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j. parzeller in Fulda. Wochenbettage: „Illustrierte Zonniagszeitung
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JVS 201.
fulda, Freitag, den 4. September 1903.
30. Jahrgang.
Iubiläumzbeschlüste der 50. Generalversammlung,
Sn den geschloffenen Versammlungen vom 24.-27. August 1903 zur Annahme gelangt.
(Fortsetzung.)
Mffsionsvereinigung deutscher Frauen und Jungfrauen.
Im Januar des Jahres 1902 trat die Misstonsvereinigung katholischer Frauen undJung- srauen zu Fulda ins Leben. Sie hat den Zweck unsere deutschen Missionen und Missionare zu unterstützen, sowohl durch Geldmittel wie durch Anfertigung von Paramenten für die Misstonskirchen, von Kleidungsstücken usw. für die Neubekehrten in den verschiedenen Anstalten. Dieser Verein zählte am 1. Juli 1903 bereits 19 728 Mitglieder und hatte eine Jahreseinnahme von II 261,72 Mk.
Papst Leo XIII. hat die Mitglieder dieses Frauenmissionsvereins wiederholt angeeifert; durch Breve vom 1. Juli d. I. belobigte und privilegierte er den Verein, der auch von verschiedenen hochw. Bischöfen Deutschlands und deutschen Kirchenfürsten warm empfohlen worden ist.
Der Vorstand der MissioPsoereinigung katholischen Frauen und Jungfrauen stellt deshalb den Antrag,
die 50. Generaloers am mlung deutscher Katholiken zu Köln wolle auch die Missionsver- einigung den Katholiken Deutschlands zur Empfehlung bringen und die katholischen Frauen und Jungfrauen Deutschlands zu regem Beitritt auffordern.
Veröffentlichung von Gott-sdieuftord- nungen.
Angesichts der Tatsache, daß es häufig für Fremde fchwierig ist, in großen Städten die Gottesdienstordnung, namentlich an Sonntagen, zu erfahren, richtet die 50. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands an die hochw. Geist lichkeit die Bitte, in geeigneter Weise für die Bekanntgabe der Gottesdienstordnung der katholischen Kirchen zu sorgen, dieselbe namentlich an den Kirchentüren und in den Gasthöfen anschlagen zu lassen.
Vereine.
Die 50. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands erklärt es für eine der wichtigsten Aufgaben der gegenwärtigen Zeit, daß angesichts der immer mehr um sich greifenden religiösen Gleichgiltigkeit die katholischen Familienväter in besonderen Vereinen vereint mit ihren Pfarrern, alle geeigneten Mittel ergreifen, um den religiösen Sinn, die regelmäßige Teilnahme am Gottesdienste, das christliche Familienleben uno eine gediegene religiöse Bildung nach Möglickkeit zu fördern.
Aufhebung des Jefuiteugesetzes.
Die 50. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands erklärt es als eine Ehrensache der deutschen Katholiken, nicht zu rasten und zu ruhen, bis das sog. Jesuitengesetz aufgehoben ist. Sie erwartet von den Vertretern des katholischen
Volkes, daß sie alle geeigneten ihnen zu Gebote stehenden gesetzlichen Mittel anwenden, um den seitens des Evangelischen Bundes und dessen Affiliierten auf den Bundesrat ausgeübten Terrorismus zu brechen.
Gemäß § 23 der Geschäftsordnung wurde das Centralkomitee folgendermaßen ergänzt:
An Stelle des j- Kaufmanns Walter (Erfurt) tritt Großkaufmann P. P. Cahensly (Limburg a. L.).
An Stelle des f Grafen Konrad Preysing (Moos): Frhr. Max v. Soden in München.
(Fortsetzung folgt.)
[] wie wird man der §ozial- demokraten Herr?
Die Sozialdemokraten mögen sich über alles beklagen, über Nichtbeachtung können sie sich nicht beklagen. Man kann keine Zeitung zur Hand nehmen, in der nicht ein halbes Dutzend Mal von der Sozialdemokratie die Rede ist. Keine Parteiversammlung wird abgehalten, in der nicht auch die Stellung zur Sozialdemokratie erörtert wird. Fast bei allem, was in Staat, Gemeinde usw. geschieht, taucht die Caprioifche Frage auf: Wie wirkt es auf die Sozialdemokratie? Um diese scheint sich unser ganzes öffentliches Leben zu drehen. Sogar die unvolitische Armee widmet ihr die eingehendste Aufmerksamkeit.
