rrfchernt täglich. mit Ausnahme Ser Sonn: >md Zeirrtage. viertel- jährl. vezugrprerr ohne vringerlohn und vestellgeld in Zulda und auswärts l Mi. so Pis
Verantwortlicher rchriftleiter:Zos.va«m für die Inserate 3. Parzeker in 8»lda.
Zuldaer
Wochenbeilage: „Illustrierte Sonntagszeitung"
Momtsbeilage: „Huldaer Geschichtsbiätter".
Anzeigen: Vie ein» ipaltige Petitzeile oder deren Kaum \5 pfg. Reklamen die petitzeil« 25 pfg.; bei wieder. Holungen wird entspr. Rabatt gewährt.
Druck und Verlag der Zuldaer Actiendruckerr' in Hulda (Ifarmoniej Zernsprecher Rr 9.
fllldd, Freitag, den 28. August 1903.
3 a Jahrgang.
50. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands.
------- (Nachdruck verboten.)
]:[ Köln, 27. August 1903.
Der letzte Tag
wurde eingeleitet durch heilige Messen in der Intention des Bonifatmsverems. Unter reger Beteiligung wurde
die vierte geschlossene Versammlung
um 8 Uhr in der Festhalle e öffnet. Die Beratung der Anträge wurde fortgesetzt. Zur Annahme gelangten folgende Anträge: Betr. Unterstützung des Bonifatiusvereins (befürwortet durch Baron Blücher aus Glasenhagen-Mecklen- burg, der die Mission in Mecklenburg dringend empfiehlt), Unterstützung des Vincenzo er eins, der Regisvereine gegen die wilden Ehen, des Raphaelsvereins (Abg. Cahlensly warnte vor leichtsinniger Auswanderung; es empfehle sich die Auswanderung nach Brasilien, wo der Raphaelsverein ein Wort milzusprechen habe), betr. die deutsche Mission in Paris (die jungen Leute werden gewarnt, namentlich die jungen Mädchen, nicht leichtfertig ohne genügende vorherige Informationen im Ausland Stellen anzunehmen, (namentlich nicht auf Inserate hin), betr.Bekämpfung d s Alkoholis- mus, Beitritt zum Verband der kath. kauf- männischen Gehilfinnen, betr. M.ädchen- schutzv er eine, Kinderschutzgesetz geb ung, F ürsorg euer eine, Fürsorge-Erziehung, Fürsorge für die schulentlassene Jugend, konfessionelle Waisenhäuser, Unterstützung krüppelhafter Kinder, Unterstützung katholischer Studierender. Damit waren die Anträge erledigt. Unter der üblichen Dankbezeugung vom Lokalkomitee u. s. w. schloß die Versammlung um 10 Uhr.
Die letzte öffentliche Versammlung wurde um lO'/z Uhr in der Festhalle eröffnet. Der Besuch ist wieder ein so starker, daß sämtliche Sitz- und Stehplätze gefüllt sind. Die in Köln anwesenden Kardinäle und Bischöfe nahmen auch an der Schlußversammlung Anteil. Außerdem ist noch Prälat Lohninger-Rom, Direktor der Anima, erschienen. Vom Kaiser ist auf das Huldigungstelegramm der Generalversammlung folgende Antwort telegraphisch eingegangen: „Wilhelmshöhe, 27. Aug. Den Huldigungsgruß der diesjährigen Jubelversammlung der Katholiken Deutschlands haben Se. Majestät der Kaiser und König mit Freuden entgegengenommen und lassen das Präsidium ersuchen, der Generalversammlung für den Ausdruck treuer Ergebenheit allerhöchst ihren wärmsten Dank auszusprechen. Auf allerhöchsten Befehl Lucanus." Das Telegramm wurde mit stürmischer Begeisterung ausgenommen. Präsident Dr. v. Orterer: Liebe verdient Gegenliebe. Unsere Huldigung hat in der Depesche ein für uns überaus erfreu-
Mgungen.
