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fUlda, Mittwoch, den 26. August 1M3.

Die zweite öffentliche Versammlung wurde am Dienstag nachmittag 5 Uhr mit einem Andrang eröffnet, wie wir ihn bei Katholiken- verfammlungen noch nicht g sehen haben. An­wesend sind der Kardinal Fischer, die Bischöfe von Mechelen und Namur, der Erzbischof von

treten. (Stürmischer Beifall) (In diesem Augenblick betritt Kardinal Ferrari den Fest- raum, von minutenlangem Beifall und donnerndem Eviva! begrüßt. Der Präsident richtet eine be­geisterte Ansprache an den Kardinal, die mit stürmischem Beisall ausgenommen wird.) Prälat Schadler schließt seine Rede mit dem Appell, treu zu halten zum Glauben, treu zu Rom, treu zu Fürsten und Vaterland. Wenn wir uns nicht verlassen, Gott verläßt uns nicht. (Donnern­der, minutenlanger Beifall.)

Graf Mansbach spricht hierauf über christ­liche Kunst. Dieselbe sei schon in den ersten Anfäng-n des Christentums gepflegt worden; große Erfolge habe sie im Mittelalter erreicht, aber auch heute noch sei christliche Frömmigkeit imstande, gleiches zu leisten, wenn auch zeitweise die christliche Kunst in der Nepzeit in den Hinter­grund getreten sei. Wahrheit und Sittlichkeit müsse die Kunst beleben. Die bloße Naturnach­ahmung mache den besten Künstler zum Photo­graphen. Schönheit und sittliche Auffassung müsse hinzutreten. Redner widerlegt unter stür­mischem Beifall die gegen die christliche Kunst erhobenen Vorwürfe. Hierauf hielt Kardinal Ferrari, stürmisch begrüßt, eine längere An­sprache in italiemscher Sprache, in welcher er die deutschen Katholiken pries und Mailand und Köln feierte. Der Präsident brachte auf ihn ein Eoviva ans, in das die Versammlung äußerst begeistert einstimmte. Damit ist die Sitzung beendet.

In der dritten offentlichenVersamm- lung werden sprechen: Redakteur und Verleger Len sing über Preffe und Literatur, Justizrat Dr. Porsch über die Stellung der Katholiken im öffentlichen Leben, P. Dalmatius über Charitas, Landgerichtsrat Gröber über Sozial­politik.

In der heutigen Versammlung des Volks­vereins für das katholische Deutschland teilte Kardinal-Erzbischof Fischer mit, daß er in Rom eine hohe Auszeichnung für den ver­dienten Vorsitzenden des Volksvereins erwirkt habe. Gestern morgen sei das Breve ange­kommen, worin der ht. Vater Herrn Fabrik­besitzer Brandts zum Komthur des Gregoriusordens ernenne. Unter dem lauten Beifall der Versammlung überreicht der Kardinal Herrn Brandts die Urkunde. Herr Brandts nimmt sie unter sichtbarem Zeichen der Rührung entgegen. Kardinal-Erzbischof Fischer fährt fort: Ich würde gern das Schreiben des hl. Vaters verlesen, aber meine Stimme reicht nicht hin; es ist in den lobendsten Ausdrücken verfaßt. Wir danken dem Herrn Vorsitzenden für alles, was er für den Volksverein getan hat, namentlich auch für sein herrliches Beispiel, das er als katholischer Fabrikherr gibt. (Lebhafter Beifall.)

30. Jahrgang.

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Fernsprecher Nr. 9.

50. Generalversammwng der Katho­liken Deutschlands.

------- (R«ch»r>xl »er»»teu.)

]:[ Köln, 25. August 1903.

