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»'Ä. mo^enbtuage:„Illustrierte 5onntag;zeitung
Zeitung
Druck und Verla- der Zuldaer Actiendruckerei in Zulda (harmauie) Fernsprecher Nr. 9.
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rnonatsbeUage: „Zuldaer Geschichtrblätter"
flllda, Mittwoch
»um Herbst möglich sein wird, denn an der Hand der Erfahrung, welche man bei der gegenwärtigen Waffernot gemacht hat, werden unseres Erachtens Studien notwendig sein, welche sich doch nicht in so kurzer Frist, wie sie uns vom Herbst noch trennt, erledigen lasten dürften.
Wir glauben auch nicht, daß die Anhänger
des Mittellandkanals sich durch die spezielle
wasserwirtschaftliche Lage des Ostens bestimmen lasten werden, den Osten aus der Kanal
vorlage auszuscheiden, weil sie von ihrem Standpunkt aus geltend machen können, daß gerade die Katastrophe im Osten danach angetan sein müste, den Widerstand zu beheben, den man bisher dem Kanalprojekt entgegengesetzt habe. Je eher man dem Kanalprojekt zustimme, um so eher würde der Osten besseren Verhält- nisten entgegengehen. Es ist ja auch tatsächlich schon den Kanal-Gegnern in der Presse der Vorwurf gemacht worden, daß sie indirekt an den Vorkommnissen im Osten die Schuld mittragen. Dazu kommt noch, daß die Regierung wohl schwerlich geneigt sein wird, die Wasterverhält- niffe im Osten vorweg in umfaffender Weise zu regulieren, weil sie damit befürchten muß, daß ihre Kanalpläne infolgedeffen später auf noch größeren Widerstand stoßen würden.
Dennoch will es uns nicht wahrscheinlich dünken, daß die Regierung schon zum Herbst den Landtag einberufen und ihm eine Vorlage einer Gesamtregulierung des Ostens unterbreiten wird, um so weniger, als in der Zwischenzeit die Neuwahlen zum preußischen Landtag vollzogen werden müffen.
::: Der Kronrat.
Nachdem der Kaiser nunmehr von seiner Nordlandreise zurückgekehrt ist, soll morgen, Donnerstag, der Kronrat stattfinden. Man braucht demselben persönlich gar kein Jntereffe entgegenzubringen und kann doch Genugtuung darüber empfinden, daß er unmittelbar bevorsteht, denn ein wahrer Rattenkönig von Vermutungen hat sich an diese Sitzung des Ministeriums unter dem Vorsitze des Königs geknüpft. Wenn nur ein geringer Bruchteil der Vermutungen zutreffend wäre, so könnte bte Tagesordnung für den Kronrat in einer Sitzung gar nicht erledigt werden, sondern würde mehrere Tage in Anspruch nehmen. Schon hieraus .ergibt sich, was es mit der Berechtigung jener Vermutungen auf sich hat.
Wir betrachten es daher für überflüssig, auf die einzelnen Vermutungen, die der Kronrat gezeitigt hat, näher einzugehen. Dagegen scheint es uns hervorhebenswert, daß mehr und mehr sich das Bestreben bemerkbar macht, den Kronrat dahin zu beeinflussen, das Kanalprojekt mit Rücksicht aus die Verhältniffe im Osten hinauszuschieben. ,Kreuzzeitung' und,Post' bringen gleichzeitig einen Artikel, in welchem die Regierung aufgefordert wird, den Landtag schon im November einzuberufen und ihm die einer schleunigen Ausführung dringend bedürfenden Flußregulierungen zur Beschlußfassung zu unterbreiten. Der Artikel in der ,Kreuzztg.' Hal den Landtagsabgeordneten von Arnim- Zuesedam zum Verfaffer. In demselben wird ausgeführt, daß die diesmalige Katastrophe schlimmer sei als die von 1897. „Einer generellen Inangriffnahme der so unerläßlichen Regulierung hochwaffergefährlicher Flüste ohne Rücksicht auf fernliegende, ganz anders gearrete Wafferbau- projekte hat die kgl. Staatsregierung bisher — zum Schaden der armen Ueberschwemmungs- gefährdeten — mehrfach beharrlichen Widerstand entgegengesetzt. Nunmehr wird aber eine gesunde Wasserpolitik, welche die Flußregulierungen allen anderen Wasserbauprojekten voranzustellen haben wird, ohne Verzug unter Anrufung des Landtags behufs Bewilligung der erforderlichen Geldmittel einzuschlagen sein."
