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30. Jahrgang

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Lisbeth hütete sich sorgfältig, ihre Gedanken der

ihr Glück war, umsomehr fühlte sie sich verpflichtet, es zu opfern. Ihre Antworten an Paul waren von inniger Liebe durchweht; aber es schwebte über ihnen ein Hauch tiefer Melancholie, den sich der Baron als

Die Eltern haben keinen Groll gegen Dich tu bte Ewigkeit hinübergenommen; sie liebten Dich bis ans Ende. Und Gott wird Dir verzeihen, wie Er fa uns allen seinen sündigen Kindern Gnade erweist, wenn wir die Schuld bereuen."

„Sprich nicht weiter, Lisbeth. Reue ift für mich Verzweiflung." , „ c

Hubert lehnte sich erschöpft auf dem Lehnstuhl zurück, welchen er inne hatte; ein heftiger Hustenanfall erschütterte seinen schwachen Körper.

Elisabeth konnte ihr Auge gegen die immer deut­licher ausiretenden Symptome seines unheilvollen Leidens nicht mehr verschließen und wurde jetzt öfter wie je von dem Gedanken gequält, ihr Bruder könnte einmal Plötzlich mitten in seinen Sünden vom Tode hinweggerafft werden. Sie sah, daß die Hoffnung, die Freude über ihre Verlobung werde seine Bekehrung herbeiführen, trügerisch gewesen war. Es gab Stunden, wo sie ihres Glückes vergessen und sich den trübsten Gedanken hingeben konnte. Der traurige Seelenzustand ihres Bruders war ein Stachel in ihrem Herzen, welches außerdem noch unter seinen eigenen Skrupeln

So lange der Baron anwesend war, hatte kein Bedenken ihr junges Glück getrübt; nun aber mit seiner Abwesenheit stteg alles, was er widerlegt oder niedergehalten hatte, zuerst leise und schwach, dann nach und nach stärker werdend in ihrem Herzen wieder auf. Sie fing an, sich Vorwürfe zu machen, daß sie ihrem Borsatze untreu geworden war, daß sie im Egoismus der Leidenschaft das Lebensglück Pauls, den sie so innig liebte, in Frage gestellt hatte.

„Ich durste nicht einwMgen," sagte sie zu sich selbst. „Ich trage eine schwere Schuld, daß ich chm meine Gefühle verriet. Jetzt glaubt er, daß er der Meinung der Welt wftd trotzen können, ohne davon verwundet zu werden, well er die Demütigungen nicht kennt, welche damit verknüpft find. Ich aber kenne sie; ich habe die Erfahrung; rch mußte es verhindern, daß ihm sein Edelmut zur Quelle vieler Leiden wird."

[] „Reichsfiimnzreform" und neue Steuern.

Weder aus der dieser Tage von der Presse wieder hervorgesuchten Reichstagsrede des da­maligen bayerischen Bundesbevollmächtigten Frhr. v. Stengel, noch aus der Unterredung, die er neuerdings mit einem Journalisten hatte, läßt sich mit Klarheit ersehen, welche Pläne der neue Reichsschatzsekretär hat. Man sieht nur, daß er die Reichsfinanzreform, die Sanierung desReichs- invalidenfonds und der Schuldentilgung sich zur Aufgabe gemacht und neue Steuern dazu in Aussicht genommen hat. Alles nähere bleibt un-1 bestimmt. .

Verschiedentlich hat man aus fernen Worten geschloßen, daß er mit der Reichsfinanzreform einen andern Weg einzuschlagen gedenke, als Herr v. Miquel tat. Dieser verlangte bekanntlich neue hohe Steuern, um die Reform durchführen zu können. Frhr. v. Stengel scheint dagegen zuerst die Regelung des Finanzverhältniffes zwischen Reich und Einzelstaaten vornehmen und die Be­antwortung der Frage, ob und welche neue Steuern dazu notwendig sind, einem späteren | Zeitpunkte vorbehalten zu wollen. Sagte er doch ausdrücklich, man müsse erst die Wirkung des neuen Zolltarifes abwarten, ehe man die St.'uer- frage in Angriff nehmen könne.

