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druck und Verlag der Fuldaer Actiendrnckerei in Fulda (Harmonie) Fernsprecher Nr. 9.

M 227.

fUlda, Montag, den 5. Oktober 1903.

30. Jahrgang.

Berlin, den 3. Oktober 1903

[:] Der Entwurf zu dem neuen Militär» Pensionsgesetz, schreibt die .Neue politische Korrespondenz', liegt gegenwärtig dem Staats­ministerium zur Beschlußfassung vor. Man hofft in unterrichteten Kreisen, daß es im Januar an den Reichstag kommen wird. Der Entwurf ist in seiner finanziellen Wirkung etwas beschnitten worden. Zwar daß die Höchstpension bereits bei 35jähriger Dienstzeit erreicht wird, ist fest­gehalten ; aber die rückwirkende Kraft ist auf die Kriegsinvaliden beschränkt und bei Friedens­invaliden nur auf die Verstümmelten ausgedehnt. Auch umfaßt die Anfangspension nicht 50/i00 des Gehalts, wie im Gegensatz zu den früheren 15/e0 zuerst geplant war, sondern es ist hierbei eine mittlere Ziffer genommen worden. Die Kosten sollen nicht erheblich hinter 20 Millionen zurück- bleiben.

* Zu den Modifikationen, unter denen die Kanalvorlage von neuem eingebrachr werden wird, soll u. a. der Verzicht auf den Groß­schiffahrtsweg von Stettin nach Berlin gehören, der in der alten Kanalvorlage enthalten war.

** Die vom Reichsjustizamt Anfang d. I. einberufene Kommission zur Vorberatung der Reform der Strafprozessordnung hat von neuem die ganze laufende Woche getagt und sich, wie eine parlamentarische Korrespondenz berichtet, u. a. mir der Frage der Regelung des Vor­verfahrens wie der Voruntersuchung beschäftigt. Heute haben die Beratungen eine vorläufige Unterbrechung erfahren. Die nächste Zusammen­kunft ist für den November in Aussicht ge­nommen, weiter soll im Dezember beraten werden. Ein Abschluß der Tagung ist noch nicht abzu­sehen.

Q Der Generalsekretär des Handelsver­tragsvereins, Dr. Borgim, hat die Mitteilung der .Freisinnigen Zeitung' über die Sitzung des Gesamtausschuffes, in der über das Fortbestehen des Vereins entschieden wurde, in einer an die ,Nattonal-Zeitung' gerichteten Zuschrift durch Bestreiten einzelner Punkte untergeordneter Art abzuschwächen versucht. Damit ist er aber bei der «Freis. Ztg.' schlecht angekommen. Diese fährt nämlich jetzt schwereres Geschütz auf und bringt über den Handelsvertragsverein eine längere Darlegung, die in der Behauptung gipfelt, daß an der Sttmmungsmache für das Fortbestehen des Vereins fast ausschließlich die besoldeten Sekretäre desselben beteiligt sind. Diese scheinen auch seit geraumer Zeit den maß­gebenden Einfluß im Verein beseffen zu haben, und im Laufe der Zeit hat sich in den Kreisen, denen die Verhältnisse bekannt waren, mehr und mehr die Auffassung verbreitet, daß der Verein sich zu einer Versorgungsanftalt für stellenlose Journalisten entwickelt habe. Die,Kreuzztg.' be­merkt spöttisch, sie werde durch diese Enthüllungen 'BWBBBBBMBjttBBibBBMMMliMBMB

Der tzexenpater.

Stählung aus der Zeit deS dreißigjährigen Krieges. Bon Antonie Haupt.

28 ------ (Nachdruck verboten.)

In der Austegung und Verwirrung beachtete keiner die Frauengestalt, welche lautlos und geschmeidig durch das Dunkel glitt. In einer Gaffe, unfern der Mosel, öffnete sie mit dem Schlüssel rasch die Türe einer hohen Gartenmauer, trat ein und schloß sie wieder hinter sich zu. Wüstes Kampfgeiöse drang vom Brückentore in den stillen dämmernden Garten, ein Befitzium der Familie von Zandt.

