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30. Jahrgang

flllda, Montag, den 24. August 1903.

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Lchristleiter:»-Wetzl«

z. ptfSx. wochenbellage: „Illustrierte Zonntagszeitung

" Zügungen.

Erzählung von A. Uhdolph.

------ (Nachdruck verboten.)

50. Generalversammlung der Katho­liken Deutschlands.

]:[ Köln, 23. August 1903.

Die regnerische Witterung hat die Aus­schmückung der Stadt nicht unerheblich be­hindert; trotzdem weist besonders die Altstadt bereits einen prächtigen Schmuck auf. Der Dom und die übrigen Kirchen, sowie zahlreiche Privat­gebäude tragen prächtigen Flaggenschmuck, mit Rosetten und Schleifen verzierte Guirlanden heben die Fassaden zahlreicher Häuser wirkungs­voll hervor. Die Straßen, welche der große 9tr= beiter- und Gesellenfestzug am Sonntag durch­ziehen wird, gleichen einer via triumphale. Kränze Überspannen einzelne Straßen, während die Zugänge durch Ehrenpforten mit passenden „ Sprüchen heroorgehoben sind. Einige Plätze " sind von Flaggenmasten, die durch Kränze mit­einander verbunden find, umsäumt. Die Dom­terrasse ist nach der Bahnhofsseite zu mit rotem Sammet und Guirlandenschmuck herrlich aus- axfchmüAt worden. Besonderen Wert hat man gLbie äußere Ausschmückung einiger Kirchen (ciegt. An den Außenwänden der St. Aposteln- , rirche sind die Kartons zur musivischen Aus­schmückung von Chor und Kuppel in malerischer vp.esse -angebracht worden. Die Straßen, welche den verschiedenen Versammlungslokalen führen, sind wie diese selbst durch eine einheitliche Deko- hervorgehoben. Die einzelnen Psarr- " Bezirke wetteiferten im Verein mit der Aus- 'chmückungskommission in dem Bestreben, auch sußeüich. der Stadt ein festliches Gepräge zu sebeü:;'

Im Mittelpunkte des Interesses steht die Zu'^iche Festhalle. Am schönen Rheinstrom, im Oktale, des ewigen Domes gelegen, reiht sie jr. das prächtige Kölner Rheinpanorama ch ein. Einig sind die Besucher des Ka- .Dplikentages, daß sie von außen sowohl wie »oh.„innen belrachtet, den praktischsten und schönsten vorübergehenden Versammlungsraum darstellt, der je für Zwecke des Katholikentages eAnchtet worden ist.

Alles ist überaus praktisch und namentlich übersichtlich eingerichtet, ein Blick genügt, um sich sofort zu orientieren. Die zentrale Anordnung der Sitze drängt nach der im Zentrum der ganzen Anlage liegenden Rednerbühne hin. Der Grundton der Dekoration ist auf die Kölner . Farben rot und weiß bestimmt, zu denen aber noch das Gelbweiß der päpstlichen und das Blauweiß der bayerischen Farben tritt, ver­mutlich eine Aufmerksamkeit dem allseits noch im Bfeften Andenken stehenden Präsidenten der letzten ^Kölner Katholikenversammlung gegenüber.

Hinter dem Rednerpult, das von sämtlichen 8000 Plätzen gesehen werden kann, liegt unter prächtigem Velum mit stolzem Reichsadler auf Goldbrokatstoff die geräumige Präsidenten- und Vorfländstribüne; vor demselben liegt ein be­sonders , abgegrenzter Raum, die Plätze für die Vertisettr der Presse. Lmks und rechts reihen

Kardinal Fischer weist in längerer Aus­führung auf den heutigen Kampf der beiden Welt­anschauungen hin, in welchem der katholischen Presse und besonders dem Augustinus-Verein große Aufgaben gesetzt seien und erteilt seinen Segen, den die Versammlung knieend empfängt. Damit ist die Feier beendet.

