39. Jahrgang.
flllda, Dienstag, den 1. September 1903.
hauptnicht vorhanden war, hetzte die .Volksstimme^ und
Zweites Blati
Literarisches ■■
Gurgel brachte.
Oft — aber nicht immer — tragen überhaupt Pferde zum Gewinn einer Wette bei. Ein bayerischer Landmann z. B., der die ihm von seinem Nachbar angebotene Wette, derselbe werde zu Fuß gehend ftüher an einem bestimmten Orte eintreffen, als jener hoch zu Roß, unbedenklich und siegesgewiß annahm, mußte erfahren, daß selbst dem flinksten Roste nicht zu trauen ist, wenn es Gewohnheiten und Eigenschaften besitzt. Anfangs ging alles gut und der Fußgänger blieb weit zurück, allein als der Reiter an den Wirtshäusern vorüberkam, wo er sonst Einkehr zu halten pflegte, hatte er seine liebe Not mit dem Pserde. Es wollte überall hinein, und bei den Anstrengungen, das „Gewohnheitstier" weiter zu bringen, verlor der Reiter soviel Zeit, daß der Fußgänger die Wette glänzend gewanm
Noch komischer ist eine Wette, die ein sehr beleibter Herr mit einigen schlanken ihn seiner Schwerfälligk it wegen verspottenden Herren einging. Er behauptete, daß ihn im Laufe Niemand überholen könnte, falls er die Rennbahn wählen dürfe und er einen kleinen Vorsprung erhalten würde. Er gewann dadurch, daß er zum Schauplatze des Wettlaufes einen fchmalen Gang ersah und diesen mit seinem Körper so vollständig ausfüllte, daß niemand an ihm vorüber konnte.
Sieht er doch den Gegner seiner Ansichten oder Behauptungen gewissermaßen besttaft und erhält Genugtuung dafür, daß man fein Wort, seine Voraussicht oder Leistungsfähigkeit auf diesem oder jenem Gebiete nicht gelten lassen wollte, kurz ein kleiner Triumph ist die natürliche Folge jeder gewonnenen Wette. Freilich wird derselbe nicht immer unter dem Beifalle, sondern häufig unter dem Gelächter der Welt gefeiert; denn unter 100 Wetten befinden sich mindestens 50, welche entweder ihres Gegenstandes oder der vereinbarten Bedingungen wegen närrisch sind.
Und in der Tat, es gehört viel dazu, ernst zu bleiben, wenn einer für seine bestrittene Behauptung, daß die Würste aus dem Grunde schief geschnitten werden, weil die Messerklingen durch die senkrechte Führung allzu sehr leiden würden, 10,000 Gulden einsetzt; oder wenn ein anderer wettet, allen gewohnten Bequemlichkeitendes Lebens auf die Dauer von 6 Monaten entsagen zu wollen, wenn seine Ansicht, daß Sokrates deshalb nicht aus dem Kerker entflohen sei, weil er den Tod der Gemeinschaft mit feinem bösen Weibe vorzog, von den Gelehrten als unrichtig befunden werden sollte. Leider haben die letzteren das ihnen zugedachte Schiedsrichteramt abgelehnt, und so sind beide Wetten bisher unentschieden geblieben.
Die Wittwe eines seine Ruhe und Gelassenheit rühmenden Wiener Bürgers aber, daß ihn niemand so wen bringen könne, seinen Freunden eine Ohrfeige zu geben, ist zum Schaden desselben ausgetragen worden; denn er hat, als ihn sein Freund und Partner nach verschiedenen kleineren und größeren Reizungen endlich in einem Kaffeehause beim Kellner als Gebäckdieb denunzierte, die für unmöglich gehaltene Ohrfeige wirklich verabreicht.
Dagegen gewann der Marquis d'Osmana eine über 2000 Franks abgeschlossene Wette, die dahin ging, um Mitternacht mit verbundenen Augen von der Place de la Concorde nach der in der Avenue des Bois de Boulogne gelegenen Villa Seid zu gehen, glänzend. Diese Wette war an sich gewiß nicht besonders heiter, allein der Umstand, daß dem mit ausgebreiteten Armen vorantastenden Marquis in aller Stille und im Gänsemarsch etwa 50 Personen, sowie viele Wagen folgten, drückte ihr den Stempel des Komischen auf. Ueberdies lebte man damals gerade in der Zeit der Boulanger- und Staatsstreichfurcht, und nichts war daher natürlicher, als daß der seltsame Zug von der Wache beim Palais Elysoe für eine Bande Verschworener gehalten und „gestellt" wurde, worauf es erst nach längeren Verhandlungen gelang, die Erlaubnis zum Weitergehen zu erwirken.
