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30. Jahrgang.

fUida, Donnerstag, den 1. Oktober 1903.

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Ob die

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Erstes Blatt j

Deutsches Reich

::: Der Wahlaufruf der Zentrums erhält sogar von dem verbissenen »Reich s- boten' das Zeugnis, daß er sich vor dem na­tionalliberalen durch Sachlichkeit aus­zeichne; „woraus man erkennt, daß er das Werk gewiegter Politiker ist«. Dann freilich bringt das Pastorenblatt gegen die Forderung der Freiheit und Selbständigkeit der Kirche seine „ollen Kamellen" von den Jesuiten, dem Unsehl­barkeitsdogma, der Hierarchie usw. wieder vor. Das gehört nun einmal zu seinem Handwerk. Da es gegen den sonstigen Inhalt des Aufrufs nichts sagt, darf man vielleicht annehmen, daß es damit einverstanden ist. Indessen kommt es auf das Urteil dieses Blattes für die praktische

trurns keine Freude haben.

Noch mehr a!s in dieser Frage ist die ,Kreuz- zeitimg' einverstanden mit dem, was der Aufruf über die Schulfrage sagt. Da seit. Jahren Konservative und Zentrum in ihren Beschlüssen Hand in Hand gegangen sind, konnte auch dies natürlich nicht anders sein. Die Vorwürfe, daß man die Volksschule unter das Joch Roms

Ordnung? Jedes Kind weiß, daß eine wirkliche, durchgreifende Reform dieses Wahlrechts in ab­sehbarer Zeit nicht zu erreichen ist. Wenn das Zentrum in seinem Aufruf eine Reform ge­fordert hätte, fo hätte das nicht das Mindere an der Sachlage geändert. Es wäre eine bloße Phrase geblieben. Sollte wider Erwarten m den nächsten Jahren sich Aussichten für eine Reform eröffnen, so wird das Zentrum gewiß seinen Mann stellen, auch wenn es in fernem Wahlaufrufe nicht davon gesprochen hat.

Bon Antonie Haupt.

------- (Nachdruck verboten.)

zwingen wolle usw., macht auf die .Krenzztg.' keinen Eindruck. Sie ist zwar überzeugt, daß gegen sie der nämliche Vorwurf erhoben und sie deshalb vielleicht als Nachläufer des Zentrums werde bezichtigt werden, aber das läßt sie völlig kühl. Die Konservativen haben sich des Zu­sammengehens mit dem Zentrum in Fragen der Schulpolitik ebensowenig zu schämen, wie sich die Nationalliberalen gescheut hätten, in Gemeinschaft mit dem Zentrum den Asfefforenparagraphen, das Vereinsgesetz und die Zuchthausvorlage ab­zulehnen.

In der Polenfrage ist das Zentrum der .Krenzztg.' bisher nicht entschieden genug gewesen und auch der Aufruf, wiewohl er „an sich nicht übel klingt", ckäßt nach ihrer Auffaffung das volle Verständnis für die polnische Gesahr vermissen. Ganz swerden wir uns in dieser Frage mit der ,Krenzztg.' wohl nicht verständigen können, wie­wohl sie wiederholt mit anerkennenswertem Frei­mut die Fehler der Polenpolitik auf dem Schnl- I und Sprachengebiet gerügt hat. Mit dem Blatte würden wir uns am Ende noch eher verständigen als mit der hinter ihm stehenden Partei, die doch stark im hakatistischen Fahrwasser segelt. Wir haben es schon dankbar anzuerkennen, daß die .Krenzztg.' gegen das Zentrum wegen seiner Polen­politik nicht die üblichen Vorwürfe mangelnden nationalen Empfindens erhebt. Uebrigens kann es, wenn die Polen es so weiter treiben, nächstens dahin kommen, daß auch die.Krenzztg.' beim Zentrum die Entschiedenheit in der Abwehr polnischer Bestrebungen nicht mehr vermißt.

Zu dem kirchenpolitischen Abschnitt des Auftuss äußerte sich das Blatt leider nicht. Soll es dabei bleiben, daß die Konservativen die kirchenpolitische Gesetzgebung von heute als eine rein .ndgiltige betrachten? Wollen sie insbesondere den von ihnen mitgefaßten Beschluß über die Krankenpflegeorden dauernd verleugnen? Wenn sie wirklich unbefangene Politik treiben wollen, müsfen sie doch zugeben, daß die Katholiken noch mancherlei gerechten Anlaß zu Beschwerden haben. Auf dem Schul- gebiete rechnen sie auf die Unterstützung des Zentrums; wenn sie da die Forderungen des Zentrums, die doch wesentlich religiöser und konfessioneller Natur sind, als gerecht und billig anerkennen, warum sollen sie auf kirchenpoliti­schem Gebiete nicht ebenso gerecht und billig sein? Es sieht doch stark danach aus, als ließen sich die Konservativen die Hilfe des Zentrums auf dem Schulgebiete wohl gefallen, weil sie chren religiösen Bestrebungen nützlich sei, besäßen aber nicht soviel paritätisches Empfinden, um den Katholiken dasselbe zu leisten.

