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Monatsbeilage:SuIÖGCt GeschichtZblStter

30. Jahrgang.

Ein

Bon Antonie Haupt.

------ (Nachdruck verboten.)

sich in übler Lage; er möchte gewiß die Mörder auS einer Umgebung loswerden, kann stch aber vorläufig nicht gegen fie auflehnen; andrerseits kann er es aber auch nicht darauf ankommen lassen, daß die übrigen Offiziere eine neue Verschwörung machen. Mzu hart dürften die Verhafteten kaum bestraft werden.

In Mazedonien ist die Lage im wesentlichen unverändert. Es wird zwar von fortwährenden Kämpfen, bei denen die Aufständischen viele Verluste erlitten haben sollen, und von Verhaftungen vou Komitadschis berichtet, aber der Auftuhr ist offenbar noch lange nicht gedämpft. Die Banden morden, brennen und rauben weiter und die türkischen Truppen scheinen es nicht viel besser zu machen und insbesondere großes im Zerstören bulgarischer Dörser zu leisten. Auf dem ungarischen Dampfer Vaskapu fand eine Explosion statt, bei der 27 Personen getötet wurden. Man hält die bulgarischen Verschwörer für die Ur­heber dieser Explosion und nimmt an, sie habe am Krönungstage des Sultans in Konstantinopel erfolgen sollen, während sie infolge einer Verzögerung in der Fahrt bereits vor Mesembria bei Burgas stattfand. In Beirut kam es am 6. d. M. zu einem Zusammen­stoß zwischen Christen und Mohamedanern, wobei Polizei und Militär eingriffen und eine Anzahl Per­sonen getötet und verwundet worden sein soll.

Wochen-Rundschau.

(Nachdruck verboten.)

Fulda, 12, September 1903.

In der vorigen Woche gab es nicht weniger als fünfKaiserparaden", da in Mitteldeutschland (Pro­vinz Sachsen, Königreich Sachsen, Thüringen) die Laisermanöver" begannen. Natürlich wurde dabei in Mafien der Glanz, Schein, Prunk und Pomp entfaltet, ohne den es heutzutage nicht mehr zu gehen scheint. Eine wohl aufzuwerfende Frage wäre, ob bei diesen Schauspielen um etwas weiteres handelt es sich im gründe nicht mit dem Gelbe der Steuer­zahler nicht allzu verschwenderisch gewirtschaftet wird. Die Finanzen des Reiches befinden fich in traurigem Zustande das letzte Etatsjahr weist einen Fehlbe­trag von mchr als 30 Mill. Mk. auf für die dringendsten Kulturaufgaben und Ehrenpflichten ist kein Geld aufzutreiben, aber für das Militär und die Ver­anstaltung militärischer Schauspiele wird es scheffel­weise hinausgeworfen. Doch wollen wir auf diese Frage hier nicht näher eingehen. Bon den zahlreichen Tischreden, die aus Anlaß des Kaisermanövers ge­halten wurden, erwähnen wir die Merseburger Rede des Kaisers aus die Provinz Sachsen. Er nannte darin Luther den größten deutschen Mann, und sein Werk die größte befreiende Tat für die ganze Welt. Daß er als Protestant diese Auffassung von Luther und seinem Tun hat, ist natürlich. Etwas anderes ist es aber, ob es rat'am sei, daß er in seiner Eigen­schaft a'.s deutscher Kaiser sein protestantisches Be­kenntnis in öffentlicher Rede derartig ervortreten lafie. Als Kaiser ist er nicht Protestant, ebenso wie das deutsche Reich nicht protestantisch ist. Es dürste sich empfehlen, wenn er als Kaiser spricht, nicht aus dem Auge zu lasien, daß zwei Drittel der Bewohner des Reiches, darunter zwei Bundesfürsten, Katholiken find. Wir würden von der Sache weiter kein Auf­hebens gemacht haben, wenn nicht liberale Blätter die Merseburger Rede als eine Kundgebung gegen Ultramontanismus" undJesmtismus" gefeiert und die Hoffnung ausgesprochen hätten, daß dieherr­lichen Worte" in allen evangelischen Kreisen fteudigen Widerhall finden und den Mut zum Kampfe gegen Ultramontanismus" undJesuitismus" und gegen diePartei, die jenseits der Berge ihre höchste Au­torität besitzt" aufs neue stärken würden. Dem Kaiser hat selbstverständlich die Absicht, die man ihm da unterschieben möchte, vollständig fern gelegen. Es wäre aber auch zu wünsaen, daß Aeußernngen vermieden würden, die in solcher Weise von konfessionellen Fana­tikern ausgenutzt werde» können.

