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flllda, Freitag, den 21. August 1903
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30. Jahrgang
Fügungen.
Erzählung von A. Nhdolph.
------ (Nachdruck verboten.)
nicht an der Versammlung teilnehmen können, teden muß und ihr daher wohl ein Platz zusteht, von dem aus sie dem Redner in allen seinen Ausführungen folgen kann.
Wie die inneren Einrichtungen der Festhalle, so ist auch ihre Lage von praktischen Gesichtspunkten aus gewählt. Sie liegt nur wenige Minuten vom Hauptbahnhofe entfernt. Die Ausschmückung der Stadt verspricht großartig zu werden, so daß auch hier zum Ausdruck kommt, daß es ein Jubiläum ist, welches Köln zu feiern sich anschickt.
Ein willkommener Wegweiser wird den Besuchern des Katholikentages der im Verlage von H. Theisstng erschienenen Schrift „Köln und seine Kirchen nebst einem Führer durch die Stadt" sein. In handlicher Form mit reichem, wohlgelungenen Bilderschmuck orientiert das Buch den Fremden über alle Sehenswürdigkeiten Kölns, so daß sein Wert nicht auf.die Zeit der Katho- likenverfammlung beschränkt ist. Ebenso willkommen wird den Besuchern die im Verlage I. P. Bachem erschienene „Gesamt-Ueber- sicht über alle Veranstaltungen" sein. In den Vorbemerkungen wird der Besucher über die Festdruckschriften orientiert, über Post, Telegraph, Fernsprecher, über die Briefbestellung auf der Katholikenversammlung, über die Ausstellung für christliche Kunst rc. Sodann folgt nach Tagen geordnet die Uebersicht über die Veranstaltungen, für jeden Tag ist ein freier Raum für Notizen gelassen. Mit diesem Büchlein ist einem praktischen Bedürfnis in dankenswerter Weise abgeholfen. Es sei noch hingewiesen auf die ebenfalls im Verlage Bachem erschienene „Fest schrift zur Jubelversammlung", welche eine Geschichte der bisherigen Generalversammlungen der Katholiken Deutschlands enthält. Auch diese Festgabe darf einer freudigen Aufnahme seitens der Besucher des Katholikentages sicher sein.
Die Anträge zu der diesjährigen General- Versammlung werden, wie in den lehren Jahren, erst veröffentlicht werden, nachdem sie der Beschlußfassung unterlegen haben.
Auf die innere Würdigung der 50. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands werden wir in einem besonderen Artikel zurückkommen.
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Verantwortlicher
50. KkmrMchimlm- der LchMeu lleillchlmds !» Mn 1903.
------- (Nachdruck dertöten.) X Köln, 21. Aug. 1903.
Nur wenige Tage trennen uns noch von der Eröffnung der 50. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands. Wenn schon in den letzten Jahren die Generalversammlungen der deutschen Katholiken stetig an Bedeutung gewonnen und in gesteigertem Maße nicht nur das Interesse der Katholiken, sondern auch der nichtkatholischen Kreise Deutschlands für sich in Anspruch genommen haben, so sind es in diesem Jahre zwei Umstände, die der bevorstehenden Tagung ein besonderes Gepräge verleihen und ihr einen glänzenden Verlauf gewährleisten.
Einmal ist es das Heim der diesjährigen Generalversammlung, welches auf die deutschen Katholiken eine besondere Anziehungskraft ausüben wird. Die alte rheinische MÜropole, das gastliche Köln, das noch aus dem Jahre 1894 bei den Besuchern des Katholikentages in bester Erinnerung steht und das für jeden Katholiken so reich an altehrwürdigen Schätzen ist, wird seinen^ historischen Ruf abermals bewähren und der 50. Generalversammlung eine Stätte bieten, die feines Namens würdig ist. Zum brittea Male wird Köln die Generalverfammlung in seinenMauern begrüßen und wenn die Kölner schon int Jahre 1858 und 1894 ihr bestes getan haben, um ihren Gästen ein trautes und gastliches Heim zu bieten, so verraten die gegenwärtigen Vorbereitungen für die diesjährige Versammlung, daß sie sich der besonderen Bedeutung derselben als Jubelversammlung vollauf bewußt sind und durch ihre Veranstaltungen dem Jubiläums - Charakter gerecht zu werden bestrebt sind. Das Programm ist so umfangreich, wie es wohl bisher noch nicht zu verzeichnen gewesen ist. Es umfaßt fast alle Gebiete, auf denen katholisches Leben sich betätigt.
