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fUlda, Dienstag, bett 11. August 1903.

30. Jahrgang

Hause eines und desselben Eckhäusern, als eine „unz»

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Deutsches Reich,

. Ausland

durste; er mußte gehen; deshalb durfte r nicht länger furchtsam zögern; er mußte die wenigen ihm noch zu Gebote stehenden Augenblicke benützen.

„Ich kann nicht um die Erlaubnis ritten,"-begann er, „Sie öfter besuchen zu dürfen. Ich weiß, es geht nicht an. Sie würden und könnten es mir nicht ge­statten. Ich habe deshalb keine Gelegenheit, Ihnen nach und nach zu enthüllen, was in mir lebt, seit ich Sie das erstemal sah. Ich will und kann es aber nicht länger in mir verschließen. Zürnen Sie nicht, wenn ich zu offen bin und Sie dadurch vielleicht ver­letze. Fräulein Ulmenau, ich liebe Sie innig und treu, und ich frage Sie, wollen Sie mein Weib werden?"

Lisbeth hatte Manfted nicht unterbrechen können; fie war vor Erstaunen förmlich der Sprache beraubt. Auch als er anhielt, konnte sie nicht antworten

„Ich versteye Ihr Schweigen, Fräulein Ulmenau," fuhr er fort. „Es wäre zu kühn von mir gewesen, zu hoffen, daß ich schon Ihre Liebe besitze. Sie müssen mich, sich selbst erst kennen lernen. Ich erwarte jetzt keine entscheidende Antwort. Ich schätze mich glücklich, wenn ich nur die Ueberzeugung mit mir nehmen kann, daß Sie mir nicht abgeneigt find. Schon morgen reise ich in ein Seebad. Gestatten Sie mir, Ihnen schreiben zu dürfen, gestatten Sie, daß ich um Sie werbe; dann bin ich sicher, daß meine heiße Liebe Gegenliebe erringen wird. O Lisbeth, Fräulein Lisbeth; ich habe Sir so schmerzlich vermißt und gesucht. Jetzt, wo ein gütiges Geschick, ja, wo Sie selbst unbewußt meine Führerin geworden find, stoßen Sie mich nicht zurück!"

Manfred hatte mit aller Tiefe und Wärme seines edlen Herzens gesprochen. Lisbeth war tief bewegt. Sie fühlte, daß ihr mit seiner Hand ein glückliche- L,ben angeboten wurde, aber nur einen Moment leuchtete ihr die Zmunft in lachendem Sonnenschein.

„Wissen Sie denn, daß mein Vater . . ." stammelte fie.

„Ich weiß alles," unterbrach Manfted fie. „Ihr Unglück gibt Ihnen in meinen Augen einen um so höheren Wert!"

Zügungen.

Erzählung von A. Uhdolph.

-r---- (Nachdruck verboten.)

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Verantwortlicher gchristl«iter:Zos.vaum ~

3. p%Ä"s«i». wochenbeilage: „Illustrierte Sonntagszeitung

Berlin, den 10. August 1903.

§§ Die Rückkehr des Kaisers von der Nordlandretse erfolgt, wie bereits gemeldet, am Dienstag, und zwar wird das Kaisergefchwader in Swinemünde, dem Ausgangspunkt der Reise, landen. Die Ankunft im dortigen Hafen wird im Laufe des Dienstag nachmittag erwartet. Da an dem darauffolgenden Tage, 12. d. M., der Haupttag des gegenwärtigen Seeschießens ist, so glaubt man annehmen zu dürfen, daß der Monarch an Bord seiner Jacht „Hohenzollern" in Swinemünde übernachten wird, um diesen Uebungen persönlich beizuwohnen. Im Anschluß hieran würde dann die sofortige Weiterreise nach der Station Wildpark bei Potsdam erfolgen.

