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Druck und v«lag b« 8ulbaer»«tten»ruckerti in Zulba (Harmonie). Zernsprechrr Rr. 9.

fUldd, Samstag, den 22, August 1903.

M 190

erstes SlAtt

nand? Statt in sein Land zurückzukehren und eine Herrscherpflichten gegenüber der Nation zu erfüllen, verlebt er herrliche Tage in der Sommer rische auf seinen Gütern in Ungarn und sieht n aller Gemütsruhe zu, wie daheim die Flammen des Aufruhrs hell auflodern.

Aufregung, welche mit dem Wiedersehen sein« Schwester unvermeidlich verknüpft war, hatte er glücklich überwunden. Der Arzt erklärte ihn sogar für den Moment außer Gesahr

Lisbeth wußte fre'lich nicht das, was er Manfred nicht verheimlicht hatte, nämlich, daß Hubert in hohem Grade scywindsüchtig sei und er ihm kein langes Leben mehr prophezeien könne.

Ihr lebhaftester Wunsch war es, sich me mehr von feiern Bruder trennen zu muffen, und diesmal fand ihr Vorschlag bei ihm einen freudigen Anklang. Sie war sich wohl bewußt, daß sie dem Bruder eia angenehmes, sorgenfreies Leben zum Opfer brachte und nur mit Schmerz dachte sie an eine Trennung von der Baronesse; ab« das beeinflußte sie keinen Augenblick in ihren Ent.chließungen.

Mit Hub«t lebten die glücklichen Tage der Kindheit auf, die freundliche Stube, in welcher sie miteinand« saßen, kam ihr wie die Heimat vor. Mit ihm zusammen hatte sie den neuen Lebensplan ent­worfen. Sie wollten zusammen wohnen, zusammen arbeiten. Durch Frieda von Ralbow, die sich selbst schon wieder als Schülerin angemeldet hatte, und durch deren weit ausgedehnte, reiche und vornehme Bekanntschaft konnte sie sicher auf viele Privatstunden rechnen.

Kein Glück ist vollkommen hier auf Erden und so fehlte auch Lisbeth nicht der Schatten, der alles Irdische verdüstert.

Sie hatte es bald herausqefunden, daß trotz all« h«ben Schicksalsschläge bei Hubnt in religiöser Be­ziehung noch keine Besserung eingetreten war. Vor seinen ftüh«en Ausschweifungen und Lastern empfand er einen wahren Ekel; aber glauben und den Glauben betätigen, sich an Gott und seine heilige Kirche an« schließen, lag ihm f«ner als je. Er hatte jeden Rest von Religion verloren; er glaubte an nichts und be­mitleidete seine Schwester wegen ihr« törichten Schwärmnei, wie er es nannte. ;

Lisbeth betrübte sich tief; doch sie verlor den Mut nicht. Hatte ihr Gott den Bruder auf so wunderbare

30. Jahrgang.

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Ehre,dieEhre ihrerFrauenwird nicht geachtet. Der Pascha, der Bey, der Mali und rote sie alle heißen, brauchen Geld: der Christ muß hergeben. Die christ­liche Frau muß dem Türken willfahren. Recht kann der Christ dagegen nicht erlangen. Unter solchen Ver- hältniflen ist es kein Wunder, wenn die Christen nch auflehnen. Möglich, ja wahrscheinlich ist, daß ohne das Treiben der mazedonischen Intelligenz, die die Komitees bildet, die Bevölkerung den Mut zum Auf­stande nie gefaßt hätte. Jetzt aber hat sie Lett«, das Bewußtsein der Knechtschaft ist mit verdoppelter Kraft hervorgetreten und die Bevölkerung ist, zum großen Teil wenigstens, entschlossen, die Freiheit zu erlangen ober zu sterben. Dagegen kann keine Diplomatie etwas tun. Sollte es gelingen den Aufstand mit Waffenge­walt vorläusig etwas einzudämmen, so wird er immer wiederkehren, bis einst das Ziel erreicht ist oder die Bevölkerung ausgerottet ist. Freilich sind die Mittel, welche die Mazedonier zur Erreichung ihres Ziels an- wandten, oft verwerfliche gewesen und haben sie sich dadurch in den Augen der gesitteten Welt viel geschadet.

