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Fernsprecher Nr. 9.
flllda, Donnerstag, den 6. August 1903.
30. Jahrgang.
Papst Pius X
Die Zeitungen aller Parteien beschäftigen sich «ingehend mit der Persönlichkeit des neuen Papstes und es werden dabei immer neue interessante Züge aus dem Leben desselben begannt. Es ist einstweilen unmöglich, die vielen sich oft widersprechenden Angaben auf ihre Richtigkeit zu prüfen und wir müssen uns deshalb darauf beschränken, die Meldungen, so wie wir sie finden, wiederzugeben. So schreibt die Germania': „Als Pfarrer von Salzano ging Sarto in seiner Wohltätigkeit so weit, daß er sein armseliges Rößlein verkaufen und den Parochial- ring verpfänden mußte, um einer notleidenden Familie zu Hilfe zu kommen, als Bischof von Mantua war er meist schon am Dritten des Monats ohne Geld. Einst spielte sich da eine hübsche humoristische und zugleich liebenswürdige Scene ab. Der Bischof saß in seinem Schreibzimmer, als seine Schwester hereinstürzte und mit allen Zeichen des Schreckens meldete, das Fleisch sei ihr vom Feuer gestohlen worden. Ohne sich auch nur umzuwenden, bemerkte der Bischof trocken im Dialekt: „Das hat sicher die Katze genommen." „Ach was!" versetzte die gute Frau eifrig, „die Katze trägt nicht auch die Teller davon." „Nun, beruhige Dich, Schwester, ich habe es genommen. Es kam ein armer Mann, dessen Frau Bouillon braucht, und da hab' ich ihm das Fleisch geschenkt. Für unS wird schon 'der Herr weiter sorgen."
In Venedig steckte Sarto stets in Schulden da er alles, was er besaß, für die Armen aus .zugeben pflegte, und für sich selbst nur eine gelinge Summe zurückbehielt.
Pater Rossi, ein intimer Freund des Papstes, erzählt, so oft Sarto nach Rom kommen mußte, beklagte er sich bei seinen Freunden über die großen Ausgaben für das Mieten von Wagen und Pferden, sowie für die Trinkgelder an das Valikanpersonal. Jedesmal mußte er vorher bei der Markusbank eine Anleihe von 2000 Francs aufnehmen. Sein Einkommen als Patriarch war bescheiden und betrug 10 bis 12,000 Lire jährlich, womit er seinen Unterhalt und viele andere Dinge bestreiten mußte.
Pater Rossi rühmt ferner die große Liebenswürdigkeit Sartos gegen jedermann, seinen Freimut, sowie den geistvollen Witz, der sich zuweilen zu einem beißenden Sarkasmus steigert, lieber die politische Stellung des neuen Papstes wollte sich der Pater nicht direkt äußern und beschränkte sich auf den Hinweis, daß Sarto stets voll Duldung, Takt und Vaterlandsliebe war. In Venedig war er mit dem Bürgermeister Grafen Grimani nahe befreundet. Mit dem Präfekten von Venedig, sowie mit dem Polizeidirektor Marchconni pflegte der Kardinal häufig ein paar Karten- fpielchen zu machen.
Bemerkt sei nebenbei, daß der neue Papst bekannt ist als ein Reformator auf dem Gebiete der Kirchenmusik. Er ist ein Gegner des
Zügungen.
Erzählung von A. Uhdolph.
27 ------ (Nachdruck verboten.)
Die Präsidentin hatte in ihrer Ueberraschung ganz auf Manfred's Gegenwart vergessen. Er hatte noch kein Wort geäußert. Bei den letzten Worten seiner Mutter war er tief erblaßt; er lehnte sich in die Kissen des Wagens zurück und fragte jetzt mir ganz einfach, ob Fräulein Ulmenau keine Angehörigen besitze, Mutter, Bruder oder Schwester.
