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ZMaer W Zeitung
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Druck und Verlag der Zul-aerActiendruSeret in Fulda (Harmonie) Fernfprecher Nr. 9.
30. Jahrgang.
fUlda, Montag, den 10. August 1903.
Je. iso
■ deutsches Reich
Papstkönig auftritt oder wenn er wichtige Juns- diktionsakte vornimmt; bei liturgischen Verrichtungen gebraucht er so wie die Bischöfe die Mrtra. Die Zeremonien der Krönung haben wir bereits in der letzten Donnerstagsausgabe beschriebe«. Einige Tage nach der Krönung begab sich in früheren Zeiten der gekrönte Papst in die Lateran» kirche, welche als die Mutterkirche aller rSmischen Kirchen gilt, um von derselbe«, in feierlicher Weise Besitz zu nehmen. Für die Römer war dieser Tag ein großer Festtag. Da aber der Papst den Vatikan nicht verläßt, erfolgt die Besitzergreifung des Laterans in dessen Namen durch einen Kardinal ohne jede Feierlichkeit. (Urtier den Verlauf der gestrigen Feierlichkeit siehe Depeschen. D. Red.)
und haben es stets von uns abgelehnt, wie es so oft von anderen Seiten geschieht, der Regierung gegenüber Liebedienerei zur Schau zu tragen, um uns ihren starken Arm zu leihen das Verhalten der Regierung erfüllt uns deswegen mit Genugtuung, weil wir darin eine Gewähr erblicken, daß die deutsche Regierung in der Anteilnahme, welche die Katholiken Deutschlands an den Vorgängen im Vatikan naturgemäß genommen haben, eine Angelegen- fett erblickt, in welcher sich der Katholik mtt dem deutschen Staatsbürger solidarisch fühlt. Man hat sich in diesen Wochen so gern auf Bismarck berufen, um die deutsche Regierung gegen Rom und die Katholiken scharf zu machen, aber kein anderer als Bismarck ist es gewesen, der das Wort gesprochen hat, daß in Hinsicht auf die katholischen Staatsbürger Deutschlands das Papsttum eine Konstitution sei, auf der auch die deutsche Regierung im guten Sinne des Wortes zu rechnen hat. In diesem Worte liegtausgedrückt, daß ein gutes Verhältnis zwischen Deutschland und Rom im Einklang mit dem deutschen Interesse steht, und darum verdient es Anerkennung — allein schon vom nationalen Standpunkt aus — wenn die deutsche Regierung ihrerseits den Willen bekundet, die Beziehungen, die unter dem Pontifikat Leos Xin. zum Vatikan bestanden haben, auch weiterhin zu unterhalten.
Wir begrüßen dieses um so mehr, als gerade in der Gegenwart und speziell in Deutschland die weltliche und die kirchliche Macht allen Anlaß haben, ihre Autorität gegenseitig zu stützen und zu stärken, um den Mächten des Umsturzes gegenüber ein gemeinsames Bollwerk «ntgegenzufiellen. Es kann keine Frage mehr sein, daß die Sozialdemokratie durch die weltliche Macht allein nicht überwunden werden kann, sondern daß durch die kirchlichen Gewalten, ob sie protestantisch oder katholisch sein mögen, in dem Volke wieder die Grundsätze zur Anerkennung gebracht werden müssen, die allein imstande sind, dasselbe gegen die sozialdemo- kratischen Ideen zu feien. Diese Aufgaben können die beiden Kirchen nicht erfüllen, wenn der Staat sich in den konfessionellen Kampf zu gunsten der einen oder andern Kirche einmischt und öamit den konfessionellen Kampf schüren hilft. Der Staat hat beiben Kirchen dieselbe Haltung entgegenzubringen und wenn sie der einen die volle Entfaltung ihrer Kräfte gestattet, die andere aber in chrer Bewegungsfteiheit hemmt, so begibt sich der Staat damtt eines wichtigen Mittels im Kampfe gegen die Sozialdemokratie, denn die Folge davon ist, daß ihr nicht nur die sittlichen Kräfte verloren gehen, welche sie durch die Einengung der einen Konfession unterbindet, sondern daß auch durch den konfessionellen Kampf die andere Seite verhindert ist, ihre ungeteilte Kraft . gegen die Sozialdemokratie aufzubieten.
Der Kampf gegen die Sozialdemokratte kann : aber nur dann von Erfolg sein, wenn er von ■ beiden Konfessionen gemeinsam unter Hintansetzung : der sie trennenden Momente geführt wird. Und 1 hierzu wird ei in Deutschland die höchste Zeit.