Nachmittags 2 Uhr fanden sich die Teil­nehmer an der Festfeier zu einem gemeinschaft­lichen Diner in der Bürgergefellschaf, zusammen.

Um dieselbe Stunde versammelten sich die zahl­reichen Arbeiter- und Gesellenvereine zu ihrem Festzug. Der uns zur Verfügung stehende Raum verbietet uns, diese Veranstaltung im einzelnen zu beschreiben, wir können uns kurz mit der Bemerkung begnügen, daß selbst der Neid zugeben muß, daß von keiner anderen Seite eine solche Kundgebung religiösen Lebens ver­anstaltet werden kann.

Nach Beendigung des Umzuges löste sich der Zug in 7 Parallelversammlungen auf. Während dieser Versammlungen ertönte von allen Glocken der Stadt feierliches Geläuie, das von der Kaiser­glocke eröffnet wurde.

Versammlung der Arbeiter- und Gesellenvereine.

Die Hauptarbeiterversammlung fand statt in der Festhalle.

Der Eindruck, den die Versammlung machte ist überwältigend.

Kaufmann Weismantel eröffnete die Ver­sammlung mit dem katholischen Gruße und stellte als Präsidenten den Abg. Justizrat Trim- born vor. (Donnernder Beifall.)

Justizrat Trimborn übernimmt den Vor­sitz. Er verweist darauf, daß von Jahr zu Jahr die Bedeutung der Arbeiterversammlungen auf dem Katholikentage gewachsen sei. Darin spiegele sich wieder, daß der 4. Stand, die Arbeiterschaft im öffentlichen Leben immer bedeutungsvoller geworden sei. Mit vollem Rechte werde der Katholikentag durch Arbeirerversammlungen er­öffnet. „Mögen Eie hinweggehen von hier mit dem Geiste der Katholikenversammlungen erfüllt, mit dem Geiste des Friedens, dem Geiste der Ewigkeit!" Gott segne die christliche Arbeit! (Stürmischer Beifall).

Als erster Redner betritt die Tribüne Reichs­tags- und Landtagsabgeordneter S i t t a r t(Aachen).

Meine lieben Arbeiter und Arbeiterfreunde!

Dank Euch für die großartige Kundgebung, die Ihr soeben veranstaltet habt als Zeichen Eurer Freude. Wir freuen uns des 50. Jubelfestes der Katholiken­versammlungen, wir freuen uns, daß wir wieder ge­wachsen sind an Zeh!, gestärkt in Ewigkeit und un- überwindlief' im Anschluß an die Kirche. Die Kinder­krankheiten si.d ü erwunden und unsere Brust erfüllt sich mit Mut und stolzem Siege» bewußtsein. Mit Vertrauen blicken wir in die Zukunft. Einig wie wir find, rufen wir das 20. Jahrhundert in die Schranken: mit Gott, für Gott, mit der Kirche, für die Kirche, für König und Vaterland. (Stürmischer Beifall.) Wir freuen uns aber nicht nur der Gegenwart und der Zukunft, sondern auch über das, was in der Ver­gangenheit geschehen ist. Der Arbeiter ist nicht mehr eigentümlichen Briefes, den fte an Dich schrieb. Ein solches Machwerk kann nicht das Erzeugnis eines un­überlegten Augenblickes sein; es konnte nur von Je­mandem geschrieben werden, der die Schranken der Sitte und des Anstandes nicht mehr streng einhält. Denkst Du jetzt anders über diesen Brief, oder ist Dir Ton und Inhalt desselben entschwunden?"

