schreiben.
zu spotten.
ich, daß unter den zweihundert verurteilten Hexen,
eng um-
der den zu- wie
»Und da die Beschuldigten von den Ratsschöffen, wie das ja nicht anders sein konnte, zum Feuertode. .«#, verurteilt wurden, so müffen die Neulandts jetzt selbst- die ich zum Tode vorbereitete, ihre Bekenntniffe ent- verständlich an denen von Zandt Rache nehmen!" DankmarS Lippe kräuselte sich verächtlich.
Dankmar schaute vor sich hin:
„Ja früher dachte sch über Zauberei wie viele Menschen heutigen Tages. Seitdem aber Pater Spee — dem Namen und dem Ruf nach kennst Du den
Kunzens großes Haupt hob sich hastig.
„Du scheinst ja allein der Ueberlegene, der Auf- gellärte zu sein", machte er einen schwachen Versuch
„Fräulein Jutta von Zandt ist außergewöhnlich schön und, das gebe ich zu, vielleicht auch außergewöhnlich
Umbscheid von Ehrenkron zog die Faust zurück und senkte den Kopf.
„Alle Wetter, daran habe ich noch nicht gedacht; aber das ist doch was Anderes*, brummte er.
„Ja freilich, Du naiver, großer Kindskopf, das ist etwas anderes, Du fühlst nur Dein eigenes Leid*, sagte Dankmar und fuhr dann im tiefem Ernste fort:
Graf Dankmar legte beschwichtigend die Hand auf die geballte Faust des Riesen:
„Mein lieber Kunz, ich setze den Fall, das schöne Fräulein habe mit Wissen und Willen Dein ehrliches Herz erobert und zöge dann nachträglich einen anderen
„Wenn Jutta alle Männerherzen verzaubert, fo verdient sie die Anklage der Hexerei, ich gönne der Falschen die Strafe*, warf Kunz wie »in trotziger Junge hin.
Alle müffen denken wie er, sonst ergeht es ihnen „verflucht schlimm". Daß mit der Wandlung der Zeiten auch die Aufgaben der Politiker sich ändern, daß eine Partei mit 81 Reichstagsmandaten heute ganz andere Ausgaben zu erfüllen und eine ganz andere Taktik zu beobachten hat, als vor einem Menschenalter die aus Bebel und Liebknecht bestehende Fraktion, ist ihm etwas
dekretierte: Die und die Genossen dürfen nicht wiedergewählt oder neugewählt werden. Daß sich da keine Hand gerührt, auch Bebel sich mit keinem Protest gemeldet hat, deutet doch wohl darauf hin, daß man einen andern Kampf als den mit Parteitags-Resolutionen gegen die Revisionisten nicht mehr aufzunehmen wagt, daß sie also schon zu stark sind, um kurzerhand vor die Tür gesetzt werden zu können.
In Dresden haben die „Revisionisten" dem Diktator Bebel den Sieg allerdings sehr leicht gemacht. Die Art ihres Auftretens und ihrer Verteidigung war nicht besonders imponierend. Sie haben sich demütig unter die Bebel'sche Knute geduckt und seine beleidigenden Schimpfereien mit erstaunlicher Geduld hingenommen. Es gehört doch ein hoher Grad von Selbstverleugnung oder Ueberzeugungstreue dazu, um nach der pöbelhaften Behandlung durch Bebel und seiner Mit- schreier der Partei nicht entrüstet den Rücken zu kehren. Vielleicht haben sie aber auch ausgehalten in dem Gedanken: schimpft und resol- viert ihr nur zu; hinterher bleibt doch alles beim Alten. Da die Mehrheit des Parteitages auf der Seite Bebels stand und durch keine noch so geschickte Verteidigung umzustimmen war, und da die urteilslose Masse draußen hinter Bebel herläuft, gebot es den „Revisionisten" allerdings die Klugheit, es nicht zum äußersten
Herrscher, der Geist rückhaltloser Friedensliebe ausgebreitet ist. Von der gleichen Tendenz werden — dessen dürfen die Völker Deutschlands und Oesterreich-Ungarns sowie ganz Europas gewiß sein — die Unterredungen der Monarchen und der leitenden Staatsmänner beherrscht bleiben, die von der hohen Mission des Bündnisses beseelt sind, das binnen mehr denn Jahresfrist auf ein Vierteljahrhundert ungeschwächten Bestandes zurückzublicken vermag. Die gegenwärtige Begegnung unseres Kaisers mit dem verehrungswürdigen Monarchen auf dem Throne der Habsburger wird dazu beitragen, die Ueberzeugung zu festigen, daß der Bund der Herrscher und der Völker Deutschlands und Oesterreich-Ungarns in un- erschütterter Lebenskraft forldauert zum Heile der Nationen, die er umfaßt, und zum Segen aller Friedensbestrebungen."
zum Ehegemahl vor, hätte sie darin anders gehandelt, als Du selber cs der kleinen Käthe gegenüber für gut befandest?"