So etwas ist wohl geeignet, das Selbstbewußtsein der „Genoffen" zu heben und ist ihrer Propaganda ohne Zweifel förderlich. Trotzdem ist nichts daran zu ändern. Die Sozialdemokratie zu ignorieren geht nicht an und würde ihr sicherlich auch nicht verhängnisvoll werden. Man hat sie einmal und muß sich mit ihr beschäftigen, d. h. mit der Frage, wie man sie wieder los wird. Alle bürgerlichen Parteien haben dies Ziel im Auge, nur sind ihre Wege, dahin zu gelangen, sehr verschieden. Die Scharfmacher raten immer wieder zur Gewalt; Polizei und Staatsanwalt sollen die Umstürzler bändigen, wiewohl ein zwölfjähriger Versuch gezeigt hat, was dabei herauskommt. Nachdem die letzten Wahlen abermals einen starken Stimmenzuwachs der Sozialdemokraten ergeben haben, ist die Scharfmacherpresse Tag für Tag voll von Mahnungen und Ratschlägen.
Während gewöhnlich nur immer wiederholt wird, die Regierung müsse von den „Machtmitteln des Staates" eneroifchen Gebrauch machen, entwickelt heute die ,Pust' ein längeres Programm, das sie mit Hilfe freundlicher Zuschriften von Gesinnungsgenossen entworfen hat. Zunächst rät sie zur Schaffung einer „nationalen Centralstelle", von der aus die Bekämpfung der Sozialdemokratie sich über das ganze Land erstrecken müsse. Als Muster schwebt ihr dabei der katholische Volksverein vor Augen, der jetzt ja auch von anderer protestantischer Seite nachgeahmt werden zu scheint. Von dem „allumfassenden Reicksbunde" aus müsse auf die Arbeiterbevölkerung gewirkt werden, vor allem aber der Riß zwischen Proletariat und Bürger
tum dadurch geheilt werden, daß die Gebildeten und Besitzenden sich selbst ins Volk begäben und Fühlung mit ihm zu gewinnen suchten.' Da ist eine Quelle der sozialen Unzufriedenheit und ein Mittel, sie zu verstopfen ganz richtig erkannt, wenn auch nicht zum ersten Male erkannt, da man es von katholischer Seite längst genannt und angewandt hat. Man muß nur leider bezweifeln, daß die Anregung der »Post' irgendwelcher Erfolg haben werde. Sie denkt zunächst an die studentische Jugend, die Korps und Burschenschaften, den Verein deutscher Studenten und die akademischen Turnvereine, die die Sozialdemokraten durch Belehrung und freundliche Annährung bekämpfen sollen. Was wohl die Herren Korpsstudenten zu dem Einfall sagen mögen, daß sie sich mit dem Proletariat beschäftigen und anfreunden sollen? Aus der Studentenschaft, die sich mit Vorliebe das Beiwort „national" zulegt, wird das Heil gewiß nicht kommen.
Sodann hat die »Post' einige Aufgaben für die „reichstreue Presse" und die Abgeordneten, „vor allem die der ausgesprochen nationalen Parteien". Sie sollen erstens unermüdlich die Reichsregierung zu einem kraftvollen Vorgehen gegen die Sozialdemokratie anspornen.' Daran haben sie es aber doch auch bisher nicht fehlen lassen. Die Reichsregierung war aber in letzter Zeit so klug, auf die Anspornung nicht mehr zu reagieren; weil sie einsah, daß mit dem Scharf- machertum doch nichts zu erreichen sei.
Ganz gut gefällt uns die zweite Aufgabe, von der die,Post' spricht. Presse und Abgeordneten sollen furchtlos und treu, Suaviter in modo, fostiter in re Kritik an Handlungen und Unterlassungen der maßgebenden Stellen üben. Von den „maßgebenden Stellen" wird in der Tat unglaublich viel zstr Förderung der Sozialdemokratie getan. Die ,Post' selbst beginnt g'erch ihren eigenen Rae zu befolgen und Kritik zu üben an dem „Kult des Aeußerlichen", der auch in natisnalen Greifen verstimmt habe, und Streberei und Liebedienerei großziehe. Vorder wachsenden Unzufriedenheit im Zusammenhänge mit dem „Kultus des Aeußerlichen", selbst in Offizierskreisen, ist ja neuerlich in „nationalen" Blättern viel die Rede. Ohne Zweifel geht bei allem Hurrahpattiotismus eine tiefgehende Verbitterung durch das deutsche Volk, hervorgerufen nicht blos durch den „Kultus des Aeußerlichen", sondern noch verschiedenen anderen „Handlungen und Unterlassungen der maßgebenden Stellen". Aber was nützt die öffentliche Kritik,? Sie wird seit vielen Jahren mit all-r Schärfe, soweit der Herr Staatsanwalt es zuläßt, in immer weiteren Kreisen geüvl. Sie hat aber nicht daS aller geringste gsänder.r und wird nichts Lodern. Dieser Quelle der Unzufriedenheit wird dieSoz:al- remokratie sich also noch lange ungestört freuen können.
