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Fulda, Mittwoch, den 5. August 1903.
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30. Jahrgang.
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den beiden älteren Schwestern, die plötzlich fromm geworden waren und es für unpassend erklärten.
In Wahrheit hatten sie nicht Lust, auf einem Feste zu Ehren der jüngeren Schwester erst in zweiter Linie zu glänzen. Trotz der groben zur Schau getragenen Freude war es ihnen im Grunde höchst peinlich, von der nach ihrer Ansicht unschönen Schwester überflügelt worden zu sein.
Frieda war in ihrem bräutlichen Glücke sehr nachgiebig, und so wurde nur ein seines, steifes Diner angesetzt. Ralbow war es recht, daß er es so nicht nötig hatte, vor großer Versammlung den glücklichen Bräutigam spielen zu müssen. Ehe die nächste Saison ihren Anfang nahm, war er längst verheiratet, da die Hochzeit schon für den , Juni anberaumt wurde.
Lidwina hatte für dieselbe ihre ganz besonderen Pläne. Baron Paul von Eggenberg sollte als Zeuge geladen werden. Es.war nicht gut möglich, daß er eine solche Aufforderung zurückweisen konnte. Ihr bot sich dadurch eine Gelegenheit, ihn in ihrer Nähe zu haben, und es sollte wahrlich nicht an ihr liegen, ihn dauernd zu fesseln.
Unterdessen war Ostern herangekommen, und mit diesem Feste war auch Manfred in die Residenz zurückgekehrt. Nur durch angestrengte Arbeit hatte er vermocht, die ihn verzehrende Leidenschaft zu Lisbeth etwas zu dämpfen. Trotz der sich ihm mit Gewalt aufdrängenden Beweise, daß sie für ihn verloren sei, konnte er sich nicht mit diesem Gedanken vertrau! machen.
Im tiefsten Innern seines Herzens lebte immer noch eine schwache Hoffnung, an welche er sich mit Zähigkeit anklammerte. Es war ihm beinahe uner träglich gewesen, ohne alle Nachricht von ihr bleiben zu müssen. Er glaubte sie im Hause seine-- Eltern, wagte aber nicht, ihrer in seinen Briefen zu erwähnen.
Eltern und Schwestern empfingen ihn bei seiner Heimkehr mit gewohnter Herzlichkeit. Er mußte sich Gewalt^ antun, um die Begrüßungen in derselben
Weise zu erwidern, da ihn brennende Ungeduld ver- z-hrte, Lisbeth wiederzusehen.
Der T io. der Abend verging; sie erschien nicht. Wo war sie? War sie krank? Länger konnte er sich nicht mehr beherrschen. Mit anscheinend gleichgiltiger Miene wandte ec sich an Frieda:
„Nun, Schwesterchen, wo hast Du denn Deine Gesanglehrerin? Deine Liebe hat wohl das Jntereffe für alles andere, selbst für die Musik verschlungen?*
Lidwina saß wie - uf Kohlen; Frieda's Antwort fiel jedoch zu ihrer Befriedigung aus. Ohne jede Bitterkeit im Tone, was dem argwöhnischen Manfred Beranlasiung zum Mißtrauen hätte bieten können, rief fie aus:
„Denke, lieber Manfred, Fräulein Lisbeth war undankbar genug, unser Haus ohne Grund plötzlich au verlassen; ja nicht einmal von mir, die ich fie doch so sehr geliebt habe, hat fie Abschied genommen. Ich weiß nickt, wo fie jetzt sein mag; vielleicht ist fie schon verheiratet. Sie hatte ja, denke ich, einen Bräutigam.* ’
Sie sprach etwas als ihren Gedanken aus, was ihr Lidwina geschickt beiqebracht hatte.
Erschrocken schaute Manfred nach seiner Mutter hi» Er konnte nur die Worte hervorpreffen:
„Ist dem wirklich so?*
„Leider ja, lieber Sohn; Aber sprechen wir nicht mehr von dieser undankbaren, zweideutigen Person!*
Mansred hörte nur wie im Traume, was noch um ihn herum gesprochen wurde; er selbst blieb gänzlich einsilbig und zog sich zeitig zurück; er fühlte es wie Blei in den Gliedern, und heftige Kopfschmerzen beraubten ihn fast des Denkvermögens.
Am folgenden Tage kam er nicht herunter und sein Diener meldete dem erschrockenen Präsidenten, daß er sehr fürchte, daß der junge gnädige Herr ernstlich krank sei.
