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30. Jahrgang

fuMa, Donnerstag, den 3. September 1903.

JV$ 200

Var „eigensinnige" Deutschland

Deutsches Reich

Ausscheidens aus dem Finanzministerium, mit der Fortführung der Deutsch-russischen Handelsver- traasverhandlungen beauftragt. Allem Anschein nach wünscht der Zar, daß ein Vertrag zu stände omme und zwar bald. Wir wollen hoffen, daß er Herrn Witte nötigt, den Zollkrieg zu ver­meiden und nicht blos Zugeständniffe von Deutsch­land zu fordern, sondern ihm auch diejenigen zu machen, ohne die ein Vertrag beim Deutschen Reichstage keine Aussicht auf Zustimmung hätte. Daß nun schon sobald die Vrahandlungen zum befriedigenden Abschluß gelangen sollten, glauben wir freilich nicht.

Die seelsorglichen Notstände der in den ver- schiedenen Städten Italiens, z. B. Mailand, Genua, Turin, Florenz, Neapel usw. sich auf­haltenden katholischen Deutschen wachsen von Tag zu Tag und erfordern eine rasche und wirksame Abhilfe seitens der Katholiken Deutschlands.

Die 50. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands hält deshalb die Ausbreitung des St. Josephs-Missionsvereins, der die Unter­stützung deutscher Misstonsanstalten im Auslande zum Zwecke hat, in allen deutschen Diözesen für durchaus wünschenswert, da er nur dann in der Lage ist, den katholischen Deutschen in Italien die zum Schutze ihres Glaubens nötige Hilfe an­gedeihen zu lassen.

Afrikaverein deutscher Katholiken.

Die 50. G eneralversammlung der Katholiken Deutschlands empfiehlt angelegentlich den Beitritt

Frage.

Der bisherige Finanzminister Dr. Witte ist bekanntlich jüngst zum „Vorsitzenden des Minister­komitees", also Ministerpräsidenten, ernannt wor- den. Man hat das vielfach als eine Ehrung und Rangerhöhung betrachtet, was es äußer­lich ja auch ist. Vielleicht haben aber auch Die­jenigen recht, welche meinen, es sei zugleich eine Kaltstellung. Herr Witte hat sich in seiner Presse bekanntlich wiederholt sehr zollkriegerisch gegen Deutschland geäußert. Seine Kaltstellung als Finanzminister wäre also ein günstiges Zeichen. Allerdings hat der Zar ihn, trotz semes

in den geschloffenen Versammlungen vom 24.-27. August 1903 zur Annahme gelangt.

(Fortsetzung.)

Ort der 51. Generalversammlung.

Die 50. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands erhob folgenden Antrag zum Be­schluß :

Im Namen der katholischen Männeroererne von Regensburg und Stadtamhof gebe ich mir die Ehre, die Generalversammlung der Katho­liken Deutschlands freundlichst einzuladen, im nächsten Jayre (1904) in den Mauern der alten Rattsbona zu tagen.

Regensburg beherbergte bekanntlich die dritte Generalversammlung der deutschen Katho­liken im Oktober 1849; seil jener Zeit hat die- selbe bei uns keine Einkehr mehr gehalten Em dahin zielender Antrag, den die Katholiken Regensburgs im Jahre 1890 auf der Katholiken­versammlung zu Koblenz stellten, wurde leider abgelehnt. Umsomehr geben wir uns der Hoff­nung hin, daß die hohe Generalversammlung dem vorliegenden Antrag ihre Zustimmung er­teilen wird.

Regensburg ist vermöge seiner zentralen Lage und der namentlich auch dem Fernverkehr günstigen Bahnverbindungen aus allen Gauen des deutschen Vaterlandes leicht erreichbar. Was aber unsere Heimatstadt als nächstjährigen Tagungsort der Katholikenversammlung noch be­sonders empfiehlt, ist die Tatsache, daß in Bayern schon seit einer Reihe von Jahren keine Generalversammlung der Katholiken mehr statt­gefunden hat.

Die alte, historisch bedeutungsvolle Bischofsstadt mit ihrem herrlichen Dome, ihre reizende Lage am Donaustrome und ihrer interessanten Um­gebung wird gewiß alles aufbieten, der General­versammlung der Katholiken Deutschlands ein würdiges und angenehmes Heim zu bieten.

Seelsorge für die katholischen Deutsche« i« Italien.

lum Sfrilcraerein d-utsch-r Wollt« und bie Unkrflütjiing »täfelten durch reichliche Spenden.

