Maer
verantwortlicher
Erscheint täglich, *ü SnrnalMe bar Sem» wb Feiertage, viertel. ffl|tLBe$ug«prrt« ohne SrlngeMchn nab Bestellgeld in Znlda und mrrwärtr \ wk. 50 pfg.
rchriMirer-Zos.van«
3. wochrnbeilag«: „Illustrierte Sanntagrzeitung
Zeitung
mondsbeuage: „Zuldaer SeschichtrblStter".
Snrelgen: Bit ein» spaltige Petitzeile ober beten Baum 15 Pfg Beflamen bie Petitzeile 25 pfg.; bei Wiederholungen wirb entfpr. Babatt gewährt.
Druck und Verlag bar Zulbaer Actienbruckerei in Zulba (Harmonie) Zernfprecher Nr.
fllldü, Dienstag, den 29. September 1903.
M 222♦
WaHLcrufruf!
Die 10. Legislatur - Periode des preußischen Landtages ist beendet.
Kurz vor Schluß derselben hatten dieZentrums- Fraktion und das katholische Volk noch einen "schweren Verlust zu beklagen, indem Freiherr Clemens von Heereman, der langjährige Vorsitzende der Fraktion und der unermüdliche Vorkämpfer unserer Sache, uns durch den Tod entrissen wurde.
Beim Rückblick auf die beendete Legislatur- Periode sind wir uns bewußt, in redlicher Arbeit das Programm der Partei hochgehalten und alle unsere Kräfte zur Verwirklichung desselben und damit zum Wohle des Landes emgesetzt zu haben.
Soweit die Zuständigkeit der Landesgesetzgebung reicht, haben wir die ungünstige Lage der Landwirtschaft bei jeder sich darbietenden Gelegenheit und nach jeder Richtung hin nicht ohne Erfolg zu heben gesucht, insbesondere auch wiederholte dringende Mahnungen an die Staats- regiemng gerichtet, die begründeten Forderungen der Landwirtschaft im Wege der Reichsgesetzgebung zu verwirklichen.
Als erstem Versuch, den erdrückenden Wettbewerb der großen Warenhäuser gegenüber dem Kleingewerbe einigermaßen einzuschränken, haben wir dem von der Regierung vorgeschlagenen Gesetze über dieWarenhaus-Steuer einen vom Abgeordnetenhause, wie von der Regierung begrüßten und einstimmig angenommenen Antrag eingebracht, welcher eine umfaffendere Fürsorge und die Bereitstellung größerer Mittel von fetten des Staates für die Förderung und bessere Ausbildung dieses für das Vaterland so wichtigen Standes herbeizuführen bezweckt. Ein Anfang zur Verwirklichung dieser Maßregeln ist schon gemacht, und es wird unsere Aufgabe sein, auf diesem Wege zum Segen des Handwerkes stets weiter zu schreiten.
Zugleich waren wir unablässig bestrebt, die Lage der unteren Beamten und der Ar- better in den Staatsbetrieben durch Erhöhung ihrer Bezüge, Förderung des Wohnungswesens und günstigere Ausgestaltung ihre«, Dienstverhältnisses zu verbessern.
Bei Ausführung der von uns seit langem und nachdrücklich erstrebten Reform des Gemeindewahlrechtes sind leider unsere Wünsche nur zu einem kleinen Teile erfüllt worden; nichtsdestoweniger haben wir dem diesbezüglichen Gesetze zugestimmt, weil dadurch in zahlreichen Gemeinden zu gunsten der Mittelstände eine nicht zu unterschätzende Erweiterung des Wahlrechtes gesichert wird.
Anlangend die wasserwirtschaftliche Vorlage, so sind wir unter Würdigung der durch dieselbe erstrebten Erleichterung des Massenverkehrs und Entlastung der Eisenbahnen bemüht gewesen, einerseits die vielfach davon befürchteten Nachteile für wichtige Interessen - Gruppen und große Landesteile, insbesondere für das oberschlesische Industrie-Gebiet nach Möglichkeit aus- zugleichen, anderseits aber die davon erhofften
Der Hexenpater.
