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Verantwortlicher rchriftleiter:Zos.Sa«m

Fuldaer

3- parzeSer in Fulda. .Wochenbeilage:Illustrierte Zonntagszertung"

monatsbtilage:Fuldaer GeschichtLblätter".

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Druck und Verlag der Fuldaer Aetiendruckerei in Fulda (Harmonie) Fernsprecher Nr. 9.

fillM Dienstag, den 22. September 1903.

N 216.

30. Jahrgang.

Berlin, den 21. September 1903.

** Reichskanzler Graf Bülow hat sich am Sonntag in Wien von einem Vertreter eines Wiener Blattesinterviewen" lassen. Dabei äußerte er sich über die Frage der Handels­verträge wie folgt:Durch die Aenderung unserer Zollgesetzgebung sind wir gezwungen, eine Revision der bisherigen Tarifverträge, namentlich des Handelsvertrages m>t Oesterreich - Ungarn, vorzunehmen; wir haben alle Vorbereitungen ge­troffen, jederzeit in Verhandlungen eintreten zu können. Von dem Wunsche geleitet, die Schwierig­keiten, welche dem befreundeten und verbündeten Reiche aus der innerpolitischen Situation erwach­sen, nicht zu verschärfen und die Kontinuität der guten handelspolitischen Beziehungen nicht zu stören, habe ich bisher davon abgesehen, wegen der Er­öffnung von Verhandlungen besonders zu drän­gen ode^ zur Kündigung des Vertrages zu schrei­ten. Natürlich kann aber der Moment kommen, wo wir nicht länger warten können, und wir haben Verhandlungen mit -anderen Mächten eher beginnen müssen, als mit unserem Nachbarstaate." Viel ist es nun gerade nicht, was man da erfährt. Auch die Auslassungen des Kanzlers über die deutsche Orient-Politik enthalten nichts Besonderes.

** Als aussichtsvoller Kandidat für das er­ledigte Amt des Präsidenten des evangelischen Oberkirchenrats wird nach der,Vvss. Ztg.' in juristischen Kreisen Professor Dr Kahl be­zeichnet. Herr jKahl gehört politisch zu den Nationalliberalen,hat aber durch seine Stellung zu den Maßnahmen gegen die Lehrfreiheit der liberalen Theologie-Profefforen manchen Wider­spruch in der eigenen Partei heraufbeschworen".

* Der nächste Reichsetat weist dem ,Berl. Pol. Nachr/ zufolge in verschiedenen Ver­waltungszweigen bei den Ausgaben Erhöhungen auf. Eine kleine Besserung wird er insofern aufweisen, als die Position für Fehlbeträge aus früheren Jahren unter die Ausgaben nicht in der Höhe des vorigen Jahres eingesetzt zu werden braucht. Wenn auch der Fehlbetrag, der nach dem Finalabschluß der Reichshauptkasse dem Reiche für 1902 verblieben ist, sich auf 30,7 Millionen Mark beläuft und demgemäß recht beträchtlich ist, so ist er immer noch nicht so hoch, wie der für 1901, der nicht weniger als 48,3 Millionen Mark betrug. Ebenso wie die Ueberschüsse werden auch die Fehlbeträge der einzelnen Finanzjahre in die Etats der über­nächsten Jahre eingestellt. In den Etat für 1901 konnten noch 32,5 Millionen Mark als Ueberschuß aus dem Jahre 1899 eingestellt werden' Von da ab verschwand diese Position aus den Einnahmen des Etats und statt ihrer wurden wieder die Ausgabepositionen der Fehl­beträge aufgeführt. Um die erwähnten 30 Millionen verbessert sich der Etatsanschlag für

Der Hexenpater.

Erzählung aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges. Von Antonie Haupt.

17 ------ (Nachdruck verboten.)

Schweigend ging er an ihnen vorüber, flog die Stiege hinan zu dem Gemache, in welchem er die Familie zu treffen hoffte. Als ihm auf sein Anklopfen keine Aufforderung zum Eintreten zu Teil ward, öffnete er dennoch stürmt; H die Türe.

Da saß der alte Freiherr allein; er stierte vor sich nieder und hob auch den Blick nicht, als Graf Kessel- statt eintrat.

Lieber Ohm Hans, ich sehe, daß es Wahrheit ist, was wir vernahmen," sprach Dankmar tief erschüttert. Laßt den Mut nicht finken und laßt uns beraten, was zu tun ist."