Mit kleinlichem Gezänk und mit politischer Eifer- üchtelei, welche den Katholiken ihr gutes Recht vorenthalten will, kommen wir der Sozialdemokratie gegenüber nicht weiter. Hier muß eine Politik von erhabenerem Standpunkt aus betrieben werden; ein solcher Standpunkt setzt aber zunächst voraus, daß man sich gegenseitig nicht mißtraut und sich gegenseitig das zugesteht, worauf beide Teile mit Fug und Recht Anspruch erheben können: die praktische Gleichberechti gung! Diese fehlt uns Katholiken heute immer noch und daran können alle guten Beziehungen zwischen Berlin und Rom nichts ändern.
Die schwache Hoffnung, welche Re anfänglich noch sesthielt, war zuletzt gänzlicher Hoffnungslosigkeit gewichen. Daß ihr Bruder sein Wort gebrochen und toieberum ben deutlichen Beweis geliefert hatte, daß ihm die sittliche Kraft, sich zum Befleren zu wenden, fehle, hatte Elisabeth tief niedergebeugt. Hätte sie nicht geumßt, daß der Gnade Gottes nichts unmöglich ist, sie wäre an ihrem Bruder verzweifelt.
Der Brief, den sie hielt, war von ihm, aus Hamburg datiert; aber zur Zett, da sie ihn empfing, war chr Bruder nicht mehr dort; schon trug chn ein schneller Dampfschiff nach Amertta.
Er hatte im Spiele Glück gehabt und eine ziemlich bedeutende Summe gewonnen; außerdem war er ihm gelungen, seine Pension schon für mehrere Jahre im Voraus zu verpfänden.
So mit den nötigen Mitteln ausgerüstet, war es ihm wie eine Fügung des Himmels erschienen, daß chm einer seiner Freunde den Vorschlag machte, mit chm auSzuwandern.
Er verabschiedete sich in den zärtlichsten Ausdrücken von seiner Schwester. Um sie noch einmal zu sehen, war er zur Zeit, da er fte in der Kirche wußte, auch hingegangen; aber er hatte nicht den Mut gehabt, ihr persönlich Lebewohl zu sagen; er hatte gefürchtet, ihren Tränen und Bitten nicht widerstehen zu können, und fort mußte er; nur in der neuen Welt, wo die Schmach seines Namens ihn nicht mehr niederdrücken würde, konnte er noch au: Glück hoffen.
Er bat fte um Verzeihung, daß er fein Wort gebrochen habe: aber der Gedanke, sich als Schreiber in eine enge Stube einzusperren, unter der Aufsicht des pedantischen KauzleirateS, war itm schlimmer erschienen, als lebendig begraben zu werden.
Er dantte ihr für all ihre Siebe, er versprach ihr, ein neues Leben zu beginnen, em Leben der Arbeit und ernsten Ringens. Das Glück, so hoffte er mit Sicherheit, würde ihm jenseits deS Ozeans blühen «nb ihn halb in bie Lage versetzen, zurück
Berlin, den 8. August 1903.
* Der Kronrat, welcher nach Rückkehr des Kaisers stattfinden soll, hat Anlaß zu Gerüchten von einer Ministerkrifis gegeben. Hierzu bemerkt die ,Post', daß ihres Wiffens gar nichts besonderes vorgehe, sondern daß den Kronrat lediglich die Frage, welche Maßnahmen zum Besten der unter dem Hochwaffer leidenden Landesteile getroffen werden sollen, befchäftlgen werde.
[:] Offiziöses Ungeschick. Unter diesem Titel wird dem Grafen Bülow wegen des Verhaltens der Regierung zu der Ueberschwemmungs- frage in der »Deutsch. Tagesztg/ den Text gelesen. „Die große Kunst eines leitenden Staatsmannes, meint dieselbe, besteht darin, daß seinen Intentionen auch dann entsprochen wird, wenn er persönlich und unmittelbar nicht in der Lage ist, bestimmend einzugreifen." Mit dem Verhalten der Regierung in der in Rede stehenden An
gelegenheit sind wir auch nicht zufrieden gewesen. Indessen scheint es uns doch zu weit zu gehe», wenn man aus den Vorkommniffen dem Grafe» Bülow einen Strick zu drehen sucht.