Erzählung von A. Khdolph.
45 ------ (Nachdruck verboten.)
Lisbeth schlug b:e Augen nieder und machte eine Bewegung, als wollte sie fliehen; der Baron jedoch hielt sie sanft zurück.
„Nein, Fräulein Lisbeth, Sie dürfen sich mir nicht entziehen, bi Sie mir meine Frage beantwortet haben. Keine Ausflüchte. Ihr Erschrecken malte sich zu deutlich in Ihren Zügen."
Lisbeth wußte nicht, was sie vor Verlegenheit beginnen sollte; sie konnte ihm doch unmöglich den wahren Grund gestehen, daß sie ihn fliehen wollte, weil, ja well sie ihn liebte. Da fiel ihr ein Ausweg ein. So konnte sie die Wahrheit bergen, ohne unwahr zu werden.
„Herr Baron, ich mußte fürchten, daß Ihnen meine Anwesenheit auf dem Schlöffe vielleicht nicht angenehm sein könnte. Es ist auch nicht meine Schuld, daß Sie mich noch hier antreffen. Wir glaubten, Sie würden sich anmelden; ich wollte Schwester Philomena besuchen . . ."
„Und also wirklich vor mir fliehen?" rief der Baron schmerzlich aus. „Doch, Sie haben ein Recht, mir zu zürnen, ich habe Vieles gut zu machen."
„Ich Ihnen zürnen! Warum? Habe ich nicht deutliche Beweise davon, wie hochherzig Sie den Widerwillen, mich in einer mir nicht mehr zustehenden Gesellschaft zu finden, überwanden?"
„O, denken Sie nicht mehr daran! Ich Tor, einen Augenblick an Ihnen gezweifelt zu haben!"
„Ich verstehe nicht recht, was Sie meinen, Herr Baron! Leider ift das Unglück, welches mein Jugendglück gebrochen hat und mich aus den Kreisen der Gesellschaft verbannt, kein erdichtetes. Es ist furchtbar ernste Wirklichkeit. Ach, Herr Baron," — sie brach plötzlich in Tränen aus — „wie glücklich war ich im
liches Echo gefunden. Es ist dies ein gutes Omen für die Zukunft. Zum Zeichen unserer aufrichtigen Verehrung unseres Kaisers stimmen wir alle^ gleichviel aus welchem Lande, ein in den Ruf: Se. Majestät der Kaiser und König von Preußen lebe hoch!" Die Versammlung bricht in ein donnerndes Hoch aus.
Hierauf spricht Freiherr v. Hertling über die katholische Wissenschaft des vorigen Jahrhunderts; sie zerfalle in die romanische, die apologetische und rein wissenschaftliche. Die erste werde durch Görres charakterisiert. Beide Konfessionen hätten in dieses Epoche friedlich neben einander und miteinander gewirkt. Auf kirchenpolitischem Gebiete hätten sich dann die Gegensätze wieder verschärft und die apologetische Wissenschaft gezeitigt. Heute ständen wir mehr in einer rein wiffenschaftlichen Epoche und das fei gut, denn Gelehrte, welche hier tüchtiges leisteten, wögen ganze Bände der Apologetik auf, weil sie den Wahn zerstörten, als ob die Wissenschaft sich nicht mit dem Katholizismus vertrüge. Not tue, daß sich die Zahl der katholischen Gelehrten vergrößere und sich zu einer geschlossenen Phalanx zusammenfänden. Redner widerlegt die gegen die katholische Wissenschaft erhobenen Vorwürfe, bezeichnet als ihre Haupteigenschaften Wahrheit und Liebe zur Kirche und schließt mit dem Appell an die Jugend, sich die katholische Wissenschaft dringend angelegen fein zu lasten. Brausender Beifall wurde der gediegenen Rede zu teil. Inzwischen ist vom Patriarchen von Jerusalem ein Begrüßungs- Telegramm eingegangen, welches unter lautem Beifall verlesen wird.