Erzählung aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges.
Bun Antonie Haupt.
23 ------ (Nachdruck verboten.)
„Wäre efl möglich! Was kar.n das bedeuten?" rief Dankmar erschreck:.
Tyle sprach zögernd:
„So sehe ich meine Hoffnung betrogen, bei Euch Auskunit über ihn zu erhalten. Die Bättr des Drei- faltigkeits-Kollegiums find in g'öß:er Sorge und Aufregung um das vorzüglichste Mirglieü chreS Ordens. Sie fürchten, daß Philipp den geistvollen Jesu'ten als Zauberer zurückbehalten habe und verbrennen lasse, ja, daß er fie alle auf gründ dessen vertreiben wolle. Die Jesnitenväter liegen auf den Knieen im Chor der Dreifaltigkeitskirche.
„Wenn diese Männer beten, so muß sich alles zum Guten wenden," sprach Kesselstatt vertrauensvoll.
Kunz von Urnbscheiden aber geriet in unternehmende Karnpfeswui:
„Ich schlage vor," rief er, „wir Edelleute mit unfern knechten über allen in dieser Nacht die Wächter des Gefängnisses — eine hein.Uche Befreiung ist ja bei der starken Besatzung unmöglich — und verhelfen Jutta zur Flucht."
„Lieber Kunz," sprach der Domherr erwägend, „Deine Absicht ist sehr löblich; aber solch ein Gewaltstreich würde meiner armen Schwester nichts nützen und allen Beteiligten nur schaden. Der Ueberfall toun e sogleich die ganze französische Mannschaft in Aufruhr bringen und um die Köpfe sämtlicher Befreier wäre es geschehen."
„Haben wir denn nicht die Trierische Bürgerschaft und die kaiserliche Armee in Luxemburg zu unserm Schutz?" warf Kunz, etwas kleinlaut geworden, hin.
„Ja, lieber Freund," bestätigte Ludwig von Zandt, ^,zn unserem Schutz gegen die Anmaßungen der
Vorteile auf weitere Gebiete und Flußläufe auszudehnen, haben hierbei aber stets die mit dm Verkehrsverhältnissen so eng verknüpfte finanzielle Sage unseres Staatswesens im Auge behalten.
Unsere Mitbürger polnischer Zunge halten wir selbstverständlich für verpflichtet, sich ihrer Angehörigkeit zum preußischen Staate bewußt zu bleiben und alle fogen. großpolnischen Bestrebungen, welche auf Loslösung preußischer Landesteile aus dem StaatSverbande gerichtet find, als landesverräterisch zurückzuweisen. Hingegen stellen wir auch an die Staatsregierung die Forderung, die Religion, die Muttersprache, die volkstümlichen ©itten und Gebräuche ihrer polnischen Untertanen nicht anzutasten und namentlich auch ihnen gegenüber nach jeder Richtung hin Gerechtigkeit walten zu lasten. Wir sind bereit, in den sogen. Ostmarken das Deutschtum, wo und insoweit es gefährdet ist, ohne Verletzung jener Grundsätze zu erhalten und zu stützen; gleicherweise sind wir aber auch verpflichtet, alle mit diesm Grundsätzen, insbesondere mit dem Prinzip der Gerechtigkeit und der Gleichheit aller Preußen vor dem Gesetze in Widerspruch stehenden Maßnahmm zu bekämpfen, zumal da wir Überzeugt sind und die Erfahrung es gezeigt hat, daß solche Maßnahmen, ohne ihren Zweck zu erreichen, nur eine weitere Verschärfung der Gegensätze zum Nachteil des Staates herbeiführen.
Eine der wichtigsten gesetzgeberischen Aufgaben des neu zu wählenden Abgeordnetenhauses ist die gesetzliche Regelung der Schulunterhaltungspflicht.
