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30; Jahrgang

flllda, Dienstag, den 25. August 1903.

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Monatsbeilage: „Zuldaer Geschichtsvlatter". Fernsprecher Nr. 9.

50. Generalversammlung der Katho­liken Deutschlands.

------- (Nachdruck Verbote».)

]:[ Köln, 24. August 1903.

Zweiter Tag: Montag.

Der zweite Tag wurde eingeleitet durch ein feierliches Hochamt im Dome zur Anrufung des hl. Geistes. Demselben wohnte eine ungezählte Schar von Besuchern des Katholikentages bei. Das herrliche Wetter hat zur Folge, daß der Zuzug nach Köln den gestrigen Sonntag noch übertrifft. Der große Saal in der Bürger­gesellschaft war bereits bis auf den letzten Platz gefüllt, als um 9*/s Uhr

Die I. geschlossene Versammlung eröffnet wurde. Ter Versammlung wohnten zahl­reiche illustere Persönlichkeiten, u. a.: Fürst Löwen­stein, Prinz Arenberg, die Bischöfe von Namür, Kopenhagen, der Abt von St. Ottilien in Bayern und zahlreiche Abgeordnete^ bei. Der Vorsitzende des Lokalkomitees Justizrat Custodis wies in seiner Begrüßungsrede darauf hin, daß der Kampf gegen die Katholiken wieder heiß ent­brannt sei. Den Katholiken wolle man die Rechtsgleichheit versagen, ihre Forderung nach dieser werde als Anmaßung bezeichnet. Man hoffe auf den Abfall von der Kirche. Daher die Verleumdung alles dessen, was uns heilig sei. Schwäche sei hier gefährlich, desgleichen Uneinigkeit im eigenen Lager, besonders gefähr­lich sei der Irrweg der falschen Reform. So­lange ein Bußsakrament bestehe, werde Mn uns des Aberglaubens und des Götzendienstes zeihen. Mit Halbheit komme man nicht weiter, Halbheit hätten auch die Gründer der Katholikenversamm­lung nicht gekannt. Es seien Männer wie die Eiche gewesen. Es gelte aber auch zu zeigen, daß die Katholiken Förderer der Kultur seien und sich von niemanden an Patriotismus übertreffen ließen. (Stürmischer Beifall), namentlich nicht von denen, die sich so gern „national" nennen, die aber die Rechtsgleichheit im Vaterlande dahin auffaßten, daß sie den Jesuit schlimmer be­handelten als den Vagabunden. (Stürmischer Beifall). Man werde siegen, wenn man die Einheit bewahre. (Beifall und Händeklatschen.)

Zum Präsidenten wurde hierauf gewählt Gymnasialdirektor Dr. v. Orter er, Präsident der bayerischen Kammer. Derselbe nimmt die Wahl dankend an und betonte in seiner Antrittsrede die soziale Tätigkeit des katholischen Volkes. Be­sondere Anerkennung verdienten die Herren Fürst Löwenstein, Erbdroste Vischering, Graf Stolberg, Graf Galen, die sich um die Katholiken ein großes Verdienst erworben hätten. Bewahren müßten wir, was uns die Väter erobert, und erobern, was uns zukomme. „Tätig, einig, freudig!" (Lebh. Beifall.) Zum Ehrenpräsi­denten wurde unter lebhaftem Beifall der Ver­sammlung Fürst Löwenstein gewählt. Zu

Fügungen.

Erzählung von A. Uhdolph.

42 ------ (Nachdruck verboten.)

„Ich habe keinen Grund, daran zu zweifeln, und ich freue mich, daß ihr Lebensschiffchen glücklich in den Hafen der Ehe einlaufen wird.