IubilSumrbeschlüsse der 50. Generalversammlung, I »-»ach--

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Druck und Verlag der 8uldaer»ktiendruckerei in Fulda (Harmonie) Zernsprecher M. 9.

Erscheint täglich, mit Surnahme der So«n= ,nd zeiertage. virrtel- jShrl. vezugrpreir ohne vringerlohn und VesteSgeld in Zulda und «uwSrtr 1W. 50 Pfg-

verantwortlicher

Kein Mensch spricht halb die Wonne aus, Nicht Redner und Skribenten.

O Gott, ich sing von Herzen mein. Gelobet muß der Schöpfer sein!

Die stolzen Bäume in den Wäldern wild Sind zierlich ausgebreitet.

Aus Erden ist geschnitzt dies Bild, Kein Werkzeug hat's bereitet!

Wer hob euch in die Luft hinauf, Wer gab Vas Grün den Zweigen?

* Wo gab's die Farben all zum Kauf? Bor Staunen muß ich schweigen.

O Gott, ich sing von Herzen mein. Gelobet muß der Schöpfer fein!

Wo man das Auge wendet hin, Mit'Lust wird es ergötzet, Ergötzt wird auch ein jeder Sinn, Daß er die Wunder schätzet. Gar reich ist alle Welt geschmückt. Welch' Künstler könnt's erdenken? Wer's recht bedenkt, wird ganz verzückt: Sein Haupt, das muß er senken.

O Gott, ich sing' von Herzen mein. Gelobet muß der Schöpfer sein!

Drum lobe ihn, du Menschenkind, In diesen schönen Zeiten, Die Traurigkeit schlag in den Wind, Spann' auf die besten Saiten!

Laß tönen Harf' und Lautenklang, Stimm an die süßen Geigen, Mit Orgelton und reinem Sang Mußt du ihm Ehr' erzeigen!

O Gott, ich sing' von Herzen metn. Gelobet muß der Schöpfer fein!

So weit war der Dichter in seinem Lobe Gottes g-langt, da wieherte das Rößlein voller Lust der Morgens», ne entgegen und schüttelte gewaltig den Kops.

„O du Schelm, du Erzschelm!' lachte der in seivöc Begeisterung Gestörte fo herzerquickend und ,« so" wahrhaft kindlicher Freude, daß ;eder hätte mit- lachen wüsten. „Du lieber Brauner meinst, ich hätte vom Hafer und vom sproflritden Klee fingen muffen,

Tannenheim sang die Nachtigall in schmelzenden, lang- gezogenen Tönen. Ihr Lied stimmte zmammen mit der feierlichen Ruhe des Sonntagsmorgen, es erho te den beschaulichen Reiz der Sabbatfrüqe.

Auf der weiten weichen Fläche ttabte lautlos em einsamer Reiter dem Waldfleck zu. Ein langer schwarzer Mantel umfloß in reichen Falten die hohe Gestalt. Auf dem Kopfe trug der Mann ein priester­liches Barett. Die vornehme Haltung, die ganze äußere Etscheinung verriet den Hochgeborenen. Silberweißes, welliges Haar quoll unter dem Barett des Reiters hervor, während ein auf spanische Weise zugespitzter Bollvart, der das schmale, bleiche, fast noch jugendliche Antlitz umrahmte, tiefschwarz war. Auf schmerzliche Erfahrungen, auf herbe Seelenleiden ! deuteten außer den frühgebleichten Locken des Mannes auch die Falten auf der hohen Stirn und die feinen Linien, welcke von der stark gebogenen, edel geformten Nase sich abwärts nach den Mundwinkeln sentten. Diese ftäftig entwickelten Mundwinkel sprachen von ausgeprägter Charakterstärke, während der weiche fieundliche Ausdruck des nicht gerade kleinen Mundes auf große Herzensgüte schließen ließ. Geistvolle, zu­weilen schwärmerisch aufleuchtende, tiefblaue Augen belebten die eigenartig fesselnden Züge, die wohl keiner vergaß, der sie einmal gesehen hatte.

