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vruck und Verlag der zuldaerAetiendruckere' in 8«lda sksarmonies Fernsprecher Nr. 9.
30. Jahrgangs
flllda, Donnerstag, den 8. Oktober 1903. .
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Schmutzige Mchenwäsche
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Man muß warten, bis der Ertrinkende die Kraft verliert; | I. Giorh, Hanau a. M.
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Die Zentrumspartei hat von keiner Parteikonstellation etwa? besonderes zu hoffen oder zu fürchten. Mit ihr geht ja keine Partei, alle stehen gegen sie (mit Ausnahme weniger Wahlkreise, z. B. in Schlesien, wo sie anderen Hilst). Es ist ihr also einerlei, wie die Wahlbündnisse lauten. Wohl aber hat, wie immer wiederholt werden muß, die Zentrumspartei diesmal ganz besondere Anstrengungen zu machen, weil die Sozialdemokraten sich an den Wahlen beteiligen und ganz unangenehme Ueber- raschungen die Folge sein können.
General-Versammlung der Görres- Gesellschast.
cpc. Straßburg, 6. Oktober 1903.
Die diesjährige Tagung der Görres - Gesell-
Görres-Gesellschaft haben für die neue Einrichtung ganz besonderes Jntereffe und hoffen, daß sie ich weiter fruchtbringend entwickeln möge. (Lebhafter Beifall.)
Prof. Ehrhard übermittelte der Verfamm- lung hierauf die Grüße der österreichischen Leo- Gesellschaft. Er hoffe, daß nach dem Vorbilde der Görresgesellschaft auch in anderen Ländern Organisationen erstehen möchten. Auch anderswo könne die katholische Wiffenschaft ihre großen Aufgaben nur erfüllen, wenn sie die Kräfte ämrnle zu gemeinsamer Arbeit. (Lebhafter Beifall.)
Damit schloß der offizielle Teil der Begrüßungsfeier.
chaft verspricht einen aus. .
Verlauf zu nehmen. Die heutige Begrüßungs- Versammlung im Hotel zum Roten Hause sah die Elite der katholischen Gelehrtenwelt vereint. Wir sahen von Straßburg die Ministerialräte Hamm und Beemelmann, Ober - Reg. - Rat Molitor, Dekan Prof. Schäfer, Prof. Ehrhard, Prof. Bäumker, Prof.Spahn, Domherr Stöffler rc. Aus Tübingen sind erschienen Prof. v.Schanz,Prof.Saegmüller und Dr. Bauer, aus Freising Prof. Schlecht, aus Freiburg Prof. Hob erg. München ist vertreten durch den Präsidenten der Gesellschaft, Freiherr v. Hertling und Prof. Grauert. Aus Eichstätt kommt Prof. Widmann, aus Trier Dompropst Scheuffgen, aus Metz SchulratiDr. Niketi, aus Kalmar Ober-Landesgerichtsrat Lossen. Bonn ist vertreten durch Prof. Efser, Prof. Schroers und Prof. Greving, Köln durch den Chefredakteur Cardauns und Verleger Bachem, Münster durch Prälat Hüls- kamp. Aus dem fernen Königsberg ist Geheimrat Prof. Lossen anwesen, aus Breslau Dom- propft König. Weiter sind zugegen Prälat Franz aus Gmunden und Prälat Ehses aus Rom. Außer den Genannten ist noch eine große Anzahl von Vertretern der Wissenschaft und Männern der Praxis anwesend, deren Namen besten Klang hat, die aber alle zu nennen der Raum fehlt.