„Ich kann Ihnen darüber nicht genaue Auskunft geben; aber sicher weiß ich, daß damals noch ihre Mutter, die Frau Oberförster lebte, und daß sie auch einen Bruder gehabt hat, der Leutnant war; übrigens, wie sich beim Prozeß herausgestellt bat, ein toller Spieler und Schuldenmacher, der wahrscheinlich seinen Vater so weit gebracht hatte, um Defekte zu machen." Während sich die Präsidentin und das Brautpaar noch lebhaft unterhielten, schien Manfred ganz erschöpft; er nahm keinen Teil an der Unterhaltung; er hatte die Augen geschlossen wie zum Schlummer. Es war aber nur die Maske, unter welcher er den Aufruhr seiner Gefühle verbarg.
Er war froh, als »x. nach Haust kam und allein in seinem Zimmer war. Was hatte er an diesem Tage erfahren? Hätte er r-as früher gewußt, wie anders wäre alles gekommen!
Ein Gefühl nnbes'weiblichen Glückes durchbebte sein Herz; Lisbeth stand vollständig gereinigt vor ihm; alles war ihm klar, d r späte Besucher im Pavillon war ihr Bruder gewesm; er hätte vor ihr nieder- knieen wollen, um ihm 'w schmählichen Verdacht abzubitten, welchen er gegen Re gehegt hatte.
Auch neben diesem Gefühle des Glückes empfand er auch unsagbaren Schmerz, tiefstes Mitgefühl für daS namenlose Unglück des jungen Wesens, und Zorn und Verachtung gegen die eigene Mutter und die Schwestern.
theatralischen Bühnengepränges in den Kirchen und darum ein Vorkämpfer des gregorianischen Chorals, also für die Rückkehr zu würdig ernstem Gottesdienft. In feinem Klerus hat er viele Mißbräuche abgeschafft und ist überhaupt der Typus eines eifrigen Seelsorgers, Sarto ist ein Gegner des demokratischen und reform-katholischen Flügels der Christlich-Sozialen, und die Hauptveranlaffung, daß dieser den opera congressi unterstellt wurde. Sein Wappen ist ein achteckiger Stern zwischen zwei sich neigenden Siegespalmen. Pius X. spricht Französisch und Deutsch, besonders das letztere geläufig.
Trotz seiner hohen Stellung führte er in Venedig ein anfpru chsloses Leben, zeichnete sich aber durch große Wohltätigkeit aus. Selbst von liberaler Seite wird sein musterhaftes Leben anerkannt. Er stand in großem persönlichem Ansehen, gestützt auf feine Unantastbarkeit, auf seine vielseitigen Kenntnisse und seine administrative Erfahrung und Geschicklichkeit. Auch wird ihm große Festigkeit des Charakters nach- grsagt. Er beteiligte sich rege an dem öffentlichen Leben Venedigs und der ganzen Provinz.
Der römische Korrespondent des ,Berliner Tageblatts' entwirft folgende Charakteristik des Papstes:
„Der neue Papst vereinigt die der venezianischen Raffe eigene Gutmütigkeit mit Klugheit. Er ist stolz auf seine Abstammung von Bauersleuten und besucht den kleinen Hof seiner alten Mutter, so oft er nur kann. Sarto besitzt bei aller Milde auch eine große Dosis Energie, weiß zu befehlen und liebt es, seine Befehle nicht zu wiederholen. Es heißt, er sei ein tre'.flicher Latinist, während er von lebenden Sprachen außer feiner Muttersprache nur etwas Französisch spricht. Seine Augen sind sehr schön und ausdrucksvoll, meistens sanft, zuweilen voll Energie; fein Gang ist majestätisch, seine Gesichtsfarbe etwas gelblich. Im Verkehr erweist er sich geradezu als Charmeur."
In Uebereinflimmung hiermit schreibt die ,Vossische Zeitung':
„Den Fremden, die am jüngsten Osterfest in Venedig weilten und dem feierlichen Hochamt in der Markus- kirche beiwohnten, wird der würdevolle Patriarch unvergeßlich bleiben, der wie ein geborener Herrscher die Huldigungen der Geistlichkeit und der Laienwelt annahm. Wie er einherschritt, wie er sich verneigte, wie er sich setzte, wie er sich die Prunkgewänder anlegen und fein Haupt mit dem roten Hut fchmücken ließ — alles verriet vornehme Größe und stolzes Selbstbewußt- fein. Der Kardinal hielt von der Kanzel eine lange geistliche Rede, mit klarer, sicherer Stimme, mit Maß lebhaft, bald sich an das sorgsam ausgearbeitete Manuskript haltend, bald, wie der Eingebung des Augenblicks folgend, hin und wieder in die vollen, starken Töne einen fcharfen, fchneidenden, polemischen Accent mischend."