Die liberale Presse beschäftigt sich noch wenig mit dem Zentrums aufruf. Soweit es geschieht, kann man sich ohne weiteres schon : vorstellen, was sie sagen. Darauf einzugehen, ; I lohnt sich meist nicht. Nur das wollen wir i heroorheben, daß ein liberales Blatt das ; Schweigen über die Reform des Dreiklaffenwahl- > rechts „beredt« findet. Ja, steht denn diese ; Reform für die nächste Zeit auf der Tages-

Apia von Deutschland." Dazu bemerkt die ,Nordd. Allg. Ztg.': „Wir können yierzu feststellen, daß die Behauptung von einer Ausschließung der Neuseeländer Schiffe von Apia völlig unbegründet ist. Wie man sich durch einen Blick in das Reichskursbuch oder den Annoncenteil der ,Samoa- nischen Zeitung' leicht überzeugen kann, verkehren die Schiffe der Neuseeländer Union Steamshigs Company heute genau so wie zur Zeit der Dreiherrschast in vierwöchentlichen Turnus in Apia."

(*) Die früheren Direktoren der Pommern­bank, Romeick und Schulz, sollen nach um­laufenden Gerüchten verschwunden fein. Soweit dabei Romeick in Frage kommt, dürfte jene 2üt= nähme unzutreffend fein; wenigstens hielt er sich bis vor einigen Tagen in Baden-Baden auf und soll auch jetzt noch oort fein. Von Schulz hat man allerdings längere Zeit nichts gehört. Er ging nach seiner Freilassung aus der Unter- suchungshast nach London und blieb von dort aus in schriftlicher Verbindung mit seinen: Rechts­anwalt. Seit einigen Wochen Hai er jedoch, rote das ,Berl. Tagebl.' berichtet, nichts mehr von sich hören lassen; es erscheint also nicht ausge- chloffen, daß er „das Weite gesucht" hat.

% Diktator Bebel, der offenbar an Größen­wahn leidet oder diefem doch ziemlich nahe ist, hat schon wieder eine „Erklärung" losgelassen. In der Leipziger Partei-Versammlung hatte Ge­nosse Grenz ausgeführt, es scheine ihm, als habe sich Bebel in der Taktikfrage wieder brett- schlagen lassen durch eine anderthalbstündige Un­terhaltung mit Vollmar; der feine Diplomat habe dabei über den Feuerkopf gesiegt. Andernfalls hätte Bebel sicher nicht auf das Schlußwort ver­zichtet. Bebel gibt darauf in der ,Leipz. Volks- ztg.' eine Erklärung, in der er u. a. sagt: «Das kann ich Genoffe Grenz versichern: in dieser Un­terhaltung handelte es sich zu einem guten Teile um ganz andere Themata, als dasjenige, das der Parteitag verhandelte. Zu glauben, daß hierbei „der feine Diplomat über den Feuerkops gesiegt habe", heißt mir ein solches Armutszeug­nis ausstellen, daß ich gegen die Ausführungen des Genosfen Grenz — der mir sicher durchaus wohlgesinnt ist — protestieren muß." Auf das Schlußwort habe er verzichtet, um die Zett des Parteitages nicht noch mehr in Anspruch zu neh­men; sonst wäre es Vollmar schlecht ergangen. Die Erklärung schließt: „Im übrigen, fürchte ich, sind es nicht die letzten Auseinandersetzungen, die wir in Dresden gehabt haben. Die revisio­nistische Presse und ganz speziell die Münchener Post' urteilt über die Verhandlungen des Partei­tages in einer so tendenziös entstellten, ja direkt verlogenen Weise, daß schon dieser Umstand allem auch genügen könnte, die eben erst geschlossene Debatte wieder aufzunehmen. Vor der Hand will ich mir Zwang auferlegen und abwarten, rote groß das Maß dieser Unverfrorenheit wird." Zeugt denn das Rasen, Drohen und Schimpfen Bebels gegen alle, die nicht denken und rooHen wie er, selbst wenn es Genossen sind, von einem Geisteszustände, der noch normal zu nennen ist?