An der weiteren Aufgabe: für Volks« uf- -lärung über die drohende Gefahr und für Schaffung von Truppen und Führern für den Iievorstehenden Kampf der MÄarchie und der bürgerlichen Gesellschaft gegen die Revolulions- partei zu sorgen, hätten wir gleichfalls nich s ans-
zusetzen, wenn die,Post' dabei nicht lediglich an die Scharfmacherei dächte. Im übrigen wird eben die Anregung Anregung bleiben. Endlich verlangt die ,Post', daß die Unternehmer alle Machtmittel mobil machen, um die Organisation der Sozialdemokraten und ihren Terrorismus zu brechen ; vor allem aber müßten sie dafür sorgen, daß der national gesinnte, Nichtorganisierte Arbeiter Beschäftigung habe. Die der »Post' gesinnungsverwandten Unternehmer haben es an der Anwendung ihrer „Machtmittel" wahrlich nicht fehlen lassen. Der Erfolg ist, daß die sozialdemokratischen Organisationen immer stärker werden. Im übrigen läßt das Blatt den Pferdefuß doch allzu deutlich sehen. Sein Ideal ist der Nichtorganisierte Arbeiter. Auf die sozialdemokratischen Organisationen schlägt man, die Arbeiterorganisationen überhaupt meint man. Der Arbeiter soll vereinzelt bleiben, damit er willenlos sich den Forderungen des Unternehmers unterwerfen müsse und weder eine eigene politische noch sonstige Meinung haken dürfe. Da tun wir nun nicht mit. Wir veriongen Arbeiterorganisationen und ihre Anerkennung durch oie Unternehmer, die Gleichberechtigung der Arbeiterschaft mit den Unternehmern, nicht damit der Gegensatz zwischen Unternehmer und Arbeiter verschärft werde, fondern damit die Arbeiter nicht ohnmächtig gegenüber der Unternehmerwillkür seien, sondern die Macht erlangten, berechtigte Forderungen durchzusetzen.
Von der Sozialreporm als Mittel zur Bekämpfung der Sozialdemokratie schweigt die ,Post' ganz, Ebenso von der Religion. Ihr Programm kommt, soweit es überhaupt praktisch werden könnte, auf das Scharstnachertum hinaus; das übrige ist Dekoration. Dies Programm müssen wir abtrhnen.
Berlin, den 3 September 1903
§ Pvsfeffox Dr. Georg FZviherv von HetÄliuK beging bekanntlich am 31. August seinen 60; Geburtstag. Bei dieser Gelegenheit ließen es sich seine zahlreichen Verehrer nicht nehmen, ihm durch Grunge» ihre Dankbarkeit und Wertschätzung zu bezeigen. Von allen Seiten liefen Glückwunschschreiben, Telegramme und Blumenspenden eit». Der Prmzrrgent von Bayern ließ dem Jubilar ein prachtvolles Blumenbouquet übersenden. Von den Schreiben hochgestellter Personen sei dar des Herrn Erzbischofs von München genannt. Die Görrrs-Gesellschaft überreichte ihrem Gründer und Vorstand ein Buch: „Die ursprüngliche Templerregel", das der Verfasser, Prof:. Dr. Schnüver, dem Jubilar gewidmet hat. Die deutsche Gesellschaft für christliche Kunst ließ ihrem verehrten 1. Präsidenten durch Prof. Gg. Busch eine Zünstlensche Adseffe übergeben, mit einem von Kunstmaler Altheimer (Regensburg) auf Pergament gemalten Bilde, das die
Der yexenpater.
Erzählung aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges. Bon Antonie Haupt.
.2 ------- (Nachdruck verboten.)