In der Wasserversorgungsfrage der Stadt Metz hat der Kaiser in der Besorgnis, die Garnison könnte infolge des schlechten Wassers von einer Typhusepidemie angefleckt werden, an den Statt­halter von Elsaß-Lothringen ein Telegramm gerichtet, worin er He Saumseligkeit der Stadtverwaltung scharf tadelt und die schärfsten Maßregeln zur schleunigen Erledigung der Wafferfrage fordert. Da das Telegramm von völlig falschen Voraussetzungen auSgeht, hat es in Metz begreiflicherweise Mißstimmung hervorgerufen und der Stadtverwaltung zu Ver­wahrungen Anlaß gegeben. Die Frarzöslinge suchen natürlich den Vorfall auszunutzen, um Stimmung

Unpolitische Zettläuse.

(Nachdruck verboten.)

(£; Berlin, 10. September 1903.

rchriftleiter:Zos.Vaum

3.Kä wochmbkiiage:IllustrierteSonntagrzeltung

Anzeige«: Vie ein» haltige Petitzeile oder deren Saum 15 pfg. Reklamen die Petitzeile 25 pfg.; bei Wieder­holungen wird entspr. Rabatt gewährt.

Druck und Verlag der 5uldaerActiendruckere^ in Zulda (harmoniej

Zernsprecher Ht. 9.

Erscheint täglich, Mit Anrnahm« der Son» «nd Feiertage, viertel flhrl.ve;«grpreir ohne vringerlohn und VeßeRgeld in Fulda und «urwärts 1 Mk. 5V psg

Verantwortlicher

die Umarmung mit Zubehör kannst Du an den Schluß bringen."

Ja, ja, aber schwer ist's doch!"

Es gibt viele solche Leute, jüngere und ältere, die mit der Zunge sehr flott und mit der Feder sehr langsam und schwerfällig find. Sie haben eine Art Schreibkrampf, nicht in den Händen, aber im Gehirn, weil sie sich einbilden, auf dem Papier müsse man sichganz anders" ausdrücken, als im Gespräch, da ginge es nicht ohne kunst­volle Einteilung, hochtrabende Redensarten, ge­drechselte Sätze, schnörkelhafte Komplimente. Wo wurzelt das Uebel? In dem Zwiespalt zwischen Schriftsprache und Umgangssprache, zwischen Bücherstil und Volksstil.

Auf dieses Kapitel wurde ich -geführt beim Durchblättern eines neuen Büchleins:Das kleine Anstandsbuch. Ein Leitfaden des guten Tones für jedermann." Von I. von Eltz. *)

Das ist ein handlicher und die Hauptsache erschöpfender Auszug aus dem großenGoldnen Anstandsbuch" von derselben Feder. Ich habe s. Z. auch den Wunsch ausgesprochen, daß dieses treffliche Handbuch der Lebensweisheit der Masse des Volkes in einer kleinen Ausgabe zugänglich gemacht werden möge, und bin also besonders dankbar für die schnelle und zugleich höchst ge­schickte Herstellung der Volksausgabe, die ein­dringlich empfohlen werden kann, namentlich als Geschenk für die Heranwachsende Jugend. Ich fand nun beim Durchblicken, daß u. a. in dem Kapitel vom Briefschreiben Beobachtungen und Ratschläge stehen, die mir schon längst auf der Seele gelegen haben. Da heißt es z. B. gleich zu Anfang:Man schreibe natürlich und ungezwungen, und wenn auch form­vollendeter, als man im persönlichen Leben spricht, so doch ohne Phrasen. Es ist ganz unglaub­lich, was manche Leute, die nicht gewohnt sind, Briefe zu schreiben, zuweilen zusammendrechseln, wenn siedie Feder ergreifen, um Ihnen wissen zu lasten, daß . . . ." Schreibe kurz und deut­lich, und mache die Einleitung nicht länger, aI8 den eigentlichen Brief, fonbem fange gleich mit der Sache an."

