu bestimmten Zeiten stattfanden, irgend etwas ergeben, was vor dem Gesetz oder vor den Augen der leichtgläubigen Welt ihn kompromittieren konnte.
„Die tolle Bäronin!" murmelte er leffe, und es schim fast, als ob ein Zug von Verlegenheit über sein vorhin noch so heiteres Gesicht glitt. Sir war
reise teilen durfte. Es waren keine „Studierten", nur einfache Geschäftsleute, Gewürzhändler, Schirmfabrikanten rc., aber „gut katholisch". Man erlaubt sich eine Extravaganz, fährt mit Schnellzügen 2. Klaffe, trägt selbst bei afrikanische Hitze braune Handschuhe, leistet sich auch ein Reisekäppchen, kurz man spielt den noblen Mann! Das ist alles gut und herzlich gegönnt — wers kann — warum auch nicht? Aber „gut katholisch" dürfte man dabei trotzdem sein! Womit vertreiben sich denn diese unter die „Gebildeten" geratenen Männer die Langweile der Eisenbahnfahrt? — etwa mit katholischer Lektüre? Nein, um den noblen Herrn ganz zu spielen, kauft man sich eine »Kankfurter Zeitung', ein »Berliner Tagblatt', eine »Augsburger Abendzeitung', den .Kladderadatsch', »die Jugend' und wenns gegen München zu geht, die »Neuesten Nachrichten'. Nur keine katholische Zeitung! Man fährt ja 2. Klaffe, da muß man sich nobel zeigen und liberal oder gebildet sein, nur beileibe nicht den „Katholiken" verraten! Und das wollen „gut katholische" Männer sein? Ich meine, ein katholischer Mann soll überall katholisch sein, auch auf Reisen, er soll auch wagen, offen und furchtlos seine katholischen Zeitungen zu fordern und ungescheut lesen auch an der Seite eines „gebildeten" Kommerzienrates.
[„"] In Königsberg haben die Sozialdemokraten, wie bereits mitgeteilt, die Abtretung eines der drei Mandate verlangt, die jetzt nach einem Kompromiß zwischen frei« sinniger Volkspartei, freisinniger Vereinigung.und nationalliberaler Partei unter diese drei Gruppen verteilt find und auch in der bevorstehenden Wahl ihnen verbleiben sollen. Der.Vorwärts' bemerkt, daß dieses Vorgehen seiner Parteigenossen gegen die Berliner Parteibeschlüffe verstoße, weil danach Abmachungen mit bürgerlichen Parteien erst „nach Feststellung des Ergebniffes der Urwahlen durch das Zentral-Wahlkomitee im Einvernehmen mit den in Frage kommenden Wahlkreis-Komitees zu treffen" sind, für die Liberalen aber liege gar kein Grund vor, hierin eine verkehrte, der Reaktion förderliche Taktik zu sehen. Ungewöhnlich bescheiden bemerkt das Blatt weiter: „Wir haben stets betont, daß es ein gutes Recht der Liberalen ist, zunächst abzuwarten, ob die Sozialdemokraten wirklich ausschlaggebend werden, als auch stets verlangt — und das tun wir auch hier —, daß sie sich bei Auswahl ihrer Wahlmänner darauf einrichten, für den Fall, daß die Sozialdemokratie ausschlaggebend wird, einen Sozialdemokraten neben ihren Kandidaten wählen zu müssen .... Wir möchten bei dieser Gelegenheit noch einmal betonen, daß wir bei Stichwahlen gelegentlich der Urwahlen nach Ausfall der sozialdemokratischen Wahlmänner solche Liberale zu unterstützen haben, die erklärten, unabhängig genug zu sein, eventuell für einen sozialdemokra- ischen Abgeordneten stimmen zu können; die Verpflichtung, für einen solchen zu stimmen, ollten wir vor der Urwahl nicht verlangen."
*** Der »Vorwärts' bringt heute wieder vier „Erklärungen", darunter die Antwort des
'nicht mehr jung, aber noch immer eine schöne Er- cheinung, ihre Toilette dunkel und einfach, aber elegant md geschmackvoll. Ein schwarzes Spitzentuch, das ie, gleich einer spanischen Mantilla, um den Kopf geschlungen hatte, umrahmte das ernste, blasse Antlitz, die dunklen Augen blitzten lebhafter, als ihr Blick aus den Arzt fiel, der mit einer leichten Verbeugung ie grüßte.