Der eigentliche Herd des Ausstandes ist das Vilajet Monaflir, jedoch soll nach den letzten Nachrichten auch im Osten Mazedoniens, im Vilajet Adrianopel, der Aufstand bereits ver­kündigt fein. Die nach dem stammverwandten Bulgarien ausgewanderten Mazedonier, welche dort das sogenannte mazedonische Komi ee bilden, sind es, welche mit aller Hartnäckigkeit den Kampf um die Freiheit und Unabhängigkeit Mazedoniens führen. Daß die dabei angewandten Mittel nicht immer die lautersten sind, erzählen uns die jüngsten Bombenattentate. Die Aufrührer haben in den letzten Wochen systematisch daran gearbeitet, die Verkehrsmittel, Eisenbahnen und Telegraphen, unbrauchbar zu machen. Ihre Ent­schlossenheit, Verwegenheit und Beweglichkeit ist dabei so groß, daß Wiederherstellungsarbeiten nichts nutzen. Dazu haben sie die Eisenbahn­arbeiter und Beamten durck Todesdrohungen so eingeschüchtert, daß diese nichts mehr gegen den Willen der Aufrührer zu tun wagen. So ist einerseits die Truppenverteilung über das Land erschwert, anderseits ist die türkische Regierung in ihren Maßnahmen durch den Mangel an Mitteln schneller Verständigung gelähmt, wäh­rend dagegen die Aufrührer sich freiere Bewegung sichern. Besonders um Monastir und Ochrida herum haben letztere furchtbar durch Sengen, Brennen und Morden gehaust, Städtchen und zahlreiche Dörfer eingeäschert und mit Dynamit ihrer Vernichtungswut gestöhnt.

Da aber außer den den Bulgaren verwandten Slaven, auch noch Griechen, Albanesen und Türken Niederlassungen in dem unglücklichen Lande besitzen, so wird der Wirrwar durch Rassenstreitigkeiten unter einander nur noch größer. Insbesondere die Albanesen, ein kriegerischer Stamm, welcher das System der Blutrache bis zu den äußersten Folgerungen ausgebildet hat, tragen neben den Bulgaren am meisten zu den blutigen Wirren bei.

Die bulgarische Regierung, die einem in diplomatischen und politischen Kreisen für un­vermeidlich gehaltenen Kriege mit der Türkei aus dem Wege gehen möchte, befindet sich in einer wenig beneidenswerten Lage gegenüber der öffentlichen Meinung, welche zu einem Eingreifen zu Gunsten der Mazedonier drängt. Und Fürst Ferdi- sted wirkte, welches ab« der direkte Anstoß zur Wahl seines jetzigen Berufes wurde. Es war der Tod seiner Mutter. Daß sie mitten aus ihrem verwelt­lichten Leben von der Hand des Todes herausgerissen und in die Ewigkeit geführt wurde, war für Manfred ein furchtbar« Schlag.

Es «schütterte ihn nicht nur, indem es ihn an die Ungewißheit der Todesstunde erinnerte und ihm zum warnenden memento mori wurde; ein stärkeres Gefühl unsagbaren Schmerzes, wahrhaft tötlich« Angst drückte ihn zu Boden, der Gedanke, hat meine Mutter Gnade gefunden vor dem ewigen Richt«? Er stand an einem Abgrunde finsterer Zweifel.