Würdig der Jubelversammlung ist die mit erheblichen Kosten eigens hergestellte Fest halle, welche einen herrlichen Ausblick auf den Rhein gewährt. Von besonderer Dimension zeichnet sich dieselbe vor allem durch ihre praktische Anlage aus. An 5000 Sitzplätze sind vorhanden und alle Plätze sind bequem und leicht zu erreichen. Die Ventilation ist vorzüglich, da der obere Teil der Festhalle eine glückliche Verbindung von Zelt- und Holzbekleidung aufweist. Wenn vielleicht Bedenken bestanden haben, ob die Halle im Innern gegen Regen geschützt sei, so müffen dieselben als zerstreut gelten, denn obwohl in diesen Tagen in Köln ein wolkenbruchartiger Regen niedergegangen ist, hat das Zeltdach sich in jeder Beziehung bewährt. Ein sachverständiges Urteil verrät die Anordnung für die Presse. Die Vertreter der Presse werden mit Befriedigung von ihr Kenntnis nehmen, und wenn sie vielleicht hier und da um ihren „bevorzugten" Platz beneidet werden, so mag in Betracht gezogen werden, daß, während die Redner etwa zu 8000 Personen sprechen, die Preffe zu ebenso vielen Millionen Menschen, die
v. Windheim ist ein Freund und Studiengenosse des Kaisers. Der Kaiser wird jetzt Gelegenheit haben, auch wieder amtlich in direkten Verkehr mit ihm zu treten, wie es den Oberpräsidenten gegenüber der Fall ist. Außerdem ist Kassel Residenzstadt, die der Kaiser stets längere und kürzere Zeit jährlich besucht, so daß auch ein persönlicher Verkehr zwischen Kaiser und Oberpräsidenten stattfinden dürfte." — In fast allen Blättern wird die schnelle Karriöre des Herrn von Windheim als etwas ganz Außerordentliches hervorgehoben; aber ganz so auffällig ist, wie die,Frank. Ztg.' bemerkt, die Beförderung zum Oberprästdenten in einem Lebensalter von 46 Jahren doch nicht. _ Es hat schon schnellere Karrieren gegeben. Graf Herbert Bismarck war 37 Jahre alt, als er Staatssekretär des Auswärtigen Amtes unter seinem Vater, und er war erst 39 Jahre alt, als er auch preußischer Staatsminister wurde, jedenfalls der jüngste Minister, den es je in Preußen gegeben hat. Sein jüngerer Bruder Wilhelm war mit 37 Jahren Regierungspräsident von Hannover und war ungefähr in der Mitte der vierziger Jahre, als er Oberpräsident in Königsberg wurde. Herr v. Goßler, der als Oberpräsident von Westpreußen starb, der Bruder des jetzt zurückgetretenen Kriegsministers, war mit 43 Jahren preußischer Kultusminister, was bekanntlich mehr ist, als Oberpräsident. Herr v. Rheinbaben, unser gegenwärtiger Finanzminister, war erst 44 Jahre alt, als er Minister des Innern wurde. Der gegenwärtige Oberpräsident der Provinz Brandenburg, v. Bethmann-Hollweg, ist ungefähr in demselben Lebensalter Oberpräsident geworden und Herr v. Waldow, der feit einem halben Jahre Oberpräsident von Posen ist, zählt auch erst 47 Jahre. Auch Graf Bülow hat eine schnelle Karriere hinter sich; er war mit 44 Jahren Botschafter, mit 47 Jahren Staatssekretär des Auswärtigen und preußischer Minister und mit 51 Jahren Reichskanzler und Ministerpräsident.
§ Der Staatssekretär des Auswärtigen Amts, Freiherr von Richthofen, der sich auf Urlaub befindet, wurde vom Großherzog von Baden, als dieser erfuhr, daß der Staatssekretär in der Nähe verweilte, zu einem Besuch eingeladen. Bei dieser Gelegenheit unterhielt sich Freiherr von Richthofen mit dem Großherzog über den gegenwärtigen Stand der auswärtigen Politik. Wie die fozialdemokcalische Mannheimer ,Volksstimme' aus angeblich zuverlässiger Quelle erfahren haben will, sollen dabei auch die kirchenpolitischen Streitfragen zur Sprache gekommen fein, um, wenn möglich, ein grundsätzlich eindeitliä es Vorgehen des Reiches und der badischen Landesregierung in Sachen des Jesuitengesetzes und der Männerklöster herbeizuführen. Uns scheint die ,Nat-Ztg/ recht zu haben, wenn sie meint, die Gerüchte, wonach auch die Aufhebung des § 2 des Jesuitengefetzes zur Sprache gebracht worden sein soll, klängen mehr als unwahrscheinlich. Für den Großherzog von Baden habe sicherlich kein Anlaß zur Erörterung dieses Themas vorgelegen, noch weniger den Winterschlaf gehalten zu haben. In seinem Ge- müte klangen die Worte wieder, welche er einst in herrlicher Mondnacht in Italien hatte singen hören, und leise summte er vor sich hin: „Was sprichst btt wirr wie in Träunn n zu mir phantastische Nacht. Es funkeln auf mich alle Sterne mit glühendem Liebesblick. Es redet trunken die Ferne wie von künftigem großem Sluck."