Die zweite geschloffene Versammlung wurde um 11 Uhr durch den Präsidenten Örteret eröffnet. Dieselbe ist von mehreren Tausend Personen besucht. Präsident Oberer teilt die Ernennung des Fabriksbesitzers Brandts zum Komtur ves Gregormsordens mit l stür­mischer Beifall) und verliest ein Begrüßung - schreiben der Fuldaer B-schofskonferenz an die Generalversammlung. (Erneuter stürmischer Beifall.) Fernere Begrüßungen sind zugegangen vom Grasen Ballestrem, von den Blfchchen von Königgrätz und Leitmentz, vom Tschechischen Katholikenklub, vom kathol. kaufm Verein m Paris und aus Christiania Sodann befür­wortet Dr. Huppert die Jubiläumsan­träge: sie betreffen Freiheit der Kirche, Studium der sozialen Frage, christliche Nächstenliebe, Für- sorae für die Diaspora, Förderung der Kunst, Litteratur und Presse, christlichen Kunst und des Volksbildungswesens. Die Anträge werden ein­stimmig angenommen. Sodann empfiehlt Prälat Nacke Anträge, welche den Peterspfennig em­pfehlen, den Verein vom hl. Lande, das Pilger- Haus in Jerusalem, die Canisiusgesellschaft, den Afrikaverein, die deutschen Misftonshäuser, den Misfionsverein der Frauen und Jungfrauen, Zulassung der Marianischen Gymnasiasten-Kon­gregationen (Abgg. Dr. v. Orter er und Roer en forderten dringend die Aufhebung des betr. Ministerialerlaffes; die Eltern müßten energisch beim Kultusminister darum petitionieren), die Windthorstbunde, Bekämpfung des Duells, Beitritt zur Antiduellliga (befürwortet durch den Fürsten Löwenstein und Dr. Bachem), Be­kämpfung der öffentlichen Unsittlichkeit (befür­wortet durch Abg. Roer en). Dieser Antrag

empfiehlt die Begründung von Vereinen zur Bekämpfung der öffentlichen Unsittlich­keit nach dem Muster des in Köln schon be­stehenden Vereins und fordert zur Selbsthilfe im Kampf gegen die Unsittlichkeit auf a) mittels der Presse, b) durch Herbeiführung behördlichen Einschreitens in den dazu geeigneten Fällen, c) durch die Einigung der Mitglieder des Ver­eins und der Freunde seiner Bestrebungen, die­jenigen Geschäfte, die den Vertrieb derartiger anstößiger Sachen nicht aufgeben, grundsätzlich bei den Einkäufen zu meiden. Sämtliche An­träge wurden angenommen. Damit ist die Sitzung erledigt.

Deutsches Reich.

Berlin, den 25. August 1903.

§ DieKaiserinsel." Der .Vorwärts' wiederholt den Vorwurf wiffentlicher Unwahr-

Neffen zu telegraphieren und ihn zurückzurufen, doch wollte sie zuerst einen Brief von ihm erwarten.

Die Tage schwanden, ei kam keine Nachricht von ihm; auch auf Erkundigungen bei seinen Eltern erfuhr sie, daß diese über seinen jetzigen Aufenthalt in Ur- gewißheit waren. Durch seine jahrelange Abwesen­heit war man aber so daran gewöhnt, daß man sich darüber nicht beunruhigte.

Eines Tages kam unerwartet und unangemeldet Herr v. Kloben.

Die Baroneffe hatte Zeit g-nug gehabt, ihre Antwort an ihn zu überdenken, und es mangelte ihr nicht an Formengewandtheit, dieselbe so zart und schonend wie möglich umzukleiden. Uebrigens schien es ihr, als wenn die voraussichtliche Mitgift eines kranken Bruders seine Leidenschaft für die schöne Ge­sellschafterin etwas abgekühlt hätte.

Er verkehrte jetzt nur so viel mit den Schloß­bewohnern, als umumgänglich notwendig war, und so wie früher die Baroneffe alles aufgeboten hatte, um Lisbeth Herrn von Kloben näher zu bringen, wußte sie es jetzt geschickt so einzurichten, daß ihnen jedes peinliche Zusammensein erspart wurde.