§ Deutsch-russischer Handelsvertrag. An den Vorverhandlungen in Petersburg für den deutsch -rusiischen Handelsvertrag nähme» von deutscher Seite außer den schon genannte» Unterhändlern noch folgende vorttagende Räte teil: Der Geheime Legationsrath im Auswärtige» Amt Dr. Goebel von Harrant, bei Geheime Regierungsrat iim Reichsamt des Innern Müller und der Geheime Regierungsrat im preußisch« Finanzministerium Bonnenberg.
Der vortragende Rat im Reichs- Eisenbahnamte, Geh. Ober-Regierungsrat Dr. Theodor Gerstuer, hat am SamStag fern 5OjährigesDienst-Jubiläum gefeiert. Aus diesem Anlaffe schreibt der,Reichsanz/: „Ausgestattet mit reichem juristischen Wissen, sowie mit einer umfaffenben Kenntnis des Eisenbahn- Verkehrswesens hat Dr. Gerstner während einer 30jährigen Tätigkeit im Reichs-Eisenbahu- amte in unermüdlicher Arbeit Hervorragendes geleistet, insbesondere gilt er auch auf dem Gebiete des internationalen Eisenbahn-Frachtrechtes als
Die Krönung der Papstes Pim X-
• Rom, 9. Ang. 1903. Die Krönungs- feierlichkeiten, wozu die umfaffendstKt Vorbereitungen getroffen waren, find heute in der Peterskirche mit großer Pracht von Statten gegangen. Der Fremdenzudrang war ein ganz bedeutender; auf 50000 schätzte men die Menge, welche im weiten St. Petersdom der für die katholische Christenheit so bedeutungsvollen Handlung beiwohnte.
Bon allen Feierlichkeiten, die m früheren Zeiten, als der Papst noch im Besitze des Erbgutes des hl. Petrus war, auf die Papstwahl folgten, ist «ach der Wahl Leo's Uli. nur eine, und zwar die . Krönung des Papstes beibehalten worden. Da , durch dieselbe der neugewählte Papst kerne Er-; Weiterung feiner Rechte erhält, könnte sie auch' untertffffen werden. Seit dem früheren Mittel- alter datiere« die Päpste ihre Pontifikatsjahve nicht nach drm Tage der Wahl, sondern nach dem 'Tage der Rrönung und erlassen vvr dieser keine Bullen, sonder« nur Breven; wird dennoch eine Bulle erlassen, so bleibt jene Seite des ««gehängten Sieges, die sonst das Bild des gekrönten Papstes zeigt, ganz leer, weshalb sie als bufla dimidiata (halbe Bulle) bezeichnet wird ; die Rechtswirkung der Bulle wird durch diesen Mangel nicht beeinflußt, da der neugewählte Papst schon ttn Augenblicke der Annahme der -auf ih« gefallenen Wahl in ben vollen Besitz der J^risdikttousgewalt gelangt.
Der Papst wird bekanntlich gckvönt mir der dreifachen Krone, -der Tiara. Bis in das achte Jahrhundert gebrauchten die Päpste nur die Mitra, wie die Übrigen Bischöfe. Seitdem sie ccker Landesherren der Stadt Rom und deren Umgebung geworden waren, wurde ihre Mitra zum Zeichen der weltlichen Herrschaft mit einem goldenen Reif umgeben. Diese Vereinigung der Symbole der päpstlichen und königlichen Würde ist seit Nikolaus dem Großen nachweisbar, wurde «Ler wahrscheinlich schon in früherer Zett vorgenommen. Um die Mitte des elften Jahrhunderts wurde ein zweiter Reis hinzugefügt, dem dann Urban V. den dritten Reif anreihte. An der Spitze der kegelförmigen Tiara befindet sich daS Symbol der Weltkugel mtt dem Kreuze. LMrch die Dreizahl der Kronen soll die dreifache Gewalt des Papstes: die Binde- und Löfegewalt «ff Erden und im Himmel, sowie die weltliche Ge- «all Über den Kirchenstaat zum Ausdruckegelangen. Mtt der Tiara erscheint der Papst, wenn er als
*. Deutschland und Rom.