Graf v. Ballestrem hat sein Jntereffe an der General - Versammlung durch folgendes Begrüßungs-Telegramm bewiesen: „Den sehr verehrten Herren Kollegen der Görres - Gesellschaft sende herzlichen Gruß und Wunsch eines segensreichen und brillanten Verlaufes der General- Versammlung." Prof. Eugen Müller (Straßburg) hielt namens des Lokal-Komitees die Begrüßungs-Rede. Straßburg sei immer ein Hort von Kunst und Wissenschaft gewesen. Schon im 15. Jahrhundert habe hier eine christliche literarische Gesellschaft bestanden, die ein Vorläufer der Görres - Gesellschaft gewesen sei. Straßburg sei der Musterherd der alten deutschen Geschichte. Er erinnere an einen Tauler, an Thomas von Straßburg, Hugo von Straßburg, an den großen Jünger von Albertus Magnus, Ulrich von Straßburg, an Johann von Tannbach und so viele andere, deren Namen unvergessen bleiben — dank der Tätigkeit der Görresgesellschaft. Wenn Straßburg jetzt erinnere an das, was es einst war, spreche es zugleich die Hoffnung aus, daß es in höyerem Maße noch werde, was es einst für das katholische Deutschland zu werden versprochen habe. Herzliche Willkommensworte richtet der Redner dann an den Freiherrn von Hertling, dessen mächtige Worte das katholische Deutschland aufgeweckt habe, um gemeinsam dafür einzutreten, daß es nur eine Wahrheit gebe, nämlick die, welche ihre Quelle hat in Gott. Er ha uns gesagt, daß wir das Recht und die Pflicht haben, als gleichwertige Faktoren mitzuarbeiten im geistigen Leben der Gegenwart und zugleich hat er in uns das Bewußtsein geweckt, daß wir auch können müffen, was von uns gefordert wird. (Lebhafter Beifall.) Der Redner begrüßt ebenso warm die treuen Mitarbeiter des Präfi- denten, Herrn Cheftedakteur Cardauns, der so glänzend die Devise „Welt und Wissen" in die Praxis umsetze, Herrn Prälaten Hülskamp, den altbewährten Vorkämpfer für katholische Belletristik und Literatur, sowie Professor Grauert, den verdienten Herausgeber des.Historischen Jahrbuchs'.
Namens der Gäste dankt Professor Grauert für den herzlichen Willkommensgruß. Nachdem man den herzlichen Empfang erfahren habe, frage man sich erstaunt, weshalb die Gesellschaft nicht früher nach Straßburg gekommen sei. Wir alte Deutschen haben unser Straßburg heb, wir wollen es festhalten und für Straßburg tun, was wir vermögen. Ein neues Reis ist jetz ^ gepflanzt — die katholische Fakultät. Mit gespannter Aufmerksamkeit blickt die ganze katholische Welt, blickt insbesondere das katholische Deutschland auf Straßburg. Und wir von der
Nach mehrfachen vergeblichen Bemühungen ist es, wie unfern Lesern bekannt ist, in den letzten Tagen dem bekannten Luft|chrffer Kapitän Spelterini, der bereits mehr als ein halbes Tausend Ballonfahrten vollführte, gelungen, von dem Schweizer Kurorte Zermatt aus den Gebirgsstock der Alpen nordöstlich des Monte Rosa im Ballon zu überfliegen. Der kühne Luftschiffer landete nach zwanzigstündiger Fahrt nordwestttch des Lago Maggiore in der Gegend des St. Gotthard bei dem Orte Bignasco. Unsere Leser erhalten beistehend eine Abbildung des Aufstieges von Zermatt aus, wie derselbe sich in Anwesenheit überaus zahlreicher Zuschauer vollzog. Die größte Höhe, welche der Ballon erreichte, betrug . , _
5300 Meter, die durchschnittliche Höhe während unternommen hat. der Alpenüberschreitung 4800 Meter, die nor-1
* Die Knust zu rette«. Vor kurzem schlug bei Paris ein Kahn um, in dem zwei junge Leute einen Sonntagsausflug machten. Der eine, ein ausgezeichneter Schwimmer, wollte seinen Genossen retten, dieser umklammerte ihn aber in seiner Todesangst so fest, daß beide ertranken, trotzdem sie nicht weit vom Ufer waren. Ein Pariser Blatt knüpft an diesen Unglücks- äll Ratschläge für die Rettung Ertrinkender, die Dar nichts neues enthalten, aber doch Beachtung verdienen. Nicht jeder, der ins Wasser fällt, läßt ich ruhig retten, die meisten umklammern die Glieder des Retters, die in ihren Bereich kommen, wie ein ausgehungerter Polyp, und alle Versuche, sich ihrer zu entledigen, führen nur dazu, die Kraft der ver- ! weifelten Umarmung zu m-hren. Die zu Rettenden sindern zunächst die Bewegungen des Retters, dann aber suchen sie sich möglichst aus dem Wasser empor- zuwinden, es tauchen größere Körperteile aus dem Wasser und lasten auf dem unglücklichen Retter mit einem Gewicht, dar unter Umständen sehr beträchtlich ist. Einem Ertrinkenden, der noch mit voller Kraft zappelt, sich int ersten Ansturm edler Hülfsbereitschast zu nähern, ist also sehr gefährlich, man erweist ihm und sich selbst keinen Dienst damit, t-8 müßte sich '»ernt um kleine, leicht zu bändigende Kinder handeln.