Bei der Wette zweier jungen deutschen Gelehrten, ob der Ausdruck „gegessen" oder „ge- effen" der Reinheit der deutschen Sprache entsprechender sei, ergaben sich zwar keine derartigen Hindernisse, doch waren weit ausgreifende For- fchungen im deutschen Wort und Sprachschatze notwendig, um festzustellen, daß diejenigen, welche sich des ersten Ausdrucks bedienen, im Rechte seien.
Ein Oss zier wettete einmal im lustigen Kreise, trotzdem der Rebensaft bereits in Strömen geflossen, doch noch im Stande zu sein, mit einem „Kameraden" einen Eimer Bier in kürzester Frist zu leeren. Doch müsse man ihm gestatten, den Kameraden herbeizuschaffen. Dies wurde erlaubt, und der Offizier kam mit seinem Pferde wieder, das, da es vorher Salz geleckt hatte, den Inhalt des ihm vorgesetzten Eimers sehr rasch durch die
Das wetten.
6ine heitere Plauderei.
Ums Wetten ist es bekanntlich, besonders für den gewinnenden Teil, eine sehr schöne Sache.
eine Firma „Teufel, Himmel und Co."
der Leutnant. „1
sonderen physiognomischen Kenntnisse, um zu erkennen, daß Sie, Herr Oberst, den Schmerz, welchen Ihnen Ihre alte Wunde am Fuße augenblicklich verursacht, hinter einer lächelnden
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3.ätoÄ«. wochmb-iiage:„IllustrierteSonntagrzeitung
ging der bekannte Lexikograph Johnson zu Lv°-ke, als er einst wettete, er wolle eine Fischfrau auf's Höchste erzürnen, ohne em Wort zu sagen, das sie verstehen würde. Wie fing das nun der Gelehrte an? Zunächst deutete er einer Fischverkäuferin durch Geberde an, ihre Fische befänden fich in emem Zustande, dessen Geruch keine menschliche Nase erttagen könne; dann aber, als ihn die Frau derb anfuhr, sagte er: „Sie find ein Artikel, Madame. „Sie sind selber einer," erwiderte die Alte. — „Sie sind selber ein Nominattv," fuhr Johnson fort. — „Sie ... Sie .. . Sie . . ^' stotterte die Frau in ihrer Wut, um das rechte Wort verlegen. - „Sie sind ein Pronomen, em Verbum, ein Adjettiv," sagte der Gelehrte. „Em solches Adverbium habe ich noch nicht gesehen!
Das war „zu viel" für die arme Frau! Sie sank bei ihren Fischen halb ohnmächtig nteber und weinte vor Wut darüber, daß man ihr solche „Schimpfwörter" an den Kopf geworfen
4 Mk. 60 Pf. Es handelte fich in der Hauptsache um Abstellung mehrerer Beschwerden hinstchtttch der Akkordarbeit und um Gewährleistung eines Mmimallohnes. Bevor eine Verständigung erzielt war. Lat am 17. Juli der größte Teil der Schmiede (ca. 170) unter Bruch der Kündigungsfrist in Ausstand Eine daraufhin von der Firma unter Zuziehung von fünf Arbeitern eiuge» setzte Kommission unterzeichnete am 31. Juli ein Protokoll, in welchem die bisherigen Lohnsätze festgestellt und die Nachprüfung der Akkordbedingungen zugesagt wurde, vorausgesetzt, daß die Schmiede zunächst die Arbeit wieder aufnahmen. Das geschah leider nicht, weil der Terrorismus der sozialdemokratischen Gewerkschaften und die blindwütige Hetze der sozialdemokratischen .Volksfiimme' eine Aufruhrsttmmung hervorgerufen hatten. Da die Firma einen Einigungsversuch durch das Gewerbegericht für aussichtslos hielt, proklamierten die Haupträdelsführer, selbstverständlich sozialdemo- krattsche Gewerkschaftler und einflußreiche „Ge- nofien", aut 7. August den Generalausstand. Es legten trotzdem nur die Hälfte aller Arbeiter die Arbeit nieder, — natürlich abermals ohne Kündi-
habe.