Zwar entbehrt unser ganzes Volksschulwesen noch immer der gesetzlichen Regelung. Den Verheißungen der Verfassung und unseren Wünschen würde es entsprechen, die Grundsätze über die Schulunterhaltungspflicht nur im Rahmen eines allgemeinen Schulgesetzes festzustellen. Aber zu unserm großen Bedauern stehen, nicht durch unsere Schuld, der Verabschiedung eines solchen Gesetzes so große Schwierigkeiten entgegen, daß wir die Regelung der Schulunterhaltungspflicht auf unabsehbare Zeit verschieben würden, wollten wir diese Forderung aufrecht erhalten. Die Schulunterhaltungspflicht lastet aber in den verschiedensten Tellen unseres Vaterlandes so ver- schiedmartig, so ungleichmäßig und ungerecht und zum teil so unerträglich drückend auf verschiedenen Klasten der Bevölkerung, daß diese gesetzgeberische Frage ehestens gelöst werden muß. Wir haben uns deshalb bereit erklärt und erklären uns bereit, diese Frage im Rahmen der Einzelgesetzgebung ohne jeden uns fälschlich untergelegten Hintergedanken zu lösen, wie wir in der vorigen Legislaturperiode freudig mitgeholfen haben, in einem besonderen Gesetze die Besoldung der Volksschullehrer zu regeln, in anbetracht dieses für das gesamte Staatswohl so bedeutsamen Standes unb seiner dringenden Bedürfnisse.
Mit der Frage der Schulunterhaltungspflicht steht in untrennbarem Zusammenhang die Frage, inwieweit die Träger der Last, die Gemeinden und die Hausväter an ihrer Schule berechtigt, und insbesondere, wer befugt sein soll, über den
Franzosen und nötigenfalls auch gegen die Bedrückung Philipp Christophs hätten wir den guten Willen der Genannten für uns; ob der uns aber, wie die Dinge heute liegen, viel helfen könnte, weiß ich nicht. Jedenfalls weiß ich gewiß, daß keine Hand sich regen würde, uns beizustehen, wenn wir eine zum Tode v rurteilte Hexe befreit hätten unb ans diesem Grunde gefangen würden. Der Hexenglaube unb bie Hexenverfolgungswut hat zu tiefe Wurzeln geschlagen in allen Schichten ber Menschheit."
Des Riesen Fuß stampfte ben Boden.
„Nur die ungerechte Anklage des stanzösischen Kommandanten brachte eine edle trierische Jungftau vor das Hochgericht; sein Wort allein verdammte sie zum Tobe!" rief er trotzig.
Graf Keffelfiatt vollendete ernst:
„Dem Kurfürsten aber steht das Begnabigungsrecht zu, noch ist er Herr im Laube. Hebt er keinen Gebrauch von seinem Rechte aus, läßt er gar gegen Parer Spee als Zauberer unb Mitschuldigen das gerichtliche Verfahren eröffnen unb bie Jesuiten vertreiben," feine Stimme hob sich brohend, .bann Gnade Gott bem Herrn Philipp Christoph! Als Kurfürst wirb er nicht mehr lange regieren. Seine Stunde hat ohnedies geschlagen; die Franzosenwntschatt lassen wir uns auch nicht mehr lange gefallen. Die in Luxemburg liegenden Kaiserlichen müssen zur Tatkraft ausgcrüttelt werden."
Der Domherr seufzte:
„Alles gut, liebe Freunde, wenn es ber in unserem Nachbarlaude vereinigten 8rr.ee nur nicht fast mehr noch an Waffen, als an Mannschaft georache!"
Da fiel Herr Tyle rasch unb freudig ein:
„Um diesem Uebelfianbe abzuhelfen führt mich mein Weg an Trier vorbei. Ich wurde vom kaiserlichen Hauptquartier mit mancher Wagenladung voll Waffen nach Luxemburg entsandt unb gedenke sie in Kürze dort abzuliefern."