Paul schüttelte traurig das Haupt. „Ich habe ihn nicht vergessen; mein Gedächtnis hat ihn wortgetreu aufbewahrt, und oft geschah es, daß er mich aus süßen Träumereien aufschreckte; er verfolgte und quälte mich. Du urteilst scharf, liebe Tante, aber ich muß Dir be­stimmen, denn Du urteilft gerecht. Doch kann ich Dir nicht verhehlen, daß es mich jetzt noch tiefer schmerz, denken zu müssen, daß Fräulein Ulmenau im Stande war, einen solchen Brief zu schreiben. Hier fieht man klar, tote das Unglück korrumpiert. Sie ist mehr zu bedauern als zu verdammen." , • _ „

„Betrübe Dich nicht zu sehr, mein lieber Neffe," schmeichelte die Tante, „totr haben beide keinen Ge- brauch von diesem Briefe gemacht. Sie ahnt mcht, daß ich ihn gelesen habe. Wir wollen ihn auch zu vergessen suchen, well fie jetzt in Wahrheit durch eine lange Zeit fich unserer Achtung und Liebe wert ge­zeigt hat. Ich glaube auch, fie hat fich glücklich bei mir gefühll, und ich kann Dir zugleich die erfreuliche Mitteilung machen, daß es Männer gibt, die fich an chrem Namen nicht stoßen. Unter Anderen ist es ei« Baumeister, ein Herr v. Klodcn, ein in jeder Beziehung vortrefflicher Mann, der fich um ihre Hand bewirbt.

„AuS wirklichem Edelmut zögerte fie noch mit der Einwilligung; aber ich hoffe, die Liebe wird ihre zu feine Rücksichtnahme befiegen. Gerade an dem Abend, an welchem sie zu ihrem Bruder gerufen wurde, hatte ich ihr den Antrag des Herrn v. Kloden übermittelt, und ihre Antwort war, daß fte fich nicht entschließen könnte, einem Manne, den fie achte und liebe, etne« Namen mitzubringen, an welchem ein so arger Makel hafte."

„So liebt Fräulein Elisabeth - Fräulein Mmena« Herrn v. Kloden?" „ ______ (3- T-)

sich an die Vorstandstribüne die Damentribünen an an welche sich in mächtigem Halbzirkel die allein 2500 Sitzplätze aufweisenden Herrentribünen anschließen.

Die Zahl Her Mitgliedskarten, die bis zum Samstag abend gelöst waren, belief sich auf 2784. Karten für Studenten und Lehrer waren bis dahin 612 und Teilnehmerkarten 86 ausgegeben.

Festversammlung des Augustinusvereins.

An 200—300 Personen hatten sich gestern abend zu der Jubiläumsfeier des Augustinusver­eins in der Bürgergesellschaft eingefunden. Von namhaften Personen erblickten wir u. a. folgende Herren: Präsident der Kommission für die Vor­bereitung der Katholikentage Graf Droste Erb- droste zu Vischering-Darfeld, Präsident des Lokal- Komitee's des Mannheimer Katholikentages, Amts­gerichts - Präsident Gießler, Abgg. Prinz Aren- berg, Dr. Porsch, Dr. Karl Bachem, Krebs, Trim­born, Herold, Dr. Schädler, Dasbach, Gersten­berger, Erzberger, Leppelmann, den Führer der bayerischen Zentrums-Fraktion Prälat Dr. Dal- ler, Graf Galen-Dinklage, Prälat Dr. Hülskamp- Münster, Dekan Scharmer - Danzig, Kanonikus Dr. Müller-Simonis-Straßburg, Propst Tasch- Lissa, Mathias Wiese-Werden, Baron v. Savigny, ferner Verleger und Redakteure der Zentrums­blätter aus allen Teilen des deutschen Reiches, besonders aus Rheinland und Westfalen.

