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Druck und Verlag der Fuldaer Acrirndruckerel in Zulda (Harmonie). Zernsprecher lir.

X«. 194

flllda, Donnerstag, den 27. August 1903.

30. Jahrgang.

50. Generalversammlung der Katho­liken Deutschlands.

------- (Nachdruck verboten.) ]:[ Köln, 26. August 1903.

Vierter Tag: Mittwoch.

Der vierte Tag wurde eingeleitet durch ein feierliches Requiem in der Kirche St. Maria im Kapitol für die verstorbenen Mitglieder der früheren Generalversammlungen. Um 11 Uhr sand im großen Saale der Bürgergesellschaft

die dritte geschlossene Versammlung statt, die wieder von Tausenden Mitgliedern besucht war, ein Zeichen, daß die Beratung der Anträge einem stets größeren Jntereffe begegnen. Vom Bischof von Augsburg ist ein Be­grüßungstelegramm eingegangen.

Die Beratung der Anträge wird fortgesetzt. Zunächst wird ein Antrag angenommen, welcher die Förderung ver Seelsorge für die deutschen Katholiken in Italien durch Unterstützung des St. Josephsvereins empfiehlt. Pfarrer Tell aus Neapel schilderte die geist­lichen Notstände in Italien. Die Eltern, welche ihre Kinder bei gewissen Religionsgemeinschaften taufen ließen, erhielten dafür von diesen 20 Francs. Diesem Zustand wolle der Antrag ent­gegenwirken. Während der Ausführungen des Redners ertönen plötzlich laute Evviva-Rufe. Kardinal Ferrari von Mailand erscheint in Be­gleitung des Kardinals Fischer und des Bischofs von Lüttich und nimmt am Vorstandstische Platz. Präsident Orterer begrüßt den fremd ländischen Gast, in dem er feine soziale Fürsorge für die Arbeiter hervorhebt. (Lebhafter Beifall.) Kardinal Fischer empfiehlt dringend den e'- wähnten Antrag; namentlich lebten in Italien viele Dienstboten, welche Gefahr liefen, ihren Glauben zu verlieren. Er habe dem- Mnsgr. de Waal versprochen, der bekanntlich ein Deutscher ist, für die deutsche Seelsorge in Italien nach Kräften zu sorgen. Präsident Orterer richtet in lateinischer Sprache Worte des Dankes an den Kardinal. (Lebh. Beifall.) Der Bischof von Namur empfiehlt Unter­stützung der belgischen Katholiken. Ein Antrag betreffend Unterstützung der Polen im Westen wird zurückgezogen, nachdem be­kannt geworden ist. daß dieFuldaerBischofs- Konferenz sich mit dem Gegenstände beschäftigt hat. Sodann wird ein Antrag angenommen, welcher sich gegen das Ueberhandnehmen der Vergnügungssucht richtet und die katho­lischen Studenten - Kongregationen ersucht, mit einem guten Beispiele voranzugehen. Als Ort der nächstjährigen Katholiken - Ver- fammlungwird auf Antrag Regensburgund nach Befürwortung durch Herrn C. Manz- Regensburg letzterer Ort bestimmt. Ein Antrag, die Versammlung im Jahre 1905 in Essen a. d. Ruhr abzuhalten, wird zu gunsten der Stadt Straß­burg in Els. zurückgezogen und beschloffen, die Versammlung 1905 in Straßburg abzuhalten.

Von elsässischer Seite wurde der Antrag in einer längeren Ausführung lebhaft begrüßt. Durch Er­heben von den Sitzen wurde einstimmig ^>er An­trag auf Aufhebung des Jesuitengefetzes ange­nommen. Desgleichen erhebt sich die Versamm­lung von ihren Plätzen zur Ehrung des Sozial­politikers D r. Hitze aus Anlaß seines Jubiläums. Hierauf wird ein Antrag Herold angenommen, welcher die Landwirtschaft der gesetzlichen Für­sorge empfiehlt, ein Antrag, welcher den Beitritt zum Verein für ländliche Wohlfahrtspflege und Heimatspflege empfiehlt, betr. obligatorische Mei­ster- und Gesellenprüfung, Befähigungs-Nachweis für Bauhandwerker, Sicherung ihrer Forderun­gen, Regelung des Submissionswesens, höhere Besteuerung der Großwarenhäuser und Juwel- gefchäfte, Arbeitskammern, Anerkennung der Be- rufsoereine, Kürzung der Frauenarbeit, Wohnungs­amt und -Inspektion, Zusammenlegung der Ar­beiterversicherung, Arbeiter-Sekretariate, Schutz gegen Arbeitslosigkeit, Arbeitsnachweis, Bildung einer Kommission für Arbeiter - Fürforge in den Kommunen. Damit schließt die Versammlung.