Der Freiherr neigte das Haupt nur noch tiefer. Mein Kind ist verloren," sprach er d'nnpf.

Morgen wird fie gefoltert, und wie ich mein weiches, an keine Schmerzen gewohntes Töchterlein kenne, so wird Jutta bei den unerträglichen Qualen sogleich die angedichteten Verbrechen eingesteheu und übermorgen zum Scheiterhaufen geschleppt werden. Das gerichtliche Verfahren toiOer Hexen und Zauberer braucht mich Keiner zu lehren. Nichl umsonst war ich neun Jahre lang Vo sitzender des Hochgerichts, und, glaubt mir, nicht ohne Grund hängte ich die goldene Amtskette mit samt meinen gerichtlichen Würden als Amtmann zu Pfalzel und Grimburg und als kurfürst­licher Slatthaller an den Nagel."

In qualvollem Erinnern bedeckte der unglückliche Mann die Augen mir der Hand und murmelte tonlos: Der Erste, den ick in meiner Eigenschaft als Statt­halter vor nunmehr vierzig Jahren verklagen und gegen den ich das Jnquifitionsverfahrcn eröffnen mußte, war mein Amtsvorgänge'' der Stadtschultheis und Rektor der Universität Doktor Flade, der vordem selber so

1904 gegenüber dem für 1903 oder vielmehr um diese Summe verschlechtert er sich weniger. Wenn man den Etat für 1904 bezüglich der Wirkung der Ergebnisse früherer Jahre mit dem von 1899 vergleicht, so findet man, daß er gegen den letzteren eine Verschlechterung um nicht weniger als 63,3 Millionen Mark erfährt.

* Die Beratung der preußischen Delegierten über die preußische» Landtagswahle», die sich an den sozialdemokratischen Parteitag an­schloß, erweckt den Anschein, als ob die Liberalen keinenfalls auf Unterstützung der Sozialdemokraten zu rechnen hätten, wenn sie ihnen keine Mandate abtreten. Aber so ausgemacht ist das doch auch nicht. Man will wohl zunächst die Liberalen bange machen. Was aber schließlich geschehen soll, darüber will man sich erst schlüssig werden, wenn man weiß, über wieviel Wahlmänner man verfügt. Es bleibt also den Freisinnigen noch die Hoffnung, daß die Suppe nicht so heiß wird gegessen werden müffen, wie sie der Fanatiker Bebel kochen wollte.

§ Den Scharfmacher» hat Bebel mit seinem selbstherrlichen Auftreten in Dresden den aller­größten Gefallen getan. Er hat es erreicht, daß alleRevisionisten" undRevolutionäre", sich einmütig zu dem alten sozialdemokratischen Pro­gramm bekannt und sämmtlich auf den Boden des Klaffenkampfes gestellt haben. Da können die Scharfmacher triumphieren und darauf Hin­weisen, daß dieMauserungs-Illusionisten" wieder einmal unrecht gehabt haben. Und lauter erhebt sich sofort wieder der Ruf nach scharfen ge­setzgeberischen Maßregeln gegen die Sozialdemokraten. Sie können sich dafür auf Bebel berufen, denn dieser hat bekannt, daß ihm das Sozialistengesetz doch sehr unbequem gewesen sei. Wir unsererseits bleiben freilich bei dem Glauben, daß trotz der Resolution des Par­teitags die Entwickelung in der Sozialdemokratie weiter von der revolutionären Phrase abführen wird, ja Bebel mit seinen Thorheiten diese Ent­wickelung nur gefördert hat. Die ,Post' schreibt zu den Vorgängen in Dresden:Die fürchterliche Entartung ganzer ungeheurer Volksschichten ist kaum irgendwo schärfer in die Erscheinung ge­treten, als auf dem heute zu Ende gehenden sozialdemokratischen Parteitag." Das ist eine vollständige Verkennung des wahren Sachverhalts. D'eser von einigen regsamen Schreiern gewählte Parteitag hat nicht den mindesten Anspruch, als die Vertretunggroßer" ungeheurer Volksschichten zu gelten.