„Warmes Wasser, mein Vater, hilft Euch nichts, Hier find kalte Umschläge von Nöten," erklärte der Riese mit von Mttleid bebender Stimme. Er hob den Pater vom Pferde und kühlte ihm mit barmherziger Hand die Wunden. O, welch' ein Anblick, fünf Wunden am Kopfe und zwei im Rücken! Der eisenfeste Mann schnitt bebend unter eigenen Schmerzen die Hautfetzen vom Antlitze des Freundes und stillte dann mit dem aus Eiweiß bestehenden Pflaster das Blut des Bekenners. Der Gewappnete aber, Graf Tankmar von Kesselstatt, ritt derweil hastig von bannen; er hatte sich noch eine Aufgabe gesetzt.
Schlimme Nachrichten haben Flügel. In kurzer Seit war eine weinende Menschenmenge um die kleine Gruppe versammelt. Die Kirchenglocken luden inzwischen feierlich zum Gottesdienste ein.
„Macht schnell, macht schnell, lieber Freund! Ich muß ja für meine Kinder das heilige Meßopfer darbringen. Deren lieben Seelen gelten mir höher, als wein hinfälliger Körper. Hört, tote die Glocken uns zur Sonntagsfeier rufen!" sagte Spee voll Ungeduld und richtete trotz aller Schwäche, trotz aller Schmerzen fich auf, um zur Kirche zu gehen.---
DaS eben geschilderte Ereignis an dem Sonntage „Misericordiae", den 29. April 1629, fällt in die verwirrteste und traurigste Zeit der deutschen Geschichte, in «ne unglückselige Zeit des Haffes und der Zwietracht, der Glaubensspaltung und der Verwilderung. Die Greuel des dreißigjährigen Krieges fegten über unser Vaterland dahin und verwände te das blühende Reich in einen Schutthausen. Die kaiserlichen Feld- herrn Tilly und Wallenstein hatten zu Beginn unserer
Erzählung ganz Norddeutschland den Protestantischen Heeren wieder abgewonnen Kaiser Ferdinand II. hatte, von oen katholischen Fürsten gedrängt, im März das Restitutions-Edikt erlassen, wonach alle von den Protestanten eingezogenen Stifts- und Kirchengüter zurück- gegeben werden sollten und den Katholiken erlaubt wurde, Gegenreformation in's Werk zu setzen. Zur Durchführung dieser Bestimmung entsandte der Kaffer Kommisiarien, die im Falle der Widersetzlichkeit ermächtigt waren, die nächstgelegene Heeresabteilung zu Hilfe zu rufen. Solche durchaus rechtliche Maßregel erwies fick dennoch als unzeitgemäße und unheilvolle, denn sie schürte den Religionshaß und fachte alle Leiden an.
Die dem protestantischen Kultus ergebene Grafschaft Peine mit ihrer Stadt und dreißig Dörfern gehörte zum Hildesheimer Stifte, stand aber seit Anfang des Jahrhunderts unter der Oberhoheit des Kurfürsten und Erzbischofs von Köln. Kurfürst Ferdinand von Köln nahm, durch Tillys Siege in Niedersachsen ermuntert, die Gelegenheit wahr, das jus reformandi, ein wesentliches Attribut der Landeshoheit, auch seinerseits auszuüben. Er erbat fich von den Jesuiten den Pater Spee als Glaubensapostel."
Friedrich Edler v. Spee zu Langenfeld entstammte einem alten rheinischen Adelsgeschlechte. Er war zu .'aiserswerth, einem kurkölnischen Städtchen, im Jahre 1591 geboren. Als neunzehnjähriger Jüngling zerbrach d r feurige, geistvolle Sproß eines edlen Geschlechtes Wappen und Stammbaum, entschlug fich seiner Freuden der Welt und trat in den Orden der Gesellschaft Jesu, in dessen Geist er während seiner Gymnafialstudien tiefen Einblick getan hatte. In dem Probehaus für die rheinische Gegend zu Trier wurde der junge Spee alsdann drei Jahre heran- geblldet. Darauf entsandte man ihn als Lehrer der schönen Wiffenschasten nach Köln, wo er wieder drei Jahre lang mit großem Erfolge wirkte und fich die innigste Liebe aller ferner Schüler erwarb. Nach