Politik ja wenig an.

Die ,Kreuzzeitung', deren Meinung für uns größeres Gewicht besitzt, findet, daß der Aufruf „sehr vorsichtig gefaßt" sei und „mit offensichtlicher Geflissenheit Schärfen gegen an­dere Parteien vermeide". Letzteres ist auch einem anderen Blatte „aufgefallen". Ob die Bemerkung der ,Kreuzzeitung' mehr ein Lob ober ein Tadel fein soll, ist uns nicht ganz klar. Hatte die .Kreuzzeitung' erwartet, das Zentrum werde gegen die Nationalliberalen oder die So­zialdemokraten scharfe Worte gebrauchen? Das ist bei ihm für solche Kundgebungen nicht Sitte. Es zieht auch hier vor, sich zunächst mit seinen j eigenen Angelegenheiten zu befassen, und wir nehmen an, daß auch die ,Kreuzzeitung' das für das richtige hält. Wir dürfen das um so eher -tun, als das konservative Hauptorgan erklärt, es habe von seinem Standpunkte aus gegen den Aufruf wenig ober nichts einzuwenden.

Bezüglich der Landwirtschaft, der Warenhaussteuer, der Fürsorge für das Handwerk und der Reform des Ge­meindewahlrechts war etwas anderes von ihm auch nicht zu erwarten, da das Zentrum sich in diesen Dingen ziemlich auf gleichem Boden mit den Konservativen bewegt. Natürlich ge­fallen der ,Kreuzzeitung' auch die „kühlen Worte" des Aufrufs über die wasserwirtschaftliche Vor­lage. Den Nationalliberalen, meint sie, würden sie wahrscheinlich wenig gefallen. Wer die Kanalftage durchaus zu einer politischen und parteipolitischen machen möchte, kann allerdings an der rein sachlichen Stellungnahme des Zen-

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Berlin, den 30. September 1903.

—* Der gesetzgeberische Plan einer Neurege­lung der Schulunterhaltungspflicht befinder sich den ,Berl. Pol. N.' zufolge in der Vorbe­reitung, aber diese ist Dem Abschlüsse noch durch­aus nicht nahe. Zur Zeit schweben erst kommis­sarische Verhandlungen zwischen den verschiedenen beteiligten Ministerien über die Grundzüge eines olchen gesetzgeberischen Planes.

% Der Gesamtausschuß des Handelsver­tragsvereins hat in einer gestern abgehaltenen Sitzung mit starker Mehrheit beschlossen, dem Verein" dessen Dauer jetzt abgelaufen fein würde, nicht aufzulösen. Der Verein soll vielmehr bis auf weiteres bestehen bleiben. Nach der .Königsb. Hart. Ztg.' soll der Verein jährlich 400,000 Mk. ■ 'ur Verfügung gehabt haben. Daß er soviel Geld nicht wert gewesen ist, darüber sind wohl auch seine wärmsten Freunde nicht im Zweifel.

(§) Bei den in Berlin am 9. Oktober be­ginnenden Verhandlungen zwischen deutschen und Schweizer Kommiffaren handelt es sich, wie die.National-Zeitung' von unterrichteter Seite erfährt, um vorbereitende Besprechungen über einen neuen Handelsvertrag. Der Auffassung gegenüber, daß es sich nut um die Revision des bestehenden Handelsvertrages handele, ei daraus hingewiesen, daß auf beiden Seiten der neue autonome Zolltarif den Verhandlungen zugrunde gelegt werden muß.

)( Die Regierung von Neuseeland hat einen Gesetzentwurf vorgelegt, der nach Zeitungs­meldungen Deutschland und Amerika durch Ausschluß ihres Schiffsverkehrs von den Küsten Neuseelands Dafür bestrafen soll, daß sie angeblich den Neuseeländer Handel zwischen Neuseeland und Honolulu, Samoa und den Philippinen ruinieren. Bei Einbringung Der Bill soll Der Premierminister Seddan nach Dem „New ZeelanD HeralD" u. a. erklärt haben: „Als Samoa unter Der vereinigten Kontrolle Englands, Deutschlands und Amerikas stand, fanden die Neuseeländer Dampfer daselbst einen offenen Hafen. Von Dem Augenblick aber, als EnglanD seine Rechte an Deutschland unD Amerika abtrat, wurde Pago Pago durch amerikanisches Gesetz den Neuseeländer Böten geschlossen, und ebenso

Der Hexenpater.

