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Monatsbeilage: „Zulda« Geschichtsblätttt

3d Jahrgang.

flllM Freitag, den 14. August 1903.

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Druck und Verlag der Zuldaer Actiendruckerel in Zulda (Harmonie) Fernsprecher Rr. 9.

Anzeigen: Sie ein» spaltige petitzeile oder deren Raum (5 pfg. Reklame» die petitzeile . 25 pfg ; bei Wieder­holungen wird entspr.

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3. wochenbiilage: „Illustrierte Zonntagszeitung

Wegen des Feiertags Maria Himmel­fahrt wird die nächste Nummer unserer Zeitung erst am Montag ausgegebeu.

[:] Aus nach Köln!

In der letzten Augustwoche wird die rheini­sche Hauptstadt den 50. deutschen Katholikentag, dieJubiläums - Geeralversammlung der Katholiken Deutschlands, in ihren Mauern tagen sehen. Seit Monaten schon sind eifrige Vorbereitungen im Gange, um dem Katholiken­tage einen würdigen Empfang zu bereiten und seinen Verhandlungen einen Erfolg verheißenden Verlauf zu sichern, so daß er, fruchtbar an An­regungen mancherlei Art, seinen Vorgängern sich wird ebenbürtig zur Seite stellen können. Es war ein glücklicher Gedanke des Zentral-Komitee's, als Festgabe zur Jubelversammlung eine Ge­schichte der General-Versammlungen der Katho­liken Deutschlands zu wählen. Der mit den Bilv- nisien der sämtlichen Präsidenten der bisherigen General - Versammlungen geschmückte stattliche Band, der vor Beginn der Versammlung fertig vorliegen wird, gibt in fesselnder Darstellung ein anschauliches Bild von den vielseitigen Arbeiten und Erfolgen der deutschen Katholikentage. Sie dürfen sich rühmen, daß sie in den letzten fünf Jahrzehnten der Brennpunkt des katholi­schen öffentlichen Lebens in Deutschland waren. Dieses Leitmotiv werden die Redner der Kölner Jubiläums-Versammlung ihren Ausfüh­rungen zu gründe legen können. Nach einem einheitlichen, wohloorbereiteten Plane erfolgte die Auswahl und Verteilung der zu behandelnden Themata: Römische Frage, Missionstätigkeit, Kircheupolitik, Presse und Literatur, Sozialpolitik, Gharitas, Kunst, Wissenschaft, Volksbildung rc.

Wie die Generalversammlungen stets ein treues Abbild der jeweiligen Bedürfnisse im katholischen öffentlichen Leben waren, so trägt auch das Programm des Kölner Katholikentags der in unseren Tagen immer mehr in den Vorder­grund tretenden sozialen Frage dadurch besondere Rechnung, daß für den Tag der Eröffnung, <Sonntag 23. August) eine ganze Reihe von Versammlungen der Arbeiter- und Ge­sellenvereine anberaumt sind, in welchen neben verschiedenen in der Arbeiterbewegung hervorragend tätigen Geistlichen Redner aus dem Arbeiterstande das Wort ergreifen werden. Auch der so verdienstvoll wirkende Volksverein für das katholische Deutschland wird, wie auf ftüheren Generalversammlungen, in einer Sonderversammlung neben einem Rückblicke auf die bisherigen Erfolge fruchtbare Anregung geben zum weiteren Ausbau der sozialen Gesetzgebung und zur Ausgestaltung der praktisch-sozialen Selbsthülfe der Erwerbsstände.

Zügungen.

Erzählung von A. Uhdolph.

84 ------ (Nachdruck verboten.)

Baronesse Eggenberg hatte den Brief ihrer Nichtd mit großem Interesse gelesen.

„Welch' sonderbare Fügung," dachte fie bei sich, „daß diese beiden Geschwister, deren Inneres so har­monisch übereinstimmt, so verschieden auch ihre äußere Lebensstellung ift, ein gleiches Anliegen an mich haben; selbst die Namen der beiden Schützlinge ähneln auffallend — Fräulein Ulm und Fräulein Ulmenau. Hoffentlich ist das aber auch die ganze Aehnlichkeit, Meine fromme Nichte urteilt mit vor­urteilsfreiem Herzen."

In einem kurzen — fie litt gerade an heftigen Kopfschmerzen aber sehr liebenswürdigen Briefe erklärte fie ihre freudige Bereitwilligkeit, Fräulein Ulmenau bei sich als Gesellschafterin aufzunehmen, da sie hoffe, in ihr eine willige Helferin bei chren mancherlei Sorgen und Arbeiten zu finden, zu deren Ausführung fie sich leider schon manchmal zu sch wach fühle.

