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Maer

3 Jahrgang.

fUlfla, Samstag, den 3. Oktober

haben Berufung eingelegt.

gewesen sein. , _ „,

In Frankreich hat Mannemimster Pelletan, der sich mehr durch Streitsucht und undiplomatische Großsprecherei als durch Fähigkeiten und Leistungm in Marine-Angelegenheiten auszeichnet, emen neuen Konflikt heraufbeschworen. Er hatte dem Chef des Geschwaders im äußersten Orten, Admiral Marechal, wegen emes Vorkommnisses in Jndochina erne Rüge erteilt. Die Rüge beruhte nicht allein auf unrichtiger Information, sondern war auch in einem ganz rück­sichtslosen und beleidigenden Tone gehalten. Der Admiral schrieb darauf eine so gepfefferte Antwort an Herrn Pelletan, wie sie ein mflitärischer Vorgesetzter selten von einem Untergebenen erhalten haben dürfte, uiid sorgte auch dafür, daß die Sache mcht geheim blieb Der wütend gewordene Marineminister setzte es daraufhin durch, daß Marschal seinen Abschied er- hielt. Die öffentliche Meinung ist entschieden gegen den Marinem nister und die Presse liest ihm gründ­lich den Text.? _ , .

In Rußland ist der Chef der Staatspolizei, Staatsrat Subatow, plötzlich seines Postens enthoben und nach dem Gouvernement Tambow verbannt worden. Er hat bei den Unruhen, die in verschiedenen Orten des Landes vorgekommen sind, seine Hände im Spiel gehabt und durch seine Agenten zu Straßen­kundgebungen usw. aufteizen lassen. Wahrscheinlich hat er aber nur im Auftrage des Ministers Plehwe gehandelt. — Bei der gewaltsamen Wegnahme des armenischen Kirchenvermögens durch russische Beamte kam es auch in Schuscha zu blutige« Zusammenstößen der Volksmenge mit Polizei und Kosaken. Es gab

Dieser Tage bin ich in Düsseldorf gewesen und habe zu meinem Erstaunen gehört, daß ich dort unabsichtlich eine „Frauenbewegung" ange­stiftet habe. Vor fünf Wochen habe ich bekannt­lich bei der Besprechung des Kölner Katholiken­tages ein altes Steckenpferd geritten, nämlich für eine Frauenversammlung gesprochen. Um zu zeigen, wie leicht sich die Sache machen ließ, hatte ich gleich den Entwurf der betreffenden Be­kanntmachung hinzugefügt: „Sonntag nachmittag 3 Uhr, im großen Saale der Bürgergeiellschaft Vortrag des P. Auracher, Vortrag des P. Dal-

Hrschebü täglich? «it Ausnahme der Seit* H*b$ei«toge. viertel- Mel. Bezugspreis ohne vringerlohn und veßeLgeld in 8«lda und auswärts tM. 50 psg

Verantwortlicher

S8E. w°ch°nb°u°g°-„Mu!tmrte Sonntagszeitung"

Monatrdellage: ,,§Ulbü6t Geschichtsblätter"

Unpolitische Zeitläuse.

(Nachdruck verboten.)

D Berlin, 1. Okt. 1903.

Lnzeigen: Vie ehu spaltige Petitzeile oder deren Raum 15 yfg- Reklamen die petitzeil« 25 pfg.; bei Wieder­holungen wird eutspr.

Rabatt gewährt.

—v-O-*--

Druck und Verlag der ZuldaerActiendruckere' in $ulba (Harmonie!

