monowiage: „Zuldaer Geschichtrblätter".
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Zuldaer W Zeitung
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fulda, Donnerstag, den 17. September 1903.
M 212.
30. Jahrgang.
Iubiläumsbeschlüsse der 50. Generalversammlung,
i« den geschloffenen Versammlungen vom 24.-27.
August 1903 zur Annahme gelangt.
(Schluß.)
Förderung christlicher Kunst «ud Künstler.
Me 50. General - Versammlung hält es für dringend notwendig, daß die Wahrheit des christlichen Glaubens, die Tatsachen der christlichen Geschichte und die Grundsätze des christlichen Lebens nicht nur für die kirchliche, sondern auch für häusliche und öffentliche Zwecke viel mehr als bisher in selbständig künstlerischer und religiöser Empfindung zur Darstellung gebracht werden. Sie empfiehlt aufs wärmste die unmittelbare Zuwendung von Aufträgen an tüchtige, in christlichem Geiste schaffende Künstler.
Deutsche Gesellschaft für christliche Kuust.
Die 50. General-Versammlung der Katholiken Deutschlands empfiehlt die auf Grund der Resolution der 39. General - Versammlung gebildete Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst, welche sich bestrebt, einerseits künstlerisches Schaffen in den Dienst der christlichen Grundsätze zu stellen und anderseits letztere auf dem Gebiete der künstlerischen Tätigkeit zur Anwendung und Geltung zu bringen, und bittet demgemäß, besonders durch Beitritt die Bestrebungen derselben zu unterstützen und zu fördern, damit wahre christliche Kunst immer mehr zu hoher und reicher Blüte und Entwickelung gelange.
Albrecht Dürer-Berein in München.
Die 50. General - Versammlung begrüßt es mit Freude, daß seit 16 Jahren an der Akademie der bildenden Künste zu München unter dem Namen Albrecht Dürer-Verein eine Vereinigung von katholischen Kunst-Studierenden besteht mit dem erfolgreichen Bestreben, christliche Kunst unter den Studierenden der Akademie zu pflegen. Sie ermuntert den Verein zum Ausharren in seinen edlen Bestrebungen und empfiehlt ihn allseitiger Unterstützung, besonders durch Zuführung von Mitgliedern.
Empfehlung der christlichen Knnft dnrch die katholische Presse nnd Literatur.
Die 50. General-Versammlung anerkennt mit Dank, daß eine Reihe katholischer Organe warm für die Förderung wahrer christlicher Kunst eingetreten ist und spricht den Wunsch aus, daß auch fernerhin das Interesse an der selbständig schaffenden christlichen Kunst geweckt und gepflegt werde, einerseits von den Tageszeitungen, indem sie fortlaufend Mitteilungen über die Neuschöpfun- gen auf diesem Gebiete bringen, und anderseits von den illustrierten Zeitschriften, indem sie originale künstlerische Reproduktionen bieten, welche geeignet sind, einen Einblick in die schöpferische Tätigkeit der christlichen Kunst unserer Zeit zu gewähren. '
Der yexenpater.
Srzähluug aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges. Bon Antonie Haupt.
------ (Nachdruck verboten.)
„Behaltet ruhig das Buch, liebes Fräulein, es ist in besten Händen/ entgegnete Dankmar lächelnd. Er verbeugte sich und die Türe glitt ins Schloß.
Noch aber hatte der Graf nicht den Ausgang der Königsburg erreicht, als er hinter sich Jemanden die Treppe herunterpoltern hörte. Es war Kunz von Umbscheiden, der ihm auf dem Fuße folgte.
. »So warte doch, alter Bursche, Du jagst ja fort, E von Hunden gehetzt!" rief dieser ihm hach, und wischte sich den Schweiß von der Stirn. „Mir wurde es^droben auch zu heiß. Hole der Henker den französischen Lasten! Ich konnte das Schöntun Juttas mit dem verliebten Pomadenhelden, dem Lautenklimperer mcht mehr langer ansehen."
Kunz h ngte sich schwer an Dankmars Arm und fing an zu flüstwn, obgleich auf der Straße weit und breit kein Mensch zu sehen war:
. »Dir will ichs vertrauen. Du mußt nämlich wissen, daß die schöne Jutta eigentlich meine Braut ist. Sie wäre es längst auch vor der Welt, wenn dieser leidige Bölkerkrieg nicht alles im Werden Begriffene vorläufig noch niederdämpste, und wenn die Jungfrau nicht davor bangte, sich öffentlich als meine Verlobte zu bekennen, ehe der mächtige Franzose, der in der Königsburg wohnt und ihr den Hof macht, wieder zum Tempel, da» heißt, z >m Lande hinaus gejagt ist."
