Monatrbcilage: „Zuldaer Geschichtsblätter".
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3. JÄ?W»«. wocheiidellage: „Illustrierte Sonntagszeitung
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Druck und Verlag der Zuldaer Actiendruckerei iit 8ulda (Harmonie) Zerusprecher Ur. 9.
M 213.
fUlüL, Freitag, den 18. September 1903.
30. Jahrgang.
§ Etwas mehr Wahrheitsliebe.
Die völlig entstellte Geschichte des ,Reichst».' und anderer Blätter über einen Kampf der Polizeibehörde in Köln gegen die evangelische Stadtmission und die Erzählung der .Deulsch- Evangel. Korrespondenz' über den „Fall Schulte" geben der ,K reuzztg/ Anlaß zur Mahnung an „ernste evangelische Christen", doch etwas vorsichtiger zu sein gegenüber Mitteilungen, in dmen die Beschuldigungen oder Verdächtigungen ausgesprochen werden. Daß solche Tatarennachrichten unbesehen Glauben finden könnten, lasse sich nur daraus erklären, daß fich in letzter Zeit vieler evangelischer Kreise eine starke Nervosität bemächtigt habe. Leider werde dieser Zustand von berufsmäßigen Agitatoren oder auch aus besonderer Liebhaberei noch immer genährt und gepflegt. Die Zuträger solcher Geschichten leisteten der evangelischen Sache den allerübelsten Dienst; denn sie riefen unter ihren Freunden eine unnötige Erregung hervor, die leider regelmäßig die Erregung überdauere, und sie seien außerdem geeignet, jene Sache in empfindlicher Weise blos- zustellen.
Besonders die po sttiv gerichteten Evangelischen regt das konservative Blatt zur Beantwortung bw Frage an: Cuibono? (Wem nützt es?) Mit rovtdj geschäftigem Eifer alle der positiven Richtung feindlichen Kreise sich derartiger Kämpfe gegen Rom annähmen, sei doch für jeden kirchlich gesinnten Mann in hohem Maße verdächtig. Ein Kampf gegen Rom sei unerläßlich, aber er müsse doch, wenn er Aussicht auf Erfolg bieten und nicht blos eine, me;ft politischen Zwecken dienende Erregung weiter Volkskreise Hervorrufen solle, mit guten Waffen geführt werden. Die Waffen, die in den beiden erwähnten Fällen und leider noch verschiedentlich zur Anwendung gelangt seien, könnten nicht als tauglich und unanfechtbar erachtet werden.
Der ,Kreuzztg.' gebührt die Anerkennung, daß sie in den letzten Monaten wiederholt vor der konfessionellen Hetze gewarnt hat. Es gehört einiger Mut dazu, denn ein Protestant, der nicht mrt den Wölfen des evangelischen Bundes beult, muß gewärtigen, als lauer Freund seiner Kirche und des Vaterlandes oder gar als ein Verräter an ihnen hingestellt zu werden. Gefruchtet haben die Warnungen des Blattes bisher allem Anschein nach sehr wenig und so wird auch die neueste Warnung schwerlich etwas nutzen. Wenigstens bei den „berufsmäßigen Agitatoren" und den „Liebhabern" nicht. Sie werden weder l die Hetze aufgeben, noch Vorsicht anwenden gegenüber Mitteilungen, die Beschuldigungen und Verdächtigungen gegen die Katholiken enthalten.
Wir sind wohlwollend genug anzunehmen, daß bei den meisten dieser Hetzer und vor allem ihrer Gläubigen nicht bewußte Böswilligkeit, sondern, um mit Bebel zu reden, ein eigenes „psychologisches Moment" eine schwer zu überwindende geistige Disposition sie veranlaßt, alle Dinge, bei denen Katholisches in Frage kommt, im schiefen Lichte zu sehen. Den „Römischen"
Der Hexenpater.
Erzählung aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges. Bon Antonie Haupt.
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„Wahrlich, Gold und Edelsteine leuchten matt im Glanze dieser zauberischen Schönheit", dachte Dankmar. Er neigte fich tief vor der lrebreizenden Jungfrau, feurig berührten seine Lippen die ihm dargebotene Hand.
„Ich will Euch keinen Vorwurf darüber machen, daß Ihr so lange ferne blieb , denn ich bin allzu froh, daß Ihr endlich da seid, ui d möchte diese Freude ohne bitteren Beigeschmack auskosten," so flüsterte sie und schaute mit unwiderstehlichem Lächeln zu ihm auf.
„So sähet Ihr gerne, wenn ich häufiger bei Euch verkehrte ?" fragte Kesselstatt mit vor inniger Bewegung bebender Stimme.
