Erscheint täglich, mit Ausnahme der Sonn- «ud Feiertage. viertel- Mrl. Bezugspreis ohne vriagerloh« und Bestellgeld in 8«lda und «mvärts I Btt- 50 Pf 8
Verantwortlicher rchristleiter:Zof.Baum für die Inserate Z. parzeller in Fulda.
188.
Zuldaer
woch-nb-iiage: „Illustrierte Sonntagrzeitung"
Zeitung
Monatsbellage: „Zuldaer Geschichtrblätter".
Lnzeigen: Vie rim fpaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg, Reklamen die Petitzeile 25 Pfg.; bei Wiederholungen wird entspr Rabatt gewöhrt.
Druck und Verlag der FuldaerActiendruckere' in Fulda (Harmonie!
Fernsprecher Nr 9.
fUlda, Donnerstag, den 20. August 1903.
30. Jahrgang
□ Zum § 2 des Jesrritengesetzes weiß der .Reichsbote" etwas Neues zu berichten. Bekanntlich hat sich, als der vom Evangelischen Bunde künstlich entfachte „Entrüstungssturm" am stärksten tobte, in „echt evangelischer Toleranz" auch der evangelische Oberkirchenrat zu einer Eingabe gegen die Aufhebung des §2 an den Monarchen veranlaßt gesehen. Nach dem ,Reichsboten' soll es dann in Gegenwart von anderen Ministern über die ganze Frage zu einer Auseinandersetzung zwischen dem Kaiser und dem Grafen Bülow gekommen sein. Der Kaiser soll sich beklagt haben, daß er über die wahre Stimmung des Landes, insbesondere der evangelischen Mehrheit (sollen etwa auch die Katholiken gegen die Aufhebung sein?) irreführend unterrichtet gewesen sei. Im Anschlusse^daran soll er dann seinen Wunsch kundgegeben haben, daß die preußischen Stimmen im Bundesrate für die Aufhebung des § 2 nicht mehr geltend gemacht würden.
Bisher war immer nur die Rede davon gewesen, daß die Mehrheit der übrigen Bundes st aaten durch den Lärm der Hetzer so eingeschüchtert worden sei, daß sie, vorläufig wenigstens, nicht für die Aufhebung stimmen wollten; deshalb sei die Entscheidung im Bundesrate verschoben worden. Daß auch die preußischen Stimmen nicht mehr für die Aufhebung zu haben seien, ist nirgends auch nur angedeutet worden. Man konnte ja so etwas auch nicht vermuten, da Graf Bülow öffentlich, und sicher nicht ohne allerhöchste Ermächtigung, die Zustimmung Preußens angekündigt hatte und die Offiziösen sich alle Mühe gaben, die Einwände des Evangelischen Bundes als haltlos und vielfach auf gänzlicher Unkenntnis des Gesetzes beruhend zu erweisen.
Wenn die Angabe des ,Reichsboten" richtig ist, hätte also in dieser Frage eine durch nichts begründete Kursschwenkung stattgefunden. Hat Graf Bülow dem Kaiser denn nicht gesagt, daß der Lärm der Büadler gerade darauf berechnet sei, ihn über bte wahre Stimmung des Landes zu täuschen? Daß es immer wieder dieselben Pastoren und Bündler seien, die als Drahtzieher diese ganze „Bewegung" leiten? Daß dieReso- lutionen und Proteste von Synoden und Versammlungen alle von derselben Stelle ausgingen und hinter den Machern herzlich wenig Volk stehe? Es war doch für jeden, der nur die Augen offen hielt, vollständig klar, daß diese „Be- wegung"nicht aus dem Volke heraus entstanden war, sondern daß ein Häuflein fanatischer Pastoren, Professoren rc. sie aus Haß gegen „Rom" gemacht hatte und einige Agi- tatoren daraus für die Reichstagswahlen Kapital schlagen zu können glaubten.