Die Räder knirschten auf dem frisch aufgefahrenen Sande der Parkwege. Ein lautes Gebell; Pluto hatte feit er. Herrn trotz der langen Abwesenheit erkannt und sprang freudig am Wagen empor. Im Zimmer seiner Tante war noch Licht; sie hatte sich noch nicht zur Ruhe begeben; sie hatte noch lange für Lisbeih und deren kranken Bruder gebetet.
Der Baron stürmte die Treppe hinauf; er öffnete die Türe. „Tante," „Paul," tönte es gleichzeitig und eine zärtliche Umarmung vereinte die lange Getrennten.
Es waren beinahe acht Tage verflosien fett der Abreise Lisbeths, seit der Ankunft Eggenbergs.
Die Zeit verschwand der Baronesse tote im Fluge; sie konnte nicht müde werden, immer und immer wieder ihren Neffen mit wahrhaft mütterlichem Stolze zu betrachten und aus seinem Munde die Einzelheiten feiner großartigen Reise zu vernehmen.
Das Interesse für Lisbeth, von welcher sie einen kurzen Brief mit der Nachricht erhalten hatte, daß ihr schwerkranker Bruder jetzt alle ihre Zeit beanspruche, war für sie in den Hintergrund getreten. Es war ihr lieb, daß ein glücklicher Zufall ihre Gesellschafterin vom Schlosse abgerufen hatte.
Der Baron brannte indeß vor Neugierde, zu erfahren, auf welche Weise Fräulein Ulm — Elisabeth trug für ibn immer noch diesen Namen — doch noch zu seiner Tante gekommen war.
Er hatte derselben nicht- davon gesagt, daß er sie bei seiner Ankunft aus dem Perron gesehen habe; er wagte auch nicht nach ihr zu fragen und wunderte sich innerlich sehr, daß seine Tante nie etwa- davon
Wäre Baronesse Pauline nicht durch den vermeintlichen Bries Lisbeth's beeinflußt gewesen, nimmer hätte sich ihre feinfühlende und besonnene Natur hinreißen lassen, zu ihrer Gesellschafterin in solcher Weise zu sprechen. Sie hatte bei ihren letzten Worten Lisbeth scharf angesehen und, da sie nicht mit Unrecht bemerkte, daß diese tief errötete und vergeblich nach einer Antwort suchte, begann sie noch einmal:
„So vermute ich also recht. Sie lieben schon einen Anderen?"
„O gnädigste Baronesse," rief jetzt Lisbeth aus, indem ihr die vergeblich zurückgehaltenen Tränen reichlich über die Wangen flössen.
„Wie könnte ich je daran denken, mit meinem befleckten Namen einem Ehremnanne die Hand zu reichen? Müßte ich nicht immer fürchten, es könne ihn eines Tages reuen, mich gewählt zu haben? Nein, ttimme« würde ich ja sagen. Je höher ich einen Mann, achtete, je inniger ich ihn liebte, um so lebhafter twürde ich seiner Bewerbung widerstreben. Ich würde ihn nicht der Schmach ausfetzen wolle», daß man auf seine Gattin als aus die Tochter eines Verbrechers mit Fingern wiese."
Lisbeth vergaß in ihrer Erregung ganz, daß es Kloben war, den sie ablehnen wollte.
Die Baronesse hatte ihrem leidenschaftlichen Ausbruche stumm zugehört. Ihre Miene hatte sich merk, lich aufgehellt; ihr Auge ruhte mit Wohlgefallen auf dem ist seiner Erregung noch reizenderen Mädchen; sie kostnte ihr in diesem Augenblicke ihre vollste Bewunderung und Hochachtung nicht versagen; leider bracht« sie die Worte LiSbethS in Beziehung mit Herrn von Kloben. Sie beugte sich zu Lisbeth hin «nd zag sie zärtlich au sich.