Hierauf sprach Dr. Kummer-Gelsenkirchen über Volksbildung. Redner entwirft in beredten Worten ein Bild von der Entwickelung des Volksbildungswesens. Ende der achtziger Jahre habe sich eine Reaktion gegen die Lehren Nietzsches geltend gemacht. „Das Volk hat seine Ideale verloren, gebt sie ihm wieder!" laute es von allen Seiten. Auf diesem Boden sei die Volksbildung erwachsen, die vom christlichen Geiste getragen werde. Die katholische Kirche, welche ihrerseits schon früher in diesem Sinne gearbeitet habe, habe der neuen Bewegung die Hand gereicht. Die katholische Kirche scheue den Fortschritt nicht und darum wirke sie gern an der Volksunterhaltung mit. Große Verdienste um dieselbe habe sich der Volksverein erworben. Für die Volksbildung komme auch in hohem Maße die Kunst in betracht. Auch diese finde an der katholischen Kirche eine eifrige Förderin, wie sie ja früher eine Zeit lang allein Trägerin der Kunst gewesen sei. Auch den Frohsinn pflege die Kirche. Sieht es etwa in Köln finster und trübe aus? (Stürmische Heiterkeit.) Die weiteren Ausführungen des Redners dienen dem Zweck, die einzelnen Entstellungen, die an der katholischen Volksbildung gemacht worden, zu entkräften. Nachdem der Beifall, der dem aus- gezeichneten Redner zuteil war, verrauscht, hielt der Präsident Dr. v. Orterer die übliche Schlußrede, in der er den glänzenden Verlauf der diesjährigen Versammlung schilderte und allen Beteiligten den Dank aussprach, besonders
Walde, wie unglücklich bin ich geworden. Wie viele Demütigungen habe ich meines Namens wegen erdulden muffen; ab-r keine traf mich bitterer, als der ernste, strafende Blick, der erste Ihres Auges, der auf mich fiel. Er schien mir zu sagen, ,wie kann sich die Tochter eines Verurteilten in diese edle Gesellschaft makelloser Namen drängen." Gewiß, Sie waren später verändert, steundlicher su mir; das Mitleid trug bei Ihnen den Sieg davon."
„Elisabeth," rief jetzt der Baron aus. „Verstehe ich recht, Sie hielten mich fähia, Sie um die Schuld eines Anderen willen verachten zu können? Sie konnten denken, daß ich so vorurteilsvoll sei? Und deshalb wollten Sie fliehen ? O, Sie Kind! Mit was für Gedanken quälten Sie das arme k eine Köpfchen. Wenn Sie es auch jetzt nicht gut begreifen, so glauben Sie mir doch, wenn ich Ihnen im heiligsten Ernste versichere, daß, als ich erfuhr, daß Sie nicht Ulm, sondern Ulmenau heißen, ich sehr glücklich war."
„Sie verachten mich also nicht? Mein Name gibt Ihnen kein Aergernis?"
„Die Vorurteile einer kalten, egoistischen Welt, die das Kind für die Eltern büßen läßt, find mir ftemd, gänzlich fremd. Ich schätze den Menschen nach seinem eigenen Werte, und wer verdient dann wohl mehr meine größte Hochachtung und tiefste Verehrung, als Sie, Elisabeth, welche Sie in zarter Jugend mit heroischem Mute in den Stürmen und Wirren des Lebens sich rein und fleckenlos erhalten haben, welche Sie als Richtschnur Ihres Handelns stets nur die beiden höchsten Gebote des Christentums erwählten. Sie haben recht gesehen — ich leugne es nicht. — Ihr feines Gefühl hat Sie nicht betrogen, wenn Sie zuerst in meinem Benebmen etwas Verletzendes heraus- sauden. Ich war in einem furchtbaren Jrrtume. Seim Sie versichert: Ihr Name trug nicht die Schuld daran; ich erfuhr erst Jahre nachher, wer Sie eigentlich sind. Warum ich aber so beleidigend gegen Sie war? Soll ich Ihnen den Grund sagen? Was kümmerte mich eigenilich die mir ganz fremde Dame,
dem hohen Klerus, dem Lokalkomitee und den Rednern. Nach Erteilung des bischöflichen Segens durch den Kardinal Fischer und die anderen Bischöfe schließt die Versammlung mit dem Ambrostanischen Lobgesang.