—* Zur Papstkrönung hatte die,Nordd. Allg. Ztg.', wie wir bereits mitgeteilt haben, eine sympathische Gratulation gebracht. Dieselbe hat den ,Reichsboten' ganz aus dem Häuschen gebracht. Er erblickt darin eine Verletzung der evangelischen Bevölkerung. — Ja, sind denn die deutschen Katholiken nicht auch Angehörige des deutschen Reiches? Ein protestantisches Kaiser­tum haben wir doch in Deutschland nicht!

* Die Machtstellung des Zentrums. Es ist wahr, der Einfluß des Zentrums wird allmählich so groß, daß es den Protestanten angst und bange werden muß. In Lands- Hut sollte der evangelische Pfarrer Kobbelt den Kreisschulinspektor eine Zeit lang vertreten. Die Genehmigung ist dazu versagt worden. Flugs ist der,Reichsbote' bei der Hand und konstatiert, daß die Stellung des Herrn Kobbelt zum Jesuitengesetze ihn der Regierung als un­fähig zur Schulaufsicht habe erscheinen laffen. — Einem größeren Unsinn sind wir seit längerer Zeit nicht mehr begegnet.

§ Der Handelsminister hat bei den Regierungspräsidenten eine Erhebung über die in ihren Bezirken abgehaltenen Meisterkurfe ver­anstaltet. Diese Erhebung scheinr mit der Ab­sicht im Zusammenhang zu stehen, im nächst­jährigen preußischen Etat weitere als die bis­herigen Mittel für die Förderung von Meister­kursen für die Handwerker zu fordern. Bisher wird staatlicherfeits die Abhaltung von Meister­kursen in Hannover, Posen und Köln unterstützt. Es sollen, der im Handelsministerium bestehenden Absicht gemäß, nunmehr auch andere Provinzen in den Kreis dieser Förderung einbezogen werden.

** Aus dem Wahlkreise Dessau-Zerbst wird dem ,Berl. Tagebl.' geschrieben: „Aller Bemühungen der leitenden Persönlichkeiten unge­achtet, beharrt Herr Landtagsabg. Art'l bei seinem Entschluffe, die ihm von den Anhängern der freisinnigen Vereinigung und der freisinnigen Volkspartei angetragene Reichstagskandidatur ab­zulehnen. Er hat diesen Entschluß sogleich, als man an ihn herantrat, geäußert und ist dem Hinweise darauf, daß für den Wahlkreis Rösickes

,Reichsbote' die ,Rordd. Allg. Ztg.' an." Ist das dftRegierung oder ist es die Redaktion der ,N. A. Ztg.'. Im letzteren Falle ist die Sache nicht der Rede wert, ist es aber die Re­gierung, welche ihre Huldigung darbringen läßt, so drängt sich die Frage auf; ob das nöttj, war, und ob es, von vielen andern Gesichts­punkten abgesehen, nicht klüger gewesen wäre, das zu unterlassen; zumal es sich um die Krönung des Papstes, also um einen politischen Akt handelt, durch den er im Gegensatz steh gegen das Königreich Italien. Bisher ist es noch nicht bekannt geworden, daß die ofsiziöse Preffe vorzugsweise katholischer Länder sich zu solchen Huldigungen aufgeschwungen hätte; so weit wir sehen, steht die offiziöse Preffe Deutsch­lands, des Landes der R formation, dessen Ge­schichte seit vielen Jahrhunderten so viel schweres, vom Papst erfahrenes Leid berichtet, in dieser Beziehung einzig da. Mit welchen Gefühlen gegen Deutschland solche selbstverleugnenden Leistungen offiziöser Blätter die Herren im Vati­kan erfüllen müssen, bedarf ebenso wenig der nähern Darlegung als die Frage, welche Gefühle sie andererseits in der evangelischen Bevölkerung Deutschlands zu erregen geeignet sind.