Manired sträubte sich gegen die Annahme eines Arztes; aber bald konnte er keine Einwendung mehr machen; er lag bewußtlos im heftigsten Nervenfieber.
Fügungen.
Erzählung von A. Nhdolph.
------ (Nachdruck verboten.)
umspielt die Mundwinkel, von seiner Herzensgüte ein Zeugnis ablegend. Von Venezianern, die mit den Verhältnissen vertraut waren, hatte ich gehört, daß der Patriarch leidend sei, seine Züge indessen ließen keineswegs einen leidenden Zustand erkennen. Die Gesichtsfarbe ist gesund, und die ganze Haltung ist die eines gesunden Mannes. Die die Markuskirche durchflutende Menge — zu einem großen Teile waren es Angehörige des venezianischen Volkes, welches an dem aus seiner Mitte hervorgegangenen Patriarchen mit großer Liebe hängt —, verfolgte die ehrwürdige Gestalt des Kirchenfürsten mit ungeheuchelter Ehrfurcht, bis der glänzende Zug sich wieder aufgelöst hatte und in der Sakristei verschwunden war."
Die katholische Christenheit dankt Gott dem Herrn, daß er seiner verwaisten Kirche ein neues Oberhaupt und Leo XII. einen würdigen Nachfolger gegeben hat. Lang lebe unser hl. Vater Pius X. Gott schütze und segne ihn und verleihe ihm die Gnade, daß er auch fernerhin eine rei ch gesegnete Wirksamkeit entfalten könne zum Heile der Kirche und zum Wohle der ganzen Menschheit!
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3. y.?Ä«. Wochenbeilage: „Illustrierte Somitagrzeitmlg
□ Die Wahl des Kardinals Sarto zum Papste hat wieder einmal gezeigt, wie die „sachverständigen" Politiker auf der gegnerischen Seite trotz ihrer anspruchsvollen Versicherungen, daß sie über die Stimmungen im Vatikan genau unterrichtet seien, bezüglich der Persönlichkeit, die aus dem Konklave als die Trägerin der Tiara hervorgehen würde, im Finstern getappt haben, denn während man erster Stelle die Namen Rampolla, Oreglia, Vanutelli, Gotti nannte, wurde der Name des Patriarchen von Venedig tut an bescheidener Stelle genannt. Natürlich tellt man die Sache jetzt so dar, als ob Kardi- ial Sarto anfänglich gar keine Chancen gehabt -abe, sondern die Vereinigung der Stimmen auf ihn gewissermaßen nur das Ergebnis der Verlegenheit gewesen sei, in welche das Kardinals- ^ükgmm durch di- verschiedenen „Strömungen" versetzt st?wesen sei. Man bezeichnet daher den Neugewähltett als den „Kompromißpapst" und glaubt, damit etwas besonders Gescheidtes zu sagen. Und doch eiltet dirft- SSört der Ä:- deutung, welche man ihm damit beilegen will, denn schließlich beruht jede Papstwahl, die nicht aus dem ersten Wahlgang hervorgeht, auf einem Kompromiß. Kaum haben sich aber die Vermutungen über den Nachfolger Leos XIII. als irrig erwiesen, da werden schon in bunter Fülle die Betrachtungen über die künftige Politik Papst Pius X. laut. Die einen schöpfen dieselben aus der Vergangenheit des neuen Papstes, die andern aus dem Namen, den er sich als Papst beigelegt hat. „Durch die Wahl des Namens gibt ein neuer Papst zu erkennen, welchem seiner Vorgänger er sich innerlich verwandt fühlt, welchen er am meisten verehrt" — schreibt ein Berliner Blatt und folgert daraus, daß die Namenswahl Joseph Sartos eine Abkehr von den Bahnen der leoninischen
Politik ankündige, namentlich in Hinsicht auf das Verhalten der Kurie Italien gegenüber. Muß denn, selbst zugegeben, daß zwischen der Politik Leos XIII. und derjenigen seines Vorgängers ein so schroffer Gegensatz bestanden hätte, die Namenswahl gerade in Hinsicht auf Pius IX. erfolgt sein ? Es kann doch eben so gut unter den 8 übrigen Päpsten dieses Namens einer dem Kardinal Sarto als Vorbild vorgeschwebt haben, in dessen Verehrung er den Namen Pius wählte. Aber die Vermutung, daß der neue Papst der italienischen Regierung gegenüber einen schärferen intransigenten Standpunkt einnehmen werde, steht in schroffem Widerspruch zu demjenigen, was die gegnerischen Blätter aus der Vergangenheit desselben zu berichten wissen, daß er nämlich in Opposition zu dem Vatikan stets eine regierungsfreundliche Haltung beobachtet und „zum Aerger der Unversöhnlichen* dem König Humbert bei seinem Besuche in Venedig sein Aufwartung gemacht habe. Dieser Besuch des Kardinals sowie seine sonstige Haltung gegenüber der Regierung läßt auf die künftige Politik des Papstes keinen andern Schluß zu, als daß dieselbe von ihm in vorurteilsfreier Weise geführt werden wird. Eine Versöhnung daraus herzuleiten, die einen Verzicht auf die berechtigten Forderungen der Kurie dem Qnirinal gegenüber bedeuten würde, verliert eine päpstliche Politik, die mit einem Selbstoerzicht gleichbedeutend wäre.