Ein schwarzgalliger Freund, mit dem ich heute über die Briefschreiberei sprach, wollte freilich das Kind mit dem Bade ausschütten und meinte, der Briefstiel gehöre in dieselbe Rumpelkammer, wie der Spinnrocken. Der moderne Mensch schreibe nur Geschäftsbriefe in Maschinenschrift und Maschinenstil, während der Gedankenaus­tausch zwischen Freunden und Verwandten durch Ansichtspostkarten Und tm günstigsten Falle durch unbedruckte Postkarten besorgt werde. So schlimm ist es doch nicht. Es werden wirklich noch Freund- schafts- und Famillenbriefe auf regelrechten Bogen geschrieben, und sie bereiten auch den Empfängern noch viel Freude und' Herzenserquickung. Die arme Postkarte mit ihrem beschränkten Raume kann ja auch gar nicht den vertraulichen, und gesamten Gedankenfluß in dem geschlossenen

Backfisch, besten Mäulchen den ganzen Tag nicht stille steht, sollte einen längst fälligen Brief an die Tante schreiben.

Umständliche Vorbereitungen. Federgekaue. Ja, ich weiß nicht, was ich schreiben soll?" Ader, Kind, wenn die Tante hier wäre, wüßtest Du denn auch nicht, was Du- ihk er-

Sls eS ihm gelungen war, den übereifrigen Ordens« man* auf seine Zelle zu bannen, äußerte der Rektor unter Tränen lächelnd, zu den anderen Vätern gewandt:

Die alten deutschen Meister pflegt n ihre Silber auf Goldgrund auszuführen, damit fie fich in igrer Reinheit abheben und den Blicken der frommen Beschauer also entgegentreten könnten. Statt aller Siaffage legten fie einen Teppich der schönsten Frühlingsblüten unter die Füße der Helligen, als Sinnbild ihrer Tugenden. Das Bild unseres lieben Vaters Spee hebt fich gleichfalls von einem solchen Goldgründe mit ächter Klarheit ab von dem Gold­gründe der Liebe. Luch die Blüten fehlen nicht, sie grünen und sprießen in seinem Herzen als Blumen der Liebe und Andacht, sie hauchen ihren Duft in Liedern ans, die trotz den Tönen der Nachtigall in wunderlieblichen Weisen zum Lobe des Allerhöchsten erklingen."

Als Dankmar von Kesselstatt am folgenden Tage fich von dem Pförtner des Jesuiienhauses zu dem Sprechzimmer geleiten ließ, wo er Vater Spee er­warten wollte, trat ein hoher, ehrfurchigebietender Greis ihm in den Weg.

Das ist der Rektor," flüsterte der Pförtner.

Der Graf säumte nicht, fich vorzustellen und den Freund zu nennen, den er aufsuchen wollte.

Ah, Herr Graf, es freut mich, daß ich selber Euch zur stillen Zelle unseres lieben Dichters hinge­leiten darf. Ihr sollt ihn mitten im Schaffen treffen." Ein Wink verabstWdete den Pförtner.Ja, das ist ein Genius, Gott möge ihn uns erhalten!" führte der Rektor aus, als fie mit einander durch die langen gewundenen Gänge des Konventes schrttten.Man

Der yexenpater.

Stählung aus bet Zeit des dreißigjährigen Krieges.

gegen Deutschland zu machen. Es ist unbegreiflich, wie man den Kaiser so vollstandtg falsch hat unter­richten können. . _ .

