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irscheint täglich, mit »««ahm« bet Sonn- nnb zeiertage. viertel« jährl. Bezug« p<«1« ohne Srin-eMchn und Vestellgelbin8«lbaunb «nrwärtr I Ml. 50 pfg.

rchriftleiter:Zos.vaum

3. woch-nb-ilage: „Illustrierte Sonntagrzeitung

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monakbeUage: „Zuldaer Geschichttblätter".

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Druck und Verlag der ZulbaerAettendruckerei in Zulba (Harmonie) Fernsprecher Rr. 9.

M 215.

fttlM Montag, den 21. September 1903.

30. Jahrgang

§ Pas „Arbeiter-Getümmel" in Dresden

ift diesmal mit den üblichen 6 Zanktagen nicht ausgekommen. Uns ist es recht, wenn es noch eine Woche so weiter „arbeitet". Der,Vorwärts' pflegt unseren katholischen General-Versammlun­gen alljährlich vorzuhalten, daß dort eine Menge Anträge ohne ernsthafte Diskussion erledigt wür­den. Nun, wie geht es denn auf den sozial­demokratischen Parteitagen her? Fast die ganze Dauer der Versammlung hindurch zanken sich die Herren über andere Dinge herum, und in den Erholungs-Pausen werden die Anträge schleunigst schockweise erledigt. Auf den Katholiken-Versamm- tungen werden die Anträge zuerst in den Aus­schüssen beraten. Die Beratung in der General- Versammlung selbst kann deshalb kurz sein. Auf dem sozialdemokratischen Parteitage aber kennt man die Ausschuß-Beratung nicht, dort werden die Anträge gleich im Plenum abgetan.

Das Arbeiter-Parlament zeigt sich da wieder keineswegs als Arbeits-Parlament. Aber auch der ihm von demagogischen Schmeich­lern gegebene Ehrentitel „Arbeiter-Parlament" kommt ihm von rechtswegen gar nicht zu. Ist das in Dresden wirklich die Vertretung der drei Millionen sozialdemokratischer Wähler? Man braucht sich nur die Berichte über die Mandats- Prüfung anzusehen, um die Antwort zu haben. Man spielt bewußt Komödie, wenn man den Parteitag ein Arbeiter-Parlament oder die Ver­tretung der sozialdemokratischen Wählerschaft nennt. Es ist in derHauptsache eine Vertretung der radikalen Schreier, welche die Mache besser verstehen und besser auf dem Posten find, wenn für den Reichstag gewählt wird.

Eine Komödie ist schließlich die ganze Ver­handlung dieses Parteitages. Bebel hat ver­kündigt, dem Vertuschen und Komödiefpielen solle ein Ende gemacht werden. Dabei spielt er selbst Komödie wie einer. Er tut, als habe er die rechtmäßige Vertretung der sozialdemo­kratische Arbeiterschaft in Dresden vor sich, wie­wohl er genau weiß, daß das Gegenteil der Fall ist. Er behauptet, nur den Willen der „Massen zu vollziehen und dem untrüglichen Klasseninstinkte der Arbeiter" zu folgen, und dabei will er nichts als den unantastbaren und absoluten Diktator spielen. Mr schmeichelt in echter Demagogenmanier den Massen und gibt sich den Schein, als sei er ihr gehorsamer Diener, während er in seiner Machtbegier und seiner Rechthaberei die ganze Partei unter seine Fuchtel bringen will. Nun, sein Kollege v. Vollmar hat ihm die Komödienmaske nicht umsonst vom Gesichte gerissen und allen, die sehen wollen, die Diktatormiene gezeigt, die dahinter steckt.

Auch Bebels Kampf mit den „Revisionisten" ist Komödie. Wir hoben schon hervor, daß er nicht daS geringste getan hat, ihre Wahl zu verhindern. Auer hat ihm sogar vorgehalten, daß er überall auch für die Revisionisten ge­sprochen. Daß er diese Leute nicht erst nach­träglich kennen gelernt habe, hat er selbst bezeugt. Warum denn auf einmal dieses furchtbare

Der tzexenpater.

