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Zuldaer W Zeitung

monotsbeUege: „zuldaer GeschichtMStter"

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30. Jahrgang.

fUlüS, Mittwoch, den 9. September 1903.

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(Nachdruck verboten.)

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Lrschriut täglich, mit Ä#s#al)*e der $onu= »»d Zeiertage. viertel- jShrl.ve;ug«prri, sh«e vringeetoh« und Bestellgeld in Zulda und mmoärt; t Ml. 50 Pfg.

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toodicnbeitage:„IllustrierteSonntagrzeitung

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Druck und Verlag der 8«ldaerActiendruckerei in Zulda (Harmonie) Fernsprecher Nr. 9.

IubilSumrbeschlüsse der 50. Generalversammlung, in den geschloffenen Versammlungen vom 24.-27.

August 1903 zur Annahme gelangt.

(Fortsetzung.)

Katholische Arbeiterin«en-Vereine.

Die 50. General - Versammlung der Katho­liken Deutschlands erkennt es als eine dringende Notwendigkeit an, daß den katholischen industriel­len Arbeiterinnen eine ähnliche, die religiös-sitt­lichen, geistigen und wirtschaftlichen Interessen fördernde Fürsorge zu teil wird, wie solche bis­her schon in erfreulichem Maße den männlichen jugendlichen und erwachsenen Arbeitern zu teil geworden ist.

Zu diesem Zwecke sind insbesondere nach dem Vorbilde der Gesellen- und Arbeiter-Vereine katho­lische Arb eiterinnen - Vereine zu gründen und die bestehenden Jungfrauen - Kongre­gationen durch eine entsprechende soziale Für­sorge-Tätigkeit auszubauen. Als wichtigste Auf­gabe erscheint zurzeit die apologetische und soziale Aufklärung der katholischen Arbeiterinnen, damit dieselben befähigt werden, die unter den Arbeite­rinnen vornehmlich durch die sozialdemokratifchen Gewerkschaften systematisch betriebene Agitation erfolgreich abzuwehren und ihre religiösen und wirtschaftlichen Jnteresien nach den Grundsätzen der katholischen Sozialpolitik zu vertreten.

Desgleichen ist die Gründung von Arb ert er- -Lnnen - Hospizen und Haushaltungs- Schulen eifrigst fortzusetzen.

Finanzielle Unterstützung katholisch­sozialer Bestrebungen.

Die 50. General - Versammlung der Katho­liken Deutschlands empfiehlt bezugnehmend auf die Beschlüsse früherer General-Versammlungen erneut alle jene bewährten Einrichtungen, welche die geistige, religiös-sittliche und wirt­schaftliche Hebung des Arbeiterstandes zum Zwecke haben.

Diese Einrichtungen (soziale Standesvereine für Arbeiter, Gesellen und Lehrlinge, Bibliotheken, Lesehallen, Kolportage, Volksbureaus, Arbeiter- Sekretariate, katholische Arbeiter-Zeitungen) wer­den vielfach in ihrer wünschenswerten Entwicke­lung und Wirksamkeit durch Mangel an Geld­mitteln gestemmt. Die Katholiken Deutschlands, welche in allen Ständen und Schichten des Volkes für die Förderung charitativer Zwecke so großen Opfersinn bewiesen haben, müssen darum als eine gleich wichtige Pflicht und als ein dringendes Bedürfnis anerkennen, auch diese sozialen Ein­richtungen pekuniär zu unterstützen und zu för­dern, durchdrungen von der Ueberzeugung, daß

Man wußte nicht recht, ob die hohe, hagere Ge­stalt im filbergestickten faltigen Sammetkleide, welche jetzt eben auf der Schwelle erschien, den von langen grauen Locken umwallten Kopf so tief auf die Hals­krause neigte zum Zweck der Begrüburg, oder ob der Freiherr nicht ganz ohne Berechtigung fürchtete, oben an der Thürleiste anzustoßen. Jetzt lächelte er sauer­süß und sagte mit so gewaltig dröhnender Baßstimme, daß man fast an die Posaunen des jüngsten Gerichts erinnert wurde:

„Mit dem eben von Dir genannten Raubtiere glaube ich wenig Aehnlichkeit zu haben. Doch Du wolltest wohl nur 6emenen, daß Du zu diesem ftemden jungen Herrn von mir gesprochen hast?'

Nun lachten die beiden Kesielstatt.

„Schau Dir den frembeit jungen Herrn doch an, alter Knabe,' ermunterte Graf Casimir.