Am Horizonte tauchte eben mit purpurner Pracht die Sonnenscheibe empor. Hell erglänzten gleich unzähligen Diamanten die Tautropfen an den Baumen, an den Haidesträuchern und den Gräsern. Der Reittr schaute auf; er sog gleichsam mit den Bliöftn die Herrlichkeit des Morgens ein, flammenartig erstrahlte sein Auge, seine Lippen bewegten sich wie tm Gebet, leise begann er zu sprechen, seine stimme aber wuchs llmählich in immer größerer Begeisterung an:

„Jetzt rollet sich der Himmel auf. Jetzt drehen sich die Räder, Dec Frühling rüstet sich zum Lauf, Geschmückt mit Rosenseder.

Wie strahtt es schön und frisch und kraus I In allen Elementen!

geben, daß wir nun auch in kurzem zum Ab­schluß eines guten Vertrages gelangen.

Zu gunften der hoffnungsfreudigen Beurtei­lung der Lage spricht der Aerger, den Fürst Meschtscherski im ,Grashdanin' über die Verhand­lungen bekundet. Er scheint ja nicht aufs blaue hin zu reden, fondern wirklich etwas erfahren zu haben. Nach seiner Angabe haben die Unter­händler 18 Sitzungen abgehalten. Die Deutschen haben zwar zu Anfang „mit einem Homglacheln von ihrer Bereitschaft zu Zugeständnisfen gesprochen, blieben dann aber in den „zwei Kernfragen" un­erbittlich bei ihrem non possumus, nämlich m der Frage der Getreidezölle und der Grenz­sperre für Vieh. Der Fürst entrüstet sich ge­waltig über den deutschen „Eigensinn" und stellt es so dar, als ob eine Verständigung unmöglich sei, wenn Deutschland in diesen Punkten von seinem „Eigensinn" nicht lasse.

Wir freuen uns natürlich über diesen „Eigen­sinn", wundern uns aber gar nicht wie der Fürst Meschtscherski darüber, sondern würden uns um­gekehrt wundern, wenn die deutschen Unterhänd­ler in diesen Fragen Nachgiebigkeit gezeigt hätten. Das Zolltarif-Gesetz sagt ausdrücklich, daß unter die Mindestsätze für Getreide auch tn Handelsverträgen nichthinabgegange nw e r - den darf. Wie hätten da die deutschen Unter­händler sich erbieten sollen, niedrigere Zollsätze zu bewilligen? Und daß wir unser Vieh nicht der Verseuchungs - Gefahr durch Oeffnung der russischen Grenzen aussetzen dürfen, versteht sich doch auch von selbst. Man'wird Rußland keinen Vertrag zumuten, der Deutschland unter allen Umständen gestattet, die Einfuhr russischen Viehes zu verbieten. Aber unbedingt muß Deutschland sich das Recht wahren, seinen Viehstand gegen die Einschleppung von Seuchen zu schützen.

Das sind so selbstverständliche Dinge, daß von vornherein gar nicht anzunehmen ist, Rußland betrachte wegen des „Eigensinns" Deutschlands in diesen Fragen der Abschluß eines Handels­vertrages als unmöglich, alle Verhandlungen als vergeblich. Wir befinden uns in einer starken Position: Rußland braucht Deutschland ganz not­wendig als Käufer für sein Getreide. Fürs Maschtscherski ist ein Deutschenfeind und malt schon deshalb möglichst schwarz zu unseren Un­gunsten. Das russische Jntereffe gebietet ihm , ebenfalls, über den deutschen Eigensinn zu klagen. ’ Ob aber das russische Jntereffe das Scheitern . der Verhandlungen tragen kann, ist eine andere

Berlin, den 2. September 1903.

88 Um die Kenntnis von den Nachteilen und gesundheitlichen Gefahren, die der übermäßige Genuß geistiger Getränke im Gefolge hat, m weiten Kreisen zu verbreiten, hat das »als er- [ich« Gesundheitsamt em Merkblatt heraus- leqeben, welches den Titel führt: den