Erzählung aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges. Von Antonie Haupt.

16 * ------ (Nachdruck verboten.)

Es war im Hochsommer. Durch die schattigen Wege des Parkes streb e in glänzender Prunkrüstung der stanzöfische Stadttomnmndant, Herr Marquis Charles Lameth de Buffy, >em Palaste zu. Von dem Kurfürsten, der vor wenigen Stunden hier anlanq.e, war er eiligst in die Petersburg gerufen worben. Welch' em Leben war in dem bisher so still, fast verödet dastehenden Gebäude! Bor dem Portale stand eine Wagenburg mit Gepäckstücken, ein geschäftiger Dienertroß tummelt: sich hin und her und entfaltete gewaltige Rührigkeit im Säubern und Ausschmücken aller Säle, Gemächer und Gänge des weitläufigen Palastes.

Marquis de Buffy schüttelte lächcknd den Kopf. Welch' ein ruheloser, aufgeregter Geist mußte in Philipp Christoph leben, daß er ihn, den Kommandanten, schon in dieses Ein-ngs Wirrsal zu sich entbot! Noch größer war sein Claunen, als der diensttuende Kammer- Herr, bei dem er sich meldete, ihm eröffnete, daß er augenblicklich nicht vorgelaffen Aerden könne, da Serenissi­mus den widerspenstigen Adel und die rebellischen Ratsherrn der Stadt Trier vor fick beschieden habe und die Herum soeben im Huldigungssaale empfange.

„Seine Kurfürstlichen Gnadm verrieten mir," fuhr der dem Kommandanten vertraut befreundete Kammer­herr fort, „daß eS seine Absicht diesmal nicht sei, die Widerspenstigen ihrer Stroter zu entsetzen und ihrer Reckte, sowie ih"-r Habe und Güter zu berauben, rote er das bisher mit Rebellen immer so g-hallen habe. Nein er wollte die stolzen Herre- nur demütigen, daß sie knir fällig um Verzeihung binen müßte-', dann wollte er sie mit Grn«adnungen entlassen."

„Solche mildere Handlungsweise würde ich Sere- nissimus auck angeraten haben, wenn er mich vorher

Kampfgeschrei gegen sie? Die Sache erklärt sich einfach so: Die Wahl von Revisionisten ver­hindern kann er nicht, weil es zuviel revisio­nistische Wähler gibt. Aber er möchte sie doch unter seine Fuchtel in der Fraktion bringen und dazu soll ihm der Parteitag helfen. Kann er glauben, daß sie gehorchen werden, nachdem er selbst hat klagen müssen, daß alle früheren Be- fchlüsse nichts genutzt hätten? Da er es nicht glauben kann, spielt er also nur Komödie, statt, wie er versprochen hatte, der Komödie ein Ende zu machen.

Die Revisionisten freilich spielen auch Ko­mödie, indem sie sich den Schein geben, als wollten sie Buße tun. Vor diesem auserlesenen „Arbeiterparlamente" blieb ihnen ja nichts anderes übrig. Sie wissen aber, daß dieser Parteitag gar nicht berechtigt ist, sich als oberste Instanz der sozialdemokratischen Partei zu geberden, und deshalb machen ihnen feine Beschlüsse nicht all­zuviel Kummer. Die Rache allerdings hat Bebel an ihnen genommen, daß er ihnen das Ein­kommen verkürzte. An dem Verbot der Mit­arbeiterschaft wenigstens der „Zukunft" ist nicht zu rütteln. Ob er aber wohl auch den Mut ge­habt hätte, die Revisionisten aus der Partei aus­schließen zu lassen, wenn sie sich widersetzt hätten? Wir bezweifeln es.