* lieber die deutsche überseeische Aus­wanderung im August 1903 und in dem gleichen Zeitraum des Vorjahres liegt folgendes Resultat vor: Es wurden befördert deutsche Aus­wanderer im Monat August über Bremen 1391 (1274), Hamburg 807 (737), deutsche Häfen zufammen 2198 (2011) fremde Häfen (soweit ermittelt) 710 (1124), überhaupt 2908 (3135). Aus deutschen Häfen wurden im Monat August 1903 neben den 2198 deutschen noch 15,766 Angehörige fremder Staaten befördert; davon gingen über Bremen 9851, über Hamburg 5915.

Manchen der Zauberei Angeklagten zum Tode ver­urteilt hatte. Neun Jahre lang versah ich das schauer­liche Amt, bis ich auf Erkenntnis des Gerichtes den unglücklichen Reulandt als Zauberer verurteilen mußte Es war der Letzte über den ich zu Gericht saß. Von plötzlichem Ekel, von Entsetzen gepackt, verzichtete ich auf alle juristischen Würden und lebte nur mehr meiner Familie und der Verwaltung meiner Güter."

Mit heftiger Bewegung schaute er händeringend gegen Himmel:O, und jetzt rächen sich die Reulandts. Käthe Reulandt war die Elfte, welche mein armes Kind öffentlich der Zauberei beschuldigte. Jutta habe ihr--n stüheren Verlobten, den von Umbscheiden, behext, sagte fie aus! auf Käthes Zureden folgte die kleine, blonde Gertrud von Hontheim deren Beispiel und gibt an, der von Wittgenstein sei von Jutta be­zaubert. Auf diesen kindischen Aussagen fußt der Marquis bei seiner Anklage, die nur dem Rachedurst entspringt. Doch, was rede ich noch länger; mein Kind ist verloren. O, daß alles vorüber wäre!"

Dankmar legte seine Hand auf des Greises Schulter.

Gebt den Mut nicht auf, lieber Ohm; in mir lebt noch ein Fünklein Hoffnung, die Jungstouzu retten."

Der Freiherr schüttelte dm Kopf:

Wer einmal gefaßt wurde entrinnet der Verurteilung nicht. O, wie mag mein armes Weib das Schreckliche ertragen!"

Ich möchte mit den Damen reden. Darf ich zu ihnen gehen?" fragte Dankmar.

Der alte Herr machte eine abwehrende Bewegung.

Während i& heute zum Kurfürsten besohlen war, hatten fie Jutta weggeschleppt. Mein Weib fand ich ohnmächtig bei der Rückkehr. Jsengard allein hat den Kopf oben behalten, das starkmütige Mädch n ist um die Mutter beschäftigt. Am Besten wäre es freilich, wenn fie nie n ehr erwachte. Mich hat Isa von dem Lager weggeschickt und ich ging denn, der Anblick schnitt mir in's Herz und ich war machtlos zu helfen."

So will ich bei der Dienerschaft mich erkundigen," sagte Dankmar und ging rasch hinaus.

* Danzig, 21. Sept. 1903. Der Kaiser traf heute 4 Uhr 45 Min. zur Denkmalsent­hüllung Kaiser Wilhelms des Großen hier ein. Am Bahnhofe hatte eine Ehrenkompagnie des Infanterieregiments Nr. 128 Aufstellung ge­nommen. Der Kaiser und sein Gefolge bestiegen am Bahnhofe die Pferde, und ritten, gefolgt von einer Eskadron der ersten Leibhusaren zum Denk­malsplatz. Zu beiden Seiten des Weges bildeten Abteilungen der Danziger Garnison und Mann­schaften der im Hafen liegenden Kriegsschiffe Hildebrand" undBeowulf" Spalier.

Ausland.

* Paris, 21. Sept. 1903. Der französische Kriegsminister General Andre wohnte gestern in Saint Emilion der Einweihung einer neuen Mairie bei. Unter den vom Minister empfangenen Personen befand sich auch der Führer der sozialistischen Partei von Libourne, Lablegnie, der die Wünsche seiner Partei vor­trug und den Minister bat, für Milderung desMilitärdienstes einzutreten. Der Minister erwiderte, daß alle Bestrebungen der Regierung auf dieses Ziel gerichtet seien, daß die zwei­jährige Dienstzeit schon angenommen sei, und daß demnächst dem Parlament auch eine Vorlage, betreffend Reform des Militärstrafver­fahrens, vorgelegt werden solle.Aber", fügte der Minister dann hinzu,kennen Sie das LiedDie Internationale" und besonders den Vers, in welchem es heißt:die Kugeln sind für unsere Generale"? Nun, ich erkläre Ihnen, daß ich derartiges nicht dulde, und wenn manDie Internationale" spielen sollte, würde ich mich entfernen." Als Lablegnie hierauf etwas er­widern wollte, sagte der Minister:Wir wollen über diesen Punkt nicht diskutieren; ich teile Ihre Ansichten nicht hinlänglich, um gestatten zu können, daß über die erwähnte auch nur debattiert werve."