Die Auseinandersetzungen zwischen den Frei- sinnigen und den Sozialdemokraten über die preußischen Landtagswahlen bringen die beiden Parteien immer weiter auseinander. Die Frei­sinnige Volkspartei weigert sich, die Mandate mit den Sozialdemokraten zu teilen; die Sozialdemokraten er­klären aber bestimmt, daß fie den Freisinnigen nicht beistehen würden, wenn fie keine Mandate erhielten. Zwischen der Freisinnigen Volkspartei und der Frei­sinnigen Bereinigung wird der Riß auch immer weiter. Die Freisinnige Zeitung' Richters ist bereits scharf gegen die Freisinnige Vereinigung vorgegangen.

Dieelende" Vizepräsidentenfrage richtet im sozialdemokratischen Lager immer mehr Unheil an. Revolutionäre" undRevisionisten" liegen fich wütend in den Haaren. Bebel hat im ,Vorwärts' wieder zwei Erklärungen gegen dieRevisionisten" veröffent­lichen wollen. Die Redaktion hatte Bedenken gegen die Aufnahme wegen des darin angeschlagenen Tones, und nun machte Bebel Spektakel in der .Leipziger Volkszeitung'. Auf dem Dresdener Parteitage wird man vor lauter Krakehl wohl zu keiner sachlichen Ver­handlung kommen.

Die Handelsvertragsverhandlungen mit Rußland sollen im November in Berlin fort­gesetzt werden. Nach offiziöser Versicherung sind die Aussichten auf Verständigung nicht ungünstig.

In Ungarn ist die Bildung des neuen Ministe­riums immer noch nicht gelungen. Finanzminister Lukacs, den der Kaiser damit beauftragen wollte lehnte ab. Daß der Obstruktion noch Zugeständnisse in der Armeefrage gemacht werden, gilt für ausge­schlossen. Da die Rekrutenvorlage nicht zustande ge­kommen ist, hat die- Heeresverwaltung verfügt, daß die Mannschaften des dritten Jahrganges übet den ersten Oktober hinaus im Dienst verbleiben sollen. Das hat in der Bevölkerung und in der Armee böses Blut gemacht. In Triest ließ sich eine Anzahl Soldaten zu einer öffentlichen Protestkundgebung und schweren Verstößen gegen die Disziplin hinreißen.

In Frankreich agitieren die Radikalen und Sozialisten wieder leidenschaftlich für die Kündigung des Konkordates und die Trennung von Staat und Kirche. Hiergegen erhebt fich aber selbst in protestanti­schen Kreisen Widrspruch und wenn Combcs ver­suchen sollte, dem Drängen seiner Freunde nachzu­geben, könnte er sehr leicht in der Kammer eine Niederlage erleiden. Weiter verlangen die kultur- kämpferischen Freunde Combes' eine neue Säuberung des Richterstandes, weil die Gerichte das Vereins­gesetz verschiedentlich nicht so gegen die Kongregationen angewendet haben, wie sie wünschen. Der Bischof Andrieu von Marseille hat in einem Hirtenschreiben die Politik der Regierung scharf verurteilt; öafür wurde ihm das Gehalt gesperrt.

In Serbien ist unter den Offizieren, die ander Verschwärung gegen Alexander und Draya nicht bc- teiligt waren, eine Bewegung gegen die Konigsmörder entstanden, die den König ganz in ihrer Gewalt haben und ein terroristisches Regiment ausüben. Es war geplant, dem Könige eine Denkschrift zu überreichen, in welcher die Entfernung der 68 Verschworenen aus dem Heere verlangt wurde, widrigenfalls die übrigen Offiziere ihre Stelle niederlegen würden. Es waren Proklamationen in Vorbereitung, die sich scharf gegen die Königsmörder aussprachen. 900 Offiziere hatten fie schon unterzeichnet. Die Verschworenen in der Um­gebung des Königs veranlaßten jedoch diesen, eine große Anzahl der Unterzeichner, namentlich in Risch, verhaften zu lasse".. Der arme König Peter befindet weiß nicht, ob man mehr seine Kenntniffe bewundern soll, oder mehr die Gewandtheit, mit welcher er die schwierigsten Wahrheiten in einer einfachen und dem kindlichsten Gemüt verständlichen Weise zu behandeln versteht. Mit frischer, schöpferischer Tatkraft griff er in eine schlaffe, alternde zerrüttete Welt ettfunb hebt mit seinem Zauberstabe Ungeahntes, um es den Menschen in Poesie zu offenbaren. Er schafft so farben­reiche, erhabene und doch duftende, kindliche Lieder, daß ich, wenn einen Vergleich mit den Dichtern unserer Zeit erlaubt ist, ihn die wilde Rose inmitten eines Ziergartens voll zugestutzierHecken und holländischer Zwiebelgewächse nennen, oder als ein freies Wald­vöglein unter den eingefangenen und ab gerichteten Sängern bezeichnen möchte. Wir sind am Ziele." Damit öffnete er dem jungen Grafen eine Türe, ließ ihn eintreten und zog fich mit stummem Gruße zurück.