Der Baron erhob sich. „Verzeihe, daß ich Dich störte," sagte er mit vollkommen ruhiger Stimme und merkwürdig gleichgiltigem Gesichtsausdruck. „Ent­schuldige auch, wenn ich nicht pünktlich beim Abend­brot erscheine. Ich will einmal einen tüchtigen Ritt durch meine Forsten machen. Doch richtig," — sein Blick fiel auf die Briefschaften, welche er noch immer in der Hand hielt — „hier schickt Manfred auch etwas für Dich."

Er reichte seiner Tante das an sie addresfierte Schreiben.

„Ach, von Lisbeth", sagte die Baroneffe und wollte es öff en; der Brief war aber schon aufge- riffen.

Paul sah es. „Tantchen", bemerkte er, „das mag auf irgend einem Irrtum beruhen. Er kam so an."

Die Baronesse entfaltete ihn; Paul wollte sich entfernen.

„Warte nur noch kurze Zeit; es wird Dich interef fieren, von Hubert Ulmenau Näheres zu er­fahren "

„Manfred hat mir viel von ihm mitgeteilt; doch höre ich gern noch einmal."

Paul wußte eigentlich kaum, was er sagte; matt ließ er sich auf einen Sessel, nieder, der in einer der tiefen Fensternischen stand. Seine Gedanken drehten fich ohne Aufhören um denselben Gegenstand. Seit er wußte, daß Fräulein Ulm eigentlich Ulmenau heiße, und einen Bruder namens Hubert habe, fiel jeder Makel aus ihrem Leben für ihn weg, es blieb nut noch der unziemliche Ton übrig, den fie ihm

Vizepräsidenten wurden gewählt Albrecht Frhr. v. Stotzingen u. Abg.GrafPraschma. Hierauf wurden die Schriftführer gewählt und die Vor­sitzenden der Ausschüffe. An den hl. Vater wurde folgendes Telegramm gesandt: „Die Jubel- Versammlung der Katholiken Deutschlands, heute zum 50. Male in Köln versammelt, tritt mit vollem Vertrauen zum hl. Vater, ihm die instän­dige Bitte zu unterbreiten, Se. Heiligkeit möge geruhen, den Verhandlungen und Beschlüssen dieser Jubelversammlung, welche einzig das Wohl unserer hl. Mutter der Kirche und seines Vater­landes bezwecken, mii seinem apostolischen Segen zu begleiten und zu unterstützen und benutzt zu­gleich diese Gelegenheit, ihrer kindlichen Liebe und unerschütterlichen Treue gegen den Stellver- treter Christi Ausdruck zu verleihen und die un­ermeßliche Güte Gottes, welche dem hochseligen Papste Leo XIII. einen so würdigen Nachfolger, der Kirche einen so milden Hirten gegeben, mit dankbarem Herzen zu bitten, uns auf viele Jahre zu erhalten unseren hl. Vater Pius X." Eine weitere Huldigungsdepesche ging an den Kaiser. Es wird darin der Wunsch nach einem einträch­tigen Zusammenwirken von Staat und Kirche zum Ausdruck gebracht. Die Versammlung be­schließt dann noch eine Resolution, die die volle Unabhängigkeit und Freiheit des hl. Vaters fordert.

Die erste öffentliche Generalversammlung wurde kurz nach 5 Uhr eröffnet. Die Festhalle, welche 8000 Personen faßt, ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Zahlreiche Personen umlagern die Halle mit dem Bedauern, daß sie keinen Platz mehr gefunden. Stürmisch begrüßt betritt Kar­dinal Fischer den Saal. Außerdem sind die Bischöfe von Namur und Nepi anwesend, ferner der Abt von St. Ottilien. Präsident Dr. von Ort er er eröffnet die Versammlung mit dem katholischen Gruß, welcher bekunde, daß die Be­ratungen der Versammlung im engen Anschluß an die kirchlichen Autoritäten erfolge. Redner gedenkt sodann Leo's XIII. und erklärt, daß das katholische Volk allen Anlaß habe, mit Vertrauen zu. seinem Nachfolger aufzublicken, der, aus den unteren Volksschichten hervorgegangen, stets einen wahren Edelmut bekundet habe. Es sei zu hoffen, daß er nicht die Leiden durchzumachen habe, die so manche seiner Namensvorgänger durchgemacht hätten. Sollte es aber doch so kommen, so würde das katholische Volk treu zu ihm stehen. (Stürmischer Beifall.) Redner ver­liest dann folgendes päpstliche Schreiben:

; ’ PiuS PP. X.<

tZ'Geliebter Sohn/ Gruß 'und apostolischen ©egen!’S "jp Das Schreiben, das du jüngst im Namen des vor- bereitendenKomitees der katholischenGeneralversammlung an Uns gerichtet hast, bestimmt Uns aus zweifachem Grunde, euch mit besonderer Freude Unseren Dank und Unser vorzügliches Wohlwollen zu bekunden. Die ge- aneinsame, glückwünschende Huldigung, die ihr Uns zum Antritt des durch Gottes gnädige Fügung Uns anvertrauten apostolischen Oberhirtenamtes habt dar­

gegenüber im Briefe angeschlagen hatte. Welcher Widerspruch mit ihrem schüchternen, zurückhaltenden Wesen und Sprechen! Doch fort mit den Gedanken an die Braut dieses „Kloben".

Die Lektüre seiner Tante dauerte sehr lange; er hatte darauf nicht Acht. Endlich schreckte ihn ihre Stimme aus seinem Brüten auf.

Die Baronesse war zu ihm getreten und hatte ihre Hand auf seine Schulter gelegt.

„Paul", sagte sie, „noch sehe ich nicht klar, aber mir scheint, wir sind in boshaftester Weise hinter- gangen worden. Durch wen erhieltest Du den Brief?"

„Durch Manfted", antwortete Paul, noch viel zu sehr unter der Herrschaft feiner eigenen Gedanken, um auf die sonderbare Erregtheit feiner Tante zu achten.

„Und er schreibt Dir keine Erklärung, wie dieser Brief in seine Hände gekommen ist?"

„Welcher Brief?" fragte er zerstreut.

„Der Brief, den Tn mir soeben gabst. Er ist von Lisbeth."

„Nun gut; fie wohnt ja bei seiner Schwester."

„Er ist nicht von jetzt; er datiert zwei Jahre zurück."

„Ich verstehe Dich nicht, Tantchen."

„Lies selbst!"

Sie gab ihm den Brief und ging, während er las, an ihren Schreibtisch, um aus einem der vielen ver­schlossenen Fächer ein Schreiben hervorzuholen. Sie betrachtete es mit prüfendem Blicke.

„Sollte sie zwei Briefe geschrieben haben? — Aber, war ich denn bis jetzt blind? Das ist ja eine ganz rem de Handschrift."

PaM hatte den Brief schnell durchflogen; es war das authentische Schreiben Elisabeth's an seine Tante. Seine Hand bebte, seine Brust arbeitete in heftiger Bewegung. Schon hatte er Mansred's Bries vorge­nommen, mit wahrer Gier setzte er die unterbrochene Lektüre desselben fort; hier mußte er vollständige Auf­klärung finden und er fand sie. Offen und genau teilte ihm fein Freund mit, was er von feinet Schwester

bringen wollen, legt Zeugnis ab von der kindlichen Ebrfurcht und Liebe, die euch alle in Gehorsam und Ergebenheit gegen den apostolischen Stuhl so enge untereinander verbindet.

