30. Jahrgang
fUlda, Montag, den 31. August 1903.
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Gegenstand eingehender Verhandlung gewesen ist, Sie beklagt das Fortbestehen des angeführten Ministerialerlasses umsomehr, als die Gefahren, welche der studierenden Jugend, zumal in größeren Städten, in sittlicher und religiöser Beziehung drohen, mehr und mehr wachsen, und richtet an alle katholischen Männer und Väter Deutschlands die Aufforderung, mit allen gesetzmäßigen Mitteln aus die Beseitigung dieser veralteten rückständigen Kulturkampfsmaßregel hinzuwirken.
(Fortsetzung folgt.)
Philomena mit Sabetti „Wo ist Babette?" fragt sie
Fügungen.
Erzählung von A. Nhdolph.
47 ------ (Nachdruck verboten.)
„Aber bitte, gnädige Frau, sagen Sie mir nur, was hat es denn für eine Bewandtnis mit der Braut? k- s.______ 9«
den nämlichen Gründen, gefürchtet hatte, sei die „denkbar glänzendste Rechtfertigung des Bischofs Dr. Korum und die schärfste Verurteilung des Vorgehens derjenigen Kreise, welche den Trierer Schulstreit zu einem neuen Kulturkampf aufbauschen und gleichzeitig das System der Simultanschule fördern wollten. Das Blatt hätte also viel mehr Grund, dem Bischof für fein Vorgehen dankbar zu sein, als jetzt noch von seinem „berüchtigten" Vorstoße gegen die Simultanschule zu sprechen". Wenn die ,Kreuzztg/ hofft, die »Tägliche Rundschau' werde künftig mit ihr für die volle Wahrung der Kon- fessionalität der Volksschule eintreten, so überschätzt sie zweifellos die Unparteilichkeit dieser „unparteiischen" Zeitung. Für die protestantischen Schüler wird das Organ des evangelischen Bundes allerdings konfessionell - protestantische Schulen fordern, den Katholiken aber in liberaler „Toleranz" die S i m u t t a n s ch u l e aufzuzwingen bemüht fein, vorausgesetzt, daß diese in Wirklichkeit ebenfalls protestantisch ist.
ihr auch nachspüren? Sie hat sich ja jahrelang in den verschiedenartigsten Stellungen bewegt; sie soll sogar eine Zeit lang allein in der Residenz gelebt haben. Bedenken Sie, Frau Geheimrätin, allein! ein junges Mädchen, ohne Schutz. Sie mag wohl in dieser Periode «ich den Baron kennen gelernt gaben. Aber Sie wissen, man ist in diesem Punkte nicht mehr so streng, wie in unseren guten, alten Zeiten. Jetzt heiratet man flott Schauspielerinnen, Damen vom corpa de ballet n. s. w. Die Vergangenheit wird einfach ignoriert. Aber der Baron treibt es zu arg; er mutet es seinen Verwandten und Freunden zu, Jemanden bei sich empfangen zu müssen, der in unangenehme Berührung mit dem Gericht gekommen ist."
„Sie setzen mich in Erstaunen. Die junge Dame hat doch nicht etwa . . ."
„Sie selbst nicht, Frau Geheimrätin, aber ihr Vater. Ja, in der Tat, ihr Vater hat wegen Unter- schleife und Betrug im Zuchthaus gesessen."
„Das ist ja schrecklich! Ist es denn auch gewiß wahr?"
„So war wie ich hier in eigener Person mit Ihnen fpredje. Mein Gretchen, die den Baron in einer Gesellschaft kennen gelernt hat, erinnerte sich bei dem Namen seiner Braut sofort an den Prozeß, welchen Smit großem Interesse damals in der Zeitung ge
rn hatte."
„Wie konnten nur aber die Eltern des Barons ..." „Was fragen jetzt die Söhne nach den Wünschen
geopfert werden müssen. Es brachte eine geschichtliche Darstellung, wonach die staatliche simultane Mädchenschule eigentlich aus einer evangelischen Anstalt entstanden sei. Dieser Dar- stellung wurde selbst von protestantischer Seite in Trier widersprochen. Das Blatt brachte dann nochmals einen längeren Artikel, worin es seine Darstellung zu verteidigen bemüht war.
schwinden der evangelischen Mädchenschule völlig unschuldig sind und seine liberalen Freunde die Simultanschule eingeführt und die evangelische Mädchenschule vernichtet haben.
