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Zuldaer

Wochenbeilage: „Illustrierte Zonntagszeitung"

eitung

Druck und Verlag der Zuldaer Actiendruckerei in Zulda (Harmonie) Zernsprecher Rr. 9.

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Monatsbeilage: (5cfd)id)tsblättcr“

30. Jahrgang

PMS, Dienstag, den 8. September 1903.

M 204

5

Von Antonie Haupt.

------ (Nachdruck verboten.)

3.

Heimkehr.

Da schüttelt, froh des noch erlebten Tags, Dem heimgekehrten Sohn der Greis die Hände. Ein Fremdling tritt er in sein Eigentum, Das längst verlafs'ne, ein; mit breiten Aesten Deckt ihn der Baum bei seiner Wiederkehr, Der sich zur Gerte bog, als er gegangen.

Schrller.

Seit Beginn unserer Erzählung find fünf Jahre verflossen, Jahre der Bedrückungen und Verwüstungen unseres deutschen Vaterlandes, fünf Jahre des schreck­lichsten Bölkerkrieges.---------

„Hollah, Ihr Welschen! Alles lassen wir uns nicht gefallen, fürnehmlich nicht ein Feuer auf dem kunstvoll zusammengesetzten Fußboden unserer Alt- vorder«! Den besten Ochsen aus unseren Ställen habt Ihr freilich herausgefunöen. Bratet ihn in Gottes Namen auf unseren Höfen. Das Sträuben hilft ja nichts und den Teufel nach unserer gräflichen Herrschaft!" Sv wetterte in der großen Burgballe des Hauses Keffelstadt zu Trier der alte treue Hof­meister in eine Schar nachlässig gekleideter franzöfischer Soldaten hinein.

„Was ist denn los, alter Freund? Warum er­eifert Ihr Euch? klang es jugendfrisch und heiter in das Schelten hinein.

Der Hofmeister fuhr überrascht herum und be» trachtete eine Weile schweigend die stattliche schöne Kriegererscheinung, die, wie aus dem Boden gewachsen, vor ihm stand Schlank und doch kräftig war der mit kostbarer Rüstung bedeckte Körper des Fremden,

Der yexenpater.

Erzählung aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges.

Iubiläumsbeschlüsse der 50. Generalversammlung, in den geschloffenen Versammlungen vom 24.-27.

August 1903 zur Annahme gelangt.

(Fortsetzung.)

Kommunale Sozialpolitik.

Die 50. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands erklärt als unumgänglich notwendig, daß zur Ergänzung der sozialen Fürsorge des Staates durch Gesetzgebung und Verwaltung die Gemeinden eine planmäßige kommunale Sozial­politik durchführen.

An erster Stelle hat dieselbe in mustergültiger Weise die Verhältnisse der städtischen Arbeiter und Angestellten zu regel»; sodann sind die Bedürfnisse der breiten Masse der Gemeinde- angehörigen auf dem Gebiete der Wohnungs­fürsorge und der öffentlichen Gesundheitspflege zu befriedigen, ferner ins Auge zu saffen die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, speziell durch Organisation des Arbeitsnachweises auf pari­tätischer Grundlage, die Förderung des Hand­werkerstandes durch Regelung des Submissions­wesens, bessere Berücksichtigung des Handwerks bei Vergebung öffentlicher Arbeiten, Uriter- stützung genossenschaftlicher Einrichtungen, der Fortbildungs- und Fachschulen sowie von Meister- kursen.

Auch die Bildungsbestrebungen der breiten Masse der Bevölkerung erheischen dringend eine allseitige Förderung durch die Gemeinden. Be­sonderes Gewicht ist auf Einrichtungen zu legen, welche die hauswirtschaftliche Ausbildung der Arbeiterinnen fördern.

Zur gedeihlichen Förderung solcher sozialen Tätigkeit der Gemeinden sind Eilens der Ge­meindeverwaltungen soziale Kommiffionen zu bilden, zu denen Angehörige aller Stände, ins­besondere Vertreter des Arbeiterftandes zuzu­ziehen sind.

Weitergang der Sozialpolitik.

