Einzelbild herunterladen
 

>S60

flllda, Samstag, den 3. Oktober 1903.

M 226.

30» Jahrgang.

äußert,daß er nichc gewollt fei, sein Mandat bei einer so frivolen Mißkreditierung weiter« zuführen". Göhre dürfte von dem Idealismus, in dem er der Sozialdemokratie beitrat und den er auch bei dieser vorhanden glaubte, durch die Erfahrung weniger Jahre wohl einigermaßen kuriert sein. Gegen das Banausentum, die Gist- michelei und Neidhammel», die ein Bebel dirigiert, kann ein anständischer Mensch nicht leicht aufkommen, wenn er nicht ein so dickes Fell hat wie Bebel und feine Schildknappen. Mit Idealismus ist gegen die Proletarier-Ver- bissenheit nicht aufzukommen. Göhre hatte zu allem anderen noch das gegen sich, oaß er früher protestantischer Prediger gewesen war und von dem Christentum, wie er es ver­stand, auch als Sozialdemokrat nicht lassen wollte. Bei einer Partei, die die Religion offiziell als Privatsache erklärt, tatsächlich sie aber bekämpft, mußte ein solcher Mann immer Mißtrauen erregen, und wenn er es nun noch mit dem herrsch- und verfolgungssüchtigen Demagogen Bebel verdarb, so war feine Sage doppelt schwierig.

Anzeigen: vie ein­spaltige petitzeile ober deren Raum 15 pfg ReNamen die petitzell« 25 pfg; bei Wieder­holungen wird eutspr. Rabatt gewShrt.

Druck und Verlag der Zuldaer Actiendruckerei in Zulda (Harmonie) Zerusprecher Rr. 9.

«scheint täglich, mit Kurnahme der Sonn» «d Zeiertage. viertel- Mrl.ve;ng«pr>err ahne vringerlohn und DestellgeldinZuldaund tnsroärts \ M. 50 pfg.

Verantwortlicher

Deutsches Reich.

Berlin, den 2. Oktober 1903

§§ Wiederum ist die »Kreuzzeitung^ in die ihrnicht gerade angenehme" Notwendigkeit versetzt, sich gegen eine Ungezogenheit eines Organs des Evangelischen Bundes zu wehren. Die im Auftrage des Bundes leraus- gegebene ,Kirchliche Korrespondenz", als deren verantwortlicher Redakteur Prof. Dr. Witte in Halle a. S. zeichnet, bringt über die Ulmer Generalversammlung des Bundes einenkurzen Bericht für kleine Zeitungen", und in diesem heißt es u. a.:Daß im Evangelischen Bunde treu und fleißig gearbeitet wird, bezeugte auch der diesjährige Jahresbericht. Es geht voran, und das deutsche Volk sieht immer mehr im Bunde den getreuen Eckart, Warner und Wächter der heiligsten Güter der Nation . . . Tief be­dauerlich bleibt neben der völligen religiösen Entfremdung weiter Massen in unseren Groß­städten die seltsame, bis zur Feindschaft ge­steigerte Abneigung gereifter Stände, namentlich des Adels deutscher Nation, gegen den Bund, mit wenigen doppelt rühmlichen Ausnahmen. Vielleicht nimmt das nicht wunder, wenn man bedenkt, daß seine Stimmführerin die angeblich evangelische ,Kreuz-Zeitung" ist, die von einer Aufhebung des Gegensatzes und Kampfes zwischen Wittenberg und Rom unermüdlich zu reden sich erdreistet." Dazu bemerkt die ,Kreuzzeitung": Der Jahresbericht hat uns nicht vorgelegen. Wir können deshalb nicht prüfen, ob der Inhalt des auf die ,Kreuzzeitung' bezüglichen Satzes einen Bestandteil des Jahresberichtes bildet. Bis auf weiteres trauen wir dem Evangelischen Bunde nicht zu, däß er in so alberner Weise, wie es hier geschehen ist, unwahre Behauptungen in die Welt schleudert. Wir haben niemals von einer Aufhebung des Gegensatzes zwischen Rom und Wittenberg geredet, haben vielmehr oft genug betont, daß dieser stets bestehen werde und daß der Kampf fortdauern müsse. Aller­dings weichen wir hinsichtlich der Form, in der dieser Kampf zu führen ist, vom Evangelischen Bunde ab. Die Beschimpfungen, denen wir des­halb in einzelnen Kreisen des Bundes ausgesetzt gewesen sind, zeigen, daß wir recht gehabt haben, wenn wir gegenüber dieser Vereinigung, die be­züglich der Stellung ihrer Glieder zu den christ­lichen Bekenntnissen eine überaus bunte Zusam­mensetzung zeigt, uns einigermaßen kühl ver­halten haben. Wir glauben auch nicht annehmen zu dürfen, daß in nuferen Lesern, wenn sie von der obigen Auslassung Kenntnis erhalten, be­sondere Neigung für den Evangelischen Bund erweckt werden wird."