Am Mittwoch nachmittag fand im Dom die feierliche Reliquienprozession statt, zu dem alle kostbareren Reliquien sämtlicher Kirchen Köln's zum Dom überiragen worden waren. An der Prozeffion nahmen die hier anwesenden Kardinäle und Bischöfe und eine ungeheuer große Schar von Besuchern der Generalversamm­lung teil. Nach zweimaligem Umzug fand ein Teceum statt.

Die dritte öffentliche Versammlung

wurde um 5 Uhr unter demselben Andrang, wie an den Vortagen eröffnet. - Wiederum nahmen die bereits erwähnten Kardinäle und Bischöfe an ihr teil. Erster Redner ist. Verleger Lensing-Dortmund über Literatur und Presse, insbesondere die politische Presse. Redner gibt einen Ueberblick über die Ent­wicklung der katholischen Presse im vorigen Jahrhunderr, namentlich der katholischen Tages­zeitungen, und schildert die Drangsale, denen diese ausgesetzt gewesen. Erst mit dem Kultur­kampf sei die katholische Presse in Schwung ge­kommen. Ihren Aufschwung verdanke sie den Katholikenversammlungen und dem Augustinus- Verein. Einen Sammelpunkt habe sie auch in der CPC, die keine Erwerbsgesellschaft sei, sowie in der Pensionskasse, die er beide empfehle. Die katholische Presse, die sich durch Wahrheit aus­zeichne, müsse dahin streben, daß sie an der Spitze marschiere. (Lebh. Beif.) Die Katho­liken müßten, wenn die katholische Presse dies Ziel erreichen solle, dieselbe energisch durch Abonnoment und Inserate unterstützen. Ein gleiches Ziel sei in der Literatur zu erstreben. Redner legte in längerer Ausführung die Not­wendigkeit einer guten Literatur dar. Lebhafter Beifall lohnte die sachverständigen und trefflichen Ausführungen.

Sodann sprach Justizrat Dr. Porsch. Aus­gehend von dem Tode des Freiherrn v. Heere-

Hügungen.

Erzählung von A. Ahdolph.

44 ------ (Nachdruck verboten.)

Jetzt zögerte die Baronesse nicht mehr. Ob Lisbeth chn liebt oder nicht, er muß zurück. Einer solchen Liebe wird sie nicht widerstehen können, und das ur­sprünglich geplante Telegramm ging ab.

Lisbeth hatte es mit tiefem Schmerz empfunden, daß sie so gänzlich von dem Baron ignoriert worden war. Er hatte keinen Versuch gemacht, sie im Hause Frieda's zu sprechen, im Gegenteil, es gehörte nicht viel Scharfsinn dazu, um zu erraten, daß er sie ge- flisientlich vermieden hatte; er hatte ihr keine Ge» legenheit gegeben, ihm für die Wohltaten zu danken, die er ihrem Bruder erwiesen hatte; vielleicht halte er ganz vergessen, daß ihm einmal eine Elisabeth ülmenau in den Weg getreten war.

Und Lisbeth war stolz I Kein Auge sollte es sehen, niemand ahnen, was sie im tiessten Herzen barg. Das Mitleid, welches ihn angetrieben hatte, ihrem Bruder beizustehen, hatte ihn auch einmal dazu vermocht, freundlicher gegen sie zu sein. Doch im Grunde war er stolz Aristokrat vom reinsten Waffer; gewiß, es störte ihn, daß sie mit ihrem befleckten Namen bei seiner Tante weilte. Und diese Vorstellung machte ihr unsagbare Pern.

Wäre sie frei gewesen, sie hätte ihm Platz ge­macht; sie hätte sich durch die Baronesse nicht zurück­halten lassen; aber ein Blick auf ihren Bruder, der sich noch immer nickt vollständig erholt un*> der sich in seinen Verhältnissen so wohl fühlte, daß <r seinen wiederholten Aeußcrungen nach nie mehr dieses Heim verlassen wollte, .c^bte ihr den Mut, ihm die-.s Giück zu zerstören.

Der Brief aus Rom mußte ganz 6er ckers gute Nachrichten enthalten haben; die Baroness war freudig erregt. „Liebes Kind", sprach sie, „Pa X läßt Ihren

Bruder grüßen; durch Manfred weiß e daß sein Wunsch der meinige war und daß sein Schützling zu uns übergesiedelt ist. Auch von Ihnen spricht er."