Vier Wochen waren schon ins Land gegangen, seitdem die Baroneffe mit ihren beiden Schützlingen ihren Einzug in ihr Schloß gehalten hatte, und noch war keine Nachricht von Paul eingelaufen.

Zuerst hatte die Baronesse ungeduldig gewartet, dann aber die Zeit benützt, Lisbeth etwas zn son­dieren, um zu sehen, ob dieselbe ihrem Neffen geneigt war. Bei reiflicher Erwägung ihrer gewonnenen Resultate wurde sie beinahe schwankend, ob es recht sei, demselben Hoffnung zu machen.

Hatte sie es srüher ganz vermieden, von ihm zu sprechen, so erwähnte sie seiner jetzt sehr oft, um den Eindruck zu beobachten, den es auf Lisbeth mache. Doch nichts bemerkte sie, woraus sie hätte schließen köonen, daß sie für ihren Neffen auch nur das leiseste Jnter-ffe empfinde. Sie sprach wohl von dem Danke, den ste ihm schulde; aber das klang so kühl, so ftemd, als hätte sie ihn ftüher nie gekannt.

Lüttich, der Weihbischof von Köln und ein italienischer Bischof. Präsident Dr. v. Drterer teilt mit, daß vorn hl. Vater ein Antworttele­gramm auf das Huldigungstelegramm eingelaufen (st. In demselben ermahnte der hl. Vater in den Fußtapfen der Väter weiter zu wandeln und fort und fort für die stetige Förderung der katholischen Sache zu sorgen. Brausender Bei­fall folgte der Verlesung des Telegramms, an deffen Schluß der hl. Vater seinen Segen spendet. Hernach teilt der Präsident nvt, daß bald der Erzbischof von Mailand eintreffen werde (Bravo.) und daß Graf Steinheim-Salonekin 2000 Mark für die Kölner Arbeiter und 2000 Mk. für d.e Christen in Armenien gestiftet hat.

Erster Redner ist Pfarrer Wurm. Derselbe führt aus, der alte Kreuzfahrer-RufGott will es" gelte auch noch heute; 1/b der Erdbewohner gehörten dem Katholizismus an. Die Mifsions- tätigteit im 19. Jahrhundert sei segensreich ge­wesen und Deutschland habe einen großen Anteil an ihr; VI* Millionen seien aufgewendet worden. Auf den Kopf der katholischen Bevölkerung ent­fielen 20 Pfg. pro Jahr; dieses Opfer muß noch größer werden. (Bravo!) Redner empfiehlt die einzelnen Missionsvereine und lobt besonders die Verdienste des Prälaten Nacke um den Boni- fatius-Verein. Nicht von Rom kommen die Gel­der, wie die Gegner sagten, sondern vom Boni- fatius-Verein. Auch in unserer deutschen Heimat sei noch vieles zu tun; er erinnere an Berlin, Nürnberg und Sachsen. Darum auf, katholisches Volkl Betrachte es als eine Ehrenpflicht, für den Bonifatius - Verein tatkräftig einzutreten. (Langanhaltender stürmifcher Beifall und Hände­klatschen.)