Fast einmütig wird aber in der deutschen Presse der bescheidene, ruhige, versöhnliche und tief religiöse Charakter des neuen Papstes anerkannt und in den politisch angeseheneren Blättern wird in demselben mit Recht eine Gewähr dafür erblickt, daß der Popstwechsel keinen Systemwechsel bedeute, sondern die Politik Pius X. in denselben Bahnen fortwandeln werde, welche fein Vorgänger sich vorgezeichnet hatte. Wir sagten vorher, die Charakteroorzüge des Gewählten würden fast einmütig von der gegnerischen Presse anerkannt, der ,Reichsbote' stimmt selbstverständlich in dieselbe nicht ein Er wittert wieder Jefuitismus; fein Nachruf auf Leo XIII. war diktiert vom Jefuitenhaffe, das erste Wort, welches er dem neuen Papste widmet, geht aus derselben Gesinnung hervor. Pius X. ist dem .Reichsboten' der „Mittelsmann, auf welchem der Jefuitismus feine verschiedenen Gruppen schließlich vereinigt hat". Und während die anderen Blätter an dem neuen Papste rühmend hervorheb en, daß er sich als Kardinal von dem politischen Getriebe ferne gehalten, ist Pius X. für den,Reichsboten' ein Mann, der bisher „im Dunkeln" sein Spiel trieb und der vielfach „als geheimer Fanatiker" gilt. Nach außen ist er bedeutender und zugleich glatter, wie fein nächster Mitbewerber Di Pietro, der völlig „Rampollas Werkzeug" gewesen wäre. Nicht ohne Bedeutung ist, daß Sarto sich Pius X. nennen will. Er sieht sich also als Nachfolger dieses temperamentvollen Kampfpapstes an. Rampolla wird unter ihm wohl die Propaganda fide, wenn nicht gar das Staatssekretariat wieder
Lidwina tadelte die weichherzige Schwester, daß sie ihre Zuneigung an eine unwürdige Person verschwende, die wohl ihre nicht gerade sehr ebrenwerten Gründe haben muffe, sich so urplötzlich davon zu machen; außerdem machte sie ihren ganzen Einfluß bei der Präsidentin geltend, damit diese Frieda streng verbieten möge, Lisbeth bei einer zufälligen Begegnunq am der Straße avzusprechen, indem diese durch ihr Verbalten und ihre förmliche Flucht aus dem Hause jedes Recht auf die Achttrng anständiger Personen sich verscherzt habe.
Ein sehr freudiges, wichtiges Ereignis sollte bald jeden Gedanken an Lisbeth verdrängen. Der Regierungs- rat Ralbow hatte sich endlich erklärt, hatte beim Präsidenten um die Hand Frieda's an gehalten. Er hielt es für außerordentlich vorteilhaft für seine Karriere, sich durch eine Heirat mit der Familie Breten zu verbinden.
Er erhoffte nicht nur eine glänzende Mitgift, mehr galt ihm die Stellung und der bedeutende Einfluß des beim Hofe sehr hoch angesehenen Präsidenten, der ihm sicher den Weg zu den höchsten Ehrenstellen bahnte.
Die Wahl unter den drei Schwestern wurde Ralbow nicht schwer. Obgleich er ganz gut sah, daß Frieda die wenig schönste war, erkannte er doch sofort, daß fie von Charakter die beste und lenksamste sei.' So hatte er fick für fie entschi.den, ohne gerade Liebe für sie zu empfinden. Sie sollte für ihn eine Staffel zum Glücke sein, welches er in der höchsten Beftiedigung seines Ehrgeizes suchte.