Dankmar aber rief:

„Lieber Ohm HanS — ich nenne euch noch immer Ohm, wie ich daS als Knabe durste — lieber Ohm, kennt ihr mich nicht mehr?'

„Alle guten Geister! DaS ist ja, so war ich lebe der Dankmar oder sein Gespenst. Gott grüß'dich, mein Sohn!' HanS von Zandt schüttelte dem Angeredeten die Rechte so derb, daß sie schmerzte. „Wollte, mein Zunge, der Werner, wäre eben so hell von seinen KriegSfahrten zurückgckehrt.'

Seine Erlaucht ließ vor allen Dingen einige Krüge des SÜesten und besten BrauuebergerS aus dem Keller heraufholen. Nachdem die Pokale zum ftöhlichen Will­kommen aneinandergeklungen hatten,fragte Herr v. Zandt:

„WaS habt ihr denn von mir gesprochen?'

„Wir waren in dem Thema noch nicht so wett gelangt, als ich^eS wünschte. Ich erkundigte mich nach

eine opferwillige Unterstützung solcher sozialen Bestrebungen einesteils die edelste und zweck­mäßigste Betätigung christlicher gemeinnütziger Gesinnung ist, daß anderseits dadurch auch die Interessen der Gesamtheit jedenfalls ebenso sehr gefördert werden, als durch Pflege der Charitas.

Handwerkerstand.

Die 50. General-Versammlung der Katholiken Deutschlands fordert energischeMittelstands-Politik zu gunsten des Handwerkerstandes. Sie aner­kennt die seitherige» Leistungen der Genossenschaf­ten, Innungen und Handwerkskammern und wünscht fortgesetzt staatliche Unterstützung dersel­ben. Einen Hauptwert legt sie auf die tüchtige Aus- und Weiterbildung der Gesellen- und Meister- Kurse, die Einführung der obligatorischen Meister- Prüfung, Sicherung der Forderungen der Bau­handwerker nebst Regelung des Submissions-Ver­fahrens und weitergehende Beschränkung bezw. höhere Besteuerung der Großwarenhäuser und der Filial-Geschäfte, sie befürwortet die gesetzliche Ein­führung der obligatorischen Gesellen-Prüfung und die gesetzliche Bestimmung, daß nur geprüfte Meister Lehrlinge halten und anleiten dürfen. Die 50. General - Versammlung fordert aber die Handwerker selbst auch auf, sich in Genossen­schaften die Vorteile des modernen Erwerbslebens zuzuführen; sie ersucht anderseits dieBessersituierten, die Handwerker durch ihre Bestellungen und Ein­käufe nach Kräften zu unterstützen.

Privatangestellte.

Die 50. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands weist hin auf die steigende Be­deutung des Standes der Privatangestellten. Sie erkennt an, daß die Existenzverhältnisse der ein­zelnen Glieder dieses Standes infolge der wirt­schaftlichen Entwickelung sich immer schwieriger gestalten, und sie hält es im Interesse des deutschen Volkes für notwendig, auch diesem Stande auf gesetzgeberischem Wege denjenigen Schutz ange­deihen zu lassen, dessen er bedarf. Insbeson­dere hält die 50. Generalversammlung der Katho­liken Deutschlands die Regelung der Alters-, In­validen- und Hinterbliebenen-Versorgung des Standes der Privatangestellten für dringend wünschenswert.

Privatbeamte.

Die 50. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands erachtet es als eine ernste soziale Pflicht, der wirtschaftlichen Lage der fogen. „Pri- vatbeamten" ihre besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Sle anerkennt die Berechtigung der Bestrebungen der wie an Zahl so an Be­deutung in unserem volkswirtschaftlichen Leben stetig wachsenden Privatbeamten bett, die Sicher­stellung ihrer Zukunft und der Zukunft ihrer Familie und spricht ihre besten Wünsche für das Zustandekommen der in Aussicht genommenen Pensionsversicherung für Privatbe­amte aus. Sie bittet alle katholischen Arbeit­geber, den darauf gerichteten Bemühungen ihrer Angestellten ihr Wohlwollen zuzuwenden, und sie erwartet von den katholischen „Privat- eurer Familie Wohl und mein Vater hatte mir erst über euer Befinden und das eurer verehrten Hansftau Bescheid gegeben, ich wollte aber noch mehr wissen," erklärte Dankmar.