Das bestärkt uns in dem Verdacht, daß die neue Militärvorlage ganz erhebliche Mehrausgaben zur Folge haben wird. Die Einzelstaaten, die das schon wissen werden, haben nun vor allem das dringende Verlangen, die eigenen Finanzen zunächst einmal vor den Folgen dieser Vorlage zu sichern. Daher zuerst „Reichs- stuuazresorm". Sind ihre Verpflichtungen dem Reiche gegenüber streng abgegrenzt, dann kann es ihnen ja ziemlich gleichgiltig sein, was die Heeres- verstärkung kostet.

Vielleicht denkt der Reichsschatzsekretär auch sich die Sache wesentlich zu erleichtern, wenn beider „Reform" von neuen Steuern gar nicht die Rede ist. Die Erfahrung, daß das dicke Ende nach­komme, hat der Reichstag aber nur zu hand­greiflich gemacht, als daß er sich noch mit schön­färberischen Versicherungen beruhigen oder die Frage nach den nachfolgenden Steuern ganz unterlassen könnte. Wenn es nicht mehr möglich ist, sich zur Deckung der Bedürfnisse des Reiches an Re Matrikularumlagen zu halten, so werden neue Steuern ganz unvermeidlich sein. Wir brauchen einstweilen gar nicht zu erörtern, ob und welche neuen Steuern beim Reichstage durchdringen könnten, weil wir noch nicht glauben, daß die Reichsfinanzreform, in dem Sinne

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Druck und Verlag der ZuldaerActiendruckere' in Zulda (Harmonie!

5ernsprecher Nr. 9.

genoffen in überwiegend andersgläubigen Ge­genden zu Hilfe kamen und den Heiden das Licht des Glaubens vermittelten, mahnt auch die 50. Generalversammlung, vom gleichen Geiste der Bruderliebe getragen, die Katholiken Deuffch- lands, auch weiterhin der Diaspora und der Missionen sich anzunehmen, um als echte Jünger des Herrn durch Unterstützung jeglicher Art mit­zuarbeiten an dem großen Werke, zu dem der Sohn Gottes durch seine Menschwerdung den Grund gelegt hat.

Wissenschaft.

Die 50. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands übernimmt dankbaren Sinnes die wissenschaftliche Erbschaft ihrer Vorgänger­innen, verspricht, das heilige Feuer der Wissen­schaft zu hüten, und wendet sich an alle deutschen Katholiken mit der Bitte, die wissenschaftltchen Bestrebungen im katholischen Deutschland aus­dauernd und tatkräftig zu unterstützen.

Literatur und Presse.

Die 50. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands blickt voll Anerkennung aus den Einfluß zurück, welchen ihre Vorgängerinnen auf die Entmickelung der Literatur und Presse aus­geübt haben, beglückwünscht sie zu den Wohl­taten, welche sie dadurch dem gesamten katho­lischen Deutschland erwiesen haben, und erhofft von feiten der deutschen Katholiken, daß sie, der großen Bedeutung dieser beiden Faktoren des öffentlichen Lebens stets eingedenk, die Gefahren, welche eine verwerfliche Literatur und Presse mit sich bringen, umsichtig und nachdrücklich be­kämpfen, nicht minder aber für die Verbreitung der auf christkatholischer Grundlage beruhenden literarischen Erzeugnisse unablässig tätig sind.

Kunst.

Die 50. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands erinnert sich gern der Anregungen, die von ihren Vorgängerinnen zur Förderung der christlichen Kunst ausgingen, sowie über den Kampf, der von ihnen gegen die entartete Kunst geführt wurde. Dankbar schaut sie auf die Früchte dieser Bestrebungen hin, fordert alle Katholiken Deutschlands auf, die christliche Kunst auf jede Weife zu fördern und den Gefahren, welche Auswüchse der modernen Kunst namentlich der Jugend bereiten, mit aller Kraft entgegen« zutreten.

Volksbildung.

Wie die früheren Generalversammlungen der Katholiken Deutschlands für das Volks­bildungswesen entschieden eintreten, so bald die kulturellen Verhältnisse eine Weiterbildung ves Volkes über die Volksschule hinaus ver­langten, empfiehlt auch die 50. Generalversamm­lung der Katholiken Deutschlands im Geiste ihrer Vorgängerinnen, in der Förderung dieser so not­wendigen Bestrebungen nicht nachzulassen und die Volksbildung immer eifriger zu pflegen.