In einem langen Brief malte « seinem geistigen Freunde seinen qualvollen Seelenzustand. Belehrende, tröstende, erhebende Antworten liefen für ihn ein; er befolgte die Ratschläge, er verdoppelte seine Gebete; er tat Alles, was die Kirche in überreich« Fülle dar­bietet, um den armen Seelen zu Hilfe zu kommen; seine Angst wollte sich nicht vermindern; krankhafte Schwermut drohte ihm; Alles, was er bis jetzt erfahren hatte, Alles, was er geliebt hatte, Alles, was er ge­litten und überwunden hatte, was aber vielleicht noch manchmal in wehmütiger Rück«innerung in ihm auf­lebte, war vergeffen, vollständig und für immer aus seinem Innern ausgelöscht.

Er schrieb einen verzweiflungsvollen Brief an den Pfarrer. Statt d« «warteten Antwort trat das liebe, demüttge Männchen selbst in seine Stube; er hielt eine Art geistig« Exerzitien mit ihm ab, und das Resultat war, daß Manfted aus freier Entschließung «klärte, er könne den Frieden seiner Seele nur roieb« gewinnen, wenn er Gott für die Seelenruhe feiner Mutter sich selbst opfere, indem er sich dem Ordens- stande widme.

Von diesem Augenblicke an wurde er ruhig«; er hatte den Frieden sein« Seele wied« gesunden. Zuerst hatte er die Absicht, als Laienbruder in ei Kloster zu treten; durch den Einfluß seines Freundes entschloß er sich, nach der Würde des Priestertums zu streben und zwar als Jesuit.

mit der Partei des Herrn Dr. Barth zu ver° chrnelzen. Meist wollen sie eine selbständige s Zartei in oder neben der Freisinnigen Ver­einigung bleiben und fordern, daß diese Pro­gramm und Namen ändere. Ein Teil tut über® jaupt nicht mit, ein 2 eil will gleich zu den Sozialdemokraten übergehen. Da die National- Sozialen bei den Reichstagswahlen im ganzen nur 30 000 Stimmen aufgebracht haben, so muß auch der Optimist mit den stärksten Ver­größerungsgläsern nachgerade klar sein, daß die Fusion" kein so unmäßig großer Gewinn für die Freisinnige Vereinigung, geschweige denn für diegroße liberale Partei" werden kann.

§ Die preußische Regierung scheint das Bei- piel Englands befolgen zu wollen, wo vor kurzem ein Gesetz zur Annahme gelangte, das ziemlich charfe Bestimmungen für den Automobil­verkehr enthält. Als Grundlage für ein der­artiges Gesetz haben die Reffortminister der ,Post' zufolge eine Statistik aller durch Kraftfahr­zeuge verursachten Unsälle angeordnet. Alle Unglücksfälle mit tätlichem Ausgang, Körperver­letzung, Sachbeschädigung sowie alle Zusammen- töße mit Straßenbahnen und anderen Fahrzeugen ollen registriert werden. Als Termin ist die Zeit vom 1. Januar 1901 bis 1. September 1903 estgesetzt worden.

* Einwissenschaftlich humanitäres Komitee treibt jetzt wieder einmal sein Wesen. Sein Ziel ist angeblich die Beseitigung des § 175 des Strafgesetzbuches, der gewisse hier nicht näher zu bezeichnende schmutzige Hand­ungen unter Strafe stellt. Die ,Kreuzztg/ be­merkt aus diesem Anlaß:Wir haben schon mehrmals betont, daß wir mit diesen Be- trebungen nichts zu tun haben wollen, und Annen uns deswegen eines erneuten sachlichen Ein­gehens auf den heiklen Gegenstandes enthalten. Aber gegen die Art, in der das Komitee sich an das Publikum wendet, müffen wir doch Ein­spruch erheben. Seine Druckschristen werden offen mit einer Dreipfennigmarke beklebt, ins Haus gesandt, und durch den AufdruckWichtige Sache" wird die Aufmerksamkeit jedes unbe­rufenen Hausgenoffen erweckt. Ein Leser schreibt uns, daß er durch diese gewiffenlose Art der Zusendung in die peinlichste Lage gekommen sei. Jenes Vorgehen deswissenschaftlichen humam- tären Komitee" kann unseres Erachtens von dem anständigen Teile der Preffe nicht scharf genug gebrandmarkt werden."

