MaerW Zeitung
verautwartUcher
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3t). Jahrsiang.
filldät Mittwoch, den 30. September 1903.
Druck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda (Harmonie) Fernsprecher Nr. 4.
»scheint täglich, «tt «urnahme der $m= mid Feiertage, viertel- jährl. Bezug kpeeir ohne Bringeriohn und vefteLgeld in Fulda uud «urwärtr 1M. 50 Psg.
Ä'e aas
Monatrd-Uage: „Fuldaer Geschichtsblätter"
Anzeigen: Vie ein» spaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Psg. SeNamen die petitzeü« 25 psg.; bei Wiederholungen wird entspr. Rabatt gewährt.
rchriftleiter:Zos.Baum
3. sita. wochenbeilage: „Illustrierte Zonntagszeittmg
ßtMnngt« nnf das 4. (taortnl 1903 der ,Fuldaer Zeitung' werden fortwährend von allen Poftanstalten, Landbriefträgern nnd von unserer Expedition (Harmonie) entgegengenommen.
Berlin, den 29. September 1903
(*) Der Heilige Vater und der Charitas- verbaud. Welch hohes Interesse der Heilige Vater den Charitasbestrebungen in Deutschland und insbesondere dem vom 5.-8. Oktober stattfindenden Charitastag entgegenbringt, beweist ein Schreiben des Prostaaissekretärs Merry de Val, durch welches er allen Veranstaltern und Teilnehmern des Charitastages den päpstlichen Segen übermittelt. In diesem Schreiben heißt es u. a.:
»Der Heilige Vater hat mit großer Freude die Nachricht entge'gengenommen, daß durch die Bemühungen des Charitasverdandes die zur Ausübung und Förderung der christlichen Wohltätigkeit gegründeten katholischen Vereine im nächsten Monat in Frankfurt c. M. zu einem EharitaZtag sich versammeln. Nichts ist in der Tat wirksamer zur Belebung des Eifert und zur Anregung neuer Entschlüsse als diese gemeinsamen Kongresse. Se. Heiligkeit hat deshalb mit liebevollem und ‘ freudigem Herzen dem genannten Kongreß seine Teilnahme zugewandt und ermahnt eindringlich die Bfichöfe und alle Gläubigen, mehr und mehr dem Wachstum der Werke der Charitas ihre Kräfte zu weihen."
Hoffentlich werden diese warmen Worte der Anerkennung im katholischen Deutschland ein freudiges Echo finden.
% Totalisator und Buchmacher können dem kleinen Manne an Werktagen nicht Geld genug zur „Hebung der Pferdezucht" aus der Tafche ziehen, weil er dann nicht immer Zeit hat, zu den Pferderennen zu kommen. Die Freunde des „edlen Sports" haben es daher durchgesetzt, daß in Zukunft auf den Rennplätzen bei Berlin auch an einer Reihe von Sonntagen wieder Rennen veranstaltet werden dürfen, was seit einigen Jahren verboten war. Nun kann ja die Pferdezucht wieder ungestört „gehoben" werden.
* Von Ende Juni bis Ende September wurden nach einer Zusammenstellung des ,Vor- wärts' durch die Presse 80 gerichtliche Verurteilungen wegen Mißbrauchs der militärische« Dienstgewalt und Mißhandlungen von Soldaten bekannt. An Strafen wurden ausgesprochen 24 Jahre 7 Monate 2 Tage Gefängnis, 10 Monate 28 Tage Festungshaft, 1 Jahr 1 Monat 20 Tage mittlerer Arrest, 2 Monate 9 Tage gelinder Arrest, 3 Monate 11 Tage Stubenarrest, 11 Degradationen. Insgesamt betragen die Freiheitsstrafen 27 Jahre 1 Monate 10 Tage. Von den Freiheitsstrafen
Der Hexenpater.
Erzählung aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges. Von Antonie Haupt.
24 ------ (Nachdruck verboten.)