„Habt Dank für die Tellnahme. Mein Ludwig wurde eben zum Domherrn ernannt, in deren Kapitel er nun als Jüngster fitzen wird, das zu vermelden bin ich gekommen," sprach Herr Zandt v. Merl.

„Ei, so wünschen wir Glück von ganzem Herzen!" „Dank! Glück ist freilich von Nöten, denn solche Würde ist in diese» schlimmen Zeiten mit noch größerer Last und Verantwortlichkeit verbunden, als jemals sonst. Was nun meinen zweiten Sohn, den Werner, anbetrifft, so weiß ich weiter nichts von ihm, als daß er, wie ich schon andeutete, sich irgendwo im deutschen Reich mit den Schweden herumhaut."

„Nun, wir dürfen hoffen, daß er gleich mir die Heimat wiederfindet," tröstete Dankmar, um lebhaft die Frage hinzuzufügen: „Wie aber geht er meiner lieben Jugendgespielin, der sanften blonden Margarethe? Sie war eben ein schönes finniges Jungfräulein ge­worden, als ich das Erzstist verließ."

„Margarethe", ein freudiger Strahl leuchtete aus des Freiherrn Augen, „meine Margarethe hat seit Jahren schon ihr Glück im Kloster Marienburg ge­funden, fie folgte daselbst ihrer Muhme Amelia als Acbtisfin.'

„Unerhört! Die jugendftohe Maid weilt im Kloster und ward schon mit solch hoher Würde bekleidet? Ich kann'S nicht fassen, nicht fassen!' flüsterte Dank­mar und beschattete mtt der Hand die Augen.

„Für Leben und ftöhlicheS Getriebe im Hause, soweit daS in diesen Zeiten möglich ist, sorgt nun meine Jutta. Sie ist im Aeußern das Ebenbild Mar­garethens; nur sagt man, daß fie schöner sei," berichtete der Frecherr nicht ohne väterlichen Stolz.

„WaS sagt ihr, die kleine Jutta wäre ein er­wachsenes Fräulein?" rief Dankmar verwundert.

„So ist es," betätigte nun auch Graf Casimir lächelnd. „Näheres über fie hätte Dir der französische Stadtkommandant, MnrqniS de Buffy, der »ns eben

):( Das „befreiende Kaiferwort4'.

Mit der ihm in konfessionellen Dingen so wohl stehenden sittlichen Entrüstung erklärt der ,Reichsbote' die Behauptung, die Merseburger Kaiserrede sei zur Katholikenhetze benutzt worden, für eine Verdächtigung, mit der auch auf die Rede selbst der Schatten der Hetze ge­worfen werden solle. Von dem fanatischen Pastorenblatte, das auch die klobigstenSchimpfereien gegen die Katholiken als ein unveräußerliches Recht der Protestanten in Schutz nimmt, dagegen äußerst empfindlich ist, wenn von katholischer Seite eine Erwiderung erfolgt, wird man natür­lich niemals das Zugeständnis erhalten, daß Katholikenhetze getrieben worden sei. Wer aber mit etwas mehr Unbefangenheit die Presse in den letzten Tagen verfolgt hat, der wird nicht bestreiten können, daß die Rede zur Katholiken­hetze mißbraucht worden ist.

Wir nennen nur die Magdeb. Ztg/, die »Berliner Börsenzeitung', die,Staatsbürger-Ztg/.

verließ, gerne berichtet. Ihm geht es nicht anders, als allen unfern Trierischen jungen Herren, er schwärmt womöglich in noch glühenderer Begeisterung für die schöne Jutta, als daß schon offenkundig unser Freiherr v. Merode, der brave Kunz Umbscheiden von Ehren- kron, der Wittgenstein, kurz uftfer ganzer heimischer junger Adel tut."

„Da wird man unter so bevanote» Dingen schon bald zum Eidam Glück wünschen dürfen," meinte Dankmar.

Herr von Zandt machte eine abwehrende Hand- betoegung.

„Wollte, es wäre so," entgegnete er seufzend. „Da» Jungfräulein ist gar spröde. Bis heute war der noch nicht da, den fie zum Eheherrn nähme.

„Getrost, der Rechte wird schon kommen, versetzte Graf Casimir mit einem kaum falsch zu deutenden Augenzwinkern nach seinem Sohne hin.

Dieser bemertte rasch ablenkend:

„Da lief in der Königsburg auch noch ein ganz kleines schwarzbraunes Mädchen umher, ich glaube, Isa rief man fie!"