Immer wieder die „Gefühle der evangelischen Bevölkerung". Diese Gefühlspolitik beurteilt Vorgänge des öffentlichen Lebens nie nach der ihnen inne wohnenden Berechtigung, sondern stets an der Hand der Frage, was wohl die Protestanten zu ihnen sagen werden. Glaubt denn der ,Reichsbote', daß die Katholiken Deutschlands eine Existenz von protestantischer Gnade wegen führen? Wenn die ,Nordd. Allg. Ztg.' die „Huldigung" nicht gebracht hätte, wir würden fie nicht vermißt haben. Aber ist es denn so etwas Unerhörtes, daß ein Ereignis, welches die vielen Millionen Katholiken Deutschlands, die doch ebenso gut das deutsche Volk ausmachen wie di« Protestanten, tief bewegt — in unver- kindlichen fteundlichen Worten in der ,Nordd. Allg. Ztg.' Erwähnung findet. Von einer „Huldigung" kann gar nicht die Rede sein, oder man müßte sie in den Worten der ,Nordd. Allg. Ztg.' erblicken, in welchem sie dem Papste eine lange, gesegnete Regierung wünscht. Die Kultur­kampfszeiten scheinen dem .Reichsboten' noch derart in den Gliedern zu liegen, daß er meint, die deutsche Regierung sei nur gegen die Katho­liken da, nicht aber für beide Teile der deutschen Bevölkerung.

Mit seinem Fanatismus begegnet der.Reichs­bote' glücklicherweise durchaus nicht den Gefühlen der protestantischen Bevölkerung. Die weitaus größte Mehrzahl der Protestanten verabscheut mit uns den konfessionellen Streit und nur die fortwährende Hetze von gewisser Seite verhindert es, daß Katholiken und Protestanten ruhig und friedlich neben- und miteinander arbeiten an den gemeinsamen Aufgaben. Und das wird leider einstweilen noch nicht anders werden!

kein besserer Kandidat als er, der dem Ver­storbenen während seiner ganzen politischen Ar­beitszeit so nahe gestanden habe, gefunden werde« könne, mit persönlichen Gründen begegnet. Wenn für die Nominierung Ari'ls zunächst lokale Er­wägungen maßgebend waren, so ist nunmehr wahrscheinlich, daß sich die auf den 10. August einberufene Vertrauensmänneroersammlung auf eine hervorragende, im Vordergründe der libe­ralen Bewegung stehende Persönlichkeit außer­halb des Wahlkreises einigen wird. — Nach einer Zuschrift an die ,Voff. Ztg.' haben die Nationalliberalen nunmehr, nachdem die Kandi­datur Büsings aussichtslos ist, dem Direktor der Dessauer Zuckerraffinerie, Kommerzienrat Burden- werper-Dessau, die Kandidatur angeboten. Dieser hat auch bereits die Erklärung abgegeben, daß er der Uevernahme einer Kandidatur nicht abge­neigt sei, sich jedoch die e idgiltige Entscheidung über die Annahme der Kandidatur noch Vorbe­halten.

*** B erlitt, 10. August 1803. Der.Reichsanz.' meldet die Ernennung des Frhrn. Speck v. Steru- burg zum Botschafter bei den Bereinigten Staaten von Amerika. — Dem Konsul der Argentinischen Republik, Hans Aschoff, ist, wie der ,Reichsanß.' meldet, namens des Reiches das Exequatur erteilt worden. — Im Berlage von E. 6. Mittler und Sohn-Berlin ist der in einer besonderen Beilage deS .Reichsanz.' vom 10. Juli d. I. veröffentlichte Allge­meine Bericht über den Verlauf der deutschen Süd­polarexpedition von Prof. Dr. Erich v. Drygalski mit Vorbemerkungen von Prof. Dr. Frhr. v. Richthofe« und einem Anhänge: Bericht über die Arbeiten der Kerguelenstation von Dr. Loyken erschienen. — De» spanischen Honorarvizekonsul W. Stefe« in Saarbrücken ist, wie der .Reichsanz.' mitteilt, das Exequatur erteilt worden. — lieber Dr. Giese«