Da endlich klirrte ein Schlüsselbund, die Kerkertüre drehte fich kreischend in ihren Angeln, und des Wächters Laterne beleuchtete einen hohen Greis, der mit Augen voll Milse und Erbarmen auf die Leidende zuschritt.
„Gclobt sei Jesus Christus!' lautete sein Grub.
„In Ewigkeit Amen!" fügte Jutta leise und glücklich hinzu; dann rief sie lebhaft: „Val-r Spee, wie danke ich Gott und Euch selber, daß Ihr gekommen seid!" Der Priester schüttelte wehmütig den Krpf.
„Armes Kind, ich bin nicht der, den Du gerufen hast. Pater Sp-e weilt seit den Morgenstunden in der Petersburg beim Kurfürsten. Wir wissen nicht, was ihn zurückhält, doch fürchten wir, daß ihm ein Unheil zugestoßen. So komme ich an seiner Stelle. Ich bin der Pater Rektor." Er beugte sich zu hr und nahm leise ihre-i Hand in die seine. „Vertraue mir, meine Tochter. Sage mir in der hl. Beichte alles, was Dein armes Herz bedrückt. Auch mir wurde vom Herrn über Leben und Tod die Macht, Dir Deine Sünden zu vergeben."
Ach, warum hätte Jutta kein Berttauen zu dem ehrwürdigen, liebevollen Greise fassen sollen? Sie erschloß ihm ihr ganzes Herz und fand wunderbare Beruhigung, Trost und Aufrichtung durch ihn, so daß sie fast heller dem schmerzlichen Tode entgegensah, der ihr nun eine Sühne für ihr leider so unnütz dahin geflossenes Leben erschien.
„Ich verlasse Dich nicht mehr, meine Tochter, ich bleibe hier. Wie wollen gemeinsam beten, und dann — begleite ich Dich auf dem schwersten Gange," sagte Rettor Pauhaus tief bewegt.
Sie taten, wie er vorschlug; sie beteten bis der «sie Frührotschimmer durch die Mauerlucke drang.
treffen auf Preußen 23 Jahre 11 Monate 5 Tage Gefängnis, 10 Monate 28 Tage Festungshaft, 9'Monate mittlerer Arrest, 20 Tage gelinder Arrest, 2 Monate 3 Tage Stubenarrest. Die 11 Degradationen wurden ebenfalls in Preußen verhängt. In Bayern wurden ausgesprochen 3 Monate Gefängnis, 42 Tage mittlerer Arrest, 39 Tage gelinder Arrest, 38 Tage Stubenarrest; in Sachsen 4 Monate 27 Tage Gefängnis, 3 Monate 8 Tage mittlerer Arrest, 10 Tage gelinder Arrest. Vom 1. Januar bis jetzt sind 159 Verurteilungen wegen Soldaten- Mißhandlungen bekannt geworden. An Strafen wurden dabei ausgesprochen 50 Jahre 9 Monate 29 Tage Freiheitsentzug.
0 Die „hinreißende" Rede des Abg. Dr. Hackenbergauf dem nationalliberalenDelegierten- tage zu Hannover liegt jetzt vor. Sie enthält nichts als die tausendmal gehörten Redensarten über die Katholiken und das Zentrum. Das Zentrum wolle keine Freiheit und Toleranz, sondern die Aleinherrschaft der Kirche; es wolle die Volksschule unter die Herrschaft der Kirche bringen und die Freiheit der Wissenschaft beseitigen. Es sei reaktionär; man dürfe den Katholiken nicht die verlangte Parität gewähren, weil die katholische K-rche ganz etwas anders sei, als die evangelische. 8uum caique heiße nicht „Jedem das Gleiche", sondern „Jedem das Seine" usw. vsw. Diese aus den ältesten kulturkämp erischen Ladenhütern zusammengestoppelte Rede, die nicht einen einzigen originellen Gedanken enthält, gehörte eigentlich in eine Versammlung des evangelischen Bundes. Vermutlich hat sie Herr Hackenberg. der ja ein eifriges Mitglied des Bundes ist, dort auch schon ein Dutzend mal gehalten. Widerlegen läßt sich eine solche Phrasensammlung nicht. Sie verdient es auch gar nicht. Sie zeigt nur, was man davon zu halten hal, wenn Leute wie Herr Hackenberg sich ihrer Toleranz und ihres Sinnes für Parität rühmen.