V Berlin, 21. Aug. 1903. Die .Neue Pol. Sorrefp/ meldet, die preußischen Landwirtschafts- kammern seien auf Veranlassung des Landwirtschafts- ministeis gegenwärtig mit der Beratung eines Ent- rourfes der Novelle zum Reichsviehseuchen­gesetz beschäftigt. Nach bereits erstatteten Gutachten finde der Entwurf, welcher in der kommenden Session dem Reichstage vorgelegt wird, die Zustimmung der Landwirtschaftskammern. Das.Militärwochenblatt berichtet, daß Generalmajor Kehrer, Kommandeur der Feldarnüerieschiebschule, zum Präsidenten der A r- tillerieprüfungskommission ernannt fet. Im Wahlkreise Dessan-Zerbst ist als Kandidat der vereinigten nationalen Parteien" Rittergutsbesitzer Schirmer -Neuhaus aufgestellt worden. Die ,Deutsche

(C Aus der Wetterecke auf dem Balkan.

In Mazedonien gährt es bekanntlich seit einiger Zeit wieder einmal bedenklich. Das bul­garische Kabinet Pettow-Petk. w war eben daran, dje Wahlscklacht zu eröffnen, als die Nachricht von dem mit aller Heftigkeit wieder ausgebrochenen Aufstande die Aufmerksamkeit der Regierung nach einer anderen Richtung lenkte. Man hatte ge­glaubt, daß mit der Niederwerfung der Erhebung im Mai ds. Js. die Bewegung längst erstickt sei, jedoch sah man sich darin gründlich getäuscht. Die Türkei hat ihr Versprechen, Reformen in Mazedonien einzuführen, schlecht gehalten und dämm werden Peitsche, Blutvergießen und greuelvolle Verfolgungen so lange an der Tages­ordnung sein, bis durch einen Krieg geordnete Zustände geschaffen werden.

Ein Breslauer, der schon seit einer Reihe von Jahren in Bulgarien eine geachtete Lebensstellung inne hat und mit den dortigen Verhältnissen ge­nau vertraut ist, erblickt das Heil für Bulgarien und Mazedonien lediglich in der Entscheidung durch die Waffen. In einem interessanten Schreiben an die ,Schief. Volksztg.' äußert sich ihr Landsmann über die wahren Ursachen des Aufstandes u. a. folgendermaßen:

Daß Ruhe eintritt ohne Krieg, ist nach dem bisherigen Vorgehen der europäischen Dip lomatie nicht anzunehmen. Die sogenannten Reformvorschläge waren ganz und gar nicht geeignet, Ruhe herbeizuführen, da sie gar nicht den Kern der Sache trafen, nämlich die Gleichberechtigung der Christen mit den Türken und ferner die nötigen Kontroll- resp. Zwangsmaßregeln gegenüber der Türkei nicht vorgesehen waren. Die Türken sind ja doch wie die Chinesen, sie versprechen alles was man will, führen es aber nicht aus, ja sie können es bei den dort herrschenden verrotteten Berhältniffen auch gar nicht selbst ausführen.

Nach Darstellung in der Preffe geht die ganze Be­wegung von Bulgarien aus, und die Mazedonier selbst seien ganz zufrieden mit ihrem Lose :c. rc. Wahr ist, daß die Komitees früher in Bulgarien gehätschelt und großgezogen wurden: es ist gar kein Wunder, weil die Bulgaren die Mazedonier, die selbst größtenteils Bul­garen sind resp. bulgarisch sprechen, naturgemäß unter­stützen; auch leben in Bulgarien eine Unmenge eingeroanderter Mazedonier, die in allen Schichten der Bevölkerung, bei den Behörden, dem Militär (sehr viele Offiziere) zu finden find, zum Teil einflußreiche Stellen innehaben. Man sagt, daß ein Drittel der Einwohner Sofias Mazedonier seien. So viele find es wohl nicht, aber ein erheblicher Bruchteil der Bevölkerung sind es. Zum Beispiel find fast alle Bäcker, Maurer, Zimmerleute, Krämer, Casedjis Maze­donier. Unter solchen Verhältnissen ist es klar, daß die mazedonische Bewegung zur Erlangung der Freiheit hier einen starken Widerhall findet. Die Ursache dieser Bewegung aber und deren ganzer Kern ist nicht unbe­rechtigt und nicht künstlich geschaffen: es ist die un­erträgliche Lage der Christen unter der moham­medanischen Wirtschaft. Die Christen haben nicht die gleichen Rechte wie die Mobamedaner, fie werden geknechtet, aus gesogen, ihr Eigentum, ihre