brecht batte die .Freis. Ztg/ gemeldet, daß derselbe Mitarbeiter der .Post' gewesen sei. Demgegenüber konstatiert die .Poff, daß Dr. Giesebrecht niemals Mitarbeiter ihres Blattes gewesen sei.—Eine eigen­tümliche Entscheidung hat das ärztliche Ehren­gericht für die Provinz Brandenburg und den Stadt­kreis Berlin getroffen, indem G die Anbringung mehrerer Schilder am Hause eines und desselben Arztes, abgesehen von Eckhäusern, als eine „unzu­lässige Reklame" bezeichnet.

□ WM es anders werden?

Es kann schon jetzt keinem Zweifel mehr unterliegen, daß die preußischen Landtags­wahlen ebenso sehr im Zeichen des konfessio­nellen Kampfes stehen werden, wie dies bei den jüngst getätigten Reichstagswahlen der Fall war. Gerade diejenige Partei, welche sich in der Zeit zwischen dem Hauptgang der Reichs­tagswahlen und den Stichwahlen plötzlich darauf besann, daß man in dem Kampfe gegen das Zentrum über das Ziel hinausgeschossen sei, und mit einem liebevollen Blick auf die Stimmzettel der Zentrumswähler der selbst angefachten „anti­ultramontanen" Bewegung die Kandare anlegen zu sollen glaubte, läßt jetzt wieder das kultur­kämpferische Streitroß ungezügelt sich tummeln, um den Katholizismus unter die Hufe zu bringen. Den Katholizismus nennt man, in der Sache selbst aber glaubt ein Teil dieser Kulturkämpfer mit dem Katholizismus auch gleichzeitig dem orthodoxen Protestantismus zu Leibe rücken zu können.

Selbstverständlich hütet man sich, dieses ver­lauten zu lassen, weil man sich damit der prote­stantischen Hülfstruppen, die jene Herren gegen deren eigene Kirche verwerten wollen, begeben würde. Daher wird nur von dem Kampfe gegen Rom gesprochen, in Wirklichkeit aber ist ihnen der orthodoxe Protestantismus nicht minder ver­haßt als der Katholizismus, diesen bekämpft man offen, jenen mit versteckten Waffen. Dem ein­sichtigeren T e i l e der protestantischen Preffe entzieht sich diese Taktik nicht und sie bemüht sich, die protestantischen Kreise vor der Bundesgenossen­schaft in diesem angeblich nur gegen Rom ge­führten Kampfe zu warnen. In anderen Kreisen des Protestantismus macht man aber diesen Kampf fröhlich mit und man glaubt dank einer unzu­länglichen politifchenEinsicht damit dieJntereffen des Protestantismus zu fördern. Und doch wäre es für diese Kreife so leicht, bei einiger Aufmerk­samkeit in der Verfolgung der liberalen Presse zu erkennen, daß bei einem Kampfe auch die prote­stantischen Interessen unter die Räder kommen müssen. Wiederholt hat die .Kreuzztg.' darauf hingewiesen und die gemeinsamen Inter­essen von Protestanten und Katholiken betont, um der jetzigen Form des konfessionellen Kampfes Einhalt zu tun. Ob es helfen wird?

Es scheint nicht, daß es anders werden wird. Schon allein der ,Reichsbote' wird dafür sorgen, daß kein Wandel eintritt. Er ist in den letzten Monaten aus seinem blindwütigen Katholikenhaß nicht mehr zur Besinnung gekom­men; in gleicher Weise müssen die Deutsche Re­gierung und Rom zu seinen Angriffen heryalten. Jetzt aber ist etwas passiert, das beim.Reichs­boten' dem Faß völlig den Boden ausschlägt. Die deutsche Regierung hat es gewagt, anerken­nende Worte zu der Papstkrönung offiziös zum Ausdruck bringen zu laffen. Das ist etwas ganz Unerhörtes und von der Zinne des treuen Zions­wächters dröhnt das Alarmsignal durch die deut­schen Lande! „Wer sind die „wir", welche hier den Papst beglückwünschen? — herrscht der