Was die Resolution über die Taktik wert ist, kann man schon daraus ersehen, daß Herr v. Vollmar gar nicht einmal dagegen war. Die Frage, was benn nun eigentlich das Kennzeichen der Revisionisten ist, ist aus dem Parteitage nicht im mindesten klar beantwortet worden. Wer anders will als Bebel, ist ein Revisionist, gewiß, aber mit dieser Definition kommt man nicht weit. Das ganze Ergebnis der von Bebel mit so großer Leidenschaft in Szene gesetzten Haupt- und Staatsaktton ist: Der Herr Drechsler- meister und Schriftsteller hat wieder einmal auf einem Parteitage „gesiegt", im übrigen bleibt alles beim Alten, es wird weiter vertuscht und Komödie gespielt und zwar mit dem Erfolge, daß die Revisionisten weiter an Boden gewinnen. Außerdem wäre nur noch das Ergebnis festzu­stellen, daß die Partei vor ihren 3 Millionen Wählern und der ganzen Welt furchtbar bloßgestellt ist, da sie nach einem solchen Wahlsiege einen solchen Parteitag fertig brachte.

Berlin, den 19. September 1903.

* Graf Bülow und die Handelsver­träge. Die .Deutsche Tageszeitung' schreibt: „In einem liberalen Blatte lasen wir jüngst, daß die Tage der Amtsführung des Kanzlers gezählt sein würden, wenn ihm die Erledigung der Handelsverträge nicht gelingen sollte. Was daran wahr sei, wissen wir nicht. Die Veröffent­lichung und Erörterung eines solchen Gerüchts aber gerade int jetzigen Augenblicke bezeichnet ent» gefragt hätte," äußerte de Buffy kopfschüttelnd. „Es gährt im ganzen Erzstift, hier und ha lodert die Flamme der Empörung schon offen gegen den Landes- Herrn hervor."

„Ich weiß, ich weiß," nickte der Kammerherr. „Schade, daß dieser hervorragende Geist nicht in fried­licher Zeit auf den Kurfürstenthron kam! Zu welch' hoher Blüte hätte er mit seinem Scharfblick, mit seinem Organisationstalent dieses Land gebracht! Ich kann ihm ttotz all' seiner Härte meine ttefe Hochachtung nicht versagen, denn die Rechte, welche er mit Trotz erstrebt, beansprucht der aszetische, bedürfnislose Fürst nicht für sich und seine Familie, sondern für die Kurwürde, die bei seinem Tode ja aus einen ihm fremden Nachfolger übergeht."

„Meines Bedruckens nach auf Sttne Eminenz unseren Kardinal Richelieu," sagt de Buffy, heiter und zuversichtlich. Unter solchem Gespräch waren beide Männer durch schier endlos sich dehnende Gänge bis vor den Thronsaal gelangt. Im Innern vernahmen sie des Regenten lebhatte hellklingende Stimme:

„Und so verzeihen Wir Euch denn, aus angeborener Milde und Clemenz, die Güte der Schärfe des Rechts vorsetzend."

Marquis de Buffy kräuselte die Lippen und schaute, indem er mühsam ein Lächeln unterdrückte, vor sich nieder. Er kannte Philipp Christophs Redeweise; immer lebyast, bündig, geistreich, immer mit der Absicht, den Zuhörer nicht nur zu blenden und hivzureißen, sondern vielmehr zu erdrücken. Er selber gehört zu den Bevor­zugten, den Vertrauten, in deren Krei'e der Kurfürst in etwas die Härte ablegte und dann sogar ungenuin liebenswürdig erschien.