„Jsengard, ganz recht!" lachte Zandt. Sie mag jetzt in dem Alter sein wie Margarethe, als Du weg- gingft. Schwarzbraun ist meine Jüngste noch immer, aber von Kleinheit keine Spur mehr bei ihr; fie wird mir hingegen fast zu lang. Jsengard treibt allerlei Gelehrsamkeit, studiert Latein und Griechisch, denn fie will inS Kloster gehen, wie Margarethe. Ich denke, daß fie bei ihrem regen Geist dermalen meiner Schwester Agnes hier in St. Jrminen als Aebttffin folgen soll."

„So hat das junge Edelfräulein für seine Jahre schon ein grvßmächtig ernstes und gediegenes Wesen?" fragte Dagmar.

Da lachte der graulockige Riese, daß die Wände bebten:

„Genau ein so ernstes und gediegenes Wesen, wie ein mutwilliges Fohlen, das zum erstenmale auf die Weide kommt. Die zukünftige Aebtisfin weiß vor lieber - mut sich kaum zu fassen. Kein Tag vergeht, ohne daß daS Kind noch lustige, tolle Stteiche verübt. Ich störe

» • erstes BIA» .<

Der Hexenpater.

Stählung aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges. Bon Antonie Haupt.

beamten", daß sie einmütig und tatkräftig an den Vorbereitungsarbeiten für die entscheidende gesetzgeberische 'Aktion mitwirken, und daß sie rusnahmslos die am 15. Oktober d. Js. tattfindenden statistischen Erhebungendurch pünkt- iche Ausfüllung der betr. Fragebogen unter« tützen.

Bonifatiusverein.

Die 50. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands wolle, wie alle vorhergegangenen Generalversammlungen, gestützt auf die wieder- -olten Empfehlungen Sr. Heiligkeit des Papstes und des gesamten Hochwürdigsten deutschen Episkopats die Unterstützung und Förderung !)es Bonifatiusvereins insbesondere durchO r g a n i- sation in den einzelnen Pfarreien auf )as wärmste empfehlen.

Bonifatinssammelverei«.

Die 50. Generalversammlung empfiehlt neben dem Bonifatiusverein den Bonifattussammel­verein, dessen besondere Aufgabe es ist, katho- asche Waisenhäuser und Kommunikantenanstalten m der Diaspora zu unterstützen. Tatsache ist es, daß noch so manche „Bröcklein, die übrig ge­blieben", nicht aufgehoben und gesammelt werden, sondern unbeachtet bleiben und darum zu Grunde gehen, und weitere Tatsache, daß der Verein an vielen Orten gar nicht bekannt ist.

Darum empfiehlt die Generalversammlung allen Herren Pfarrern und Seelsorgern, nament­lich bei Erteilung des Religionsunterrichtes des genannten Sammelvereins zu gedenken und ins­besondere die Erstkommunikanten und durch sie auch deren Eltern zu erwärmen für die große und heilige Sache, daß den katholischen Kindern in der Diaspora die Gnade des Glaubens er­halten und ihnen insonderheit eine gründliche Vorbereitung auf den Empfang der ersten hl. Kommunion zuteil werde.

(Fortsetzung folgt.)

Der von vielen anderen zustimmend nachgedruckte Kommentar dieser Blätter zu der Rede war immer: das ist einmal ein „befreiendes Wort", eine hocherfreuliche Absage von Römlingen, lltramontanen und Jesuiten, die hoffentlich nicht wenig dazu beitragen wird, Lust und Kraft des Protestantismus im Kampfe gegen die Dunkel­männer und das Zentrum neu zu entfachen und • ju stärken. Ist so etwas denn keine Hetze? Da möchten wir einmal hören, was man dazu sage» würde, wenn der Prinzregent von Bayern oder der Kaiser von Oesterreich in einer Rede ihren Katholizismus bezeugen und die katholische Presse das dann in gleicher Weise gegen die Protestanten verwerten wollte.

Die Jubelartikel über das „befreiende Kaiser­wort" verraten uns wider Wille auf's neue, in welchem Grade Engherzigke it und Vor­eingenommenheit das Urteil zahlreicher Protestanten trübt und 2eute, die sich ihrer geistigen Ueberlegenheit und Vorurteilslosigkeit ; u rühmen lieben, zu richtigen Gespenstersehern macht. Wenn die Besorgnis, die aus den Blättern spricht, nicht etwa geheuchelt ist, so muß in weiteren protestantischen Kreisen ernstlich befürchtet worden fein, der Kaiser könne dem Protestantismus entfremdet werden und sich dem Katholizismus zuwenden. Anders ist doch -die Freude über die „Lossagung von jeder Gemein­schaft mit den ultramontanen Bestrebungen", über die „Zerstreuung der Nebel" und wie die schönen Wendungen zur Feier des „befreienden Wortes" sonst lauten, nicht zu verstehen. Den Katholiken ist es nicht einen Augenblick einge­fallen, den Kaiser für einen der Ihrigen zu halten, wie man unterstellt. So kindlich urteils­los sind wir doch nicht. Darum sind wir auch keineswegs über die Merseburger Rede so er­schrocken, wie offenbar viele Protestanten erfreut.