In dem bleichen Antlitz Dankmars flammte es auf:
» Berlin, den 18. September 1903.
Zum Besuche des Kaisers Wilhelm in Wien schreibt die ,Nordd. Allg. Ztg/: „Der Kaiser ist heute vormittag in Wien eingetroffen. Dem herzlichen Empfange, den Kaiser Franz Joseph unserem Monarchen bereitete, entsprachen die warmen Sympathiekundgebungen,
Bon Antonie Haupt.
------ (Nachdruck verboten.)
. ^Sollte Dich die Erfahrung nicht belehrt haben, solltest Du nicht wiffen, daß ein Hexenbrand Hunderte «mj Gefolge hat? Das lasse Dir gesagt sein, die Familie Neulandt hat wenig Ursache, Hexenbrändr mezuschür- u; eendete doch vor vierzig Jahren der Großoheiw Deiner Dich liebenden Küche, Hans Neu- »andt e s Zauberer auf dem Scheiterhaufen, wahrscheinlich unschuldig, nur infolge seiner Freundschaft mit dem Dr. jur. Flade. Letzterer kurfürstlicher Rat, Stadtschultheiß, Rektor der Universität und Hoch- «erichtSpräsident, hatte schon manchen als Zauberer und manche als Hexe verurteilt, da traf ihn selb-r ________„___0„, __________, _______,
das Verhängnis, von einem der Gefolterten als Mit- gefallsüchtig und bestrickend. Ihr abergläubischen, schuldiger angegeben zu werden. Nun bas mußt beokträgen Menschen müßt aber alle- Außerordent- Du wissen: Angegeben, gefoltert und nach drei Tagen liche, Euch befremdende, bösen Zaubergewalten zu- verbrannt zu werden, bedeutet ein und dasselbe.* ......
Kunz Uwbscheiden von Ehrenkron reckte sich empor, alS er nun sprach:
„Bei der Verurteilung deS Stadtschultheißen und Univerfitätsrektors Flade, sowie später deffen Freundes Johannes Neulandt hatte unser heutiger Gastgeber, der Stadthalter Johannes Zandt von Merl, als Vorsitzender des Gerichts die Angeschuldigten im Verhöre zu prüfen und den Richtspruch zu ücerwachen."
Dankmar zwang sich zu scheinbarer Ruhe, als er entgegnete:
zu treiben, sondern sich zu fügen. Bebel wäre es gewiß lieber gewefen, wenn es zum Krach und zum Ausschluß der Widerfpänstigen aus der Partei gekommen wäre.
Jetzt hat er nach wie vor seine liebe Last mit ihnen. Er sieht ja schon schwereren Kämpfen in der Fraktion entgegen. Der Revisionismus lebt und wird stärker, ob Bebel sich auch mit Händen und Füßen dagegen sträuben mag. Wir können indes keineswegs mit Bebel in den „Revisionisten" geheime Apostaten erblicken, die sich innerlich bereits von der Sozialdemokratie losgesagt haben und es blos noch nicht zu gestehen wagen. Wir halten sie vielmehr für ebenso überzeugte Sozialdemokraten wie Bebel selbst, nur wollen sie auf anderem Wege vorwärts kommen und finden, den veränderten Verhältnissen Rechnung tragend, keinen Geschmack mehr an der revolutionären Phrase. Daß sie sich nächstens zu einer radikalen Reformpartei umwandeln oder die Sozialdemokratie von innen heraus in die Luft sprengen werden, bilden wir uns nicht ein.