Nachdem Se. Eminenz Kardinal Fischer- Köln um 11 ^2 Uhr erschienen, begrüßte der Vorsitzende des Augustinus-Vereins, Herr Otto- Krefeld die Versammlung in herzlichen Worten. Die Aufgabe, die der Augustinus-Verein sich gesetzt habe sei, die Fühlung der katholischen Presse mit der Kirche und dem Zentrum, sowie die Schaffurig eines kräftigen Nachwuchses für die katholische Presse. Diese Aufgabe habe der Augustmus-Verein stets erfüllt und sich dabei von dem naheliegenden Fehler freigehalten, selbst die öffentliche Meinung zu machen. Die Erfolge des Augustinus-Vereins müßten seine Mitglieder mit Dank gegen die Vorsehung und den päpst- lichen Stuhl erfüllen. Man dürfe die Hoffnung hegen, daß auch Pius X. dem Augustinus-Verein seine ganze Huld zuteil werden laffe, wie es Leo XIII. getan habe. Aber auch der deutsche Episkopat verdiene den Dank des Augustinus- Vereins. Hätten doch auch zwei Bischöfe an der Wiege desselben gestanden und heute sei Se. Eminenz Kardinal Fischer erschienen, um fein Interesse für den Verein erneut zu bekunden, von dem et schon so oft Zeugnis abgelegt habe. Ein gleicher Dank gebühre dem Ordens- und weltlichen Klerus. Nachdem Redner weiter der Männer gedacht, denen der Augustinus-Verein zu besonderem Dank verpflichtet sei, erteilte er das Wort dem

Abg. Justizrat Dr. Porsch: Es habe eine Zeit gegeben, in der es eine katholische Presse in Deutschland noch nicht gab. Angesichts ihrer heutigen Blüte könne man sich jenen Zustand heute kaum noch vorstellen. Schon auf der ersten geschriebene Adresse an seine Tante sicht. Mit ge­wecktem Interesse beginnt er die Lektüre des Brieses. Zuerst liest er ruhig und ohne anzuhalten. „Ulmenau, Ulmenau! Also das ist der Name meines Schützlings," murmelte er.

„Ulmenau! Wo habe ich nur schon diesen Namen gehört? Er kommt mir so bekannt vor. Nein, es ist nicht nur wegen seiner Aehnlichkeit mit Ulm. Ich habe doch sonst ein so gutes Namensgedächtnis." Er schlägt sich mit der Hand vor den Kopf.

„Jetzt weiß ich es. Oberförster Ulmenau! Ich war noch ein ganz junger Mensch, als ich die Familie kennen lernte; war einmal als frisch promovierter Doktor auf ein paar Stunden mit Schwester Hilde zusammen im Forsthause. Die Tochter des Ober- föffterS — Elisabeth war ihr Name — war Hilde's intimste Freundin; es war ein niedliches, kleines, blondes Ding. Wie merkwürdig I Diesen Hubert habe ich auch gekannt, bin ihm aber nie näher getreten. Jetzt erinnere ich mich auch, daß mir Hilde bei unserem Zusammentreffen erzählte, daß Oberförster Ulmenau wegen Defekten verurteilt toorben fei. Mich interessierte das damals wenig. Nun schaue ich aber klar in die LebenSgeschichte meines Schützlings. ES ist richtig, wie er mir sagte, daß er Offizier gewesen wäre und unglücklicher Familienverhältnifle wegen den Abschied nehmen mußte; jetzt weiß ich, warum — des Vaters wegen. Der Unglückliche, wie ist er zu bedauern! Nachdem er in Amerika meinen Namen erfahren hatte, war es natürlich, daß er mir den feinigen nicht nennen wollte; er schämte fich. Jetzt ist es mir doppelt lieb, daß ich ihn zu mir genommen habe. Hilde wird sich darüber sehr freuen."

Er setzte die Lektüre des Briefes fort. Seine Miene zeigte dabei lebhafte Erregung; offenbar traute er feinen Augen nicht, denn er schlug die Seite zurück und las noch einmal.

„Ich verstehe nichts." Er laS laut: „Ich habe sofort feine Schwester, Fräulein Elisabeth Ulmenau, die bei Deiner Tante Pauline Gesellschafterin ist, tele­graphisch hierher berufen."

