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Verantwortlicher rchristleiter:Ios.Saum 3 wachenbellage:Illustrierte Zonntagszeitung

Monakbeiiage:gulbaer Geschichtsblätter".

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Druck und Verlag der Zuldaer Actiendruckere^ in Zulda (harmonies

Zernsprecher Rr 9.

Xs 187. ?UlÄL, Mittwoch, den 19. August 1903. 30. Jahrgang.

0 Der neue Oberpräfident von 5chlefien

wird in der Presse allgemein äußerst freund­lich behandelt, ja so freundlich wie selten ein Mann, der in ein hohes Staatsamt berufen wurde. Auch die liberale Presse begrüßt ihn sehr sympathisch, wie wohl sie das böse Volks­schulgesetz noch nicht vergeben und vergeffen hat. Ein echter Mann erzwingt sich eben immer Achtung, auch bei den Gegnern. Und daß Graf Zedlitz-Trützschler ein echter Mann ist, kann ihm beim besten Willen sein schlimmster Feind nicht abstreiten.

So rühmt man ihn denn als Verwaltungs­beamten von bewährter Tüchtigkeit, ohne büreau- kratische Engherzigkeit und Zugeknöpftheit, als Mann, von festem, selbständigem Charakter, als große Arbeitskrast und eine Persönlichkeit, die die vornehme Liebenswürdigkeit des Grand­seigneurs mit Energie und Entschlossenheit zu vereinigen wisse, kurz als den für einen Ober- prästdentenposten geeignetsten Mann und für den schlesischen noch besonders deshalb der geeignetste, weil er selbst ein geborener Schlesier ist, in Schlesien lange Jahre auf den verschiedensten Gebieten der Verwaltung mit Erfolg gewirkt hat und die Verhältnisse der Provinz genau kennt.

Als Fürst Hatzfeldt zum Oberpräsidenten von Schlesien ernannt wurde, bekam die konser­vative ,Kreuzztg/Beklemmungen", weil er Katholik war, wenn auch nicht einmalultra­montan". Diesmal hat man der überwiegend katholischen Provinz nicht wieder einen katho­lisch, n Oberpräsidenten gegeben. Ob aus Rück­sicht auf dieBeklemmungen"? Wenn es nun einmal kein Katholik sein sollte, dann wird aller­dings Graf Zedlitz den schlesischen Katholiken von allen in Betracht kommenden Protestanten der willkommenste sein.

~ Die Wiederbesetzung des Postens scheint große Schwierigkeiten gemacht zu haben. Monate lang hat es gedauert, bis man für den Fürsten Hatzfeld einen Nachfolger gefunden hatte. Graf ZEtz hat nur mit Widerstreben ange­nommen. Als vor einigen Wochen eine Anfrage an ihn erging, hat er der .Kreuzztg/ zufolge drin'gend gebeten, ihn in Kassel zu belassen. Es sind wohl kaum die überall mit dem Amte eines Oberpräsidenten verbundenen Aufgaben, die ihn erschreckt haben, selbst wenn diese in Schlesien größer sein mögen als in mancher anderen Provinz.

Von hakatistischer Seite ist hartnäckig behauptet worden, Fürst Hatzfeldt habe seinen Posten verlassen müssen, weil er die radikal­polnische Bewegung in Oberschlesien nicht ge­nügend beachtet und gewürdigt habe. Ist das richtig, so ist damit yon selbst gesagt, daß Graf

Zöglingen.

Erzählung von A. Uhdolph.

87 ------ (Nachdruck verboten.)

So harmlos Lisbech auch anfänglich war, konnte er ihr doch zuletzt nicht mehr zweifelhaft sein, daß der Baumeister sie in auffälliger Weise auszeichnete. Er­schreckt zog sie sich nach Möglichkeit zurück. Herr v. Kloben, von der Baronesse irregeleitet und ange­spornt, wurde durch das kühle Benehmen Lisbeth's noch mehr entflammt, und diese suchte vergebens bei ihrer mütterlichen Freundin eine Unterstützung ihrer Abwehr.

Die Baronesse tat, als sehe und verstehe sie nichts von allem. Im Innern zürnte sie beinahe Lis- beth wegen ihrerunverzeihlichen Koketterie", so lange me Spröde zu spielen. Diese empfand, daß in dem Benehmen der Baronesse gegen sie eine Aenderung emgetreten war.

3um nsten Male, seit sie hier im Schlöffe weilte, stählte sie sich in einer peinlichen Lage; von der einen Seite die zudringlichen Bewerbungen des Baumeisters, von der anderen die merkbar küble Reserve der Baronesse, für welche sie keinen Grund find.n konnte.