Die ,Vossische Ztg/ führt an anderer Stelle aus:
„Das Auge des neuen Papstes verrät große Klugheit, seine Rede umfassende Bildung, seine Haltung Sicherheit und Charakterfestigkeit. Er sieht aus, als hätte er das Zeug in sich, seines Amtes so energisch, wie die tüchtigsten Päpste des Mittelalters zu walten, sich weniger an die Ueberliefeiung zu binden, als eine neue Uebetlkferung zu schaffen, lieber seine Anschauungen gehen die Urteile so weit auseinander, daß man gut tun wird, seine Taten abzuwarten. Ist doch auch mancher Fürst, mancher Papst ein anderer vor und nach der Thronbesteigung gewesen; hat doch manche Regierung einen anderen Verlauf genommen, als man bei ihrem Beginn mit Sicherheit voraussehen zu dürfen meinte! Kardinal Sarto heißt heute Pius. Der
Wie war es möglich, daß sie ein so bedauernswertes Mädchen in die Welt hinausstoßen konnten! Wie verächtlich, ihr Tun noch durch Heuchelei, Lüge und Verleumdung zu beflecken!
Jetzt wollte er handeln! Lisbeth sollte glänzend gerechtfertigt, ihre Verleumder gedemütigt werden. Der nächste Tag schon sollte ihm Aufschluß geben, wo und in welchen Verhältnissen sie sich jetzt befand.
Als er sich nach einer schlaflosen Nacht erhob, hatte er sich zu ruhigerer Ueberlegung durchgekämpft. Er stellte sich vor, daß die ©einigen, sowie er selbst, nichts von dem Vorleben Lisbeth's gewußt hatten und sie deshalb nicht richtig beurteilen konnten.
Selbstverständlich billigte er das Tun seiner Mutter und Schwestern nicht, aber weil er Lidwina's Beweggründe und Machinationen nicht kannte, sah er es in milderem Lichte an und beschloß, vorläufig nichts von dem merken zu lassen, was in ihm vorging, und seine Nachforschungen nach Lisbeth ohne Wissen seiner Familie zu veranstalten.
13. Kapitel. Der Brief.'
Als sich Lisbeih nach ihrer Entlassung aus der Familie des Präsidenten zu Frau Banner begab, fand sie dort die freundlichste Aufnahme. Die gute Frau war ganz glücklich, ihr vielleicht in irgend etwas dienen zu können.
Lisbeth hatte das gute Verhältnis, welches zwischen ihnen bestanden, nicht abgebrochen; sie hatte im Gegenteil mit dankbarem Gemüt sich Mühe gegeben, die Wäscherin durch allerlei kleine Aufmerksamkeiten zu erfreuen, und diese wußte es zu schätzen, daß Fräulein Ulmenau trotz ihrer veränderten St'llung — der Wäscherin dünkte dieselbe sehr vornehm — durchaus nicht hochmütig geworden war.
Lisbeth überging vor ihr die Art und Weise ihrer Entlassung; sie gab chr nur ihre Absicht zu erkennen, wieder ein Stübchen für sich zu mieten und wie früher zu arbeiten.
Frau Banner widersprach nicht, obgleich sie eine Stellung in einer Familie als viel vorteilhafler an- sah. Im Hause selbst gab eS keine freie Stube.
Name wird für ihn eine Bedeutung haben. Will er dem letzten Träger dieses Namens nur seine dankbare Verehrung bezeigen als dem Papst, unter dem er feine Laufbahn begonnen hat? Oder will er anbeuten, daß er ein streitbarer Papst fein werde, wie es Pius IX. war? Die Beweggründe, die Absichten des neuen Oberhauptes der katholischen Kirche sind unbekannt; und ob auch die Prophezeiung, er werde „ignis ardens“, ein Feuerbrand, fein, wiederholt worden ist, derlei spielerische Scherze können für die Völker nicht von ernster Vorbedeutung fein. Die einen rechneten den Kardinal Sarto zu den näheren Freunden des Staatssekretärs Rampolla und bezeichnen ihn als einen Intransigenten; die anderen gaben zu, daß er zu den Un- versönlichen gehört habe, doch fei er feit Jahren von entgegenkommender Gefinnung gegen Italien beseelt gewesen; die dritten sahen in ihm gar einen Vertreter des Liberalismus. Für die buhlen Beurteiler aber ist er ein unbeschriebenes Blatt."