1 ** Der Pariser ,Ternps" hat sich erzählen lassen, der deutsche Kaiser habe während der

Der Hexenpater.

Erzählung auS der Zeit des dreißigjährigen Krieges.

Von Antonie Haupt.

27 ------ (Nachdruck verboten.)

So wollen auch wir, sobald wir den Vater be­grüßt haben, nach der Kapelle eilen, um unser Gebet mit dem der Jesuiten zu vereinen," entschied Jutta, als sie an der Königsburg dem schwerfälligen Reise­wagen entstiegen.

13.

Auf Tod und Leben.

Wem ward der Sieg in dem harten Streit?

Wer griff den Preis mit der Eisenhand?

Die Welschen hat Gott wie die Spreu zerstreut. Die Welschen hat Gott verweht wie den Sand.

Es war in der Nacht vom 25. auf den 26. März 1644. In der Stadt Trier herrschte tiefe Finsternis.

Nichtsdestoweniger entfaltete sich reges Leben in dem unteren Teile der dem Moselufer sich zusenkenden ,Krahnenstraße. Die Bürger wußten, daß die Väter der Gesellschaft Jesu während der ganzen Nacht in der inbrünstigsten Andacht vor dem Allerheiligsten aus den Knieen lagen, daß der Pater Rektor gegen 4 Uhr die letzte Segensmeffe halten wollte, worauf die Mitglieder des Kollegiums, wenn nicht noch wunderbare gött­liche Hilfe gesandt werden sollte, sich zum Auszuge rüsten wußten.

So drängten sich schon um 3 Uhr ernste Scharen in das hell erleuchtete Innere der kleinen Kirche. Doch nur den kleinsten Teil derer, die gekommen waren, konnte die Kapelle saften, auch der weite Klosterhof wurde überfüllt mit frommen Betern.

Bor den im Lichttneer strahlenden Altar der Kapelle trat der Pater Rektor. Weihrauchwolken hüllten das Heiligtum ein. Alle Sitte beugten fick, alle Häupter

Tagung des internationalen Friedens­kongresses in Rouen in einem Schreiben an den Fürsten von Monaco als einen der Ehren­präsidenten dieses Kongresses erklärt, daß nur die Wissenschaften den Frieden herbeiführen würden. Diese Geschichte wird von der ,Nordd. Allg. Zig." für erfunden erklärt.

() lieber die Kanalvorlage schreibt die ,Preutz. Korr.":Wir erhalten soeben die über­raschende Mitteilung, daß entgegen den Ab­sichten der Regierung noch vor ganz kurzer Zeit die Kanalvorlage nicht nur bei der Eröffnung des Landtags in der Thron­rede Erwähn- ng finden, fondern auch dem Landtage zugleich mit der Vorlage über die Oder­regulierung zugehen wird. Wie uns weiterhin versichert wird, ist der abermalige Umschwung in der Haltung der Regierung aus das persönliche Eingreisen des Kaisers zurückzusühren; die Aen- berung der Sage ist vor fünf oder sechs Tagen eingetreten". Dazu bemerkt die ,Nat. pta.': Wer nur einigermaßen unterrichtet ist, wie sich die Dinge in Wirklichkeit verhalten, weiß, daß bereits vor längerer Zeit ein endgiltiger Beschluß über die Behandlung der Kanalvorlage gefaßt worden ist. Von einer Aenderung in den Ab­sichten und Dispositionen der Regierung kann gar nicht die Rede fein." Wie der,Berl. Sok. Anz." berichret, ist vor einigen Wochen Ministerpräsident Graf Bülow mit dem Ministerkollegium zusammen darüber einig geworden, die Vorlage mit ge­wissen Modifikationen dem Hause der Abge­ordneten in dev nächsten Session einzubringen.