Hat Graf Bülow dem Kaiser weiter vorgestellt, daß Recht und Gerechtigkeit die Aufhebung des § 2 forderten und man sie umso weniger versagen könne, als die große Mehrheit des Reichstages, auch die Parteien, die einst das Jesuirengesetz hatten schaffen Helsen, den § 2 als zwecklose Gehässigkeit und Ungerechtigkeit verurteilt hatten? Das mußte er ihm schon deshalb dringend vorstellen.
Fügungen.
Erzählung von A. Rhdolph.
88 ------ (Nachdruck verboten.)
In demselben Augenblicke trat Manfied ein. Hatte schon früher die Persönlichkeit des jungen Mannes einen günstigen Eindruck gemacht, so war es jetzt in noch viel höherem Grade der Fall; ein gewisser, heiliger Ernst lag auf seiner Erscheinung, der dieselbe adelte. Er sah älter aus, als er war; einige Helle Fäden durchzogen vorzeitig das dunkle Haar.
Frieda begrüßte ihren Bruder mit aufrichtiger Freude; ste reichte ihm beide Hände hin, die er zärtlich drückte. Er setzte sich neben sie auf einen der kleinen, reizenden Sessel.
Frieda bemerkte bald, daß ihn irgend etwas bekümmere. Teilnehmend fragte sie nach dem Grunde.
„Mein armer Kranke macht mir Sorge; er ist schlechter, als man vermutete; es ist mehr als Ermüdung und Schwäche. Der Arzt, den ich habe rufen lassen, bestätigte meine Meinung."
„Er wird doch nicht etwa sterben?" fragte Frieda beängstigt. ,
„Hoffen wir, daß ihm Gott noch ein längeres Leben schenkt", antwortete ernst der Bruder. „Jedenfalls dürfen wir ihn aber, sollte ihm der Tod schon so nahe stehen, erst recht nicht verlassen; nicht wahr, Schwesterchen?"
Frieda nickte zwar bejahend, aber ihre Miene drückte nur zu deutlich das Unbehagen aus, daS sie empfand, vielleicht einen Sterbenden im Hause zu haben. Sie war doch zu sehr Weltkind, um nicht von der Nähe de« Todes unangenehm berührt zu werden.
„Hat der Mann keine Anverwandten hier, die ihn gern zu sich nehmen würden und denen es eine große Freude wäre, wenn man sie benachrichtigte?" brachte sie endlich hervor, ftoh, der Sache eine Seite
weil er einmal die Aufhebung angekündrgt hatte und sein politisches Ansehen verlangte, daß es dabei bleibe. Wo es sich um Recht und Ge rechtigkeit handelt, kann die „Stimmung des Landes" überhaupt nicht in Frage kommen, zumal eine „Stimmung" wie die vom evangelischen Bunde entfachte. Selbst wenn die Erregung die Masse des Volkes in stärkerem Maße ergriffen hätte, als es wirklich der Fall war, so mußte geltend gemacht werden, daß die meisten Protestler nicht einmal wüßten, was der §2 bedeute, sondern durch lügenhafte Darstellungen der Drahtzieher getäuscht worden seien.