Lisbeth konnte es nicht verhindern, daß ihr Antlitz wie mit Purpur übergossen wurde, daß aber auch zu- gl ich eine Träne ihr inS Auge trat.

„Von mir?" stotterte sie verlegen. „Kennt mich der Herr Baron?"

„Er erinnert sich Ihrer sehr gut, und wenn ich richtig zu schließen vermag, sind ihm das sehr an­genehme Erinnerungen. Ich hoffe, in nicht allzu langer Zeit haben wir ihn bei uns. Aber Lisbeth, warum sehen Sie nur so ernst, ich möchte beinahe sagen traurig darein? Ich möchte gern, daß Sie sich etwa- mit mir freuten; Sie wissen doch, wie lieb ich meinen Neffen habe."

„Ich nehme herzlichen Anteil an Ihrer Freude."

„Könnten Sie sich selber hören, wie das klang, ,Jch nehme herzlichen Anteil an Ihrer Freude', Sie müßten selber lachen über den Widerspruch dieser Worte mit Ihrem Aussehen und dem Tone Ihrer Stimme. Paul muß Sie unbedingt beleidigt haben. Sie zürnen ihm"; sie beachtete nicht Lisbeths ver­neinende Bewegung — „doch ich hoffe, er wird alles gut machen und wir werden eine fröhliche Versöhnung feiern. N cht wahr, Sie versprecken mir, nicht allzu hart und streng mit ihm zu verfahren."

Lisbeth wußte nicht, was sie antworten sollte; mit jedem Worte fürchtete fi', sich zu verraten, und das durfte nicht sein.

Sie schlief die folgende Nacht sehr schlecht; sie grübelte und sann, wie sie dem Baron ausweicken sollte. Der Bruder befand sich verhältnismäßig wohl; ob er sie wobl 14 Tage vermissen konnte, und länger i-.utr» doch nicht bV; -:r. Bi lleicht erlaubte

ihr die Baronesse, Schwester Ptz^omena zu besuchen.

Am anderen Morgen sprach Lisbeth zuerst vor ihrem Bruder von ihrem Vorhaben, natürlich ohne ihren Beweggrund dazu zu verraten. Er war damit ganz einverstanden. „Ich werde selbstv.'.ständlich Deine liebe

man, dem der vorjährige Katholikentag zu seinem 70. Geburtstage Glückwünsche gesandt habe, ge­denkt Redner der großen Toten der Katholiken- versammluna. Ihnen müßten die katholischen Männer nachahmen, denn es heiße nicht nur, glauben, sondern seinen Glauben auch im öffent­lichen Leben betätigen. Redner gibt einen Ueber­blick über die Verfaffungsgeschichte, soweit sie den Schutz der Kirche betrifft. Die bekannten Erlasse aus dem Jahre 1852, durch welche die Missionen eingeschränkt worden seien, hätten die katholische Fraktion ins Leben gerufen. Aus ihr habe sich unter dem Druck der kirchenpolitischen Lage anfangs der 70er Jahre das Zentrum ent­wickelt. Seine Geschichte sei bekannt. Wie durch göttliche Fügung stehe es heute da als eine Macht gegen den Umsturz, der Thron und Altar bedrohe. Zu seinem Unglück sei Deutschland in zwei Kon­fessionen gespalten. Konfessionelle Polemik sei nach den Statuten von den Katholikenversamm­lungen ausgeschlossen. Selbst von dem Rechte der Abwehr habe der Katholikentag nur selten Gebrauch gemacht. (Zustimmung.) Die Katho­liken wollten keine Sonderrechte, sondern nur Gleichheit. Aber diese verweigere man uns. Man brauche nur die Diakonissen und die Barm­herzigen Schwestern zu vergleichen. Redner schließt seine mit Begeisterung aufgenommenen Ausführungen mit dem Appell, nur Männer in das Parlament zu senden, die für ihren Glauben tatkräftig eintreten.

Hierauf sprach Dominikanerpater Dalma- tius über die christliche Charitas. Stürmisch begrüßt, bemerkte er: Nicht mir den Gruß, den Gruß den Armen. Auf den Katholikentagen ist es gewesen, wohin sich die Armut wandte und die Charitas nahm sie an der Hand und zusammen gingen sie durch das Land, um die Not zu lindern. Die christliche Charitas betätige sich auf allen Gebiete», sie mache auch nicht Halt an der Grenze des Meeres, sondern schreite noch über dasselbe. Redner gedenkt sodann der ein­zelnen charitativen Bestrebungen und Vereinen und führt weiter aus, daß es mit Geld nicht allein getan fei, sondern daß jeder persönlich in den Dienst der Nächstenliebe treten muß. Nament­lich gelte das an den Fremden, die sich beson­ders der Jugend anzunehmen hätten. Keiner bleibe zurück. Die Siebe wird siegen. (Stürmi­scher Beif.)