Von nicht enden wollendem Applaus begrüßt, betritt hierauf Prälat Schädler die Redner­tribüne. Köln sei noch! das zeige die dies­jährige Versammlung, das sage der Name: Karl Trimborn, das sage das Wort ,Kölnische Volks­zeitung! Von Köln sei im vorigen Jahrhundert der Funke der katholischen Bewegung in alle Welt ausgegangen. In der Schreckenszeit des vorigen Jahrhunderts, als die Throne erzitterten, seien die Katholiken auf ihrer Generalversamm­lung für die Autoritäten eingetreten, (Lebh. Beif.) und seitdem hätten sie für das Vaterland auf den Schlachtfeldern ihr Leben gelaffen. Auf den Schlachtfeldern bleichten auch die Knochen der Priester und Ordensschwestern. (Sang an­haltender, stürmischer Beifall.) Er erinnere aber auch an das Kölner Gefängnis und doch hätten die Katholiken keine Revision ihrer monarchischen Gesinnung eintreten lasten. (Lebh. Beif.) Der Liberalismus sei allerdings jetzt in Liquidation. (Stürmischer Beif.) An seine Stelle sei die Sozialdemokratie getreten, doch die Katholiken seien zum Kampf bereit, zum Kampf für Staat und Kirche. (Lebh. Beif.) Es werde Zeit, daß der Staat einsehe, daß er der Kirche bedürfe. Statt besten dauere der Kampf gegen die Kirche allein fort. Die Hoffnung muffe man auf den Kaffer fetzen, der ja selbst unter dem Kreuze stehend das Volk aufrufe unter das Kreuz zu

Pauline öffnete es eilig.Verzeihe", IaS sie,daß ich ohne persönlichen Abschied von Dir scheide. Ich reise mit Manfred nach Rom. Später mehr. Sorge für meinen Schützling! Lebe wohl! Paul!"

Ist mein Neffe denn in der Residenz?" fragte sie.

Der Herr Baron kam gestern hier an", ant­wortete Lisbeth.Er war bei meinem Bruder gerade zu einer Zeit, als ich für denselben einige Einkäufe besorgte. Ich habe ihn nicht g.sehen. Bor ungefähr einer Stunde nun kam Herr v. Breien zu m.s und verabschiedete sich. Er sagte mir, er freue sich sehr, seinen Freund, den Herrn Baron, als Reisebegleiter bekommen zu haben."

Die Baroneffe hatte achtsam zugebört.Paul darf jetzt nicht verreisen. Wir wollen ihn zurück­halten. Wann geht der Zug? Wir wollen schnell ans den Bahnhof." »

Durch das offene Fenster hörte man die ehernen Schläge einer Turmuhr. 5 Uhr. Und im Zimmer pickte lustig eine Stutzuhr mit hellem Silberton fünf rasche Schläge, als wollte sie noch einmal neckend be­stätigen, was die Turmuhr erst verkündet hatte: Zu spät."

Wir können die Herren nickt mehr erreichen, Baroneffe; sie find mit dem Kurierzug um 5 Uhr abgefahren."

Hubert machte zuerst allerlei Einwendungen und Lisbeth hatte aus allzugroßer Liebe ihrem Bruder schon nachgegeben. Die Baroneffe aber backte ver­nünftiger und handelte danach. Sie wußte es so ein- zurichien, daß sie in Abwesenheit Lisbeths Hubert einen Besuch abstattete.

Durch die Baronesse erfuhr er den Edelmut seiner Schwester; sein krankhafter Eiger sinn wider­stand nickt länger und, einmal überwunden, wurde er von der bestrickenden Liebenswürdigkeit und zarten Güte der Baroneffe so eingenommen, daß er jetzt selbst seine Schwester um beschleunigte Ausführung des Vorhabens bat. Bald fiedelten die Geschwister auf dos gastliche Schloß über.

Die Baroneffe hatte die Absicht gehabt, threm

Zeitung

Monatsbeilage:Mdaer Geschichtsblätter".

beit gegen den Hofmarschall von Trotha und fordert die Staatsanwaltschaft nochmals auf, die Klage wegen Beleidigung des Hofmarschalls zu erheben. In dem Prozesse werde er dann unter Beweis stellen:1. Daß das Familien­schloß auf Pichelwerder in höfischen Kreisen ein in Aussicht genommenes Projekt ist. Ja, es wird sich zeigen, daß dieser Plan bereits viel greifbarer ist als in der abschwächenden Darstellung des .Vorwärts'; 2. Daß die Hcfherren die Notwen­digkeit dieses Baues ausdrücklich mit der persön­lichen Sicherheit des Königs begründet Haden;

