Mdaer
Zeitung
veranttoortUcher
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Fulda, Samstag, der 12. September 1903
M 208
Druck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerel in Zulda (Harmonie) Zernsprecher Nr. 9.
Anzeigen: Vie ein» spaltige Petitzeile ober deren Raum (5 pfg. Reklamen die PetttzeUe 25 pfg.; bei wieder- Holungen wird ttrtfpr. Rabatt gewährt.
30. Jahrgang.
Mmakbeilag«: „Zuldaer Geschichtrblätter"
Erscheint täglich» mit Surnahme der Soim- nnd Zeiertage. Viertel« jShrl.vezugspreir ohne vringeriohn und vestellgeld in Fulda und «moärts 1 Rik. 50 Pfg.
rchristleiter:Zos.vaum
3. Wochmb-Ilage: „Illustrierte Sonntagrzeitung
Um durch ein stärkendes Mahl, «rast für die Folge zu sammeln. Lenken die mutigen Schritt bis
Meinem lieben Kloster Kreuzberg zur freunb lichen Erinnerung. Freys.
auf duftigem Rasen verzehret, Man wollte nämlich noch heute
noch vor die Rhöne
nach Gersfeld. Nenne mir, mein fröhliches Lied, nunmehr die Reisegefährten, Welche sich heute vereint, die waldigen Höhen zu besteigen. Goebhard, der muntere Kumpan, Jocosus benannt, und
Heia, Heilmann, der sorgsame Arzt mit gewaltig strotzender
Hauptzierd,
[:] von Zulda zum ttreuzberge vor 100 Iahren.
(Don hochgeschätzter Seite erhalten wir die nachfolgende poetische Schilderung dreier Rhöntouren, die vor beinahe 100 Jahren von 7 Fuldaer Herren ausgeführt wurden. Wie aus den voraufgehenden Widmungen hervorgeht, hat der Expeditor Johann Reinhardt diese Gedichte aus einem v. Buttlar'schen Manuskripte abgeschrieben und dem verstorbenen Herrn Rechtsanwalt Freys in Fulda geschenkt, der dann später die Abschrift dem Kloster Kreuzberg widmete, wo sie noch heute ausbewahrt wird. Die Red.)
Widmung
Seiner Wohlgeboren dem Herrn Rechtsanwalt Freys in Fnlda, als oem wohlerfahrenen und bewährten Kreuzfahrer der hohen Rhön, widmet unter tiefster Hochachtung und Verehrung als eine kleine Festgabe zum neuen Jahre nachstehendes Andenken an den Kreuzberg auf der hohen Rhön in drei Reisen, ausgeführt von sieben guten Freunden aus Fulda in den Jahren 1809, 1810 und 1811 unter sonderbar gewählten Namen, als: Buring, Hochwald, Hela, Thalheim, Heilmann, Goebhard, Lauch, deren erlebte Abenteuer, sehr interessant zu lesen, wörtlich aus einem v. Buttlar'schen Manuskripte gezogen durch Johann Reinhardt, Expeditor.
Audeuke« an den Kreuzberg auf der hohen Rhön in drei Reisen.
Erste Reise, den 15. Juli 1809.
Auf dem erhabensten Punkt der hohen fränkischen Rhöne Schimmert ein rötliches Kreuz, zu welchem bei heiterer Jahreszeit
Gerne dir Wanderer zieh'n, um mit begierigen Blicken Waldige Fluren zu schau'n, die sich den Augen enthüllen. Tiefer am grünenden Berg, da türmet sich freundlich ein Kloster,
Das dem ermüdeten Fremdling Ruh' und stärkende Labung Willig und gerne gewährt. Ein Häufchen munterer Freunde
Treibet sich öfters dahin, aus Fuldas benachbarten Fluren, Um in der freien Natur und fern von lästigen Schranken Fröhlich ein Fest zu begehen. Man dachte schon lange des Zieles,
Als eines heiteren Tages in der Mitte des wärmenden Juli
Endlich die Reise begann. Die Freunde wandelten alle LängS der bestaubten Chaussee zum bekannten gastlichen Garten,
Kiesner, Buring und Lauch und der kräuterverständige Liebhold,
Diese zogen nunmehr aus dem Garten über die Brücke, Dann über Wiesen und Flur, bei Mühlen vorüber zum Turme,
Der, von der Borwelt erbaut, dort pranget, die Zierde der Gegend, Lachend begrüßen uns hier die vaterländischen Fluren Und die freundliche Stadt, die mit mächtigen Türmen und Mauern, Grünend von Gärten umringt, im Hintergründe sich zeiget. Dann die fruchtbare Fläch', begrenzet von buschigen Hügeln,
Welche mit Kirchen geziert, das ganze Gemälde erheben. Schnell verschwindet es nun, und eine romantische Wildnis Nimmt in den schattigen Forst bei lieblich erquickender Kühlung
Jeglichen Wanderer auf. So schlangen wir uns durch die Pfade,
AIS in der Enge des Tals, am Fuße der bejahrten Ruine, Liegend am Bache die Mühle, die ermüdeten Glieder erfrischte;
Denn man kredenzt unS hier in reinlich irdenem Hafen •ine geronnene Milch, die mit hölzernen Löffeln Gern zu dem Munde geführt. — Ss begann allmählich der Abend, Und eS führte der Weg zum Ziele der nächtlichen Ruhe Durch eine Reihe von Pappeln uns in das zierliche BerSfeld.