„Noch immer keine Nachricht?" fragte sie, und das leise Beben ihrer Stimme bekundete die innere Erregung.
„Keine, die Ihnen angenehm sein könnte, gnädige Frau," erwiderte er in bedauerndem Tone. „Sie wünschten, daß ich deshalb noch einmal bei Ihrem Herrn Schwager anftagen möge, ich habe es getan, der Herr Baron v. Darboren antwortet mir, er habe von Ihrem Sohne nichts mehr gehöri."
„So lassen Sie mich endlich hinaus, damit ich elbst Nachforschungen anstellen kann," sagte sie zornig. „Was berechtigt Sie, mich htzr gefangen zu halten? Nichts, als der Wille meines Schwagers!"
„Gnädige Frau, ich muß Sie dringend bitten, dieses Thema nicht weiter zu erörtern," unterbrach er sie ernst. „Ihre Voraussetzungen find grundfalsch, ich würde Sie längst entlassen haben, wenn die Pflichten des Arztes es mir gestatteten. Sie waren zur Zeit der Aufnahme ernstlich krank, Sie find efl noch heute, wenn ich auch zugeben will, daß Ihr Zustand fich bedeutend gebessert hat."
„Ich bin an Geist und Körper vollständig ge= und!" schnitt fie in rauhem Ton ihm das Wort ab.
„Sie glauben das, ich aber muß es besser beurteilen können," fuhr er fort, indem er eine kleine, goldene Tabakdose aus der Tasche hotte, aus der er mit Behagen eine Prise nahm. „Und dann auch rage ich Sie, gnädige Fran, was wollen Sie be- innen, wenn ich Sie enttaffe? Sie können Ihren Zerrn Schwager zwingen, Sftnen eine Jahresrente zu zahlen; aber werden Sie sich damtt begnügen? Sicher nicht, der alte Kampf mit Ihnen wird wieder
Genoffen v. Vollmar auf Bebels Ableugnung der Bollmarschen Behauptung, daß Grillenberger unversöhnt mit Bebel aus dem Leben geschieden sei, weil Bebel gesagt habe, die gehobene Lebenslage gewisser Arbeiter verderbe deren proletarische Anschauungen, v. Vollmar «eist nach, daß Bebel tatsächlich durch seine Verdächttgungen Grillenbergers an dem Zerwürfnis schuld war und bestreitet, daß Grillenbergers Hartnäckigkeit „von gewisser Seite geflissentlich genährt" worden sei. Gegenüber dem Versuch Bebels, Grillenbergers Unversöhnlichkeit gegen ihn daraus zu erklären, daß dieser an den ernsten Symptomen der Krankheit gelitten habe, welcher er später zum Opfer fiel, weist v. Vollmar einfach darauf hin, „daß Grillenberger nach jenem Konflikt noch volle drei Jahre lang schlagende Beweise der ungebrochensten geistigen Kraft gegeben hat und schließlich nicht infolge eines Siechtums gestorben, sondern fast unmittelbar nach einer im Landtag gehaltenen Rede von einem Gehirnschlag niedergestreckt worden ist." Schließlich deutet v. Vollmar sein Befremden darüber an, daß Bebel gestattet worden ist, seine Ausführungen auch im Protokoll des Parteitages abzudrucken, „ein ganz neues Verfahren, durch welches die Möglichkeit einer gleichberechtigten Antwort ab« geschnitten wird." Wundert sich v. Vollmar darüber? Dem Diktator waren ja auch schon auf dem Parteitage Vorrechte eingeräumt worden, die Herr Singer einem minder gewaltigen Genossen sicher nicht eingeräumt hätte. Wie die Erklärung v. Vollmars zeigt, hat Bebel wieder einmal „geirrt". Das hindert aber natürlich nicht, sich selbst als unfehlbar vor den Genossen aufzuspielen und mit anderen mit sittlicher Entrüstung zu Gerichte zu fitzen. Ein Bebel darf fich alles erlauben, was andere gleich zu „Lügnern", „Schuften" und „moralisch tief Gesunkenen" macht, vorausgesetzt natürlich, daß diese anderen „Revisionisten" find, sonst erklärt er sie in der ihm eigenen Milde und Mäßigung blos für „psychologisch-. Rüssel."
