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veranttoorMcher rchristleiter-.Zos.vanm stir die Inserate I. parzeller in Zulda.

Monatsbellage: „Zuldaer Geschichtsblätter".

wochenbeilage: „Illustrierte Sonntagszeitung"

»«zeigen: Vie ein» spaltige Petitzeile oder deren Raum ZS pfg. Reklamen die PetitzeUe 25 Pfg.; bei Wieder­holungen wird entspr. Rabatt gewährt.

Druck und Verlag der zuIdaerActtendruckerei in Zulda (Harmonie) Fernsprecher Rr. 9.

30. Jahrgang.

fulda, Montag, den 7. September 1903.

JV5 203.

Iubiläumsbefchlüsse der 50. Generalversammlung, in den geschlossenen Versammlungen vom 24.-27.

August 1903 zur Annahme gelangt.

(Fortsetzung.)

Antiduellliga.

Zur Hochhaltung göttlichen und weltlichen Gesetzes, zur Wahrung der Gewissensfreiheit und im Interesse wahrer Humanität empfiehlt die 50. Generalversammlung der Katholiken Deutsch­lands den Beitritt zu der Antiduellliga, welche in anerkennenswerter Hingebung schädligen Vorurteilen bezw. Duell und Ehre entgegentritt und bestrebt ist, der wahren Ehre wirksamen Schutz zu verschaffen, den das Duell nie zu bieten vermag.

Zur Förderung dieser Zwecke ist insbesondere die Bildung von Ortsgruppen anzustreben.

Bekämpfung der öffentlichen Unsittlichkeit.

Die 50. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands lenkt die Aufmerksamkeit der Katholiken auf die Bestrebungen des seit einigen Jahren in Köln bestehenden Vereins zur Be­kämpfung deröffentlichen Unsittlichkeit und empfiehlt die Bestrebungen des Vereins dringend zur Nachahmung. — Der Verein hat sich im Hinblick auf die schweren sittlichen Ge­fahren, denen insbesondere die Heranwachsende Jugend ausgesetzt ist, zur Aufgabe gestellt, das immer dreistere Hervortreten der Unsittlichkeit nach Kräften zu bekämpfen und namentlich gegen die anstößigen und öffentlichen Schau­stellungen und die Verbreitung und Aus­stellung unsittlich erBil der und Schriften mit allen zu Gebote stehenden Mitteln vorzugehen, und zwar insbesondere:

a) mittels der Presse,

b) durch Herbeiführung behördlichen Ein­schreitens in den dazu geeigneten Fällen, c) durch die Einigung der Mitglieder des

Vereins und der Freunde seiner Bestrebungen, diejenigen Geschäfte, die den Vertrieb der­artiger anstößiger Sachen nicht aufgeben, grundsätzlich bei den Einkäufen zu meiden.

Landwirtschaftlicher Berufsstand.

Ein tüchtiger und leistungsfähiger landwirt­schaftlicher Berufsstand in den verschiedenen Ab­stufungen, vom größeren Grundbesitzer zum Bauern sowie zum Parzelleninhaber und land­wirtschaftlichen Arbeiter ist durch sein Festhalten an christlicher Sitte für unsere ganze soziale Ent­wickelung von der größten Bedeutung und bildet einen der wichtigsten Träger unserer gesellschaft­lichen und staatlichen Ordnung.

Bei der äußerst schwierigen Lage, in welcher dieser Stand seit längerer Zeit sich befindet, ist daher die eigene Tätigkeit und Wirksamkeit in besonderem Maße durch Fürsorge seitens der Gesetzgebung und Verwaltung zu unterstützen und sind hier alle zur Förderung ge­eigneten Maßnahmen zu ergreifen, umsomehr, als

infolge der fortschreitenden industriellen Ent­wickelung, welche bei der wachsenden Bevölkerung zur Hebung des allgemeinen Wohlstandes auch notwendig ist, die Gefahr vorliegt, daß der land­wirtschaftliche Berufsstand im Verhältnis zu sehr vermindert wird, um seine erhaltende und ver­jüngende Kraft auch hinreichend ausüben zu können.

Ländliche Wohlfahrtspflege.

Neben der technischen und wirtschaftlichen Entwickelung ist auch die Hebung der landwirt­schaftlichen Bevölkerung in geistiger und kultureller Beziehung zu fördern, und es sind da­heralle die Bestrebungen, welche unter den Begriff der ländlichen Wohlfahrtspflege zusammengefaßt werden, nachhaltig zu unterstützen.