Das Festmahl.
Nachmittags 3 Mr versammelten sich etwa 500 Teilnehmer der Generalversammlung zum fröhlichen Schlußmahle im Prunksaale der Bürgergesellschaft. Die Tafel hatte einen aus- erlesenen Schmuck erhalten. Prächtige Blumensträuße zierten die Ehrentafel, während die übrigen Tische mit Rosen in reicher Fülle geschmückt waren. An der Stirnwand war ein herrlicher Palmenhain geschaffen worden, in dem die Büsten des Papstes und Kaisers ausgestellt waren.
Kurz nach 3 Uhr erschienen die beiden Kardinäle; auch der Erzbischof van den Branden, Bischof von Euch und Weihbischof Müller, sodann mehrere Prälaten nahmen an der Schluß- feier teil.
Den ersten Toast auf Papst und Kaiser brachte Herr Dr. v. Orterer aus.
Den zweiten Trinkspruch hielt Se. Eminenz Kardinal Dr. Fischer. Es geziemt sich unser, des Mannes zu gedenken, dem vorzugsweise der glückliche Verlauf der Generalversammlung zu danken ist: das ift unser geehrter Präsident. Wir hatten goldene Jubelversammlung, wir hatten aber auch einen goldenen Präsidenten, der wie ein geübter Stratege die Versamm- lungen geleitet; ein Mann mächtig im Wort, er hat's gezeigt, nicht nur im Deutschen auch im Italienischen; ein Mann der Tatkraft, mit goldenem Herzen, mit treu katholischem und treu deutschem Herzen. Wir wünschen, daß Gott ihn lange erhalte, zum Wohle seines engeren und weiteren Vaterlandes, zum Heile der Kirche und der Generalversammlungen der Katholiken Deutschlands. Er lebe hoch!
Herrn Frhr. v. Stotzingen lag in seiner Eigenschaft als Vizepräsident die ehrenvolle Aufgabe ob, Se. Eminenz und dem hohen Episkopat Deutschlands die letzten ehrerbietigen Grüße der Jubelversammlung zu widmen.
Herr Prälat Werthmann entledigte sich der Aufgabe, einen ebenso warmen wie ehrerbietigen und herzlichen Willkommengruß den erlauchten Gästen, den hochw. Kirchenfürsten, Erzbischöfen, Bischöfen, Sr. Eminenz dem Hrn. Kardinal Ferrari, dem hochw. Herrn Erzbischof von Thprus, den hochw. Bifchöfen von Lüttich und Namur, Nepi und Sutri und dem hochwürdigen apostolischen Vikar von Dänemark entgegenzubringen.
Se. Eminenz Kardinal Ferrari erklärte, daß er beschämt sei von all der Liebe, die ihm entgegengebracht werde, und wenn ihm der Vorwurf gemacht werde, daß er das Wort des hl. Ambrosius: „Bruder, liebe mich", nur an Se. Eminenz den Kardmal von Köln gerichtet habe, so müsse er erklären, Se. Eminenz sei der Vater all der Anwesenden, und wenn er den
Vater liebe, so habe cr auch die Kinder in sein Herz eingeschlossen, und gern nehme er deshalb diese zwanzigtausend von ihm geraubten Herzen mit nach Mailand und empfehle sie dem hl. Märtyrer dieser Stadt und erbitte für dieselben Standhaftigkeit im Bekenntnisse des Glaubens und herrliche, dauernde Früchte in ihren und allen katholischen Herzen, dauernde Früchte aus dieser so wunderbar verlaufenen, unvergleichlichen Ver- famm.ung.