Jetzt saßen die beiden Freundinnen, wie schon anfangs erwähnt, in der schattigen Laube, um welche toilber Wein seine grünroten Ranken wand.

Schwester Philomena hatte Lisbeth von chren Schritten bei ihrer Tante und deren freundlicher Ant­wort gesprochen.

So zürnte ihr also die Baronesse nicht, dachte ttesgerührt über diese Güte Lisbeth. So iqtfe sie es also recht gefunden, daß fie damals ihren Bruder nicht Aerlassen wollte. Sie bot ihr noch einmal die Hand. In überwallendem Gefühle der Dankbarkeit ries fie aus:

„£) wie gut ist Deine Tante: Wie glücklich bin ich, daß fie mich zu sich nimmt, wie sehr danke ich Gott, der mich in ihr Haus führt!"

Schwester Philomena berührte dieser «»geheuchelte

Das Bild einer friedlichen Massenheeresschau des katholischen Deutschlands — als solche hat man treffend die Katholikentage bezeichne: — werden die zahlreichen Sonderversammlungen der hervorragendsten katholischen Vereine ver­vollständigen : St. Vincenzverein, Bonifatmsverem, Cäcilienverein, Deutscher Verein vom hl. Lande, St. Raphaelsverein, Augustinusverein, Windt- horstbund, katholisch-kaufmännische Vereinigungen, Albertus Magnus-Verein usw. — eine würdige Vertretung des weitverzweigten katholischen Ver­einswesens.

Unter den festlichen Veranstaltungen des Katholikentages, welche nach des Tages Last und Mühen die Gäste von nah und fern zu froher Geselligkeit vereinigen sollen, dürfte neben einem Gartenfeste in den parkartigen Anlagen der Flora vor allem der im großen Festsaale der Bürger­gesellschaft am Dienstag, 25. August, stattfindende Festabend mit F e st s p i e l auf beifällige Auf­nahme zu rechnen haben. Die von einem Düssel­dorfer Künstler gestellten lebenden Bilder aus der Geschichte Kölns (St. Gereon, Peter von Amiens als Kreuzzugsprediger in Köln, lieber» tragung der Reliquien der hl. drei Könige in den Kölner Dom, die Kunst in Köln zur Zeit des Erzbischofs Bruno) verbindet ein erläutern­der poesievoller Text von Bruno Monacensis. Die den Bildern vorangehenden Chöre hat der Männergesangverein Kölner Liederkranz über­nommen. Die Musikarrangements und Kompo­sition verschiedener Chöre sind Domkapellmeister Msgr. Prof. Cohen zu verdanken. Unter den zum Vortrag gelangenden Gesängen befindet sich u. a. das nachweisbar älteste kölnische Kirchen­lied, die Sequenz des hl. Gereon. Der Text findet sich schon in einer Handschrift des aus­gehenden zehnten Jahrhunderts und die Melodie in einer aus dem 11. Jahrhundert stammenden Handschrift des Kölner Stadtarchivs. Dort wurde die Sequenz kürzlich gefunden und von Prof- Cohen für Männer- und Jnstrumentalchor nm eingerichtet. Nach einem Epiloge der Colonia klingt oaS Festspiel in eine Ovation für Papst und Kaiser aus, denen die allegorischen Gestalten von Religion, Kunst und Wissenschaft huldigen. Selbstverständlich soll am Festabend auch der Kölner Humor zur Geltung kommen.

Die Lage Kölns an einer der Hauptheeres- straßen des Verkehrs, am Knotenpunkt der wich- ttgsten rheinischen Bahnen und an der Ausgangs­und Endstelle der großen Rheindampfer, gewährt auch denjenigen Besuchern des Katholikentages, deren freie Zeit sehr knapp bemessen ist, die er­wünschte Gelegenheit, wenigstens einen Teil der sagenumwobenen rheinischen Gaue zu durch­streifen und Deutschlands schönsten Strom zu bewundern, dessen Berge gerade jetzt im üppigsten Rebenschmucke prangen. Wer sich aber auch nur auf Kölns Sehenswürdigkeiten beschränkt, findet deren eine so reiche Fülle, wie sie wohl keine andere Stadt in den deutschen Landen bietet. Eine glanzvolle Vergangenheit und eine blühende Gegenwart reichen sich auf dieser bedeutsamen historischen Stätte die Hände. Die Werke des Mittelalters und die Schöpfungen

Ausdruck wahrer Freude aus'S angenehmste. Sie drückte Lisbeths Hand. „Da ich sehe, wie sehr ich zu Deiner Zufriedenheit gehandelt habe," sagte fie, „so hoffe ich, Du wirst mich auch jetzt nicht mißver­stehen, wenn ich Dir den Vorschlag mache, sobald wie möglich zu meiner Tante überzusiedeln. Ich entnehme aus ihrem Schreiben, daß wir der Guten, die jetzt viel leidend ist, durch Deine Ankunft eine große Freude bereiten werden."