Berlin, den 21. August 1903

* Die Mitteilung des, Reichsboten', der Kaiser )abe sich in bezug auf die Aufhebung des § 2 des Jesuiteilgesetzes demReichskanzler gegenüber ijeflagt, daß er über die Stimmung des Landes irreführend unterrichtet worden fei und habe den Wunsch ausgesprochen, daß die preußischen Stimmet! im Bundesrat für die Aushebung jenes Paragraphen nicht geltend gemacht würden, wird der ,Schles. Ztg.' zufolge in ungewöhnlich gut unterrichteten politischen Ki eisen stark bezweifelt und als mindestens höchst ungenau betrachtet. Man habe den Eindruck, daß die Mitteilung aus Kreisen stamme, welche den Grafen Bülow wegen einer, ihrer Meinung nach, nachgiebigen Haltung gegenüber dem Zentrum und der katholischen Kirche, insbesondere in Sachen der Jesuiten, be- eitigt sehen möchten. Doch seien Personen, die iber die hier in Frage kommenden Anschauungen und Stimmungen ein begründetes Urteil zu haben glauben, der Ueberjeuqung, daß die Bemühungen, die Stellung des Grafen Bülow von diesem An­griffspunkt aus zu erschüttern, sehr wenig Aus­sicht auf Erfolg haben würden.

* Der .Vorwärts' beruft sich für die Wahr­heit feiner Geschichte von derKaiserinsel" auf den Hofmarschall des Kaisers v. Trotha und auf denBurgenbauer des Kaisers", den Wieder­hersteller der Hohkönigsburg, Bodo Ebhardt. Allem Anschein nach besitzt er auchAktenstücke", hält aber in feiner Sensationssucht noch einige Tkge damit zurück, damit die Presse, die dte Wahrheit seiner Angaben bestritt, sich erst noch mehr festlege. Wir können's abwarten. Hoffent­lich blamiert er mit feinenAktenstücken" nicht andere, sondern sich selbst. Die ,Post' ist von Herrn Bodo Ebhardt ermächtigt worden, zu er­klären, daß er die Insel Picheiswerder gar nicht kenne, daß er niemals dort war und aud niemals mit Baron v. Trotha über einen Schloßbau auf dieser Insel oder ein ähnliches Projekt gesprochen habe; an der ganzen Geschichte sei, was ihn und Herrn v. Trotha betreffe, kein wahres Wort.

§ Die Verschmelzung der National- Soziale» mit der Freisinnigen Ber­einigung ist ein so sonderbarer politischer Vor­gang, daß selbst die Hoffnungen der allzeit von dergroßen liberalen Partei" schwärmenden ,Voss. Ztg.' ziemlich auf Null herabgedrückt worden sind. Die Berichte über die Versamm­lungen der National-Sozialen zeigen, daß diese nur in den wenigsten Fällen daran denken, sich

Er führte feinen Entschluß sofort aus und ging nach Rom. Er ist jetzt für kurze Zeit zu einem Ab­schiedsbesuch bei den ©einigen; die Zeit ist nicht mehr weit, wo er zum Priester geweiht werden wird. Er ist sehr glücklich und lebt in der frohen Hoffnung, einst in den Missionen beschäftigt zu werden."

Tante Pauline hatte aufmerksam d« langen Er­zählung ihres Neffen zugehört.