In ähnlichem Sinne äußert sich die ,Post', , in dem sie noch dazu ausführt, daß, wenn eine solche Vorlage nicht im Herbste verabschiedet werde, so würde voraussichtlich in der nächsten Session überhaupt nichts zu stände kommen, da der Etat dann die ganze Zeit beanspruchen werde. Daß für den Osten Maßnahmen, welche geeignet sind, der Wiederkehr solcher Katastrophen vorzubeugen, nicht auf die lange Bank geschoben werden dürfen, braucht nicht erst ausgeführt zu werden; indeffen will es uns fraglich erscheinen, ob die Ausarbeitung eines solches Projekts bis
Berlin, den 11. August 1903.
* Der Kaiser beabsichtigt, wie die ,Post' erfährt, Ende September d. I. nach Beendigung der Kaisermanöver auf seiner Gutherrschaft Cardinen einen mehrtägigen Aufenthalt zu nehmen und zwar ist dieser Ausflug im Anschluß an die diesjährigen Jagden in den Rominter Revieren in Aussicht genommen. — Ferner hat der Kaiser, dem ,Berl. Lok.-Anz.' zufolge den Geheimen Regierungsrat Dr. von Meister in Berlin, dem früheren Landrat des Kreises Homburg v. d. H., von Norwegen aus die Nachricht zugehen lassen, daß er die Patenstelle bei seinem jüngstgeborenen Sohne zu übernehmen bereit sei.
§ Erzbischof vo« Stablewsky soll nach hakatistischer Auffaffung etwas ganz Ungeheuerliches begangen haben. Aus Anlaß des Todes Leos XliL und der neuen Papstwahl hat er einen Hirtenbrief veröffentlicht, in welchem das Wort „polnische Nation" vorkommt. Hierin er- blickt man eine Provokation des Deutschtums, die man ihm, wie es in einer mehreren haka- tistischen Blättern zugehenden Zuschrift heißt, „nie vergessen wird". Daß Erzbischof von Stablewski damit irgendwie das Gebiet der von ein-r Ausgeherin des Klosters vom Bahnhöfe ab- I geholt wer'm würde. .
Elisabeth durste also nicht zögern, dem Kanzlei- rat die Mitteilung zu machen, der folgende Tag mußte schon der Tag der Abreise sein. Schwester Philomena verlangte schnelles und mtschiedenes Handeln. . - „ ,
Elisabeth fühlte wohl etwas Furcht und Herzklopfen bei dem Gedanken an die Unterredung mit dem Kanzlei- rat; doch es mußte überwunden werden.
Sie begab sich zu diesem Zwecke hinunter in das Wohnzimmer, freudig vom Hausherrn empfangen. Bald schickte dieser auch die Kinder zu einer befreundeten Familie, um ein ungestörtes Zwiegespräch mit Lisbeth zu haben.
Dieses Arrangement war ihr nicht angenehm; sie konnte sich aber nicht zurückziehen; sie mußte endlich ihre Absicht kundgeben. Sie war befangen; sie wußte nicht, wie beginnen.
Der Eintritt des Arztes enthob sie ihrer Verlegenheit. Er sagte dem Kanzleirat, daß er darauf dringen müsse, daß Fräulein Ulmenau sobald wie möglich eine Luftveränderung bewerkstellige. Ohne direkt krank zu sein, schwebe sie in Gefahr, es zu werden, da die Nerven total überreizt feien.
AIS der Kanzleirat die projektierte Reise zu seiner Schwester in Vorschlag brachte, legte der Arzt, ohne erst eine Bemerkung Lisbeth's abzuwarten, ein entschiedenes Veto ein.
„Das geht nicht; Fräulein Ulmenau muß fort aui ihrem Wickungskreise; sie muß in andere Umgebung, ganz abgesehen davon, daß in Gesellschaft der Kinder für sie keine Erholung wäre."
Dem Kanzleirat kam dieser Bes Seib höchst ungelegen ; doch ließ er nichts davon merken, bat vielmehr den Arzt, irgend einen Ort, vielleicht ein Bad zu bestimmen, wohin er bann Fräulein Ulmenau mit Ber- I gnügen senden werde.
Nun war der richtige Zeitpuntt gekommen, wo I Lisbeth reden konnte. Sie zog den Bries Schwester
Hügungen.
Erzählung von A. Uhdolph.