Erzählung aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges.

O sel'ge Frühlingszeit, Du trocknest stille Tränen, Die uns'res Herzens Sehnen Geweint im liessten Leid-

Horn.

Wieder geht ein Frühlingsahnen durch das Trierer Land. Wir finden Jutta im Zandl'schen Edelhofe bet Schweich, wo Dankmar von K'flelstatt sie vor einem Jahre in ihr«r liebreizrnden Frische, ihrer freundlichen Jugendschönheit kennen lernte. Arme Jutta!

In mehr lügender, als fitzender Haltung ruhte sie in ihrem so traut und anmutig ausgestatteten Lt-b- lingsgemact> Ihr holde- Antlitz ist fast so weiß, wie das Atlaskissen, auf dem ihr von goldblonden Locken umfloffenes Haupt lehnt, und in dem träumerischen Ausdruck ihrer blauen Augen liegt noch ettvas tote tränenfeuchter Flor. Harmonisch mit dem Ernst der ehemals so strahlenden Schönheit umfl-eßt tn schweren st alten ein schwarzes Sammetkleid die fo zart gewordene Gestalt. Arme Jutta!

Nach jenen schrecklichen Stunden, bet deren Er­innerung sie noch beute bebt, nach den Tagen, in denen sie den erlösenden Tod ersehnte, hatte ein verzehrendes Fixber fie monatelc ng aufs Lager gebannt. Der ganze Winter mit Scknee und Sturmeswüten war vorüber­gegangen, ohne daß fie es beachtet; doch mit Dem Winter wich allmählich auch die Fieberglut. Sie er- wachte zu bewußtem, ruhigeren Leben: die Ruhe der Seele fand fie nicht wieder. Ohne Unterlaß schwebte ihr jene schreckliche Hochgerichtsszene vor, die chr ganzes irdisches Glück, all ihren Lebensmut, all ihr Selbst­gefühl vernichtete und fie zu einer Ausgestoßenen machte. Sie hörte nicht auf, sich darüber zu erforschen und sich zu beunruhigen, wie groß woh' die eigene Schuld bet jener furchtbaren Anklage gewesen. Es gab verzweiflungSvvlle Augenblicke, in denen fie nünschte, Gott möchte fie durck den Feuertod olle begangene Ettelkeit habe sühnen lasien. Pater Spee, der sie zu­weilen besuchte, und dem fie rückhaltslos chre Ge­danken offenbarte, 'röstete fie lächelnd mit Derr Worten:

Mein Kind, Du warst noch nicht reff für Den

„Warum hielt Serenissimus Euch fo lange zurück?" forschte Pater Rektor.

„Ich hatte seiner kurfürstlichen Gnaden, wie Ihr wißt, ein Buch gegen das Hexenverbrennen zu lesen gegeben. Als er mich gestern morgen rufen ließ, sprach er, weit entfernt, mir über die Kühnheü zu zürnen:

„Ich habe das Werk mit großem Interesse ge­lesen; seine Gründlichkeit hat mich stutzen gemacht. Ich verlor wahrhaftig die Zuversicht, daß man mft dieser Art der Bluljustiz auf rechtem Wege gehe. Nur müßt Ihr mir, wenn ich Euere Hexe begnadigen soll, noch Aufklärung über manche Punkte gerade dieses Falles geben."

Das vermochte ich mit dem besten Gewiffen, und Philipp Christoph hatte schließlich nur mehr ein Be­denken, nämlich die Furcht, den französischen Komman­danten durch den Gnadenatt zu beleidigen. Meine Vorstellungen machten ihm endlich Har, daß er als gerechter Fürst nicht anders handeln dürfe, als die Angeklagte zu vollständiger Straflofigkeit zu be­gnadigen. Er unterschrieb den Akt schon am Nach­mittage; aber er hatte, wie er sagte, nun einmal so viel Gefallen am gelehrten Disputieren gefunden, daß et mich nicht fortlassen wollte.

„Hier bleibt Ihr! Sobald kriege ich Euch doch nicht mehr zum Gefecht«, sagte er lachend; und ich muß gestehen, ich selber fand Geschmack an dem Streite; feine geistvolle Art lockte und reizte mich zugleich. So tat ich nur allzugerne, was ich irn übrigen tun mußte, um den Gestrengen bei guter Laune zu er­halten und die Vorurteile zu retten."