Einstweilen bleibt indes noch die Bestätigung der Angaben des »Reichsboten" zu erwarten. Möglicherweise will das Pastorenblatt oder sein Hintermann nur auf den Busch klopfen, vielleicht in der Absicht, die preußische Regierung und den König gegen die Aufhebung des § 2 fester zu engagieren, als es durch eine unbekannt gebliebene Auseinandersetzung zwischen dem Monarchen und dem Grafen Bülow geschehen wäre. Er verlangt, daß die Offiziösen sich zu seiner Mitteilung äußern und weist etwaigen Vertuschungsversuchen gegenüber drohend darauf hin, daß auch andere Minister die Willensmeinung des Kaifers vernommen hatten, sich also leichter Aufklärung darüber schaffen lasse, „als wenn sie nur ein Sondergeheimnis der Wilhelmftraße wäre, wo man so virtuos die Zeitgeschichte nach gewissen Konzepten zu schreiben versteht". Wir sind ganz damit einverstanden, daß Auf- klarung geschaffen wird. Es kann ja ohnehin nicht ausbleiben, daß der Reichskanzler darüber interpelliert wird, wie es mit der an= gekündigten Aufhebung des § 2 steht. Ob nach dem Wunsche des ,Reichsboten" eine Bestätigung seiner Mitteilung herauskommt, wird uns nicht allzu sehr erregen. Ist wegen einiger Fanatiker eine Schwenkung vom Ja zum Nein erfolgt, so kann demnächst wegen der großen Mehrheit des Reichstags und noch aus anderen Gründen wieder eine Schwenkung vom Nein zum Ja erfolgen. Einmal fällt der § 2 doch — und noch mehr.
Berlin, den 19. August 1903.
* Ein beachtenswertes Wort des hl. Vaters. Bei den vielen Kombinationen, welche in italienischen und anderen auswärtigen Blättern über die zukünftige Haltung des neuen Oberhauptes der katholischen Christenheit zu Tage treten, ist ein Wort von Wichtigkeit, welches Papst Pius X. dieser Tage gesprochen hat. Auf eine Anfrage äußerte der hl. Vater, wie der .Germania" aus Rom gemeldet wird, wörtlich wie folgt: „Erwarten Sie nichts Neues, Sensationelles von mir. Sagen Sie allen, daß ich bete und mich orientiere." Im Anschluß hieran wird weiter mitgeteilt, daß
abgewonnen zu baden, die sie beruhigte und welche Manfted nur billigen konnte.
„Du bast recht, Schwester. Daran muß jetzt um so mehr gedacht werden, je bedenklicher sein Zustand ist. Hoffentlich finden wir seine Angehörigen, wenn er solche hat."
„Meinst Dn nicht, daß es am besten ist, ich bitte meinen Mann, dem Polizeipräsidenten in dieser Angelegenheit ein Billet zu schreiben? Ich bin überzeugt, er stellt uns sofort seine besten Kräfte zur Verfügung, und ehe es Abend ist, können wir schon Gewißheit haben."
Frieda zeigte sich außerordentlich eifrig; sie hatte sich schon erhoben. Manfred hielt sie zurück.
„Bleibe noch ein wenig, Schwesterchen. Vorläufig weiß ich noch gar nicht den Namen meines Schützlings."
„Der Baron hat ihn Dir nicht gesagt?"
„Nur Geduld! Das hängt so zusammen. Als Paul sich nach seinem Namen, überhaupt nach seinen näheren Verhältnissen erkundigte, schien das dem Armen außerordentlich peinlich zu sein. Ohne sich zu schonen, gab er in Ausbrüchen tiefster Reue ein Bild seines Lebens; seinen Flamen jedoch verschwieg er, und Paul war zu zartfühlend, um es mit Entschiedenheit zu fordern. Er vermutet, daß der Arme aus guter Familie ist, da er seinen Angaben nach Offizier war."
„Offizier?" rief überrascht Frieda.
„So hat er Eggenberg erzählt. Du hast mich aber auf den richtigen Gedanken gebracht. Da es ungewiß ist, ob er sich noch einmal erholt, wäre es falsche Zartheft, nicht nach seiner Familie forschen zu wollen. Sicher war es nicht die Heimat allein, welche sein Herz mit Macht anzog; gewiß hoffte er noch irgend ein geliebtes Wesen hier zu treffen. Mög'icherweise hat der Unglückliche noch Eltern. Ich halte es für meine Pflicht, mich nach seinem Namen zu erkundigen, und will damit auch nicht länger zögern."
die Entscheidung aller wichtigen Sachen von der Kurie bis Oktober vertagt ist. Hoffentlich werden die Konjekturalpolitiker nun aufhören, über die zukünftigen politischen Entschließungen Papst Pius' X. zu grübeln. Die Katholiken des Erdkreises und speziell die deutschen sehen mit aller Ruhe den kommenden Entschlüssen des neuen Papstes entgegen.