Jseugard, ffe war eS, schritt sicheren Fußes an Hecken und Gestrüpp vorbei durch den verwilderten Garten nach einem Pavillon, deff.n Umriffe sich eben aus der dämmernden Umgebung abzuheben begannen. Hier tastete sie den Wänden entlang bis zu einem eingemauerten Schrank Lin, sie öffnete ihn und ent­nahm demselben zwei kleine Schlüssel. Damit eilte sie zum Ende des weitläufigen Grundstückes nach der hohen Stadtmauer, welche den Garten nach der Moselseite hin begrenzte und zugleich gegen den Fluß abschloß, ja ihn vor den Wogen schützte. D'cht an der Mauer, unter Dornevgcstrupp und Sand fast verborgen, lag die Falltüre. JsengardS Schlüssel öffnete sie.

Mit großer Mühe hob das Mädchen die Türe empor und stieg in der Finsternis eine steile, schlüpfrige Steintreppe hinab, welche in die Stadtmauer einge­baut war. Uuten vernahm fie ganz deutlich das Geräusch der anprallendrn Moselwoge». „Gott gebe, daß das Pförtchen nicht mehr von den Wellen über» spült ist!" flüsterte Jsengard und fleckte den Schlüssel tn’8 verrostete Schloß.

Diese Tür, welche den größte« Teil des Jahres von der Mosel verdeckt war, hatte nur im Hoch­sommer bei anhaltendem Wassermangel eine Be­

in der Auffassung bestärkt, daß ihr das Fort­bestehen des Handelsverttagsvereins nicht un­erwünscht sein könne. Denn auf diese Weise würden die bedeutenden Summen — der Verein verfügt über etwa 400000 Mark Jahresbei­träge —, die für die Besoldung der Beamten verbraucht werden, der Verwendung für die liberale Agitatton entzogen. Die gleiche Em­pfindung scheint auch die ,Freis. Ztg.' zu haben, denn sie gibt ihren Freunden im Lande den Rat, dem Verein gegenüber fernerhin die Tasche zu­zuhalten und sich ihm gegenüber auf keine neuen Verbindlichkeiten einzulasfen. Die .Köln. Ztg.' ist ebenfalls mit dem Verein wenig zufrieden. Er habe richt den Erwartungen entsprochen, die man bei seiner Gründung auf ihn fetzte. Wenn man glaubte, daß er in ähnlich wirksamer Weise wie der Bund der Landwirte für die Landwirt­schaft eine Vertretung der Handelsstandes werden sollte, so sei er weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben.