Fernsprecher Nr 9.

schwieriger werdender, Aufgaben im Erwerbsleben und im Familienleben gewachsen sind. Es ist jetzt längst nicht mehr so leicht für ein werbliches We>en, sich die befriedigende Stellung tm Leben »u sichern, wie noch vor einem Menschenalter, und die Hausfrau von heutzutage muß viel mehr Kenntnisse, Geschick, Fleiß und Charakterstärke entwickeln, wenn sie ein wirkliches Fannttengluck begründen und die Kinder zu tüchtigen Mitgliedern der neuzeitlichen menschlichen Gesellschaft erziehen

matius uiw." Von dem großen Saale der Bur- ' gerqesellschaft sprach ich beispielsweise, weil dort ' in Köln die geschlossenen Generalversammlungen abgehalten wurden. Nun erfreuen sich die Düssel­dorfer auch einer Bürgergesellschaft Einige Düsseldorfer Leser müssen wohl dieser Stelle der »Unpolitischen' mißverstanden haben oder es muß sich im Gespräche über diese An- gelegenheit ein Irrtum gebildet und verbrei.et haben, — genug, an dem folgenden Sonntag füllte sich die Schadowstraße in katholischen Frauen, bie der vermermltchea Frauen^ Versammlung in tv. T2:

wollten. Die Enttäuschung war groß, als sie nicht die beredten Patres zu hören bekamen, son­dern vielmehr die Stimmen der würdigen Haus­verwaltung, die den schönen Versammlungstraum zerstören mußte. Ich bitte die Düsseldorfer Damen, es mir nicht nachzutragen, wenn ich un­willkürlich eine Störung ihrer Sonntagsnachmit­tagsruhe veranlaßt und eine Hoffnung erweckt habe, die vorläufig noch nicht befriedigt werden konnte. Aber die Unannehmlichkeit wird doch vielleicht nicht ganz fruchtlos bleiben. Der Zwischen­fall zeigt doch deutlich, daß unter den katholischen Frauen ein gewisser Hunger und Durst nach einer derartigen Veranstaltung besteht. Die Vor­stellung, den P. Auracher über die katholische । Frau als Schöpferin und Hüterin des häuslichen Glückes, den P. Dalmatius über die katholische Frau als Helferin und Trösterin im Unglück von einer weltlichen Tribüne reden zu hören das war ein so verlockendes Bild, daß eine ganze Schar von Frauen fich dadurch hinreißen ließ, das Wenn und Aber in einem Artikel zu über» | sehen und die Zukunftsmupk für Gegenwarts- Klänge zu nehmen. Was die katholischen Düssel­dorferinnen so lebhaft wünschen, wird auch an­derswo wohl Bedürfnis und Begehr fein. Warum sollte man nicht einmal an einer geeigneten glätte und zu einer geeigneten Zeit den Versuch machen für eine größere Versammlung von katholischen Frauen zur Besprechung in weltlichen Angelegenheiten, zur Erbauung weiblicher Herzen, zur Pflege weiblicher Tugenden, zur Verherr­lichung und Vervollkommnung des katholischen Familienlebens!

„Emanzipation", „Frauenrecht" und dergleichen moderne Strömungen haben mit dieser einfachen Sache nichts zu tun. Die modernen Frauen­rechtlerinnen haben kürzlich zwei Kongresse zu gleicher Zeit gehalten, und beide haben aus mich nur abstoßend gewirkt. Diese „Vorkämpferinnen", ! die ohne Rücksicht auf das göttliche Gesetz und ; die geschlechtliche Entwickelung die Verhältnisse ; nach den Einfällen ihrer schönen Köpfchen um- werfen wollen, tun ihrem Geschlechte keine guten Dienste. Alles Manmveibertum kann nur dazu dienen, die Achtung vor dem weiblichen Geschlecht und den Einfluß desselben zu schädigen. Sehr bezeichnend ist es, daß die emanzipierten Frauen sich in erster Linie in die häßliche Frage der öffentlichen llnsittlichkeit einbeißen und in dieser Beziehung Beschlüsse fassen, die sich aus eine nebensächliche Äußerlichkeit beziehen, und zwar unbesonnene Beschlüsse, die zu sehr schlimmen Folgen führen könnten, wenn nicht verständige Leute die Durchführung verhinderten. Das Nebel der Unstttlichkeit kann nur durch eine gründliche Kur des Volkskörpers, durch Zusammenwirken der Religion und der Sozialreform geheilt ober — da die Menschheit unter dem Fluch der Sünde steht — gemildert werden. Wenn die modernen Aufklärungsftauen nichts besseres zu tun wissen, als mit verwegenen Miltelchen an einem Symtome dieser Krankheit blindlings zu kurpfuschen, dann ist das ein sehr schlechter Be-1 fähigungsnachweis.