„Konntet Ihr daran zweifeln, Graf Dankmar?" antwortete Jutta weich. Sie bot ihm auf's neue die Rechte, und er umschloß ibre Hand fest und warm mit seinen beiden. Fast erschrocken aber entzog sie ihm die feine« Finger und strich verlegen das aschblonde Wellenhaar zurück, das den Hal» und Nacken umflutete.
Wie es nun kam, daß Dankmar gleich darauf alles um sich her vergeffen hatte und weltentrückt auf dem Polster im tiefen Erker, der ein abgeschlossenes Kämmerlein für fich bildete, allein mit Jutta dasaß, das wußte er s lber nicht. Des schönen Mädchens Anziehungskraft wirlte stärker und stärker. Er fühlte sich in ihrer Nähe so glücklich, wie nie zuvor, und schalt sich im Geiste recht herzhaft einen Narren, daß er solch große Gunst bisher verschmäht hatte. Konnte er denn nach Juttas Gebühren daran zw.iftln, daß er bevorzugter als alle ihre bisherigen Werber sei? Und nach dieser Erkenntnis wollte er das Glück, welches sich ihm so greifbar darbot, mit ratcher Hand erfassen. Er wollte Jutta seine Minne enthüllen, sie bitten, die Seine zu werden.
trauen sie von vornherein alles schlechte zu, sie glauben daher auch kritiklos alles, was ihnen Nachteiliges über diese »gesagt wird, und überall Jesuiten und römische Jntriguen witternd konstruieren und kombinieren fie sich katholische Machenschaften und Feindseligkeiten auch da zusammen, wo Katholiken überhaupt nicht in Frage kommen. Die Leute haben von Jugend auf eine Anschauung von den K .tholiken eingesogen, nach der sie in diesen den Ausbund aller höllischen Bosheit sehen müssen. Es kommt ihnen gar nicht in den Sinn, daß man ihnen ein Zerrbild vorgemacht hat. Abergläubische Leute glauben willig die tollsten Dinge; der konfessionelle Aberglaube ist noch leichtgläubiger als jeder andere.
In manchen Fällen wäre es uns allerdings schwer, eine unüberwindliche geistige Disposition als Entschuldigung anzunehmen. Wenn systematisch gehetzt und geschmäht, an den Katholiken kein gutes Haar gelassen, eine Lüge und Entstellung nach der andern vorgetragen, in aller Vergangenheit und in der ganzen Welt herumgewühlt und gesucht wird, um Schmuy gegen „Rom" zu werfen, während keine Richtigstellung und Erwiderung Beachtung findet, oder diese zu neuen Entstellungen und Anklagen benutzt werden, dann muß man doch sagen: Es wäre an der Zeit, daß die Leute, welche auf diese Weise gegen „Rom" streiten, einmal ihr „evangelisches Gewissen", dessen sie sich so gern gegenüber dem entarteten „römischen Gewissen" rühmen, aufrichtig erforschten. Es gibt Blätter, bei denen es absolut ausgeschlossen ist, daß sie über katholische Dinge anders als im tadelnden Sinne reden; wenn sonst alles in der Anerkennung einig ist, dann schieben sie wenigstens ein verdächtiges Motiv unter oder entstellen in hämischer Weise. Und es gibt Agitatoren, die nicht den Mund austun können, ohne Gift gegen „Rom" zu speien. Sollen wir da an die bona fides, an ein gutes Gewissen glauben? Wenn von unserer Seite so gehandelt würde, würde man die bona fides jedenfalls nicht gelten lassen. Ein wenig aufrichtige Ge- wifsensprüfung müßte den Redakteuren und Agitatoren der genannten Art doch mindestens leife Zweifel erwecken, ob fie denn immer ehrlich und wahr handelten. Es müßten ihnen Zweifel kommen, ob denn wirklich alles und jedes bei uns so schlecht, gemein und verdorben sein könne, wie sie es darftellen.
