30. Jahrgang
fUlüS, Samstag, den 5. September 1903.
M 202
(Nachdruck verboten.)
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Crstesßlatt i
Ausland
, Deutsches Reid),
gleich über „Censur", „Reaktion" usw. geler artikelt. Wir müssen abwarten, ob die „Censur- behörde" nähere Aufklärung über die Gründe ihres Vorgehens gibt. Wir können uns aber ganz gut denken, daß auch ein Nichtreaktionär diese „Censur" geübt haben würde. Gehören der» artige abstrakte, für Kinder unverständliche Sätze überhaupt in ein Schulbuch? Notwendig sind sie da jedenfalls nicht. Und in welcher Weise würden sozialdemokratische Eltern ihren Kindern die Sätze wohl kommentieren? Sicher so, daß die Erklärung des Lehrers vor der Ausnutzung im sozialdemokratischen Parteiintereffe nicht Stand halten könnte.
):( Zu dem sozialdemokratischen Parteitage
liegen nicht weniger als 115 Anträg e und Resolutionen vor. Sehr viele von ihnen beschäftigen sich mit der Taktik und der.„elenden" Vizepräfidentenfrage. Kein einziger davon erklärt sich für das Zuhofegehen, ein Teil spricht sich sogar sehr scharf gegen Bernstein und die revisionistischen Bestrebungen aus. Einige verlangen, daß die Entscheidung in der Vizepräsidentenfrage dem Fraktionsvorstande überlasten werde.
Eine ganze Reihe von Anträgen betrifft die Tätigkeit von Parteigenossen als Redakteure und Mitarbeiter an nichtsozialdemokratischen Blättern. Der Parteivorstand selbst hat in dieser Frage folgenden Antrag eingebracht: „Kann es mit den Jntereffen der Partei für vereinbar erachtet werden, daß Parteigenossen als Redakteure und Mitarbeiter an bürgerlichen Preßunternehmungen tätig sind, in denen an der sozialdemokratischen Partei gehäffige oder hämische Kritik geübt wird? Antwort: yteilt! 2. Kann ein Parteigenosse Redakteur oder Mitarbeiter eines bürqer- ichen Blattes sein, auf welches obige Voraus- etzung nicht zutrifft? Diese Frage ist zu be- ahen, soweit Stellungen in Betracht kommen, in denen der Parteigenosse nicht genötigt wird, gegen die sozialdemokratische Partei zu schreiben oder gegen dieselbe gerichtete Angriffe aufzunehmen. Im Interesse der Partei sowohl wie im Jntereffe der in solchen Stellungen befindlichen Parteigenoffen liegt es jedoch, daß den letzteren keine Vertrauensstellungen übertragen werden, weil solche sie früher oder später in Konflikt mit sich und der Partei bringen müssen."
Das Recht der Abgeordneten, auf dem Parteitage als stimmberechtigte Mstglieder zu erscheinen, scheint einer Reihe von „Genossen" nicht zu gefallen. Es wird verlangt, daß die Fraktion Vertreter für sich ernenne oder der Fraktionsvorstand sie vertrete oder die ganze Angelegenheit neu geregelt werde. Verschiedene „Genossen" verlangen, daß die Vertretung der Wahlkreise auf den Parteitagen anders geordnet werde. Insbesondere wird Berücksichtigung der abgegebenen sozialdemokratischen Wahlstimmen gefordert.
Sehr viele Anträge beschäftigen sich mitP resse, Broschüren, Flugblättern und jonftigen Mitteln der Agitation. Düsseldorfer Genossen beantragen, daß „eine durchgreifende Aufklärungsarbeit über das Wissenswerte unverzüglich einzuleiten ist". Andere „Genossen" wollen belehrende Schriften und sonstige Aufklärungsarbeit für die Soldaten vor und nach dem Mllitärdienst.
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Der Hexenpater.
Erzählung aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges. Bon Antonie Haupt.
DaS Hochamt war gerade zu Ende, als der Allen wohl befannte ehemalige Prediger mit Spee in der Stadt anlangte. Die Leute stutzten über den seltsamen Aufzug und lachten unwillkürlich beim Anblicke des doppelt bewaffneten barhäuptigen Theologen. Wie rasch verwandelte sich ihr Lachen in Weinen, als sie näher kamen und von dem Mordanfalle auf ihren geliebten Bater Spee erfuhren. Sie widersetzten sich dem mit Gewalt, daß der Erschöpfte heute noch »eiter gebracht werde.