Zum Schluffe sprach, 'lebhaft begrüßt, Abg. Gröber und legte Bericht dar über die Sozial­politik der General-Versammlungen der Katho­liken Deutschlands. Diese Sozialpolitik sei das schönste, was die Katholiken errungen hätten. Ehe es eine Sozialdemokratie gegeben habe, hätten die Katholiken sie schon betrieben und Bebel habe als Handwerksbursche in Süddeutschland ihre Wohltaten oft genoffen. (Stürmischer Beifall.) Im weiteren legt Redner die sozialen Errungeu- schaften im einzelnen dar, beginnend von dem Geburtsjahre der katholischen Sozialpolitik, dem Jahre 1848. Seine zündenden und, weil vom Herzen kommend, zum Herzen sprechenden Worte fanden stürmischen Beifall. Damit schloß die Versammlung.

Gegenwart sehr vermissen," sagte er, „aber ich bin ja hier nicht verlassen. Die Zeit vergeht mir schnell, da ich mich kräftig genug fühle, um täglich in den Wald zu gehen und dort die herrliche Luft einzuatmen. Reise getrost! Ich freue mich, wenn Du Dir irgend ein Vergnügen verschaffen kamst "

Nach dem Diner trug sie der Baronesse ihren Wunsch vor. Diese schien davon etwas betroffen zu fein. Ihre Einwilligung klang durchaus nicht sehr er­mutigend. „Sie werden mich hoffentlich nicht auf zu lange Zeit verlassen," sagte sie.

Lisbeth tat es leid, ihre gütige Wohltäterin be­trüben zn müssen; doch ihre Furcht, dem Baron zu begegnen, überwog alle ihre Bedenken.

„Sobald er seine Ankunft meldet," beschloß sie bei sich, „reise ich ab. Ich kann feinen Anblick nicht ertragen."

21. Kapitel. Wiedersehen.

Es war der dritte Tag, daß die Baronesse das Telegramm an ihren Neffen abgeschickt hatte. Heute erwartete sie bestimmt einen Bries von ihm; doch der Postbote kam und keine Nachrichr von Paul. Lisbeth hatte wohl Acht daraus gegeben, um darnach ihre Maßregeln zu treffen.

Der Tag war außerordentlich heiß gewesen; ein herrlicher Abend war ihm gefolgt. Lisbeth hatte mit ihrem Bruder einen Spaziergang in den Park ge­macht; sie saßen zusammen unter hoben Bäumen, die sich nach und nach zum prächtig bestandenen Walde verdichteten.

Huberts kranke Brust sog mit Entzücken den stärkenden, würzigen Duft, dem ein sanfter Abend- Hauch ihm zuwehte.

Der alte Re ttncister des Schlosses hatte sich ihnen zugesellt. So oft es feine Zeit nur erlaubte, schloß er sich Hubert an, und lauschte mit dem größten Jnteress- rr.c "essen Erzählungen über Amerika.

LiSbcch ‘■■‘erlieg Cie beiden Männer p.n selbst; sie wanderte weiter in dos Dickicht hinein, uni in ::ncm

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Berlin, den 26. August 1903.