Mit der gestrigen Krönung Pius' X. als Papst hat das schmerzliche Ereignis, welches am 20. Juli im Vatikan eingetreten war, seinen Abschluß gefunden. Das katholische Volk der gesamten Welt hat an der feierlichen Krönung des Nachfolgers Leos XIII. innigen Anteil genommen und sieht der Vatikanischen Politik unter seiner Führung mit Vertrauen entgegen. Besonders das katholische Volk Deutschlands erhofft von ihr, doch sie die .guten Beziehungen Deutschlands zu Rom im Sinne des verstorbenen Papstes weiter pflegen werde. Aber nicht nur bie bentschen Katholiken hegen diese Hoffnung, sondern mit ihr teilt sie auch die deutsche Reichsregierung, wie erneut in den Glückwünschen zum Ausdruck kommt, welche die ,Rordd. Allg. Ztg/ dem Papste Pius zu seiner Krönung bargebracht hat. „Wir haben, schreibt das offiziöse Blatt, der ausgezeichneten menschlichen Eigenschaften des aus dem jüngsten Konklave hervorgegangenen neuen Oberhauptes der katholischen Christenheit an dieser Stelle bereits gedacht. Wir machen diese sympathischen Grundzüge eines durch reiche Lebenserfahrung gefestigten Charakters nicht zum Gegenstand politischer Berechnung, wollen uns aber gern der Hoffnung hingeben, daß die Persönlichkeit des neuen Pontifex eine Bürgschaft für bie Er- widenmg der vertrauensvollen Gesinnungen bildet, mit denen sich die deutschen Katholiken ihrem höchsten Bischof zuwe»den. Die Wah Pius' X. hat die leitenden deutschen Kreise mit Befriedigung erfüllt. Aufrichtig vereinen wir «ns mit unseren katholischen Mitbürgern, um Seiner Heiligkeit zum Krönungsfeste herzliche Glückwünsche ausznsprechen für ein langes, gesegnetes, friedliches Pontifikat!"
Es muß katholischerseits anerkannt werden, daß das ganze Verhalten der deutschen Regierung i sowohl gegenüber dem Hinscheiden Leos, wie auch gegenüber dem Konklave und dem aus chm hervorgegangenen neuen Papste nicht nur korrekt war, sondern auch die deutschen Katholiken fympathisch berühren mußte. Wir freuen uns dessen — nicht aus Egoismus, denn wir find es von jeher gewohnt gewesen, auf unsere eigene Kraft im politischen Kampfe zu vertrauen
zukehren und ihr durch bie Tat seine Erkenntlichkeit zu beweisen. Hier fei er nur eine fortwährenbe Last für sie, ja sogar ein birekteS HinberuiS ihres Glückes.
ES folgte ein merkwürbiger PaffuS im Briefe, ben Elisabech schon wiederholt gelesen hatte.
In dem Briefe schrieb Hubert nämlich: „Am Morgen nach unserer Unterredung begegnete ich dem Kanzleirat. Ich grüßte und wollte an chm vorüber. Ganz gegen seine Gewohnheit hielt er mich an und bat mich, eine Strecke Weges mit ihm zu gehen. Ich tat, wie «r wünschte. Da machte er mir, zwar in verblümten NedenMrten, aber doch deutlich genug die für mich nicht sehr schmeichelhafte Eröffnung, daß Dir wohl schon mancher brave Mann seine Hand angeboten hätte, wenn, nun wenn ich eben nicht Dein Bruder wäre. Ich fand daS höchst eigentümlich und fragte ziemlich spöttisch, waS er denn meine, daß ich da zu tun habe; ich könne doch, die Tatsache nicht ändern. Und ftebl Der brave Mann machte die erste Anspielung, ich möchte doch auSwandern.
„In dem Augenblicke war ich durchaus nicht reiselustig genug, um von dem freundlichen Ansinnen sonderlich erbaut zu sein; ich ahnte nicht, daß kurze Zett darauf ich selbst eine Auswanderung für das Vernünftigste erkennen würde."
Elisabeth war es unbegreiflich, wie der Kanzleirat ihrem Bruder einen Rat geben konnte, der so vollständig ihren Wünschen entgegenstand; in ihrem Schmerze wegen des Bruders beachtete fte weniger, was in dem Briefe ihre eigene Person betraf. Es dauerte geraume Zeit, ehe fte fich etwas fassen konnte. Noch beim Abendbrot sah man die Spuren ihres Schmerze- an ben geröteten Augenlidern.
Sie teilte dem Kanzleirat das Vorgefallene mit, ohne zu bemerken, daß sein Auge bei ihrer Erzählung freudig auileuchtete; seinen tröstenden Worten schenkte sie wenig Gehör, hatte er ja selbst ihrem B.nder die Auswanderung angeraten.