Rührend war der Wetteifer, mit dem sie alles Erdenkliche herbeibrachten, um des Verwundeten Leiden zu lindern. Eilboten wurden nach Hildesheim enstandt, um einen erfahrenen Wundarzt herbeizurufen. Da Pater Spee aber dringend bat, ibn selber nach Hildesheim zu führen, damit er, wenn eS Gottes heil'ger Wille sei, wenigstens im Kreise seiner Ordensbrüder sterbe, so entsprach man am folgenden Tage seinem Wunsche und bettete ihn in einen Wagen. Alle Einwohner von Peine begleiteten den Scheidenden unter lautem Wernen bis wett vor die Stadt. Mancher verhärtete Sinn wurde jetzt erst völlig erweicht. Madie strengm Maßregeln der Fürsten und die milden Ermahnungen des Missionars noch nicht vermocht hatten, daS errerchte das vergossene Blut. Glaube und Liebe siegten. Alle erkannten, daß nur in dem Garten der katholischen Kirche solche Blumen deS Opfermutes, deS LiedeseiferS und der Seelengröße erblühten.
Noch hatten die guten Leute ihren Pater nicht verlassen, da verursachte die Ankunft eines Retters neue Aufregung. Es war Graf Kesselstatt, der, dem Mörder aus ber Spur, seit gestern früh die Rüstung nicht abgelegt hatte.
Elbinger „Genossen" beantragen, daß die Soldaten über ihre Pflicht gegenüber dem sogen, inneren Feinde aufgeklärt werden.
Sehr reichhalttg ist die Liste sozial- politischer Forderungen, die die Fraktion im Reichstage vertreten soll. Auch mit dem Verfahren der Reichstagswahlen sind manche Genossen noch nicht zufrieden, sondern verlangen weitere Maßnahmen zur Sicherung des Wahl- geheimMesl Flensburger Genossen verlangen von der Fraktion, daß sie einen Antrag im Reichstag stellen solle, wonach den Behörden die Pflicht auferlegt wird, jedem Abgeordneten eines Wahlkreises, einerlei welcher Parteirichtung, zwecks Berichterstattung seiner parlamentarischen Tätigkeit passende Versammlungslokale zur Verfügung zu stellen.
Sehr ungelegen dürfte den führenden „Genossen" ein Antrag des „Genossen" Welker in Wiesbaden kommen, der dem Punkt 6 des Parteiprogramms folgende Fassung geben will: „Erklärung der Religion zur Privatsache. Daraus sich ergebende Forderungen: a) Trennung zwischen Staat und den heutigen Kirchen ; b) Abschaffung aller Aufwendungen aus öffentlichen Mitteln zu kirchlichen und religiösen Zwecken; c) Entfernung des konfessionellen Religionsunterrichts aus der Schule; d) Ersatz desselben durch einen Moralunterricht ohne metaphysische Voraussetzungen; einen umfaffenden naturwissenschaftlichen Unter- richt in der Religionsgeschichte; e) Verbot der Erteilung jeglichen Glaubensunterrichtes an Kinder unter 16 Jahren; f) Bekämpfung aller religiösen Wahnvorstellungen durch Aufklärung ihrer Anhänger ; g) Austritt aus konfessionellen Religionsgemeinschaften, deren Glauben man nicht mehr teilt." — Das ist doch noch ein Mann, der aus seinem Herzen keine Mördergrube macht und den schönen Programmsatz: Religion ist Privatsache, sehr drastisch beleuchtet. Ferner verlangt dieser Genosse, daß nur solche Personen, die keiner konfessionellen Religionsgemeinschaft angehören, Parteiämter bekleiden und von der Partei als Kandidaten für Kommunal-, Land- und Reichslagswahlen aufgestellt werden dürfen.