Dankmar horchte auf.
„Sagte Fräulein von Zandt Dir das, und versprach sie. Deine Frau zu werden?" stagte er ge- spamtt.
„Das eigentlich nicht. Aber ein kluger Mann versteht auch manches ohne Worte; Blick, Mienen und
Allgemeinere Geistesbildnng der Studierenden.
Die 50. General-Versammlung der Katholiken Deutschlands wünscht die gesetzlich vorgeschriebene Einführung des Studiums der Philosophie, der Logik und anderer eine allgemeine Geistesbildung fördernder Materien für alle Studierenden an Hochschulen, sowie der Prüfung in diesen Fächern.
Sie empfiehlt den Studierenden an Hochschulen das Studium und die Uebung ftemder lebender Sprachen.
Oeffeutliche katholische Lesehallen.
Die 50. General-Versammlung der Katholiken Deutschlands empfiehlt wiederholt und dringend die tatkräftige Unterstützung der öffentlichen katholischen Lesehallen, die sich immer mehr als ein dringendes Bedürfnis erweisen, da ihre Wirksamkeit für die Belehrung des katholischen Volkes aus religiösem, sittlichem und sozialem Gebiete von der größten Bedeutung ist und Kirche und Vaterland zum Segen gereicht.
Gegen die Schänder* Romane.
Die 50. General-Versammlung der Katholiken Deutschlands erblickt in der Verbreitung sittlich und religiös anstößiger Schauder-Romane, wie sie namentlich im Wege der Kolportage in der letzten Zeit in stärkerer Weise geschieht, eine tiefe Schädigung unseres gesamten Volkslebens; sie fordert nicht nur eine strengere Durchführung der zum Schutze gegen dieses Massen- gift bestehenden gesetzlichen Bestimmungen, sondern wünscht auch weitere gesetzgeberische Maßnahmen im Interesse der Gesundheit des deutschen Volkes und Erhaltung der Volkskraft.
ö Die Weltverbesserer
führen gegenwärtig in Dresden wieder ein schönes Schauspiel auf. Das sind nun die Leute, die den verrotteten Bourgeois-Staat zerschmettern, aller Korruption, Ausbeutung, Zwietracht und Knechtung ein Ende machen und den von tugendglänzenden Proletariern geleiteten Ideal - Staat der Bruderliebe und Freiheit errichten wollen. Daß sie sich auf ihren Parteitagen zanken wie Marktweiber, sich gegenseitig Beleidigungen aller- gröbsten Kalibers zuschleudern und einander als wahren moralischen Auswurf hinstellen, sind wir ja von jeher gewohnt. Um aus der Not eine Tugend zu machen, rühmen sie sich sogar ihres wüsten Haders und prahlen, keine Partei würde die innere Kraft und den Mut haben, ihre Meinungsverschiedenheiten in voller Oeffentlichkeit auszukämpfen. Uns will das indessen gar nicht so rühmenswert vorkommen, sondern es sieht weit mehr aus als die praktische Illustration zu einem bekannten Wort von Schlagen und Vertragen. Uns macht jedenfalls kein Mensch weiß, daß die Genossen nicht weit stolzer und glücklicher sein würden, wenn ihre Parteitage in Frieden und Eintracht verliefen. Nicht umsonst klagt ja auch in Dresden einer nach dem andern über den unwürdigen Zank.
