Tulda, Mittwoch, den 16. September 1903.
30. Jahrgang.
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der 50. Generalversammlung,
in den geschloffenen Versammlungen vom 24.-27. August 1903 zur Annahme gelangt.
(Fortsetzung.)
Fürsorge für die schulentlassene männliche Jugend.
In Anbetracht der großen und vielen Ge fahren, denen in unseren Tagen die aus der Schule entlassene Jugend ausgesetzt ist, weisen die Unterzeichneten auf folgendes hin:
1. Der Religionsunterricht an den Fortbildungsschulen ist von hervorragender Wichtigkeit. Wenn auch leider vor der Hand die obligatorische Einführung desselben sich nicht erreichen läßt, so empfiehlt es sich doch, daß die Geistlichen die fakultative Erteilung desselben übernehmen.
Auf Grund der Anregung des ministeriellen Erlasses vom November 1901 ist die Möglichkeit geboten, die konfessionellen Jugendver- einigungen in enge Verbindung mit den Fortbildungsschulen zu bringen, ein Vorteil, dessen eifrigste Ausnutzung dringend empfohlen wird.
2. Die katholischen Jünglingsvereinigungen müsien in Stadt und Land mehr mit ihren Bestrebungen und Erfolgen an die Oeffentlichkeit treten und ihre Präsides sollen durch Schrift und Wort aufklärend wirken, um das Jnteresfe und die Unterstützung von gebildeten Kreisen, Körperschaften, städtischen und staatlichen Behörden zu gewinnen.
Unsere ^Jugendvereinigungen verdienen und benötigen dringend der materiellen Unterstützung sowie der tätigen Mitarbeit der gebildeten katholischen Laienwelt.
Sorge für krüppelhafte Kinder.
Im Hinblick auf die Tatsache, daß mit körperlichen Gebrechen behaftete Kinder infolge der Schwierigkeit, innerhalb ihrer Familie eine ihren Fähigkeiten entsprechende Ausbildung zu erlangen, vielfach der Gefahr ausgesetzt sind, körcerlich und geistig zu verwahrlosen, empfiehlt es sich, auf die Errichtung von Anstalten für krüppelhafte Kinder Bedacht zu nehmen.
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Die 50. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands nimmt mit großer Befriedigung Kenntnis von den Arbeiten und Erfolgen des Albertus-Magnus-Vereins in Trier (Verein zur
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> Bevölkerung bezwecken und unter dem Namen ' „Ländliche Wohlfahrtspflege" zusammengefaßt • werden, nachhaltiger Unterstützung zu empfehlen. 1 Darin ist selbstverständlich die besondere Fürsorge für die Jugend auf dem Lande eingeschlossen, wie der Ausschußrefereat in der dritten geschloffenen Generalversammlung übrigens auch noch ausdrücklich heroorhob.
Die gegnerische Presse, welche sich bekanntlich jedes Jahr wenigstens einige Beschlüsse der Katholikenoersammlung selbst konstruiert, mag sich also beruhigen. „Bauernburschenvereine", welche die Landjugend „zu Zentrumsmännern dressieren" sollen, sind nicht beschlossen worden. Und selbst wenn der genannte süddeutsche Antrag zum Beschluß erhoben wäre, was hätten dann solche Vereine, die nach dem Vorbild der städtischen Jugendvereine organisiert werden sollten, also rein der sittlichen und sozialen Fürsorge dienen, mit der Politik zu tun?
Um die Parteipolitik hat sich die Katholikenversammlung überhaupt nicht gekümmert, am wenigsten, wo sie sich mit der Jugend beschäftigte. Da hat sie zunächst den kirchlichen Canisiusoerein empfohlen „zur Erhaltung der christlichen Schulen und zur Bewahrung des Glaubens und der Tugend in der Heranwachsenden deutschen Jugend"; an einer anderen Stelle hebt sie die Notwendigkeit hervor, überall in der katholischen Landbevölkerung der Heranwachsenden Jugend eine widerstandsfähige, apologetische und soziale Aufklärung durch die bewährten Mittel des katholischen Vereinslebens zu teil werden zu lassen; sie wünscht, daß die Seelsorger die Abwandernden auf die für sie passenden kirchlichen und sozialen Standesvereine der Jndustriebezirke und Städte Hinweisen, daß andererseits diesen Vereinen bezw. ihren Seelsorgern die Namen der Zuziehenden mitgeteilt werden, daß eine systematische Werbearbeit für die Zuziehenden organisiert wird ec. Aber das alles sind alte Wünsche, die dazu keineswegs uns Katholiken eigentümlich sind. Wir müßten uns arg täuschen, wenn nicht die sogenannte „Innere Mission" auf protestantischer Seite in diesen Dingen weiter ist, als wir; an einer viel besser organisierten Werbearbeit fehlt es sicherlich nicht der Sozialdemokratie.
Bei all' dieser Arbeit für die Jugendlichen kommt auf katholischer Seite nur der Schutz vor den Gefahren für das religiöse und sittliche Leben in Frage, sowie nächst der Förderung und dem Ausbau der in der Volksschule genossenen allgemeinen Bildung die Fachbildung und die Belehrung über die soziale Gesetzgebung, soweit sie der ' Lehrling, der Geselle, ver junge Arbeiter und kaufmännische Gehülfe kennen muß. Nie haben ' die Katholiken die Politik zu einer Sache der ; schulentlassenen Jugend oder auch nur der Minder- lährrgen gemacht. In dem Punkte scheint man
::: „Bauernburschenvereine".