Die 50. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands begrüßt, „daß von einem Still­stehen der sozialpolitischen Gesetzgebung in Deutsch­land nicht die Rede sein kann noch wird". Sie betrachtet als die nächsten Aufgaben zu gunsten des Arbeiterstandes: Schaffung von Arbeits­kammern, gesetzliche Anerkennung der Berufs­vereine und Ausdehnung des Schutzes der Frauen- arbeit; daneben haben weitere Maßnahmen zum Schutze der Gesundheit und Sittlichkeit der Ar­beiter in allen Betrieben zu erfolgen. Der Wohnungsfrage ist namentlich von den Gemeinden höhere Aufmerksamkeit zuzuwenden durch Schaffung von Wohnungsämtern und Wohnungsinspektionen, durch Förderung von Arbeiterbaugenosfenschasten «sw. Die Gewerbeinspektion ist durch Beiziehung von Arbeitern, Arbeitgebern, Aerzten undTechnikern auszugestalten. Eine Reform der gesamten Ar- beiteroerstcherungsgesetzgebung im Sinne einer Vereinfachung und Zusammenlegung ist anzu­streben.

In den Städten und Industrie-Be­zirken müffen die katholischen sozialen Vereine, vor allem die Jugend-, Gesellen- und Arbeiter- Vereine eine systematische Werbe-Arbeit organisieren, um in Verbindung mit den Pfatw- Seelsorgern die zuziehenden Jünglinge und Män­ner den katholischen sozialen Standesvereinen, Jugend- und Arbeiter - Hospizen rc. zuzuführen und sie zur lebendigen Anteilnahme am katholi­schen öffentlichen Leben zu interessieren.

Die Seelsorger, aus deren Bezirken eine Ab­wanderung noch den Industrie-Gebieten und den Städten stattfindet, werden gebeten, den Weg- ziehenden Adressen der katholischen Vereine der betreffenden Orte anzugeben und den Vorstehern der für die Wegziehenden paffenden Vereine die Namen der Zuziehenden mitzuteilen.

Katholische Arbeiter-Bereine und Arbeiter-Sekretariate.

In Anbetracht der wachsenden Aufgaben der katholischen Arbeiterschaft in den religiösen und wirtschaftlichen Kämpfen der Gegenwart empfiehlt die 50. General - Versammlung der Katholiken Deutschlands dringend die systematische apolo­getische und soziale Schulung der Mit­glieder der katholischen Arbeiter-Vereine. Durch entsprechende Vorträge, Unterrichts - Kurse, Bib­liotheken, Verbreitung katholischer Arbeiter - Zei­tungen müssen diese Vereine ihre Mitglieder zu einer Kerntruppe in der christlichen Arbeiter-Be­wegung heranbilden. Dieses Ziel wird um so eher und nachhaltiger erreicht, je mehr katholische Arbeiter-Vereine im stände sind, zur Förderung genannter Zwecke tüchtige Männer aus ihren Reihen als Arbeiter-Sekretäre freizustellen.

Diese Arbeiter-Sekretariate werden ganz be­sonders in der Lage sein, in der weitesten Oeffent- lichkeit für die Bestrebungen der kathol. Sozial­politik zu werben und die Angriffe auf dieselbe abzuwehren.

(Fortsetzung folgt.)

aufs neue stärken würden, „den Anmaßungen des Ultramontanismus und des mit ihm eng ver­bundenen Jesuitismus mit der alten Tapferkeit zu begegnen und die Fahne des Protestantismus hochzuhalten, wenn die Partei, die jenseits der Berge ihre höchste Autorität besitzt, der evan­gelischen Kirche zu nahe tritt." Da können rotr )enn doch nicht umhin, auch ein Wort über tue Rede zu sagen. Daß der Kaiser als Protestant Luther für den größten deutschen Mann hält, tst selbstverständlich. Auch daß er in seinem Werke die größte befreiende Tat für die ganze Welt sieht, ist von seinem protestantischen Standpunkte aus natürlich. Wir meinen aber, daß, wenn er als Kaiser öffentlich spricht, sein persönliches religiöses Bekenntnis aus dem Spiele bleiben sollte. Als Kaiser ist er nicht Protestant. Das Deutsche Reich ist kein protestantisches Reich; über ein Drittel seiner Bewohner sind Katholiken, darunter zwei der angesehensten Bundesfürsten. Die „größte befreiende Tat" Lutyers richtete sich gegen die katholische Kirche, die also „die ganze Welt in den Fesseln der Knechtschaft gehalten haben muß. Es ist für Katholiken, die ihre Kirche lieben, nicht gerade angenehm, so etwas aus dem Munde gerade des Kaisers als Kaiser zu hören. Daß er bei seinen Worten nicht die Absicht gehabt hat, die die ,Magdeb. Ztg/ ihm unterschieben möchte, versteht sich freilich von selbst.