v Der Evangelische Bund, der gegenwärtig in Ulm zu seiner jährlichen Hauptversammlung vereinigt ist, hal den Versuch gemacht, sich die Zustimmung des Kaisers zu seiner Hetzerei zu erschleichen. Er hat an ihn folgendes Huldigungstelegramm gerichtet: „Euerer kaiserlichen und königlichen Majestät bringt die Generalversammlung des Evangelischen BundH aus der weiland freien Reichsstadt Ulm ihre alleruntertänigste Huldigung dar. Mit Euerer Majestät wissen wir uns eins in der lieber« zeugung, daß die Gefahren für den inneren Frieden und die Wohlfahrt unseres Volkes nur durch die Kräfte des Evangeliums bezwungen werden können, wie sie Luther durch seine Tat zu lebendiger Wirkung wieder aufgeweckt hat. Gott segne Eure Majestät mit Kraft aus der Höhe, allen verderblichen Mächten zu begegnen und Reich und Volk wider seine Feinde siegreich zu schützen." Wollte er ehrlich gestehen, daß er unter den „verderblichen Mächten" und den „Feinden" von „Reich und Volk", die „Gefahren für den inneren Frieden und He Wohl-
Da wurde es lebendig rings umher. Die Henkersknechte kamen, um die Hexe abzuholen. Gehen konnte die Aermfie nicht mehr, die Schergen mußten sie tragen. Pater Rektor folgte auf dem Fuße.
Als Jutta auf dem Karren saß, der sie zur Richtstätte führen sollte, hob sie ihre Augen dankbar zu dem Priest« empor.
„Wie gut läßt es sich sterben, mein Vater, mit solch einem Beistand an der Seite", flüsterte sie.
Die Nachricht von der bevorstehenden Hinrichtung war wie ein Lauffeuer durch die ganze Stadt gedrungen. Sowie der Himmel über der östlichen Bergkette, über den Ausläu ern des Hochwaldes fich zu röten begann, zogen viele Menschen dem Hauche des Morgenwindes entgegen zum Stadttore hinaus über die Moselbrücke nach der Euerner Flur. Dort wurde ja nach altem Brauche neben dem Galgen der Scheiterhaufen errichtet. Das Hinausströmen der Bevölkerung nach der Richtstätte war freilich nicht annähernd so zahlreich, wie gewöhnlich in solchem Falle. Die Scharen, welche heute durch das Brückentor wanderten, schauten still und traurig vor fich nieder, wie bei einem Leichenbegängnis; sie pilgerten nur hinaus, um der Verurteilten den letzten Gruß zu weihen. Im allgemeinen warm die Bürger empört, daß der Fremdling, dieser sranzöfische Ma- quis de Bussy, eine Tochter der Stadt als Hexe angeklagt und dann zum Fcuer- tode verdammt hatte.
Vor dem Portale der Königsburg hielt die Zandt- sche Kalesche. Trotz des Abmahnens der Freunde wollten der Vater und die Brüder auf den einen schmerzlichen Trost nicht verzichten, noch einmal Juttas Antlitz zu sehen, bvor fie in Feuersqualen starb. Ja, fie wollten bei dem graufigen Schauspiel mit festem, treuen Liebesblicke in ihr brechendes Auge schauen, um so der scheidenden Seele Kraft, Trost 'und Mut zu verleihen
„Sollte man uns den flehenttichen Wunsch nicht gewähren, noch einige Abschiedsworte zu ihr hn Hofe des Rathauses zu sprechen, ehe fie zur Richtstätte gebracht wird?" warf in plötzlicher Eingebung her alte Freih rr ein.
fahrt unseres Volkes" bringen, einzig und allein die Katholiken verstehe, so konnte er unmöglich ein Dankielegramm vom Kaiser erwarten. Er bedient sich daher der „Zweideutigkeit des Ausdrucks" und der „Mentalreseroation", die er an den Jesuiten mit so viel sittlichem Pathos zu tadeln weiß, und sucht den^Schein zu erwecken, als denke er etwa an die Sozialdemokraten. Es kann einem übel werden bei so widerlicher Heuchelei.