„So werden wir mit Gottes Hilfe bald ber Stadt Trier gegen bie Franzosen Beistand leisten können," erklärte Ludwig von Zandt.
konfesfionellen Charakter der Volksschule zu wachen ober zu bestimmen. Es steht damit in untrennbarem Zusammenhänge die Beschulung der konfessionellen Minoritäten, hinsichtlich deren wir in Ermangelung gesetzlicher Bestimmungen so oft und so schwer zu klagen hatten.
Wenn wir daher bereit sind, die Schulunterhaltungspflicht im Rahmen eines Einzelgesetzes zu regeln, so müssen wir doch erwarten, daß die anderen mit dieser Frage in untrennbarem Zusammenhang stehenden Fragen gleichzeitig geregelt werden, daß insbesondere der konfessionelle Charakter unserer christlichen Volksschule in Preußen gesetzlich geregelt wird.
Nur ein christlich erzogenes, gottesfürchtiges Volk und zwar in allen seinen Ständen, kann, wie wir in unseren Wahlaufrufen wiederholt hervorgehoben haben, den mannigfachen Gefahren der Gegenwart für Thron, Staat und Gesellschaft erfolgreich und wirksam widerstehen. In Anerkennung dessen hat die Zentrumsfraktion des Preußischen Abgeordnetenhauses bei ihrer Gründung vor mehr als 30 Jahren sich zur besonderen Aufgabe gestellt, wie „für Aufrechterhaltung und organische Fortentwickelung verfassungsmäßigen Rechtes im allgemeinen", so insbesondere für die Freiheit und Selbständigkeit der Kirche und ihrer Institutionen einzutreten." Diese Freiheit und Selbständigkeit der Kirche ist ebensosehr ihr und des christlichen Volkes unveräußerliches Recht, wie die Bedingung ihrer segensreichen Wirksamkeit für Staat und Gesellschaft.
Diese Freiheit und Selbständigkeit der Kirche war früher verfassungsmäßig verbürgt. Bei seiner feierlichen Krönung in Königsberg hat König Wilhelm I. am 18. Oktober 1861 die damalige Lage der katholischen Kirche in Preußen dahin festgestellt: „Es gereicht mir zur Genugtuung, die Verhältnisse der katholischen Kirche für den Bereich meines Staates durch Geschichte, Gesetz und Verfassung wohl geordnet zu wissen".
Ein unseliger Kampf hat die verfassungsmäßige Bürgschaft uns geraubt und die geschichtliche und gesetzliche Ordnung der Verhältnisse zerstört. Gern erkennen wir an, daß seitdem auf dem gesetzlichen Gebiet und auf dem Gebiete der Verwaltung vieles wieder gebessert worden ist. Aber noch bleibt vieles zu erstreben, um ber Kirche diejenige Freiheit und Selbständigkeit zu sichern, deren sie bedarf, um ihre große Aufgabe auch für unser Volk zu erfüllen, und die sie in früheren wohlgeordneten Verhältnissen zum Segen von Staat und Gefellschaft besaß. Wir müssen das mit aller Entschiedenheit betonen gegenüber den geflissentlichen Versuchen, i t dem andersgläubigen Volksreil die vollständig unbegründete Meinung zu erwecken, als seien die Katholiken neuerdings in besonderem Maße begünstigt, um dadurch den andersgläubigen Volksteil gegen uns zu stimmen. Wenn man bem katholischen Teil Rechte roiebergibt, bie biefer früher besaß, so kann barin eine unerträgliche Bevorzugung unmöglich gefunben werben. In wie sparsamem Maße eine solche Wiederherstellung in der abgelaufenen Legislaturperiode aber stattgefunden
„Wir Edelleute," sprach der von Kesselftatt, „werden vielleicht nur noch den morgigen Tag abwarten, dann ziehen wir mit desto heißerem Ingrimm nach Luxemburg, um die Kaiserlichen stürmisch gegen Philipp Christoph anzuschüren."