Angesichts der krassen Tatsachen können wir nicht umhin zu behaupten: es gibt gewissenlose Hetzer und Agitatoren, die bewußt lügen und entstellen, wenn es gilt gegen „Rom" zu streiten. All die tausend Mären, die da erzählt werden, müssen ihren Urhebern als Märchen bekannt sein. Sollten die sächsischen Hetzer nicht gewußt haben, daß» die tollen Märchen, die sie im letzten Winter über den Dresdener Hof erzählten, auf Erfindung beruhen? Kann der Urheber des Zeitungsartikels über das Vorgehen der Kölner Polizei gegen die „evangelische Stadtmission" seine Geschichte in gutem Glauben erzählt haben? Sind die vielen Räubergeschichten, die uns im Zusammenhang mit der österreichischen „Los von
Eben als er seine Werbung anbrinaev will, wundert Dankmar sich, daß Jutta den von Umbscheiden, den von Wittgenstein und den von Merode ebenso freundlich, mit ebenso bezaubernder Güte empfängt, wie ihn. Warum ärgert er fich, daß sie jetzt im Kr>ise ihrer eben erschienenen Verehrer bleibt, anstatt wie bisher allein mit ihm im Erker zu plaudern! Hat er ilch vorder einen Narren gescholten, so tut er das jetzt noch viel mehr, ja er vermeint, sich vor sich selber schämen zu müssen, daß er fich wieder einmal am Narrenseile habe ziehen lassen, just wie die andern alle, von denen ein jeder glaubte, sie als Braut heiin- zuführen.
Ach hätte der Graf ahnen können, daß die flatter- baste, gefallsüchtrge Schöne wirklich zum erstenmale ein tiefes, heißes Gefühl für einen Mann empfand, seitdem er selber ihr in den Weg getreten!
Als Herr v. Zandt die Herrschaften zu Tische bat, sah Dankmar wohl Juttas verlangend und ermutigend auf ihn gerichtetes Augenpaar, dachte aber: „Ich will sie keinem streifig machen," und schritt an ihr vorüber zu Jsengard, um diese zu bitten, seine Tischnachbarin zu sein. Aus den reinen dunklen Augen dieses jungen Fräuleins sprach bei seiner Aufforderung so viel verschämtes Entzücken, daß Dankmar sich schon darum für seine Wahl belohnt fühlte. Wie viel mehr aber empfand er solches Gefühl während der Dauer der Tasel. Die jugendfrische Maid entwickelte so viel Geist, so viel Schelmerei und dabei so gesunde Ansichten über Welt, Menschen und Ereignisse, daß es ihm geradem eine Erquickung war, ihr zu lauschen und seine eigenen Ansichten mit ihr auszuwechseln. Von Spee's Gedichten war Jsengard fast noch mehr begeistert als er; so bildeten diese Poesien ein unsichtbares Band zwischen ihnen.
Der Gegenstand der allgemeinen Unterhaltung war, wie es in jener Zeit kaum anders mögli», politischer Natur. Der Archidiakon, Gras Karl v. Metternich, der mit Ludwig v. Zandt aus Luxemburg gekommen war,, sprach bekümmert davon, daß der Dompropst Husmann von Philipv Christoph seiner Pstünde ent-
Rom-Bewegung" von protestantischen Agitatoren aufgettscht werden, nicht in bewußter Absicht entstellt oder erfunden? Sollten die schauerlichen Schilderungen der Jesuiten und ihrer Moral nicht ats unwahr erkannt sein? Wir glauben es nicht. Mag man uns noch so oft pharisäisch von „evangelischer Wahrheitsliebe" und „römischer Unwahrhaftigkeit" reden, die größere Lügenhaftigkeit ist offenbar auf jener Seite.
Die weitaus größte Mehrzahl des protestantischen Volkes will von der Hetze nichts wissen, sondern mit uns Katholiken in Frieden leben. Anderseits beteiligen sich solche Prediger, die sich orthodox und positiv nennen, mit besonderer Vorliebe an der Hetze Daß sie damit nur für die Kirchenfeinde arbeiten, kümmert sie wenig. Wenn es gegen „Rom" geht, sind gewisse Leute sogar bereit, mit dem Teufel ein Bündnis zu schließen. Bei solchen wird, wie gesagt, die Mahnung der.Kreuzztg/ nichts fruchten. Aber wir hoffen doch, daß unter den „ernsten evangelischen Christen" viel mehr, als öffentlich bekannt wird, zu finden sind, d'ie sich von den Hetzern nicht „nervös" machen lassen, und den Zuträgern tendenziöser Geschichten nicht glauben, sich vielmehr von dem unverantwortlichen Treiben angewidert fühlen. Es wäre nur zu wünschen, daß alle diejenigen, denen die Erhaltung des konfessionellen Friedens in Deutschland aufrichtig am Herzen liegt, auch furchtlos und kräftig gegen die Hetzer und Lügner aufträten.
Berlin, den 17. September 1903.