male Temperatur — 7 Grad, die Geschwindig feit 10 bis 15 km. Während der ganzen Fahr wurde photographiert und beobachtet. So ist Spelterinis jahrelanger Wunsch, die Alpen zu überschreiten, erfüllt, dank seinem Mute, seiner Ausdauer und seiner Erfahrung. Seine Geschicklichkeit hat sich auf der ganzen Fahrt bewährt. Die Landung auf dieser Höhe zwischen Felsen unb Säumen war äußerst schwierig, doch vollzog sie sich ohne den mindesten Unfall. Eine Stunde noch, nachdem der Ballon bereits festgebunden war, blieb Spelterini bei heftigem Wind im Korbe, um einen günstigen Moment für die völlige Entleerung des Ballons oben abzuwarten. Es ist dies die kühnste Fahrt, die Spelterini bis dahin
wenn es dann gelingt, ihn auf den Rücken zu drehen und ihm dann eben nur die Nase über Wasser zu halten, so ist die Rettung kein Kunststück. Einer der Flußwächter, die in diesen Dingen Fachleute sind, bestätigt, daß es auch dem besten Schwimmer fast unmöglich sei, mitten im Fluß einen Verunglückten zu retten, so lange dieser bei ungeschwächter Kraft sei. Der Griff eines Ertrinkenden sei von fast übermenschlicher Kraft; man habe de« Eindruck, als würde er glühendes Eisen mit derselben Gewalt umklammern. Wenn die Wächter einen Trttinkenden weit vom Ufer sehen, binden sie sich an einen Strick, den sie immer bei sich fragen, geben das freie Ende einem Kollegen oder einem gutwilligen Vorübergehenden und schwimmen dann auf den Ertrinkenden zu. Sie ergreifen ihn aber nicht sofort, sondern umkreism ihn, bis sie ihn von hinten fassen können. Wenn der Verunglückte sie umschlingt, bleibt ihnen nichts übrig, als sich mit dem Strick ans Ufer ziehen zu lassen; zerreißt der Strick oder klammert er sich unglücklich fest, so bedeutet dies in den meisten Fällen den sicheren Tod für beide. Die erste Regel bei der Rettung Ertrinkender ist also größte Kaltblütigkeit, die den sehr begreiflichen Eifer unterdrückt und erst im kritischen Augenblick eingreift, wenn der Ertrinkende die Kraft verliert.
* Der zerstreute Richter. Der Wiener»Zeitt wird folgendes Stückchen erzählt: Bor einem Richter setzte der Kläger auseinander, wie ihn der Beklagte lange Zeit hindurch auf die Weise und bei verschiedenen Anlässen betrogen und bestohlen habe. „Endlich," so fuhr der Kläger fort, „lockte er mir auch meine goldene Uhr heraus, die ein Andenken an meinen Bater war. Das schlug dem Faß den Boden aus, und ich machte bte Anzeige." — Der Richter fragte hieraus Mit der größten Seelenruhe: „Wie hoch bewerten fie das Faß?"
* Hotel ,;Alpeuruhe". „Können sie denn bei dem fürchterlichen Getöse, das der Wasserfall da drüben macht, schlafen?" — „Gewiß, Nachts bellckn Hund immer so laut, daß das Geräusch vollständig übertönt wird."
§ Der Aufmarsch zu -en Landtags- Wahlen
geht, soviel man beobachten Mm, einstweilen noch ziemlich langsam vor sich. Eins ist aber schon mit Sicherheit zu erkennen: so glatt, wie es in Zeitungsartikeln unb Wahlaufrufen geschieht, vollzieht sich bie Scheidung bet Geister nicht. Es stehen keineswegs überall bie Liberalen gegen bie „Reaktionäre". Trotz aller Kriegserklärungen gehen bie Nationalliberalen mehrfach mit ben Freikonservativen gegen bie Freisinnigen zusammen. Die ,Poft' stellt baS mit Genugtuung namentlich für Schleswig-Holstein fest. Die ,Kreuzzeitung' hat schon neulich barauf hingewiesen, baß auch Konservative unb Nationalliberale verschiedentlich Schulter an Schulter kämpfen. Das gilt nicht allein für bie polnischen Landteile, wo bie Parole ist: alle Deutschen ohne Unterschieb ber Partei müsse gegen bie Polen zusammenhalten, sondern auch sür andere Lanbesteile, insbesondere auch verschiedene Wahlbezirke bes Westens, wo bas Zentrum als Gegner in Frage kommt.