„Bedenkt was ihr sprecht, junger Monn! Wie oft schon hat ein rasches Wort Höllenbrände enffacht und Hunderte von Unschuldigen den entsetzlichsten Greueln überantwortet! O, daß ich sagen könnte, welche Qum mein Herz zerreißt über Dinge, die ich verschweigen muß! Ich schwöre eS bei Gott, daß ich, der zweihundert Hwen zum seligen Tod vorbereitete, bis jetzt keine zum Scheiterhaufen geleitete, von der ich nach allseitiger Erwägung vernünftiger Weise behaupten könnte, sie sei schuldig gewesen. Darum schweigt, schweigt bei allem, wovon ihr auch jemals vermeint, daß es nicht mit natürlichen Dingen geschehe. Ihr könnt die Folgen nicht verantworten und müßt dereinst vor dem Richterstuhle der Ewigkeit Rechenschaft für jedes unnütze Wort ablegen — Vergebt! Ich kann nicht weiter sprechen. Wenn Gott mir daS Leben läßt, werde ich euch später mehr mitteüen.
Graf Kesselstadt war erschüttert. Verstummt starrte er vor sich nieder. Nach einer Weile sagte er leise: „Vater Spee, ich gelobe, euern Rat zu befolgen."
Es gelang dem jungen Grafen, den väterlichen Freund ohne weiteren Unfall bis zur Pforte des Jesuiten-AsylS in Hildesheim zu geleiten.
Nach Tagen und auch nach Wochen wurde chm daselbst auf seine langen Fragen die Antwort zu teil, daß die Genesung des Vaters voranschreite, und daß die Heilkundigen ihn am Leben zu erhalten hofften.
2.
Die Teufelsbraut.
O, nun find wir fertig! Keine Hexen I vielleicht auch keinen Teufel ? Und Ihr wollt ein Mann der Wissenschaft fein? Verlaßt unS, Mann, verlaßt unS augenblicklich! Denn es steht unS nicht an, mit Heiden unter einem Dache zu atmen. Schaufert.
Gar bald wurde eines Reichskommissars Tätigkeit durch die mächtige Nachwttkung von Pater SpeeS Einfluß im Hildesheimer Lande überflüssig. Der Kaiser beorderte Dankmar von Kesselstatt zu ähnlicher
seiner Leitung ausgearbeitet und aufgestellt wurde, vor dem Reichstag vertreten.
** Trotz wiederholter Warnungen werden dem Kaiser!. Patentamte auch jetzt noch häufig Schecks und ähnliche Anweisungen zum Zwecke der Gebührenzahlung eingesandt. Das ist, wie das Patentamt erneut hervorhebt, mit der Gefahr verbunden, daß das betreffende Schutzrecht wegen nicht rechtzeitiger Zahlung der Gebühr verfällt, da die Zahlung nicht schon mit dem Eingänge der Anweisung beim Patentamte, sondern erst mit ihrer Einlösung sich vollzieht. Das Patentamt kann in solchen Fällen für die Rechtzeitigkeit der Einlösung der Anweisung eine Verantwortung nicht übernehmen. Die Gebührenzahlung kann wirksam nur mittels gesetzlicher Zahlungsmittel erfolgen, zu welchen derartige Anweisungen nicht gehören. Es wird daher den Beteiligten in ihrem eigenen Interesse auf das dringendste empfohlen, Geldanweisungen wie Schecks oder Wechsel künftig nicht mehr an das Patentamt, sondern unmittelbar an die betreffende Bank zu senden. Letztere wäre dabei zu beauftragen, den Bettag fristgemäß unter Angabe seiner Bestimmung und des Aktenzeichens porto- und bestellgeldfrei an die Kasse des Patentamtes abzuliefern oder den Girokonto bei der Reichsbank Hierselbst guffchreiben zu lassen. Hierbei wird darauf aufmerksam gemacht, daß in Fällen der Benutzung des Girokontos bei der Beurteilung der Rechtzeitigkeit einer Gebührenzahlung derjenige Betrag in Betracht kommt, an dem die Gebühr dem Girokonto der Patentamts-Kasse zu Gesicht gebracht ist. Sofern auch weiterhin Schecks oder Wechsel und ähnliche Papiere dem Patentamte zu Gebührenzahlungs - Zwecken zugehen sollten, wird die Rücksendung derselben in Erwägung gezogen werden.
** Der Reichskanzler hat den Direktor im Reichsamt des Innern, Caspar, und den Geh. Ober-Regierungsrat Koch beauftragt, sich im Laufe dieses Monats über die Verhältnisse der Spinnereien in den westlichen Provinzen an Ort und Stelle zu unterrichten. Im Auftrage des Handelsministers wird der Geh. Regierunstsrat Frick sich an der Informationsreise beteiligen, ferner werden Geh. Regierungsrat Rüther-Minden und Gewerbeinspektor Trauthahn-Bielefeld die Kommission begleiten. In Bielefeld werden die Teilnehmer der Jn- formattonsreise am Sonntag, den 13. ds. Mts., abends, jufammen treffen. Von Bielefeld aus reift die Kommission nachmittags nach Düsseldorf.