Im besonderen empfiehlt zu diesem Zwecke die 50. Generalversammlung der Katholiken Deutsch­lands den Deutschen Verein für ländliche Wohl­fahrts- und Heimatpflege.

Katholische Gesellenvereine.

Die 50. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands empfiehlt den Herren Seelsorgern, namentlich denjenigen auf dem Lande und in kleineren Städten, dringendst, diejenigen katho­lischen Handwerksgesellen, welche zu ihrer weiteren Fortbildung die Großstadt aufsuchen, zum Anschluß an die katholischen Gesellenvereine zu veranlassen.

Die großen Gefahren, welche der Heran­wachsenden Handwerkerjugend in religiöser und sittlicher Beziehung in der Fremde, besonders aber in den Großstädten drohen, machen für die jungen Leute den Anschluß an die Institution Kolpings, welche sich die religiös-sittliche Er- ziehung ihrer Pflegebefohlenen zum Hauptziele gesetzt und dieses Ziel seit mehr als 50 Jahren mit nicht geringem Erfolge angestrebt hat, in unserer Zeit fast zur Notwendigkeit. Zudem lassen die Bestrebungen der katholischen Gesellen­vereine, namentlich derjenigen in den größeren Städten, ihre Mitglieder in technischer, gewerb­licher und kaufmännischer Beziehung fortzubilden, diese Vereine geeignet erscheinen, dem Handwerke einen tüchtigen Nachwuchs zu sichern.

(Fortsetzung folgt.)

Die „konservativ-klerikale Intimität."

Mit steigender Wut sieht die Presse des evangelischen Bundes und des kulturkämpferrschen Liberalismus, wie die ,Kreuzztg.' bemüht ist, eine Verschärfung der konfessionellen Gegensätze zu verhindern und die Hetzer im protestantischen Lager zu mahnen. Das konservative Blatt hat sich durch den Lärm des evangelischen Bundes nicht die Unbefangenheit in der Jesuitenfrage rauben lassen, sondern daran festgehalten, daß die Aufhebung des § 2 des Jesuitengesetzes eine gerechte Forderung sei und durchaus nicht die Wirkung haben werde, die ängstliche oder böswillige Protestanten zur Beschämung des Protestantismus erwarten. Es hat sich in der Trierer Schulfrage ein unbefangenes Urteil be-

wahrt, und nicht das Knieschlottern bekommen, als der Kaiser dem Papste Leo XIII. einen Be­such machte. Es hat neuerdings Worte der An­erkennung für die Kölner Katholikenversammlung gehabt und seinen Glaubensgenossen empfohlen, in gleicher Weise die Verletzung der kon­fessionellen Gefühle anderer zu ver­meiden. Und so hat die ,Kreuzztg.' in vielen Fällen eine Haltung eingenommen, die den Hetzern nicht behagte.

Daß sie sich damit zahlreiche Wider­sacher schuf, war ihr natürlich bekannt. Sie sah es aus den öffentlichen Angriffen und kannte ihre Leute zu gut, um es sich nicht ohnedies selbst zu sagen. Sie hat aber auch wieoerholt erklärt, daß sie sich aus den Anfeindungen nichts mache und bei ihrer Ueberzeugung bleiben werde. Man hätte ihr schwerlich so bitter ge­zürnt, wenn sie nicht ein so einflußreiches Organ und nicht anzunehmen wäre, daß die konser­vative Partei im großen und ganzen ihre An­sicht teilte. Nun aber bedeutet es, daß die Kon­servativen gewillt sind, auch ferner mit dem Zen­trum auf parlamentarisch-politischen Boden, so­weit möglich, Hand in Hand zu gehen. Für Leute, die sich noch immer nicht an den Gedanken gewöhnen können, daß die Katholiken und das Zentrum ein Existenzrecht, ja die Gleichberech­tigung in Deutschland zu beanspruchen haben, sondern in ihnen noch immer Reichsfeinde sehen, ist das eine unerttägliche Erscheinung.

Der „herrschsüchtige Ultramontanismus" soll durch Protestanten in seiner Stellung gestärkt werden! Das muß ja über das deutsche Reich und den Protestantismus Unheil und Ver­derben bringen! Die Sache ist um so aufregen­der, als die Regierung dieselben Wege ein­schlägt und mit dem Zentrum „liebäugelt", ja sich ihm unterwirft, wofür ja täglich neue er­schütternde Beweise geliefert werden, z. B. das offiziöse Dementi der Erzählung von einer Aus­einandersetzung zwischen dem Kaiser und dem Reichskanzler über das Jesuitengesetz und ganz neuerdings der Vorfall am preußischen histori­schen Institute in Rom. Man hat sich im Lager protestantischer Heißsporne ja längst daran ge­wöhnt über Bevorzugung der Katholiken und Zurücksetzung der Protestanten in Preußen- Deutschland zu klagen und gefällt sich allen Ernstes in der Rolle des „Unterdrückten" und Opfers „römisch-r Herrschgelüste".