„Möge der Himmel Mich lohnen, was wir nie

durchaus Dir einen Korb zu holen! Nun ist'S aus — und es ist gut. So oder so mußte die Unge- wißheit enden." Lauter sprach er: „Ja, ja, Jungfer Jutta, weiß schon, vom Klostergehen reden alle pingen Fräulein so lange, bis der Rechte wirbt. Und ich bin, weiß Gott, selbstlos genug, daß ich Euch wünsche, derjenige, dem Ihr im Herzen zugetan seid, möge Euch begehren."

„Da mußte Jutta trotz aller Qualen fast lächeln. Sie streckte dem Riesen nochmals die Hand hin und sagte warm:

„Lieber Kunz, wie glücklich könntet Ihr ein Weib machen mit Eurem goldenen, kindlichen Herzen! Vermählt Euch doch mit der, die Euch so sehr, so innig liebt, mit Käthe Neulandt."

,Mit der Käthe? Nein, nie und nimmer, lieber heirate ich einen Ameisenhaufen!" fuhr Kunz empört in die Höhe. „Aber wenn das Euer Ernst ist mit dem Ordensleben, wenn Ihr wahrhaftig in's Sfoftac gehen wollt, |o möchte ich fast auch — nein, weiß der Henker, ich habe e gentlich gar keinen Beruf zum Klosterleben. Aber dreinschlagen kann ich, daß die Funken sprühen, und das werde ich auch tun den schändlichen Franzosen gegenüber, welche hier Re Schuld an allem Unheil tragen. Gnade denen Gott, wenn ich meinen Zorn an ihnen auSlaffe!"

Im Weggehen beschrieb Herr Kunz von Umv- scheiden mit der Rechten einen Kreis, als ob er ein tüchtiges Schwert handhabe.

Als die Mutter und Jsengard jetzt zu der Er­schöpften in's Gemach traten, um ihr Pflege und Hilfe angedechen zu taffen, lehnte diese z« deren Staunen und zu bereit Freude da mit einem Lächeln auf den bleichen Lippen.

12.

Die Schwestern.

Die FrühlingSlüste bringen Den Liebesgruß der Wett, Des VseS Bande springen, 68 grünt daS öde Feld.

vergelten können," sprach Herr von Zandt mit großer Innigkeit. ..... „ _ .

Die Mutter warf einen Blick liebevoller Besorg­nis auf da« marmorbleiche Antlitz des erschöpften Kindes. Die Stunden Der Qualen und der Angst hatten tiefe Spuren in Juttas Antlitz eingegraben. Frau Mechtild erkannte, daß die Gefolterte nun tiefster Ruhe und treuer Pflege bedurfte.

Ein Wink mit den Augen, und Jsengard erhob sich, um Den Rollstuhl Der Schwester in's Neben- gemach zu schieben, Kunz von Umbscheiden aber eilte, ihr zuvorzukommen. Während er den Sessel behut­sam in's traute, stille Kämmerlein schob, lehnte Jutta den schönen Kopf zurück und sprach leise:

„Mein Freund, ich danke Euch und werde es nie vergessen, daß Ihr so mannhaft für wich einge- reten seid." Sie bot ihm mühesam die mit Leinen verbundene Rechte. „Tag für Tag will ich den Schöpfer bitten, .daß er Euch glücklich mache, daß Euch zuteil werde, was Ihr ersehnt."

Nun war es zu Ende mit seiner Fassung.

„Wenn das Euere wehre Meinung ist, wenn Ihr das wirttich wünscht, nun so steht es in Euerer Macht, den Wunsch zu erfüllen: Gebt Euch selber mir zu eigen als mein liebes Weib", brachte er her­vor. Er wußte genau, welche Antwort erfolgen würde, aber es war ihm unmöglich, mit seinem Be­gehren zurückzuhalten.

„Lieber Freund ich darf nicht Ja sagen , ent­gegnete sie leise. „Die letzten Ereignisse haben mir deutlich gezeigt, wie ernst das Leben ift, und tote viele und große Pflichten ich als Arbeiterin der elften Stunde im Weinberge des Henn noch übernehmen muß. Ich glaube, in den schrecklichen Erfahrungen des gestrigen Tages und in der wunderbaren Rettung einen deutlichen Beweis von Gottes Hand zu er­blicken, daß er mich zum Ordensleben berufen hat, zu einer Tätigkeit, Die nur dem Dienste der Armen und Kranken gewidmet ist."

Kunz nickte und brummte vor sich hm:

„Alberner Bursche, warum trieb eS Dtch an.

gutöaer M Zeitung

uSä*" toodtettbtitage: „Illustrierte Sonntagszeitung" Nwnatsdeiiage: „zuldaer Gefchichtsblätter".