Graf Hans v. Praschma: Gaudeamus, wir freuen uns, daß wir ein Köln haben, das uns seine Mauern geöffnet hat. Es ist der Mittelpunkt Deutschlands geworden, das muß der Neid ihm lassen. (Heiterkeit.) Wie haben wir uns heimisch gefühlt in seinen Mauern! Wir haben es auch nicht anders erwartet. Was wäre Deutschland ohne den deutschen Rhein, der Rhein ohne Köln! Redet man denn so oft von einer deutschen Elbe oder einer deutschen Spree als von einem deutschen Rhein! Schlichte Worte aus warmem Herzen sind es, mit denen wir danken für alles Entgegenkommen, auch den städtischen Behörden, für alles, was uns geboten wurde für Geist und Körper. Köln, das deutsche, das einzige h. Köln, sein Oberbürgermeister, seine Bürger und nicht an letzter Stelle seine Bürgerinnen, sie leben hoch!
Herr Oberbürgermeister Becker: Als Vertreter der Stadt Köln habe ich das Bedürfnis, ohne Verzug zu antworten auf die Worte meines Vorredners. Unter den zahlreichen Versammlungen, die Köln mit ihrem Besuch beehren, weiß ich keine von der Bedeutung in sich und in der Zahl ihrer Besucher als die des deutschen Katholikentages. Es ist das zweite Mal, daß ich Ihre Generalversammlung hier begrüßen kann. Ich leugne es nicht, daß schon das erste Mal die Einigkeit des Glaubens, die Geschlossenheit aller Gedanken auf einen Punkt, das Durch dringen des Glaubens in alle Verhältnisse mir außerordentlich imponiert hat. Diese Empfindung habe ich diesmal in noch stärkerem Maße gehabt. So kann ich von Herzen meine ganze Anerkennung aussprechen für das, was für die Mitglieder Ihrer Konfession von diesem Tage ausgegangen ift. Ich bin der Meinung, daß Ihr Beispiel auch anderen christlichen Konfessionen zum Segen gereicht. (Stürm. Beifall.) t ,
Und so habe ich nicht nur namens der katholischen Bürger, sondern auch namens der gesamten Bürgerschaft Ihnen zu danken. Der Dank liegt denen ob, die solche Versammlungen in ihrer Nähe hatten; ihnen fällt die erste Frucht derselben zu. Ich danke Ihnen, daß Sie Ihre Jubelversammlung bei uns abgehalten haben. Haben Sie die Güte, bald, vielleicht nach fünf Jahren wiederzukommen. In diesem Sinne: glückliche Heimkehr, auf Wiedersehen! Tue Jubelversammlung der Katholiken Deutschlands, die hier abgehalten wurde, lebe hoch!
Graf Droste widmet dem Lokal-Komitee, besonders dem Vorsitzenden desselben, Herrn Justizrat C u st o d i s, ein Hoch. Keine Versammlung, namentlich auch bezüglich der Presse, sei so gut vorbereitet gewesen als diese. — Herr CustodiS
welche in den Salon des Präsidenten eintrat? Was ihre Vergangenheit? Was ihr ganzes Tu" und Treiben? Was veranlaßte mich, gleichsam zürnend, strafend auf Sie zu schauen? O, ich habe den Beweggrund jetzt klar erkannt. Es war die Liebe, Elisabeth, die Liebe die mich mit ihrer Allgewalt ergriffen hatte, als ich Sie vom Wagen aus am Arme Ihres Bruders sah, den ich für ihren Verlobten hielt. Es war die Liebe, die in Schmerz und Eifersucht Ihnen zürnte, da ich Sie für mich verloren wähnte. Darum verzeihen Sie, was ich gegen Sie fehlte. Wie unaussprechlich glücklich war ich, als ich nach meiner Rückkehr von meiner großen Reise die Wahrheit erfuhr, die Wahrheit, welche mir erlaubte, jetzt offen meine Liebe zu zeigen, offen um Sie zu werben. Da wurde mir die Kunde, daß Sie gewillt seien, Kloden's Hand anzunehmen, und ich, mit tiefen Weh im Herzen, floh Ihre Nähe, bis ein Telegramm meiner Tante mich eines anderen belehrte. Ich eilte von Rom — zu Ihnen, Elisabeth, zu Ihnen, um Ihnen das zu gestehen, was ich so lange in mir verschließe,! mußte, und um zu versuchen, ob es meiner Liebe gelingen würde, mir Ihre Gegenliebe zu erwerben.