Nun war für einige Tage Ruhe eingetrelen; Herr batte eme Geschäftsreise unterne,men müssen. Elisabeth saß im kleinen Salon, wo sie den Kaffee einzunehmen Pflegten. Es war ziemlich auffallend, daß dre sonst so pünktliche Baronesse diesmal auf sich warten ließ.

Lisbeth trat ans Fenster und schaute in den Park hinaus. Da» erste Grün schmückte Bäume und Sträucher und auf den Beeten blühten Hyazinchen und Krokus in bunter Fülle.

Lisbeth war durch die Abreise des Baumeisters in ruhigere, behaglichere Stimmung gekommen; überaus dieser glitten die Gedank n träumend in wehmütige Rückerinnerung. Sie gedachte der toten Eltern, sie

Zedlitz den Verhältnissen in Oberschlesien seine Hauptaufmerksamkeit zuwenden soll. Diese Auf­gabe wird ihm in der hakatistischen Presse denn auch ausdrücklich zugeschrieben. Er war in der ersten Hälfte der achtziger Jahre Regierungs­präsident in Oppeln und dann fünf Jahre Ober­präsident von Posen. Er hat also lange Jahre in den polnischen Landesteilen gewirkt, kennt die Verhältnisse und das Volk. Er ist auch im allgemeinen mit den Polen recht gut ausge­kommen, wiewohl den größeren Teil dieser seiner Amtszeit bereits die polenfeindliche Politik Bis­marcks herrschte. Es ist aber anzunehmen, daß die Schwenkung der Politik unter Caprivi mehr nach seinem Sinne war. Bezeugt ihm die polen­feindliche Presse doch, daß es nicht nach seinem Sinn gewesen sei, mit Gewaltmaßregeln der Ver­waltung auf die Polen einzuwirken, wiewohl er sich niemals zu schwächlichen Zugeständnissen herbeigelassen habe. Inzwischen ist man aber nicht nur zu der Gewaltpolitik Bismarcks zurück­gekehrt, sondern hat diese auch noch hakatistisch vergiftet.

Heute dürfte es dem Grafen Zedlitz weit schwerer werden, als vor anderthalb Jahrzehnten, mit den Polen fertig zu werden. Diese sind zu verbittert und verhetzt, als daß sie sich noch mit persönlichen Mitteln gewinnen ließen. Die ganze Politik drängt ja überdies auf Gewalt und Unterdrückung hin. Bisher hat man mit dieser Politik nirgends Erfolg erzielt, sondern überall das Gegenteil davon. Fürst Hatzfeldsoll die polnische Bewegung in Oberschlesien verschul­det haben, weil er ihr nicht kräftig entgegentrat. Möge man uns doch einmal sagen, was man denn dort erreicht hat, wo man mitKraft" und Energie" vorging. Da ist es genau so oder vielleicht noch schlimmer. Und da soll Graf Zedlitz die angeblichen Fehler und Vernach­lässigungen seines Vorgängers wieder gut machen können, indem er die Verwaltung anderer polni­scher Landesteile sich zum 'Vorbild nimmt!

Die ihn begrüßenden Hakatisten versichern, er habe Erfahrung, kenne die Verhältnisse genau, sei ein politisch veranlagter Mann, er werde schon die nötigen Maßregeln ergreifen, um das Polentum zurückzudrängen und zu bändigen. Wenn die guten Leute diese Maßnahmen doch gefälligst näher bezeichnen wollten. Es wür­den ihnen nicht nur die Staatsregierung und die Oberpräsidenten und Regierungspräsidenten in Posen und Westpreußen, die sich nicht zu raten wissen, dankbar sein, sondern vermutlich auch Graf Zedlitz selbst. Wir fürchten, er hat da eine Aufgabe übernommen, die er bei aller Tüch­tigkeit nicht zu lösen vermag, weil sie unter dem jetzigen Polenkurs überhaupt nicht zu lösen i st. Oder wird man ihm freie Hand geben, alle die Fehler zu vermeiden und wieder gut zu machen, die namentlich von Zentrumsseiten immer wieder als die Hauptursachen der polni­schen Bewegung bezeichnet worden sind k Das darf man nicht hoffen und so werden wir nach einigen Jahren Zedlitzscher Oberpräsidentschaft sestzustellen haben, daß die polnische Bewegung nicht abgeebbt hat, sondern gewachsen ist. Das

einzige, worauf allenfalls zu hoffen wäre, ist noch, daß die radikalpolnischen Hetzer es in ihrer Ver­blendung so weit treiben, daß dem getäusch­ten polnischen Volke die Augen auf­gehen.