* Ein Laudrat, der öffentlich gegen seinen vor­gesetzten Regierungspräsidenten polemisiert, ist lei e alltägliche Erscheinung. Einige jüdische Kaufleute in Oels und Bernstadt in Schlesien hatten sich an den Landrat Grafen von Kospoth mit der Bitte ge­wandt, den sogen. Mutzelmarkt (den Bermietstag für landwirischaftliches Gesinde) mit Rücksicht auf das jüdische Bersöhnungssest vom 1. auf den 2. Okt. zu verlegen. Der Landrat beschied die Bittenden abschlägig; der Breslauer Regierungspräsident ver­fügte aber, baB die Verschiebung erfo'gen s.lle. Daraufhin sieht sich der Landrat Graf v. Kospoth veranlaßt, im .Oelser Kreisblatt' eine amtliche Be- kannimawung zu erlasien. in der er Erst hervorhebt, daß die Verlegung des Mutzeimarkts auf den 1. Okt. durch liebereinfommtn der Landräte von Groß- Warrenberg, Namslau, Kempen und Oels aus zwing nden Gründen und im Interesse der Be­völkerung erfolgt sei und sich gut eingebürgert habe. Die Bitte um Verlegung des Termins sei diesmal von den jüdischen Kaufleuten damit begründet worden, daß einmal sie selbst empfindlich geschäftlich ge­schädigt würden, wenn fie verhindert wären, bet an bicfem Tage in bie stabt hineinströmenden länd­lichen Bevölkerung Waren zu verkaufen, und daß ferner auch das vom Lande kommende Publikum nicht die qewohnte Auswahl an GckchästSlokalen und Waren finden und zum teil ganz verhindert sein dürfte, seinen Besorgungen nachzugehen. Der Laudrat betont, daß er diesem Wunsche nicht enffprochen habe, weil er bei der hinreichenden Anzahl nicht­jüdischer Geschäfte bie in bezug auf ben Vorteil bes Publikums geäußerten Befürchtungen nicht teile, und im übrigen einer einzelnen Klasse bet Bevölkerung nicht bas Recht z> gestehen könne, lediglich im 3Wereffe ihres Gesch äftS auch nur ausnahms­weise die Aushebung einer allgemein bestehenden, aus guten Gründen ewgeführten und nicht ohne Müde eingebürgerten Einrichtung zu beanspruchen, welche an sich einem ganz anderen Zwecke als dem der HÄung des städtischen HandckS diene und nur mittel­bar ihm nutzbar werde. Anders hatte er entschieden, wenn ihm nachgewiesen wäre, daß infolge des Feier­tag» die jüdischen Kaufleute aus Rücksichten des religiöse« Kultus verhi.dert seien, Dienst- btten zu mieten; alsdann hätte er diesen Grund aufgeklärt und trotz der entgegenstehenden allgemeinen Bedenken im Interesse der Gerechtigkeit die Verlegung des BermietstagcS empfohlen. Der Landrat teilt bann bie entgegengesetzte Entscheidung des Regierungs-

ftimmung; fie diente alsdann dem Gärtner, wenn er Erfrischung für feine Wanzen bedurfte, als Ausgang zu den Fluten der Mosel. ■

Mit der größten Kraftanstrengung gelang eS Jsengard endlich das Pförtchen zu öffnen. Sogleich strömten gurgelnde Wellen der« in; doch glücklicher­weise reichten fie der Jungfrau nur bis an'S Knie.

„Dem Herrn sei Lob und Dank!" rang es sich wie ei« Seufzer der Erleichterung über ihre Lippen. Sie drang durch Weiden und Dickicht einige Schritte in's kalte, nasse Element vor und ve, suchte, Umschau zu halten.

Die Morgenröle begann eben emporzuflammen, und deutlich unterschied Jsengard in deren Schein acht große Schiffe auf dem Stromesspiegel. Die Stelle, von welcher die Feldschtangen und Karthaunen der Franzosen Tod und Verderben nieberfanbten, an welcher trotzdem bie Petarben-der Stürmer krachten unb kühne Männer wir Löwenmut die Mauern zu ersteigen sich vermaßen, wurde Jsengard» Auge größtenteils durch einen potspringenden Betteibigungs- turm verdeckt. Ein entscheidender Sturm mußte im Werke sein, daS furchtbare Krachen der Karthaunen, das Aufblstzen der Petarden schien sich zu verdreifachen. Unb bei den Stürmenben waren ihre Brüber, war Er, ihr Helb — Allmächtiger Gott!

Jsengarbs Auge flammte, ihre Brust hob sich unter heftigen Atemzügen. „Ich will, ich muß den Kühnen Hllse bringen! O, sehet hierher, beachtet mein Winken!" rief fie wie außer sich, riß den weißen Schleier, ber ihre Locke« be'edre, vom Haupte und ließ ihn aus und nieder wehen.

„Balduin," hieß das stolze Schiff, welche- am weitesten moselabwärts gedrungen war. „Balduin" war es getauft zu Ehren des großen Trierer Kurfürsten aus dem Hause Luxembmg.