* Ans kaufmännischen Kreisen werden wir essucht, folgendes zu veröffentlichen: Aus den Kreisen des Zuckerhandels schreibt man der,Frkf. Ztg.: „Die Verkaufs-Vereinigung der Raffinerien fahrt fort, mitjeber neuen Maßnahme denHandel zu schädigen. Die neuerdings beschlossene Ermäßigung der Preise um 75 Pfg. pro Doppelzentner vorn 1. November ist ein weiterer Schlag ins Gesicht des Handels. Nachdem im September die Lieferung bis Ende November freigegeben wurde mit Ermäßigung der Preise ab 11. Oktober, hat der Handel größere Posten für diese Termine gekauft, und ehe nur ein Pfund dieses Zuckers in den Verkehr kommen kann, kommt diese neue Maßnahme, die dem Handel für jeden gekauften Waggon 75 Mk. kostet. Wir verstehen absolut nicht, warum die Vereinigung diese Preisveränderungen wochenlang vorher ankündigen muß, und immer in dem Monat, wo sie den Handel vorher zum Kaufen angeregt hat. Für den Handel ist die Sage jetzt derart, daß er in der zweiten Oktoberhälfte auf feinem gekauften Zucker sitzen bleibt, da der Kleinhandel selbstverständlich
beginnen, und dieser Kamps um die Herrschaft cktbt Sie auf."
„Und wenn dies der Fall wäre, welchen Nachtell hätten Sie davon, Herr Doktor?" fragte fie, das Haupt trotzig erhebend. „Als Mann von Ehre mußten Sie in diesem Kampfe auf meiner Seite stehen, denn ich fordere nur meine Rechte, die mir vorenthalten werden; ich fordere Sie in meinem Namen und im Namen meines Kindes."
Der Doktor wiegte bedenklich das graue Haupt und klöpste mit dem Zeigefinger auf den Deckel seiner Dose; sein B'ick war gedankenvoll auf das Haus gerichtet, auf das sie langsam zuschritten.
„Mich kümmern Ihre Familienangelegenheiten nicht," erwiderte er achselzuckend, „in meiner Abficht lag es nur, Ihnen zu zeigen, daß die Rückficht auf Ihr geistiges und leibliches Wohl Ihnen selbst die Entlassung nicht wünschenswert machen kann. Sodann auch bin ich für Sie verantwortlich, und diese Verantwortlichkeit verbi-tet mir, Sie zu entlassen, Sie entschuldigen wohl, wenn ich die Unterredung jetzt abbreche, es scheint Besuch angekommen zu sein, ich werde gerufen."
Er nadm mit einer Verbeugung Abschied und ging dem Wärter entgegen, d«r eben aus dem Hause getreten war.
„Sie suchen mich?" fragte er.
Der Wärter nickte schweigend und überreichte ihm eine Karte.
„Doktor Hermann Steinfelder, Rechtsanwalt," las der Arzt. „Wo ist der Herr?"
„In Ihrem Kabinett."
Der Dottor trat jetzt in das Haus; fein Kabinett lag im oberen Stockwerk, im Erdgeschoß befanden fich Baderäume und Wirtzchasiszimmer.
„Die tolle Baronin wird unbequem," murmelte er, während er die Treppen hinausstieg, „ich würde eine Patientiu verlieren, die gut zahlt, tnbtffeu dafür rüde ich wohl bald wieder Ersatz. Gewalssam dass ich richt einschreiten, wenn ich nicht den guten Ruf
bis zum Eintritt der neuen Ermäßigung nur von Hand zu Mund kauft. Im November beginnt dann wieder das tolle Geschäft, bei dem die Bahn nicht genug Waggons, der Großhandel nicht genug Personen hat, um die Kunden mit Zucker zu bedienen, an dem er bei seinen Rückständen aus Lieferungen vor dem 11. Oktober 225 Mk. pro Waggon bares Geld zulegt und aus neuen Käufen 75 Mk. Seit Eintritt der Brüsseler Konvention sind die Preise wie folgt ermäßigt worden:
ab 1. September 17.50 Mk. pro 100 kg
n n 25 „ „ „ „
„ 11. Oktober 1.50 „ „ „ „
„ 1. November 75 „ „ „ „
Zusammen 20.00 Mk."