Dem Ausschuß für soziale Fragen der Kölner Jubiläumsversammlung lag ein Antrag vor, der „die Aufmerksamkeit der Katholiken Deutschlands auf die Fürsorge für die auf dem Lande Heranwachsende männliche Jugend lenken" wollte und sagte:
„Nachdem in Lehrlings-, Gesellen-, Arbeiterund kaufmännischen Vereinen die städtische männ- iche Jugend Organisation und Stütze gefunden )at, erscheint es als ein Gebot der Zeit, auch die ländliche Jugend, ,Bauernburschen', in .Burschenvereinen' zu sammeln."
Der Antrag kam nicht zur Annahme. Statt einer beschloß der Ausschuß und dann auch die Generalversammlung, die gesamte ländliche Wohl- uhrtspflege, d. h. alle Bestrebungen, welche die ;eistige und kulturelle Förderung der ländlichen
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, freilich auf gegnerischer Seite nicht so zartfühlend i zu fern.
Es besteht kein Zweifel darüber, daß für die : katholische Landjugend in jener sittlichen und sozialen Fürsorge mehr als bisher geschehen könnte und müßte. Diesem Gedanken wollte der Antrag betr. „Bauernburschen-Vereine" Ausdruck geben indem er gleichzeitig auf ein Mittel hinwies, das m süddeutschen Kreisen als recht geeignet angesehen wird. Man kann aber über dieses Mittel zweierlei Meinung sein, insbesondere darüber, ob es allenthalben anwendbar ist und ob nicht vielfach die Nachteile eines solchen neuen „Vereins" seine Vorteile überwiegen würden. Darum wurde der Antrag, wie eingangs gesagt, durch den allgemeinen betr. Förderung der ländlichen Wohlfahrtspflege ersetzt, der jedem in der Fürsorge freie Hand läßt. Das konnte ohne erneuten Hinweis auf die Jugend geschehen, weil hiervon schon wiederholt in anderen Anträgen die Rede war.
Ländliche Jugend und ländliche Wohlfahrtspflege gehören in der Tat eng zusammen. Von einem „Freunde der Jugend" ist zur Beleuchtung dieses Zusammenhanges gerade rechtzeitig ein Schriftchen im Verlage des Christlichen Bauernvereins in Regensburg (für den Buchhandel H. Pawelek, A. Coppenraths Verlag, 66 S., Preis 50 3f, in Partien billiger), erschienen? [Es trägt den Titel: „Ein Mittel zur Hebung der ländlichen Wohlfahrt, oder wer nimmt sich der schulentlassenen männlichen Jugend auf dem Lande an?" Der Verfasfer hätte die Arbeit an der Jugend kühn das vornehmste Mittel zur Hebung der ländlichen Wohlfahrt nennen können. Denn sie begreift so viel in sich und zieht, wenn sie in der rechten Weise organisiert wird, so weite Kreise der ländlichen Bevölkerung in ihr Interesse, daß mit der Jugend die ganze Gemeinde auch in ihren älteren Vertretern und im weiblichen Geschlechte geistig und kulturell weiter gefördert werden kann. Wer der ganzen schulentlassenen Jugend einer Gemeinde feine Arbeit widmet und nicht bloß dem geringen Teile, der sich um die Fahne des „Burschenvereins" gruppieren läßt, der muß notwendigerweise damit vor die ganze Gemeinde treten. Er bleibt nicht im „Vereins"hause, kann auch nicht der einzige Arbeiter bleiben. Er zieht die Lehrer, beliebte ältere Landwirte und was immer sonst geeignet erscheint, in den Kreis der Helfer; die Veranstaltungen sind alle öffentlich, ungezwungen, müssen allgemein interessant gehalten bleiben und )ie Folge eines solchen Vorgehens werden eine Fülle von Anregungen und Einrichtungen sein, die über die Jugend hinaus der ganzen Gemeinde zu gute kommen.'
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Katholische Presse und Augustinusverein.
Die 50. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands begrüßt mit Freuden den Aufschwung, welchen die katholische Presse in den letzien Jahren genommen hat.
Bei diesem Aufschwung muß die katholische Presse auch in Zukunft bestrebt sein, auf der- jemgen Höhe gesunder technischer Leistungsfähigkeit zu stehen, welche sie der gegnerischen Presse gewachsen und zu einer vollgültigen Vermittlerin einer katholischen öffentlichen Meinung macht, damit sie auch fürderhin die Einigkeit, Geschlossenheit und Stärke des katholischen Volksteils zu stützen in der Lage ist.
Indem die Generalversammlung wiederholt vor allen der Religion feindlich gesinnten Zeitungen, wie nicht minder vor der sogenannten Partei- und sarblosen Presse warnt, fordert sie nachdrücklichst zur Unterstützung und Förderung der im katholischen Lager erscheinenden Tagesliteratur aus.
Allen katholischen Männern, welche durch Stand und soziale Stellung zur Mitwirkung im öffentlichenLeben berufen sind, empfiehlt dieGeneral- versammlung den Beitritt zum Augustinusverein, der in diesen Tagen auf eine fünfund- zwanzigjährige bewährte Wirksamkeit zurückblickt, in welchem die Mitglieder, Förderer und Freunde der katholischen Presse organisiert sind und welcher sich deren Pflege zum besonderen Zweck gesetzt hat.
(Schluß folgt.)
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