Jetzt verstehe ich seine Wandlung," sagte sie, als « geendet hatte.Es ist wunderbar, auf tote ver­schiedene Weise Gott Arbeiter in seinen Weinberg ruft."

Sie konnte nicht fortfahren; eine helle Stimme unterbrach sie.

Tantchen, entschuldige, daß wir so unangemeldet zum Besuch kommen. Da aber unser lieber Bruder Paul fo urplötzlich man kann sagen, beinahe ohne Abschied von uns ging, um nur endlich die geliebte Tante umarmen zu können und jetzt weder zurück kehrl, noch etwas von sich hören läßt, kommen wir, um ihn bei Dir aufzusuchen. Ich habe die Avantgarde übernommen. Die Eltern und mein Mann folgen morgen nach."

Mit diesen Worten umarmte die Gräfin Balbot die Baroneffe

Es sind auch verschiedene Briefschaften für Dich eingelaufen, lieb« Bruder, die ich Dir persönlich überbringe," fuhr fie fort.Du «hältst sie ab« nach dem Tiner. Es wird wohl nichts so Dringende- sein." Dis Mittagsmahl vereinte eine zahlreiche, heitere Gesellschaft, so daß die lebenslustige Gräfin bald in das ihr zusagende Element stoh« Geselligkeit kam.

Nach dem ziemlich lange ausgedehnten Diner übergab Grosin Julie ihrem Bruder ein Packet Briefe, mit welchem sich dieser auf sein Zimmer zmückzog, um sie ungestört lesen zu können-

19. Kapitel. Enthüllten gen.

Lisbeth hatte ihren Bruder kaum wieder erkannt; zügellose Leidenschaften, Entbehrungen jeder Art und Krankheit halten ihn vollständig v«änd«t. Die ft endige

Sitzungen.

Erzählung von A. tthdolph.

40 ------ (Nachdruck verboten.)

Der Baron mochte eine kurze Pause und fuhr dann fort:Nun trat in dieser Zeit noch eine Per­sönlichkeit in sein Leben, die, ohne es zu beabsichtigen oder auch nur zu ahnen, einen großen, mächtigen Ein­fluß auf Manfred haben sollte. Während sein« Krankheit erhielt er regelmäßig die Besuche des Pfarrers eines benachbarten Dorfes, eines nicht mehr ganz jungen Herrn, £ber mit aufopfernder Hingebung und &ebe ,eit langen Jahren seine arme, weit zer­streute Gemeinde pastorierte. Dieser scheinbar so ein­fache Missionsgeistliche war im gründe eine Art echt christlich« Philosoph mit nicht zu unterschätzenden ge­diegenen Kenntnissen und scharfem Verstände, alles ab« sorgfältiq v«borgen unter dem Mantel äußerster Demut und Bescheidenheit und eines harmlos kindlichen Wesens. Manfted fühlte sich durch die Gespräche des Pfarrers wunderbar angezo en und dieser hinwiederum fand einen ganz eigenen, ihm sonst nicht zugänglichen Reiz, mit einem Manne zu verkehren, der unter der Hülle glänzend« weltlicher Eigenschaften, ein so tiefes religiöses Gefühl bewahrt hatte. Die Beiden hatten lange und eifrige Unterhaltungen miteinander. WaS die einfachen Fischerleute durch ihr Beispiel in Alan- fted angebahnt halt n, vollendete der bescheidene, wür­dige Priester, indem er ihm die Welt und ihre Lust in ihrer wahren Gestalt vor Augen treten ließ, und Verstand und Herz auf das allein befriedigende Zen­trum des menschlichen Lebens, aus Gott hinwies. Das geschah nicht in Form von Predigten und Ermahnungen, das entwickelte sich logisch aus dem ihm sonst noch nicht klar bewußten Ziele.

M»t seinem neuen Freunde stand er in regem Briefwechsel. Da trat ein Ereignis ein, welches zuerst mit vernichtender Gewalt, gleichsam lähmend aus Man-