Auf recht schlaue Weise gewann ferner «n — —— Aerr in Vetersbura die Wette, mit der Pserde- die »Zentral - Streikkommission" mit unerreichbarer bobn eine arösiere Strecke sich fahren zu lasfen, Brutalität gegen die Arbeitswilligen. Schließlich be- vayn eine größere ©neae juv an» quemte man sich angesichts des vollen Mißerfolges doch ohne zu bezahlen oder von einem dazu, die Vermittelung des großh. Fabriktnspettors
zahlen zu lasfen. Beim Bezirksgerlchtsgevauoe Bittmann anzurufen. Nach eingehender Prüfung mit seinem Gegner einsteigend, überreichte er bet Sachlage hat dieser unterrn 25. August eine Er- nämlick dem Schaffner behufs Begleichung des klärung abgegeben, die den frivolen Leichtsinn der zum hotrnnpnbpn Kabrvreises einen Ausstand Hetzenden geradezu als abschreckendes Bersprel sechs Kopeken betragenden Fayrp j an den Pranger stellt. Er erklärt alle gegen die Firma
Hundertrubelschem. Der Schaffner hatte namr- £anJ erhobenen Anschuldigungen für grundlos und ver- lich nicht qenug Kleingeld, der Herr mußte den arteilte die unter Vertragsbruch vollzogene Arbeits- Waaen verlassen, worauf er den nachfolgenden niebeilegung. Nachdem die Firma zugesagt hat, von 7~fJL orVofifo nnh nachdem sich der den streikenden Schmieden die Halste und dre übrigen
befheg, dasselbe erlebte und, nach s ry Ausständigen nach Bedarf des Betriebes wieder einzu- Vorgang tn noch sieben Wagen wiederholt harre, stellen, hat eine am Donnerstag abgehaltene Versamm« am Ziel war, ohne eine Kopeke bezahlt zu haben. [un0 der Streikenden mit Vierfünftel Mehrheit „den Aber was will diese Schlauheit gegen die Streik für beendigt erklärt. Der ungewollte Erfolg Äver was wru. uwje» » . milb feht/ ba| Ca. 500 Arbeiter ihre gesicherte Existenz
jenes russischen Leutnants b s g , verloren haben. Den Dank dazu haben die Familie»
ganzen Gouvernement berühmt und gefurchter ausschließlich den sozialdemokratischen Hetzern abzuwar, weil er alles zum Gegenstand einer Wette statten. Die christlichen Gewerkschaften haben vergebens zu machen gewohnt war, und immer gewann? zum Frieden gemahnt; sie waren indeß noch zu jung s°,hZ.d« - “.SSXÄ £S Leutnant, zu einem andern Regtmente versetzt. Mannheimer Zentrumsblatt, das alle billigen Forde- Der Ruf seines Glückes war ihm natürlich schon rungen der Arbeiterschaft vertrat, aber von dem Un- vorausqeeilt, und bei dem ihm zu Ehren von heil eines allgemeinel Ausstandes eindringlich„warnte, „omMfirtUp+pn Akiendeffen fraate wurde von der ,Bolks tlmme' als „Vollsverraterdlattt den Kameraden veranflaltetni Avenveisen fragte Beschimpfungen überschüttet. Heute wird dem ihn fein neuer Oberst, ob es wirklich wahr sei, gentr ums blatte in einer längeren Zuschrift aus Av- daß er jede Wette gewinne, und rote er das beiterfreifen bescheinigt, daß es in jedem Punkte Recht anstelle behalten hat.
„Ich bin Physiognomiker und wette nur, . * Teufel Himmel »ub Co In Davos machten wenn ich meiner Sache gewiß bin," erwiderte "" Bmke^etster Konditor
~ fipbarf es keiner be- Namens Himmel bei den Feuerungsproben «ne Er-
llebngens bevars es remer oe । ftnbung jm @ebicte des Rauchverbrennens. Da sich diese in Winterthur bewährte, schritt man zur Ausbeutung auf dem Patentwege und etablierte in Zürich
Der Rheinische Bolkskalender für 1904 mit Plauderstübch end er Badischen Vettern Verlag von Joh. Falk III. Söhne in Mainz. Preis 25 Pfg., unter Kreuzband 35 Pfg. franko. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Kalenderverkäufer.