* Kardinal-Erzbischof Fischer hat an die ,Straßb. Post' folgende Zuschrift gerichtet:

Köln, 3. September 1903. Sehr geehrte Redaktion! Erst nachträglich kommt mir beifolgender Ausschrrrtt aus der Nummer vom 25. August d. I. Ihrer wetten Zeitung zu, wonach ich bei der Arbeiterversammlung am Sonntag, den 23. August gesagt haben foU. „nur die katholische Kirche könne den Arbeitern wirkliche und durcygreifende Hilfe und Aufbefferung ihrer Lage bringen." Sie fügen bei: „Der Kardinal vertritt also auch öffentlich diesen Standpunkt." Sie wollen mtr gestatten zu bemerken, daß ich weder öffentlich noch privatim diesen Standpunkt vertrete. Ich habe ihn auch nicht in der betreffenden Versammlung vertreten. Wohl betone ich mit aller Entschiedenheit die Not­wendigkeit des religiösen Einflusses behufs vösung der sozialen Frage. Allein erstens bin ich nicht so eng­herzig, daß ich nicht auch von nichtkatholischer, aber positiv-christlicher Seite kommenden religiösen Einfluß gelten laffe — ich begrüße ihn vielmehr freudig. Zweitens bin ich auch nicht so unklug, daß ich den eminent wirtschaftlichen Charakter der sozialen Frage verkennen soll und nicht die Notwendigkeit des Ein­greifens anderer Faktoren, und zumal auch des Staates, anerkenne und fordere. Ich bitte, von dieser Erklärung geeignete Notiz zu nehmen, und verbleibe mit Hoch­achtung Ihr ergebener A. Kardinal Fischer, Erzbischof von Köln.

** Ein Verband polnischer kausmänntscher Vereine in Preußen ist in der Bildung be­griffen. Der Berliner Verein polnischer Kauf­leute hat dem Projekte bereits feine Zustimmung erteilt. Der Verband bezweckt die gegenseitige Unterstützung polnischer Kaufleute, die Vermitt­lung polnischer Angestellter und dte Bevorzugung nationaler Einkaufsquellen.

%* Genosse Bebel ist in hellem Zorn. Im Kampfe mit den Fürstenwalder Genoffen, die sich erdreistet hatten, die Vizepräsidentenfrage nicht für so wichtig zu halten, wie er selbst, hatte er eine neue Erklärung gegen sie im .Vorwärts' veröffentlichen wollen. Die Redaktion der Freude des Wiedersehens hinzugeben, über poli­tische Zustande reden können!"

„Ein Zeichen der Zest, mein Vater", erwiderte Dankmar ruhig. Er bog sich zurück und betrachtete ernst und aufmerksam die Züge des alten Grafen. „Ich freue mich, daß diese schlimme Herrscherin Zeit Eurem kraftvollen Aeußern noch nichts anzuhaben ver­mochte", sagte er freudig.

Wahrlich, Graf Kasimir von Kesselstatt sah in der eng anliegenden spanischen Tracht mit dem kurzen zierlichen Faltenmäntelchen und dem spitz geschorenen greisen Barte über mächtiger steifer Halskrause noch recht mannhaft und lebenskräftig für seine 62 Jahre drein. Er entgegnete lächelnd:

„Bis jetzt habe ich mich fteilich noch nicht ganz unterdrücken lassen. Aber ich danke Gott, daß Du da bist! Wie würde es in Zukunft auf unseren Burgen, Höfen und Ländereien zugehen, wenn nur ein Herr danach schauen könnte! Deine flinke Kraft wird unsere Rechte, soviel das in unfern schlimmen Zeiten möglich ist, beschirmen."

Davkmar nickte verständnisvoll.

„Pater Spee, der ja vor kurzem nach dem Trier- schen Jesuitenhause berufen wurde, schilderte mir in einem ausführlichen Schreiben die diesigen Zustände."

„Ah, so weiß ich auch, daß ich Deine überraschende Heimkehr nicht meinen wiederholten dringenden Bitten, sondern des Paters Vorstellungen zu danken habe", rief Se. Erlaucht fast unmutig.

Dankmar lächelte:

„Nicht doch, mein Vater. Euer Ruf und deS Paters lebhafte Schilderungen wirkten zusammen: wenngleich ich gestehen muß, daß seine packenden Dar­legungen Euren Bitten nicht geringen Nachschub leisteten."