82 ------ (Nachdruck verboten.)
Elisabeth gab in ihrem Briefe kein ausführliches Bild ihres Lebens; sie überging vieles aus Schonung für andere; aber Schwester Maria Philomena erkannte genug daraus; sie sah, daß ihre Freundin dasselbe gläubig fromme, unschuldsvolle Wesen geblieben sei, welches sie früher geliebt hatte, nur noch veredelt und geläutert durch die harte Schule des Unglücks.
Am ausführlichsten hatte Lisbeth über die letzten Monate gesprochen; hier war sie rückhaltslos offen gewesen; denn gerade in diesem Punkte fühlte sie sich ganz verlassen und erbat sich Schwester Philomena's Rat. Mansred's Werbung hatte sie vorläufig noch verschwiegen.
Sie hatte nicht vergeblich auf ihre Freundin gebaut. Umgehend ging deren Antwort ein, und diese Antwort toa: nicht lang, aber voll Liebe und Trost.
Schwester Philomena erteilte ihren Rat in so klarer und^bestimmter Weise, daß kein Zweifel mehr für Lisbeth blieb. In wenigen Worten zusammengefaßt, lautete er dahm, dem Kanzleirat sofort zu kündigen, durchaus keine falschen Rücksichten zu nehmen. Der Zeitpuntt sei gimstig, da die ihr anvertrau'm Kinder in die Obhut ihrer Tante kämen, und der Vater Zeit und Gelegenheit habe, sich nach einer anderen Dame umzusehen.
Daran schloß sich die dringende Bitte, sofort zu ihr ins Kloster zu kommen. Die ehrwürdige Frau Oberin hatte 'ehr gern ihre EilaubniS und Zustimmung gegeben. Bei ihr könne sie fich am besten erholen und überlegen, wie sie ihr Leben für die Zukunft gestalten könne.
Schwester Philomena setzte eine abschlägige Antwort als unmöglich voraus und bestimmte Lisbeth genau den Tag ihrer Ankunft, indem fie ihr schrieb, daß sie
30. Jahrgang
den 12. August 1903.
Politik berührt habe, kann nur derjenige glauben, der hinter allem etwas sucht.
% Dem Reichskanzler flickt die »Deutsche Tagesztg.' wieder etwas ans Zeug. In einem längeren Artikel meint sie, bei uns werde zu viel Vorliebe für das Dekorative der auswärtigen I Politik bekundet, sowie eine zu große Liebens- I Würdigkeit im internationalen Verkehr. Daß der । Bund der Landwirte eine besondere Liebens- I Würdigkeit auch in der inneren Politik nicht liebt, geht aus der bekannten Aeußerung hervor: Die Minister könnten dem Bunde der Landwirte sonst was. Was aber das Dekorative anlangt, so braucht man nur eine Versammlung des Bundes der Landwirte im Zirkus Busch beigewohnt zu haben, um zu wissen, daß der Bund das Dekorative seinerseits nicht versckmäht.
]=[ Zur Hochwasserkatastrophe. Die Kaiserin ist am Dienstag von Breslau in Posen eingetroffen und hat dort am Nachmittag einer Sitzung des Hilfskomitees beigewohnt. — Von zuständiger Stelle in Breslau wird der ,Nordd. Allg. Ztg.' mitgeteilt, daß die Nachricht des ,Berl. Tagebl.', die Kaiserin habe ein Telegramm des Kaisers erhalten, wonach auch der Kaiser nach Schlesien kommen wolle, unrichtig ist.
* Vom liberalen Kulturkampf will der .Reichsb.' nichts wissen, denn der Niederschlag des früheren sei nichts anders gewesen als der ungeheuere Aufschwung der Macht der katholischen Kirche und der Niedergang der evangelischen durch die bis ms kleinste Dorf hineingetragene Bekämpfung von Kirche und Christentum durch die liberale Presse. Na endlich kommt also der.Reichsb.' zu der Einsicht dessen, was wir schon so oft gesagt haben, daß der Kulturkampf die Interessen der protestantischen Kirche mitschädigt. Man würde aber fehlgehen, wenn man annähme, daß der,Reichsb.' eine Annäherung der gläubigen Elemente auf katholischer und protestantischer Seite wünschte. Nein, er wünscht vielmehr, daß die konservative Partei ihren evangelischen Charakter dadurch mehr zum Ausdruck bringe, daß sie chre Unabhängigkeit vom Zentrum klar und bestimmt betone, um den Gegnern, welche die konservative Partei immer mit dieser angeblichen Verbindung mit dem Zentrum in weiten evangelischen Volkskreisen ver- dächttgt, den Wind aus den Segeln zu nehmen. Nun, wir meinen, daß gerade die dem .Reichsb.' nahe stehenden Kreise es gewesen sind, welche die Konservattven verdächttgt haben, als ob fie durch ihre Stellungnahme gegenüber dem Zentrum sich in eine Abhängigkeit von demselben begeben haben. Wie lange ist es denn her, daß der Abg. Gras Limburg Stimm gegen einen solchen Vorwurf in der konservativen Presse in Schutz genommen werden mußte?