Auch in seinem 27. Jahrgänge bringt der Kalender viel Schönes und Nützliches und in Wort und Bild vielfache Unterhaltung und Belehrung. Ein farbiges Einschaltbild (Der Schutzengel) und ein Preis-RebuS sind ihm wiederum beigegeben. Hübsche größere Erzählungen finden wir von Alinda Jacoby („In harter Schule") mit Originalzeichnungen von C. Goebel, sowie von Dr. Justus („Spät erreicht", eine Geschichte aus dem Schwarzwald) mit einem großen Bilde. — Unsere alten Freunde, die „badischen Vettern", plauder« diesmal über die Alkoholstage. — Dem Humor huldigen Joh. Frohwein in seiner lustigen Geschichte aus dem Elsaß („Ter Herr Wachtmeister"), sowie Christian Sturm in seiner Militär-Humoreske („Wörtlich ausgeführt"), mit den gelungenen Illustrationen von Dma. „Die Eisenbahnkatastrophe" von HanS Falken schildert ein Reiseerlebnis mit heiter« Ausgang. „Ein angenehmer Neujahrstag" in 12 Bildern versetzt uns in die fröhlichste Stimmung. Die RundschaN mit 29 Illustrationen, darunter auch das Porträt Sr. Helligkest Papst Pius X. und seiner Verwandten, hat vor vielen Kalendern den Vorzug, daß die wichtigsten Vorkommnisse in der katholischen Kirche dem Leser vorgeführt werden.
Iubiläumbeschlüsse der 50. Generalversammlung,
in den geschlossenen Versammlungen vom 24.-27.
August 1903 zur Annahme gelangt.
(Fortsetzung.)
Deutscher Verein vom hl. Lande.
Die 50. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands spricht Sr. Majestät dem deutschen Kaiser wiederholt ehrerbietigsten Dank aus für den dem Deutschen Verein vom hl. Lande gewährten kaiserlichen Schutz; sie dankt auch Sr. Exzellenz dem Patriarchen von Jerusalem, Msgr. Piavi, für die dem Vereine erwiesene Huld und Gunst. , ±
Die Generalversammlung nimmt mit Genug- tung Kenntnis von dem Fortschritte des Baues der Marienkirche auf dem Berge Sion; sie erkennt an, daß es für die deutschen Katholiken unbedingte Notwendigkeit ist, größeren Einfluß im hl. Lande zu gewinnen; sie empfiehlt daher den Beitritt zu dem genannten Vereine und die Unterstützung desselben durch reichliche Gaben, damit der Verein namentlich auch in die Lage versetzt werde, da§ vor dem Damaskustor in Jerusalem in Angriff genommene Pilgerhaus mit Schule baldigst vollenden zu können; die Generalversammlung wünscht insbesondere die eifrigste Anteilnahme an der Förderung dieses Baues, um den eignen, durch die großartigsten Anstrengungen anderer Religionsgemeinschaften und Nationen aufs äußerste gefährdeten Interessen der Katholiken Deutschlands nachhaltig und kraftvoll dienen zu können.
Canisiusges e lisch aft.
Die 50. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands empfiehlt, besonders im Hinblick auf die gegenwärtigen Angriffe auf Papsttum und Kirche, die von Papst Leo XIII. bestätigte und von mehreren deutschen Bischöjen gesegnete Ca- nisiusgesellschaft, welche zum Zwecke hat, die Verehrung und Nachahmung des fei. Petrus Canifius, des zweiten Apostels Deutfchlands, zu fördern und die Katholiken anzueifern, im Geiste dieses großen Glaubenshelden und National- heiligen für die katholischen Interessen allseifig tätig zu fein.
Im Besonderen empfiehlt die Generalversammlung auf Grund der päpstlichen Encykliken Militantis Ecclesiae und Praeclara et Safis cognitum die sehr zeitgemäßen Canisiuswerke:
1. Den mit Ablässen versehenen Canisius- verein für das katholische Deutschland zur Erhaltung der christlichen Schulen und zur Bewahrung des Glaubens und der Tugend in der Heranwachsenden deutschen Jugend.
2. Den vom Päpst Leo XIII. gesegneten und von zahlreichen deutschen Bischöfen empfohlenen Eanisiusgebetsverein, welcher zumZwecke hat, unter dem Schutze der Mutter vom guten Rate und des seligen Petrus Canisius für die Wiedervereinigung der deutschen Völker im wahren Glauben' allgemein zu beten.