** Im .Vorwärts' werden die anmutigen Auseinandersetzungen der Sozialdemokratie vom Dresdener Parteitage lustig fort- gesponnen. Dreses Mal redet Herr Stadthagen mit seinem Fraktionsgenossen Heinrich Braun „Fraktur". Er beginnt: „Dre Ausführungen Brauns stimmen selbstverständlich mit der Wahrheit nicht überein", und schließt: „Von einem Heinrich Braun verdächtigt zu werden, halte ich für beneidenswert." Maximilian Harden ergreift auch im .Vorwärts' das Wort, um sich gegen die Erklärungen der Genossen Bernhard, Göhce und Brann zu wenden. Bezüglich des Genossen Bernhard teilt er mit, daß er vergessen habe, einen Ausspruch von ihm anzuführen, der gelautet hat: „Wird die Mitarbeit an bürgerlichen Blättern wirklich verboten, dann muß ich eben mein Pseudonym ändern." Gegen GöhreS Feststellung über den Zeitpunkt der Uebersendung seines letzten Artikels an die Zukunft' erklärt Harden, daß er den Artikel erst am 3. März erhalten habe, während der Beschluß des sozialdemokratischen Parteivorstandes vom 28. Februar datiert sei; Herr Göhre habe also den Artikel tatsächlich ihm übersandt, als der Parteioorstandsbeschluß bereits zu seiner Kenntnis gekommen fein mußte. — Den Genossen Brann tut Harden mit der einen Bemerkung ab, daß er bereits im April dieses Jahres den Verkehr mit dem Ehepaar Braun abgebrochen habe, weil ihm Dinge aus dem Privatleben des Paares bekannt geworden seien, die ihm einen weiteren Verkehr hätten unrätlich erscheinen laffen. Braun gibt bekanntlich eine neue Zeitschrift heraus, deren erste Nummer eben erst erschienen ist. lieber diese Wochenschrift verhängt der sozialdemokratische Parteivorstand alsbald den Bann durch folgende Erklärung: „Auf Anfragen, wie der Parteivorstand zu der von dem Genossen Dr. Heinrich Braun heraus- gegebenen Zeitschrift ,Die Neue Gesellschaft', Sozialdemokratische Wochenschrift, steht, erklären wir, daß dieses Unternehmen ein reines Privatunternehmen ist, »mit dem der Porteivorstand nichts gemein hat und für dessen Propaganda diejenigen Parteiunternehmungen, für deren Verwaltung der Parteioorstand verantwortlich ist, nicht in Anspruch genommen werden können."
* Am 25. und 26. September d. Js. haben im Reichsamte des Innern die kontradiktarischen Verhandlungen über den Verband deutscher Druckpapier- Fabriken (Zeitungsdruckpapier Syndikat) ftattgefunben. Außer den Vertretern des. Syndikats beteiligen sich an den Beratungen^
Dem Wort fötale die Tat. Wirklich, man wagte es nicht, den greisen Vater, die Brüder und Freunde zurückzuweisen, welche von drr Verurtcilten an der Schwelle der Ewigkeit Abschied nehmen wollten.