Elisabeth'- bleiches- Gesicht rötete sich, als sie darauf „Manfred v Breten" las. Das Dienstmädchen, durchaus nicht erfahren in den Gebräuchen vornehmer Häuser, fand es al« ihre Pflicht, den eleganten Herrn nicht draußen stehen zu laffen, und ohne erst einen Bescheid ihrer Herrin abzuwarten, öffnete fie die Türe und ließ Manfted ein.

Das schnelle Handeln des Dienstmädchens ver­hinderte jede Ueberlegung von Seiten Elisabeth's. Sie erhob sich bei Manf red's Eintreten und trat ihm einige Schotte entgegen. Das für den ersten Augenblick etwas peinliche Gefühl, einem Gliebe der Familie Breten gegenüberzustehen, wich vor dem ehrerbiettgen Wesen Manfreds, das deutlich erkennen ließ, daß fie in seiner Achtung nicht gesunken sei.

Manfted hatte feine Schwester noch an ihrem £>O($jettätage überredet, auf eine ihrer neuen, zierlichen Visitenkarten, „ydeba von Ralbow, geborene Freiin von Breten" die Worte zu schreiben: „Meinen Hirz- lichsten Dank und Gruß."

Vom Bahnhofe, wohin er das junge Paar begleitet hatte, war er zu Elisabeth geeilt, um ihr persönlich die Karte , zu übergeben.

Bald faßen sie in eifrigem Gespräche. Manfred hatte viel zu erzählen. Teilnehmend hörte Lisbech von seiner Erkrankung; als aber die Rede auf Paul von Eggenberg kam und fie von seiner großen Reise vernahm, wurde sie um einen Schein blässer.

Manfted dehnte sein Besuch weit über die übliche Zett hinaus; er war zu glücklich, Elisabeth wieder gefuaben zu haben. Daß sie über Eggenberg'S Geschick vollständig unwissend war, ließ den letzten, schwachen Rest eifersüchtiger Furcht aus seiner Seele scywindeu. Nnu aber fühlte er, daß er nicht mehr länger bleiben

* Marseille, 10. Aug. 1903. Die amt­liche Darstellung stellt in Abrede, daß ein Alten- tat aus Combes stattgesunden hat. Die Revolver­schüsse waren nicht aus den Wagen der Ministerpräsidenten Combes gerichtet. Der Sachverhalt war folgender: Auf den Wage» wurde eine Tomate geworfen, welche den auf dem Bock sitzenden Leidjäger traf. Schutzleute verfolgten den Täter, den feine Kameraden zu schützen suchten. Einer der letzteren namenS Picolo feuerte einen Revolver etwa 100 Meter vom Wagen Combes ab. Picolo und der Tomatenwerfer wurden verhaftet. Picolo, der angetrunken war, leugnet, geschossen zu haben. Die Menge wollte Picolo mißhandeln. Die Polizei halte Mühe, ihn nach der Präfektur zu rat, welcher, ohne fie jetzt noch um Erlaubnis z« fragen, nach dem Arzte schickte.

Dieser erkannte nur auf eine sehr große Erschöpfung und Depression der Nerven und verordnete di: voll- kommenste Ruhe. Außer einer barmherzigen Schwester, die für Lisbeth Sorge trug, sollte niemand ihr Zimmer betreten. Nur auf den Zehenspitzen schlüpfte Gertrud manchmal hinein und brachte Grüße vom Papa, der ängstlich lauschend den Bericht seiner kleinen Tochter vernahm.

Unter so sorgfältiger Pflege erholte sich Elisabech bald; nur auf ausdrücklichen Befehl des Arztes mußte fie sich noch für einige Tage diese strenge Absonderung gefallen lassen.