*— Von den am Löbtauer Krawall Beteiligten find durch die Amnestie, welche König Georg von Sachsen aus Anlaß seines Geburtstages erlassen hat, die Bauarbeiter Moritz, Gedlich und Mobit betroffen worden, welche zu 8 bezw. 7 Jahren Zuchthaus verurteilt waren. Sie haben bis jetzt 4 Jahre verbüßt. Da bereits unter König Albert von den an diesem Krawall Philomena's hervor und mach'? dem Kanzleirat von der freundlichen Einladung Mitteilung.
„Meine Freundin will aber nicht warten," fügte sie hinzu. „Nach ihren Dispositionen muß ich schon morgen abreif m und ich hoffe, daß fich keine Schwierigkeiten ..." „ ., , .
„Was Schwierigkeiten! Hier habe ich zu befehlen, wo es fich um die Gesundbeit handelt. Das trifft fich »a herrlich. So ein Aufenthalt im Kloster ist für Sie besser, wie ein Bad. Noch heute packen Sie ein, Fräulein Ulmenau, und glückliche Reise. Möchte gerne noch plaudern, aber meine Patienten warten. Gott befohlen!" _
Der Arzt reichte Lisbeth b;e Hand und empfahl fich.
Das bestürzte Gesicht des Kanzleirates verriet nur >u deutlich seine Enttäuschung wegen des fehl- getchlagenen Reiseprojekts. Wie sollte nun Lisbeth erst saqen, daß sie nicht mehr zu ihm zurückkehren wollte. Sie beschloß, es ihm brieflich vorü Kloster aus mitzuteilen. Es sollte aber anders kommen. Noch ehe sie das Zimmer verlassen konnte, um die nötigen Reisevorkehrungen zu treffen, hielt sie der Kanzleirat auf.
„Fräulein Ulmenau! Wenn es mir auch schmerzlich ist, Sie für längere Zeit entbehren zu müssen, da mir Ihr Aufenthalt im Kloster wohl absolut nicht gestatten wird, Sie zu besuchen, so ttöstet mich doch der Gedanke, daß Ihre Gesundheit gekräftigt werden wird. Wie lange gedenken Sie wegzubleiben? Ich beschränke Sie durchaus nicht in der Zeit ; aber es ist mir angenehm, wenigstens ungefähr zu wissen, wann unsere Trennung ihr Ende erreichen wird. Glauben Sie mir: ich werde die Tage, ja die Stunden bts zu Ihrer Rückkehr zählen. Das Haus wird einsam fein ohne seine anmutige Herrin. Wie lange werden Sie sich uns entziehen?" _ , , x . ,x,„
Lisbeth, der die Worte des Kauzleirates höchst peinlich waren und die, mtt der Klinke in der Hand, deuttich chre Absicht zeigte, fich schnell entfernen zu wollen, wurde durch die letzte Frage zur Entscheid««-
* Haag, 11. Aug. 1903. Prinzgemahl Heinrich reift heute abend nach Mecklenburg, um seine Mutter zu besuchen und den Festlichkeiten in Wismar beizuwohnen, welche aus Anlaß der endgültigen Wiedervereinigung dieser Stadt mit Mecklenburg-Schwerin und dem deutschen Reiche stattfinden.
* Rom, 11. Aug. 1903. Als der Papst heute morgen vor einer großen Zahl Andächtiger die Messe zelebrierte, wurde er infolge der schlechten Luft, die in der ungenügend gelüfteten gedrängt, da es ihrem Wahrheitsgefühl absolut wider- strebte, ihn zu täuschen oder nach Ausflüchten zu suchen.
Sie gedachte der Worte ihrer Freundin und erklärte nun dem nichts ahnenden Kanzleirat ihren festen Entschluß, ihre Stellung bei ihm aufzugeben. Sie tat es in milder aber entschiedener Form.