Andererseits muß man anerkennen, daß fich neuerdings auch unter diesen „aufgeklärten" Frauen wieder Stimmen erhoben haben, die den unübertrefflich hohen Wert der Mutterwürde preisen. Das ist ein gesunder Rückschlag, und man kann nur wünschen, es möge sich auch dort, wo man das Geheimnis der heiligen Familie nicht mehr gebührend beachtet, wieder die natür- liehe Erkenntnis durchringen, daß die tüchtige Hausfrau und Mutter sich mehr Verdienste er- wirbt, als die „gelehrte" Frau, die den Männern die sogen, höheren Stellungen wegschuappm will.

Von den A u s w ü ch s e n der modernen Frauen­bewegung müssen wir unsere Frauen und Töchter bewahren. Aber wie? Durch Absperrm und „Dummhalten" nicht, sondern durch eine ange­messene gründliche Bildung im rechten Geiste und durch Pflege der echten, christlichen Weiblichkeit. Kopf, Herz und Charakter des katholischen Mannes sucht man mit allen Kräften zu bilden, daß er den neuzeitlichen Ver­hältnissen und den höheren Anforderungen ge­wachsen fei. Nun, wir müssen auch das nötige tuen, daß die katholischen Frauen und Mädchen

I in die gegenwärtige Welt passen, d. h. den stets

um eine Erklärung über die jüngste Rede des öster­reichischen Ministerpräsidenten v. Korber 'm öfter- reickischen Abgeordnetenbause abzugeden. v. Korver hatte qeäußertz daß Oesterreich in °llen das gemein- same Heer betreffenden Angelegenheiten das Rech) habe, gehört" zu werden und er (v. Korber) berechtigt er, die Armee zu verteidigen, wenn er glaube, daß deren Interessen durch die andereReichsbälste nicht genügend gewahrt würden. Graf Khuen Hedervary hatte gegen diese Äuffassuna nichts einzuwenden und bemerkte, daß er gegebenenfalls dasselbe Recht gegenüber Defterretd; beanspruchen würde. Diese Erklärung Mel aber Kos- suth nicht; er beantragte, daß am nächsten Tage über sie debattiert werde. Da auch viele Liberalen mcht befriedigt waren, wurde der Antrag angenommen. Darauf reichte Graf Khuen-Hedervary dem Kaiser telegraphisch seine Entlassung em. Man ist also wieder so weit wie vor einigen Wochen. Die Liberalen wollen völlige Trennung der ungarischen Armee von der österreichischen. Mit schwächlicher Nachgwbtgtet^ wie fie der Kaiser nach dem erfreulichen Armee-Ettaß alsbald wieder gezeigt hat, bringt man diese anmaßende Gesellschaft nicht zur Raison. Will man nicht den österreichisch-ungarischen Staat durch die maygarrsche Minderheit zu Grunde richten lassen, so wird es hohe Zeit, daß man den unverschämten „Söhnen Aryads den Daumen kräftig aufs Auge drückt unv der Mehr- beit der übrigen Nationalitäten Ungarns Lust schafft gegenüber dem brutalen Gewaltregiment dieser Gerne­größe. — Am Mittwoch traf der Zar zum Besuche des Kaisers Franz Joseph m Wien ein. Der arme Franz Joseph wird nicht in der fteuügften Stimmung