3. Daß die Insel zu diesem Zweck enteignet werden soll; 4. Daß ein besonderer Verwattungs- bezirk und Reichstagswahlkreis geschaffen werden soll, in dem nur königliche Angestellte wohnen sollen. Herr v. Trotha wird insbesondere noch bezeugen, daß er die bisher erst in der Form einer Anregung Nr. 1 bis 4 ist dagegen be­reits gestalteter Plan aufgetauchte Frage der indirekten Zusammenstellung der Garde aus Elite­mannschaften für sehr erwägenswert hält." Weiter erklärt er, denwahnwitzigen" Reichstags-Wahl­kreis, in dem nur königliche Angestellte wohnen sollen, näher beschreiben zu können.Er soll immer nach der Absicht der Hofprojektenmacher « sich zusammensetzen aus der Kaiserinsel Pichel­werder, dem Bezirk der staatlichen Werkstätten in Spandau, der Domäne Rahleben, dem Be­zirk Doberitz und Hahneberg." Wenn der .Vorwärts' alles das beweisen kann, so verstehen wir immer noch nicht, warum er auf eine Anklage wartet.

§ Der Besitzer des Schlosses Dammmühle, das nach einet Zeitungsmeldung für 2 Millionen Mk. in den Besitz der Krone üb er gegangen sein sollte, erklärt diese Meldung für gänzlich unbegründet. Es schwebten keinerlei Verhand­lungen wegen Verkaufs des Schlosses.

]:[ Die Ergebnisse der von den Gewerbe- aufsichtsbeamken veranstalteten Erhebungen über die Dauer der tägliche« Arbeitszeit der in Fabriken und diesen gleichgestellten An­lagen beschäftigten Arbeiterinnen liegen nun­mehr für Preußen vollständig vor. Danach haben in Preußen bereits 71 v. H. der Betriebe mit ungefähr 61,8 v H. der Arbeiterinnen eine tägliche Arbeitszeit von höchstens zehn Stunden. Demgemäß sprechen sich 21 von den 28 preußi­schen Gewerbeaufsichtsbeamten für die Einführung der zehnstündigen Maximal-Arbeitszeit für er­wachsene Arbeiterinnen aus. Dagegen sind nur wenige Berichterstatter für eine gesetzliche Fest­legung einer l'/zftünbigen Mittagspause, wollen dieselben vielmehr dem Belieben der Arbeitgeber bezw. Arbeiter überlasten. Der größere Teil der Gewerbeaufsichtsbeamten hält es für unzweck­mäßig bezw. undurchführbar, den Arbeitsschluß an den Vorabenden der Sonn- und Festtage auf eine frühere Stunde, als 51/s Uhr, zu verlegen.

** In Zuschriften an die ,Kreuzztg.' und den .Reichsboten', sowie in verschiedenen Zeitungen wird Einspruch erhoben gegen den Ton und In­halt der Kritik, die auf dem Pfarrvereiustage in Koburg bei der Verhandlung über den Zu-

Ende Juni nahte heran. Da endlich brachte die Post einen Brief aus Rom, der dem Zaudern der Baroneffe ein Ende machte. Paul sprack sich rückhalts­los über feinen Zustand aus. Seine Reise war eine Flucht gewesen, eine Flucht vor Lisbeth, mit der ei ihm unmöglich wäre, noch einmal zusammen zu kommen. Selbst bei seinem letzten Aufenthalte in der Residenz habe er es vermieden, sie zu sehen. Er habe im Hause der Frau von Ralbow einmal ihre Stimme gehört, da habe er sich die Obren zugchalten und sei geflohen. Er hatte mit dem Schreiben gewartet; er hatte ge­hofft, ruhiger, gefaßter zu werden, den Schmerz nt seinem Innern vergraben zu können. Er sehe etn, daß es nicht so schnell ginge und daß er vor Lew zn ersticken vermeine, wenn er es Niemandem klage. ES wäre ihm furchtbar schwer, dem Uebeliäter zu ver­zeihen, der durch den gefälschten Bries sein Lebens­glück vernichtet habe. Die Aufklärung sei für ihn zu spät gekommen. O, dieses entsetzlichezu spät . Ge- wiß wäre es seiner Liebe gelungen, Elisabeth für sich zu gewinnen. Warum habe er sie aber auch emeS solchen Briefes fähig halten können! Er trage schwer an der Strafe seines Verdachtes.