§ In einem der Schulbehörde eingereichten Lefebnchentwnrf, bearbeitet durch eine Kommission von Breslauer Lehrern, waren einige Fundamentalsätze derpreußischenVersas sung ausgenommen, z. B. „Die Wissenschaft und ihre Lehre ist frei", „Alle Preußen sind vor dem Gesetz gleich, StandesvoiHüge findm nicht statt", „Die persönliche Freihest wird gewährleistet" usw. usw. Nach der,Breslauer Ztg/ hat die übrig» keitliche Censurbehörde alle diese Verfaffungssätze gestrichen. In der liberalen Presse wird deshalb
* Wien, 4. Sept. 1903. Der österreichisch-ungarische Botschafter in London, Graf Deym, ist gestern nachmittag in Eckersdorf in der Grafschaft Glatz an einem Herzleiden gestorben.
* Budapest, 4. Sept. 1903. Der König empfing heute vormittag den Ministerpräsidenten Grafen Khuen-Hedervary in Audienz. Nachmittags wird der König die Grafe n Julius Andraßy, Stefan Tisza und den früheren Minister Hieronymi in Einzelaudienz empfangen. — Blättern zufolge soll die Betrauung des Finanzministers v. Lukacs mit der Neubildung des Kabinetts in den nächsten Tagen erfolgen.
* Konstantinopel, 4. Sept. 1903. Nach türkischen Berichten aus den Wilajets Mo nastir und Adrianopel sind über 2 50 Ein- wohner des Dorfes Penke, Distrikt Vize, Sandschak Kirkilisse, .welche sich den Banden angeschlossen hatten, in das Dorf zurückgekehrt. Bei dem Zusammenstoß Vlachokliszura (Kaza Kastoria) verloren die Komitadschis 200 Mann und ließen viele Gewehre und Bomben am Platze zurück. In den Ortschaften Jschau, Distrikt Ochrida, fand ein Zusammenstoß mit einer vom Popen Wassil befehligten Bande statt, wobei Bulgaren getötet wurden. Die übrigen Mitglieder der Bande ergriffen die Flucht. — Nachrichten aus Adrianopel zufolge ist der Handel und Verkehr im Sandschak Kirkilisse gänzlich gestört. Selbst in der nächsten Umgebung von Kirkilisse herrscht Unsicherheit. Es wird über das gewalttätige Vorgehen der Redifs und Baschibozuks geklagt. Neuerdings find 5 Bataillone und eine Batterie nach Kirkilisse und Tttnowo abgegangen, auch soll nach Versicherungen von türkischer Seite die Säuberung dieser beiden Gebiete von den Banden fort« schreiten. In den letzten Tagen fanden wieder Bandenkämpfe statt. — Eine 170 Mann starke Komiteebande, deren Erscheinen bei Sufli zwischen Demotika und Fereojeka auf der Bahnlinie nach Dedeagatsch jüngst gemeldet wurde, Stellung nach dem benachbarten Bistum Paderborn. Auch in der Ferne aber blieb Dankmar in geistlicher Verbindung mit dem heiligmäßigen Ordensmann.
Hohe Freude gewährte ihm Tyles Nachricht, daß Spee schon nach elf Wochen unter lautem Jubel der Bevölkerung nach Peine zurückgekehrt sei, um fein Se« kehrungSwerk erfolgreich zu vollenden. Zugleich teilte der Prediger mit, daß der Prior des Klosters Korvay an der Weser, ein naher Verwandter des Missionars, diesen eingeladen habe, sich in der schönen Wesergegend und der ruhigen Stille deS Klosters zu erholen und daß Friedrich von Spee diese Einladung angenommen habe.
Graf Kesselstatt staunte. Er wußte, daß daS Kloster Korvay unter der allgemeinen sittlichen Verkommenheit schwer gelitten hatte; er wußte, daß man sich zuraunte, vielfache Uebelstände hätten sich bei dem großen Reichtum der Benediftiner eingeschlichen; er wußte, daß man erzähfte, einzelne Mönche daselbst besäße» vom Ordensmanne nur mehr den Namen und das Kleid.