Am Burgsprier ft ar d Graf von Ewbden, der Statthalter von Luxemburg und schaute ernsten Blickes hinüber ndch den stark besetzten Mauern der Stadt. Jetzt zuckte er fasi unmerklich zusammen.

Präsidenten mit und schließt seine Bekanntmachung mit folgenden Worten: „Indem ich diese Weiiung meiner vorgesetzten Dienstbehörde hierdurch pflicht- mäßig Folge leiste, habe ich es doch für erforderlich erachtet, bie Gründe für meine entgegengesetzte Stellung zu dieser Frage — auch mit Rücksicht auf die poli­tischen Zustände im hiesigen Wahlk eise — an dieser Stelle amtlich bekannt zu geben, um ersichtlich zu machen, daß keine bloße Willkür ihr zugrunde liegt."

*, Die „Erklärungen" im .Vorwärts' werden fortgesetzt. In der Samstagsnummer fandon sich deren wieder vier unb die Ankündi­gung einer weiteren von dem Abg. Heine, die zu spät eingegangen ist. Zuerst kommt die giftige Rosa Luxemburg zum Wort. Sie wendet sich gegen den Genossen Heine, der auch fie syste­matisch zu verunglimpfen suche, und stellt fest, daß fie für die Vorbereitung sozialistischer Ideen tätig war, lange Jahre bevor Heine durch seine Kanonenrede sich in der Parteitättgkeit zuerst hervorgetan habe, und wahrscheinlich schon zu einer Zeit, wo er noch tief in den Vorurteilen der Pückler-Bande stak, die ihm noch jetzt in hohem Maße anhafteten. Die rabiate Genossin stellt „öffentlich die Frage, ob ein Mann geeignet ist, eines der höchsten Vertrauensämter in der Partei zu bekleiden, der sich mit seiner Ausländer­hetze moralisch aus das Niveau der preußischen Polizei und mit seinen antisemitischen Invektiven auf das Niveau des Grafen Pückler stellt und der zweimal eine Handlung öffentlich begangen hat, die objektiv eine Denunziation von Genossen an die Polizei bedeutet?" Die Genoffen Dr. Braun und Bernhard verteidigen sich gegen die Angriffe Hardens — indem sie bitten, das Urteil der „zuständigen Instanzen" abzuwarten. Der Genosse Harndt konstatiert endlich unter Bezugnahme auf die humoristische Haltung Fischers, „daß wir auch eine Spezis von Revi­sionisten haben, welche an die unbefleckte Em­pfängnis der Jungfrau Maria und an die Un­fehlbarkeit des Papstes glauben". Kann es noch tiefer gehen mit diesen und anderen Stänkereien? Aber nur zu! Uns soll's recht sein. In der Breslauer sozialdemokratischen .Volksmacht' ver­öffentlicht der Abg. Eduard Bernstein für seine Breslauer Wähler eine längere Erklärung zu den Resolutionen des Dresdener Parteitages, worin er das generelle Verbot der Mitarbeit von Ge­noffen an bürgerlichen Blättern bedauert, weil diese Frage im Interesse des Broterwerbes der Betroffenen nur von Fall zu Fall beurteilt wer­den dürfe. Den Parteibeschluß in der Vize- Präsidentenfrage respektive er, bedauere ihn aber. In Sachen des „Revisionismus" werde er nach wie vor betonen, daß die Partei schrittweise von ab­strakter Verneinungspolitik zur Mitarbeit an politischen Dingen sich entwickelt habe und weiter entwickeln müsse. Geht das nicht direkt gegen den Parteitagsbeschluß von Dresden, wodurch der Revisionismus und die Mitarbeit an politi­schen Dingen in Acht und Bann getan sind? .

Ausland.