Siet an bei Kirchhofs Tor gesellten zween neue Gefährten ich zn bet reisenden Schar, der eine war Thalheim, der andere
Nannte sich Henndorf. ES hatten die beiden die nämliche Reise
Aber ans andern Wegen gemacht; denn manche» Gebirge, Das in der Gegend sie fah'n, ei wurde ven ihnen erstiegen. Drauf bei de» wirte bei OrtS, da lagerte man fich behaglich,
Trank «ine Kann« voll Bier und schmauchte ein würziges Pfeifchen.
Als wir so pflegten der Ruh, erschienen die Wandrer besuchend
Zinnemann der Rentmeister mit dem Apotheker des Fleckens
Und Remitti, der Kaufmann. Wir setzten nun um die Tafel Wävlend zur künftigen Reis' einen tüchtigen Führer, ihm sollren
Jegliche stehen zur Red, um Ordnung und Ruh'zu erhalten. Da nun die Zettel geöffnet, erwählt die Mehrheit den Dottor
Zum Generale, der dann die übrigen Aemter verteilte. Und er wählte sich Thalheim und Lauch als zween Adjutanten, Kiefern zum Feldprediger; zum" Wundarzt wählt er Buring, Liebhold ward Musketier und Henndorf dient als Gefreiter;
Aber den Hela verdammte der Führer zum Dienst des Profoffen. -
Wer nun den Gasthof im Ort dem Schloß gegenüber gesehen.
Weiß, daß in selbigem stets die Küche sehr sparsam bestellet;
Daher erbot fich uns Zinnemann, zu wandern, umNahrung zu suchen.
Da denn die Anstalt gemacht, so schmausten wir alle ganz leidlich
Milch und die Eier in Schmalz und die schmackhafte Zunge Dann die getopfte Forell', auch hatte man trefflichen Rheinwein
In dem Orte zu finden gewußt. So saß man vergnügt beieinander.
Sang und zechte fidel bis spät zu der Mitternachtsstunde.
Als nun der bleierne Schlaf die fröhlichen Zecher befallen,
Sucht' man ein Plätzchen zur Ruh'. Es schliefen aber die meisten
Liegend auf ebener Streu und koßten noch lange zusammen;
Scherzten und neckten die Schläfer und harrten dem Rufe des Wächters,
Zählend die Stunden der Nacht; bald ertönte das Ende seinesLiedchens, Und es begannen die Roffe zu wiehern, der Haushahn zu rufen, Grüßend den rötlichen Morgen. Auch wir verließen das Lager,
Zahlten dem Wirte die Rechnung, begannen die weitere Reise.
Als man hinter Gersfeld die gewaltige Höhe bestiegen. Hüllte die wäss'rige Wölk' die Fluren und Wälder in Nebel,
Der sich zum höchlichen Leid in häufige Tropfen verwandelt';
Doch man vergaß dieses Leid. — Ein hehres Glockengeläute
(Heute war Sonntag) ertönt aus nah' gelegenem Dorfe, Und es beginnt das Volk zu wallen auf Kreuzberges Höhen.
Still von der Andacht gerührt, gesellt man sich zu den Pilgern,
Ziehend im Ernste die Hüt' und sinkend ein Ave Gänzlich vom Regen durchnäßt, gewinnt ^man endlich Wo man am warmen Kamin sich trocknet die triefenden Kleider.
So wieder ziemlich im Stand, verfügte man sich in den Speisesaal
Und begrüßte darin des Hauses fromm« Bewohner. Sag' mir hierauf, o Gesang: wie heißen die freundlichen Väter?