Römische Frage.

Die 50. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands begrüßt in Ehrfurcht und Liebe den neugewählten Papst Pius X. Sie vereinigt ihre

Fügungen.

Erzählung von A. Rhdolph.

46 ------ (Nachdruck verboten.)

Bruder und Schwester saßen noch einmal nach der Abreise des Barons ungestört zusammen. Hubert war ungemein weich und nachgiebig gestimmt.

„Schwesterchen", sagte er endlich mit tiefstem Ernste, „weißt Du, warum ich Dir nicht folgen toill, nicht folgen kann? Sieh, wollte ich mich bekehren, wie Du es wünschest, so müßte ich der Reue in meinem Herzen Raum geben; denn so verkommen ich auch bin, so weiß ich doch noch recht gut, daß ohne dieselbe Alles fruchtlos ist. Und die Reue darf ich nie in meinmt Innern auflommen lassen; ich muß sie unt Gewalt ersticken, wenn sie sich einstellen will; benn tch fühle, sie würde mich vernichten,* ich würde bvr Leid den Verstand verlieren. Um mich nicht der Verzweiflung preiszugeben, um mich selbst zu retten, muß ich meine Prinzipien festhalten und der erste Grunds^ lautet: ,Wir find nur willenlose Spielzeug: in der Hand des ehernen Verhängnisses/ Ich will

,Pre,e Wtllensbestimmung anerkennen, keinen persönlichen Goti. Meine Schuld wäre zu groß, zu ungeheuerltch; es könnte keine Sühne dafür geben."

„Aber ist mcht Gott, den Du leugnest, unendlich barmherzig?

„Du kannst mir nimmer einen Gott geben, dessen barmherzige Macht groß genug wäre, die Hauptschuld meines Lebens zu sühnen. Die Toten stehen nicht auf, und ich war's, der den Eltern das frühe Grab be- rettete. Widersprich mir nicht! Was weißt Du, welches meine Schuld ist! Aber wer konnte ahnen, daß sie eine solche Bagatelle, Unordnung so streng bestrafen würden! Es wäre interessant gewesen, die Mottvierung dieser drcckonischen Sentenz kennen zu lernen; ich konnte mich aber nie entschließen, den Prozeß des Vaters zu lesen."

Gebete mit den Gebeten des ganzen katholischen Erdkreises, daß der allmächtige Gott seine Re­gierung zu einer recht langen und gesegneten werden lasse, und verspricht ihm, mit derselben katholischen Treue ihm zu folgen wie allen seinen Vorgängern aus dem Stuhle des hl. Petrus in Rom.

(Fortsetzung folgt.) '

Jubiläumsbeschlüsse der 50. Generalversammlung, in den geschlossenen Versammlungen vom 24.-27.

August 1903 zur Annahme gelangt.

Kirchenpolitik.

Die 50. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands blickt dankbar zurück auf die tapferen Streiter, die vom Jahre 1848 an auf den Gene­ralversammlungen für die Freiheit der katho lischen Kirche eingetreten sind. Namentlich ge­denkt sie in Verehrung der Männer, die während des Kulturkampfes die Rechte der Kirche uner­schrocken opferwillig verteidigt und teilweise zu­rückerobert haben. Wie alle ihre Vorgänger­innen, verlangt auch die 50. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands die volle Frei­heit der Kirche in allen deutschen Bundesstaaten, einschließlich der Zulassung aller Orden und der gänzlichen Aufhebung des Jesuitengesetzes; sie fordert die Katholiken Deutsch­lands auf, im Geiste ihrer Vorfahren an diesem großen Werke mitzuarbeiten.

Soziale Frage.

In Erinnerung an Wilhelm Emmanuel Frhr. von Ketteler, den Vorkämpfer sozialer Reform­politik aus dem Mainzer Bischofsstuhle, und an Adolf Kolping, den Gesellenvater, sich freuend der reichen Wirksamkeit, welche die Jünger und Nachfolger dieser beiden großen Männer in rast­loser Arbeit für die religiöse, sittliche und ma­terielle Hebung des Handwerker- und Arbeiter­standes entfaltet haben, empfiehlt die 50. General­versammlung gleich ihren Vorgängerinnen den Katholiken Deutschlands dringend das eingehende Studium der sozialen Frage, der privaten und gesetzlichen Mittel zur Heilung der sozialen Schäden, die rege Beteiligung an den diesem Zwecke dienenden freien Organisationen und staatlichen Veranstaltungen.