Die Tatsache aber, daß nunmehr bereits das 50. Jahr seit dem Beginn euerer Generalversammlung glücklich vollendet worden, berechtigt wie von selbst zu der sicheren Hoffnung, daß die gegenwärtige, wie ihr meldet, unmittelbar bevorstehende Jubelversamm­lung sich feierlicher und großartiger gestalten werde, als je eine der früheren. Darin liegt nun ein wahl­berechtigter, glücklicher Anlaß zu einer gleich gemein­samen Freude für alle: nämlich zunächst für Uns, die Wir, auf der Hochwarte des apostolischen Stuhles wie vom hohen Bergesgipfel Umschau haltend, mit Herzens­freude erfüllt werden, indem Wir so viele aus den Scharen eueres Verbandes hervorgegangenen Verteidiger des Glaubens so tapfer gegen den Andrang der Irr­tümer kämpfen sehen; sodann für euch, indem ihr, das Andenken an die vergangenen Zeiten erneuernd, im Hinblick auf so viele Beispiele herrlicher Taten selbst neuen freudigeren Mut schöpfet und eben hierin ein Vorzeichen und die Gewähr noch reichlicherer Früchte für die Zukunft findet.

Wenn euch nun bei dieser Jubelversammlung be­sonders am Herzen liegt, gegen Gott, den Spender aller guten Gaben, die Pflicht des Dankes zu erfüllen, so will es Uns obliegen, das wohlverdiente Lob laut zu verkünden. Wir tun dies um so lieber, je offen­kundiger und gewisser schon vorher die Gesinnungen der Bewunderung und liebevoller Zuneigung waren, von denen Unser Vorgänger Leo XIII. unsterblichen Andenkens gegen dieGeneralversammlung der katholischen Vereine erfüllt war. Wir tun es in dieser feierlichen Weise, damit ihr durch dieses Zeugnis der Liebe von feiten des Papstes aufgemuntert, nicht nur um so be­reitwilliger, sondern auch noch um so freudiger^ fort­fahret in euren Arbeiten und euerem Wirken für die heilige Kirche.

Auch wird es bei dieser Jubelversammlung gewiß sehr angemessen erscheinen, das Andenken der Hinge­schiedenen aus eurem Bunde, des Ludwig Windthorst und der anderen hervorragenden Männer zu erneuern, deren Verlust von Vaterland und Kirche schmerzlich empfunden wird, und die vordem lange Zeit hindurch eure Versammlungen durch ihre Teilnahme geehrt und durch das Gewicht ihrer Persönlichkeit geleitet haben. Vor allem bleibe die erste Stelle gewahrt dem hehren Manne Leo XIII., der eure Vereine stets begünstigt und gefördert hat; Leo XIII., welcher von seinem wieder­holt gegen das deutsche Volk betätigten väterlichen Wohlwollen jüngst noch einen herrlichen Beweis ge­geben, indem et den ausgezeichneten Oberhirten der Stadt, in welcher ihr eure Zusammenkunft feiern werdet, in Anerkennung seiner Verdienste in das heilige Kollegium der Kardinäle berufen hat.

Zu der allgemeinen Freude komme aber nun noch gleichsam als die Fülle und Krone aller Güter, die Wir inständigst euch von Gott erflehen, der apostolische Segen, den Wir allen, die nach Köln zur Versammlung kommen werden, aus der Fülle unseres liebenden Herzens im Herrn erteilen.

Gegeben zu Rom bei St. Peter am 16. August 1903 im ersten Jahre Unseres Pontifikats.

Pius PP. X.

An den geliebten Sohn Carl Custodis, Ersten Präsidenten des vorbereitenden Komitees der Katholiken­versammlung, Köln.

Hierauf begrüßt Redner den Kardinal und die Bischöfe und erbittet den oberhirtlichen Segen. Die anwesenden Oesterreicher und Elsässer bittet Redner unter stürmischem Beifall der Versammlung treu mit uns zusammenzuhalten. Einen warmen Appell richtet Redner an die Frauen und die Jugend, an der guten Sache mitzuwirken. Sodann begrüßt er die Presse, auch die nichtkatholische, für die in gleicher Weise wie für die katholische gesorgt worden sei, um im Anschluß hieran der „großen

Frieda gehört hatte; nur den Namen Lidwina's ver- schwiea er.