Diese historische Frage interessiert uns mdeß augenblicklich weniger als der Umstand, daß die Freundin der Trierer Simultanschule evangelischen Charakters und Mitkämpferin der liberalen Gegner desBischofsKorum, sich wiederum als b e g e i st e r t e Anhängerin der konfessionellen Schule entpuppt. Da heißt es, die Auflösung der evangelischen Mädchenschule sei der härteste Schlag gewesen, der die evangelische Gemeinde treffen konnte, schweren Herzens habe die evangelische Gemeindevertretung sich zu dem Opfer entschlossen, die Schule aufzugebeü. Seitdem, so wird weiter geklagt, gebe es in Trier keine evangelische höhere Töchterschule mehr, wogegen die Katholiken zwei höhere Töchterschulen hätten und nun auch noch । die simultaneSchule planmäßig katholisiert werden i solle, so daß die evangelischen Mädchen bald völlig heimatlos geworden seien.
Also die .Tägliche Rundschau', das Organ des evangelischen Bundes, verurteilt abermals das System der Simultanschulen. Um das nicht gar zu offen heroortreten zu lassen, stellt sie sich an, als sei sie nur entrüstet, daß die „Römischen" dank der Nachgibigkeit der Regierung mit ihrem Vorstoß gegen die Simultanschule allzu viel Erfolg hätten und diese Schule katholisierten, aber damit kann es doch nicht vertuschen, daß es für die protestantischen Mädchen eine protestantische Schule haben will; wenn diese Schule simultan genannt wird, so hat es nichts dagegen, solange sie nur in Wirklichkeit evangelisch ist. Aendert sich das aber, kommen auch die Katholiken an dieser Schule einigermaßen zu ihrem Rechte, dann wird das Blatt wild und verdammt die Simultanschule.
Wir stimmen ihm in der Verurteilung dieser Schule und in dem Verlangen nach konfessionellen Schulen selbstverständlich durchaus zu. Rur stellen wir die ihm allerdings unverständliche Forderung: was für die Protestanten recht ist, muß für die Katholiken billig sein. Wollen die Protestanten keine Simultan- 1 schule, bei der in Unterricht, Schulbüchern, Lehrpersonal auf die katholische Mehrheit der Schüler Rücksicht genommen wird, so soll man den Katholiken auch nicht zumuten, daß sie sich mit einer Schule einverstanden erklären, die in diesen Dingen ganz einseitig auf die protestantische Minderheit Rücksicht nimmt. Mit Recht sagt die ,Kreuzztg.', die Darstellung der,Tägl. Rundschau', die jetzt vom evangelischen Standpunkte aus das nämliche fürchte, was seinerzeit Bischof Korum vom kathol.Standpunkte aus, und zwar aus
Der Zug hielt; die Türe wurde aufgerissen; der Sckaffner meldete mit lauter Stimme die Station.
Babette war jäh aufgefahren und beeilte sich, das Handgepäck zusammenzuraffen, während Lisbeth mehr einer Todten als einer Lebenden gleich aus dem Wagen schwankte. Sie begab sich in das Damenzimmer des Bahnhosgebäudes; es war um diese Stunde leer; vollständig betäubt ließ sie sich auf einen Divan nieder und schlug den Schleier zurück.
Babette wich erschrocken zurück vor ihrem ganz verstörten Aeußeren. Ehe sie aber noch etwas sagen konnte, schellte Lisbeth nach dem Kellner und befahl, ihr das nötige zum Schreiben zu bringen.
Bald lag ein Briefbogen vor ihr und mit fieberhafter Elle flog die Feder über das Papier. Jetzt galt kein Zögern mehr; je eher, je besser.
Ihr Pfad lag unbarmherzig vor ihr. Sie schrieb der Baronesse; fie teilte ihr alles mit; sie sprach sich offen aus über die inneren Kämpfe, welche sie durch- gemacht hatte; fie sagte ihr, daß sie endlich das rechte | eingesehen habe und auf eine Verbindung mit Paul verzichte.
Ihr Schmerz, ihr qualvoller Seelenzustand, ihr Opfermut, ihre heroische Entsagung war deutlich in den Zeilen ausgedrückt, welche fie an die Baronesse adressierte.