weiteren fünf Jahren des theologischen Studiums erlangte er die Priesterweihe. Dann hatte er den Lehrstuhl der Philosophie und Moraltheologie in Köln mit qroßer Auszeichnung inne. Seine Liebenswüroig. keil, Sittenstrenge und Frömmigkeit, sowie seine hervorragenden Geistesanlagen, besonders die hinreißende Be- rebtfamleit, lenkten die Augen der Mitwelt auf ibn. Der Kurfürst Ferdinand von Köln erbat sich den P'ter Spee als Domprediger für Paderborn, wo der Protestantismus- große Ausdehnung gewonnen hatte. Mit mächtiger Begeisterung, mit bedeutendem Affolg wirkte der gelehrte Priester dortselbst drei Jahre lang für die katholische Sache. Der ihn so beglückenden und erhebenden Tätigkeit wurde der feurige Prediger jäh enthöbe ■ durch einen von seinen Obern ihm übermittelten Ruf des Würzburger Bischofs Philipp Adolph von Ehrenberg nach dessen Rsfidenz. Im dortselbst entglommenen, durch Aberglauben und Habsucht geschürten großen Hexenverbrennen war er von dem milden und frommen Bischöfe zum Beichtvater der unglückseligen Opfer ausersehen. Im tiefsten Innern erschütterte den edlen Priester der furchtbare Beruf. Kein Wunder, daß der fortwährende Verkehr mit namenlosem Elend und Schrecken ihn geistig und körperlich aufrieb, ja seine Lebenskraft untergrub. Der demütige Ordensmann war aber von der Vorsehung auserwählt, mit kühner Hand dem Verderben ein Ziel zu setzen. Er schrieb unter dem unmittelbaren Eindrücke der erschütternden Ereignisse seine Erfahrungen nieder. Zur Zeit, da wft ihn kennen lernen, trug Spee die dem Rechte und der Menschlichkeit bahnbrechende Schrift freilich erst int Entwürfe auf dem Herzen.
Des Paters jetzige Tätigkeit als Gegenreformator der Grafschaft Peine war schwierig, dock ungleich- tröstlicher, als der erschütternde Beruf in Würzburg Seine Oberen hatten ben edelsten Sohn ihr es Ordens nicht länger dort in der großen Lebensgefahr belassen wollen, und ihn daher auf Bitten des Kölner Kur- ursten Ferdinand mit der schönen Aufgabe betr.iar„ Stadt und Land Peine der Kirche zurückzufichseL.
Unermüdet reifte Spee dann während des Winters von Ort zu Ort, um den Leuten mit flammender Be- redtsamkert die Glaubenswabrb»iten zu erklären. Mit seinem vom, Feuer reiner Gottes- und Menschenliebe dorchglühtcn Geffst mit feiner großen Gewandtheit im Umgänge mit Pevsonen jeden Standes und Charaktesr nahm er gar bald aflar Herzen gefangen. Al» der Frühling ins Land zog, da feiert» der feeleneifrige Missionar das Arife- stehungssost inmitten einer großen, dem katholischen Glauoeu zurückgeworinenen Gemeinde. Die StaÄ Peina und sechsur-dzwoutzig Dörfer hatten fich in wenigen Moneten bekehrt. Selbst viele der früheren protestantische» Prediger waren des Ordensmannes treue Freunds geworden, unter ihnen namentlich der „tolle Herr Stile", der ihm mit inniger Liebe und Bczeistetusig anhing.
Desto heftiger toat der- Hak und dis Rachsucht der W-nigen, welche dzr UebeNeugMgskraftdes feurigen Redner» sich absichtlich verschlossen und ihm zu widerstehen vermocht hattrn. S« streuten oa6,. der Jesuit habe ine Maßregel des Kmsürstan veranlaßt, wonach mir Latholikn in den Rat gewählt werden sollten; sie legten ihm auch die strenge Dsrchführung. des kaiserlichen 'AestituLonsedÄtes 'm ihrem Lande zur Last. Die Geiahr,. womit sein Lebe» stündlich bedroht war, formte Pater Sper tetr wohl; als treuer Seelenhirt aber verharrte er auf seinem Posten, bis der Meuchelmörder ihn traf.
Zum Zriftenmale lud feierlich dolles Glockengeläute zam Gottesdienste ein. Der größte Seil der Gemeinde SSoItorp lag schon lange in der Kirche auf den Knieen und harrte bei Priesters, der das Evangelium verkünden und das bL Opfer barbringen sollte. Sie hatten keine Ahnung von dem furchtbaren Frevel, der inzwischen as dem teuren Vater verübt wurde.
„Wo er so lange bleibt? Gewiß hält ihn ein Sterbender zurück, dem er den letz en Trost spendet, dem er die hl. Wegzehrung reicht," so fragen und benw'gtn sie einander. Sie harren und ’> • ;>n
Ta endlich kommt er, nein — Gatt ft.!/ u.»