Mißbrauch geistiger Getränke! Alkohol- Merkblatt !" Es gleicht m Format und Aus­stattung den bereits früher erschienenen Tuber­kulose-, Typhus- und Ruhrmerkblättern und be­handelt den Gegenstand in drei Abschmten. Geistige Getränke. Höhe des Verbrauchs. — Wirkung der geistigen Getränke auf den nie; sch­lichen Körper, a) Allgemeine Wirkung (pJW°5 qische); b) Folgen des übermäßigen Alkohol- genuffes. — Zusammenfassung. Zur Veran­schaulichung der wichtigsten Tatsachen ist das Merkblatt mit Zeichnungen versehen, von denen die eine den Gehalt an Nährstoffen (Eiweiß, Fett, Kohlehydrate) und Alkohol in den gebräuch­lichsten Nahrungsmitteln (Magerkäse, Schweinefleisch, Brot) im Gegensatz zu Bier und Alkohol — alles auf die für 30 Pfennig käuf­lichen Mengen der betreffenden Nahrungs- und Genußmittel berechnet — veranschaulicht. Die andere bietet eine Darstellung der tn zwei haupt­sächlich durch den übermäßigen Alkoholgenuß be­drohten Körperorganen, nämlich in der Leber uno in den Nieren hervorgerufenen Veränderungen, die in ih"em ungünstigen Verlaufe unmittelbar zum Tode führen. Das Merkblatt ist ,m Ver­lage von Julius Springer-Berlm N., Mon- bijouplatz 3, erschienen und wird zum Preise von 5 Pfennig für ein Exemplar, 100 Exemplare 3 Mark, 1000 Exemplar? 25 Mark abgegeben.

* Die Erhebungen der Berliner Kriminal­polizei haben, wie die,Preußische Korrespond^z berichtet, zu dem Ergebnis geführt, daß die Be­hauptung des konservativen Wahlkomitees tm zweiten Wahlkreise, es seien bet der Reichs- tags wähl am 16. Juni Wahlschiebunge« in größerem Umfange vorgekommen, irrig iff. Die behaupteten Manipulationen sind tn keinem einzigen Falle nachgewiesen worden; .vielmehr hat sich gerade in denjenigen Fallemit^enen

Die 50. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands empfiehlt dem Wohlwollen der Hochw. Herren Bischöfe und der Freigebigkeit der deutschen Katholiken die tatkräftige Unterstützung der Misfionshäufer der in Deutschland zu- gelassenen Missionsgesellschaften, namentlich:

1 Knechtsteden in der Rhewprovinz und | Zabern im Elsaß (Väter vom h. Geist) für Deutsch-Ostafrika. ,

2. Trier und Marienthal tn Luxemburg (Weiße Väter) für Deutsch-Ostafrika.

3. Hiltrup bei Münster (Väter vom h. Herzen Jesu) für Bismarck-Archipel und Marschall- Jnseln. .

4. St. Ottilien in Oberbayern und Ludwtgs- bab in Unterfranken (St. Benediktusgenoffen- schaft) für Deutsch-Ostaftika.

5. Limburg in Nassau und Ehrenbreitstetn in Rheinland (Pallottiner) für Kamerun.

6. Heiligkreuz bei Neisse in Schlesien, Steyl m Holland, St. Wendel sin Rheinland (Gesell­schaft des göttlichen Wortes) für Togo, Kaiser Wilhelms-Land und Deutsch-China.

7. Hünfeld bei Fulda (Oblaten) für Süd- Westafrika. .

8. Meppen, Provinz Hannover (Martsten) für Samoa und Salomonsinseln.

9. Straßburg-Königshofen (Kapuziner) für die Karolineninfeln.

(Fottsetzung folgt.)

Einige deutsche Blätter (Berliner ,Kon-| fettionär', ,Königsb. Hart. Ztg/) wußten dieser Tage zu berichten, die deutsch-russischen Handels­vertragsverhandlungen hätten einen durchaus befriedigenden Verlauf genommen, der Abschluß des Vertrages stehe nahe bevor. Von anderer Seite wurde diese Darstellung als über­triebener Optimismus bezeichnet, den man an der zuständigen Stelle in Berlin durchaus nicht teile. Man sei zwar mit dem Verlaufe der Peters­burger Verhandlungen verhältnismäßig zufrieden, aber man sehe zum Optimismus keinen Anlaß.

Wenn das offiziöse russische Telegraphen­bureau am vorigen Samstag meldete, die erste Lesung des Vettragsentwurfes sei beendet, so konnte das allerdings optimistische Erwartungen erregen; im Grunde genommen besagt es aber I gar nichts. Es ist sogar anzunehmen, daß es nicht einmal richtig war. Denn einen förm­lichen Entwurf wird man noch kaum haben, und wenn man ihn hat, so wird man kaum eine erste Lesung" vorgenommen haben. Vielmehr handelte es sich zunächst nur um unverbindliche Besprechungen über die wichtigsten Punkte, um Rekognoszierungen, deren Ergebnis die Taktik in den kommenden eigentlichen Verhandlungen be­stimmen wird. Der bisherige Verlauf der Dinge mag ja nun für uns ganz befriedigend sein, aber damit ist doch noch keineswegs die Sicherheit ge-

3er yexenpater.