Berlin, den 18. August 1908.

() Zu derphantastischen Erzählung" des .Vorwärts' überDie Kaiserinsel" bemerkt die,Nordd. Allg. Ztg.':Die Einzelheiten, wo­mit dieses Märchen ausgeschmückt wird, streifen an Aberwitz. Wir können mitteilen, daß die ganze Sache maßgebenden Ortes als eine lächer­liche Hundstagsgeschichte bezeichnet worden ist."

* Der neue Oberpräsident von Hessen- Nassau. Wie wir schon in einem Teile unserer gestrigen Auflage mitteilen konnten, . ist der bis­herige Regierungspräsident in Frankfurt a. O. Herr v. Wind heim als Nachfolger des nach Schlesien versetzten Grafen von Zedlitz Trützschler zum Oberpräsidenten der Provinz Hessen-Nassau ernannt worden. Herr v. Windheim ist am 27. Juni 1857 in Groß-Oschersleben als Sohn des Amtsrats v. Windheim geboren. Er be­suchte in Magdeburg das Gymnasium, studierte in Bonn und Berlin und war als Referendar und Assessor in Koblenz und Wiesbaden tätig. Später war er Hilfsarbeiter im Ministerium des Innern und kam dann 1886 als Landrat nach Ragnit. Im Jahre 1892 war er Teilnehmer an einem der Kurse, die die preußische Regierung zur Unterweisung von Verwaltungsbeamten auf dem Gebiete der Sozialpolitik und der inneren Mission eingerichtet hatte. Im März 1894 wurde er als Hilfsarbeiter in das Ministerium des Innern berufen und int April des folgenden Jahres zum Polizeipräsidenten in Stettin er­nannt. Kaum aber hatte er dieses Amt ange­treten, als durch den Tod des Berliner Polizeipräsidenten Frhr. v. Richthofen am 6. Juni 1895 der Berliner Posten frei wurde, auf den Herr v. Windheim berufen wurde. Seit einem halben Jahre ist Herr v. Windheim Re­gierungspräsident in Frankfurt a. O., hat also eine ungemein schnelle Karriere gemacht. Herr v. Windheim gilt als tüchtiger Verwaltungsbe­amter. Bei Hofe ist er persona grata. In Bonn war er Studiengenosse des Kaisers.

** In der Angelegenheit des Prinzen Prosper Arenberg hatte, wie erinnerlich, der Direktor des Gerichtsgefängnisses in Hannover beantragt, die Strafvollstreckung gegen den Prin­zen zu unterbrechen, weil bei dem Gefangenen geistige Störungen beobachtet worden seien. Es wurden darauf nähere Ermittelungen angeordnet. Das Ergebnis ist aber, wie die ,Nat.-Ztg.' be­richtet, derart ausgefallen, daß der Reichskanzler, als Chef des Oberkommandos der Schutztruppen, seine Zustimmung zu dem Anträge auf Unter­brechung der Strafvollstreckung versagt hat. Prinz

gedachte des fernen Bruders. War er noch unter den Lebenden, oder ruhte er, fern von der Heimat, in sreundloser Erde? Hatte er sich zu Gott zurückgewendet oder war er noch tiefer gesunken, vielleicht bis zum Verbrecher?

Lisbeth's Herz schnürte sich schmerzhaft zusammen; Tränen stiegen in ihren Augen auf und rollten schwer über die Wangen. Da rauschte hinter ihr ein seidenes Gewand, die Baronesse war unbemertt eingetreten. Lisbeth wandte sich schnell um und bemühte sich, die Tränenspuren zu trocknen.

Die Baronesse warf einen scharfen Blick auf fie und lächelte zuftieden. O, der Kurzsichtigkeit! Sie schob dem matten Aussehen Lisbeths einen ganz anderen Grund unter. Sie war heute wieder steund- licher und gütiger und Lisbeth fühlte sich davon einigermaßen getröstet.

Unangenehm war es ihr, daß die Baronesse das Gespräch auf Herrn Kloben lenkte, doch konnte fie, ohne unhöflich zu fein, demselben keine andere Wendung geben. Die Baronesse wurde seines Lobes nicht müde und Lisbeth mußte wohl oder übel mit einstimmen, da das Verhalten de« jungen Baumeisters auch keinen direkten Tadel zuließ.