Verband kathol. kauft«. Vereinigungen Deutschlands.
Die 50. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands anerkennt den Wert und die Wirksamkeit der kathol. kaufmännischen Vereinigungen auf ideellem und materiellem Gebiete und empfiehlt den Katholiken Deutschlands, insbesondere den selbständigen Kaufleuten, an» gelegentlichst, jene Vereinigungen tatkräftig zu unterstützen und zur Gründung neuer an geeigneten Plätzen mitzuwirken.
Windthorstbunde.
Die 50. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands erblickt in der Gründung von Windthorstbunden das geeignetste Mittel zur Bekämpfung der religiösen und politischen Gleichgiltigkeit der jungen katholischen Männerwelt. Sie empfiehlt daher nach dem Vorgänge früherer Generalverfammlungen die Gründung von Windthorstbunden überall dort, wo solche bis jetzt noch nicht bestehen, und empfiehlt namentlich den besser situierten, sowie vor allem den akademisch ge- blldete» jungen Katholiken, sich dem Windthorstbunde anzuschließen.
(Fortsetzung folgt.)
Miene verbergen."
„Unsinn," sagte der Oberst, „ich habe nie eine Wunde am Fuße gehabt. Sie wollen doch nicht etwa wetten, Naß ich mich täusche?" „Warum nicht?" sagte Schimanoff. „Ich setze 500 Rubel."
Der Oberst hielt die Wette, zog die Stiefel aus und ließ von einigen Kameraden feststellen, daß er völlig unverletzt sei. Der Leutnant hatte seine Wette somit verloren, bezahlte zwar gleichmütig, meinte aber ärgerlich, das Glück habe ihn verlassen, und wenn das die früheren Kameraden erführen, würden sie sich schön über ihn lustig machen. Natürlich hatte der Oberst nichts eiligeres zu tun, als an den früheren Regimentskommandeur Schimanoffs zu schreiben und triumphierend zu verkünden, daß er den Unbesieg- lichen besiegt habe.
Bald darauf lief die Antwort ein. Sie lautete: „Dieser Schimanoff ist des Tensels, lieber Freund. Er hat mit mir um 2000 Rubel gewettet, daß er Dich gleich am Abend seiner Ankunft zwingen werde, bei voller Offizierstafel die Stiefel auszuziehen nnd mir dieses Ereignis eigenhändig zu melden. Du hast gewonnen, ich habe verloren."
Da für den einen Teil bym Wetten stets Verlust, häufig aber Verdruß für beide Teile, und zuweilen sogar die Störung alter Freund- schaftsbeziehungen herauskommt, so enthält sich ein weiser Mann des Wettens, es sei denn, daß es sich um Scherzfälle handeln würde. Noch sei daran erinnert, daß gerichtlicheseits Wetten als Glücksspiele betrachtet werden, daher nicht einklagbar sind.
* vermischtes.
' Mannheim, 30. Aua. 1903. Mit welchem frivoleu Leichtsinn oft große Streiks ins Leben gerufen werden, zeigt der soeben durch bedingungslose Unterwerfung der Arbeiter beendigte Ausstand in der Maschinenfabrik von Heinrich Lanz tn Mannheim. Die Firma beschäftigt 2500 Arbeiter einschl.
der Beamten. Eine kleine Gruppe von Feuerschmieben lag seit längerer Zeit wegen Lohvdifferenzen mit der Direktion im Streit. Die Löhne sind im allgemeinen Sir geschulte Arbeiter hoch; bei den Schmieden betrug er Durchschnittslohn laut den anerkannten Lohnlisten
Reklamen- und Anzeigenteil, fe,
„HkMbng-Hkidk"
Mark 18 — per Meter, für Sloxfen und Roben. Frank» xnb schon verzollt ins Haus geliefert. Reich« Wnstev- auswahl »»gehend. Seiden-Fabrik Henneber» Zürich.
gung. Die Firma antwortete darauf mit der Aussperrung der streikenden Schmiede durch eine schwarze Liste bei den pfälzischen und benachbarten Industrien; sie wußte aber unter Einschränkung des Betriebes eine Anzahl größerer Aufträge zurückweisen. Obwohl eine Streikkasse für den Unterhalt von 1000 Arbeitern über-