** Der „polnische Nationalschatz" zu Rapperswyl beunruhigt die Hakatisten wieder einmal. Es ist der 10. Jahresbericht der ihn hütenden Kommission erschienen. Der Schatz beträgt, genau gerechnet, 253192 Franken und 6 Centimes. Wir haben im Juliusturm in Spandau 120 Millionen liegen. Also, lieb Vaterland, kannst ruhig fein. Uns schreckt auch nicht, daß der Polenschatz im Jahre 1902 um gut 30000 Franken angewachsen ist. Bis er die Höhe unseres „Na ionalschahes" erreicht hat, dauert es noch eine Weile. Mögen die Hakatisten „keine Zweifel über die revolutionären Ziele des Schatzes" hegen, wir wollen noch ein paar Jahre ruhig schlafen. Da über die Verwendung der aus dem Schatze gewährten Beihilfen nichts mitgeteilt wird, so vermuten die Hakatisten, daß der radikal-polnischen Agitation in Oberschlesien ein Teil davon zugeflossen sei. Möglich, aber wenn diese Agitation von nichts anderem als von den Zuschüssen des „Nationalschatzes" zehrte, würden wir sie wohl kaum so gedeihen sehen.
** Der heutigen Nummer des .Vorwärts' liegt der ausführliche Bericht über die parlamentarische Tätigkeit der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion in der letzten Session bei, der an den Parteitag zu Dresden erstattet wird. Der Bericht behandelt besonders ausführlich den Kampf um den Zolltarif und wieder ausführlich die Etatsberarungen. Etwas Neues und Besonderes enthalt er nicht. Das skandalöse Benehmen der Genossen bei Beratung der Zolloor- lage wird vollständig mit Stillschweigen übergangen.
Einen hübschen Beitrag für die Tatsache, mit wie wenig Recht die sozial d emo kra tischen Führer und Macher ihre Partei als „Arbeiterpartei" hinstellen und wieviel Drohnen die politische Bewegung und die wirklichen Arbeiter ausbeuten, liefert em Wahlaufruf an die Kommunalwähler von Charlottenburg. Dort sind Anfang November die Ergänzungswahlen zur Stadtverordnetenversammlung vorzunehmen. In dem Aufruf wird versichert, „daß unsere arbeitende, schwer um ihr Dasein ringende Bevölkerung mit dem jetzigen politischen und wirtschaftlichen System aufs tiefste unzufrieden ist und eine durchgreifende Besserung nur durch unsere Partei, durch die Sozialdemokratie erhofft: Am Schluß des Wahlaufrufs, der sonst keine anderen Unterschriften aufweist, erklären sich für diejenigen, denen es durchaus an Zeit mangele, die Wählerlisten ein» zusehen, 24 „Genossen" durch Unterschrift bereit, dies zu tun. Von diesen 24 sind — sage und schreibe 20 „Schankwirte". Unter den übrigen 4 find zwei Barbiere, ein Zigarrenhändler und ein Schneider. „Daß von 24 angeführten Vertrauensmännern 20 Restaurateure sind, ist, meint eine Zuschrift an die ,Berl. N. N.'
„Tue das," bat Frieda. Aber nimm Dich auch in Acht! Die Schwindsucht soll manchmal auch ansteckend sein. Komme ihm nicht zu nahe."
„Fürchte nichts für mich," lächelte Manfred. „Die allzu große Aengstlichkeit für meine Person muß ich fchon ablegen; sie würde schlecht zu meinem künftigen Berufe paffen."