In erster Linie wendet sich der Zorn gegen die ,Kreuzzeitung', die so wenig Verständnis für die „ultramontane Gefahr" bekundet. Im .Evangelisch-kirchlichen Anzeiger' und in der Korrespondenz des Evangelischen Bundes' Hai ihr ein Pastor unverblümt Verrat am Pro testantismus vorgeworfen. In der Mart­burg' wurde sie als „Rauchfang der fleufakn Presse" bezeichnet. Die liberale Presse be­teiligt sich eifrig an den Angriffen und so muß die,Kreuzzeitung' sich sagen lassen, daß sie den Kampf gegen Rom lässig führe, den die einen aus konfessionellem Haß, die anderen aus partei- politischen Gründen betreiben. Was bei dem

blinden Fanatismus manchmal herauskommt, zeigt die Martburg', die unter Bezugnahme auf eine Aeußerung Dr. v. Orterers in Köln ihrer Sorge um die Gefährdung der Schule durch den Ulttamontanismus Ausdruck gab und den Konser­vativen glaubte zurufen zu müssen: „Augen auf!" Und dobei entsprach das Zedlitzsche Schulgesetz noch mehr den Wünschen der gläubigen Pro- estanten als denen des Zentrums. Die Rom- «nde finden sich eben immer mit dem kirchen- eindlichen Liberalismus zusammen, auch wenn ie orthodox sein wollen.

Verschiedentlich haben die Zornmütigen sich mit der Anrempelung der,Kreuzzeitung' und der Konservativen schon nicht mehr begnügt, sondern dem Grafen Bülow selbst ein Bein zu stellen versucht. So neulich wieder der ,Reichs­bote', als er die Geschichte von der Auseinander­setzung über das Jesuitengesetz erzählte. Hinter­her schien ihm die Einsicht gekommen zu sein, daß er eine Unk lug heil begangen habe, denn er schwur hoch und heilig, es sei ihm nicht in den Sinn gekommen, den Reichskanzler anzu­fechten, wiewohl er mit aller Deutlichkeit aus­gesprochen hatte, daß er die Regierungsweise des Grafen Bülow für verderblich halte. In dem .Evangelisch-kirchlichen Anzeiger' wurde direkt ein Regierungswechsel verlangt und unverblümt mit dem Uebergang vieler positiven Protestanten zur Sozial­demokratie gedroht, wenn die Liebäugelei mit Rom nicht aufhöre. Die liberale Presse ist im allgemeinen nicht so unvorsichtig; sie begnügt sich damit, auf die „konservativ-klerikale Intimität" immer von neuem hinzuweisen und die Liberalen zur Abwehr der „ultramontanen Gefahr" aufzu­fordern.

Die.Kreuzzeitung' hat, wie gesagt, alle An­griffe mit großer Gelassenheit hingenommen. Es wird sie wohl auch nicht aufregen, daß verschon erwähnie Pastor in der ,D. Ev. Korr.' die Kon­fessionsgenossen auffordert, dem verräterischen Blatte das Abonnement zu kündigen. Die Regierung reagiert auf die händlerischen Angriffe so gut wie gar nicht. Die konservative Partei wird sich wohl auch nicht dadurch stören lassen. Wären die Angreifer in ihrem kon- sessionellen Haß nicht ganz blind, so würden sie sich selbst sagen, daß Regierung und Konserva­tiven nicht mit dem Zentrum gehen aus Schwär­merei für Rom und aus Gleichgiltigkeit gegen den Protestantismus, sondern weil die poli­tische Notwendigkeit und das eigene Interesse sie dazu zwingen.

Die parlamentarisch-politische Lage ist so, daß ohne das Zentrum nichts auszurichten ist. Aendern kann man diese Lage nicht, also muß man sich damit abfinden. Die Konservativen glauben bei dem Zusammengehen mit dem Zen­trum ihren Vorteil zu finden und ihre For­derungen am besten durchzusetzen. Das ist der alleinige Grund ihres Verhaltens. Dasselbe gilt von der Regierung. Welche Tat­sachen können die aufgeregten Hetzer für ihre Behauptung anführen, daß Regierung und

Der Hexenpater.