Die offizielle Berlobungsfeier sollte trotz der vorgerückten Fastenzeit aufs raufchendste begangen werden. Das jProjekt fand aber entschiedenen Widerspruch bei
(:) Pius X.
Ib l-,tnr*in H°heü, Tugend und Weisheit!
Ihn zu erreichen ist schwer; doch ihm zu gleichen — $ ouLlQ®et Dein Name; er beuteTaufSiebe unb Güte.
Jxavft Du auch fromm wie ein Lamm, sei doch ein , Löwe an Kraft I
Lcoge bas „ br ennenbe Feuer" im Herzen die Liebe _ entzünden,
«te aus den stürmen der Zeit rettet die himmlische Braut!
Das hl. Kollegium der Kardinäle hat, wie wrr schon gestern unfern Lesern durch Extrablatt mitteilten, den bisherigen Patriarchen von Venedig, Kardinal Joseph Sarto zum Papst gewählt und dieser hat den Namen Pius X. angenommen.
Der neugewählte Nachfolger des Apostel- wrsten Petrus auf dem Bffchofsstuhle zu Rom steht tm Alter von 68 Jahren; er wurde geboren *n Riefe, einem kleinen Städtchen der Diözese Treviso in Venetien, welches bekanntlich damals (bis 1866) zur österreichischen Monarchie gehörte. Schon als Knabe und Jüngling zeichnete er sich durch tiefe Frömmigkeit, eifriges Studium und glänzende Charaktereigenschaften rühmlichst aus. Nachdem er zum Pnester geweiht war, widmete er sich mit großem Eifer der Seelsorge; er war nacheinander Pfarrer in Tombolo, Pfarrer in Salzanö, Domherr in Trevifo, Gesteralvikar des Bistums Trevifo und wurde dann am 10. Nov.
Mm Bischof von Mantua präkonisiert. Ungefähr 9 ^ahre lang wirkte er mit apostolischem Eifer in dieser ausgedehnten Diözese. Der Ruf seines segensreichen Wirkens verbreitete sich weit über die Grenzen feiner Diözese hinauf Sv b.enn auch mit doppelter Freude be= gr&^t, als der hochselige Papst Leo XIII. Msgr
KN und Patriarchen
,?en^*d ernannte. Zwar hatte die italienische Regierung, ül§ der Patriarchalstuhl von Venedtg durch das Hinscheiden des Kardinals Agostini erledigt worden war, Ansprüche auf das Präfentationsrecht geltend gemacht, ließ diese aber fallen, als Papst Leo XIII. Msgr. Sarto für diesen Posten in Vorschlag brachte. Die Ernennung erfolgte am 15. Juni 1893, nachdem er drei Tage vorher schon zum Kardinal.
Ueber die äußere Erschei nung des neuen Papstes schreibt ein Redakteur der ,@ermania', der vor kurzem in Venedig war und bei Gelegenheit einer kirchlichen Feier in der Markuskirche den Patriarchen Sarto gesehen hat, wie folgt: „Er ist mittelgroß, von stattlicher Erscheinung, seine Haltung ist gebeugt, seine Züge nicht scharf geschnitten, aber den Charakter ruhiger Entfchloffen- heit tragend. Ein freundliches gewinnendes Lächeln
übernehmen. Vielleicht steht Rom jetzt wirklicy im Zeichen eines „brennenden Feuers". Das Kardinalskollegium hätte jeden beliebigen anderen Kardinal zum Papste wählen können, das Urteil des .Reichsboten' würde nicht anders über ihn gelautet haben, denn Rom bleibt nach ihm immer der „Fluch der Völker", als welchen der Evangelische Bund es bezeichnet hat, und jeder Papst ist nach ihm das Produkt des Jefuitismus, der die Erde verdorren läßt, wo er den Fuß hinsetzt.