„Ganz wie Du es für passend hälft. Schon morgen bin ich bereit."

„Gut, meine liebe Elisabeth! Ein Telegramm soll meiner Tante Deine Ankunft anzeigen."

Das Glöckchen der Kapelle ertönte, das zum Ge­bete rief; die Freundinnen schieden für heute.

Lisbeth brachte vor den Altar ein glückerfülltes, dankbares Herz; selbst der so bald bevorstehende Abschied von ihrer Freundin war nicht im Stande, ihre freudige Stimmung zu verdüstern.

Mit Vertrauen und freubiger Hoffnung sah fie in bte Zutunst. In der Baronesse glaubte fie schon eine Art gütige Freundin zu finden, da fie ihr ja doppelt empfohlen worden war. Sie ahnte nicht, daß Pauline von Eggenberg in ihr jemand ganz anderes vermutete, als den ehemaligen Schützling ihres Neffen, daß bei ihr Fräulein Ulm und Fräu­lein Ulmenau zwei verschiedene Personen waren.

Am folgenden Morgen konnte Elisabeth mit Schwester Philomena nur noch einige flüchtige Worte in Gegenwart der ehrwürdigen Frau Oberin wechseln. In tieffier Dankbarkeit küßte fie bieder die Hand, umarmte zärtlich ihre Freundin, welche sie dem ganz besonderen Schutze der hl. Philomena empfahl, und schied aus dem Kloster, in dessen stillen Mauern chr düsteres Schicksal einen Abschluß gefunden zu haben schien.

Mit ftischem Lebensmute eilte fie ihrem neuen Wirkungskreise zu. Gewiß, die Welt war nicht nur ein wild aufgeregtes Meer, ein wirres, erdrückendes Chaos von Schmach und Schmerz; fie lächelte tgr

der Neuzeit haben sich in Köln zu harmonischem Bunde vereinigt und eine Städtebild von fesseln­der Eigenart geschaffen, dessen Zauber sich nie­mand entziehen kann. Das Lokalkomitee hat da­für Sorge getragen, daß der Zutritt zur Besich­tigung der Kunstschätze und Sehenswürdigkeiten Kölns den Besuchern der Generalversammlung möglichst erleichtert wird ; ein von ihm heraus­gegebener reich illustrierter Führer durch die Feststadt wird jeden in den Stand setzen, in zweckmäßiger Weise das alte und neue Köln in feinen hervorragendsten Werken kennen zu lernen. An der Spitze steht der herrliche Dom, das hehre Meisterwerk der gotischen Baukunst, umringt von einem Kranze prächtiger Kirchen, die als Denkmale des Frommsinns der Vorfahren laut die alte ruhmreiche Größe dieser Stadt verkünden, die sich mit Freude und Stolz rühmen hört als die „allezeit getteue Tochter der hl. römischen Kirche".

Die Jubiläumsoersammlung in Köln soll so­wohl in ihrem äußeren Verlaufe wie auch nach ihren inneren Erfolgen glänzendes Zeugnis ablegen von der stetig wachsenden Bedeutung der deutschen Katholikentage. Mögen darum recht zahlreiche katholische Männer aus Nord und Süd und Ost und West dem an sie ergangenen Ruse folgen und in der letzten Augustwoche in der rheinischen Hauptstadt zusammenströmen, um dort in ge­meinsamer Beratung und einträchtiger Arbeit im Jntereffe unserer hl. Kirche Rückschau und Aus­schau zu halten und aus den Lehren der Ver­gangenheit Frucht zu ziehen für die Gegenwart und für die großen Aufgaben der Zukunft. Also: auf nach Köln, in die „Stadt mit dem ewigen Dom"!

Berlin, den 13. August 1903.