. „La voila!“ rief Frieda freudig aus, während fie in ihrem Inneren dachte, daß Lidwina wohl nicht sehr entzückt fein dürfte, wüßte fie, was die Photographie aus Tageslicht gebracht hatte. Mit dem Bilde und den Kupferstichen verließ sie Manfted, und flüchtig eilten ihre Gedanken von dem erlebten Ereignisse fort, um fich anderen, für fie wichtigeren Sorgen zuzu­wenden. Daß ihr Bruder noch irgendwie in der Sache handeln könnte, kam ihr erst gar nicht in den Sinn.

Manfred war lange in feinem Zimmer auf- und abgegangen; er hatte scharf nachgedacht, alles ruhig überlegt, und war endlich zu einem festen Entschlüsse gekommen. Er nahm den Brief an Paul noch einmal vor und setzte ihn eifrig fort. Nun war er fertig! Er nahm das Schreiben an die Baronffse Egßenberg und schloß es mit dem feinigen in ein Kuvert an feinen Freund. Es wurde ein ziemlich dickes Paket, bas Manfred bann selbst auf die Post trug.

Nachlässig in einen Lehnstuhl ausgestreckt, den Dust einer fernen Havanna mit Behagen einfaugenb, ist Boron Eggenberg beschäftigt, bie ihm von seiner Schwester übergebenen Briefschaften zu mustern. Er nimmt ein Schreiben nach dem anderen, um zuerst aus Poststempel und Handschrift den Absender zu er­raten, und legt die Briefe dann unerbrochen neben fich auf bas vom Alter bunkel gefärbte, zierlich geschnitzte Tischchen.

ij S „Bon Manfred! Der gute Junge! Wie dick der Brief ist. Er muß mir viel zu erzählen haben. Ge­wiß auch von meinem Schützling. Hoffentlich ist ihm nichts zugestoßen."

■i Er öffnet den Brief und zieht mehrere eng be­schriebene Bogen und noch ein anderes Kuvert hervor, auf welchem er mit Erstaunen bie von frember Hand

Generalversammlung der Katholiken in Mainz habe ein katholischer Abgeordneter ans die Macht der öffentlichen Meinung hingewiesen. Indessen sei es mit der katholischen Presse im Anfang nur langsam vorwärts gegangen. 1849 auf der dritten Generalversammlung habe der neue Bischof von Mainz v. Ketteler noch vor der schlechten Presse warnen müssen. Auf dem parla­mentarischen Gebiete habe sich das katholische Volk schneller zurecht gefunden, sodaß die Frak­tion noch im Jahre 1861 den Mangel einer guten katholischen Presse lebhaft empfunden habe. Erst in den Stürmen des Kulturkampfes holten die Katholiken nach, was sie so lange versäumt hatten. Trotz der Schwierigkeiten, trotz Gefängnis und Verfolgung nahm die katholische Presse damals einen erfolgreichen Aufschwung. Ihre Kraft wurde auf Anregung des Antrages Schmitz-Hüsgen gesammelt und zusammengefaßt 'm Augustinus-Verein, der im Jahre 1878 zustande kam. Als ein Mann aus dem Volke, der selbst nicht zur Presse gehöre, könne er, Reoner, die Worte des Vorsitzenden über das Wirken des Augustinusvereins voll unterschreiben. Die katholische Presse müsse dahin streben, daß sie an der Spitze marschiere (Beifall); es sei das zwar keine leichte Aufgabe, aber man dürfe trotz der großen Erfolge nicht still stehen, sondern müsse weiter streben. Die Leidenschaften, die Bismarck entfesselt, beständen zum Teil noch. Das beweise das Festhalten an einem Paragraphen, der selbst für Vagabunden in Deutschland nicht bestehe. (Zustimmung.) Es gelte, in den kommenden Jahren den Zusammenschluß zwischen Presse und Pari ei weiter zu pflegen, wie es bis­her geschehen, damit man gemeinsam am Wohle des Vaterlandes wirke. Zum Schlüsse gedenkt Redner der Gründung der Pensionskasse und teilt mit, daß eine Ehrengabe für die Pensions­kasse aus Anlaß der Jubiläumsfeier., die bereits jetzt sich auf über 5000 Mark belaufe, dem Vor­stand des Augustinus-Vereins überreicht werden solle. (L-b. Beifall.) Der Klingelbeutel solle in Zukunft in gewissen Zeitperioden für die Pensions­kasse umgehen. (Leb. Beifall und Händeklatschen.)