§ Der Kaiser wird am 21. September zur Enthüllung des Denkmals Kaiser Wilhelms I. in Danzig eintreffen. Bei dieser Gelegenheit wird die Arbeiterschaft der staatlichen Betriebe dem Kaiser vor dem Generalkommando eine Huldigung darbringen. Hieran wird sich, wegen Platzmangels, nur der Arbeiterausschuß beteiligen. Hoffentlich ist die Angabe des Grau- denzer.Geselligen' wahr, daß die Arbeiterschaft die Huldigung aus eigenem Antriebe, nicht etwa auf Veranlassung der Direktion darbringt. Ferner wird bekannt, daß während des Aufenthalts des Kaisers im Generalkommando eine militärische Konferenz stattfindet.
.'. In den jüngsten Tagen sind durch eine Reihe von Zeitungen Mitteilungen über die Eisenbahn Swakopmund—Windhoek gegangen, welche der Befürchtung Ausdruck gaben, daß bei der nach Vollendung der Bahn notwendig gewordenen Neueinrichtung des Betriebes und besonders bei der Revision der Tarife weniger den Rücksichten des Verkehrs, als einer falschen, in ihren Wirkungen schädlichen Spar-- samkeit Rechnung getragen worden sei. Jedenfalls wird, so schreibt dazu die ,Nordd. Allgem.
setzt worden sei und der französische Kardinal Richelieu dieselbe Würde dankbar von d-.m Kurfürsten angenommen habe. Es verlautete, nach einem aufqejundeneti Briefe des Stadtkommandanten de Buffy, daß Philipp Christoph sogar die Würde des Coadjutors dem gewaltigen Richelieu angetragen habe und zwar wortgetreu: „als der einzigen Person, von der er bis zum letzten Augenblicke seines Lebens abhängen wolle, auch der einzigen, die ihm seine Länder retten könne und der er jein Leben verdanke "- Vv,
Diese Eröffnung machte gewaltiges Auffehen. Beifällig nahmen alle die Nachricht auf, daß das Domkapitel beabsichtige, als Administrator des Erzstifts den Sohn des Kaisers, Erzherzog Leopold Wilhelm, oder den Kardinal-Jnfanten Ferdinand aufzustellen.
Graf Dankmar erzählte, daß erlauf seinen Gütern überall die junge Mannschaft in eifrigen Kriegsübungen beschäftigt finde. Philipp Christoph babe eine Anzahl kurtrierscher Feldwebel mit dieser Aufgabe betraut. „Die Leute aber, sobald fie hinreichend im Waffenbandwerke geschult sind," vollendete er lächelnd, „entweichen in das Luxemburgische, statt in des Kurfürsten Scharen einzutreteu."
„Ja, dort werden die Ueberläufer von uns mit offenen Armen empfangen," bestätigte der Archidiakon. „Das Domkapitel, welches auf so schmä liche Weise genötigt ist, mit den Waffen in der Hand gegen den eigenen Erzbischof vorzugehen, um weitere Gewalttaten zu verhüten, rührt jetzt mit Entschiedenheit die Werde- ttvmmel an der Grenze. Wir haben für die Errichtung von vier neuen Regimentern Bestallung ausgegeben."
„Eine hochwillkommene Nachricht!" rief Herr von Zandt. „Jetzt gilt es, dem Landesbedrücker gegenüber sich der eigenen Haut zu wehren. Er ist ja schlimmer als die Franzosen-
Dankmar berichtete:
„Der Verwalter unseres Hauses zu Koblenz kam heule persönlich, um uns von der tollen Wirtschast auf unseren rheinischen Gütern in Kenntnis zu setzen. Er woltte ferner wissen, Laß der Kurfürst mit dem französischen Kommandanten, la Saludie, vom Ehren-
Ztg.', zugegeben werden müssen, daß bei de bisherigen Betriebsergebniffen der Bahn di Kolonialverwaltung und vor allem die Leitung der Eisenbahn die Verpflichtung hatte, eingehend zu prüfen, ob es nicht möglich ist, die Kosten des Betriebes mit den Einnahmen mehr in Einklang zu bringen, als es bisher der Fall war. Daß dabei eine Vereinfachung und Einschränkung oes Betriebes nur insoweit angestrebt wurde, als es die Bedürfnisse des Verkehrs gestatten, ist ebenso selbstverstäfidlich wie die Tatsache, daß jede Herabsetzung der Zahl der verkehrenden Züge in den beteiligten Kreisen eine gewisse Mißstimmung erregen muß, die umso begreiflicher ist, wenn zu gleicher Zeit eine teilweise Erhöhung der Tarife eintritt. Allein auch die letztere Maßnahme ist, besonders bei den Personentarifen, unbedingt notwendig. Man kann doch billigerweise nicht verlangen, daß die