lieber die ersten amtlichen Handlungen des neuen Papstes verbreitet das Wolff'sche Bureau folgende Meldungen:
W. Rom, 5. äug. 1903. Wie die.Tribuna' berichtet, sind gestern abend die ersten von dem Papste unterzeichneten amtlichen Schriftstücke abgegan- gen, in welchen Papst Pius X. den fremden Hö'en und Regierungen seine Wahl mitteilt. — Der Papst bestätigte die Mitglieder der Anticamera des verstorbenen Papstes und ernannte einige neue Mitglieder derselben. Der Leibarzt D r. Lapponi und der Oberstkämmerer Bisleti wurden ebenfalls in ihren Aemtern bestätigt, ebenso wird Papst Pius den Majordomus Cagiano de Azevedo bestätigen.
W. Rom, 5. Aug. 1903. Heute Vormittag 10 Uhr begab sich der Papst in Begleitung der Würdenträger zu Fuß von seiner Wohnung nach der s i x t i n i s ch e n Kapelle, nahm dort die dritte Huldigung des Kardinalkollegiums entgegen und erteilte nach dem T-deum den Segen. Der Feier wohnten nur die Kardinale und die hier anwesenden Patriarchen, Erzbischöfe und Bischöfe bei. Zahlreiche Glück nunsch- depeschen von Staatshäuptern, Bischöfen, Vereinen rc. aus der ganzen Welt sind dem Papste zugegangen. Die Kardinäle haben ihre Konllavewoh- nungen geräumt. Die bisherige päpstliche Wohnung wird heute in Gegenwart des Grasen Pecci, des Dekans der Protonotare und anderer Zeugen entsiegelt werden. Der Kardinalvikar Respighi hat angeordnet, daß morgen von 10—11 Uhr die Glocken in allen Kirchen Roms geläutet werden.
W. Rom, 5. Aug. 1903. Der Kardinalvikar gab allen Kirchen Roms die Wahl des neuen Papstes bekannt und ordnete an, daß am 6. ds. Mts. ein Dankes-Tedenm gesungen werde. — Dem.Popolo Romano' zusolge wird der Papst vorläufig die Gemächer ein nehmen, die Rampolla inne hatte, und das Schlafgemach beibehalten, das er während des Konklaves hatte.
W. Rom, 5. August 1903. In kirchlichen Kreisen wird versichert, der Papst habe den Namen Pius zur Erinnerung an Pius VII. angenommen, der am 14. März 1800 in Venedig zum Papst gewählt wurde. Als man den Kardinal Sarto fragte, welchen Namen er tragen wolle, habe er geantwortet: „Im Vertrauen auf die Verdienste der Heiligen, welche die Kirche verteidigt haben, (von den Päpsten, welche den Namen Pius führten, sind mehrere heilig gesprochen worden), nehme ich den Namen Pius X. an."
W. Rom, 5. Aug. 1903. Mornale d'Jtalia' verzeichnet folgende Ergebnisse der Abstimmungen im Konklave: Es hätten erhalten am
Lisbeth wollte in ein Gasthaus; Frau Banner aber war untröstlich, sie sollte wenigstens für eine Nacht bei ihr bleiben. Lisbeth konnte die Einladung nicht abschlagen, ohne die brave Frau zu verletzen.
Am folgenden Morgen ging diese schon zeitig aus, um Wäsche wegzutragen. Als sie zurückkam, schien sie sehr heiter gestimmt; sie hatte offenbar etwas auf dem Herzen, und wußte nicht, wie sie damit herausrücken sollte. Endlich aber begann sie mit einiger Verlegenheit:
„Ich hätte eine recht große Bitte; Sie dürfen es mir aber nicht übel nehmen. Eigentlich ist es ein gutes Werk, das ich Ihnen Vorschläge. Es kommt mir so vor, als wenn Sie der liebe Gott ganz eigens hier zu mir geschickt hätte, damit Sie Mutterstelle bei Waisen einnehmen könnten."