* London, 21. Sept. 1903. Die englische Ministerkrisis scheint noch weitere Kreise zu ziehen, als man anfangs erwartete. Nachdem die Minister Joe Chamberlain und Ritchie,

fowie der Staatssekretär für Indien, Lord Hamilton schon in der vorigen Woche ihre Entlassung genommen hatten, wird nun gemeldet, daß auch Lord Balfour der Staats­sekretär für Schottland und Ellio t, der Finanz­sekretär im Schatzamts, ihr Entlafsungsgesuch eingereicht haben. Es ist dies eine weitere Episode in dem politischen Kampfe Chamberlains mit den ihm entgegenstehenden Kreisen, die seine Zollunionptäne mit den Kolonien bekämpfen. Man [agt Chamberlain sei der Ansicht, daß der Premierminister Balfour nicht weit genug gehe; er habe es deshalb vorgezogen, von seinem Posten zurückzutreten, und sei überzeugt, daß er nach einer gewissen Zeit die Nation für seine Ideen gewinnen werde. Chamberlain, dessen Porträt wir obenstehend bringen, hat wie kein zweiter Minister der britischen Weltpolitik seinen Stempel aufgedrückt und wird wohl binnen kurzem wieder an maßgebender Stelle stehen. Die ,St. James Gazette' meldet: AustenChamber- lain ist zum Schatzkanzler, Lord Selborne zum Kolonialminister, Arnold Forster zum Kriegsminister und Brodrick zum Staats­sekretär für Indien ernannt.

* Konstantinopel, 21. Sept 1903. Nach Gerüchten aus Adrianopel wurde das Dorf Raktlica, eine halbe Stunde von Kirkilisse entfernt, durch Truppen und Baschbozuks zerstört, wobei viele Torfeinwohner getötet wurden. Türkischer­seits dagegen wird die Tat den Komiteebanden zugefchrieben. Auf der Strecke nach RoNscha wurden 6 0 L e i ch e n getöteter Bulgaren gefunden. Das Dorf Rambely ist gleichfalls zerstört. Im Bazar von Keprülü wurden zwei bulgarische Notabein von Soldaten erschossen, durch Schüsse wurden auch andere Personen verwundet. Die Täter sind verhaftet. Die Nachrichten von der Mobilmachung des vierten, fünften oder sechsten Korps in Erzingyion, Damaskus und Bagdad sind unzutreffend.

* Tanger, 21. Sept. 1903. Die Truppen des Sultans trugen in der Gegend nordwest­lich von Udschda einen großen Sieg über die Truppen des Prätendenten davon, die völlig zer­sprengt wurden und zahlreiche Gefangene zurück- ließen. Der Sultan rückt auf Tazza vor. Die Stämme unterwerfen sich ihm.

* Caracas, 21. Sept. 1903. Die Mächte reichten bei der venezolanifchen Regierung ihre noch ausstehenden Forderungen in aller Form ein: Deutschland fordert 1,417,309 Doll., die Vereinigten Staaten 10,900,000, England 2,500,000, Frankreich 16,040,000, Italien 8,300,000, Belgien 3,093,800, Spanien 600,000, Mexiko 500,000, Holland 1,048,451 und Schwe­den 200,000.

totales.

Fulda, den 22. September 1903.

= Lehrerkonferenz. Morgen nachmittag findet zu Horas in der Martin'schen Wirtschaft eine Konferenz des hiesigen Lehrerbezirksvereins statt, dem gegen 50 Mitglieder (Geistliche und

Aus dem Vorplatze wollte kte in Zandr'schen Diensten ergraute Lene an ihm vorüberschlüpfen; der junge Graf aber hielt sie an, um teilnehmend nach dem B finden der Dame zu fragen. Die treue alte Seele fuhr mit der Hand über die Augen.