Düsseldorf mit will. Die braven Frauen fühlen selbst, daß jetzt k>n die der cerntetutLtctje.i Frauen» viel mehr von ihnen verlangt wird, un f h d" b*lb em f.«« •

und beste Quelle ihrer Kraft ist die Kirche. Aber wie der katholische Mann sich nicht mit der Predigt von der Kirchenkanzel begnügt, sondern durch Vorträge von weltlicher Stelle, die weiter und freier ausgreifen tonnen in das irdische Getriebe, sich zu bilden und zu stärken sucht, so soll man auch der katholischen Frau nicht verwehren, an dem Becher der Ver­sammlungs-Freiheit wenigstens zeitweise zu nippen. Gewiß, Frauenvereine im engeren Rahmen find sehr schön und dürfen unter etwaigen größeren Veranstaltungen nicht leiden. Das tun sie aber auch keineswegs, wenn von Zeit zu Zett emmat eine große Frauen-Versammlung mit Vortragen von hervorragenden Kräften abgehalten wird. Von der Begeisterung und Erbauung gut auch öas triviale Wort: die Masse muß es bringen. Das i „Gesetz der großen Zahl" spielt da eme psycho­logische Rolle. Ein größerer Raum, gefüllt nut gleichmäßig angeregten Gesinnungsgenossen, wird von einer ganz andern Stimmung durchweht, als ein kleinerer Zirkel. Das haben die Manner längst und sehr reichlich ausgekostet auf den großen Versammlungen, die wie ein wahrer Jungbrun­nen auf Geist und Charakter wirken. Und wo es da eine reservierte Ecke für Frauen gibt, da ist sie überfüllt, obschon die Verhandlungen aus das männliche Geschlecht zugeschnttten find. Da­nach kann man doch wahrlich leicht ermessen, welch ein Genuß und welch' ein Segen besondere grauen» Versammlungen werden können. .

Beim ersten Versuche kann man sich ja damit begnügen, erprobte Männer reden zu lassen. Die Sache wird sich dann von selbst schon dahm weiter entwickeln, daß auch tüchtige Frauen zur Belehrung und Erbauung ihrer Mttschwestern das Wort ergreifen. An Beredsamkeit fehlt e8 ja im allgemeinen dem weiblichen Geschlechte nicht; mancher Ehemann sagt sogar: im Gegen­teil ! Wenn eine erfahrene, verständige, durch­gebildete Frau zu Frauen spricht, so wird dre Verhandlung erst recht praktisch werden, nament­lich in dem allerwichtigsten Punkte der Kindererziehung und dann auch tn dem sehr wichtigen Punkte der H aus h alt f ü h r uu g. Kochen, Waschen, Reinemachen rc. find nach männlichen Begriffen sehr prosaische Dinge, die sich vermeintlich „von selbst" abspielen. Aber es sind in der Tat Dinge, die das häusliche Glück, die Gesundheit und die Gemütlichkeit wesentlich bedingen, und zugleich Dinge, die eine bedeutende Kunst und einen großen Fleiß erfordern. Ich : würde z. B. in der jetzigen Jahreszett einen Vortrag Vorschlägen über das^ anscheinend , > | trockene und in Wirklichkeit so ^alt^chwere Thema: Was hat die Hausfrau für den Winter und im Winter zu tun? Oder noch trockener ausgedrückt: Ofen unb Lampe. Darüber ließe sich nicht bloß viel Lehrreiches »"d Nütz­liches, sondern auch viel Schönes und Erbau­liches sagen. Ich bin keine sachverständige Saus' frau und habe auch hier keinen Platz mehr zu einem solchen schriftlichen Vortrage. Aber ich darf doch wohl kurz sagen, sowohl sur Haus­väter als für Hausfrauen: Setzt die Oesen rechtzeitig in guten Stand, sorgt für den Vor­rat an Brennmaterial, da es im butter selbst teuerer zu werden pflegt! Schleppt nicht schlech Lampen durch den Winter, sondern legt lieber etwas mehr für eine gute Lampe an; ihr 1pan es am Oel bald wieder heraus und babt daS bessere Licht und die reinere Lust noch dazu. Jedenfalls sorgt für frische Dochte und ganze, unversehrte, gut passende Zy ander.

Tote und Verwundete.