Lisbeth horchte auf: „Wie soll ich das verstehen?"
„Sehen Sie, ich wasche schon lange Jahre für einen Kanzleirat, noch wie er ein junger Schreiber war, und als er später heiratete, entzog er mir die Arbeit nicht ganz, weil er meinte, daß ihm niemand seine Wäsche so schön weiß und steif Herrichten könne, wie ich. Sein armes Weibel toart wohl auch bald zu schwach, um sich noch viel damit abgeben zu können. Sie blühte zwar wie eine Rose, aber es war Täuschung, es waren KirchhofSrosen; die Arme hatte die Schwindsucht. Nachdem sie ihrem Manne zwei niedliche Kinder geschenkt hatte, brach sie vollends zusammen. Das eine Würmchen, der kleine Joseph, war erst zwei Monate alt, da begrub man seine Mutter. Es war ein rechter Jammer.
„Glücklicherweise hatte der Kanzleirat eine Schwester, die zu ihm kam, seine Wirtschaft führte und die Kinder verpflegte. So ging'S ganz gut. Da lernte sie einen Schullehrer kennen, jünger als sie, der ihr den Hof machte. Nun gab's kein Halten mehr. Nach einer ganz kurzen Brautschaft heiratete sie den jungen Menschen, und der arme Bruder stand wieder allein auf fremde Leute angewiesen.
„Zwei Jahre führt er nun schon ein geplagtes Leben; es ist ihm nicht gelungen, Jemanden zu finden, der ihm sein ganzes Hauswesen ordentlich besorgt und die Kinder erzieht. Er hat es sich viel kosten lassen, aber
1. Aug. morgens: Rampolla 24, Gotti 17, Sarto 5, Sereftno Bannutclli 4, Oreglia, Capecelatro und Di Pietro je 2, Agliardk, Ferrata, Richelmy, Portanova, Casetta und Segna je 1 Stimme; abends Rampolla 29, Gotti 16, Sarto 10, Richelmy 3, Capecelatro 2, Serafino Vannutelli 29, Sarto 21, Gotti 9, Oreglia, Di Pietro und Capecelatro je 1 Stimme; abens: Rampolla 30, Sarto 24, Grtti 3, Oreglia und Di Pietro je 2, Capecelatro 1 Stimme; am 3. August morgens: Sarto 27, Rampolla 24, Gotti 6, Oreglia, Capecelatro, Prisco und Di Pietro je 1 Stimme, (ine Stimme „nemini“ (niemanden); abends: Sarto 35, Rampolla 16, Gotti 7, Oreglia 2, Capecelatra 1 Stimme, 1 Stimme „nemini“; am 4. Aug. morgens: Sarto mit 50 Stimmen gewählt, Rampolla 10, Gotti 2 Stimmen. Bei der letzten Abstimmung soll Sarto für Gotti gestimmt hoben.
Noch genauer weis natürlich die frankfurter Zeitung' Bescheid über die einzelnen Vorgänge im Konklave. Man sollte fast glauben, die Kardinäle hätten gleich nach Schluß der Wahl nichts eiligeres zu tun gehabt, als dem Mitarbeiter des jüdisch-demokratischen Frankfurter Blattes genauen Bericht über die einzelnen Abstimmungen und ihre Gründe auseinanderzusetzen. Derselbe weiß seinem Blatte folgendes zu melden:
* Rom, 5. Aug. 1903. Sartos Wahl ist ein Sieg der fremden Kardinale, welche die Kurienkardinäle ausschließen wollten. Im ersten Wahlgang erhielt Sarto nur vier Stimmen. Die Haltung der ftemden Kardinäle bewog Vannutelli, Agliardi und Satolli für Sarto einzutreten, der dann von Kopp, Goosens (Mecheln), Netto (Lissabon) und von einigen Franzosen kräftig unterstützt wurde. Am Montag Nachmittag batte Sarto schon 40 Stimmen, gestern Morgen 50. Rain» polla erhielt 10, Gotti 2 Stimmen. Sarto erhielt also sieben Stimmen mebr als Leo XIII. im Jahre 1878.