Wir haben schon ftüher darauf hingewiesen, daß durch solche Manipulationen, des Raffinesse- Kartells auch den Kleinkaufleuten erheblicher Nachteil zugefügt und ihre Lagerbestände unaufhörlich entwertet werden.
** Die hessische Regierung hat dem Bundesrat einen Gesetzentwurf vorgelegt, betreffend die Entschädigung ««schuldig verhafteter Personen. Der Bundesrat wird voraussichtlich schon in allernächster Zeit Stellung zu dem Entwurf nehmen.
* Rom, 8. Ott. 1903. Der Papst empfing nach der »Köln. Volksztg.' den Direktor der Medizinal-Angelegenheiten des preußischen Kultus- Ministessums, Ober-Regierungsrat Dr. Förster mh Gemahlin, in Privat - Audienz, sowie den Prälaten de Waal. Letzterer überreichte seine Biographie des Papstes, der hierbei erklärte, er verstehe gedrucktes Deutsch gut.
* St. Petersburg, 8. Ott. 1903. Die Spannung zwischen Rußland undJapan soll nach englischen Berichten betartig hochgradig geworden fein, daß der baldige Ausbruch eines Krieges zu gewärtigen wäre. Besonders gefährlich wird die Lage geschildert in folgendem Telegramm der .Daily Mail' aus Kobe. Danach überreichte Baron von Rosen am 4. d. Mts. der japanischen Regierung eine Note, in welcher es in der Hauptsache heißt, die Räumung der Mandschurei durch Rußland sei eine Angelegenheit, die nur Rußland und China angehe und in die fich einzumischen Japan kein Recht habe. In der Rote werden weiter Vosschläge für eine Teilung Koreas gemacht, nach denen Japan die südliche Hälfte des Reiches und Rußland den nördlichen Teil nehmen soll. Am 5. d. Mts. wurde die Note von den japanischen Ministern in einer Zusammenkunft besprochen. Das ja- paniscke Kabinett lehnte die Vorschläge Rußlands ab. Der Beschluß wurde am Mittwoch Baron von Rosen mittgeteilt. Die japanischen Blätter verlangen ein energisches Handeln der Regierung.
meines Hauses gesährden will, und ich sehe schon die Zeit kommen, in der fie kaut und ungestüm ihre Entlassung fordern wird. Zwar bin ich berechttgt, solchem Verlangen eines Patzenten energisch entgegenzutreten,. aber bei dieser Dame möchte ich doch nicht meine Zuflucht zu solchen Mitteln nehmen, man kann ja nicht voraus wissen, wie die Verhältnisse in Zukunft sich gestalten werden."
Er blieb vor der Türe seines Kabinetts stehen und fuhr mit der Hand einigemal ordnend durch das dichte graue Haar; dann trat er ein.
Prüfend ruhte sein Blick aus der hoben Gestalt des Rechtsanwalts, auf dem ernsten, jugendlich fssschen Gegcht, dessen Oberlippe ein schwarzer Schnurrbart schmückte; mit demselben prüfenden Blick ruhten auch iuf ihm die dunklen Augen, die Himer den Gläsern der goldenen Brille blitzten.
„Was verschafft mir die Ehre?" fragte der Arzt nach einem höflichen, aber kühlen Gruß.
„Sollten Sie es nicht erraten haben, als Sie meinen Namen auf der Karte lasen?" erwiderte der Advokat.
„Ich bitte um Entschuldigung, Ihr Name ist mir unbekannt.
„Meine Schwester weilt schon lange als Patienttn in bisset Anstalt."
„Das muß ein Irrtum fein, ich erinnere mich nicht —"
Frau Baronin Adelgunde v. Tarboren ist meine Schwester; wußten Sie nicht, daß ihr Vater der General Steinfelder war?"
Das Antlitz des Arztes war plötzlich blaß geworden, aber er verlor seine Fassung nickt, mit einer leichten Verneigung deutete er auf einen Sessel, dann nahm er vor seinem Schreibtisch Platz.
„Rein, das wußte ich nicht," sagte er. „Sie haben fich ftüher weder schriftfich noch mündlich nach dem Befinden Ihrer Frau Schwester erkundigt, da muß es mich natürlich überraschen —"
„Ich hetzte »eine Gründe, dar zu unterlassen."