Als fie geendet hatte, war der Kanzleirat zuerst stumm. Schon wollte sie sich entfernen, als er fie zum Bleiben nötigte. Er war blaß vor Schreck und innerer Aufregung. Der Entschluß Lisbeth's reizte ihn zum schnellen Handeln. Was vielleicht noch längere Zett als Geheimnis in seiner Brust geruht hätte, zu schücktern, um fich zu offenbaren, trat jetzt plötzlich offenkundig, leidenschaftlich über seine Lippen.
Es war für Lisbeth eine im höchsten Grade pem- liche und unangenehme Szene, die fie noch durchzumachen hatte. Sie war nicht nur genötigt, die stürmische Werbung des alten Mannes zurückzuweisen, sie mußte auch noch den Schmerz und die Beschämung haben, von dem Abgewiesenen in der Hitze seiner Leidenschaft die heftigsten Vorwürfe über fich ergehen zu lassen.
Der Kanzleirat vergaß sich vollständig; er vergaß alle Rücksicht, die er ihr schuldig war. Was fie ihm verttauensvoll und offen bekannt und waS er großmütig übersehen hatte, b-nützte er jetzt, um fie z« demütigen und zu verletzen.
Daß er fie in sein Haus aufgenommen und nicht als Untergebene, sondern stets als Herrin behandelt hatte, daß er fie ttotz deS Makels ihres Namens z« seiner Gattin erheben wollte, mußte sie in bitterster Weise anhören. So kriechend demütig zuerst sein An- trag war, so rücksichtslos waren seine Worte, als er fich zurückgewiesen sah.
Elisabeth hatte den Sturm seiner Borwürfe ruhig über sich ergehen lassen; fie war vollständig wie betäubt.
Der Kanzleirat wurde dmch die Rückkehr seiner Kinder unterbrochen, die mit dem Dienstmädchen em» traten. Letzteres ließ erschrocken die Hand des Knabe»
! beteiligten amnestiert worden waren, so befinden ;d) nur noch der Zimmerer Schneider (9 Jahre) und der Bauarbeiter Zwahr (10 Jahre) in Hast.
(*) Der Eisenbahnminister hat angeordnet, daß das Holz aus den Wind- und Schneebrüchen nefes Frühjahrs zur Herstellung von Eisen- > ah ns chw eilen verwendet werden darf, soweit es im übrigen den vorgeschriebenen Lieferungs- lebingungen entspricht.
(*) In Handwerkerkreise« wird die Nachricht interesfieren, daß nach der ,Nat. Ztg.' die Schaffung einer obligatorischen 93er« icherung der Handwerker gegen Alter und Invalidität für den im September in München tagenden Handwerkskammerkongreß auf die Tagesordnung gesetzt worden ist und die Regierung fich mit der Versicherung eventuell einverstanden erklärt hat unter der Bedingung, daß die Einkommen unter 2000 Mk. in die allgemeine Invalidenversicherung eingereiht und für >ie höheren Einkommen zwei Extraklaffen auf die bestehende Invalidenversicherung aufgebaut würden. Damit würde ein seid langem gehegter Wunsch aus Handwerkerkreisen seiner Erfüllung entgegengehen.
)( Ei« Zweijährig - Freiwilliger war vom Hauptmann der 10. Kompagnie des zweiten Schief. Grenadierregiments Nr. 11 wegen eines jüdischen Glaubens abgelehnt narben. Der stellvertretende Kriegsminister hat >em Berliner Zentralverein deutscher Staats- jürger jüdischen Glaubens nunmehr mitgeteilt, »aß die Abweisung durchaus nicht gebilligt werden Anne. Das Generalkommando habe das Er- orderliche veranlaßt.
% In dem durch den Tod Richard Röfickes verwaisten Reichstagswahlkreise Defsa«- Zerbst haben sich jetzt die Liberalen über die Kandidatur sür die Neuwahl geeinigt. Wie dem .Berliner Tageblatt' telegraphisch ans Dessau gemeldet wird, wurde in der Vertrauensmänner- Versammlnng des Kreises Dessau einstimmig als Kandidat der Eisenbahndirektor a. D. Karl Schrader aufgestellt. Für die freisinnige Vereinigung wäre es ein nicht gering zu veranschlagender Gewinn, wenn ihr erfahrener Senior auch im neuen Reichstage wieder seinen Platz einnimmt.
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