Erzählung aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges. Von Antonie Haupt.

1 ------- (Nachdruck verboten.)

Zweihundert hat zum Holzstoß hingeleitet Ein heil'ger Mann, ein gottgewerhler Dichter, Deb süße Stimm' erklang, „trutz Nachtigall , Ein star.er Mann, der mutig dem Gelichter Des tollen Wahnes und der Grausamkeit Aus eig'ne Leibsgefahr entgegen trat; Dem Tartarusgezücht zum Geisterstreit Warf er den Handschuh hm mit kühner Tat Wer kennt nicht Friedrich von Spee, den Helden. Bon ibm wird rühmend die Geschichte melden. Sein Name wird tut spätesten Jahrhundert Gepriesen, seine kühne Tat bewundert. Bon der verfolgten Unschuld überzeugt, Rust Friedrich Spee gleich strafenden Propheten: | „Weh euch! Unschuld'gen Blutes Klage steigt Und steigt zum Himmel auf in Qual und Nöten. Weh euch, ihr blinden Könige und Fürsten! Ihr fragt um Rat und folget den Doktoren, Die, selber blind, nach fremder Habe dürsten, Gewiffensruh' und Ehre längst verloren! Weh! Deutsches Vaterland, was diese sagen Und lehren, ach! mußt blutend du ertragen." Ob des Propheten Haupthaar plötzlich bleichte. Den Krankenpfleger ftüh der Tod erreichte. Was er für Recht und Menschlichkeit gesprochen, Das hat der Wahrheit leuchtend Bahn gebrochen.

, Franz Seraphim

1.

Ter Ueberfall.

___Und da naht sich der Graus, Und flehet so grau und schattenhaft aus.

Goethe.

Heber bie Haide graute der Morgen. Bon den vereinzelten Bäumen fielen schwere Tmttropftn nieber Mtf das erste Frnhlingsgrim der Erde, nahen

wenn es in dieser zerrütteten Zett überhaupt noch etwas zu besingen gäbe." Er stopfte dem alten State vergnügt den Hals. „J t, du Braver begretsstes nicht daß dein Herr in diesen Tagen gewaltiger Kriegs not zwischen Mord und Totschlag und Stttenverwtlderung ohne Maß und ohne Grenzen noch Lust hat, Gott dem Heirn Lob und Preis zu singen. Du begreifst es nickt, daß kein Wort meiner deutschen Lieder die Stürme a nen läßt, welche unser Vaterland durch­toben. Ja, ja, du guter Brauner,, trotz aller: Nachti- gallen will ich auf gut poetisch süß und lieblichi fingen, eigenen Schmerz will ich nicht offenvaren, weil ta) nur ein anderes Ziel gesteckt habe — das Lcb und dem Preis der göttlichen Liebe. — Aber was fit dir mem Tier? Du reckst die Ohren und ich glaube gar, du scheust, ja du zitterst. Voran, voran, Atter/wir muffen ans unserem Posten sein! Meme zur Ktrche zuruckge- kebrten Kind.r warten daraiff, daß ich das hemge Opfer für sie darbringe, daß tch ihnen das Evangelium vom guten Hirten verkünde." ,

Wenn auch die hohen Tannenwipfel des Waldes, der unser» Reiter unlängst umfangen batte, von der Purpursonne wie in flüssiges Gold getaucht erschienen, so lagen dennoch tief unten die eben entfalteten Fächer des Farrenkrautes und das junge Gchrauch rmgs um­her unter den dunklen Fittigen der Dämmerung noch nebelhaft verborgen.

Da reitet es heran, gespenstig schnell und pul. Roß und Reiter grau in grau. Wie Fledermausflugel umflattert graue Gewandung den schelmenhasten Reiter. Da blitzt es auf. Ein Knall — der Braune bäumt sich und fällt zur Erde. .

Einen Augenblick zuckt es wie jähes Erschrecken über des Priesters Antlitz. Im nächsten Moment aber klopft er lächelnd den Hals des Tieres.

„Empor, empor, mein alter Freund! Die Rugel ging fehl, ich sah es. Wer wird sich von Furcht nber-

„Das Zureden hilft; das briwe.Roß sich wieder auf die Beine und beginnt Reißaus zu nehmen.

HMaerM Zeitung

ML. woch°nbeii°gk: „Zllustriette Zonntagrzeitung"' „Mdaer GeschiäMStter".