So war denn zum Glück für die Familienangehörigen die Aufmerksamkeit von dem furchtbaren Geschick, welches ihnen drohte, auf das politische Gebiet hinübergelenkt.
Der Domherr legte den Lauschenden im Vertrauen die Pläne der Luxemburgisch-Kaiserlichen Armee dar. Und als mit Anbruch der Nacht auch noch der alte Graf Kasimir von Sesselstatt den Kreis der Freunde vermehrte, wurde mit keiner ©Ute mehr der eines gräßlichen Todes entgegenharrenden Jungftau gedacht. Es verstand sich jedoch von selbst, daß alle während der Nacht beisammen blieben, daß Keiner sein Lager aussuchte. Wer hätte schlafen können? Die Welt dünkte ihnen allen aus den Fugen.
Den betenden Frauen ober im stillen Kämmerlein wagte Keiner die Hoffnung zu nehmen; die Aermsten erfuhren das Schreckliche noch früh genug, wenn es geschehen.
Tief unter der Erde im fluchten Verließ lag allein und verlassen die schönste und erbarmungswürdigste Jungftau der Stadt »lchmoderndem Stroh. Man hatte ihr die Wunden verbunden, nicht aus Barmherzigkeit, sondern aus Furcht, der Tod möge fie befreie: , ehe fie dem Volke zum Schauspiel eine Beute der Flammen geworden sei. Aus demselben Grunde hatte man der bis zur Stumpfheit Gleichgilttgen Brot und Wein zur Stärkung gereicht, ohne ein tröstendes Wort, ohne einen Bick re8 Mitgefühls. Bei aller Grausamkeit, mit der man gegen solche, dem Feuertode geweihten Opfer verfuhr, war es doch Sitte, fie nicht ohne geistlichen Beistand zu lassen, und so stellte man der Unglücklichen auch die Wahl eines Beichtvaters frei. Hier zeigte fie zum ersten Male nach ihrer Verurteilung eine Spur von Teilnahme an dem, was um fie vopging, und nannte ohne Zögern Vater Spee, ben fie nur seinem Rufe nach und aus seinen Dichtungen kannte.
30. Jahrgang.
hat, beweist bie bedauerliche unb im katholischen Volke nicht verstanbene Tatsache, baß es nicht einmal möglich war, bie auf unfern Antrag von der Mehrheit des Abgeordnetenhauses in förmlichen Beschlüssen verlangte Erleichterung der gesetzgeberischen Bestimmungen über bie trantenpf legenben Orb en und bie Einrichtung konfessioneller Kirchhöfe auf der linken Rheinseite zu erlangen.
Wir müssen 'deshalb entschiedenen Einspruch erheben gegen bie beklagenswerten Versuche, burch solche und andere Ausstreuungen ben so notroenbigen Frieben unter ben ebrift• lichen Konfessionen zu stören. Seiner für das Gedeihen unseres Vaterlandes fo notwendigen Erhaltung wenden wir unsere besondere Sorge zu. Er kann nur gewahrt werden, wenn nach allen Richtungen hin die gleiche Gerechtigkeit für alle zur Anerkennung gelangt. Darum wird er durch Verwirklichung unserer Forderungen nicht gefährdet, sondern nur gesichert.
Diese und andere Anfeindungen führen uns allen die zwingende Pflicht vor Augen, ein jeder an seinem Platze im öffentlichen Leben überall mit vollen Kräften bie Schuldigkeit zu tun. Sie sind insbesondere ein dringender Mahnruf an die Wähler des Zentrums, demnächst am Tage der Wahl ausnahmslos Mann für Manu am Wahltisch zu erscheinen und für die ordnungsmäßig ausgestellten Kandidaten der Zentrumspartei die Stimme abzugeben.