„Ach, warum konnte ich nicht fliehen?" sagte Lisbeth. „Ich kann nimmer die Ihre werden."
„Was könnte uns trennen, wenn Sie mich liebten?" „Mein Name."
„So glauben Sie nicht, daß ich das Vorurteil verachte?"
„Ich glaube es; aber ich darf nicht zugeben, dcß Sie sich aus Edelmut dem Tadel Ihrer Familie, Ihrer Freunde, der ganzen Welt aussetzen."
„Meine Familie — ich bin stolz, es sagen zu können— und meine Freunde denken wie ich. Was kümmert mich die übrige Welt? Deine Liebe, Elisabeth, ist mein Glück, meine Welt."
„Ich kann nicht einwilligen; ich müßie mich selbst verachten. Das Glück dessen, den ich liebe, steht mir höher, als das meinige."
„Also Du liebst mich?"
„Ich kann, ich darf nicht einwilligen."
„Ich lasse Dir Zeit, Geliebte. Wenn Du erst verstanden haben wirst, daß es für mich ohne Dich kein Glück gibt, wirst Du schon einwilligen, die Meine zu werden. Darum nur das Eine: Liebst Du mich?
„Mein Bruder ..."
„Wird meh Bruder. Elisabeth, antworte, darf rch hoffen, daß Dein Herz sich mir zuneigt?"
Sie widerstand nicht länger; ihr schönes Haupt neigte sich tief und sie ließ es zu, daß er sie sanft an sich zog-
„Nun komme, Elisabeth; mich verlangt es, meiner Tante mein Glück mitzuteilen, dem sie die Wege bahnte-
Die Freude der Baronesse war aufrichtig. öte hatte Lisbeth so lieb wie ihr eigenes Kind und wußte, daß sie ihrem Neffen die kostbarsten Schätze des Geister und Gemütes zubrachte. Diese lebte wie in einem seligen Traume des Glückes. Nach so viel herbem Leid so unerwartet große Freude. Sie sah, sie empfand er mit Wonne, daß Paul'S Glück in ihrem Besitze ruhte, und diese Sicherheit ließ kein Bedenken m ihr aufkommen. ,,
Auch von der Familie ihres Bräutigams erhielt sie nur Beweise des Wohlwollens und der Liebe. Paul hatte recht gehabt in seiner Voraussetzung, die Semigen waren hochherzig genug, um Lisbeth den Makel ihres Namens nicht empfinden zu lassen.
Es war wohl nicht zu leugnen, daß fie es gern gehabt hätten, den ältesten Sohn und Erben mit der Tochter irgend eines edlen Geschlechtes verbunden zu sehen; doch traten fie seinem selbstgewählten Glücke nicht entgegen und waren viel u zart, um Lisbeth auch nur im geringsten das unverschuldete Unglück ihrer Famllie in Erinnerung zu bringen.
Was die ferneren Bekannten des Barons, was dre Welt über diese Verlobung sagte, war Lisbeth verborgen, und niemand hätte es gewagt, ihr, der Braut des hochangesehenen Barons, auch nur ein unliebsames Wort zu sagen.