„Ich hatte bestimmt die Absicht, zu Schwester Phllomena zu gehen, aber jetzt sehe ich ein, ich muß mich für einige Zeit jedem Einflüsse, der mich wankend machen könnte, entzichen. Ich fühle meine Schwäche, die mich meiner Pflicht abwendig machen könnte. Paul darf ich nicht mehr sehen. Lassen Sie nur eine kurze Zeit verfließen, meine edle, mütterliche Freundin, damit ich ruhiger, stärker werde. Ich kehre dann zurück, um aus Ihrem Munde mein Urteil zu vernehmen. Zürnen Sie meinetwegen nicht meinem Bruder. Wenn ich jetzt nicht meine Adresse angebe, geschieht es nur, um mich dem liebevollen Drängen ihres Edelmutes zu entziehen. Ich lege keine Zelle für Paul bet; ich darf
Iubiläumsbeschlüsse der 50. Generalversammlung, in den geschlossenen Versammlungen vom 24.-27.
August 1903 zur Annahme gelangt. (Fortsetzung.)
Römische Frage.
Die 50. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands begrüßt in Ehrfurcht und Liebe den neugewählten Papst Pius X. Sie vereinigt rhre Gebete mit den Gebeten des ganzen katholischen Erdkreises, daß der allmächtige Gott seine Regierung zu einer recht langen und gesegneten werden laffe, und verspricht ihm, mit derselben katholischen Treue ihm zu folgen rote allen seinen Vorgängern auf dem Stuhle des hl. Petrus in Rom.
Sie kann es nicht unterlassen, auch bei dieser Gelegenheit Einspruch zu erheben gegen die Lage des hl. Stuhles in Rom seit dem Jahre 1870. Die deutschen Katholiken wie alle übrigen Katholiken der ganzen Welt können, eben weil sie Katholiken sind, nicht das Verlangen aufgeben, daß ihrem höchsten Oberhaupte die notwendige Unabhängigkeit und die wirkliche Freiheit voll und ganz wiedergegeben werde, welche die unerläßliche Bedingung für die Freiheit und Unabhängigkeit der katholischen Ktrche ist.
Peterspfennig.
Die 50. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands empfiehlt aufs neue und dringlichste die Sache des Peterspfennig mit der St. Michaels- Bruderschaft.
Mehr denn je ist der heilige Stuhl auf die materielle Hilfe der Katholiken angewiesen. Hat doch das glorreiche Pontifikat des in Gott ruhenden Papstes Leo XIII. 2 Patriarchate, 13 Erzbistümer und 140 Bistümer geschaffen, die größtenteils nur auf die Fürsorge des heiligen Vaters angewiesen sind
Ueberhandnehmen der Festlichkeiten.
In der Erkenntnis, daß durch ein Ueberhandnehmen der Festlichkeiten, die sich zudem auch oft zu glanzvoll und ausgedehnt gestalten, einerseits die Vergnügungssucht noch mehr gefördert, andererseits ein gutes Familien- und Vereinsleben nur zu leicht beeinträchtigt wird, richtet die 50. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands an die katholische» Kreise die Bitte, demgegenüber auf eine Verminderung und Vereinfachung der Festlichkeiten hinzuwirken. Bei der hervorragenden Bedeutung der katholischen Studentenkorporationen werden diese ersucht, hierin mir gutem Beispiel voranzugehen. Zulassung Marianischer Gymnasiasten- kongregationen.
Die 50. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands drückt ihr lebhaftes Bedauern darüber aus, daß der Ministerial-Erlaß vom 4. Juli 1872, wodurch den Schülern höherer Unterrichtsanstalten die Teilnahme an religiösen Vereinen, besonders an Marianischen Kongregationen verboten worden ist, noch immer in Kraft besteht, obgleich die Angelegenheit bereits zweimal im Preußischen Abgeordnetenhause
I Vorkämpfer der konfessionellen Schule wider willen.
Schon im letzten Frühjahr, als die Wogen 1 der Aufregung über die Trierer Schulfrage in allen „antiultramontanen" Kreisen sehr hoch fingen, brachte die ,Tägliche Rundschau', fie trotz ihrer angeblichen Vornehmheit und wissenschaftlichen Unparteilichkeit mit dem,Reichsboten' um den Preis in der konfessionellen Klopffechterei ringt, einen zornigen Artikel gegen Bischof Korum und die Regierung, wo sie wider Willen zur begeisterten Lobsingerin der konfessionellen Schule wurde. Der ganze nationalliberale Lärm, in den das Blatt überlaut einstimmte, war doch dadurch heroorgerufen, daß Biscbof Korum gegen die Simultan-Mädchenschule war.