Die Baronesse war lebhaft erregt. Gerade als fie sich zum Frühstück begeben wollte, hatte fie einen Brief erhalten, der die Ankunft ihres Neffen schon für die nächste Zeit in Aussicht stellte. Er hatte seine Reise um die Erde vollendet und Europa'S Boden schon wieder betreten; er befand sich direkt auf der Heimreise.

Möglich, daß er bereits bei den Seinigen einge- ttoffen war. Er durste Lisbeth nicht auf dem Schlosse finden, ober nur als Brant. Das Letztere war un- bedingt das Beste für fie und die Baronesse sah es als ihre Pflicht an, zu handeln.

Der Baumeister hatte fie vor seiner Abreise ge­beten, seinetwegen mit Lisbeth zu reden und ihren Einfluß zu seinen Gunsten geltend zu machen. Sie hatte es chm versprochen und der Brief ihre- Neffen I

nahm ihr den letzten Rest des Zauderns. Noch am Abend desselben Tages wollte fie ernstlich mit Lisbech sprechen, sollte sich deren künftiges Leben neu gestalten.

*

Im Hause des Präsidenten v. Breten hatte sich im Laufe der Zeit viel verändert. Der Präsident, tiefgebeugt durch den plötzlichen Tod seiner Frau, hatte seinen Abschied genommen; auf seine Verwen­dung hatte Herr von Ralbow die höchste Befriedigung seine- Ehrgeizes gesunden: ;er war der Nachfolger seines Schwiegervaters gewcrden; Frieda hatte als Regierungspräfidentin ihren Einzug in die heimatlichen Räume gehalten, von welchen sich ihr Vater nur wenige Zimmer reserviert hatte.

Noch ehe fie als Herrin in# Haus kam, waren Lidwina und Amelie zum Besuche einer alten, reichen Tante, einer verwittweten kinderlosen Reichs gräsin gefahren Lidwina, an Hochmut der Dame gleich, hatte fich bald deren Gunst erworben, welche es sich nun eifrig angelegen fein ließ, für ihre Nichte eine glänzende Partie zu finden. Sie hatte auch nicht ver­gebens gesucht. Lidwina war als' Braut eines Ge­sandten heimgekehrt und hatte bald darauf ihre Hoch zett im Hause ihrer Schwester gefeiert.

Wir finden die beiden jungen Frauen, wenige Tage nach der Hochzeit, zusammen in dem reizend eingerichteten Boudoir Frieda's. Der nächste Tag schon sollte sie trennen, Lidwina mit ihrem Gatten die Reise nach ihrem neuen Bestimmungsorte antreten. Die beiden Schwestern saßen in kostbarem Negligee auf einer der schwellenden, blauseidenen Causeusen.

Frieda war im Sinne der Welt eine sehr glückliche Frau geworden. Ihr Mann war ihr treu und behandelte sie mit achtungsvoller Rücksicht, die sogar manchmal ein Hauch von Zärtlichkeit erwärmte. Er hatte durch seine Heirat erreicht, waS er wollte, und diese Zu­friedenheit st-mmte ihn gütig zu feiner F au, welche durch Natürlichkeit und angeborene Herzlichkeit die dem Benehmen ihres Gatten anhängende Sähe verdeckte. Ihre Lebensstellung war eine glänzende; Reichtum

Arenberg wird mit Rücksicht auf die bekannten Vorgänge in Hannover (wo ihm ungebührliche Freiheiten eingeräumt wurden) in ein anderes Gefängnis überführt und hat dort seine Strafe zu verbüßen.

** Von der preußischen Regierung werden für die Zeit vom l.Juli 1903 bis Ende Juni 1904 Erhebungen darüber veranstaltet, welche Mehr­kosten bei Versetzungen von Staatsbeam­ten entstehen würden, wenn die Umzugskosten nach in Aussicht genommenen Bestimmungen über eine anderweite Berechnung der Entfernungen er­folgen.

** Am Montag abend hat der Berliner Ortsverein der Nationalsozialen unter Mit­wirkung von Naumann, Kötzschke, Tisch en - dörfer u. a. den Beschluß gefaßt, dem Partei­tage in Göttingen die Auflösung der Zen- tral-Leitung und dieUeberführung oerOrga­nisation in die freisinnige Vereinigung bedingungs­los vorzuschlagen. Die ungemein lebhafte Debatte ergab ziemlich erhebliche Meinungsverschieden­heiten, und einzelne Mitglieder erklärten, daß sie den Anschluß an die Sozialdemokratie vor­ziehen und für ihre Person auch durchführen würden. Pfarrer Naumann legte in einer aus­führlichen Rede die Gründe für die Liquidation der Partei dar. Die Abstimmung ergab Annahme des Antrages Naumann mit allen gegen 6 Stim­men bei 4 Stimmenenthaltungen.