Friedrich von Spee saß am hohen, dem Garten zugekehrten Fenster und malte mit kunfigeübter Hand Initialen auf Pergam ent, als Keffelstatt leise in die Zelle kam. Sein edles Profil zeichnete fich scharf vom lichten Hintergründe ab; ein solcher Hauch von geistiger Verklärung lag über diesem schmalen Angesicht, daß es Dankmar fast wie beklemmende Furcht überschlich, der teure Freund möge ihm entriffen werden. Er wagte kaum, ihn zu stören.

Vater Spee," sagte er dennoch mit gedämpfter Stimme.

Da flog eS wie warmer Sonnenschein über des Priesters Züge; die wahre, herzliche Freude, womit Spee den Freund bewillkommnete, verscheuchte diesem jeden Zweifel, ob er auch recht gehandelt, den Dichter in -einer Arbeit unterbrochen zu haben.

' Da findet Ihr mich wieder mitten in einem Friedenswerk, als ob gar kein Krieg unser Vaterland zerfleischte, als ob kein Zank und Hader, Mord und Totschlag, ja alle Schänd' und Laster die Welt re­gierten/ Aber es muß doch Einer sein, der in dieser argen Zeit der göttlichen Liebe Lob singt", sagte Spee lächelnd nach der ersten Begrüßung, indem

) Verlag von Fredebeul u. Koenen in Essen (Ruhr). Preis eleg. broschiert 1 Mark, gebunden 1.30 Mark.

Buche, dessen Urheber ja nur den vertranten Freunden bekannt ist, von welchem aber eine Auflage nach der andern erscheint, Kenntnis nahmen und sogleich ernst­liche Revision des bisher beobachteten gerichtlichen Ver­fahrens anordneten. So beginnen durch Eure mutigen Worte die Scheiterhaufen hier und dort allmählich zu erlöschen", vollendete er freudig.

Gott, d-m ich dafür danke, gebe auch ferner seinen Segen dazu!" svrach Friedrich von Spee in so feier­lichem Ton, daß der junge Obrist unwillkürlich ein freundlicheres Gebiet der Unterhaltung zu berühren versuchte. «

Wie sehr habt Ihr mich erfreut durch da» Ge­schenk der schönenTrutznachtigall"!" Ich trage das Manuskript wie ein Kleinod stets bei mir, ich lese täglich darin und erbaue mich an Euren gottbegeister- ten Hymnen. Eure frommen Lieder sind Gebete: wie oft schon habe ich mir frischen Lebensmut aus ihnen geholt!"

Das zu hören freut mich, mein junger Freund. Ich habe daS Büchlein aus keinem anderen Grunde geschrieben, als daß Gott auch in deutscher Sprache seinen Poeten hätte, der sein Lob und .seinen Name« singen und verkünden könnte, und daß die Menschen, so es lesen oder hören werden, in Gott und göttlichen Dingen ein Genügen und Frohlocken schöpfen. Doch was reden wir immer nur von meinem Schaffen? Wie es Euch auf Eueren Kriegspfaden erging, darüber habt Ihr miÄ, zu meiner Freude, durch regelmäßiges Schreiben treulich unterrichtet. Nun sagt mir, wie hat Euch das Heim bei der Rückkehr gefallen?"

Dankmar zog die Stirne kraus.

Ich hätte mir die Franzosenwirtschast nicht so schlimm vorgestellt", gab er unmutig zur Antwort.