Nachdem die Regierung nun gewisse Mißstände an dieser Stelle anerkannt und Anordnungen getroffen hatte, durch die der simultane Charakter der Schule, entsprechend der Mehrheit der Schülerinnen deutlicher gekennzeichnet und ihr einseitig evangelischer Charakter abgeschwächt wurde, während der Bischof fein Widerspruch gegen die Aufstellung eines katholischen Religionslehrers aufgab, da jammerte die »Tägliche Rundschau' herzzerbrechend über diese Parität. Da verlangte sie, daß für die protestantischen Mädchen eine konfessionelle höhere Schule eingerichtet werde, denn es sei unerhört und unerträglich, daß diese Mädchen den Geschichtsunterricht von nur katholischen Lehrerinnen erhielten, daß in den Schulbüchern spezifisch protestantische Ansichten usw. (ebenso wie spezifisch katholische natürlich) unterdrückt werden sockten usw. So lange die katholischen Schülerinnen, obschon sie die große Mehrzahl bildeten, den Geschichtsunterricht von protestantischen Lehrerinnen erhielten, die Schulbücher stark protestantisches Gepräge tragen usw., so lange hatte das Blatt an der Simultanschule alles in bester Ordnung gefunden. Als aber mildem simultanen Charakter Ernst' gemacht und die dem Namen nach simultan, in Wirklichkeit aber evangelische Schule simultan werden sollte, da fand man auf einmal, daß die Simultanschule nichts tauge, d. h. für Protestanten nicht, son- dern eine konfessionelle Schule verlangt werden müsse.
Neuerdings hat sich das Blatt wiederum mehrfach mit der Trierer Schulfrage beschäftigt. Er klagte bitter, daß die blühende protestantische Mädchenschule s. Zf. der Simultanschule habe der Eltern! Und in diesem Falle nun noch besonders hat der alte Baron gar keinen Einfluß. Sein Sohn ist vollständig unabhängig. Er besitzt jetzt schon ausgedehnte Sänbereien, die ihm durch Erbschaft zugefallen sind, und m ßerdem kann ihm nichts entzogen werden, da er, als Nettester, Majoratserbe ist. Aber eine Schuld trifft doch den alten H«rn. Wie konnte er zugeben, daß sich sein Sohn so ganz zum Sonderling ausbildete! Eine so reiche, alte Familie! Und der älteste Sohn, statt eine Zeit lang in der Armee zu dienen oder ein hohes Staatsamt zu bekleiden, wird einfach Gelehrter, Doktor der Philosophie. Denken Sie, ein so vornehmer Mann, und er soll oft nur Dr. Eggenberg unterzeichnen. Studieren, als hätte er das nötig! In der Wett Herumreisen, anstatt sich in unseren Salons zu bilden! Ich kenne ihn nicht per. sönlich, aber es ist nur anzunehmen, daß er durch seine Lebensweise sehr verwildert fein mag und alle möglichen niedrigen demokratischen Grundsätze mit nach Hause gebracht hat."
„Ah, c’est affreux!1- klagte die Frau Geheimrätin. „Daß aber auch die Person so frech ist, sich in eine so edle Familie drängen zu wollen."
„Liebste Freundin, wenn man das durchgemacht hals wie dieses „Fräulein", bleibt nicht viel Schamgefühl zurück."
„Der arme Baron! Jetzt ist er freilich von der Leidenschaft verblendet, aber wenn ihm erst nach den Flitterwochen die Augen aufgehen werden, wird er ja namenlos unglücklich werden."
„Das meine ich auch; das sagen alle. Denken Sie nur, Frau Geheimrätin, wie ihm das gefallen wird, wenn er bei feinen Besuchen mit der jungen Frau nie eine Herrschaft antreffen wird. Ich bin überzeugt, er schießt sich zuletzt noch eine Kugel vor den Kops, wenn er es nicht vorzieht, wieder seine außereurvpäi- scheu Wanderungen anzutreten und zu sehen, ob seine Frau bei den Wilden mehr Glück hat."
„Die Person ist wohl sehr schön . . .?"
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J. wochmbeiiage: „Illustrierte Sonntagszeitung"
Berlin, den 29. August 1903.