Chefredakteur Grunau-Neuß feiert in be­redten Worten die Herren Broix-Neuß, Dr. Hüsgen-Düsseldorf und Verleger Otto-Krefeld, als die Jubilare und machtvollen Förderer der kacholischen Presse. (Lebh. Beifall.)

Justizrat Dr. Jul. Bachem dankt als Aeltester der Versammlung für die Worte, mit denen der Jubilare gedacht worden sei. In keinem Lande habe es das katholische Volk verstanden, sich e ne so gule politische Presse zu verschaffen, wie in Deutschland. Mit Energie und Ausdauer müsse an der Vervollkommnung der Presse weiter gearbeitet werden. (Bravo!)

Vorsitzender Otto dankt Sr. Eminenz Kar­dinal Fischer, den Rednern und der Versamm­lung, daß sie mitgewirkt an der glänzenden Feier des Jubiläums, betont die Notwendigkeit der Einigkeit im Augustinus-Verein selbst (Lebhafte Zustimmung) und erbittet von Sr. Eminenz den oberhirtlichen Segen.

„Wer ist eigentlich hier Fräulein Ulm ober Ulmenau? Hat denn Fräulein Ulm, bie ich au8 Tausenden wieder zu erkennen glaubte, eine Doppel­gängerin in der Person des Fräulein Ulmenau? Ich muß sofort zu meiner Tante; fie muß mir Gewißheit geben, wen fie eigentlich bei fich hat."

Die Sache nahm so vollständig feine Gedanken in Anspruch, daß er gar nicht mehr an den mit einqe- schlossenen Brief an feine Tante dachte, der doch zuerst fein Befremden erregt hatte. Er las Mansteds Schreiben nicht weiter; er raffte alles zusammen und begab fich eilig zu seiner Tante. Glücklicher Weise traf er sie allein.

Die Baronesse betrachtete verwundert den in so ungewohnter Weise zu ihr hereinstürmenden Neffen. Aber noch ehe fie ihn fragen konnte, was ihn so leb­haft errege, hatte er schon fein Anliegen vorgebracht. Ihm war nun bie Möglichkeit abgeschnitten, noch ferner über diese Angelegenheit zu schweigen, und trotz der peinlichen Empfindung, die durch das nur zu sicht­bar hervortretende Interesse ihres Reffen noch erhöht wurde, war sie genötigt, ihm alles fo genau, wie sie es selbst wußte, mitzuteilen.

Gespannt lauschte der Baron ihre« Worten, fie nur hin und wieder durch eine Frage unterbrechend, um auch den scheinbar geringfügigsten Umstand genau zu erfahren. Endlich schwieg die Baroness«.

„O, das arme, unglückliche Wesen!" rief Paul auS. „Jetzt verstehe ich ihr Sehnen nach dem Walde, wo ihre Wiege stand. Wie glücklich bin ich, daß ich ihrem Bruder wohltun konnte! Und er war damals ihr Be­gleiter ! Mir kamen auch seine Gefichtszüge in Amerika fo merkwürdig bekannt vor; aber das Elend hat ihn zu furchtbar entstellt. Arme Schwester!"

Die Baronesse unterbrach feinen Redefluß. „Sei versichert, Paul, daß ich Fräulein Ulmenau vom ersten Augenblicke an wie mein eigene» Kind behandelt habe- ich habe fie es keinen Augenblick fühlen lassen, daß fie nicht immer fo edel dachte und handelte, wie jetzt und in ihren ersten Jugendjahren; aber vergessen können wir nicht ganz des — milde gesagt — höchst

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