* Fürsorgeerziehung in Preussen. Auf Grund des neuen Fürsorgeerziehungsgesetzes, durch welches die Altersgrenzen wie die sonstigen Bedingungen für das Eintreten der staatlich zu überwachenden Erziehungen wesentlich erweitert worden sind, wurden im ersten Berichtsjahre (1901) 7787 Minderjährige, darunter 2838 Mädchen, der Fürsorgeerziehung überwiesen, d. h. 6283 mehr, als im Jahre 1900 nach dem früheren Zwangserziehungsgesetze in staatliche Erziehung genommen wurden. 6 Prozent waren noch nicht 6, 37 Prozent 612, 57 Prozent 1218 Jahre alt. Ferner gehörten 62,6 Prozent der evange­lischen, 36,8 der katholischen, 0,5 der jüdischen und 0,1 einer anderen Religion an. Noch nicht schulpflichtig waren 7, schulpflichtig 61 und schulentlassen 32 Prozent. Aus Preußen stammten 97,2 Prozent, aus anderen deutschen Staaten 2,4, aus dem Auslande 0,4. Unehelich geboren waren 17,3, gerichtlich bestraft 26,3 Prozent. 37,5 Prozent der Fälle der Ueberweisung betrafen Gefährdung des geistigen oder leiblichen Wohles des Kindes durch schuldhaftes Verhalten der Eltern, 14 Prozent Begehung einer strafbaren Handlung seitens eines strafrechtlich nicht zu ver­folgenden Minderjährigen und 48,5 Prozent Un­zulänglichkeit der erziehlichen Einwirkung der Eltern oder der Schule. Bei 1009 Zöglingen lagen je mehrere der gedachten Ueberweisungs- ursachen vor. Am Schluffe des Berichtsjahres waren 6356 Ueberwiesene in Pflegestellen unter­gebracht und zwar 69,6 Prozent in fremden Fa­milien und nur 0,4 Prozent in der eigenen Fa­milie.

Der Verband der katholischen Ar­beitervereine (Sitz Berlin) veranstaltete gestern

und Luxus umgab fie; fie lebte in einem Strudel von Zerstreuungen, und deshalb hatte der Tod ihrer Mutter keinen besonders tiefen Eindruck auf sie ge­macht. Trotz ihrer natürlichen Herzensgüte ließ sie sich gern vorn Strome des Lebens auf feiner heiteren, glänzenden Oberfläche tragen.

Es ist doch merkwürdig," sagte Lidwina, während ihre mit kostbaren Ringen geschmückte Hand mit der seidenen Quaste ihres mi* prachtvollen Spitzen garnierten Morg ngewandeS spielte,es ist doch merkwürdig, daß Baron Eggenberg gerade an meinem Hochzeitstage hier eintraf. Der erste, auf den mein Blick fiel, als ich in die Kirckn eintrat, war er."

Dein glückstrahlender Bräutigam ahnte in diesem Augenblicke gewiß nicht," lachte Frieda,auf welche Probe die Liebe feiner Erwählten gestellt wurde, daß ihm ein Nebenbuhler so nahe war. Schlug nicht Dein Herzchen schneller, als Du chn erblicktest? Fühltest Du nicht ein wenig Reue, ihn nicht erwartet zu haben?"

Keineswegs! Sei ganz ruhig, Frieda. Im Gegen­teil! Ich wurde mir erst klar, daß Eggenberg nicht für mich gepaßt hätte, " ich eine Törin war, ei auch nur einen Augenblick geglaubt zu haben. Dieser ernste Träumer! Ich hätte mich zuletzt vor ihm ge- fürettei, jedenfalls zu Tode gelangweilt. Es war mir damit auch nie rechter Ernst. Ich war nur gereizt von dieser falschen Person, die damals in unserem Hause lebte. Du wirst Dich ihrer erinnern, Du prote­giertest sie ja sehr; Du kanntest eben nicht ihre Sckliche; ich aber hatte ihr in die Sorten geguckt und gesehen, welches Spiel fie trieb. Ick weiß genau, daß fie zu gleicher Zeit mit unserem Bruder und diesem schein­heiligen Eggenberg ein Verhältnis unterhielt.

Ich habe es mit eigenen Augen gesehen," fuhr fie fort, als Frieda eine abwehrende Bewegung machte, habe es mit eigenen Ohren gehört, wie fie Eggen- berg noch für die letzte Nacht, die er in unserem Hanse zubrachte, ein Rendezvous zusagte."

Das ist wohl nicht möglich!"