Führe mich dann auch herum in allen Gemächern des
Seht an der Spitze des Chores des Hauses bedächtigen Präses,
Aeltlich an Jahren, begrüßt er uns mit der Miene der Jugend.
Seht dann den Pater Vikar, er ist der Hofmarschall im Kloster,
Denn er versieht die HonneurS und redet von Frieden und Kriegen.
Ihm folget Pater Euchar, von männlich bedeutendem Anseh'n,
Pater Maximilian, der muntere, dann mehrere Patres, Deren Namen anjetzt dem Sinne des Schreibers entfallen.
Bruder Hermes, er ist des Bieres kundiger Bräuer, Bruder Gärtner, der schalkhafte Kund', und dann der erfahrene
Bruder Apotheker mit Gesundheit bringenden Büchsen.— Schön ist der Speis'saal im Haus und helle, grünlich gemalet. Ringsum stehen di« Tisch', an welchem die Väter fich laben.
Ober dem Hauptfitze strahltet das Kreuz, des OrteS bezeichnendes Merkmal, Dort in dem Fenster, da quillt inS steinerne Becken ein Strömchen
Eisigen WafferS heraus, erstischend im brennenden Sommer. —
In den übrigen Gängen im Haus stößt Zell« an Zelle, Aber im hinteren Gang befinden sich Zimmer für Gäste.
Auch in die glänzende Kirche begab man fich kurz nach Ankunft.
Pilger füllten sie an, wir hörten ertönen ein Hochamt. AIS nun die Messe beendet, verfügten wir uns in den Eßsaal:
SämtlicheVäter.fie standen inReih'n mit übergeschlagenen Armen,
Ließen mit Hellem Organ ein Benedict« ertönen.
Drauf bei dem Mahle war ernst daS Gespräch nach Sitte des Klosters.
Doch nun verklärte fich Soebhard'S Seficht, er lächelte listig,
Strich seine wenigen Haare, ergriff den lieblichen Humpen,
Und ei entquoll seinem Mund ein hellaufschreiendeS Hela.
D'rob erstaunten und sahen fich um die geistlichen Herren,
Denn sie hatten »och eie ein Hela rufen gehöret. D'ranf erwidertest du, jovialischer Wnuiball» Goebhard: „Vchtwürdige Herren, vergebet, die kornisch-ftihliche
Welche die Andacht der Zeit mit Angekommen im Haus, begann Freudig ein heller Gesang, und
vielen Kapellen ge- zieret. —
in dem grünlichen Eßsaal
draußen tobte der Böller.
Wenn sie mich einmal beseelt, bedient sich des lärmenden Ausdrucks."
So war der Anfang gemacht, und jegliche riefen ein Hela,
Leerten die Humpen auch öfter, bis endlich das starke Gebräue
Ziemlich die Köpfe gefüllt, da ging man ein Stündchen zur Ruhe.
Hela besonders erfuhr des Schlafes erquickende Wohltat. —
Sparsam leuchtete darauf das Licht der entflohenen Sonne,
Und wir begaben uns schnell zu des Berges erhabenstem Gipfel.
Dort steht das rötliche Kreuz, dorthin da ziehen die Scharen, Waldige Fernen zu schau'n, doch heute leuchtet ein Unstern,
Denn eS erfüllte die Gegend ein lästig dampfender Herrauch.
Aergerlich stieg man herab auf des Berges steinernen Stufen,
Katholische HanSbibel. Biblische Geschichte für daS katholische Bolk von Jakob Ecker, Dr. theol. phil. Professor am Priesterseminare zu Trier. Mit Bischöflicher Approbation und Empfehlung. Erster Baud. Trier. Druck und Kommissionsverlag der Paulinus-Druckerei, G. m. b. H. Preis broschiert Mk. 2.40, gebunden in Halbleder Mk. 3.80.
In unserer aufgeklärten Zeit, in der Unglaube und Gottlosigkeit so viel durch schlechte Bücher Werall verbrettet werden, ist die katholische Kirche auch darauf bedacht, dem Volke gute Bücher in die Hand zu geben. Die erste Stelle der Bücher, die in keiner katholischen Familie fehlen sollten, gebührt einer Biblischen Geschichte, welch« das für alt und jung WiffenSwerte auS der Heiligen Schrift enthüll. Die praftische Anlage einer katholischen HanSbibel, die Auswahl der Lesestücke, die Form des Abdrucks, der fich möglichst an den T^t der Helligen Schrift anlehnen muß, ja auch die Ausstattung des Werkes — das aller ist von großer Wichttgkeit. Der Versaffer dieser HanSbibel ist, wie nicht leicht ein anderer, zur Herausgabe einer katholischen HanSbibel befähigt. DaS Buch ist in K'en Buchstaben gedruckt, sodaß auch ganz alte e die Bibel mit Leichtigkeit lesen können. Die Ausstattung ist prallisch und schön, und dar Buch wird in dem Halbiederband eine Zierde für jeder Ha»S sein. Dai ganze Werk wird drei Bünde wn je 40 bi» 4L Bogen umfassen.