* Der neue Papst entstammt einer armen Bauernfamilie. Seine Mutter und zwei Schwestern sind noch am Lebxn, sie tragen alle Bauerntracht. (Nach anderer Meldung foll die Mutter längst tot fein. Die Redaktion ©ein Vater war ein Landwirt in kn schränkten Verhältnissen. Sein Bruder i ein kleiner Weinwirt in Mantua, sein Schwag hat einen Tabakladen in Riese, ein ander Schwager ist Organist der Pfarrkirche von Sa zano, wo Sarto selbst zehn Jahre lang Pfarv. war. In Venedig war der neue Papst als. Patriarch allseitig beliebt. Bei der Abreise zum Konklave kamen Tausende zum Bahnhofe, um den Kardinal zum letzten Mal zu begrüßen, denn alle ahnten, daß er nicht wiederkehren werde, mit Tränen im Auge rief der Kardinal der Menge zu: „Seid unbesorgt, ich werde Euch niemals vergessen!" Sarto ist sehr fromm, sehr einfach und bescheiden, von großer werktätiger Nächstenliebe. Er hat eine gewisse Aehnlichkeit mit Pius IX. Bezeichnend ist ein ominöses Witzwort, das gestern früh unter der Menge aus dem Petersplatze zirkulierte. Ein Witzbold bemerkte prophetisch: Die Regierung hat uns Italiener bis aufs Hemd ausgezogen, wir brauchen notwendig einen Schneider („sarto" heißt italienisch Schneider). Eine Viertelstunde später war de ersehnte Schneider da!
In der Presse wird allgemein festgestellt, da der neue Papst von durchaus versöhnlichen G> finnungen beseelt fei. Der Berichterstatter d< ,B. T.' meldet: „Sarto galt in früheren Jahr< für i.rtransigent, so daß im Jahre 1893 die itt lienische Regierung ihm nach feiner Ernennung zum Patriarchen von Venedig das Exequatur verweigerte. Erst nach langen Verhandlungen, und nachdem der Gemeinderat von Venedig eine Petition mit 100,000 Unterschriften an die Regierung gesandt hatte, erhielt er das Exequatur. Von da an betätigte sich Sarto durchaus als Mann des Friedens voll echter, tiefer Frömmigkeit. Ja er trug sogar ziemlich liberale Allüren zur Schau, was namentlich unlängst bei der Grundsteinlegung des neuen Markusturmes sich zeigte. An dieser Feier nahmen außer dem Kardinal auch der Unterrichtsminister Nasi und der französische Minister Chaumio teil. Nasi, eines der Häupter der italienischen Freimaurerei, erinnerte in seiner Festrede daran, daß die Venezianer sich seinerzeit rühmten, sie seien erst Venezianer, bann erst Christen. Sofort darauf ergriff der Kardinal das Wort zu feinem Hymnus auf die .Religion, ohne das Haus Savoyen und beffen ber Feier
Die Bestürzung und Angst der Familie war groß; die berühmtesten Aerzte wurden zu Rate gezogen; graue Schwestern wachten des nachts an Mansred's Bette; am Tage wechselten die Schwestern mit der Mutter in der Pflege des Kranken ab.
Wohl regte sich in dem schuldigen Herzen Lidwina's, welche klar den Seelenzustand des Bruders erkann und bewußt und überle t alle Schritte getan hattt um Lisbeth von ihm zu entfernen, manchmal dt Wuru: des Gewisiens, wenn sie ihren Bruder, de o starken, kräftigen Mann, jetzt hilflos wie ein Kini löhnend auf dem Lager sah und in seinen wilde Fieberphantafien den Namen LiSbeth's zu verstehe glaubte.
Sie erstickte aber jede Reue in ihren: Herzen, indem sie sich selbst von der Schuld. Lisbeth's zu überreden suchte, die, von verdächtiger Herkunft, durch die Künste gemeiner Kotterie zwei Herzen zu gleicher Zeft umstrickt hatte.
Schon war die Jahreszeit vorgerückt; der schöne Monat Mai nahte dem Ende. Durch die Krankhett Mansred's war man zur größten Zurückgezogenheft gezwungen worden; man trug schon Bange, ob Frieda's Hochzeit noch an dem bestimmten Termine würde statt» änd-n können.
Endlich erklärten die Aerzte Manfred für gerettet, wenn fie auch nicht die Befürchtungen unterdrückten, daß stch aus dieser Krankheit möglicherweise ein tiefes, langsam hinschleichendes, aber unheilbares Leiden entwickeln könne.
An einem herrlichen Nachmittag machte Manfred eine erste Ausfahtt; er suhlte sich schon kräftiger aber er war schweigsam; seine ,rühere Lebhaftigkeit chicn tiefem Ernst gewichen zu seein.
Ec war von seiner Mutter, Frieda und deren Bräutigam begleitet, man fuhr in einem offenen Wagen n einer Allee, die mit herrlichem Grün geschmückt, einen Lieblingsfpaziergang der Residenzbewohner bildete.
Auf einmal röteten sich Manfred'- blaffe Wangen: er richtete sich strammer auf; sein Auge erglänzte y
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