* Rom, 5. Aug. 1903. Von „guter Seite" erfahre ich Genaueres über das Konklave. Die Rarn- pollianer, geführt von den Franzosen und nie Gottianer, geführt von den Deutschen, waren entschlossen, nicht nachzugeben und wenn das Konklave einen Monat gedauert hätte. Montag Morgen hatte Rampolla noch 38 Stimmen und Gotti 22. Montag Nachmittag verließen die Deutschen Gotti und stimmten für Sarto, der auch die früher auf Vannutelli, di Pietro und Capccelatto zersplitterten Stimmen erhielt. Diese wuchsen Dienstag Morgen auf 55. Rampolla erhielt 4, Gotti nur 2, die Rampolla und Sarto gegeben hatten.
[] Der HationaDiberaHsmus.
Ein ®elegtertentag der national- liberalen Partei des Königreichs Preußen ist für Ende September in Aussicht genommen. Wohl mit Rücksicht auf das gespannte Verhältnis, das zwischen den Nationalliberalen und den Konservativen in der Provinz Hannover besteht, ist als Ort für den Parteitag die Stadt Hannover auserfehen. lieber das Programm verlautet noch nichts, doch wird man in der Annahme nicht fehl gehen, daß der Parteitag mit der Agitation für die bevorstehenden Wahlen zum preußischen Landtag sich beschäftigen wird.
Schon neulich haben sich Anzeichen dafür eingestellt, daß der Kampf diemal mit aller Macht gegen das Zentrum geführt werden soll. Dieser Kampf wird jetzt auch von der ,Nat.
er hat kein Glück; bald hatte er eine Person, die ihn auf jede Weise hinterging und — geradezu gesagt — bestahl; bann war wieder eine, die eine schreckliche Wirtschaft führte und die Kinder grob und roh behandelte oder, was noch ärger ist, er bekam eine Dame, ziemlich ältlich und verblüht, die absolut Fran Kanzleirätin werden wollte.
„Jetzt vorläufig bat er nur eine Köchin, geschickt und ordentlich, aber nicht geeignet, die Kinder zu erziehen. Was soll aus ihnen werden? Der Vater ist den ganzen Tag auf dem Bureau. Verzeihen Sie, gnädiges Fräulein, wenn ich etwas tat, was Sie vielleicht mißbilligen, aber es tarn mir wie eine Eingebung von oben. Als ich ihm heute die Wäsche hintrug, sprach ich von Ihnen, d. h. nur so viel, als daß ich eine Dame wüßte, die er sich gratulieren könnte, in sein Hans zu bekommen. Der arme Mann ging sofort mit Freuden darauf ein.
„Ohne Sie gesehen zu haben, läßt er Sie dringend bitten, die Stellung bei ihm anzunehmen; er will Ihnen geben, was Sie nur verlangen. Nun, jetzt habe ich geredet. Zürnen Sie mir? Oder was meinen Sie? Ist es nicht ein gutes Werk, sich armer Waisen anzunehmen, sie zu erziehen? Es sind so liebe, gute Kinder, aber auch so zart. Sie werden Ihnen gewiß nur Freude machen. Und der Herr Kanzleirat ist ein so kreuzbraver Herr. Sie können bei ihm einen sehr anständigen Haushalt führen; er hat ein gutes Gehalt und von Hause aus ein schönes Vermögen; auch seine verstorbene Frau war nicht mittellos. Er ist nicht mehr der Jüngste; er hat spät geheiratet; er ist ein angehender Fünfziger."
Lisbeth hatte den Wortschwall der guten Frau schweigend angehört. Offen gesagt, fühlte sie keine Lust, wieder in ein fremdes Haus zu treten, und außerdem kam es chr ganz überraschend, zu einem Witwer zu gehen. In dieser Weise äußerte sie sich auch gegen Frau Banner.
Diese aber ließ keinen Einwand gelten und zur Unterstützung ihres Vorschlags klopfte es an der Türe und zwei allerliebste Kinder, ein Knabe unb ein Mäbchen, traten in bie Stube. (3- T)