* Brüssel, 3. Okt. 1903. Die Konferenz für internationales Recht trennte sich

„Ich glaube gar, unsere Leute wollen das Unmögliche versuchen. Sie legen Leitern an, ja fie wollen trotz aller wehrenden Hellebarden und Kolben, ungeachtet ber rastlos arbeitenden Geschütze todesttotziz bie Mauern erklettern," wendete er sich an den neben ihm stehenden Werner von Zandt. „Ah, wahrlich, das find Euere Landsmänner, Herr von Zandt, das find unsere junger Trierischen Edelleute! Weich' ein Be­ginnen ! Bei Gott, das ist Graf Kksselstatt, ich erkenne ihn an der blauweißen Schärpe, er stürmt Allen voran, und jetzt — steht er oben, wahrhaftig oben auf der Stadtmauer und haut voll herkulischer Kraft mit dem Schwerte nach allen Seiten, wie Sanft Georg. Hier müßte dennoch ein Wunder geschehen, wenn er uns erhalten bliebe, denn der Graf ist mehr als mutig, er handelt fast tollkühn."

„O, daß wir ihm Hilfe leisten könnten!" knirschte Werner. „Er ist verloren. Gibt es denn kein Mittel, ihm beizustehen?'

Mit bleichen Wangen und starr aufgerissenen Augen eilte ein Soldat herbei.

„Skht, o seht die Wasserjungfrau, die Moselsre!" rief er. „Sie taucht empor über die Wellen, fie ringt die Hände, fie winkt mit ihrem weißen Schleier! Sie ganze Mannschaft hat fie geschaut. Wir alle sind deS Todes."

„Wahnsinniger, was faselst Du?" herrschte Graf Embden unwillig ben Sprecher an.

„Mein Feldherr, schaut doch selber die Waffer- iungfrau. Seht, wie sie zur Tiefe winkt. DaS be­deutet Tob!" stammelte der Bursche.

„Feigling!" murmelte ber Statthalter. Er ver­folgte aber unwillkürlich mit dem Blicke die ange- beutete Richtung, kniff bie Augen zusammen und ver­setzte staunend:

„Da gewahre ich freilich im Woffer eine unge­wöhnliche Frauewrscheinung; fie macht uns Zeichen und scheint sich mit uns verständigen zu wollen. Da heißt's behutsam prüfen. Sie tarnt ebenso gut wohl­meinende Freundin, wie listige Feindin sein."

nachdem beschlossen wurde, die nächste Konferen' 1905 in Christiania abzuhalten. Zu der er" warteten Debatte über die Mittel zur Bekämpsmig der Anarchie reichte d ie Zeit nicht mehr aus. Eingehend diskutiert wurde noch die Frage, ob Bedürftige durch die Anwälte ohne jede Ent­schädigung zu verteidigen seien oder ob der Staat oder die Gemeinde diese Entschädigung zahlen müsse. Eine Einigung über bie;en Punkt wurde nicht erzielt.

* London, 3. Okt. 1903. Der englische Somalifeldzug soll, wie es scheint, jetzt wieder eifriger betrieben werden, nachdem die zahlreichen Fehlschläge einen Stillstand in dem­selben herbeigeführt hatten. Entgegen der Be­hauptung, daß die englische Regierung die So­malilandkampagne ausgegeben habe, wird ge­meldet, daß sie soeben acht Schiffe gechartert hat, um Waffen, Kriegsvorrat und Mannschaft aus Indien nach dem Somalilande zu über­führen.

* Wien, 3. Okt. 1903. Als Ergebnis der Beratungen in Mürzsteg werden in kürzester Frist gleichzeitig von Oesterreich und Rußland in Konstantinopel und Sofia gleichlautende Noten überreicht werden. Der Zar ist gegen jede bewaffnete Intervention auf dem Balkan. Weiter wird gemeldet: Die eingehenden Be­sprechungen zwischen dem Minister Goluchowski und dem Grafen Lambsdorf, die gestern beendet wurden, führten ein vollkommenes Ein­verständnis über alle Gesichtspunkte der politischen Lage herbei.