% Das Zeuguiszwangsversahren ist wieder einmal gegen einen Redakteur eröffnet worden. Vor einiger Zeit brachte die ,Pankower Zeitung" die Mitteilung, daß infolge des Irr­tums eines Gemeindefekretärs die Gemeinde Pankow im vergangenen Rechnungsjahr 15,000 Mark zu viel Steuern an den Kreis gezahlt habe. Die Nachricht selbst mußte vom Amtsvorsteher Gottschalk in geheimer Sitzung der Pankower Gemeindevertretung bestätigt werden. Es fanden verschiedentliche Verhandlungen über diese Pub­likation zwischen dem Sandrat und dem Amts­vorsteher statt, der behauptet, daß die Mitteilung nur infolge einer Indiskretion in die Oeffent- lichkeit gelangt sei. Schließlich wurde ein Ver­fahren wegen Verletzung des Amtsgeheimnisfes gegen Unbekannt eingeleitet. Der Redakteur Salit von der ,Pankower Zeitung" weiger! e sich, seinen Gewährsmann zu nennen. Gestern wurde er nun aus einem Restaurant von Polizeibeamten verhaftet. Als er sich auch nun noch weigerte, seinen Gewährsmann preiszugeben, wurde er schließlichvorläufig" unter Androhung von Zwangsmaßregeln entlassen.

** Vom sozialdemokratischen Komödien­spiel. Wieder füllt der.Vorwärts" Spalten mit Erklärungen von Harden, Bebel, Heine, Grunwald, Hoffmann, Falkson, Auer, Sedebour und Fischer (Berlin). Das meiste hat für weitere Kreise kein Interesse. Daß Diktator Bebel das Vertrauensvotum, das Heine von den Genossen seines Wahlkreises erhalten hat, sehr schmerzlich als eigene Niederlage empfinden und sich dafür senkten sich. Das hl. Opfer begann. O, welch heißes, inbrünstiges Flehen stieg empor aus aller Herzen! Die Trierer hatten fteilich keine Hoffnung mehr, daß die seeleneifrigen, ihnen so vertrauten Väter, deren Orden feit nunmehr fünfundfiebzig Jahren dem Erz­stift reiche Segnungen gebracht hatte, der Stadt er­halten bleiben würde. Mit Ergebung in Gottes hl. Willen befchränkte sich das allgemeine Gebet auf die innige Bitte für das Heil der teuren Scheidenden. Da gab es nicht wenige, welche den Jesuiten ihre Er­rettung vom leiblichen und geistigen Tode zuschrieben Unter Tränen beteten diese für ihre Befteier, für ihre Seelenführer. Kein Auge blieb ttocken, als der ehr­würdige Pater Rektor zum letztenmale den hl. Segen erteilte.

In demselben Augenblick vernahm man ganz in der Nähe das rasch aufeinander folgende Knattern von Gewehrfeuer, zugleich ertönte vom Moselufer her mächttg und gedehnt der anschwellende Ruf:Jesus, Maria, Joseph!

Der Rektor fuhr auf. Verklärten Auges richtete er einen Dankesblick auf den Altar, dann wendete er sich zum Volke und sprach tief bewegt:

Der Herr hat uns erhört. Wir werden nicht vertrieben. Die Losung kenne ich; als ich vor fünf­zehn Jahren Feldpater war, habe ich den stammen Schlachtruf:Jesus, Maria, Joseph!" auf dem Weißenberg von den siegreichen Kaiserlichen vernom­men. Es war am Sonntage, an welchem das Evan­gelium verkündet wurde:Gebet Go.t, was Gottes, und dem Kaifer, was des Kaisers ist", als jener denk­würdige Sieg Tilly's im Laufe einer einzigen Stunde das Schicksal Böhmens und des Winterkönigs ent­schied. , ,

Kaum hatte der Pater diese Worte gesprochen, so stimmten alle Anwesenden wie aus einem Munde das Lied an:

Großer Gott, wir loben Dich "

Noch war das Ted-um nickt verklungen, da ver­ließ eilig einer der Ordensmänner die geweihte Stätte,

* Wien, 2. Okt. 1903. Die ,Neue Freie Presse" meldet, zum Nachfolger des Nuntius Taliani sei Monsignore Granito Pignatelli ausersehen, nachdem das Wiener Kabinett Merry de Val als nicht genehm bezeichnet habe.

* Rom, 2. Okt. 1903. Das .Amtsblatt" wird heute abend ein königlich es Dek ret vom 30. September veröffentlichen, durch das eine Kommission ernannt wird, welche die Tätig­keit der Marineverwaltung einer Unter­suchung unterziehen soll. Vorsitzender der Kom­mission ist der Vizepräsident der Kammer Pal­berti. Zu Mitgliedern werden eine Anzahl Sena­toren, Deputierte und höhere Beamte ernannt werden. Der Kommission wird die Berechtigung erteilt, die Marine-Etablissements, Bureaus und Schiffe zu besichtigen und alle zur Erfüllung ihrer Aufgabe nötigenUntersuchungen vorzunehmen.