Personentarife auf einer afrikanischen Bahn die gleichen sind, wie auf den preußischen Staatsbahnen. Zum Vergleich können nur die Tarife afrikanischer Bahnen herangezogen werden, und dabei ergibt es sich, daß die neuen, übrigens noch nicht eingeführten Tarife der südwestafrikanischen Bahn, sowohl für den Personen- wie für den Güterverkehr immer noch niedriger find, als die der meisten anderen afrikanischen Bahnen. Die,Nordd. Allg. Ztg/ tut dies im einzelnen näher dar und bemerkt weiter: „Wenn sich trotzdem gegen die Vereinfachung des Betriebes und gegen die Revision des Tarifes im Schutzgebiete selbst eine Opposition geltend macht, so ist dies ja begr^flich, kann aber die Kolonialverwaltung nicht hindern, den Betrieb der Bahn so einfach und billig wie möglich zu gestalten und bei Festsetzung der Tarife, soweit es die Interessen der wirtschaftlichen Entwickelung gestatten, auch die finanzielle Seite zu berücksichtigen. Daß dabei Tarifsätze, welche für einzelne Zweige des wirtschaftlichen Lebens hemmend ober * gar prohibitio wirken, ausgeschlossen bleiben müssen, ist selbstverständlich. Begründete Einwendungen werden stets Berücksichtigung finden, alle Wünsche aber werden bei der südwestafrikanischen Bahn ebensowenig befriedigt werden können, wie dies bei andere« Eisenbahnen unter ungleich günstigeren Verhältnissen der Fall ist."
% Ein seit 18 Jahren in einer ganz polni- schen Gegend lebender Deutscher macht in der ,Post' folgende Vorschläge, um der deutsche» Sprache bei den Polen auch außerhalb der Schule „zu ihrem Rechte zu verhelfen": 1) Jede nach dem Jahre 1870 geborene Person muß bei den Behörden und Gerichten deutsch sprechen oder, falls sie an gibt, das nicht genügend zu können, eine kleine Gebühr (etwa 20 H) für den Dolmetscher entrichten. 2) Allen Beamten, einschließlich der Amts- und Gemeinde - Vorsteher und Standesbeamten, muß untersagt sein, amtlich polnisch zu sprechen, und ihnen aufgegeben werden, nötigenfalls durch einen Dolmetscher zu verhandeln, für den die Gebühr wie ad 1 zu entrichten ist. 3) Kinder polnischer Eltern, welche beim ersten Schulbesuche etwas deutsch können.
breitstein in beständigem Hader liege, und daß er, um den unliebsamen Streitigkeiten zu entgehen, seinen ständigen Aufenthalt im alten Palast zu Trier nehmen wollte."
„So gnade uns Gott! Wenn der schwarze Unhold sein Zelt in unserer Mitte aufschlägt, so find wir semer Willkür noch schlimmer preisgegeben, als vordem," wurden Stimmen von allen Seiten laut.
„Um so mehr Grund, unsere Truppenwerbung mit größerem Nachdruck zu betreiben," äußerte der Domherr Ludwig von Zandt.
Dankmar versicherte warm:
„Ich werde auf meiner Reise durch den ganze« Kurstaat, welche ich morgen schon antrete, heimlich alle Kräfte aufbieten, Euch Mannschaften zu gewinnen."
„Brav, Graf Kesselstatt, wir danken Euch dafür," hieß es freudig überall.
„Ihr wollt fort, morgen schon?" kam es wie im Schrecken von Jsengards Lippen. Zugleich auch gewahrte Dankmar die Augen der schönen Jutta, welche nicht weit entfernt ihm gegenüber saß zwffchen Wittgenstein und Freiherrn v. Merode, mit ernster Spannung ans fich ruhen.
Cr zuckte die Achseln.
„Kann ich denn anders, wenn Bote auf Bote mit Hiobsposten von unseren Besitzungen anlangen, wen« Alle mich bestürmen, doch selber einmal nach unsere« Gerechisamkeiten zu sehen!"
„So möge Euch Gott auf Euren Wegen beschützen," flüsterte Jsengard innig.
Frau o. Zandt hob jetzt die Tafel auf. Die Dame« zogen sich zurück, nicht ohne von dem jungen Grafen besonders herzlichen Abschied genommen und ihm Segenswünsche aus die Reise mitgegeben zu haben.
Die Herren fanden sich nun in zwanglosen Gruppe« zu ernster eingehender Beratung zusammen. Die feurige« Saarweine, welche der Hausherr in unbeschränkter Freigebigkeit aus den Tiefen seiner Keller heraufbe» fördern ließ, bewirtten allmählich, daß die gar j« ernste gedrückte Stimmung in eine zuversichtliche, ge- hobenere fich verwandelte, und daß man auch anfing