„Möge es Dir genügen," schrieb derselbe, „zu wissen, daß ich den Schmerz hatte, zu erfahren, daß eine mir sehr nahestehende Persönlichkeit einer solchen Handlung fähig war. Ich hoffe, auch Deine verehrte Tante, Baronesse Pauline, wird in ihrem Edelmut darauf verzichten, die Angelegenheit weiter zu verfolgen. Da ich den Inhalt des untergeschobenen Briefes nicht kenne, so kann ich nicht beurteilen, welche Wirkung er ausübte. Sehr tröstlich würde es mir sein, wenn dieser Betrug ohne verhängnisvolle, nachteilige Folgen ge­blieben wäre."

Baronesse Pauline hatte mit größter Spannung gewartet, bis ihr Neffe den Brief seines Freundes gelesen hatte. Nun sprang Paul wie elektrisiert auf. In feiner Freude vergaß er alles, er fiel der Baronesse um den Hals.

„Tantchen, das Rätsel ist gelöst. Der Brief war gefälscht Elisabeth ist unschuldig, rein, wie das Sonnenlicht. Lies Manfted's Bries. »Sieh! Das hat mir wie ein Älp auf meiner Seele gelastet und keine Zeit, keine Entfernung konnte mich davon befreien. Wie glücklich bin ich! Tantchen, wir müssen nach der Residenz. Sie ahnt gewiß nicht, konnte nicht ahnen, welcher Schatten auf ihr ruhte. Welch bitteres Unrecht taten wir ihr! Wie gut, daß es Gott fügte, daß sie noch in Dein Haus kam, und Du ihr durch Liebe ver­gelten konntest, was wir beide durch unseren Verdacht an ihr fehlten. Wie freue ich mich, fie wieder zu sehen. Tantchen, ich sah sie schon auf dem Bahnhofe bei meiner Ankunft. Manfred, teuerer Freund, welches Glück hast Du mir durch Deine Ehrenhaftigkeit be­reitet! Tantchen, wann reifen wir?"

„Herr v. Kloben," meldelein diesem Augenblicke der eintretende Diener. „Er ist soeben angekommen und bittet um eine Unterredung. Er wartet im kleinen Salon."

Der Diener verschwand.

Paul war bei der Meldung des Dieners auf den Sessel zulückzesunken und barg sein Gesicht in beiden Händen.

Toten" der Generalversammlungen zu gedenken, besonders des seligen Windthorst und Lieber. Auf die Jesuitenfrage übergehend meint Redner, es könne endlich dem katholischen Volke einmal der Geduldsfaden reißen. (Langanhaltender stürmischer Beifall.) Justizrat Custodis bittet, die Gänge freizulassen, da sonst die Versammlung wegen Ueberfüllung der Auflösung verfalle. Kar­dinal Fischer überbringt Segen und Gruß des hl. Vaters (stürmischer Beifall.) Köln sei stets eine Stätte katholischen Lebens gewesen. Es habe ihn immer geschmerzt, wenn man den Katholiken und namentlich den Rheinländern echtes Deutsch­tum abgesprochen habe. Die Katholiken ständen treu zum Kaiser, der, wie er wisse, ein wohl­wollendes Herz für seine katholischen Untertanen habe. (Lebhaftes Bravo!) Eminenz wünscht hierauf der Versammlung segensreichen Verlauf und spendet den Segen, den die Versammlung knieend empfängt. Nachdem der Präsident ein Hoch auf Se. Eminenz ausgebracht, spricht Rechtsanwalt Dr. Rumpf-München über die römische Frage. Der hl. Vater müsse seine territorielle Unabhängigkeit wieder haben, von dieser Forderung würden die Katholiken nicht ablassen. (Lebh. Beif.) Wenn auch der Kirchen­staat von der italienischen Landkarte verschwunden fei, aus dem Herzen der gesamten katholischen Welt sei er nicht verschwunden und die Stimmen derselben könnten picht übertönt werden. (Lebh. Beif.) Selbst Bismarck habe anerkannt, daß das Papsttum für die deutschen Katholiken eine deutsche Institution sei. Das Garantiegesetz sei eine leere Phrase, das habe sich beim Begräbnis des Papstes Pius IX. gezeigt. Der hl. Vater sei nach wie vor Gefangener und er sollte es einmal wagen, sich in den Straßen Roms zu zeigen. Das katholische Volk müsse daher in seiner Gesamtheit hinter dem hl. Vater stehen. Der Protest der Kurie werde nicht verstummen so­lange das Wort gelte: „Tu es Petrus“. (Leb­hafter Beifall.)