Es war ein erschütternder Anblick, wie der Greis in wortloser Umarmung die dem furchtbaren, bereits so nahen Tode geweihte Tochter ans Herz schloß. Jutta erbebte. Sie legte ihr Haupt an die Schulter des geliebten Vaters, schaute auf und flüsterte:
„Mein Vater vergib mir Alles, womit ich Dich beleidigte. Grüße auch die arme Mutter und bitte sie statt meiner um Verzeihung "
Da verlor der gequälte Mann alle mühsam bewahrte Selbstbeherrschung; er sank haltlos vor ihr nieder, umklammerte ihre Knie und stammelte in er» greifenden Lauten:
„Bitte mich nicht um Verzeihung mein Kind, es zerreißt mir das Herz. Ich selber, tch selber trage die Schuld. Hätte ich Deine Schwächen bekämpft, hätte ich Deine Eitelkeit nicht groß werden lassen, so säßest Du nicht auf dem Henkerskarren. O, Kind, verzeihe Deinem allzu nachsichtiger. Vater!"
Mit fast mitleidiger Zärtlichkeit beugte fie fich zu ihm nieder und schaute in sein Arge:
„Liebster Vater, verwundet nicht mit solch« Rede Euer Herz und mein eigenes. Mein Tod sühnt Alles. Dort oben sehen wir uns wieder nach kurz« Spanne Zeit."
„Macht ein Ende! Das Volk wartet", liefen ungeduldig die Henkersknechte.
Johannes von Zandt ließ die B«urteilte frei. Er «hob fich und trat zurück, bl, ich, wie sie selber.
„Meine Söhne, nehmt Abschied von d« Schwester," kam rs dump', kaum verständlich von seinen Lippen.
„O. Werner, W«ner, mein Liebling, Du hier, welches Glück!" rief Jutta steudig überrascht. „Tröste die Eltern!"
„Weg mit der Hcxe nach der Euern« Flur!" rief einer dn Sch«gen und schlug mit d« Peitzche nach den Hunden, die vor den Wagen gespannt waren.
Die Tiere ziehen an; die Henk«sknechte schreien Halloh! So soll eS zur Richtstätte gehen.
der Vorstand und mehrere Mitglieder des Vereins Deutscher Zeitungsverleger, Vertreter der Papier verarbeitenden Industrien, Papiergroßhändler und sonstige Sachverständige. Den Vorsitz führte, wie bei den früheren Verhandlungen, der Geheime Regierungsrat im Reichsamt des Innern Dr. von der Borght. Den Erörterungen lag ein von dem Referenten Regierungscat Dr. Voelcker erstatteter Bericht über die Entstehung, die Organisation und die geschäftliche Tätigkeit des Syndikats zu gründe. Die geschäftlichen Maßnahmen des Syndikats, insbesondere feine Preispolitik und die von ihm festgesetzten Verkaufsbedingungen führten, wie der .Reichsanzeiger' bericht-1, zu einer lebhaften Aussprache zwischen den Vertretern des Syndikats einerseits und den Zeitungs Verlegern und Großhändlern andererseits. Hierbei wurden auch Wege erkennbar, welche zu einem Ausgleiche der Interessengegensätze führen können. Das stenographische Protokoll wird nach seiner Fertigstellung im .Reichsanzeiger' veröffentlicht werden. Für Anfang November sind konrradiktarische Verhandlungen über die Syndikate der Eisen - tnbufirie m Aussicht genommen. Es werden die Roheisensyndikate, die Halbzeug- und Walzwerksverbände in unmittelbarer Aufeinanderfolge ?ur Erörterung gelangen.