Ernennung des Herrn v. Windheim zum Oberpräsidenten keine so freudige Aufnahme wie die des Grafen Zedlitz. Zwar betont die .Tägliche Rundschau', Herr v. Windheim sei wiederholt als Mensch wie als Beamt er eingehend von ihr gewürdigt worden, wobei sie seinen Anordnungen bis auf sehr wenige Ausnahmen stets unumwunden beipflichten und volle Anerkennung hätte zollen können, und die ,Deutsche Tagesztg/ meint, der neue Oberpräsident fei' unzweifelhaft ein höchst gewandter, fähiger und liebenswürdiger Beamter, dem volles Vertrauen entgegengebracht werden könne. Dagegen schreibt die ,Voss. Ztg.': „Als Herr v. Windheim nach dem Tode des Herrn v. Richthofen an die Spitze der haupt- städtifchen Polizeiverwaltung berufen wurde, wußte man von ihm nicht viel mehr, als daß er seit langer Zeit das Vertrauen und die Gunst des Kaisers genieße, der ihn schon als Prinz näher kennen gelernt hatte. Von seiner Berliner Amtstätigkeit kann nicht behauptet werden, daß sie ein charakteristischer Gepräge getragen habe. Herr v. Windheim zeigte w der besonderes Entgegenkommen noch besondere Schroffheit gegenüber dem Bürgertum und seinen Vertretern. Er machte hin und wieder rinen Ansatz zu einer Reform der Polizei, ohne dabei nennenswerte Ersolge zu erzielen. Manche Vorgänge, die die Oeffentlichkeit erregten, waren derart, daß man den Polizeipräsidenten mehr für die ausführende als die anregende Instanz halten mußte. Natürlich ist Herr von Windheim streng konservativ, wie er denn in der letzten Wahlbewegung auch einen Wahlaufruf bei Rechten persönlich unterzeichnete. Inwieweit er als Verwaltungsbeümter über den Durchschnitt hinausragt, muß Herr von Windheim als Oberpräsident noch beweisen. Aber er wird seine Laufbahn mit dem Amt des Oberpräsidenten nicht als abgeschlossen betrachten. Er ist noch jung, er war Korpsstudent und Gardeoffizier, er war nur wenige Monate Polizeipräsident in Stettin, als er das gleiche, aber weit größere und wichtigere Amt in Berlin erhielt, wenige Monate Regierungspräsident in Frankfurt a. O., als er schon zum Oberpräfidenten berufen wurde. ErMhörtzu den wenigen Glücklichen, andie in maßgebenden Kreisen gedacht wird, wenn man für eine hohe Stelle eine Person sucht. Und so wird voraussichtlich an Herrn v. Windheim auch in der Folgezeit gedacht werden, sobald einMinister- seffel frei geworden ist." — Aehnlich lautet das Urteil des offiziellen Organs der nationalliberalen Partei, der ,Natt. Korr.', welche sich also vernehmen läßt: „Die Ernennung des - Herrn von Windheim zum Oberpräsidenten von Hessen- Nassau wird keine geringe Ueöerraschung im ganzen Lande Hervorrufen. Herr von Windheim, erst 46 Jahre alt, kann auf eine solch rasche Beamtenlausbahn zurückblicken, wie sie in Preußen zu den größten Seltenheiten gehört. Gelegenheit, seine vermutlich bedeutenden Fähigkeiten im Verwaltungsdienst nachhaltig zu entfalten, ist ihm eigentlich nicht geboten worden, da er rasch von Staffel zu Staffel stieg. Herr heran; jetzt hielt er. Drei Minuten Aufenthalt," verkündete die laute Stimme des Schaffners.
Aus einem Kupee I. Klasse stieg eine hohe Männergestalt in dunklen Mantel gehüllt. Der An- getommene richtete seine Schritte nach den bescheidenen Wartezimmern. Da ertönten neben ihm die Worte: „Bitte, Schaffner, Damenkupee II. Klasse."