* London, 2. Okt. 1903. Von der japa­nischen Gefandtschaft in London wird mit« geteilt, daß den Meldungen über die Ent­sendung japanischer Truppen nach Korea keine besondere Bedeutung beigemeften werden könne, da die japanische Regierung der Gesandtschaft darüber keine Mitteilung habe zugehen lassen. Der japanische Gesandte in London, Vicomte Hayashi, meint, daß sich die Meldungen mög­licherweise auf die Ablösung von japanischen Truppen beziehen, die zur Bewachung der Tele- graphenlinie von Fusan nach Soeul und Che- mulpo mit Zustimmung sowohl Rußlands rote Koreas in Korea stationiert seien. Hayashi fügt noch hinzu, daß die Sage im fernen Osten jetzt offenbar sehr ruhig sei.

* London, 2. Okt. 1903. Hebet das Be­finden des Königs von England sind neuer- Pforte mit Petarden gesprengt; nun stechen und schießen fie alles nieder. Die Franzosen aber halten verzweifelt zusammen und wehren tapfer den E'ngedrungeneu, berichtete dieser. .

Trommelwirbel, Trompetenlarm, Knattern der Muske'en, Feuer und Pulverdampf, «er beschreibt das schreckliche Wirrsal, in dem die hohe Gestalt des Ordensmannes verschwindet! .

Wie ein Strom, oer den Damm durchbrochen, hatte fich eine Masse kühner Stürmender von der Moselseite her in die Krahnenstraße ergoften. Der Angriff war furchtbar; doch die Not krhöhte ^aft und Gewandtheit, die Franzosen entfalteten ungeahnte Tapferkeit, so daß die Verwegenen, welche mit ge­dankenschnelle in die Stadt eingedrungen waren, sich alsbald umzingelt und von ihrenSchiffenabgeschmtten sahen. Gerade die Kühnsten der Sturmer mußte" ihr Vordringen mit dem Tode büßen. Gehetzten Edelhirschen gleich von tobender Meute "«rmgl, mußten fie dem Tode erliegen; keiner von ihnen ^hrte zur 1 zurück. Lautes Triumphgefchrer der Franzosen erfüöte biC ,/Zeht da den verwundeten kaiserlichen JJW® Ach, den Rotbart kenne ich! Seine Petarde schlug die Br sche, durch welcke die Kaiserlichen emdrangen. Ha, bei Rote war der Erst-, der Tapferste. Sem tolle« Stürmen kostet ihm das Leben," also vernahm Spee Rede und Gegenrede. , .

Im nächsten Augenblicke kmete er «eben dem Ge fallenen, sein brennendes Lienschett beleuchtete em bleiches Antlitz.

Bei Gott, mein Freund, der tolle Tyle, flüsterte er tief erschreck. c

Ein Freudenstrabl aber brach aus des Sterbenden ^Euch hat der Himmel mir gesandt, Vai er >spee. Ihr brachtet wich einst zum Glauben der Väter zwmck, Ihr solli mir nun die Not der letzte Stunde lindern. Ja, mein Leck ist wdmüde und will zur ewlgen Ruhe gehen, doch meine Seele ist wach und lebendig, sie

zu rächen suchen werde, war vorauszusehen. Der maßvolle" Herr erklärt, er werde auf dieebenso maßlosen wie wadrheitswidrigenAnschuldigungen" Heines antworten und dabei zu Angriffen über­gehen. Es fei ihm sehr willkommen, daß Heine ihn dazugenötigt" habe. Das Vertrauensvotum der Wähler Heines kann er freilich nicht mehr rückgängig machen. Dafür ist aber der geriebene Demagoge aus ein anderes Mittel verfallen, um den rebellierenden Genoffen durch dassouveräne Volk" abschlachten zu lassen. Er hat sich an die Vertrauensmänner gewandt, um eine Versamm­lung zu veranstalten, zu der nur die organisier­ten Genossen von Berlin und Umgegenb Zutritt haben sollen. Vor diesen will er dann gegen Heine reden. Die organisierten sind natürlich ge­wiß diezielbewußteren" und radikaleren Ge­nossen, auf die Bebel sich verlassen zu können glaubt. Sonst redet er immer von denMassen", deren Willen man befolgen müsse, natürlich wenn er die Massen für sich zu haben glaubt. Jetzt aber will er sich die Seute, die zwischen ihm und Heine entscheiden sollen, sorgfältig aussuchen. Die Masse, von der er vermutet, daß sie auf Heines Seite stehen könnte, soll draußen bleiben. Er ruft auch nicht die organisierten undwirklichen" Genossen des Heine'schen Wahlkreises zusammen, sondern die von ganz Berlin und Umgegenb, gerabe als ob biese ben Genossen bes Wahlkreises gegenüber bie höhere Instanz wären. Herr Bebel, ber bem Komöbienspiel in ber Partei ein Ende machen will, spielt ba selbst eine nette Komödie, um bie eigene erbärmliche Rechthaberei unb schäbige Rachsucht zu befriebigen. Ob Heine Suft hat, bas Komöbienspiel zu unterstützen, muß man ab­warten.