Charitas.

Eingedenk des Eifers, mit welchem die früheren Generalversammlungen unausgesetzt der christlichen Nächstenliebe dienten, indem sie zahlreiche Werke der Barmherzigkeit ins Leben riesen, ausbauten und empfahlen, empfiehlt die 50. Generalversammlung der Katholiken Deutsch­lands, den von den Vätern ererbten Sinn für die christliche Nächstenliebe zu bewahren, für die einzelnen Werke be^ Charitas opferwillig einzu­treten und deren weiteren Ausbau mit aller Kraft zu betreibey.

Missionstätigkeit.

Mit Genugtuung auf den unberechenbaren Segen hinblickend, den ihre Vorgängerinnen im engeren Vaterland und über dessen Grenzen hinaus verbreiteten, indem sie den Glaubens-

Die Baronesse sowohl als der Pfarrer suchten Lisbeth Huberts wegen zu beruhigen und zu trösten; es gelang ihnen aber nur scheinbar. So lange sie mit dem schwersten Unglücke, ja dem bittersten Elende zu kämpfen hatte, so lange eS für sie gelt, Opfer zu bringen, war sie mutig und hoffend geblieben; letzt, wo die Sonne des Glückes ihr lachte, entschwand ihr der feste Boden, der ihre Zuversicht trug. Sie kam sich tote schuldig vor, Freude zu empfinden, wo die ihr heilig anvertraute Seele des Bruders in der größten Gefahr schwelte. In ihrer Seele begann ein eigenes Arbeiten und Ringen. Aus Pauls Munde hatte sie Manfreds Geschichte gehört. Dieser hatte sich für seine tote Mutter Gott zum Opfer dargebraM und er hatte Ruhe gefunden; war es da nicht auch ihre Pflicht, chr Glück für ihren glücklicherweise noch lebenden Bruder hinzugeben? Sicherte sie dadurch nicht auch ihrem Bräutigam den ungestörten Lebens­frieden? Die Idee des Opfers erfaßte sie mit un­widerstehlicher Gewalt, und während der Tag ihrer Vermählung immer näher rückte, bildete sich in ihrem Innern der Gedanke zum festen Entschlüsse, darauf zu verzichten. Sie vergaß, daß sie im Begriffe stand, nicht nur ihr Glück, sondem auch das ihres Bräutigams zu opfern, dem sie ihr Wort, chre Treue angelobt hatte.

Als Paul von ihr schied, war festgesetzt worden, daß er erst zur Hochzeit wiederkehren würde. Er hatte die Verwaltung seiner Güter übernommen und traf die nötigen Anordnungen, um der Herrin, die bald einziehen sollte, einen würdigen Empfang zu bereiten. Er schrieb ost, und jeder Brief gab beredtes Zeugnis seiner unwandelbaren Liebe und seiner Sehnsucht, bald mit Lisbeth verbunden zu werden. Mit Wonne, aber auch mit tiefem Schmerze, auf ein solches Gluck ver-

fühlte, daß ihr dann der Mut der Enffagung fehlen

Was sie einmal schon gewollt und nicht ausgeführt hatte, weil sie überrascht worden war, mußte sie letzt unbedingt tun; sie mußte fliehen, sie durste Paul nicht ^'^Nach°einer in heftigen inneren Kämpfen durch­wachten Nacht stand ihr Entschluß fest und sie zögerte nicht, denselben inS Werk zu setzen.

Es war Montag. Nächsten Sonntag sollte daS erste Aufgebot stattfinden. Nach dem Frühstück ersuchte sie die Baronesse, ihr zu gestatten, noch einmal Schwester Philomena besuchen zu dürfen. Pauline, welche dieser Bitte einen ganz anderen Beweggrund unterlegte, gab bereitwilligst ihre Einwilligung.