Tragen so bie Liberalen mehrfach zur Der- stärkung ber verhaßten „Reaktion" bei, so wird auf ber anbern Seite auch berichtet, baß bie Liberalen sich mehrfach gegen bie „Reaktionäre" $uf ammengefunben haben. Aber sonderbar nimmt es sich doch aus, daß dieselben Leute, die mit donnernden Worten dem „liberalen Bürgertum" die Pflicht predigen, um jeden Preis die Verstärkung ber Rechte zu verhindern, so grob gegen ihr eigenes Programm verstoßen, baß fie für bie Rechte arbeiten. Die Entschulbigung, daß es gelte, ben noch gefähr- kicheren Polen ober Zentrumskandidaten unterzukriegen, haben sie dabei doch keineswegs immer auf ihrer Seite. Sie mögen es indeß halten nach Belieben. Ob sie sich so ober so zu ben „Re- aktionären" stellen, einen großen Unterschied wird es für bie Zusammensetzung des künftigen Abgeordnetenhauses nicht ausmachen. Kein Mensch zweifelt, daß die Konservativen bie stärkste Partei bleiben werben, unb baß eine „konservativ-klerikale" Mehrheit nach wie vor möglich sein wirb.
Allem Anscheine nach wird das Verhalten der Sozialdemokraten von größerem Einfluß auf die Zusammensetzung des Abgeordnetenhauses fein als der Zusammenschluß oder Nichtzusammenschluß ber Liberalen. Daß sie in einer Reihe von Großstädten leicht die dritte Abteilung beherrschen können, wird allseitig zugegeben, zu- mal wenn die Wahlbeteiligung der bürgerlichen Parteien so schwach sein sollte wie bisher. Die „Reaktionäre" wären bie letzten, die das zu beklagen haben würden, falls sie die Gewißheit hätten, daß die Sozialdemokraten bei ihrer Parole blieben: Wahlenthaltung bei Stichwahlen, wo uns die Liberalen kein Mandat abtreten. Die Liberalen aller Schattierungen weigern sich trotz Barth und Jungliberalen ganz entschieden, auf die Forderung der Sozialdemokraten einzugehen. Dabei werden fie ohne Zweifel bleiben, weil sie nicht anders können, denn sie werden ihre Wahlmänner nie dazu bringen, öffentlich für einen Sozialdemokraten zu stimmen. Einzelne mögen dazu ja bereit fein, die Gesamtheit niemals. Der Muster-Wahlkreis, der ben Sozialbemokraten vorschwebt, ist bekanntlich Breslau, wo sie das vorige mal durch Sttmmenthaltung den Heber« gang der drei freisinnigen Mandate an die „Reaktionäre" hätten bewirken können. Aehnlich liegen die Dinge in Königsberg-Fischhausen, dessen drei Mandate die drei liberalen Parteien bisher unter sich verteilt hatten, von denen aber die Sozialdemokraten unter allen Umständen eins für sich fordern. Die Urwahlen werden wohl noch in verschiedenen anderen Wahlkreisen den Sozialdemokraten die Entscheidung in die Hand geben.
Enthalten sie sich ber Abstimmung, so haben bie „Reaktionären" ben Vorteil. An bie „Politik ber Bosheit", baß sie absichtlich ber „Reaktion" zum Siege verhelfen sollte, wer „reattionare“ unb Scharfmacher-Waßregeln ihrer Agitation bie besten Dienste leisteten, glauben wir nicht recht. Wohl aber an ihren Eigensinn, ber sagt: mag ba kommen, was ba will, wir bestehen auf unserer Forberung. Daß es auch uns keineswegs lieb wäre, wenn sie au diese Weise der Rechten zur Mehrheit verhülfen, haben wir schon ftüher gesagt. Möglicherweise machen sie aber bie Vorteile, bie fie ben Reaktionären" durch Stimmenthaltung zürnenden, wieder wett durch starke Wahlbeteiligung in Wahlkreisen, wo sie von vornherein auf Mandate nicht rechnen dürfen unb trotz der Parteitags- parole ihre Stimmen ben Liberalen zuwenden.