„Du kamst auf des Paters Drängen und nickt auf meine Bitten", erklärte Graf Kesselstatt sehr bestimmt.

„Liebster Vater, wenn ich Spee's Rat befolgt hätte, so wäre ich schon vor vier Jahren zu Herm und Herd zurückgekehrt."

Berlin, den 7. September 1903.

<°A) Die Merseburger Kaiserrede ist in der katholischen Presse, soweit wir sehen, keiner Erörterung unterzogen worden. Man legte ihr wohl keine besondere politische Tragweite bei und wollte sich durch eine Kritik nicht den be­liebten Vorwurf der Nörgelei, der konfeffionellen Ueberempfindlichkeit oder gar der Friedensstörung zuziehen. Die liberale Presse hat die gleiche Zurückhaltung nicht für nötig gehalten. Die Magdeb. Zlg.', der verschiedene andere Blätter Beifall zollen, hat die Rede wie ein Pronunzia- mento gegen den „Ultramontanismus", wie einen Protest gegen das „Katholisch ist Trumpf" ge­feiert. Sie dankte dem Kaiser für die „herrlichen Worte" und meinte, daß sie in allen evangelischen Kreisen freudigen Widerhall finden und den Mut Auges mit väterlichem Stolz die Heldengestalt seines edlen Sprossen „Ich würde bei Deiner Heimkehr, wie der Barer des verlorenen Sohnes, das beste Mast­kalb schlachten lassen, wenn die französischen Herren das nicht schon statt meiner besorgt hätten. Diese Welschen, so unser gnädiger Landesherr gütig genug war, uns zum Schutze gegen die Schweden, wie er sagt, yerbeizuruseu, handeln gleich den schlimmsten Feinden. Freilich, er hat die Beschützer nötig im Kampfe mit den Ständen und mit dem Domkapitel, um feinen Forderungen Nachdruck zu verleihen."

„Ich bin empört!" rief Dankmar heftig. „Wie konnte der Kurfürst solch' unerhörten Verrat gegen fein eigenes Land ausüben?"

„Mehr Ruhe und Bedacht, mein Sohn! Die Jugend ist rasch mit dem Verurteilen. Wissen willst Du, wie er dazu kam? Nun, die Schuld liegt auf zwei Seiten. Seine Ford Zungen und Ansprüche an die Stände, die Klöster und das Domkapitel waren zwar streng, doch vielfach auch berechtigt. Es tu. re bei weitem nicht so schlimm geworden, hätte man ihm in etwas nachgegeben. Die eiserne Härte und der schlimme Trotz wären alsdann bei dem kühnen Manne, der großen Geist und viele Energie bekundete und im Anfänge seiner Regierung gar schöne großmütige Re­gungen zeigte, nicht zum Durchbruch gekommen, noch viel weniger genährt worden. Du weißt, harte Steine mahlen nicht gegeneinander. Dazu kommt noch, daß Phil pp Christoph an dem kaiserlichen und spanischen Hof sehr mißliebig ist, und daß er bei Seiner kaiser­lichen Majestät niemals eine Stütze in feinen durch­aus nicht ganz rechtlosen Forderungen den Ständen und Klöstern gegenüber fand. Das bestärkte das Land in seiner W dersetzlichkeit. Na, den Folgen dieser Reibereien bist D« vielleicht schon unten in unserer Vorhalle oder in unfern Höfen begegnet. Allzufein fassen die französischen Schutzherrn uns nicht an." Seine Erlaubt zog ärgerlich lachend den noch völlig zum etwaigen Kampfe Gerüsteten neben sich auf die Lederbank. „Wte ist es möglich, daß wir, statt uns

Arbeitskammer«.

Die 50. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands erachtet es als eine der nächsten Aufgaben der sozialen Gesetzgebung, dem Reichs­tage einen Gesetzentwurf vorzulegen zum Zwecke der Errichtung von Arbkitskümmern, paritätisch zusammengesetzt aus Vertretern von Arbeitgebern und Arbeitern, um so „den Arbeitern den freien und friedlichen Ausdruck ihrer Wünsche und Be­schwerden zu ermöglichen und den Staatsbehörden Gelegenheit zu geben, sich über die Verhältnisse der Arbeiter fortlaufend zu unterrichten und mit den letzteren Fühlung zu behalten." (Kaiserliche Februarerlaffe vom 4. Februar 1890.)