Glücklicherweise wurden die Gedanken Frieda's durch die Abreise ihrer Schwester und durch die Ankunft eines neuen Kochs und einer Kammerfrau — beide direkt aus Paris — vollständig in Anspruch genommen, so daß sie keine Zeit hatte, sich des armen Kranken in ihrem Hanse zu erinnern, und Manfted hütete sich wohl, von ihm zu sprechen. Bald nachdem er sich damals zu ihm begeben hatte, um sein Vorhaben auszuführen, war der Fremde von einem heftigen Blutsturze befallen worden. Für einige Tage ward ihm alles Sprechen untersagt, und so mußte Manfred die Frage nach seinem Namen und seiner Familie auffchieben.
Der Kranke wurde aufs sorgfältigste verpflegt; im Augenblicke der höchsten Gefahr hatte ihm Manfted auch die heilige Oelung spenden lassen; er war dabei aber so schwach gewesen, daß man nicht bemerken konnte, ob er sich des Empfanges des heiligen Sakramentes bewußt war.
Jetzt nach einigen Tagen, als er sich wieder ein wenig erholt hatte, war von ihm noch keine Silbe geäußert worden, einen Priester herbeizurufen. Manfted war darüber sehr bekümmert, besonders da der Kranke noch keineswegs außer Lebensgefahr war. Er hielt eS für seine Pflicht, ihn daran in liebevoller Weise zu erinnern. Der Fremde sah ihn forschend an.
„Sie glauben, daß ich sterben werde; ich glaube es auch; aber ist der Tod mir schon so nahe? O, ich muß vorher noch meine Schwester sehen, sie sprechen."
Die Worte wurden mit solcher Erregung und Angst ausgestoßen, daß Manfted, erschreckt, dem
ein Fingerzeig für die Behörden, im Erteilen von Konzessionen vorsichtiger zu fein, denn gerade die Schankwirtschaften sind die Brutplätze für die Sozialdemokraten, jeder hergelaufene Hausdiener, vielfach verkrachte Existenzen, greifen zur Budik. Wenn die Brauereien derartige Leute nicht mit Geld subventionieren würden, wäre viel geholfen, andererseits aber sind leider die Kommunen nicht fest genug, die Konzessionen zu verweigern, denn für sie sind die Kneiren eine recht fette Einnahme. Bei uns sind z. B. am Knie, Ecke Berlinerstraße, in einem einzigen Hause 4! Restaurants."
** Auf den Gewerkschaftskongressen 1896 und 1902 ist beschlossen worden, der Agitation zur Gewinnung der weiblichen Berufsgenossen die intensivste Aufmerksamkeit zu widmen. Trotz aller Mühen und Geldausgaben rückt die Zahl der weiblichen Mitglieder der sozialdemokratischen Gewerkschaften nur sehr langsam vorwärts. Es gibt noch eine ganze Anzahl Berufe, in denen noch keine der beschäftigten Arbeiterinnen dem Gewerkschafis- verbande angehört; im ganzen sind erst 26 weibliche Organisationsverbände vorhanden, tue 28 218 Mitglieder zählen gegen 23669 im Vorjahre, d. h. erst 3,13 Prozent der weiblichen Berufsangehörigen sind oiganisierl. Von diesen 26 weiblichen OrganisationSverbänden hatten nur 15 eine Zunahme, während 11 einen Verlust aufzuweisen hatten. Im Tapeziergewerbe sind die 84 Frauen, die 1901 organisiert waren, wieder verschwunden; die Organisation hat sich aufgelöst. Die weivlichen Masseure haben gerade die Hälfte (43) ihrer Mitglieder vertreten, desgleichen die weiblichen Sattler (30). Von den Fabrikarbeiterinnen waren 1901 3509 organisiert, jetzt find es noch 3485; ist diese Abnahme auch nur gering (24), so ist es doch sehr bemerkenswert, daß auch in dieser Branche eine solche ein getreten ist. Von den Buchdrucker-. : Hilfsarbeiterinnen haben auch 36 der Organisation den Rücken gekehrt, sie zahlt heute nur noch 922 gegen 958 im Vorjahre. Die hauptsächlichste Zunahme ist darauf zurückzusühren, daß die organisierten Textil-Arbeiter innen sich um 2636 vermehrt haben; sie zählen jetzt 6654 gegen 4018 im Vorjahre, aber trotzdem find bis jetzt nur 2,11 Prozent der Texttlarbeüeruuv n organisiert. Es geht in dieser Organisation auf und nieder. Abg. Legten hat die Genossen auf« gefordert, zweckmäßige Einrichtungen zu ireffen, um die weiblichen Mitgiieoer an die Organisation zu fesseln. Helsen wirb auch das nicht viel. Von den Schneiderinnen sind 834 organisiert, d. h. 0,87 der Berufsangehörigen, bei dem großen Streik der Schneiderinnen in Berlin zählte die Ötguiiifatioii hier allein mehre- e Tausend Mitglieder.