Da seht Jhr'S! Serenissimus aberdachte, als er daS Völkchen herbeirief, daß die siegestrunkenen Schwedenscharen nicht sanfter hier Hausen würden", sagte Spce lächelnd.

(Fortsetzung folgt.)

zählen solltest?"

Ach, erzählendas ist ganz was anderes."

Rein, das ist gar nichts anderes. Schreib' wie Du sprichst."

Ein listiges Lächeln:Dann wird's ja viel zu lang."

Ra, kleine Plaudertasche, Du kannst Dich ja beim Schreiben etwas kürzer fassen und brauchst nicht alles sofurchtbar" breit zu be- plappern und soschrecklich" viel zu wiederholen. Aber sonst schreib', wie Dir der Gelbschnabel gewachsen ist und was Dir das Herz eingibt; das wird die Tante am liebsten lesen."

Aber wie soll ich denn anfungen? Da vorn muß doch was stehen von dem Vergnügen, wo­mit ich die Feder ergreife."

Unsinn! Daß Du zum Briefschreiben keinen Besen ergreifst, weiß die Tante vor allem, und ob Du mit Vergnügen schreibst oder nichts kann sie aus dem Briefe schon ersehen. Wenn Du hie Tante besuchst, sagst Du' denn auch beim Ein­tritt in ihr Zimmer: Mit Vergnügen ergreife ich die Klinke . . .?"

Ach was, dann rufe ich: Grüß Gott, liebe Tante, hier hast Du Dein Mondkalb! und dann falle ich ihr um den Hals und so weiter."

Run, das Mondkalb brauchst Du nicht gleich zu Anfang des Briefes zu setzen, aber mit Grüß Gott" kannst Du immer anfangen, und er auf fein Buch deutete.Ja, wer hätte gedacht, als ich Euch in Falkenhagen zum letzten Male sah, und Euch die Rückkehr in das heimiscke Erzstift so dringend empfahl, daß ich selber nochmals in diese Gegend verschlagen werden und wir uns hier Wieder­sehen sollten!" Ein Schatten glitt über seine hohe Stirn, als er wehmütig fortfuhr:Wer hätte damals gedacht, daß die Spuren meiner mühsamen Missions­tätigkeit im Norden schon drei Jahre später durch die schwedische Soldateska vollständig vernichtet sein würden!"

Graf Kesselstatt neigte in ernster Zustimmung das Haupt; dann aber rief er feurig aus:

Laßt Euch das nicht anfechten, teurer Vater, Gott selber weiß, wozu es gut ist! Ungleich segens­reicheres und dauernderes Verdienst als durch die Tätigkeit in der Gegenreformation habt Ihr Euch durch Euer kühnes Buch gegen das Hexenverbrennen erworben, mit dem Ihr totesmutig vor die Fürsten, die Beichtväter und die Richter hinttetet, ihr Gemüt aufgerüttelt und ihnen in ruhiger, ei'dringlicher Weise zeigtet, welch' ein Greuel von Torheit, Ungerechtigkeit und Umnenschlichkeit sich in dem Verfahren gegenüber den der Zauberei Angeklagten zusammengehäust habe."

Spee'S Auge flammte.

Was mir den Mut zu diesem mit meinem Herz­blut geschriebenen Werke verlieh, war die Liebe zu Gott, zur Wahrheit; fie drängte mich zum Kampfe gegen den Irrwahn, gegen das Ungeheuer mit dem tausendfach geöffneten Rachen."

Wahrlich eS gelang Euch, dem grimmigen Drachen die unheilbare Todeswunde zu versetzen", sprach Keffel­statt überzeugungsvoll.Eure Schrift cautiocrimi- nalis" hat Wunder gewirkt. In'Würzburg hörten, wie Euch selber bekannt ist, sogleich nach dcm Er­scheinen dercautio die Hinrichtungen auf. Auch ich hatte im Norden Gelegenheit zu erfahren, daß die Herzöge von Braunschweig infolge des Buches alle Hexenspürerei verboten. Ich weiß auch, daß das Reichskammergericht und der kaiserliche Hof von dem

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Zweites Blatt