Jetzt öffnete sich die Türe des Thron aales. Mtt düster gesrillten Stirnen schritten die adeligen Macht» Haber und die Ratsberrcn der Stadt an dem Kom­mandanten vorüber. Voll herzlicher Schadenfreude ge­wahrte Letzterer unter den Entlassenen den Grafen Kasimir von Kesselstadt und den Freiherrn Jolann v. Merl. Dann hat er vor in den Huldiqunosiaal.

weder den Gipfel kurzsichtiger Torheit oder den stärksten Mangel nationalen Sinnes. Wir be­finden uns in Handelsvertragsverhandlungen mit Rußland. Es ist bekannt und unwidersprochen geblieben, baß Rußland gewisse Forderungen stellt, die Deutschland unmöglich bewilligen kann. In einer solchen Zeit ist es doch mehr als selbst­verständlich, daß jeder nationale Politiker, auf welchem Standpunkte er auch stehen möge, die Position der deutschen Unterhändler mit aller Entschiedenheit zu stärken suchen muß. Daß diese Position durch Verbreitung eines solchen Gerüchts, — vorausgesetzt, daß es überhaupt ernst genommen wird, — nicht gestärkt, sondern aufs empfindlichste geschwächt wird, bedarf keines Beweises. Die russischen Unterhändler werden geradezu provoziert, ihre Forderungen aufrecht zu erhalten,- wenn sie hören, daß vom Zustande­kommen des Vertrags das fernere Bleiben des Reichskanzlers in seinem Amte abhängt. Dazu kommt, daß das ganze Gerede das Gepräge der Erfindung deutlich an der Stirn trägt. Es ist vom Reichskanzler und seinen Vertretern mehr als einmal hervorgehoben worden, daß wir nicht daran dächten, Handelsverträge um jeden Preis abzuschließen, sondern daß wir nur solche Handelsverträge schließen würden, welche dem deusschen Interesse genügend Rechnung trügen. Wer angesichts dieser unzweideutigen Erklärung Gerüchte wie das mitgeteitte kolportiert, der be­weist damit, daß er entweder ein Sensations- Hascher ober ein politischer Tor ist ober aber — ein Agent des Auslands."

** Der bisherige Landtagsabgeordnete Dr. Barth will in Kiel nicht mehr kan­didieren. Die .Kieler Ztg.', die sich mit der Kandidatenfrage beschäftigt, läßt aber nicht klar erkennen, ob die Kandidatur Barth für Kiel schon definittv abgetan sei. Allerdings erklärt sie, Dr. Barth sei der lleberzeugung, daß er seine Kandidatur nicht aufrecht erhalten könne, wenn man nicht die ganze Partei auseinandersprengen wolle. Ferner teilt sie den folgenden Vorstands­beschluß der Kieler Liberalen Vereins mit: „Der Vorstand des Liberalen Vereins nimmt von dem Entschluß des Abgeordneten Barth vorn 12. Sept., von der Kandidatur in Kiel zurückzutreten, Kenntnis, und beschließt, die endgiltige Erledigung der Kandidatenfrage bis nach dem Zusammen­tritt des Parteitages der deutsch-freisinnigen Partei Schleswig-Holsteins bis Mitte Oktober zu vertagen, dagegen sobald als tunlich mit der Aufstellung der Kandidaten für bie Wahlmänner­wahlen vorzugehen." Die.Kieler Ztg.' spricht bann aber doch die Hoffnung auf ein Zusammen­wirken mit Dr. Barth aus und will abwarten, welche Stellung die Generalversammlung des Liberalen Wahlvereins in Berlin zu der Frage der Kooperation mit den Sozialdemokraten be­schließen werde. Unmittelbar nach der Berliner Versammlung wird dann der Parteitag der deutsch-freisinnigen Partei in Schleswig-Holstein zusammentteten; die.Kieler Ztg/ erwartet des­halb, daß bis dahin die Kandidatenfrage im Kieler Kreise zur endgiltigen Erledigung nicht gelangen werde.