Ich kann mir nicht denken", schrieb er,daß es noch jemanden gibt, der Elisabeth so liebt wie ich. Ich fürchte, Herr von Kloben kann noch einmal An­stoß nehmen an dem traurigen Erbteile, welches der Vater Elisabeths ihr dwch seinen Namen hinterlaffe« hat. Wirst Du glauben, Tante, daß dies ihr Unglück für meine Liebe nur ein noch größerer Reiz ist? Niemand sollte cs je wagen, ihr zu nahe zu treten; wie meinen Augapfel würde ich sie behüten. Was wären mir die Anspielungen, Anzüglichkeiten, ja der Spott der ganzen Welt gegen ihre Siebe! Ich kehre nicht eher zu Dir zurück, bis sie ich kann es nicht niederschreiben bis, ich sie nicht m>hc bei Dir finde. Ich könnte ihren Anblick nicht erttagen; der Mut, ote Kraft fehlt mir dazu. Emen Gruß an sie lege ich nicht bei; zwischen uns muß jede Verbindung gänzlich zerschnitten werden. Grüße Hubert. Dank Dir, daß Du für ihn sorgst." iS- s)

Fügungen.

Erzählung von A. Ahdolph.

43 ------ (Nachdruck verboten.)

Ich bitte Sie inständigst, gnädigste Baroneffe, mich mit Herrn v. Kloben in gar keine Verbindung zu bringen. Sein Urteil über meine Familie ist mir ganz gleichgültig." . .

Doch Ihre Worte am letzten Abend, daß Sie einem Manne, den Sie liebten . . -

Ick erinnere mich," fiel Lisbeth errötend der Baroneffe ins Wort.Ich war sehr erregt, trotzdem nehme ich keines meiner Worte zurück; ich halte sie aufrecht, aber mit der Erläuterung, daß ich, als ich sie aussprach, nicht an Herrn v. Stieben dachte."

Lisbeth wußte nicht recht, warum die Baroneffe sie so ungestüm umarmte und küßte.So bleiben Sie bei mir, mein liebes Kind! Haben Sie Pauline von Eggenberg so wenig kennen gelernt, daß Sie glauben konnten, sie habe ein Herz von Stein und würde es zugeben, daß Ihr Bruder, krank und elend, fremder Pflege überlaffen würde, wenn er noch eine Schwester hat? Nein! Ich hole Sie, meine Liebe, und nehme Ihren Bruder mit. In meinem Schlosse ist genug Raum. In der reinen Landtuft wird er auch eher gefunden, als in der verpesteten Atmosphäre der großen Stadt. Ich nehme keinen Widerspruch an; noch heute sprechen Sie mit dem Arzte. Er mag bestimmen, wann und wie die Uebersiedelung stattfinden soll."

Lisbeth fand zuerst feine Worte des Dankes; ihr Herz war übervoll; sie küßte wiederholt die Hand der edlen Damck .....

Nun will ich Sie nicht langer Ihrem Bruder entziehen. Eilen Sie zu ihm!"

Lisbeth erhob sich- In diesem Augenblicke klopfte ei- der Bote brachte ein Telegramm, welches, in der Residenz an gegeben, nach dem Schlosse der Baronesse adressiert und von dort sofort zurück dirigiert worden war.