gegennahm und zum Scheiterhaufen geleitete, nicht eine war, die ich schuldig hätte nennen können,** ja
Hexenvater, der in Würzburg hundert und aber hundert Opfer zum Scheiterhaufen geleitete — seitdem dieser ehrwürdige Vater mir sagte: „„Freilich schwöre
mit denen nach den vorliegenden Telegrammen die Bevölkerung der alten Kaiserstadt dem hohen Gaste ihren Willkommensgruß darbot. Auch in Deutschland weiß man jede neue Bekräftigung der unverbrüchlichen Freundschaft und Bundestreue, die die Oberhäupter der durch Geschichte, Ueberlieferung und gemeinsame Interessen verknüpften mitteleuropäischen Kaisermächte schließen, als Bürgschaft des Friedens und Wohlfahrt hoch einzuschätzen und begleitet Verlauf der Wiener Kaisertage mit dem versichtlichen Vertrauen, daß über ihnen, über dem gesamten Wirken der beiden verbündeten
|:| Diktator Bebel.
. roenn der Drechslermeister a. D. und jetzige Schriftsteller Bebel doch könnte, wie er wollte. Er würde sämtliche „hergelaufenen Akademiker" — mit Ausnahme natürlich des „psychologischen Rätsels" Mehring und etwa des braven Stadthagen — aus der Partei hinausfliegen, oder noch lieber gleich über die Klinge springen lassen. Er ist ja gewiß em durch und durch ehrlicher Fanatiker, . den Jahren wird er doch immer ^fürchterlicher". Andere Leute pflegen mit dem Alter ruhiger, gemäßigter zu werden, er wird immer rabiater, radikaler, störrischer und rechthaberischer. Wenn ihm eine auf mangelhafter Kenntnis der Tatsachen beruhende zänkische Erklärung zurückgeschickr wird mit der Birte, sie umzuändern oder nicht zu veröffentlichen, so empfindet er das als eine schwere Majestäts- beleidigung gegen seine erhabene Person, droht, donnert und tobt, daß Jntriguanten und Bösewichter die freie Meinung unterdrücken wollten, und deklamiert seine schönsten Tiraden von der Meinungsfreiheit in der Sozialdemokratie. Es darf aber bei Leibe keiner eine andere Meinung haben, als Herr Bebel höchstselbst, ja auch nur im Verdachte stehen eine solche zu haben, sonst flucht und schimpft er und nennt den Andersdenkenden einen Ehrlosen. Anderen hält er vor, daß sie „unkorrigierbar" seien und ihr unrecht nicht einsehen wollten, er selbst hält mit wunderlichem Eigensinn an seiner Meinung fest «nd gibt nie zu, geirrt zu haben. Wohl gesteht er mit scheinbarer Nachgiebigkeit und Bescheidenheit, daß auch er schon manche Dummheit gemacht habe, aber wehe dem Genoffen, der das wo[(tS!9etlÜ6er in einem konkreten Falle behaupten
Dem Genossen Göhre wirft er wegen einer harmlosen Bemerkung Größenwahn vor. Offenbar ist er selbst aber nicht mehr so ganz frei davon. Die Popularität, die er in den Maffen besitzt, hat er gewiß vom Standpunkte des sozia- listischen Proletariats aus vollständig verdient. Er ist aber auch nicht wenig stolz daraus. Und eben in dem Gefühle, die Massen hinter sich zu haben, wandelt ihn das Gelüst an, den Diktator ju. spielen und alle Leute, die nicht nach seiner Pseife tanzen wollen, en Canaille zu behandeln. ®c ist dabei natürlich fest überzeugt, lediglich der Sache zu dienen und für die Reinheit der sozial- demokratischen Grundsätze zu streiten. Daß er zugleich abex auch seine Machtgelüste befriedigen und den anderen den Herrn zeigen, 1“ a” Snen Rache üben will, also ein starkes SMck Eigensucht mitspielt, kommt ihm gar nicht zum Bewußtsein.
Der yexenpater.
Erzählung aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges.
seitdem bin ich, wie Du Dich ausdrückst, ein Aufgeklärter."
Und nun begann Graf Kesselstatt anfänglich bedächtig dann immer lebhafter und erregter dem Freunde die Schilderung wiederzugeben, welche einst Vater Spee entworfen hatte von der ersten Hex-, die er zum Tode geführt, von der schönen Babelin (Sobel, die in Würzburg alle Männer bezaubert haben sollte und dann unschuldig verbrannt wurde.
Das Haar deS Kunz Umbscheiden von Ehrenkron sträubte sich.
„So gib mir Dein Wort, daß Du nichts gegen Jutta unternimmst."