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Händedruck sind oft sehr bezeichnend. Ich roeis, daß sie mir gut ist, obgleich vom Heiraten zwischen uns nie deutlich die Rede war. Wenn sie aber, um für ihren Vater gut Wetter bei dem Wälschen zu erhalten, mit diesem gar so sehr steundlich tut, dann schießt mir doch — obschon ich meiner Sache gewiß bei ihr bin — die Galle über und ich laufe, wie eben jetzt, davon. Daß der Franzose sich manchmal etwas et bildet, verstehe ich " Der gute Kunz ballte die Faust. „Aber den Hals würde ich dem Hallunken umdrchen, wenn er mir das Mädchen wieder abwendig machte, um dessentwillen ich meine Jugendliebe, die Käthe Reulandt, sitzen ließ. Du weißt, der Reulandt'sche Hof liegt dem uns ren schon seit drei Jahrhunderten in der Jakobsgasse gegenüber. Kälhchen Reulandt und ich spielten als Kinder zusammen, waren auch später unzertrennlich und so gut wie versprochen. Die Väter nur meinten, wir seien Beide noch zu jung zum eigenen Hausstande. Da sah ich Jutta, die eben aus der Erziehungsanstalt der Schwestern zu Marienberg zurückkehrte, unh war wie verzaubert. Ich dachte an nichts anderes mehr, als an sie. Für Käthe tat's mir leid, aber ich konnte nicht anders. Welche Gewalt das schöne Mädchen über mich hat, siehst Du daraus, daß diese nervigen Fäuste, die Schwert und Lanze so leicht zu führen verstehen —" Kunzens Stimme wurde fast weinerlich — „Garn hielten, 's muß ein Anblick zum Erbarmen gewesen fein! Daß der Zierbengel von Merode aus dem Hof in der Banthusstraße mit seinen zitterigen Händen solche Frauenarbeit tut und sich dabei noch einbildet, hoch in Jutta's Gunst zu stehen, das ist ja fein Wunder. Was der Wittgenstein darüber dachte, und was er überhaupt meint, weiß ich nicht; er tut immer sehr vornehm und schweigt; man wird nicht klug aus ihm. Uebrigens schaut der auch die kleine Gertrud von Hontheim aus dem Hause „zum Horn" in der Brückenstraße, mit bee man ihn versprochen wähnte, nicht mehr an, seitdem er täglich in die Hofburg pilgert. Doch was geht mich die Sache an. Hier find wir an der alten „Steipe". Komm, laß uns drinn
Uns will scheinen, als ob die sogen. Debatte diesmal noch um einige Grade tiefer ständen als früher. Dieser Sttett um die Frage, ob Sozialdemokraten an bürgerlichen Blättern Mitarbeiten dürfen, ist doch sofort in den kleinlichsten, jämmerlichsten Schmutz aus- geartet. Der folgende Redner wiederholt in der Hauptsache immer nur, was die voraufgegangenen schon gesagt haben. Und das gebt drei Tage lang so fort. Dabei verliert man sich weitläufig in ganz nebensächliche persönliche Erörterungen und Erzählungen. Selbst Bebel, der sich selbstbewußt dagegen verwahrt, alt zu sein, und mit jugendlicher Leichtfertigkeit versichert, er werde sobald nicht sterben, sondern noch lange seinen Gegnern das Leben sauer machen, ergeht sich mit behaglicher Breite in der Erzählung nebensächlicher Dinge unb trägt pointenlose Geschichten vor.
Hinter all der sittlichen Entrüstung, mit welcher die Mttarbeit an bürgerlichen Blättern verurteilt wird, blickt immer wieder der kleinliche Neid hervor, der den lieben Genossen die Einnahmen nicht gönnt. Es ist derselbe Neid, der auch wieder über die „Akademiker" und „Salon-Sozialisten" seinen Geifer ergoß. Man kann es nicht ertragen, daß die Gebildeten in die führenden und bestbezahltenStellen einrücken und nun gar so rasch! Der „von der Pieke auf gediente" Proletarier glaubt ein weit größeres Anrecht an Ami und Ehre zu haben, wenn er auch weiter nichts kann, als mit starker Lungenkraft reden. Die Partei soll eine Proletarierpartei sein und deshalb meinen viele Genossen, es sei ein schnödes Unrecht gegen sie, wenn Nichtproletarier nicht nur zum Zahlen angenommen, sondern auch zu Führern gemacht werden. Nichtproletarier gelten den selbstlosen Genossen von vornherein als Heuchler und Egoisten, die bei der Partei nur Vorteile suchen, die sie bei anderen Parteien nicht finden konnten. Sie glauben nicht an die Ehrlichkeit ihrer lieber« zeugung und möchten ihnen wenigstens eine lange Probezeit vorschreihxn. Selbst Bebel ist von diesem Proletarier-Neide und Proletarier'Mißtrauen gegen die „Akademiker" nicht frei und verlangt eine Karenzzeit für sie. Und mit solchen kleinlichen Anschauungen und Empfindungen wollen die Herren die Welt regieren können! Das wurde im Zukunstsstaate eine nette Harmonie abgeben!