Da erhiett er im September ein Schreiben der Paters vom Kloster Korvav aus, worin dieser nochmals seinem Lebensrttter dantte und ihm in Hellem Jubel berichtete, daß der Fürstabt chm erlaubt habe, die achttägigen Exerzttien de» Helligen JgnattuS int Kloster abzuhalten, daß alle Mönche sich reumütig an den heiligen Hebungen beteiligt und sich zur treuen Beobachtung der Regeln deS heiligen Benedikt gestärkt hätten. Er erzählte auch, daß er selber von seinen Obern nach dem nahen Falkenhagen gesandt fei, um dort im stillen, zwischen Berg und Wald gelegenen Klösterlein seine Gesundheit zu kräftigen.
Falkenhagen war nicht gar zu weit entfernt von Dankmars Felde der Tätigkeit. So schwang er sich an einem schönen Herbstmorgen in den Sattel und ritt nach dem aus Ruinen teilweise wieder aufgebauten Kloster. Er ttaf den Bater im hohen Gemach vor einem mit Schriftstücken bedeckten Tische sö emsig ins Schrechen verliest, daß er das Kommen eine» Fremden überhörte. Erst bei des Grafen lautem ftöhlicheu
Berlin, den 4. September 1903.
[::] Allen Stimmungsmachern für einen binnen kurzem in Aussicht gestellten Rücktntt des Staatssekretärs des Reichsmarineamts, Vizeadmirals von Tirpitz, können die ,Berl. N. N/ zur Beruhigung mitteilen, daß sich dieser während seines Sommerurlaubs recht sehr erholt hat und von der nächsten Woche ab die Leitung der Dienstgeschäste des Reichsmarineamtes wieder übernehmen wird. Zur Zeit ist man gerade damit beschäftigt, die Dienstwohnung des Staatssekretärs in Stand zu setzen. Admiral v. Tirpitz wird auch den neuen Marineetat, der unter
Trotz seines liebenswürdigen keckftischen Wes ms batte der junge Graf noch wenig Freunde in dem Umkreise gefunden, wohin seine kriegerische Sendung ihn geführt. Der Kaiser hatte ihn al- Reichs-Kommissar mit der Ausführung des RestitutionSedifteS im Hildesheimer Lande betraut. ES war hart, auf deS Grafen Geheiß die schönen einttäglichen Stifts- und Klostergüter wieder herau-zugebm. Kein Wunder, daß man ihn ungern kommen sah! Heute aber umringte man ihn, begrüßte ihn dankbar als den Lebensretter deS teuren BaterS und wollte tausend Einzelheiten von dem Uebersall berichtet haben.
„Doch sprecht, Herr Graf, was tatet ihr mit dem mörderischen Hallunken? Es gelang euch phne Zweifel ihn dingfest zu machen?"
Der Angeredete schüttelte in edlem Zorn erglühend den Kops.
„Von Morgenrot bis Mitternacht verfolgte ich den Meuchelmörder über die Haide, durch Moor und Dickicht. Dreizehnmal zeigte sich meinen Blicken die graue Schreckgestalt in unbestimmter Ferne. Meine Kugeln ttafen nicht. Dreizehnmal affte der Unhold mich und verschwand endlich spurlos."
Dankmar von Keffelstadt ritt an die Seite des Paters und schaute nut liebevoller Besorgnis in dessen bleicher Antlitz.
„Gestattet, mein Bater, daß ich euch aus der Fahrt beschütze. Euch zu rächen war mir noch nicht vergönnt."
Friedrich von Spee sah empor.
„Mein ist die Rache, ich will oergelten, spricht der Herr," sagte er ernst.
Der Gras lachte kurz.
„Seid unbesorgt Vater Spee, wenn euer Todfeind durch einen Christenmenschen gefaßt werden könnte, so wäre er mir nicht entschlüpft. Mit rechten Dingen ging daS nicht zu. Der Graue hatte einen Patt mit dem leibhaftigen Gottseibeiuns geschlossen. Die schwarzen Künste find ja an der Tagesordnung.
Da zuckte Spee zusammen wie in herbem Schmerz. „Differ unselige, blinde Zauberwahn! rief er aus.
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