* Die ,3161. Ztg.' ist sehr ungehalten über die freundlichen Worte, die die,Kreuzzeitung' der Kölner Katholikenversammlung widmet. Sie sieht darin einen neuen bedenklichen Beweis für die „Intimität der konservativ-klerikalen Brüderschaft" und mahnt die Liberalen, sich bei den Wahlen diese „Wetterzeichen" genau zu merken. Ja, aber je schärfer die Liberalen Konservative und Zentrum bekämpfen, umso „intimer“ muß doch naturgemäß die „Brüderschaft" werden. Die ,3lat. Ztg.' meint, zum Mindesten hätte die.Kremztg' mit ihrem „auffallend warmen Erguß" doch etwas warten können. Das war gar nicht nötig, denn die Kreuzztg.' konnte ganz genau wissen, daß die Katholikenversammlung nichts tun werde, was das Urteil über sie ändern müßte. Die ,3lat. Ztg.' hat sich Mühe gegeben, in den Versammlungsberichten etwas zu finden, was ste der ,Kreuzztg.' entgegenhalten könnte. Sie hat nichts auftreiben können als die paar Sätze in der Rede des Justizrats Custodis: „Man spreche von Frieden, aber Frieden fei nirgends eingetreten. Man preise die Freiheit und Rechtsgleichheit als eine Errungenschaft neuester Zeit. Wo ist die Freiheit der Kirche, wo die Rechtsfreiheit der katholischen Bürger in Staat und Gemeinde? Unsere Geduld ist aber zu Ende. Wie Hohn klingt das Wort von „Rechtsstaat". Diese Sätze findet das Blatt besonders „aufhetzend". Sie beweisen aber nur seine Verlegenheit, etwas Aufhetzendes zu finden. Die.Post' midmet der „ultramontanen Heer­schau" einen langen Artikel, der den „Ultra- montanen" ein gewisses Recht, stolz und be­geistert zu sein, wohl zuerkennt, über die Verhand­lungen im Einzelnen jedoch sehr abfällig und zum Teil gehässig urteilt. Da wir in den nächsten Tagen wohl noch in vielen Blättern eine ähnliche freundliche Kritik lesen werden, kommen wir vielleicht noch auf die Sache zurück.

*§ Die ,Nordd. Allg. Ztg.' schreibt: „Unsere Erklärung, daß die Mitteilung über eine Aus­einandersetzung zwischen dem Kaiser und dem Reichskanzler in der Jesuitenfrage auf Erfindung beruht, genügt dem .Reichsboten' nicht. Er meint, wir hätten bekanntlich nur dementiert, daß die Auseinandersetzung auf Grund einer Vorstellung des evangelischen Ober« kirchenrates erfolgt fei. Demgegenüber fei ihm nunmehr „schlicht und einfach", wie er es Haven will, gesagt: Die Behauptung, es habe zwischen Seiner Majestät dem Kaiser und dem Reichs­kanzler über die Frage der Aufhebung des § 2 des Jesuitengesetzes überhaupt eine Auseinander­setzung stattgefunden, ist eine Lüge." Diese Er­klärung ist so unzweideutig, daß der .Reichs­bote' seine Angaben wohl nicht aufrecht zu er­halten versuchen wird. Ein paar ganz findige Blätter (.Leipziger Tageblatt' und .Hannov.

Körbchen die verschiedenartigen Moose zu sammeln, deren zarte, wunderbare Schönheit sie stets neu be­wunderte.

Jyre Gedanken f Jitoeiften zurück zu jenem Abend, der für sie so wehmütig süße Erinnerungen hatte. Es war ihr, als flüsterten die hohen Kronen der Bäume über ihr die Worte, welche Baron Eggenberg damals zu ihr gesprochen hatte. Sie überließ sich willig der fußen Erinnerung an das kurze Glück jener längst verrauschten Stunden.

Warum foQ.e sie sich das nicht gönnen? Sie hatte ja kein törichtes Hoffen für die Zukunft. Sie wollte ihn ja fliehen; denn sie hatte längst ihr Herz verstanden und fühlte, daß es dem Schmerz erliegen würde, von ihm mit kalter Gleichgiltigkeit behandelt zu werden, fühlte aber auch, daß sie noch viel weniger dem Zauber seiner Freundlichkeit widerstehen könnte. Sie durfte dem krankhaften Sehnen ihres Herzerzs keine Nahrung geben; ihr mußte die Erfüllung ihrer Liebespflicht genügen.

Aber erinnern wollte sie sich jenes flüchttgen, be­rauschenden Glückes, das sie genossen; das Gedenken daran war so wonnig, und unwillkürlich entströmte ihren Lippen das damals gesungene Lied: „O Täler weit, o Höhen, o schöner, grüner Wald!"

Sie ahnte nicht, zu wem die Töne drangen, wem sie als Führer dienten.

Baron von Eggenberg war auf das Telegramm seiner Tante sofort von Rom abgereist, selige Hoff­nung im Herzen. Ohne Aufenthalt hatte er die weite Reise zurückgelegt. Er hatte keine Depesche geschickt; er wollte seine Tante, er wollte Elisabeth überraschen.

Während seiner Reise hatte er sich jeden ihrer Blicke in der Erinnerung wachgerusen, jedes Wort, das sie zu ihm gesprochen, und süße angenehme Träume umgaukelten ihn.

Er war am äußeren Parktor ausgefliegen, um sich zu Fuß ins Schloß zu begeben. Er vermutete die Damen auf der Terrcsft; vahin wollte er zuerst. Um nickt vorder gegeben zu werden, batte er die dichten