^Charakterlosigkeit, Verrat an den Prinzipien, Unmoral nennt man es, wenn ein Genosse für ein bürgerliches Blatt einen Artikel schreibt. Und dabei ergeben die Verhandlungen, daß an sämtlichen verpönten und nut den stärksten Schmähworten verdammten Zeitungen und Zeisschriften waschechte ® i n offen des In- und Auslandes mifgearbeuei haben und noch Mitarbeiten. Das wird aber mit den faulsten Ausreden entschuldigt. Diese Genossen hätten das betreffende Organ so genau nicht gekannt usw. Die Bösewichter dagegen, über die jetzt Gericht gehalten wird, haben keine Entschuldigung. Zum Unglück für die Eiferer hat die Debatte aber doch etwas allzu deutlich ergeben, warum
einen Humpen guten Weines zum Willkommen leeren, auf daß ich meinen Aerger hinunterspülen und wieder froh werde» kann.
Es war Dankmar unmöglich, der Aufforderung des Jugendfreundes zu folgen. Er entschuldigte sich mit dringender Arbeit und ließ den braven Kunz Umb- scheiden v. Ehrenkron sein schweres Leid allein in der gastlichen „Steipe" tragen. Er schritt mit schwindelndem Kopfe der väterlichen Burg zu, woselbst er aber nicht fein Gemach, sondern den jetzt einsamen noch kahlen Park auffuchte und darin rastlos auf und nieder wandelte.
7.
Gewitterschwüle.
Weich' Geziefer; Biel zu lange Litten wir's! auf uns zu wehren!
Web er.
Der wonnige Mai war mit aller Blütenherrlichkeit in das traute Moseltal, in das schöne Trierer Land hereingekommen. Vater Spee sang »in seiner Klause: „In lauter grünen Seiden Mit aller Zierlichkeit Tut sich die Erde kleiden Zur schönen Frühlingszeit.
Die Pflänzlein in den Feldern Zieh'n an ein lieblich Kleid, Die Zweige grün in Wäldern Ersteh'n in Herrlichkeit."
Dem blühenden Lande in seiner Lenzesschönheit sah man die Bedrückungen nicht an, welche ihm der Kurfürst Philipp Christoph nach dem am 18. Mai 1634 unterEinwirkung der stanzöfischenBesatzung abgehaltenen Landtage zu Trier aufs neue zuteil werden ließ. Zu den alten und neuen Steuern fügte dieser Landtag noch den elften Teil alles wachsenden Weines und aller Früchte, den vierundzwanzigsten Teil von allem Wein, Vieh, fahrender Ware und liegenden Gütern, welche verkauft wurden, hinzu.
„Der Landesherr wütet in so empörender Weise gegen seine Untertanen, wie noch fein Feind bisher getan hat," äußerte Herr v. Zandt aufgebracht den beiden Kesselstatt gegenüber, die ihm nicht widersprachen.
man mit so ungleichem Maße mißt und über die Genossen Braun, Bernhard usw. so wütend herfällt. Sie sind des „Revisionismus" verdächtig und deshalb muß ihnen das Handwerk gelegt werden; sie dürfen deshalb nicht einmal völlig indifferente Artikel für die auf den Index gefetzte Presse schreiben. Wer dagegen ein „Unentwegter", „Zielbewußter" nach dem Herzen der Bebel und Stadthagen ist, dem ist einfach alles erlaubt; für den findet sogar der oerdammuugs- süchtige Bebel Worte der Entschuldigung, ja Verherrlichung.
Da ist der Muster-Genosse Mehring. Es gibt außer dem Zentrum kaum eine Partei, der dieser Mann nicht aus „innerster Ueberzeugung" angehört und mit seiner gewandten und spitzen Feder gedient hat. Aus dem Sozialistentöter ist schließlich ein Marxist reinsten Wassers geworden, allerdings nicht ohne daß er mehrfach rückfällig wurde, weil ihm die Sozialdemokratie nicht genug bieten konnte. Erst schrieb er eine Geschichte der Sozialdemokratie, die die Genossen aufs höchste empörte, weil sie darin so schlecht gemacht waren. Nach seiner Mauserung schrieb er wieder eine Geschichte der Soziawemo- kratie, in die er manches aus seinem früheren Werke hinübernahm, nur macht er jetzt weiß, was er früher schwarz gemalt hatte und sagte Ja, wo er früher Nein gesagt hatte. In Dresden wurden hübsche Parallelstellen verlesen. Freunde von gestern bewirft der Bekehrte heute mit Kot, wobei vielfach offenkundig rein persönlicher Hast, nicht grundsätzliche Meinungsverschiedenheit die Triebfeder ist. Literarische Konkurrenten, von denen er fürchtet, daß sie sich an den von ihm beschlagnahmten Futtertrog drängen könnten, beißt er grob weg. Mit dem Genossen Schönlank ist er heute Herzbruder, morgen schreibt er an Herrn Harden, mit dem er in bitterer Feindschaft lebt, wenn er „Material gegen Schönlank" brauche, er wisse diesen Lümmel schon zahm zu machen.