Die Generalversammlung erblickt in solchen Arbeitskammern ein wirksames Mittel, nicht bloß der Verschärfung der Klassengegensätze und der damit verbundenen wachsenden Entfremdung von Arbeitern und Arbeitgebern entgegenzuwtrken, sondern auch durch die hier gepflogenen gemein­samen Beratungen, speziell über Fragen aus dem Arbeitsoerhältnis, die Interessen der Arbeiter zu fördern.

Arbeiterexerzitien.

Die 50. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands empfiehlt den Mitgliedern der kalho- lischen Arbeiter- und Gesellenvereine angelegentlich die Beteiligung an den Arbeiterexerzitien, wie solche seit einigen Jahren insbesondere in dem Ärbeiterexerzitten-Hause zu Münster unter reger Beteiligung der Arbeiter- und Gesellen­vereine Westdeutschlands stattgefunden haben.

Da an diesen Arbeiterexerzitien nur eine geringe Anzahl Arbeiter und Geselle.» teilnehmen kann, ist die Veranstaltung von Exerzitien- vorträgen in den Arbeiter- und Gesellen vereinen ebenso zu empfehlen wie auch die Ab­haltung von apologetischen Vortrags­kurfen.

Fürsorge für die den Industrie-Bezirken zuwaudernden Arbeiter.

Die 50. General-Verfammlung der Katholiken Deutfchlands macht auf die bedauerliche Erschei­nung aufmerksam, daß ein großer Teil der all­jährlich den großen Städten und Industrie-Be­zirken vom platten Lande zuwandernden katholischen jungen Männer dem kirchlichen Leben entfremdet wird und der sozialdemokrati­schen Agitation zum Opfer fällt.

Es ist deshalb dringend notwendig, daß überall unter der katholischen Landbevöl­kerung der Heranwachsenden Jugend durch Wege des Vereinslebens, insbesondere Gründung von Kongregationen, Jugendvereinen, Einführung des Votksvereins für das katholische Deutschland, Pflege der katholischen Kolportage, Gründung von Bibliotheken bezw. von Ortsvereinen des Borro- mäus-Vereins rc. eine den drohenden Gefahren widerstandsfähige apologetische und soziale Aufklärung zu teil wird. Diese Vereine müffen sich insbesondere zur Aufgabe machen, die nach den Städten abwandernden jungen Leute den da­selbst bestehenden Arbeiter- und Gesellenvereinen zuzuweisen.

feinen Panzer zierte das Wappen der Kesselstadt. Das edle, von blauschwarzem spanischem Bari um­schattete Antlitz mit dem fröhlich, kecken Ausdruck paßte vollkommen zu dieser Heldengestalt. Wre blitzend kühn, wie tatendurstig sahen die schwarzen Augen in die Welt! Freueig zuckte es in jähem Er­kennen über des Alten Gesicht.

„O, du grundgütiger Heiland, mein erlauchter, junger Herr! Euch hat der Himmel gesandt," jubelte er außer sich vor Freude und reckte sich empor, um in überwallendem Glückgefühl den Heimgekehrten zu umarmen.

„Wo ist mein Vater?" fragte dieser nach den ersten stürmischen Begrüßungen.

„Der Herr Graf streitet oben im Kuppelsaale mit den französischen Befehlshabern, die unrecht­mäßiger Weise immer neue Kontributionen verlangen."

„Da werde ich sogleich ein Wörtlein dreinreden," versicherte Dankmar von Kesseistadt feurig und flog die breite gewundene Stiege hinan.

Dem würdigen Grafen Casimir von Keffelstadt erging es beim ersten Erblicken des kraftvollen Mannes ähnlich, wie seinem Kastellan. Er schaute fragen!) empor.

„Grüß Gott, mein Vater! Daheim bin ich wieder!" rief Dankmar und vermochte in seiner Stimme die freubige Rührung nicht zu verbergen.

Da breitete der stattliche Greis die Arme aus. Wortlos hielten Vater und Sohn sich umschlungen.

„Dies ist mein von feinen 'Kriegstaten zurück- gekehrter Erbe", mit diesen Worten wandte der älkre Graf sich an die französischen Offiziere. „Ihr werdet einsehen, daß ich jetzt nicht länger über die leidigen Angelegenheiten, um deretwillen Ihr mich auffuchet, reden kann. Vertagen wir also unsere Auseinander­setzungen.

Die Offiziere verbeugten sich und verließen auf den nicht mißzuverstehenden Wink den Saal.

„Endlich, endlich, mein Dankmar! rief Graf Keffel- statt in glücklichem Ton und betrachtete leuchtenden

jp, bA