Wie elektrisiert wandte sich der Fremde nach der Seite um, nur für einen Augenblick, um in ein reizendes, blasses Antlitz zu schauen. Schon nahm der Zug die Reisende auf; es war höchste Zeit; Alles ging in rasender Eile; wenige Augenblicke noch; der Lärm und das brausende Treiben verstummte; tiefe Stille herrschte wieder auf dem Perron, auf welchem der angekommene Herr regungslos den in der Ferne verschwindenden Lichtern des Schnellzuges nachstarrte. Eine bekannte Stimme entriß ihn seinen Träumen. Er fühlte feine Hände gefaßt und ehrerbietig geküßt. Es war der alte Diener seiner Tante, der den vielgeliebten jungen Herrn Baron, den Niemand anders war der Reisende als Eggenberg, mit Freudentränen begrüßte.
„Welche Ueberraschung für dje gnädige Baronesse! Welch glücklicher Zufall, daß wir gerade heute noch das Fräulein auf den Bahnhof bringen mußten,"
„Welches Fräulein?" fragte hastig der Baron.
„Die Gesellschafterin der gnädigen Baron ffe, Fräulein Elisabeth."
„Elisabeth!" Wie sein Herz erbebte!
Die freundliche Geschwätzigkeit des Alten ließen ihm keine Zeit, den ihn bestürmenden Gedanken und Empfindungen nachzuhängen.
Endlich saß er im Wagen und fuhr durch die Nacht dem Schlosse seiner Tante zu. In tiefem Sinnen lag er in den weichen Kissen und schaute hinaus in die vom blaffen Mondschein beleuchtete Gegend; stärkende balsamische Früblmgsluft umfächelte seine heiße Stirn, und in seinem Innern regte e8 sich in geheimnisvoller Macht.
Was er für immer gebannt wähnte, schien nttr
Berlin, den 20. August 1903.
* Die bevorstehende Ernennung des Herrn v. Windheim zum Oberpräsidenten der Provinz Hessen-Nassau wird heute von der ,Nordd. Allgem. Ztg/ in folgender Form bestätigt: „Die gestern nach mehreren Blättern verzeichnete Meldung, wonach zum Oberpräsidenten der Provinz Hessen-Nassau der frühere Polizei- Präsident und derzeitige Regierungs-Präsident in Frankfurt a. d.O., v. Windheim, in Aussicht genommen sei, wird uns von zuverlässiger Seite bestätigt." — In der übrigen Presse findet die
„Also das ist ihr Grund. Mein teueres Kind, ich liebe Sie jetzt um so mehr! Beruhigen Sie sich! Wir wollen alles zusammen beraten. Sie wissen, ich will nur Ihr Glück, und der liebe Gott wird uns beistehen, das Richtige zu treffen."
In diesem Augenbl cke trat ein Diener ein. Auf dem silbernen Teller lag eine Depesche. Die Baronesse ergriff sie; der Diener zog sich zurück.
„Was, mein Kind, an Sie? Ein Telegramm? Was kann es fein? Herrn v. Kloben übermittelt die Post wohl zu langsam die Grüße."
Lisbeth war blaß geworden, ihre Hand zitterte, als sie die Depesche öffnete; sie war so gespannt, daß sie auf die Scherzworte der Baronesse gar nicht gehört hatte. Sie las, sie las wieder und sprang dann auf.
„Gnädigste Baronesse, Sie erlauben? O, welche Freude, welcher Schmerz! Ich muß fort."
Schon hatte sie heftig mit der silbernen Glocke geschellt und dem erschreckt herbeistürzenden Diener zugerufen: „Schnell einen Wagen nach der nächsten Bahnstation!"
Alles ging so urplötzlich, daß die Baronesse noch nicht Zeit gehabt hatte, zu fragen. Jetzt erst erinnerte sich Lisbeth derselben.
„Hier," sie reichte ihr die Depesche, „lesen Sie."
Das Telegramm lautete: „Kommen Sie sofort. Ihr Bruder Hubert liegt krank in meinem Hause und verlangt nach Ihnen. Frieda von Ralbow."
„Kind, welche Ueberraschuna! Aber Sie können doch jetzt nicht fort! In der Nacht, so allein! Ich könnte es nicht verantworten. Sie find totenblaß und zittern wie Espenlaub."
„O Baronesse wüßten Sie, was das heißt, Hubert verlangt nach mir, Sie würden mich nicht znrückhalten. Bon meinen sterbenden Eltern wurde er mir gleichsam als Vermächtnis übergeben."
„So reisen Sie mit Gott. Meine alle Babette wird Sie begleiten."
6i war dunkle Nacht. Der Schnellzug brauste
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jE'B?wochenbeii-ge: „Illustrierte Sonwtagsjcitung" Mon-tsbeiiage: „zuldaer Geschichtsblätter".