* Budapest, 3. Okt. 1903. Das Abge- ordnetenhaus hielt heute wiedereine Sitzung ab. Die Minister sind zu derselben nicht er­schienen. Abg. Hollo (Szederkennyipartei) be­antragte eine Resolution, in der die Entlassung der Soldaten gefordert wird, die ihr drittes Dierstjahr fgeleistet haben. Thot (Kossuthpartei) fragt, ob der Finanzminister während des ex Ivx-Zustandes einen Beitrag für die Erhaltung der gemeinsamen Armee geleistet habe. Polannyi ruft laut: Man muß den Finanzminister vor den Reichstag zitieren. Seitens der Kossuthpartei wird die Abhaltung einer geschloffenen Sitzung beantragt, um das Nichterscheinen der Minister zu der Sitzung zu erörtern.

* Lemberg, 3. Okt. 1903. Nach hier ein­getroffenen Privatmeldungen sollen neuerdings am 30. September in Mohilew (Rußland) blutige Straßenkämpfe zwischen Juden und Bauern der Umgegend stattgefunden haben. Angeblich sollen 300 Juden und über 100 Bauern getötet worden sein.

* Konstantinopel, 5. Okt. 1903. Reuter Bureau meldet: Nach in Sofia eingegangenen Nachrichten hat an der Grenze des Vilajets Adrianopel ein Gefecht zwischen einer Schwa­dron Kirgisen-Artillerie unb bulgarischen Truppen stattgefunden. Angeblich sollen 30 Türken ge­fallen sein. — Bestätigung dieser Meldung steht noch aus.

* Athen, 4. Okt. 1903. Prinz und Prin­zessin Nikolaus von Griechenland sind gestern abend nach Darmstadt abgereist.

Werner von Zandt aber jubelte:

„Das ist ja Isa, meine liebe, kluge, verwegene Schwester Jsengard! Ich Tor, daß ich selber nicht an unser winziges Gar tenpförtlein in ber Stadt­mauer dachte! Ich war freilich zu lange von ber Heimat weg; unb wir Männer kümmern uns um alles andere mehr, als um bie Gärtnerei. Und nun öffnet uns Isa ben Weg in bie Stabt. Nun können wir ben Franzosen in ben Rücken fallen, ©teuer« mann, lenkt bas Schiff auf jene Stelle ber Stadt­mauer zu, von wo bie Jungfrau uns winkt!" be­fahl er.

Eine Hand legte sich auf feine Schulter.

„Halt, Herr von Zandt. Die Sache kommt mir unglaublich vor. Warum ließen bie Franzosen bas Pförtlein nicht zumauern?" fragte ©robben.

Werner lachte lustig.

„Weil sie nichts bavon wußten, Herr Gras. Die Mosel ftebt ja meistens darüber, unb wenn bas mal nicht der Fall ist, so verbacken bie bohen Weiden voll­kommen bas Türchen. Folgt dem Winke meiner Isa. ES ist höchste Zeit!"

„Nur zu, in Gottes Namen, wenn daS kein Hinter­halt ist," rief Graf Embden, u»d gab dem Steuer­mann einen Wink, worauf das Fahrzeug pfeilschnell bis in bie Nähe ber Stadtmauer glitt. Dann eilten die kriegerischen Insassen des Schiffes leise unb geschwind die Treppe hinauf.

Jsengard fühlte sich einen Augenblick von ben Armen des Bruders umfangen, hörte den hastig ge­sprochenen Dank deS Statthalters; bann stürzten alle auf die Straße.

Aus dem nahen BerteibigungSturm hatten die Franzosen ben Vorgang bemerkt und Ireßen ihre Fc verschlangen nach dem Gatten hin spielen.

Welcher der Kämpfer beamtete eS, daß bie Jungfrau mit einem leisen Wehlaut getroffen zu Boden sank! Ans dem Brückenwalle fehlen der todesmutige Helb, Graf Keffelstatt, wahrlich seiner gewaltigen Kraft zu viel vettrant zu haben, et focht allein in einem