** Die Gründung von Jnnungs-Unter- stützungskassen auf Gegenseitigkeit durch Jnnungsausschüsse regelt ein gemeinsamer Erlaß des Handelsmiiilsters und des Ministers des Innern. Es heißt darin u. a.: „Seit Inkrafttreten des Reichsgesetzes über die privaten Versicherungsunternehmungen vom 12. Mai 1901 sind die Jnnungsausschüsse als solche zur Errichtung vo i Versicherungskassen auf Gegenseitig-
Kranken Ruhe gebot. Jetzt war der günstige Augenblick gekommen, seinen Namen zu erfahren.
„Ich würde Ihnen sicher Ihre Schwester zuführen können, wenn Sie mir i iren Namen nennen wollten."
Der Kranke zögerte nur noch einen Augenblick.
„Sie kennen sie sehr gut j_eS ist Elisabeth Ulmenau. O bringen Sie wir meine Schwester; ich bin Hubert, ihr einziger, unglücklicher Bruder.
Große Tränen rollten über das bleiche Gesicht des Kranken. Manfred hatte mit eigentümlichen Gefühlen den Namen Elisabeth vernommen.
„Wie wunderbar sind Gottes Fügungen!" dachte er. „Hier in diesem Hause, wo ihr so großes Unrecht geschehen ist, läßt es die Barmherzigkeit GotteS zu, daß wir an ihrem Bruder die an ihr begangene Schuld in «twas gut machen."
Er ergriff die Hand des Kranken.
„Sie sollen Ihre Schwester bald Wiedersehen. Doch wenn Ihnen der Himmel gnädig ist und Ihnen diese Freude gewährt, wollen Sie nicht auch ihm die Freude machen und einen Priester herbeirufen kaffen?"
„Erst meine Schwester, meine Schwester," drängte der Kranke. Manfted eilte zu Frieda; vielleicht wußte ste, wo Fräulein Ulmenau sich aushielt.
„Welcher Zufall!" rief sie aus. „Erit vor kurzer Zeit erfuhr ich bei emem Zusammentreffen mit der Gräfin Balbot, daß Lisbeth Gesellschafterin bei deren Tante, der Baror.effe Pauline von Eggenberg ist."
„Dann hat sie eine wahre Heimstätte gefunden; doch wir dürfen nicht zögern; die Zeit drängt, sie muß telegraphisch benachrichtigt werden."
„Ob sie weiß, daß ihr Bruder bei uns ist?"
„Nichts weiß sie, nichts kann sie wissen; selbst wenn Paul schon bei seiner Tante sein sollte, konnte er ihr keine Mitteilung machen, da ihm der Nome seines Schützlings unbekannt war."
„Richtig, richtig. Ich vergaß es. Willst Du, daß ich die Depesche ..."
„Nein, Schwesterchen; damit will ich Dich nicht