—* Der für heute angekündigte ,Mro«rat" hat richt stattgefunden. Er soll auf morgen ver­schoben worden sein. Der Reichskanzler hatte heute vormittag eine Besprechung mit den Mini­stern der Finanzen, der Landwirtschaft, des In­nern und der öffentlichen Arbeiten. Danach be­gab er sich zum Vortrage beim Kaiser nach dem Neuen Palais. Der Kaiser lud ihn zur Mittags­tafel, zu der auch Herr v. Lucanus eine Ein­ladung erhalten hatte. Bei dem morgigen „Kronrate" soll es sich nach einem Berliner Blatte vorwiegind um eine Aussprache über rein technische Fragen zur wirksamen Verhinderung von Wasserkatastrophen, wie sie in Schlesien und Posen stattgefunden haben, handeln.

' [:] Die ,Berl. Pol. Nachr.' suchen die Liberalen wegen des Bolksschulgesetzes zu beruhigen. Es bestehe ja längst kein Zweifel mehr, daß die Regierung eine Wiederholung des gesetzgeberischen Planes von 1892 für völlig ausgeschlossen halte und sich mit der Regelung der Schulunter­haltungspflicht begnügen wolle, am liebsten ohne

jetzt freudig entgegen. Sie fühlte, Schwester Pbilo- mena batte recht gehabt; ihr Herz gehörte noch nicht dem Kloster an, in welchem zwar die Blume des Glückes neue Wurzeln gefaßt hatte, die aber erst draußen sich entfalten und Dust und Wonne ver­breiten sollte.

16. Kapitel. — Geborgen.

„Was ist Ihnen, Kind? Sie werden ja ganz blaß?" Mit diesen Worten wandte sich die Baronesse Pauline von Eggenberg an Elisabeth, welche ihr gegen­über auf der Terrasse des Schlosses saß.

Schon neigte sich der September dem Ende zu; aber warm und golden flutete der Sonnenschein auf die buntschillernde Farbenpracht des sich unmittelbar zu den Füßen der beiden Damen ausdehnenden pracht­vollen Parkes- Bis weit hinauf in den ersten Stock kletterten die Ranken der Monatsrosen, deren süßer Wohlgeruch sich mit dem berauschenden Dufte der auf der Terrasse schön gruppierten exotischen Gewächse mischte.

Aus dem Tische standen die seinen chinesischen Tassen mit den sonderbaren Schnörkeln, den Blumen, Vögel oder wohl auch Menschen darstellenden Arabesken.

Die Damen hatten soeben daS Frühstück eingenom­men und waren beschäftigt, den Inhalt der vom Diener überbrachten Postmappe zu studieren.

Ein zahmer Papagei benutzte den günstigen Augen­blick, um aus der auf einem Fuße von getriebenem Silber ruhenden, blitzenden Krystallschale ein Stückchen Zucker zu eskamotieren und sich damit auf die starken Aeste eines Orangenbaumes zu flüchten.

•‘3 Während die Baronesse einen Brief von ihrem Bruder las, durchblätterte Lisbeth ziemlich teilnabms- los die Zeitungen. Ein bekannter Name erregte ihre Aufmerksamkeit, fie las; tiefes Mitgefühl sprach sich in ihren feinen, ausdrucksvollen Zügen aus

Die Baronesse blickte in diesem Momente von ihrem Briefe auf und bemerkte den Farbenwechsel in LiS- oetbs Gefickt.

Aus der in zärtlich besorgtem Tone an dieselbe

Heranziehung irgendwelcher Fragen des inneren Schulrechts. Wenn auch die Regelung ohne gleichzeitige Lösung einiger Aufgaben der inneren Ordnung der Schule bei der Zusammensetzung des Abgeordnetenhauses wohl nicht möglich fein werde, so würde die Regierung doch nur solche Vorschläge billigen, die auch von der Minder­heit, wenn nicht ausdrücklich genehmigt, so doch zugelaffen werden könnten. Zentrum und Kon­servativen hätten ja auch aus praklischen Gründen den Standvunkt, daß die Schulunterhaltungs­pflicht nur im Rahmen emes vollständigen Schulgesetzes zulässig fei, aufgegeben und sich mit der Forderung gleichzeitiger Regelung einiger be­sonderer, eng mit der Schulunterhaltungspflicht zusammenhängender Fragen der inneren Ein­richtung des Schulwesens begnügt. Ein Anlaß zu einer programmatischen Erklärung der Re­gierung über ihre Stellung zur Schulfrage, wie sie in der Presse mit Rücksicht auf die Landtags­wahlen verlangt worden war, liege auf keinen Fall vor. — Wir wissen nicht, ob die ,Berl. Pol. Nachr.' hier in offiziösem Auftrag reden. Jedenfalls könnten sie diese Weisheit auch ohne offiziöse „Inspiration" verbreiten. Uebrigens dürfte den „Jungliberalen" mit diesem Be- ruhigungsversuche kaum ein Gefallen erwiesen worden fein. Sie beabsichtigen ja gerade mit dem „klerikalen" Volksschulgesetze Wahlgeschäfte zu machen. Dies Geschäft aber wird gestört, wenn den Wählern die Angst vor der „Gefahr" eches solchen Gesetzes genommen wird.