* Die Aeppel. Eine köstliche Geschichte wird dem ,Frks. Gen -Änz.' aus dem Hessischen von einem Leser im Dialett folgendermaßen mitgeteilt: „Gestern bin ich mit mein Gickel (Pferd) (zu 'me Auto hat's nvch net gelangt) von Staanem (Klein Steinheim) nach Oberrad gegondelt, — Heern Se, da hab' ich en cheene Schbaß gehabt. Wie ich nemlich so ume Uhre Sechs, nach dem ferchterliche Storm, bei der Stabs Lisbeth uffgebroche bin und wollte mei dorch e Dützen Schöppcher schmählich unterbrochene Tour fortsetze, da eh' ich uff amol mitte uff der Schosseh en Mord'» Landauer halte. Die Passagier wäre aüminanner ämmtlich ausgestiche und hawe merkwürdige Spring um die Chais erum gemacht; von Weitem hat'» aus- geseh', als wanns en Haufe Frösch' wär, die sich im Hippe übe dehte. Wie ich nachher näher ebei kam, hab ich konstatiert, daß es e Frankfurter HerrschastS- chaisekutsch war und der Baba und die Mama und der Kutscher hawe die Aeppel uffgelese, die der Storm gottsjämmerlich uff die Schosseh geschittelt hat, während der Hanne Emil die Gaul halte mußt. Jeder Mal wann se e Sackduch voll (dem Kutscher seins war's größte) zusamme gelese hatte, hawese se mit so ’tne gewisse Wuppdech in de Wage korbele lasse. Mittler- weit is noch en Radfahrer bei der Chais angelangt unb der hat fich scheinbar noch mehr über die Hipperei amifiert wie ich, denn je mehr Aeppel se gelese hatte, desto mehr hat sein Antlitz gestrahlt. „Des giebt en großartige Schineh" (Gelee) hat die Madamm uns erklärt. Doch wie nix mehr in de Wage nei ging und der Baba und die Mama hatte ihr Spazierhölzer n die Aeppel eneigeklemmt, seegt uff amol der annere Radfahrer: „Meine Herrschaste! — ich bin Ihne sehr dankbar, daß Se mer die Aeppel all uffgelese hawe — aber net wahr, Sie fin jetzt aach so gut und fahre mer se nach Müllem (Mühlheim) in die Kreisstraße- toartei — ich sein nämlich de Straße wär ter."
* Mädchenhandel. Vor kurzem machte ein War- chauer Tapezierergehilfe in Lublin die Bekanntschaft eines schönen Mädchens, daS mit seiner Mutter, einer Wittwe, eine Hüne Strumpffabrik unterhielt. Der junge Mann verstand es binnen kurzem, beide Frauen so sür sich einzunehmen, daß sie ihm blindlings vertrauten. Er verlobte sich mit der Tochter und überredete diese, nachdem sie in Lublin auf geboten worden waren, fich in Warschau in der Karl Borromäus- Kirche trauen zu lassen, da er beim dortigen Pfarrer seine Papiere hinterlegt habe. Darauf machte der Bräutigam noch der Schwiegermutter den Vorschlag, alle Möbel samt der Strumpfmaschine zu verkaufen, da er in Warschau eine gut eingerichtete Wohnung habe. Auch dieser Rat wurde befolgt und daS junge Paar reiste nach Warschau, wohin die Mutter nachkommen sollte. In Warschau angelangt, verkaufte der Tapezierer das junge Mädchen an Mädchenhändler für 70 Rubel und ergriff schleunigst die Flucht. Die Mutter des Mädchens erfuhr von dem schändlichen Bettug und benachrichttgte die Polizei. Diese stellte sesi, daß der angeb iche Heiratskandidat in Warschau seine Ehefrau mit zwei Kindern zurückgelaffen hat.