In Mazedonien geht es in alter Weise weiter. Ab und zu größere oder Heinere Scharmützel zwischen Aufständischen und türkischen Truppen; dazwischen vi-l Sengen, Brennen, iViorben, Plündern und Stehlen in den unglücklichen Ortschaften, die bald von den Ausstä.dischen, bald von den Türken heimge^ucht werden. Daß die Beschwerden über die türkischen Greuel nicht unbegründet sind, steht fest. Rußland ] und Oesterreich Haben deswegen ernste Vorstellungen bei der Pforte erhoben. Auch haben sie wieder einmal energisch gedrängt, daß die Pforte mit den Reformen endlich Ernst mache. England bat der Pforte erklärt, daß sie ebensowenig wie die Bulgaren auf englische Unterstützung beim Widerstande gegen die Reformen rechnen dürfe. Die energischen Vor­stellungen Oesterreichs und Rußlands in Sofia scheinen nicht ohne Eindruck geblieben zu sein. Die bulgarische Regierung erklärte fich bereit, mit der Türkei in Ver­handlungen über die Mittel zur Beruhigung Maze- donienS einzutreten. Der Sultan setzte bereits eine Kommission zu diesem Zwecke ein. Inzwischen hat aber der bulgarische Ministerpräsident Petron sich wieder recht kriegslustig geäußert.

In Serbien wurden die Offiziere, die wegen des Komplotts gegen die Kömgsmöder angellagt waren, sämtlich verurteilt. Die beiden Rädelsführer wurden mit zwei Jahren Kerker und Verlust der Offizierscharge bestraft; 25 andere Angeklagte erhielten Kerkerstrafen von 1 Monat bis zu 1 Jahr. Alle

wochrn-Rundfchau.

(Nachdruck verboten.)

□ Fulda, 3. Okt. 1903.

Nachdem die preußischen LanotagSwahlen auf den 12. und 20. November an beraumt worden find, hat die Zentrumsfraktion ihren Wahl­aufruf veröffentlicht. Sie wirst darin einen Rück­blick auf die abgelaufene Legislaturperiode und erör­tert bann die wichtigsten Fragen, die den Landtag tn der nächsten Zukunft beschäftiaen werden: Schulfrage, kirchenpolitische Frage, Polenfrage. Wenn ße dieFor^ berung der Freiheit und Selbständigkeit ^er K-rche ge­bührend betont, so erhebt sie zugleich enNchieden Pro­test gegen die mannigfachen Versuche, durch die un­wahre Behauptung der Bewegung und Begünstigung der Katholiken den konf-sfio nellen Frieden zu stör-n Solche Versuche wurden auch wieder am Sonntage auf dem Delcgiertentage oer preußischen Nationallibe­ralen in Hannover gemacht. Auch da wurde, von ver­schiedenen Rednern wieder behauptet, der Grundsatz der Parität werde zu gunsten der Katholiken verletzt und ba3 Zentrum lasse fich seine Zustimmung zu den notwendigen nationalen Forderungen mi- allen mög­lichen Zugeständnissen bezahlen. Irgend welche Be­weise für solche Behauptungen werden niemals für nötig gehalten. Die Hauptsache ist, daß man den katholikenfeindlichea Instinkt protestantifcher Wähler ausnutze. Darum wurde in Hannover auch Müder großer Lärm gemacht wegen der „Gefahr", die der Schule vom Zenirum drohe. Da die Konservativen ebenfalls die christliche und konfessionelle Schule gesetz­lich ficvcr stellen* lvollen, wend, t sich der nationallibe­rale Kampfruf auch gegen fi. Die „konservativ kleri­kale Reaktion" muß niedergeworfen werden, das ist der leitende Gedanke deS in Hannover beschlossnen Wahlaufrufs. Der Vorschlag der „Jungen", fich mit den Sozialdemokraten gegen die „Reaktion" zu ver­bünden, fand auf dem Delegiertentag gar k-inen An­klang- Man scheut im Patteiintereffe das offene Bündnis denn doch. Daß man im geheimen vielfach mit den Genossen sympathisiert, konnte man aber gleich­falls erkennen, wenn man es von den Reichstags- wahleu her noch nicht wußte. Hoffentlich folgen die Zentrumswähler in geschloffenen Scharen dem Ruf der Fraktion zur Beteiligung an der Wahl. Das ist um so notwendiger, als diesmal bekanntlich die Sozial­demokraten ebenfalls wähl-n wollen und das leicht Ueberraschungen geben könnte. Daß die National- liberalen mit ihrem Kulturkampfgeschrei das Zentrum

niebertoerfen werden, befürchten wir nicht.