§ Mit der Auszahlung der Ofturarkeuzu- lagen wirb in den Provinzen Posen und Westpreußen in den nächsten Tagen begonnen werden. Für die zurückliegende Zeit vom 1. April d. Js. werden die Beträge nachgezahlt. In einer am Sonnabend auf dem Oberpräsidium in Posen abgehaltenen Besprechung ist über die Grundsätze Beschluß gefaßt worden, die für ein Vorenthalten bezw. eine Zurückziehung der Zu­lagen innerhalb der Staatsverwaltungen der Provinz Posen platzzugreifen haben. Wer 5 Jahre im Osten ist, aber wegen „Mangels an nationaler Gesinnung" für die Bewilligung der Zulage nicht in Betracht kommt, soll versetzt werden. Ohne Zweifel wird man fortan in Posen lauter Beamte von „nationaler Gesinnung" haben. Sie werden aber auch vielfach danach sein.

x „Nur freie Bah«," nichts als „volle Unparteilichkeit" verlangt die .Deutsche Tages­zeitung' von der Regierung für den Bund der Landwirte. Unterstützung des Bundes durch die Regierung haben sie niemals beansprucht. Der Bund beansprucht aber das Recht, die Regierung, was sie auch tue, der Vernach­lässigung der Interessen der Landwirtschaft an­zuklagen und auf das schärfste anzugreifen. Da ist die Forderung doch etwas naiv, die Regie­rung solle ihm „freie Bahn" lassen, d. h. seine Angriffe und Verdächtigungen, ohne sich zu wahren, hinnehmen. Natürlich malt die.Deutsche Tageszeitung' auch wieder einmal den Untergang des Königstums an die Wand zur Warnung für alle Gegner des Bundes: „Die Zeit wird

gerichteten Frage der alten Dame konnte man errate-:, welche Stellung sich Elisabeth in so kurzer Zeit bet ihr erworben hatte. Er herrschte zwischen ihnen voll­ständig daS Verhältnis einer Mutter zu einem Kinde. Jugend und Alter traten bei ihnen in schönste Wechsel - Wirkung; fie ergänzten sich gegenseitig.

Der vertraute Umgang mit der edlen, tocbbegabt a Dame war für Elisabeth in hohem Grade fesselnd und bildend, während ihr jugendlich heiterer @m-, ihre glücklicherweise unberührt gebliebene naive Ursprüng­lichkeit des Geistes die ältere Freundin anregte u-rd erfrischte.

Ganz übereinstimmend war ihr Glaubensleben; auf diesem Boden gab es bei ihnen keinen Unterschied, nur ein inniges, glückliches Zusammenwirken. Sie beteten zusammen; sie besuchten gemeinschaftlich den sonntäglichen Gottesdienst in der Dorfkirche, welche durch die Munifizenz und Frömmigkeit ber Baronesse einem wahren Schmuckkästchen glich; fie trafen sich oft in der alten gotischen Hauskapelle, um sich da unge­stört mit dem im Tabernakel verborgenen Gotte zu unterhalten. Bei dem vielen Liebesdienste in der Armenpflege hatte die Baronesse eine nicht ermüdende, stets bereite, freudige Helferin.

Wie hätte auch Elisabeth mit ihrem weichen Herzen unbarmherzig sein können gegen die Armut, deren bitt reS Weh sie selbst empfunden hatte.

Sie arbeiteten zusammen, fie lasen zusammen; Mufik und Malerei, die Liebhabereien Lisb-'hs, fanden bei der Baronesse nicht nur günstige Aufnahme, sondern auch Anregung und Förderung.

Der Baronesse hatten die Mitteilungen ihrer Nichte über Lisbeth vollkommen genügt, besonders, nachdem fie deren persönliche Bekanntschaft gemacht hatte. Sie hätte es für taktlos gehalten, dieselbe mtt Fragen u belästigen; fie vermied es mit ächt christlichem Zart­gefühl, Lisbeth an die vergangenen Leidenstage zu erinnern. Mochte die Zeit die Wunden erst heilen!

Elisabtth selbst fühlte keine Anregung in fich, un­gefragt Näheres über ihre Schicksale mitzuteilen. Sie