[::] In der,Preuß. Lehrerztg/ werden die Lehrer aufgefordert, dafür zu sorgen, daß eine konservativ-klerikale Mehrheit im Abge­ordnetenhause nicht zustande kommen, da diese Mehrheit ein reaktionäresSchulgesetz durchzubringen und das Volksschulwesen der Kirche auszuliefern bemüht fein werde. Die Lehrer sollen demnach alle anderen Erwägungen beiseite lassen und sich der Stellung der Kandidaten zu dieser Frage vergewissern. Nur solche Kandidaten sollen ge­wählt werden, welche gegen bie Auslieferung der Schulen an bie Kirche sinb. Die gefürchtete klerikal-konservative Mehrheit ist aber schon da unb wirb auch wohl durch bie liberale Lehrer­schaft nicht wieder zerstört werden. Wenn die Lehrer ihr Heil von einer liberalen Mehrheit erwarten, werden sie wohl noch lange warten können. Auf die Phrasen von der „Auslieferung der Schule an die Krrche" gehen wir nicht ein. Es lohnt sich nicht, sich mit dem alten Ladenhüter zu beschäftigen.

% In der Vollversammlung der Han­delskammer zu Berlin am 18. September wurde die Verhandlung unter anderem auch darauf gelenkt, ob und in welcher Form die soge­nannte Kanalvorlage den gesetzgebenden Körper­schaften Preußens wieder vorgelegt werden würde. Die Handelskammer vertrat einhellig bie Auf­fassung, baß ber Bau der neuen Kanalwasser­straßen, namentlich des Mittellandkanals, nach wie vor ein bringendes Bedürfnis auch für bie wirtschaftlichen Interessen bes Berliner Handels unb ber Berliner Gewerbtätigkeit erachtet und deshalb die baldige Einbringung einer neuen Vorlage an den Landtag auf das lebhafteste gewünscht werden müsse. Das Präsidium wurde beauftragt, zuständigen Ortes diese Auffassung ber Handelskammer nachdrücklich zu vertreten. Wird wohl nicht viel Helsen.

* Apothekerlehrlinge. Die ohne Gehilfen arbeitenden Apothekenbesitzer neburften bisher zur jebesmaligen Annahme eines Lehrlings ber Erlaubnis des Regierungspräsidenten. Aus eine Eingabe des Deutschen Äpothekervereins hat ber Kultusminister diese Bestimmung aufgehoben, so baß in Zukunft ber allein arbeitende Apotheker nur um eine generelle Erlaubnis zur Lehr­lingshaltung nachzusuchen braucht, welche aller­dings wie bisher widerruflich bleibt.

* Einen weiteren Ministerwechsel in Bayern kündigt die .Tägliche Rundschau' folgendermaßen an: „Den Anfang macht, wie seinerzeit mitgeteilt, Finanzminister Dr. Freiherr von Riedel. Er verläßt bereits Neujahr 1904 seine seit fast drei Dezennien innegehabte Dienst­wohnung im Finanzministerium an der Ludwig- straße, um eine Privatwohnung in ber Heßstraße zu beziehen, wie er selbst zugibt. Das heißt mit anberen Worten, ber bisherige Finanzminister ist Neujahr 1904 nicht mehr im Dienst, sondern verlaßt diesen, kurz nachdem er Ende dieses Monats das Budget für 1904/05 im Landtage noch vorgetragen. Der Minister des Innern, Dr. Freiherr v. Feilitzsch, sowie ber Kriegs­minister Frhr. v. Asch können unb werden eben­falls nicht länger bleiben. Warum nur immer

Das hohe römische Gerichtsgebäude mit seiner flachen Decke war vor vielen Jahrhunderten schon in zwei Stockwerke geteilt worden. Der halbmondförmige Hinter­grund im oberen Teile dieser Basilika mit seinen hohen Bogenfenstern und seinen mit goldener Mosaik ausge­statteten Nischen bildete nun den Thronsaal, der immer noch einen großartigen Eindruck machte. Aus den golden strahlenden N scheu, welche im Halbkreis den Thron umgaben, hoben sich die überlebensgroßen weißen Marmorbilder der römischen Kaiser ab, welche einst von Trier aus das Abendland beherrschten.