Worauf hätten die deutschen Katholiken denn auch die Illusion aufbauen sollen, daß der Kaiser „einer der Ihrigen" sei oder werben könnte? Die Umstände, die protestantische Ge- spensterseher für ihre Auffassung anführen, sind denn doch gar zu harmlos. Der Kaiser hat den Papst besucht und ihm seine Verehrung bezeugt, die offiziöse Presse hat beim Papstwechsel dem verstorbenen Papste einen sreundlichen Nachruf gewidmet, und dem neuen eine freundliche Be­grüßung gewidmet, u. bergt. Sodann kommt vor allem bie „Nachgiebigkeit" der Regierung gegen das Zentrum. Um diese „Nachgiebigkeit" recht gruselig erscheinen zu lassen, reitet man unablässig auf dem geschmacklosen Ausruf „Katholisch ist Trumps" herum. Keinem ver­nünftigen Katholiken fällt es ein, diesen in Festesstimmung und einer humoristischen Steg­reifrede gefallenen Ausdruck für baten Ernst zu nehmen, insbesondere sich einzubilden daß auf politischem Gebiete „katholisch Trumpf" sei. Aber auf der Gegenseite faselt man unter Be­rufung auf diesen Spruch immer von der „Herr­schaft des Zentrums", dem „wachsendem Ein- fluß und der immer größer werdenden An­maßung der Römlinge", der „Beugung der fie darin nur, wenn ich gerade muß, denn Jugend will auStoben. Im Kloster mag fie später ernft genug werden. — Nun von was Anderem! Rechenschaftuber unsere ganze Familie habe ich Dir gegeben; bie Reihe ist an Dir, von deinen Kriegserlebnissen zu erzähle».

Dazu ließ der junge Ritter sich nicht nötigen.

Graf Casimir füllte die Pokale aufS neue mit köst­lichem Mofilgold, und Dankmar kam derAufforderung nach. —

Stunde um Stunde verrann, während er lebhaft berichtet '. Nicht allein die Augen des Erzählers blitzte», auch die der beiden im Waffenhandwerk wohlersahrenm alten Herren funkellen in erhöhtem Feuer, als die wechselnde» Kriegsereignifle, die Schlachten, die Be­lagerungen sich farbenfnsch vor ihrem Geiste entrollten. Als der junge Obrist g-endet, rief Zandt v. Merl:

„So toiC ich mit Deinem Vater ein Tedeum finge«, daß Du heil zu uns zurückkehrtest! Wackere Kriegsleute können wir hier besser gebrauchen, als irgendwo im deutschen Reiche. Deine Arbett wirst Du finden.

„Wenn Du, wie ich Dich kenne, nicht ausruhen willst, g magst Du morgen gleich damit beginnen, auf unsere» efitzungen Umschau zu halte«. Ehe man fich's der« ficht, haben die Franzosen uns hier eine Stallung mit Mastvieh weggetrieben, da einen Keller ausgeraubt und dort die Scheune geplündert."

„Nun aber bin ich da und werde de» Welsche« die räuberffche» Späße verderben, das Wiederkommen soll denen grundsätzlich verleidet werden!" rief Dank­mar." „Morgen beginne ich mit meinen Streifzüge». Wenn ihr nichts dagegen habt, Herr Ohm, so sehe ich : nebenbei auch auf Suren Gütern, an denen ich vor­überrette, nach dem Rechten."

„DaS wird Dir Gott vergelten, mein Junge, versicherte der Freiherr in dröhnendem Brustton. „Die Schlüssel zu allem, was mein ist, soll unser aller : Wilhelm Dir heute noch bringen."

„Die Schlüssel, Ohm HanS, die Schlüssel z» allen 1 Euren Türen und Toren habe ich ja noch!" ries der ; junge Graf lachend. „Die liegen oben wohl venchlossen und einzeln bezeichnet im Schrein meiner Kammer,