Mit dem Gruße „Gelobt sei Jesus Christus!" wurde dann gegen 8 Uhr die Versammlung ge­schlossen. In der zweiten öffentlichen General­versammlung werden voraussichtlich sprechen die Herren Psarrer Wurm, Prälat Schaedler und Professor Mausbach.

Berlin, den 24. August 1903.

[.] Kaiser und Jesuitenfrage. Bezüglich der gestrigen Aeuße^ung der,Nordd. Mgem.Ztg/ will der,Reichsbote' nicht zugeben, daß er falsch berichtet habe. Er habe gar nicht gesagt, daß es lediglich „auf Grund" einer Vorstellung des Oberkirchenrates zu der Auseinandersetzung ge­kommen ser; auch nicht, daß der Kaiser befohlen habe, die preußischen Stimmen überhaupt nicht für die Aufhebung des § 2 geltend zu machen.

„Armer Paul!" Die Baronesse beugte fich zu ihrem Neffen herab und druckte einen Kuß auf das dunkel­blonde Haar. „Armer Paul!"

Die weiteren Trostworte erstorben auf ihren Lippen, als fie es zwischen den festgeschlossenen Fingern des Barons feucht hervorquellen fühlte. In ihrem Innern regte sich etwas wie Gewissensbisse und tief bekümmert verließ sie das Gemach.

20. Kapitel. Zu spät.

Frieda hatte eine ziemlich heftige Debatte mit Manfred gehaot. Dieser wollte durchaus Fräulein Ulmeuau von der Unterschlagung ihres Briefes in Kenntnis setzen. Seine Schwester war darüber trostlos.

„Wenn es Baronesse Eggenberg erfährt, ist bet Gerechtigkeit volle Genüge getan," rief sie au?. „Ich könnte nicht langer mit Lisbeth unter einem Dache wohnen. So lange fie mein Gast ist, will ich nicht, baß sie eS erfahre." , ,

Dabei blieb sie und Manfred mußte nachgeben.

Lisbeth dachte unterdessen ernstlich daran, die Güte der Frau von Ralbow nicht länger in Anspruch zu nehmen. In einem langen Briese legte fie der Baronesse ihre Zukunstspläne uuseinander und erwartete mit geheimem Bangen deren Antwort.

Als ihr Brief bei Pauline v. Eggenberg einlief, war der Baron schon wieder abgereift. Er hatte fich nicht bestimmen lassen, länger zu bleiben, da er fürchtete, die Bekanntschaft des Herrn v. Kloden, seines glücklichen Rivalen, wie er ihn nannte, machen zu müssen.

Er verhehlte fich jetzt nicht mehr, daß er Lisbeth vom ersten Augenblicke an geliebt hatte, und daß der Schmerz wegen chrer vermeintlichen Unwürdigkeit, das Interesse für ihre Rettung nur einzig und allein der Liebe entsprungen war. Er hatte nicht aufgehört, fie zu lieben, als er fie noch schuldig wähnte, und nun, wo seine Liebe sich jubelnd Bahn brach, erftlhr er, daß fie hoffnungslos sei, daß Elisabeth's Herz schon gewählt hatte.