Ach Gott, Herr Graff unsere gnädige Frau ist wieder zu Besinnung gekommen, und unser Fräule n Isa, das liebe Kind, ich weiß nicht, woher sie den Mut nimmt, tröstet fie tote ein Engel unv spricht ihr Zuversicht ein, obgleich fie selber keine Hoffnung hat. DaS hilft freilich weiter nichts, als daß meine er­schöpfte alte Dame jetzt ein geschlafen ist."

Da öffnete sich die nächste Türe, in deren Rahmen stand Jsengard. Tie schwarzen Augen glänzten, dunkelrote Flecke brannten auf ihren Wangen; in ihrer fieberhaften Erregung sah die Jungfrau zum Entzücken schön aus. ,

Graf Dankmar, ch hörte Eure Stimme," kam es leise von ihren Lippen. Sie schritt rasch aus ihn zu und umklammerte bebend mit beiden Händen seinen Arm. Aus den schönen dunklen Augen, die ganz nahe in die seinen schauten, brach ein Leuchten.Gott sei Lob, daß Ihr endlich da seid, der Himmel sandte Euch Dankmar, ich weiß, Ihr werdet mir helfen, fie zu retten."

Ein eigentümlich warmes Gefühl, ein inniges Erbarmen überkam den jungen Grafen, als das schöne junge Mädchen so hilfesuchend und zitternd wie ein Kind sich an ihn schmiegte. Zu reden vermochte er nicht. Seine Hand glitt beruhigend über ihr seidenes Lockenhaar.

Ohne zu wanken, hatte Jsengard heute das Ueber- maß der Schrecknisse vorübergchen lassen, fie mußte fich ja aufrecht holten Mn ihrer Eltern willen, unter der liebkosenden Berührung des Freundes aber brach ihr gewaltsame Fassung zusammen. Jede Form ver- geffend, lehnte sie ihr Haupt an seine Sckulter, und ihren Körper erschütterte krampfhaftes Weinen, die ersten Tränen, welche sie heute vergoß.

Dankmar, auj's Twiste bewegt, legte t en Arm um das

haltsuchende Mägdlein und flüsterte zärtliche Laute des Trostes und inniger Besorgnis. Am liebsten hätte er fie in heiß aufwallender Empfindung an seine Brust gezogen. Er wußte es nun, er empfand es in diesem Augenblicke tief, daß dieses warmfühlende liebe Kind mit dem in ruhigen Tagen so sonnigen Gemüt, mit der im Leid so starken Seele sein Herz gefangen hatte. Es war nicht die Erinnerung an die schöne oberflächliche Jutta, sondern das traute Bild der finnigen Jsengard, welches ihn auf der langen Reise begleitet harte. Jetzt hielt er sie in seinem Arm, fühlte er den lebhaften Schlag irres Herzens. Auch sein Herz pochte stürmisch, sein Blick ruhte mit dem Ausdrucke unbeschreiblicher Zärtlichkeit auf der Weinenden, doch feine Lippen verrieten nichts von dem, was ihn be­wegte. Wie hätte er auch in dieser Stunde von etwas Anderem reden dürfen, als vrn dem grausigen Ereignis, welches dieses starkmütige Mädchen so überwältigte, daß es schwach und selbftvergeffen an seiner Schulter ruhte, von seinem Arme fick umschlingen ließ.

Mut, teures Kind! Jutta muß gerettet werden", sprach er jetzt lauter.

Der bellere Klang seiner Stimme gab ihr die ver­lorene Fassung, die ganze Tatkraft wieder. Alle Schwäche schien von ihr gewichen, als sie jetzt rasch fich auf­richtete und seinem Arme fich entwand; ober der ihre ganze Seele erfüllende Gedanke an das drohende Un­heil ließ auch das kleinlichere Gefühl der Beschämung und Verwirrung über ihr freilich nicht sittengemäßes Anschmiegen an den Freund nicht aufkommen.

Wir haben keinen Augenblick zu verlieren; kommt m t zum Vater, daß wir gemeinsam beraten," rief fie feurig und zog ihn an der Hand ins Wohn- gemack.

Graf Keffelstatt, der kaum wußte, wie ihm ge­schah, sprach lebhaft:

Ich möchte zu Vater Spee eilen. Der geistvolle, beredte Mann mit seiner hohen Gelehrsamkeit, mit seinem engelgleichen Wesen gewinnt vielleicht Eii flup auf Philipp Christoph."