Auf den Stufen des Thrones stand hoch aüfge- genchtet Philipp Christoph. Purpur und Hermelin um» wallte die hohe, schlanke Gestalt. Seine tiefliegenden dunklen Augen funkelten fast unheimlich unter der mächtig vorragenden Stirne, unter den gebieterisch vortretenden düsteren Brauen. Um seine feinen, von spitzem schwarzem Bart umrah-riten Lippen lage.te ein sarkastischer, fast hochmütiger Zug. Die schmale, steile Nase, die hohe, kahle Stirne, die Lederfarbe des charakteristischen, scharf geschnittenen Antlitzes, die ganze majestätische Erscheinung gemahnte den Marquis, dem eine klassische Erziehung eigentlich nicht zu Teil geworden, der aber ein künstlerisch ausgebildetes, schönheitsempfängliches Auge hatte, an seinen Helden, an Julius Cäsar. Erst neigte Charles Lameth de Buffy sich tief, bann rief er mit der ihm angeborenen Keckheit:

„Behaltet diese Stellung, mein Fürst! So mögte ich Euch modelliert scheu und Euer Herrfcherbild an Stelle des mttielsten der Cäsaren setzen.

Ein kaum sichtbares Lächeln umspielte die farb­losen Li.Pen des Kurmrfien.

„Saffet solche Tändeleien, mein lieber Marquis," eine geringschätzige Handoewegung vervollständigte den Satz. „B erfichert mir lieber Eures kriegerischen Schutzes, um deffentwillen ich Euch rufen ließ. Bei Eurem Kameraden, dem ungeschliffenen Kommandanten la Saludie auf Ehrenbreitstein konnte ich es nicht länger aushalt en, deshalb kam ich hierher." Philipp Christoph

stieg die Thronesstufen herab und bot dem Franzosen die feine, schlanke Rechte zum Kusse dar. Dieser zog die schmalen Finger an seine Lippen und erklärte lebhaft:

„Wenn Euere Kurfürstlichen Gnaden mich nicht hierher hätten entbieten lassen, so wäre ich selber um eine Audienz nachgekoimnen. Auch ich halte es ü meinem bisherigen Quartiere nicht länger aus."

Da bog der Kurfürst sich zurück und schaute hall forschend, halb belustigend indes jungen Franzosen Antlitz

„Ei, mein lieber Freund, so hättet Ihr Händä gehabt mit dem ehemaligen Statthalter, dem gestrenge» Herrn Hans Zandt v»n Merl?"

„O weiter nichts, als daß der Freiherr mir auf nicht falsch zu verstehende Weise zeigte, daß er mich nicht liebe; bei Gelegenheit einer von ihm geladenen Gesellschaft schloß er mich geradezu aus."

Der Kurfürst lächelt?.

„Das war freilich zu stark für Euer Rittergefühl. Und das schöne Fräulein gab Euch nicht noch zufällig obendrein einen zierlich geflochtenen Korb?"

de Buffy starrte verblüfft empor.

„Vermögt Ihr in den Herzen zu lesen, Serenissimus? Ja, das Mädchen verschmähte mich, und ich darcke dem Herrn dafür, denn sie ist eine Hexe. Ja heute endlich konnte ich, gestützt auf viele Beweise und auf viele Zeugen, sie gefangen nehmen, just eben, als ihr Vater hier im Palaste war."

Philipp Christoph erschrak.

„Was sagt Ihr, Marquis? Ihr hättet eine der besten Töchter unseres ErzstifteS für den Scheiter­haufen bestimmt? Bedenkt die furchtbare Verant­wortung!" rief er finster und aufgeregt.

Der, Kommandant zuckte die Achseln.

„Nun, vorläufig sitzt die schone Jutta gesesselt im unterirdischen Kerkergeroölbe des Rathauses, in dem Gelaß, welches man die „Jungfrau" nennt. Da mag das zarte Jungfräulein sich ungestört mit ihrem höllischen Buhlen, dem Satan, beraten, was sie morgen auf der Folterbank anSsage; denn freiwillig gibt sie nicht zu, daß si» Zauberkünste getrieben."