Schon am folgenden Tage, da sie etwas ruhiger geworden war, fing sie an zu grübeln, welchen Sinn
wohl die Worte des Kanzleirates gehabt haben konnten, und eine unerklärliche Angst befiel fte. Sollte er nur so im allgemeinen gesprochen, oder sollte er irgend etwas Bestimmtes gemeint haben? War eS möglich, daß ein Mann nach ihrer Hand strebte und Anstoß an ihrem Bruder nahm?
In ihrem Zimmer stand wie gewöhnlich ei» frisches Blumenbukett, welches der Kanzleirat nie vergaß, ihr jeden morgen noch vor seinem Gang aufs Bureau zu überreichen. Heute widerten Re diese Blumen an; sie fand ihren Duft betäubend; sie nahm da» Bukett und trug es in die allgemeine Wohnstube.
AlS der Kanzleirat mittags nach Haufe kam, fiel eS Lisbeth zum ersten Male auf, daß er fich, fett sie ihn kennen gelernt hatte, sehr verändert habe und zwar, wie fte meinte, zum Nachteil. Statt des väterlich vertrauenerweckenden Wesens hatte er etwas stutzerhaft Geckenhaftes angenommen; seine Kleidung war übertrieben elegant; der jugendliche Schnitt konttastierte seltsam mit den schon stark graumelierte» Haaren und dem alternden Gesichte.
Zu anderer Zeit wäre Elisabeth alles daS mar sehr komisch vorgekommen, heute beängstigte und bedrückte eS sie. Die artigen Worte, welche er an sie richtete, kamen ihr fade und süßlich vor; sie wünschte sich weit weg auS feiner Nähe. Als er für den Nachmittag einen gemeinschaftlichen Spaziergang vorschlug, gab sie Ermüdung als Hinberungsgrund an, und als er nun auch zu Hause blieb, schützte sie Kopfschmerzen vor und begab sich in ihr Zimmer zurück. Sie verschloß fich, verbarg ihr Gesicht in den Händen und schluchzte bitterlich. Es war, als fei ihr plötzlich ein Schleier von den Augen genff en worden; einzelne zerstreute Aeußernngen traten chr in* * * * § Gedächtnis und verwebte» sie zu einem Ganzen, das sie erschreckte.
„Allein, verlaffen," seufzte sie, „ohne Mutter, ohne Schutz. In diesem Hause kann ich nicht länger bleiben; noch heute abend will ich dem Kanzleirat meinen Entschluß mitteilen. Aber wohin? UeberaU hin, nur nicht hier. Ich bin ja jetzt frei Wie der
Fügungen.
Erzählung von A. Lhdolph.
<0 ------ (Nachdruck »erboten.)
„Manfred/ sprach sie, „erwähne diese Gratulation nicht erst vor den Andern. Ich will nicht, daß man Lisbeth dafür, daß sie meiner in Freundschaft gedacht hat, noch beschimpfe; ich werde ihr gelegentlich meinen Daick abftatten."
Manfred freute fich über daS gute Herz feiner Schwester und küßte ihr in überwallender Empfindung zärtlich die Hand. „Werde fo glücklich, Schwesterchen, Wie Du es verdienst!"
Dar Hochzeitsfest verlief glänzend, besonders war * Manfred, der ganz mit der früheren Lebhaftigkeit und Elastizität des Geistes die Gesellschaft unterhielt und animierte.
Keine Spur von Schlaffheit oder Trübsinn war an ihm zu merken; er lachte und scherzte mit den anwesenden jungen Damen und war so ungezwungen Reiter, daß-selbst das argwöhnische Auge keine Verstellung darin erblicken konnte.
Während der frohen Hochzeitsfestlichkeiten im Hause de» Präsidenten saß Elisabeth in tiefer Betrübnis allein in ihrer Stube. Sie hatte eine Stickerei vor sich, aber sie arbeitete nicht daran.
Die linke Hand stützte das schöne Haupt, während die rechte einen entfalteten Brief hielt. Sie faß so unbeweglich, daß man sie für schlafend gehalten hätte. Wenn nicht von Zeit zu Zeit eine Träne auf die Arbeit herniedergefallen wäre.
Vierzehn Tage waren bei floffen feit jenem Abend, an welchem Hubert feierlich Befferung gelobt hat e. Der Morgen, an welchem er zu chr kommen wvllt^ war angebrochen, ihr Bruder aber war nicht erschienen und so war ein Morgen nach dem andern gekommen nttb sie hatte vergeblich auf ihn gemattet