* Den Genossen Göhre hat der Diktator Bebel mit seiner Meute glücklich zur Strecke ge­bracht. Göhre yat sein Mandat für den 15. sächsischen Wahlkreis nieb er gelegt. Wie er an den Vertrauensmann des Wahlkreises ge­schrieben hat, wären der Anlaß dazu nicht die Angriffe Bebels und Hardens, sondern das Miß­trauen, dem er schon seit Jahren in Parteikreisen begegnet sei unb das auf dem Parteitage in Dresden und zuletzt in geradezu ehrverletzendster Weise in den am Dienstag stattgehabten Berliner Parteiverfammlungen gegen ihn geschürt worden sei. Die Ursache dieses Mißtrauens liege aus­gesprochenermaßen darin, daß er zu bald nach seinem Eintritt in die Partei und ohne sich an- geblich genügende Verdienste um sie erworben zu haben, Abgeordneter geworden sei. Aber dieses Mißtrauen ist doch erst durch die schmählichen Anpöbeleien Bebels in Dresden so gewachsen. Unzweifelhafl ist also Bebels Vorgehen der Anlaß für die Mandatsniederlegung. Bebel sähe natür­lich nichts lieber, als wenn alle Revisionisten ihr Mandat nieberlegten unb er sie dann neu ver­teilen könnte, sodaß nur Abgeordnete von Bebels Gnaden in den Reichstag kämen. Verschiedene von ihnen sind ja von der Anhängerschaft Bebels des Mandats für unwürdig erklärt worden. Es wird sicher versucht werden, fie so lange zu Hetzen, bis sie das Beispiel Göhres nachahmen. In Stuttgart hat der Genoffe Hildebrand schon ge- wie er glaubte verstohlen. Sein heimliches Weggehen war aber nicht unbemerkt geblieben.

O, nehmt mich mit, Vater Spee", flehte es draußen dicht neben ihm mit weicher Frauenstimme.

Ueberrascht erkannte der Angeredete im Zwielicht das zarte Edelfräulein Jutta von Zandt.

Mein liebes Kind, wohin ich gehe, kannst Du mir nicht folgen", flüsterte er. ,

Ich weiß, o, ich weiß, mein Vater, Euch drangt die Liebe und die Barmherzigkeit auf den Kampfplatz, Ihr wollt geistliche und leibliche Hilfe spenden. Dahin gerade nehmt mich mit, den Verwundeten beizustehen. Frauenhände find dazu am tauglichsten."

Schauerliches Wafsengetöse kam näher und näher; schrecklich gellte der Schlachtruf der Kämpfenden, das herzzerreißende Angstgeschrei ber Sterbenden.

Zarte Frauen gehören nicht in das Mordgetüm­mel kämpfender Krieger", sagte Spee ernst.Wenn Du der guten Sache dienen willst, so eile nach dem nahen St. Jrminenhaus und bitte die Klosterfrauen, ihre Räume zur vorläufigen Aufnahme Verwundeter zu öffnen und alles zu bereit Pflege vorzubereiten. Dort, mein opfermutiges Kind, darfst Du Deine Kräfte in den Dienst der Barmherzigkeit stellen."

Dank Euch, mein Vater! Ich werde nach Euerer Weisung handeln," flüsterte die Jungftau demütig und glitt zurück in'S Dunkel. Ihr zur Seite tauchte jetzt die hohe Gestalt Jsengards auf.

Tu gehst, um Verwundeten und Sterbenden Trost und Hilfe zu spenden, und ich eile, um den Kämpfern einen vielleicht großen Dienst zu leisten," sprach fie hastig und verschwand, ehe die erstaunte Schwester eine Frage stellen konnte.

Lärmen, Hauen, Muskeieurollen klang nahe, ganz nahe durckeinander.

Was ist'S!" rief Vater Spee einen kurfürstlichen Soldaten an, welcher als Sendbote nach der inneren Stadt eilte. . ,

Die Kaiserlichen kamen heimlich mit «schiffen die Mosel entlang gftchwommen und haben die Kähnen-

Huldaer W Zeitung

rSSSl wochmbeiiagr:Illustrierte Zonntagrzeitmg" Mouakbellag«:zuldaer Eeschichtrblätter".