Sie haben recht, Kind, und ich lobe Sie. Halten Sie "im Kloster ungestört hellige Exerzitien ab, um sich für den Ehestand würdig vorzuberetten. Je heiliger Sie in denselben eintreten, desto gesicherter wird Ihr Glück sein." m

Weinend und dankend fiel Lisbeth der Baronesse um den Hals, welche sich ihre große Erregung kaum zu erklären wußte. Noch an demselben Tage reiste sie ab. Um unterwegs keinen lästigen Aufenthalt zu haben, hatte sie den Nachtzug gewählt. m

Babette sollte auf der Eisenbahnfahrt ihre Be- gleiterrn sein; auf der Endstation ihrer Reise erwartete sie ei« Wagen, der sie direkt nach dem Kloster führte. Zuerst faßen die beiden allein in einem Kuper.

Müde und erschöpft lehnte Lisbeth in einer Ecke, aber kein Schlaf kam in ihre Augen; ihre Gedanken arbeiteten unablässig und verursachten ihr heftiges Kopfweh. Jetzt, wo sie den ersten Schritt getan hatte, I um ihren Entschluß auszuführen, welchen sie reiflich

wenigstens, wie sie bisher geplant war, durch­dringen wird.

Freiherr v. Stengel hat betont, daß irn Reiche vor allem strengste Sparsamkeit not tue. Das ist sehr löblich. Allein das Lied von der strengsten Sparsamkeit hören wir nun schon fünf­undzwanzig Jahre im Reiche fingen und dabei werden die Ausgaben unverdrossen erhöht, vor allem solche, deren Notwendigkeit bezweifelt werden kann. Eben in dem Augenblick, wo der Schatz­sekretär vom Sparen spricht, ist die neue Militär­vorlage in Sicht. Daß die Regierung mit dem Sparen jemals Ernst machen werde, glauben wir schon lange nicht mehr. Daß es der Reichs­tag endlich einmal tun werde, wünschen nur wenigstens immer noch.

Die Bundesregierungen können die Spar­samkeit erzwingen, indem sie erklären: wir haben kein Geld, das alles zu bezahlen; unsere Finanzen werden durch die fortwährend wachsenden An­sprüche des Reiches ruiniert; darum lehnen wir die Sortierungen ab. Wenn man freilich die „Reichsfinanzreform" einführt, dann ist es für die Bundesregierungen vorbei mit ihrer Macht, das Reich zur Sparfamkeit anzuhalten, vorbei aber auch mit ihrem Einfluß auf die wichtigsten Fragen der Reichspolitik überhaupt.

Wenn sie, um ihre Finanzen vor Unbequem­lichkeit zu bewahren, bereit sind, auf ihre Rechte zu verzichten, fo sollte es der Reichstag ihnen aber doch nicht gestatten, sondem ihnen wider ihren Willen die Möglichkeit lassen, das Reich zum Sparen anzuhalten. Die eigene Not würde sie zwingen, diese Möglichkeit auch zu benutzen, während sie nach der „Reichsfinanzreform" alles gehen lassen würden, wie es geht. Wir wollen uns heute nicht mit der Frage beschäftigen, was werden wird, wenn der Reichtag die „Reform ablehnte. Das aber liegt auf der Hand, daß man ihn nicht auflösen und Neuwahlen ausschreiben könnte mit der Parole: Neue

indirekte Steuern!

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Mchenreiiage: „Illustrierte Sontrtagsjeitung"

Berlin, den 28. August 1903

* Der Kölner Katholikenversammlnng widmet die ,Dmtfche Tagesztg/ einen längeren Artikel, der durchweg anerkennend lautet, sowohl was die Aeußerlichkeiten (Beteiligung, Stimmung u. s. w.) als was die Reden, Ver­handlungen und Beschlüsse angeht. Nur die Stellung der Versammlung zu ben landwirtschaft­lichen Fragen befriedigt das Blatt nicht Selbstverständlich! Uebrigens tun nur der .Deutsch. Tagesztg.' wohl kein Unrecht mit der Annahme, daß sie bei ihrem Lobe ein wenig mit der Wurst nach der Speckseite wirft. Sie denkt da doch zunächst an die katholischen Landwirte unter ihren Lesern.

* Die General - Versammlung der Görresgesellschaft wird vorn 6. bis,8. Oü- die schamhaft verhüllte Sehnsucht seiner Braut zu , . CL_____ov rrtttnpfpnh tlpwesen!