Schwere Ausgaben hat das kommende Abgeordnetenhaus zu lösen. Die Art der Lösung kann von einschneidender Bedeutung für unsere ganze Zukunft werden. Fehle also keiner bei dieser bevorstehenden Wahl! Die Zentrumsfraktion muß mindestens in der alten Stärke wieder auf der parlamentarischen Wahlstatt erscheinen.
Auf denn zur Wahl für Wahrheit, Freiheit unb Recht!
Berlin, ben 29. April 1903.
Der Vorstanb ber Zentrumsfraktion bes Hauses bet Abgeordneten
A. Fritzen, Dr. Porsch, Herold, Dr. Dittrich, Dr. Bachem, Dauzenberg, v. Grandy-Ry, Letocha,
Dr. fRintelen, Roeten, v. Stromdeck.
Berlin, den 28. September 1903
* Am 26. September verstarb nach kurzer . Krankheit der vortragende Rat, Geheimer Oberjustizrat Thomas Przewloka. Er war am 7. Dezember 1852 zu Nieder-Kunzendors bei Kreuzburg in Obetschlesie» geboren. Seit dem 1. Juli 1889 wat er in Berlin und zwar zunächst als Amtsrichter bei dem Amtsgericht I, später als Landrichter bei dem Landgericht I tätig. Vom 1. Januar 1891 wurde er als Hilfsrichter an das Kammergericht einberusen. Seine
Seit jenem Lichtblicke in der Nacht ihrer Gefangenschaft war Stunde um Stunde vergangen. Der Tagesschimmer, welcher durch eine Lucke in das schauerliche Verließ fiel, war längst vollständiger Dunkelheit gewichen; auch daS verworrene Summen, das Geräusch der Menschen, die von ihrem Tagewerk zurückkehrten, war längst verhallt. Jutta wäre vielleicht bei der Gleich- glltigkeit gegen alles, waS ihr bevorstand — fie wußte ja, daß fie dem Untergange geweiht fei, und der Tod dünkte ihr eine Erlösung — fie wäre vielleicht aus Schwäche und Erschöpfung einaeschlafen, wenn nicht die Erwartung deS ehrwürdigen Vaters fie in fieberhafter Spannung gehalten hätte. Ihre Gedanken schweiften hinüber ins Vaterhaus.
Wie mag daS arme, alte Mutterherz zerrissen fein! Wird fie das Furchtbare überleben? Wie mag der greise Vater, die junge Schwester, die Sorge und Pein ertragen? — Der Gedanke an iute Lieben ist, ihr tiefstes Weh. Doch die Teueren alle glauben an chre Unschuld, daS lindert die Qual trostloser Berlassenbett. Eine heiße Blutwelle flutet in ihr Angesicht — Dank- mar von Kesselstatt! — Wird das zischelnde Gerücht der Lüge in der Ferne an sein Ohr dringen? Wird er der Verleumdung glauben, oder wird er später ihrer gedenken als einer unschuldia Gemordeten? O, daß er hier geblieben! Er hätte ihr vielleicht treu und stark als Schirm gegen den Todfeind zur Seite gestanden. Ihm wäre es gelungen, fie vor de BusiyS Rache zu schützen, denn er tat nichts halb. Ach, wenn er jetzt noch zurückkehrte, daß fie ihm vor der Hinrichtung noch einmal frei und fest ins Auge schauen, ihm durch ihren Blick sagen könnte: „Ich bin keine H^xe", durch flehenden Ausdruck zu ihm sprechen konnte: „Tröste, beschütze meine alten Eltern!" Weg mit den fruchtlosen Träumen! — Matt und todes- trqurig legte fie den schmerzenden Kopf auf das Stroh. Auf das Erscheinen des Beichtvaters hoffte fie allein, als auf den Retter aus der Seelcnnot. Ach, warum kam er nicht? Versagte man ihr dennoch seinen geist- llichm Beistand? Sollte sie vergeblich harren? (F. f )