* Recht so! Eine wandernde Schauspieler-Truppe wollte in der Umgebung von Berlin ein Schreckensdrama: „Königin Draga oder die SchreckenS- nacht von Belgrad" aufführen. Der Anfang sollte in Alt'Landsberg gemacht werden. Die Behörde verbot aber die Vorstellung aus ordnungspolizeilichen Gründe». Hoffentlich wird auch in anderen Orten die Aufführung deS Machwerks untersagt.
Auch ward ein förmlicher Ball von deS Hauses Bewohnern und Gästen
Aufgeführet im Saal, von Trommel und Flöte begleitet.
Ha, es erschienen sogar verschiedene Masken, es hatten Zwei von den unfern die Kleider entlehnt von bett geistlichen Herren,
Während dann biefe sehr drollig erschienen im Kleide der Laien. —
AlS nun die Abendglocke geläutet, da bedt’^ man die Fröhlich schrnauseten wir, dann gab es noch häufige Scherze.
Auch leerte die Kompagnie noch manchen Humpen voll Bieres,
Singend daS mutige Lied aus dem Wallensteinischen Lager
Und vom Genüsse des Lebens, auch faßten die Freund' ihre Hände,
Hielten die Freunde recht fest und waren so fröhlich beisammen.
Drauf von den Vätern geführt, verfügten wir uns zu den Betten,
In deren eines sich zwei und zwei ganz brüderlich teilten. —
Anderen Tages erweckt uns alle die wirbelnde Trommel, Führte dem Speis'saaluns zu; dort dampft ein bräunlicher Kaffee,
Gut für den Magen, entwöhnt deS starken und häufigen Bieres.
Noch wurd'einWeilchen gekoßt, dann drückt man denBätern die Hände,
Dankt für guten Empfang und zieht hinaus zu der Pforte.
Baldig befanden wir uns auf dem vaterländischen Boden.
Seht ihr auf grünenden Höh'n, auf dem Dammersfelde das Landhaus, Sonst zum Empfange des Fürsten bestimmt? Sehr volkreich war heute Dieser sonst einsame Platz; denn es waren Herren aus
Fulda Abgesendet, das Gras dem höchsten Gebote zu lassen. Als wir mit kühlender Milch den durstigen Gaumen geletzet.
Nahm man den weitern Weg zu der äußersten Spitze des Wiesplans.
Sei uns gegrüßet, du Plan, auf deffen moosigen Rasen Würzige Kräuter uns blüh'n, wo liebeno die glänzende Sonne
Uns den unendlichen Raum der heiteren Landschaft vergoldet;
Gerne betrachten wir auch die Gefilde der traulichen Heimat
Dort in der bläulichen Fern', wo die erste Stunde des Daseins
Uns vor Jahren begann; ja seid uns von Herzen willkommen. —
Heißer brannte die Sonn' und förderte langsam die Schritte,
Bis wir im nahen Schmalnau ein Stündchen der Ruhe vollführten.
Hier an dem Eingang des Orts ertönt von dem Giebel der Scheune
Laut ein gefeierter Spruch au8 dem Mund des beredten Gesellen,
Prieß den vollendeten Bau und das ehrbare Handwerk der Zimmr'er: „Kommt und schaut! ich bin nicht geflogen, ich bin nicht gezogen.
Sondern gestiegen bin ich heraus, den Giebel zu hängen. Seht mir den trefflichen Bau, ich trink auf Gesundheit des Bauherrn, Und auf daS höchliche Wohl deS Meisters, den achtbaren ' Nachbarn." —
Sprach'» und leerte fein Glas und warf's auf den Boden hernieder.
Drauf bei dem lärmenden Ton der Geige, bet ländlichen Harfe
Hielt'« die Bauern den Tanz; doch wir, gelagert auf Bänke,
Dachten an Speise und Trank; da erschien die geschäftige Hausfrau,
Brachte geräucherte Wärst, und weich gesottene Tier, Käse, ein ttastloseS Bier und esfigsauern Landwein. — Näher gelangten wir bald zum bekannten Ziele der Heimat,
AlS unS «in Regen befiel. Man sucht in der Scheune deS Dorfes,
DeS nahe gelegenen, Obdach am Schober de» HeueS; Aber eS hörte nicht auf; eS tobte bet knarrende Donner. Also kehrten durchnäßt die Wanderet ein zu der Heimat, Wie man sie vorigen TagS zum Kreuze gelangend erblickte; Und e» erquickte bet Schlaf die mühe gewordenen Glieder.
((Fortsetzung felgt)
i Drittes Blatt
[literarisches