Sie hatte dadurch reichlich Zeit und Muße, ihre Sage zu überdenken und zu überlegen. Bon Manfted war ein Brief eingelaufen, in welchem er feine Werbung wiederholte. Obgleich in (ich klar und fest entschlossen, verschob fie die Antwort, um ihm so de« Beweis zu liefern, daß ihre Ablehnung nicht nur die Frucht eines Augenblicks fei, sondern auch nach reiflicher Ueberlegung dieselbe bleibe.

An Hildegard aber wollte fie schreiben. Hatte sie es früher unterlassen, um nicht vor ihr als Bittende zu erscheinen, hatte sie dann auch aus dem Hause deS Präfidenten ihr keine Nachricht gesandt, weil ihr zuerst das eigentümliche Benehmen, die förmlich auffallende Zurückhaltung des Barons Mut und Vertrauen auch zu dessen Schwestern genommen hatte, o war es ihr auch dann nicht möglich gewesen, als er sich ihr in so liebenswürdiger Weise genaht hatte.

Elisabeth hätte dafür keinen Grund angebe« können, daß fie so lange nicht geschrieben; eine eigene Scheu hielt fie davon zurück. Nun war diese ge» chwunden. Baron Paul Eggenbeig war wett itxb auf lange verreist; jetzt hinderte fie nichts mehr, ihrer Freundin Hildegard, die nun schon im zweiten Jahre ihres Noviziates stand und den Klvsternamen Maria Philomena fühtte, zu schreiben.

(Fortsetzung folgt.)

„Ich habe auch einen Bruder, den ich nie ver­lassen, nie verleugnen würde."

„Was ich auch nimmermehr verlangen würde."

So großmütig, so edel — und Lisbeth? Sie schloß die Augen vor dem klaren Sonnenlicht; von fern leuchtete ihr ein Stern, und hätte fie gewußt, mit Sicherheit gewußt, daß eS nur ein Irrlicht sei, sie hätte nicht anders entschieden.

„Ach, Herr v. Breten, hätten Sie nie gesprochen. Ihr Edelmut drückt mich nieder. Wi: unglücklich bin ich, daß ich solche Liebe nicht verdiene."

„Nicht verdiene? Sie, das Ideal . . ."

„Weil ich fie nicht erwidern kann."

„Das sagen Sie jetzt; versuchen Sie es nur. Ich lasse Ihnen Zeit, ich werde Sie nicht dränaen."

„Herr v, Breten, es wäre eine niedrige Handlungs­weise, wollte ich Sie auch nur eine Stunde im Irr­tum lassen; ich kann nie die Ihre werden."

„Und warum? Sind Sie nicht mehr frei?"

„Nichts bindet mich."

„Warum wollen Sie dann meine Werbung nicht annehmen? Warum nicht wenigstens der Zeit die Entscheidung lassen, ob Ihr Her^, fich doch noch mir zuwendet? Oder bin ich Ihnen zu unsympathisch? Hassen Sie mich?"

„O keineswegs."

„Warum also weisen Sie mich so grausam zurück? Warum?"

„Ich weiß nicht," stammelte Lisbeth, „ich weitz nur, daß ich leide, sehr leide, well ich Sie betrübe und doch nicht anders kann."

„Ich habe Sie überrascht und verwirrt. Ich nehme Ihre Wegerung nicht an. Ich muß Ihnen Zeit und Ruhe laffen. So lange Sie nicht gebunden find, gebe ich die Hoffnung nichr auf, Sie noch für mich zu er­ringen. Leben Sie wohl!"

Er hatte ihre Hand ergriffen, sie heftig an seine Lippen gezogen und war davon geeilt.

Elisabeth lag nach all der geistigen Auftegung halb I ohnmächtig auf dem Sopha. So fand fie der Kanzlei-

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