Erzählung aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges. Bon Antonie Haupt.

4 ------ (Nachdruck verboten.)

„Zu Tausenden lodern jetzt in der Welt die Scheiterhaufen, und Ihr wollt annehmen, daß alle, die den Holzstoß besteigen, unschuldig sterben, daß es kein Bündnis mit dem Satan, keine Einwirkung der Hölle gäbe?"

„Nicht doch, mein Sohn. Das Hineinragen der Geisterwelt in die Geschicke der Menschheit läßt sich ohne Frevelmut nicht leugnen, auch mögen einige von G»tt Abgefallene bei den höllischen Mächten Hilfe und Beistand suchen und finden. Ich selber aber, der viel in Kerkern mit Elenden, die fanatischer Gemeinschaft beschuldigt waren, verkehrte, habe von keinem zum Tode Verurteilten die Ueberzeugung gewonnen, daß er schuldig sei. Doch fand ich bei den Richtern Hab­sucht, Grausamkeit und Menschenfurcht."

Dankmar schauderte.

„Was ihr sagt, ist wahrhaft entsetzlich", flüsterte er. Der Pater nickte.

„In tiefer Nacht führte man mich zum ersten Male in den Zwinger, wo in unterirdischem Verließ eine der Hexerei Angeklagte den Tags darauf folgen­den Feuertod erwartete. Man hatte mir gesagt, daß Babäin Gobel, die reichste, schönste Jungfrau in ganz Würzburg, alle Männer bezaubert habe, so daß diese ta Lieber glut für sie entbrannt seien. Was ich sah, als ich mit der Fackel in dem triefenden Verließ «mherleuchtete, war ein bleiches, verwildertes Geschöpf, ohne Schönheit und Gestalt, das scheu in einer Ecke kmerte. Man hatte der Höllenbraut ja auf der Folter alle Glieder auSgerenkt, sie mit glühenden Zangen {zwickt, mit brennendem Pech übergossen, bis sie in erzweiflung alles gestand, waS man ihr zur Last legte.

„MS das Mägdelein mich erblickte, barg es sein

Antlitz in den Händen. Ich trat näher, berührte ihren Arm und sagte: t ,, ,.,

„Schau empor, meine Tochter, und furchte dich nicht. Ich stehe hier an Gottes Stelle und habe die Macht, dir deine Sünden zu vergeben, wenn du mit kindlicher Offenheit und voller Reue mir alles bekemfft, was du getan."

Da ließ sie die Hände finken und richtete die großen erschrockenen Augen auf mich. Es war der Blick eines scheuen, zu Tode getroffenen ReheS. Sie schüttelte den Kopf:

„Dem Priester in der Beichte bekennen? Nimmer­mehr! Das wäre ein Sakrlleg", so flüsterte sie.

„Mein armes Kind, du gestandest doch öffentlich; bedenke, daß du nur durch Selbstanklage in der Beichte dem ewigen Verderben entrinnen kannst."

„Was ich auf der Folterbank gestand, will ich wiederholen, doch nicht im Sakrament der Buße", rief sie; und dann begann sie laut und erregt von ihrem Buhlen, dem Teufel zu sprechen, wie er sie verführt, wie sie sich ihm ganz hingegeben und ihm, auf seine Belehrung hin, versprochen habe, Menschen und Tieren möglichst viel Schaden anzutun.

„Halt ein, mein armes Kind! Hat dich dein höllischer Buhle noch derart in Gewalt, daß du alles, was du fteiwillig so erzählst, mir nicht in der Beichte gestehen darfst! Bedenke, daß dein Leib beim Frührot den Flammen übergeben wird; bedenke, daß ich, ein Abgesandter des Höchsten, deine Seele vor dem ewigen Verderben bewahren, dir die große Schuld im Sakramente vergeben kann. Boll Erbarmen möchte ich mein Leben hingeben, wenn es mir gestattet wäre, deine Seele zu retten."

Sie schaute mich an, sie sah meine Augen in Tränen.

„Ihr weint um mich?" hauchte sie. „O Vater, wir könnte ich beichten!" Und dann entfuhr es ihr unwillkürlich: „Ich müßte im Sakramente ja alles widerrufen, was ich auf der Folter bekannt. Dann aber, — o, mein Vater, ihr rennt die Qualen nicht — dann würden sie mich auf'S neue auf die Marlerbank werfen, bi» ich auf'» neue- in grausiger

Pein die erdichteten Schandtaten bekennen würde." Das war Wahrheit, erschütternde Wahrheit. Es griff mir eiskalt in's Herz.