*„ Der Ausstand der Berliner Omnibus Ange- stellteu ist allem Anschein nach bereits als für diese verloren zu betrachten. Dre Omnibusgesellschaft will sich auf einen Schiedsspruch durch das Einigungsamt, das die Angestellten angerufen hatten, nicht ern- lassen. Für die Ausständigen hat sie zum großen Tert schon Ersatz gefunden. Die bürgerliche Presse steht zumeist auf Seiten der Gesellschaft und behauptet, dre Angestellten hätten ihre Niederlage dem „Zentralver- bande der Handels-, Transport- und Verkehrsarberter Deutschlands" zu verdanken, das sich in ihre Angelegenheiten eingemischt habe, den aber die Gesellschaft selbstverständlich nicht als Vertretung ihrer Angestellten anerkennen wolle. Das ist aber nichts als eine faule Ausrede. Die Gesellschaft wollte überhaupt dre Wünsche der Angestellten nicht erfüllen und benutzt die Einmischung des Zentralverbandes lediglich als Vorwand für die Ablehnung. Warum hat sich denn der Zentralverband eingemischt? Doch nur, weil die Gesellschaft den Angestellten nicht entgegenkommen wollte. Diese haben eine tägliche Arberts»eit von 16 bis 17 Stunden, deren Herabsetzung auf 12 Stunden sie wünschten, und ein Gehalt, das noch unter dem ortsüblichen Tagelohn bleibt und das sie um ein bescheidenes erhöht wünschten. Waren das unbescheidene Forderungen? Und diese Forderungen wurden abgelehnt. Man redet jetzt von den politischen Nebenabsichten des Zentralverbandes. Warum hat man denn seine Einmischung nicht verhindert, indem man bescheidene Wünsche erfüllt?
* München, 29. Sept. 1903. Die b a y e- rische Kammer der Abgeordneten ist gestern vormittag zusammengetreten. An Stelle des Vizepräsidenten Keller, der wegen eines Augenleidens fein Amt niedergelegt hat, wird nahezu einstimmig Abg. v. Leistner (liberal) gewählt. Finanzminister Frhr. v. Riedel legt das neue Budget vor und führt aus, das Jahr 1900 schließe mit einem Aklivrest von 17,831,749 Mk. ab, das Jahr 1901 mit einem Passivrest von 3,372,999 Mk. Letzteres insbesondere wegen eines Mmdererträgmffes aus den Eisenbahnen
In diesem Augenblicke erscheint am Eingänge ein hoher Mann im schwarzen Talar:
„Haltet ein, die Jungfrau ist begnadigt!" ruft er mit starker Stimme und hält eine Pergamentrolle in die Höhe.
^Begnadigt!" schallte es wieder von den hohen Wänden, bann wird es still. Wie verstein«t stehen alle Menschen und ha«en staunend.
Pater Spee aber, er ist es selber, bringt eilig vor: „Bindet die Jungftau los, ohne Verzug, sie ist gerettet! Uns« gnädiger L.ndesh-rr gibt sie frei", so herrschte et die säumigen Knechte an uno entrollt vor den Augen des Statthalters den Pergamentbogen des Kurfürsten Philipp Christoph.
„Wahrhaftig, die Jungfrau Jutta von Zandt rst begnadigt und frei", spricht Herr Claudius von Mufiel und winkt mit d« Hand, der Gefesselten die Banden abzunehmen. m E .L
Klirrend fielen die Ketten zu Boden. Die Befterte aber, die nicht weiß, was ihr geschieht, vnmag eS nicht, fich zu erheben. , . _.
Da kommen die Brüder mit em« Sanfte. Die Ritter Dankmar von Keffelstatt und Kunz von Umb- scheiden heben die edle Jungsrau hinein. Im Triumph geht« bann zur Königsburg.
' Freiherr Hans von Zandt und die beiden Jesuiten- toäter folgten.
Im Hausflur d« vätttlichen Burg schaute Jutta, wie aus einem Traume «wachend um sich.
„So soll ich also nicht sterben! Ach, ich war so gut vorbereitet", sagte sie fast bebau«nb.
„Liebes Kind, halte Dich immer bereit, so wird kein Tod Dir schrecklich fein", mahnte Friedrich von Spee.
„Mein Bat«, Euere Worte w«de ich beherzigen", »«sickerte Jutta ruhig, ernst mit dankbarem Blick.
„Nun klopft Mutt« und Schwester h«avs, sie sollen fick mit uns freuen. Und bann sorgt ftr eine kräftige Mvrgensuppe", verordnete Hans von Zandt und bemühte sich vergeblich, die überwältigende Rührung zu verbergen.
Ja, das war ein wundersames, mit Wehmut xn»