„Da hast Du mein ehrliches Wort und meine Hand darauf," rief Kunz und schlug derb in die dargebotene Rechte des Freundes, daß alle aufmerksam wurden. Der Handschlag war gleichsam das Zeichen zum allgemeinen Aufbruch der Gäste, die sich-mit sehr verschiedenen Gefühlen, jedoch ohne Ausnahme kriegerisch viel zuverfichrlicher gemutet als sie gekommen waren, nach allen Richtungen zerstreuten.
Jutta stand am Fenster, sie konnte nicht schlafen. Heute war alles anders wie sonst. Ihre Gedanken weilten bei Graf Dankmar voy Keffelstatt. Wenn er bei seinem Heimgange doch nur ein einziges Mal nach ihrem Fenster sehen wollte. Nein — er tat es nicht; die hohe edle Gestalt schritt davon, ohne umzusehen. Schmerzlich barg Jutta das Gesicht in den Händen.
Horch, da tönen zarte, weiche Musikklänge durch die Nacht. Ach, Marquis de Buffy läßt wieder ein Ständchen bringen! Sie hebt das schöne Haupt und lauscht. Wie ungewöhnlich klingt das, wie feierlich, wie ernst! Träumerisch gibt sie sich einem Zauber hin, welchen edle, weihevoll- Klänge auf ihr Gemüt ausüben. Die Musik erinnert an das Geläute der Kirchenglocken und stimmt ihre Seele unwillkürlich zur Andacht. Jetzt aber, o Wunder, hebt ein herrlicher, voller Männerchor zu singen an. Sie vernimmt deutlich die Worte:
Unfaßbares. Er hat es einmal so gelernt in l seiner Jugend, deshalb muß es auch so fein und bleiben. Deshalb sieht er in den „Revisionisten" Verräter, die von Rechtswegen als ehrlos aus der Partei ausgestoßen werden müßten. Da das in diesem Augenblick aber nicht wohl tunlich ist, straft er sie mitVerkürzung ihrerEinnahmen durch das Verbot der Mitarbeit an bürgerlichen Blättern — (wenn Bourgeois sich an ihnen unbequemen Leuten durch Entziehung des Brod- korbes rächen, ist es natürlich eine empörende Gemeinheit) — und läßt sie durch Resolutionen des Parteitages zur Ordnung rufen.
Ja, diese Parteitags - Resolutionen! Bebels „revolutionäre Ansicht siegt auf allen Parteitagen, denn er hat ja die Mafien hinter sich. (Nota bene: wenn „Revisionisten" Proletarier auf ihrer Seite haben, so sind das „Unwissende, blinde Verehrer irgend eines Führers"; was aber hinter Bebel steht, das ist das „aufgeklärte, zielbewußte Volk".) Bebel siegt auch in Dresden wieder glänzend. Aber was ist das Ergebnis aller seiner Parteitagssiege? Auf dem Papiere volle Einigkeit der Partei, Ausmerzung aller nicht unver- fälscht sozialrevolutionären Ideen. Und in Wirk- lichkeit? Bebel hat es ja selbst in Dresden mit Schmerz bekennen müssen: seit einem Dutzend Jahren streitet er sich auf jedem Parteitage mit „Revisionisten" und „Opportunisten" herum, man nimmt Resolutionen nach seinem Sinne an, und „hintennach sind sie ebenso uneinig wie vorher . . . Sie waren nie uneiniger wie ge- rade jetzt ... In der Fraktion hat es fort- I während Streit und Reibungen gegeben, weil die I revisionistische Strömung eine Stärkung erfahren hat."
Nun aber ist es zu Ende mit der Geduld; das Vertuschen und Komödiespielen muß | aufhören. Darum zieht Bebel ja so gewaltig vom Leder. Der Parteitag soll mit allen revisionistischen Bestrebungen gründlich und endgültig aufräumen. Der gute Bebel! Er mag beschließen lassen, was er will, im nächsten Jahre wird er denselben Jammer haben. Der ihm so verhaßte „Revisionismus" ist keine Erfindung schlechter Menschen, wie er sich einbildet, sondern ein ganz natürliches Ergebnis der Entwickelung der Partei und darum ist er gar nicht auszurotten. Darüber sollten ihn seine Erfahrungen doch endlich belehrt haben. Sonderbar auch, daß er erst jetzt losschlägt. Er kannte doch die „Verdächtigen" seit langem ganz genau. Wie kommt es denn, daß er nicht nur ihre Wiederwahl nicht verhindert, sondern zugegeben hat, daß gerade eine Anzahl hervorragender „Revisionisten" neu in den Reichstag gewählt wurden ? Die Reichstagswahlen wären doch ein geeigneter Moment gewesen, sich des „Revisionismus" zu entledigen, indem man
** Ter Reichskanzler Graf v. Bülow ist am Donnerstag nachmittag nach Wien abgereist. Während seines Aufenthaltes in Berlin hatte er längere Besprechungen mit dem preußischen Minister des Innern FreihMrn v. Hammer st ein, dem Staatssekreter de? Reichs-Schatzamtes Freiherrn v. Stengel und dem Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Freiherrn v. Richthosen.