„Liebes, armes Kind, fasse Vertrauen zu mir. Weißt du denn nicht, daß der Priester, ewiges Schweigen gelobt hat über das, was ihm der Beichtende sagt?" so rannte ich ihr zu. Prüfend schaute sie zu mir empor.

„Ja, ich vertraue euch!" rief sie plötzlich ent­schlösse». „Gott der Herr hat meiner Seele Erbarmen bewiesen und euch gesandt." Und dann klagte das un­schuldige Wesen mir seine Gebrechen und Nöten und Leiden in der Beicht.

„Ich segnete die Jungfrau. Dann eilte ich von heiligem Gerechtigkeitssinn entflammt davon. Mit heftigem Ungestüm klopfte ich in der Nacht die Richter heran», einer nach dem anderen. Ich sprach mit der Beredksamkeit, wie der heilige Geist Gottes sie mir eingab, von meiner Ueberzeugung, d'aß die Verurteilte unschuldig sei; ich warf mich den Unmenschen zu Füßen und beschwor sie, die Schuldlose dem Tode zu entreißen. Was man mir erwiderte? — Hohnlachen, ja grausame Drohungen. Mein Flehen war ver­gebens.

Als der Himmel im Morgenrot brannte, wurde draußen im Felde der Holzstoß aufgerichtet. Ich be­gleitete die Aermste mit dem Kruzifix zum Scheiter­haufen. Sie küßte das Kreuz; ihre Augen hingen am Bilde des Erlösers, während die lodernde Glut sie umzingelte. Dann hüllten Dampf und Flammen den jugendlichen Körper undurchdringlich ein. Ich wandte mich schaudernd ab, ich floh. Das war das erste Opfer der zweihundert, die ich zum Flammentode vor­bereiten mußte."

„Nun begreife ich, warum euere Locken vor Der Zeck bleich geworden find", sagte Graf Keffelstadt in Mitleid erbebend.

„Auch werdet ihr nun einsehen, mein Freund, warum ich mein Buch schreiben will."

„Mir ist klar, daß der liebe Gott in euch einen Propheten erweckt hat, deffen Mut in allen Zeiten

gepriesen wird," sprach Graf Kesselstadt warm und fügte hinzu: „Alle Lust ist mir vergangen, noch weiter im Paderbornischen, wo Tag für Tag die Scbeiter- haufen flammen, widerstrebendem Volke gegenüber den Reichs-Kommissar zu spielen. Der Rolle bin ich müde! Ich will wiederum in's Feld ziehen, in offenem Kriege dm Feindendes Kaisers entgegentreten! Ob ich mich Wallenstein's oder Tilly's Truppen anfchließe, bleibt mir gleich. Große Freude ist reilich auch nicht dabei, Führer der Söldnerhorden zu sein."

Vater Spee lächelte.

„Wenn ich euch raten darf, mein lieber junger Freund, so kehret nach Trier zorück. Eurer Vaterstadt tun gerade in diesen schlimmen Tagen tüchtige Männer Not. Philipp Christoph von Soetern, den man den „schwarzen Kurfürsten" nennt, könnte man mit gleichem Recht den „streitenden" heißen. Der sonst so ausge­zeichnete und gelehrte Mann ist leider nur zu sehr zu Gewalttaten gegen seine eigenen Untertanen geneigt. Der Zwiespalt mit seinen Ständen nimmt kein Ende. Es ist zu erwarten, daß Philipp Christoph, um sich in seinen heftigen 'Streitigfeiten Recht zu erzwingen, die Franzosen herbeiruft. Daß er geheime Unterhand­lungen mit dem französischen Hofe pflegt, ist mir bekannt."

Keffelstatt fuhr aus.

„Das wäre ja treuloser Landesverrat!" rief er empört.

Spee zuckte die Achseln.

„Die Begriffe von Treue und Recht sind in der heutigen allgemeinen Sittenverwilderung und Zer­klüftung selbst bei den Befferen unklar geworden. Unter vem Lärm der Waffen, mitten im Kampfgewühl der Parteien stumpft da» Rechtsgefühl ab. Folget mir, kehret nach Hause zurück. Ihr gehört in das Trierische Erzstist, das kaiserlich gesinnter, echt deutscher Helden bedarf."

„Ich will mir den Rat überlegen, mein Later", sprach Dankmar nachdenklich und fügte hinzu: „Das sage ich Euch, ntüjjtg auf der Scholle zu fitzen vermag ich nicht."

(Fortsetzung folgt.)