Der sozialdemokratische Parteitag in Dresden wird die Gemüter der Genossen wohl noch eine zeitlang in Erregung halten. Das Echo, das die Verhandlungen diese« „Arbeiterparlamentes" in der sozüttdemokraüschen Presse gefunden haben, klingt sür die Beteiligten wenig schmeichelhaft. Die meisten Blätter halten zu Herrn Beber; fie sprechen daher ihre Genugtuung über seinen „Sieg" aus und suchen den Zank als etwas nebensächliches hinzustellen gegenüber der Tatsache, daß der Parteitag sich einmütig auf den 'Boden des Klassenkampfes gestellt und die Resolution gegen den „Revisionismus" fast gar keinen Wider­spruch gefunden habe. Aber ihr Unbehagen über die Dresdener Vorgänge können sie dock nicht verhehlen und da wird bann dem Diktator Bebel mehr oder weniger deutlich gesagt, daß er gut täte, fich etwas mehr zusammenzunehmen und weniger herrsch- und streitsüchtig aufzutreten, sckon damit durch die ab­stoßenden Zänkereien den Genossen im Lande die Agi­tationstätigkeit nicht unnötig erschwert werde. Die von Freunden des „Revisionismus" geleiteten Blätter sprechen in schärfster Weste ihren Verdruß über den kläglichen Verlaus deS Parteitages aus und schieben Bebel die Schuld zu.

In Bayern wurde am Dienstag der Landtag wieder eröffnet. Die Lage hat sich wesentlich geändert, -feit der Landtag im Sommer vorigen Jahres uatfi schäften Kämpfen mit der Regierung auseinanderge­gangen war. Ministerpräsident Gras Crailsheim ist ge­gangen; Herr v. Podewils ist an seine Stelle getreten und damit ist die Stellung der Regierung zum Zen­trum eine wesentlich bessere geworden. Eine Hauptauf­gabe des Landtags in der kommenden Saison ist die Wahlrechtsreform. Bei der Vorlegung des Etats gab der Finanzminister gleich seiner Sehnsucht nach der „Reichsfinanzreform" Ausdruck.

In Oesterreich hat das Abgeordnetenhaus der abgeänderten Rekrutenvorlage zugeftimmt und die Militärverwaltung ihre Verfügung wegen der Zurück­haltung des dritten Jahrganges zurückgevommen. — In Ungarn geht noch immer alles drunter und drüber. Ein paar Tage lang schien es, als sei die Krisis mit dem abermals an den Grafen Khuen-Hedervary er­teilten kaiserlichen Auftrage zur Bildung deSMinisteriums und mit dem kaiserlichen Handschreiben, das den Ar- utee-Erlaß erläuterte, in der Hauptsache überwunden. Die Liberalen geben fich eiustweil-n zufrieden. Am Dienstag leistete im Abgeordnetenhause der Abgeordnete Barab iS von der Koffuth-Partei, der in der letzten Sitzung den Kaiser beleidigt hatte, Abbitte, die Liberalen ließen erklären, daß die Angelegenheit des Armee-Er­lasses durch die Erläuterungen des kaiserlichen Hand­schreibens filr sie erledigt sei, und alles schien gut zu gehen. Da ergriff aber auf Veranlassung der Liberalen Ministerpräsident Graf Khuen-Hedervary da« Wort,

Römischer wochenbrief.

[♦*] Rom, 29. Sept. UO3.

XVI (Nachdruck verboten.)

Es ist selten ein deutscher Forscher in Rom selbst durch einen Papst so geehrt worden, wre unser Landsmann, der Archäologe und Rata* kombenforscher Dr. Joseph Wilpert. Sern neuestes, soeben vollendetes großartrges Werk über sämtliche in den hiesigen Katakomben vor­kommende Gemälde ist eine der interessantesten Arbeiten auf dem Gebiete der- christlichen Archäologie und wirkt schon aus dem Grunde

»Zweites BlatM