§ Der,Reichsbote' hatte neulich das Gerücht erwähnt, daß ein an den Handelsvertragsverhandlungen mit Nußland beteiligter deutscher Unterhändler seine Ueberzeugung dahin geäußert hätte, daß wir unter die Mindestzölle unseres neuen Tarifes heruntergehen müßten, wenn wir zu einem Vertrage mit Rußland gelangen wollten. Jetzt kommt ihm das .Zentralblatt der Walzwerke' von Mitte Juni zu Gesicht, in welchem ein Artikel über den zukünftigen deutsch-russischen Handelsvertrag steht und der, wie ihm mitgeteilt wird, von demselben Herrn stammen soll, auf den sich auch sein „Gerücht" bezog, der stark an den Verhandlungen beteiligt ist und sich deshalb auch als über die Absicht der Regierung orientiert ausgeben kann. Dort heißt es wörtlich: „Zweffellos steht unsere Regierung auf dem Standpunkt, daß sie zu mehrfachen Konzessionen geneigt sein wird, sowie das Interesse der heimischen Produktion, soweit dieselbe auf den Export angewiesen ist, in Frage kommt, um dadurch von Rußland günstigere Bedingungen zu erlangen, und da der Regierung durch die Minimalzölle auf Getreide die Hände gebunden sind, erleben wir es vielleicht, daß die Zollsätze der Kommissionsbeschlüsse nicht zur tatsächlichen Anwendung gelangen, sondern daß die Regierung
„Wohl auf, wohl auf. Du schönes Blut, Gott will zu Dir sich kehren!
O Sünder, fasse Herz und Mut, Woll' nicht d>e Sünde mehren! Wer Buß' zu rechter Zeit verricht't. Der soll in Wahrheit leben!
Gott will den Tod des Sünders nicht. Wann willst Du Dich ergeben?
Tu' auf, tu' auf, glaub' mir fürwahr, Gott laßt mit sich nicht scherzen.
Dein' arme Seel' ist in Gefahr, Und ewig wird's Dich schmerzen. Kehr' um, kehr' um von Deinem Pfad, Lös' Dich von Sündenbanden;
Ich schwöre Dir bei Gottes Gnad', Erbarmen ist vorhanden.
Geschwind, geschwind all' Uhr und Stund', Kann uns der Tod ereilen.
Kann jederzeit Dich machen wund Mit seinen bleichen Pfeilen.
Wen er nicht trifft zur Gnadenzeit, Wär' besser nie geboren;
Wer, wenn er scheidet, nicht bereit. Ist ewiglich verloren."
O, wer nur schildern könnte, war Jutta bei diesem Gesang- empfand! Der Genius heiliger Musik sprach mächtig zu des Weltkinds Seele. Die feierlich erhabene und dennoch wieder so weich und lieblich zu Herzen dringende Melodie des Büßliedes schienen Engelstimmen zu fingen. Es übte eine überwältigende Wirkung auf Jutta aus, es erfüllte ihre Seele mit einem so hohen Gefühle der Andacht, der Wehmut und des Reueschmerzes, wie ste bisher niemals kennen gelernt hatte. Sie faltete wie ein frommes Kind die Bände und richtete die Augen und Herz zu den lernen empor. Als der letzte Akkord verklungen war, weinte fie kostbare Tränen der Reue. Der irdische Schleier entwich vor ihren Augen. Im Geiste kniete fie vor Gottes Thron, und ihr war die Fähigkeit verliehen, in fich selber Einkehr zu hatten. Die Selbstprüfung war ernst und schonungslos. Jutta faßte in
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September 1903.
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