§ Zu der Kölner Katholikenversamm- lnng schreibt die ,Nordd. Allg. Ztg.':
„In hervorragendem Maße ist das öffentliche Interesse in der vergangenen Woche von dem in Köln abgehaltenen 50 Katholikentage gefesselt worden. Der Verlauf dieser Jublläumsversammlung war glanzend, sowohl was bte Zahl der Besucher und bte festlichen Veranstaltungen anlangt, als was die Liste der Redner und die Aufnahme ihrer Ausführungen betrefft. Dte Organisation des Zentrums, die Stellung seiner Führer und die Treue der Massen seiner Anhänger gelangte so zum Ausdruck, daß, lediglich von der polrtrschen Seite betrachtet, eine andere bürgerliche Parier diesem Katholikentage schwerlich etwas Gleichwertiges zur Seite zu setzen vermag. Angenehm berührte vor allem die Zurückweisung jeden Einflusses konfesstoneller Zer- Mittelung auf das politische Leben und die Betonung der patriotischen Gesinnung aller Teilnehmer der Versammlung. Diese Seite des Jubiläums Katholrkentages trat besonders bedeutsam in den Ansprachen des Erzbischofs von Köln, des Kardinals Dr. Fischer, rn bte Erscheinung, und die Bemerkung des Kardrnals, daß der ein Verräter am Vaterlande sei, der rn diesen r ernsten Zeiten, wo der Geist des Umsturzes an der Zerstörung von Thron und Altar arbeite und am Lebensmark unseres Volles nage, die konfessionelle Spaltung erweitere und diese beklagenswerte Kluft, die mitten durch das Herz der Nation gehe, zu eener noch mehr klaffenden machen wollte, verdient, weit über die Kölner Katholikenversammlung hinaus gehört zu werden."
Schließlich erklärt die ,Nordd. Allg. Ztg.', daß sie den vor einigen Tagen schon von uns roiedergegebenen Ausführungen der,Kreuzzeitung' Über die Katholikenverfammlung „durchaus zustimme". Inzwischen bringt die ,Kreuz- zeitung' eine weitere Besprechung der Versammlung. Sie schreibt:
„Wir haben am Beginn der Woche unseren Lesern über den Eindruck Rechenschaft gegeben, den bte Berichte über die Verhandlungen des ersten Sttzungstages aus uns gemacht haben. An diesem Eindrücke ist durch
I nicht an ihn denken, sonst bricht mir das Herz. Ich möchte bitten, er soll mir nicht zürnen; aber wenn er zürnt, wird er sich weniger betrüben."
Lisbeth hatte geendet. Sie übergab Babette den Bries. Die Kammerfrau wollte fie an den Wagen begleiten; Lisbeth lehnte es ab. „Wir bleiben bte halbe Stunde, welche Sie zu warten haben, zusammen. Ich bin ermüdet; meine Abfahrt drängt nicht; ich rube mich erst aus und trinke mit Ihnen den Tee, meine Liebe.
Eine halbe Stunde später saß Babette in dem Zuge, der sie nach der Heimat zurückfübrte, und Lisbeth begab sich an den Schalter und löste em Billct nach der Residenz.
22. Kapitel. Schluß.
Tie grünen, halb geschlossenen Jalousien ließen den goldenen Sonnenstrahl nur gedämpft in das Zimmer fallen, in welchem Lisbeth auf schneeweißem Lager ruht. Ihr Gesichtchen ist etwas magerer geworden, aber auf den Wangen liegt ein zarter rosiger Schimmer, und die Augen blicken munter, mit erstaunt fragendem Blick umher. Sie haften zuletzt auf der Gestalt einer barmherzigen Schwester, die am Fußende des Bettes fitzt und in eifrigem Gebete die Perlen des Rosenkranzes durch ihre Finger gleiten läßt. Jetzt hat sie einen Absatz vollendet; sie blickt auf und sieht mit Freuden, daß ihr Pflegling zum Bewußtsein erwacht ist; sie liest aber auch schon die Frage aus den Augen, j auf den Lippen, und kommt ihr eilig zuvor, die Kranke zur größten Ruhe mahnend. Sie erzählt ihr, daß sie am Billetschalter ohnmächtig niedergestürzt ist, daß man fie nach dem Kloster gebracht und daß sie yer vierzehn Tage in heftigem Nervenfieber ohne Bewußtsein gelegen hat.
Lisbeth sucht ihre Gedanken zu sammeln; >hr Kopf ist noch so schwach. Es schwebt ihr nur dunkel vor, I daß sie in der Nacht gereist sei, ja richtig, zu Schwester