Hat der mißtrauische Bebel nun etwa gegen diesen vielgewandten „Akademiker" und Genossen auch ein unüberwindliches Mißtrauen? O nein, er lobt ihn über den grünen Plan und feiert ihn als den größten deutschen Schriftsteller. Herr Mehring hat eben das für sich, daß er augenblicklich Marxist reinsten Wassers ist und in diesem Sinne mit seiner überzeugungstreuen und gewandten Feder schreibt. Das entschuldigt in Herrn Bebels Augen alles. Die Karte an Harden mit dem Angebot von Material gegen den „Lümmel" Schönlank hat ihn allerdings „einen Augenblick stutzig gemacht", aber weil Mehring als Extremer schreibt, findet Bebel in seinem Verhalten nur ein „psychologisches Rätsel". Zweifel aber steigen ihm an dem Manne gar nrcht auf. Er entschuldigt alles mit dem „psychologischen Moment", das er nicht fassen kann. Wie würde er dagegen •über einen Genossen mit gleicher Vergangenheit herfallen, der im Verdachte des „Revisionismus" stände!
Wir werden in diesen Tagen ja wohl noch stärkere Dinge in Dresden erleben, als sie die drei ersten Tage gebracht baben. Es genügt
„Da ;eht, wie wenig Ursache ich hatte, mich zu freuen, als sie meinen Ludwig zum Domherrn wählten! Jetzt fitzt er seit Wochen schon mit dem ganzen vor dem Kurfürsten geflüchteten Kapitel in Luxemburg und wagt sich nur vcsstohlen in feine Vaterstadt. Heute abend ist er vier. Da wollen wir im vertrauten FreundeS- Ireife wieder einmal beisammen sein und bei einem guten Trünke und vernünftigen Gespräch das Elend der Zeiten zu vergessen suchen. Euch hierzu in die Königsburg einzul rden bin ich ^kommen. All : Wetter l Dankmar, Junge, was hast Du gegen uns? Ich hoffte Dich wie früher Tag für Tag in unserem Hause zu finden, sehe Dich aber nie »als, und jetzt, wo ich Dich förmlich einlabe, stehst Du da, als ob Tu die Ohren voll Wasser hättest. Heraus mit der Sprache, was hätt Dich von uns fern?"
Dankmars Stirn verdüsterte fich noch mehr.
„Ich mag dem Franzosen nicht begegnen, den man immer bei Euch trifft," platzte er endlich unmutig heraus, gab damit aber nur die Hälfte seiner Gründe an. Seitdem er der schönen Jutta flüchtigen Sinn erkannt hatte, wollte er durch das Fernbleiben fich davor retten, wieder von ihr gefssselt zu werden und alsdann womöglich die Herrschaft über feine Gefühle zu gewinnen.
„Na, daß Du heute den Marquis nicht triffst, dafür habe ich gesorgt. Nur kaiserlich gesinnte Trierer werden bei meiner Abendtasel sein."
„Selbstverständlich kommen wir," entgegnete Graf Casimir bestimmt und damit war die Sache entschieden.
Daß Dankmars Ahnung nicht ganz trügerisch war, sollte dieser am Abend erfahren.
Pünkllich um 8 Uhr standen die beiden Grafen, als erste der Gäste, in der hohen Speisehalle der Königsburg.
In diesem weiten schönen Raum hatte die Renaissance ihre schmückende Herrfchaft gar freundlich geltend gemacht und das Herbe und Schlichte jener Zett, in welcher die Burg erbaut war, verdrängt. Das helle Licht der mit vielen Wachskerzen besteckten Kronleuchter zeigte deutlich dir köstlichen Schnitzereien und Bild»